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Full text of "Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins"

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Zeitschrift 

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(leschichte des Oberrheins. 

Neue Folge. Band VIII. 



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Zeitschrift 

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(leschichte des Oberrheins. 

Neue Folge. Band VIII. 



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Inhalt. 



Der humanistische Freundeskreis des Desiderius Erasmus in Eon- 
stanz, Yon t Karl Hartfelder 1 

Die Strassburger Generalabsolution vom Jahre 1553. Ein Beitrag 
zur Politik Strassburgs im 16. Jahrhundert, von Alknin 

Bollaender 34 

Das Tagebuch des Herolds Hans Lutz von Augsburg über den 

Bauernkrieg. Wieder aufgefundener Text, von A. Adam . . 55 
Zur Geschichte der Erziehung des Kurfürsten Karl von der Pfalz 
und seiner Schwester Elisabeth Charlotte, von Friedrich von 

Weech 101 

Zur Geschichte der Burgunderkriege. Das Eriegi^ahr 1475. Die 

Reise gen Blamont, von Heinrich Witte 197 

Zur Kritik der Annalen von Schuttern, von J. May 256 

Die Reichsritterschaft beim Ende des alten Reichs, von J. 6. Weiss 289 
Die Übergabe der Stadt Freiburg i. Br. am 1. November 1718, 

von Friedr. von der Wengen 312 

Zur Erklärung der Marktprivilegien von Radolfzell und AUensbach, 

von Georg Kflntzel 873 

Lazarus von Schwendi und seine Schriften, von Ernst Martin . 389 
Beiträge zur Geschichte der Ortenau. I. Graf Burkard von Staufen- 

berg und die Grafen der Ortenau, von Theodor Mflller . . 419 
Aus dem Gengenbacher Klosterleben. (ProtocoUum Gengenbacense), 

von Fritz Baomgarten 436 u 658 

Das GeschöUe der Zorn und Mülnheim 1882, von Aloys Schulte 494 
Otto Brunfels als Verteidiger Huttens, von f Karl Bartfelder. . 565 
Der Erbauer des alten Strassburger Rathauses (Hotel du Commerce) 

von Otto Winckelmann (mit einer Tafel) 579 

Das älteste Urbar der Markgrafschaft Baden, mitgeteilt von Richard 

Fester 606 

Ein Konflikt zwischen dem Rate und der Bäckerzunft zu Kolmar, 

von^Eogen Waldner 616 

Noch einmal das Radol&eller Marktprivüeg, von Kolmar Schaobe 626 
Zur Geschichte des Klosters Lorsch, von Maximilian floffschmid 633 
Der Besitz des Klosters Lorsch im Elsass, von Gustav Bessert . 640 
Zur Geschichte des burgundischen Landvogts Peter von Hagen- 
bach, von Heinrich Witte 646 



VI 

MiaceUen 

Die Limeauntorsuchuiigeii in Hadoii, von Ktrl Sohomaober . 120 
Zwo! fierichto übor don lleiihstAg lu Frankftirt Id97/U8, von 

Riohtrd Fester 125 

Kachtrag xu „Strasburgs Anteil an der Erfindung der Bucli- 

druckorkunst^. von Karl Soborbaoh 12S 

Kin Vertrag über die l^Iratellung eiuea Flttgolaltars in Loux- 

kirch 1478, mitgeteilt von F. L. BtamailB 120 

Urkundliches über Hans Saclis, mitgeteilt von Ktrl Obser . 180 
Karl Friedrich von liaden in Lavaters Phyaiognomischen 

Fragmenten, von Helnrlcb Fonok 132 

Wallerant Vailhuit und MatthäuH Meriau der jttngt^re am 

baden -badischen Hofe, von A. Krieger 381 

l4uidstunnordnung ft\r den aüdlichen Schwarxwald, von Frlti 

Wernll 882 

Limesarbeiten in Baden, von Karl Sobomaober 517 

Arbeitslöhne beim Schlossbau in Durlach (1563— 15(>5), von 

Frtedrlob von Weeob 510 

Zur Geschichte der württembergischen Kartographie, von Lud- 
wig Heamanii 521 

Die MAnsterkirche xu Villingen, von Frtni Jakob Sobnltt . 703 

Ewiger Abend, von F. Ludwig Btlinianii 706 

Zwei Königsurkunden, von Rudolf Wiokerntf el 706 

Albreivht von Honstetten und Oallus öhem, von Moys Sobulte 700 
Tapst Sixtus V. über ilie Conversion des Markgrafen Jakob III. 

von Bailen und Ilachberg, von Frledrlob TOB Weeob . . 710 
Aus einem Stammbuch des siebiehnten Jahrhunderts, von 

demielbeii 7ii 



Litteratumotisen 134. 885. 524. 7U 

Nekrologe: 

Wilhelm Lttbko f» von Friedrich Leltiobvb 586 

Karl Hartfelder f» von Gustav Knod 538 

Hermann lUiumgarteu f. von W. Wlegaiid 5i2 



EhUUuiische Gesohichtslitteratur des Jahres 1801, lusammengestellt 

von Ernst Marckwald 157 

HadiHche Qeschichtslitteratur des Jahres 1801 , susammongestellt 
von P. Albert 546 



Mitteilungen der bad. hletorlBohon KommieBion Ko. 15. 

Bericht über die XI. Plenaraitiung am 11. und 12. November 
1802, erstattet von dem SekreUir der Kommission ... ml 



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Zeitschrift 

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(üeschichte des Oberrheins. 

Neue Folge. Band VIII. 



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2 Hartfolder. 

KonatÄnz war am Anfang des 16. Jahrhunderts nicht mehr 
ganz auf der früheren Höhe, Bereit« zeigten sich, wie bei 
anderen Reichsstädten des Südens, leise Anzeichen des Rück- 
gangs, eine Folge der veränderten Verkehrswege, die der 
Welthandel nahm, wodurch in der kommenden Zeit das süd- 
liche Deutschland seine Wichtigkeit fUr die grosse Weltstrasse 
vom Osten und Süden nach den nördliciien und westlichen 
Ländern Eui^opas einbUsste. 

Immerhin aber war Konstanz am Ende des Mittelalters 
nocli eine der wichtigeren Städte des südwestlichen Deutsch- 
lands, Ein behäbiger Bürgerstand lieferte auch manche 
tüchtige Kraft für die Berufsarten, denen die Pflege der 
geistigen Seite im menschlichtm Leben obliegt, Insbesonders 
hatten das Domkapitel und die sonstige Geistlichkeit manche 
tüchtige Männer in ihrer Mitte, die neben ihren Berufsge- 
sohäften auch für Wissenschaft und Kunst Zeit und Sinn übrig 
bitten, Bischof war Hugo aus dem Geschlecht derer von 
Hohenlandenberg im Züricher Gebiet, ein Mann von riesiger 
Leibesgestalt, selbst nicht sehr gelehrt, aber ein Fivund der 
(ielehrten, von Krasmus als ein milder, redlicher und lauterer 
Mann bezeichnet, *) ohne Hochmut und ohne die kriegerischen 
Neigungen mancher seiner Standesgenossen, in seinem Leben 
den Priester nicht vergessend. *) Sein Weihbischof war seit 
1Ö18 Melchior Fattlin von Trochtelflngen , früher Lehrer der 
Theologie an der Universität Freiburg und berülunt als aus- 
gezeichneter Kanzelredner, ein Mann von scholastischer Bil- 
dung, und wie es sclieint, ohne die spraclilichen kenntnisse der 
Humanisten, •) 

Zu den Domherren, die Sinn für litterarische Dinge hatten, 
dürfte Georg Nauderus, der Neffe des Johannes Nauclerus, 
gehört haben, der das von seinem Oheim verfasste Chronicon 
im Manuskript besass und es dann an den Drucker Thomas 
Anshelmus Badensis überliess, so dass es 1516 zu Tübingen 

«) Vir prof^cto xnitis, pn>bu8 et intejt<^r. F4rftsmi opp. oil rioricw« 
lll, 1, 7Sa, IX - *) \\wf^\ ("onstantionsis episcopu», vir hort>ica corporia 
proceritftto, comitatf aingulari, hoino sincenw et absque ftico, ftlwquo au- 
percilio, uon militftris, ut fen> aolent apmi (Um «muoa. aed vere auoerdotem 
agona. A. ä. 0. lll. l, 7M, R ») Vgl. IL Schreiber» Melchior Fatt- 
lin, «weiter Stifter dea atHJemnuten KarthÄuaerhauaea, Freiburg. 1833. 
(UaiveraitÄtaachrifl). 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 3 

im Druck erscheinen konnte, das „grosse Tübinger Buch," 
wie es von den Zeitgenossen genannt wurde.*) Von einem 
andern Konstanzer Geistlichen, dem Propst Matthaeus Schad, 
hat sich wenigstens aus den zwanziger Jahren ein Zeugnis 
seines Verkehrs mit Erasmus erhalten. Er nennt in einem 
Briefe den berühmten Humanisten „ein Wunder," durch dessen 
beispiellose Gelehrsamkeit das früher rohe und der Wissen- 
schaft entbehrende Deutschland so geschmückt worden sei, 
dass es bald mit Italiens Musen wetteifern könne. Wenn 
die Italiener auch unser Vaterland für barbarisch hielten, so 
müssten sie doch zugeben, dass durch Erasmus sich Deutsch- 
land sehr gehoben und mit Gelehrsamkeit erfüllt habe. Überall 
sähe man jetzt schon Gelehrte in Menge, die sich in allen 
Fächern auszeichneten. ^) 

Wenn auch kein ausgesprochener Humanist, so doch ein 
Mann von wissenschaftlicher Richtung und milder Gesinnung 
war Dr. Johann Wanner, der 1521 an die Stelle des verstorbe- 
nen Dompfarrers Macarius Leopardi von Kaufbeuren berufen 
wurde. Im Kapitel hatten besonders Graf Johann von Lupfen 
und der noch eingehender zu behandelnde Botzheim seine 
Berufung befürwortet.*) Er hatte Beziehungen zu der alten 
Patrizierfamilie der Blaurer. Wenn die in Wittenberg studie- 
renden jungen Leute aus der Bodenseelandschaft an Thomas 
Blaurer nach Konstanz schreiben, vergessen sie nicht 
leicht, neben Menlishofer auch Wanner (Vannius) grüssen zu 
lassen.*) Doch dürfte bei ihm das Interesse für kirchliche 
Fragen stärker gewesen sein als der wissenschaftliche Eifer. 

In späterer Zeit gehörte zum Domkapitel ein Mann, der 
eine wahre Begeisterung für die Wissenschaft hatte, Ambrosius 
Yphofer von Yphofersthal, seiner Zeit ein Studiengenosse 
Botzheims in Bologna, nachher Propst in Brixen in Tyrol, 
„ein wegen seiner Kenntnisse, Rechtschafifenheit und strengen 



1) K. Steiff, Der erste Buchdruck in Tttbingen (Tübingen 1881) 
S. 128 ff. Melanchthon war vielleicht Korrektor bei der Drucklegung 
des Werkes. Vgl. K. Hartfelder, Ph. Melanchthon als Präceptor Ger- 
maniae (Berlin 18^9) S. 55. 294. — 2) Horawitz, Erasmiana III (Wien 
1883) S. 29. — 8) Vierordt, Kirchengesch. d. Grossh. Baden I, 128. 179. 
— ♦) Hartfelder, Melanchthoniana Paedagogica (Leipzig 1892) S. 130. 
139. 141. 143. Über seine reformatorische Thätigkeit ausser Vierordt 
auch Keim, Schwäbische Reformationsgeschichte S. 19. 26. 37. 57. 71. 

1* 



4 Harlf«ld«r. 

Erftlllung der Berufspflichten gleich wllrdlger Mann/ <) Von 
Klausen in Tyrol, wo er sich im FrWhlinR des Jahres 1619 
uufhielu pflogto er die briefliche Verbindung mit den huma- 
niBtischen Freunden im sUdwekSt liehen Deut'tchland und schrieb 
ihnen, wie x. B. Uhenanus, höchst verbindliche Briefe. Kr 
verehrt diesen deshalb so hoch, weil er ein sittenreinoa und 
frommes Leben mit der IMIege der Wissenschaften verbinde. 
Auch gefHIIt ihm, dass der SchlettstSdter Gelehrte troti 
seines grossen Vermögens dem Vorbild des h, llieronymua 
folge und ehelos bleibe. Obgleich schon ein Mann in Amt 
und Würden, lUsst er sich den Strassburger (Htmar Nachti- 
gall, eigentlich Luscinius, kommen, um von ihm das Griechische 
asu erlernen, untl als nach beendigtem Unterricht der Lehrer wie- 
der in die rheinischen Gegenden heimkehrt da nimmt er Briefe 
Yphofers nnt, in denen er die Freunde bittet, ihm doch eine 
Stellung in ilmn* Nähe, In^sonders in dem plVUndenreichen 
Basel, wo er den) vorehrten Erasmus und dem Buchdrucker 
Fi'oIhmi nahe gewesen sein wUrde, xu verschalTen. .Wiesehr 
ich das wünsche, das weiss (}ott, nicht des Geldes halber, da 
ich hier fettere Pfründen besit4?e, sondern des Verkehrs mit 
Gelehrten wegen, hauptsHchlich mit solchen, die wissenschaft- 
liche Bildung nnt Sittenreinheit verbinden.** *) Vermutlich 
hat ihm sein früherer Studiengenosse BotJsheim das Kano- 
nikat in Konstant verschallt 

Auch mit dem Tübinger Gelehrtenkreis wunlen Verbin- 
dungen hergestellt. Der berühmte Lateinmeister der schwä- 
bischen Hochschule, Heinrich Bebel, einer der streitb;\ren 
Ilunuinisten, schrieb seine ^Landes Constantiae**. Bebela 
Kollego und Landsmann, Johannes Stöffler von Justingen, 
liOhrer der Mathematik und Astronomie an der Tübinger 
Hochschule,*) wurde ein Fivund des Bischofs Hugo, den er 

') Vgl WÄlchner S. 6 Umu kommt jeUt (li. Schmidt, Hlatoiw» 
Utt^nür« de TAlaaco 11, 1H4 C und twti liriefo Yphofen au« KUuiN>n an 
Hhenanua b(>i Horawiti und Hartfc^ldfr, BriefwoohMd U9. 1^0. — 
Ich konnte nicht featatellen, wann er in Konatan« Kanoniku« wunlo. — 
>) Qnod quam aflectem, novit alti«iimua, non diviciarum cauM, cum hio 
pingttiora iKMaideum McertloUa, mkI ob docUnaimorum oonauetudinem poni^ 
dandam etc. Horawiti und Hartfelder S. 149. — •) Über Uin J. a 
A. Moll in den «Schriften dea Vereini f. Q««ohiohie doi Bodenaaea* 
Hit. VUr Lindau 1B77); Krfänaungan datu bei Hartfelder, Malanck« 
tbon ala Praeceptor Garmaniaa S, 87, u. Hartfaldar, MalanohUi. Paa* 

dafog. a i&a laa. 



Die Eonstanzer Humanisten und Erasmus. 5 

dann selbst in Konstanz besuchte, und über dessen Aufent- 
halt uns beachtenswerte Angaben erhalten sind. 

Beziehungen zu diesem Kreise hatten auch die beiden 
Brüder Ambrosius und Thomas Blaurer, aus einer Konstanzer 
Patrizierfamilie. Jener wurde später der Reformator seiner 
Vaterstadt, und dieser hat als Bürgermeister ebenfalls der 
gleichen Richtung gehuldigt. Er hatte in Wittenberg seit 
1520 studiert und war dort mit einem gewissen Misstrauen 
gegen Erasmus erfüllt worden, ') obgleich er von der sächsi- 
schen Universität aus mit dem Erasmianer Botzheim im Brief- 
wechsel blieb.*) Dieser Umstand, sowie ihre grosse Jugend 
um die Zeit, da der Konstanzer Humanistenkreis blühte, 
empfehlen es, von den beiden hervorragenden Männern in 
diesem Zusammenhang nicht zu handeln. Ihre Bedeutung 
beruht auch mehr auf der Teilnahme an der reformatorischen 
Bewegung als an rein wissenschaftlichen Bestrebungen.') 
Doch hat besonders Thomas einigen Anteil an dem wissen- 
schaftlichen Leben in diesem Kreis genommen, sogar schon 
vor seiner Wittenberger Studentenzeit, wie man auch daraus 
ersieht, dass er mit Michael Hummelberg Briefe gewechselt hat. 

Nach diesen einleitenden Bemerkungen wenden wir uns 
zu den wichtigeren Persönlichkeiten des Konstanzer Kreises. 



1. Johann von Botzheim.'^) 

Durch Geist und Stellung der hervorragendste in dem 
Konstanzer Kreis ist der feingebildete Domherr Johann von 
Botzheim. ^) Er gehörte einer elsässischen Familie an , die 
früher in Schlettstadt, später in Strassburg ansässig war. 

Super £rasmo, qu§ scribam, habeo, qui male apud me audit et 
non immerito. Hartfelder, Melanchth. Faedagog. S 117. — ') A. a 0. 
8. 115 u. 116. — ») Vgl. über die beiden: Th. Keim, A. Blaurer Stutt- 
gart 1860. Th. Pressel, A. Blaurer. Elberfeld 1861. Vierordt, Gesdh. 
d. evang. Kirche I, 180. 189 257. 260 u. s. w. — Dazu kommen jetet 
noch einige Briefe bei Horawitz, Anal., Register s. y. Blaurer. — 
*) Vgl K. Walchner, Johann von Botzheim, Domherr zu Konstanz, und 
seine Freunde. Schaffhausen 1836. Dieses fleissige Buch, das den damals 
▼orhandenen Stoff gut sammelte, kann jetzt in vielen Punkten durch neae 
Materialien vertollständigt werden. — ^) Der Name erscheint in ter- 
tdiiedenen Formen: Botzheim, Bozheim, Botzaim, Botzanos, Botsliemfiis» 
Bozhemius. Botzhemus, sogar Potzhemus. 



ti Hartfelder. 

Sein Vater, Michael von Botxhoini, war dreimal verheiratet. 
Aus dessen zweiter Ehe mit Anna Eicher von Beringen 
stammte unser UoUsheim. Da Michael von Botiheim hischöf- 
lichor Vogt su Sasbach bei Achern war, so tindot sich fUr 
den Sohn auch gelegentlich die Bezeichnung: Johannes Bot/- 
heym de Saszbach. 

Er durfte ungefilhr 1480 geboren sein. Nachdem er den 
ersten Unterricht zu Strassburg erhalten hatte, bezog er die 
Hochschule Heidelberg, wo er den 23. Oktober 1406 immu- 
trilvuliert wurde.") Im Jahre 1500 ist er Student zu Bologna, 
wo er in das Ver7.eichnis der deutschen Nation als: „Dominus 
Johannes Botzheim de Sasbach vicarius chathedralis ecclesie 
Argentinensis** eingetragen ist.*) Wir einsehen daraus, dass 
er damals schon eine Pfründe am Straasburger Münster be- 
sass. Im Jahre 1505 sagt Thomas Wolf in der Vorrede zu 
einem Buche, worin \u a. auch »Sextus Aurelius de vitis 
Caesarum" aufgenonunon war, dass Botzheim diesen Schrift- 
steller „neulich" (nupor) aus Italien mitgebracht habe. Dar- 
nach ist er entweder am Ende des Jahres 1504 oder am An- 
fang von löOö wieder nach Deutschland zurückgekehrt.*) In 
der ntlchsten Zeit lebte er wieder in Strassburg, eifrig mit 
Studien beachllftigt und in vertraulichem Verkehr mit den 
zahlreichen MUnnern humanistischer Bildung, die sich damals 
in der mäclitigen und geistig angeregten UeichssUidt aufhielten. 
Hier gab er auch 1507 bei Johann Prüss das Speculum 
humanao vitae des Roderich von Zamora heraus, das er seinen^ 
Freunde Paul Burger, dem Propst am Strassburger Domstift, 
widmete. Im Jahre 1512 wurde Botzheiu\ Domherr zu Kon- 
stanz, in welcher Stellung er bis an das Ende seines Lebeius 
verblieb. 

«) Wftlchwer S. 1 ft\ ~ ^) VglTöpko, Die Matrikel der Umvena- 
Ut Heidelberg (Heidelberg 1884) 1, 4)iJ DaruaiU ist tuioh aoin Oeburta- 
Jiüir aageseixt, da nmn dumala i»it 15 bis 10 Jabreu die Hoobsobule xu 
beliehen pflegte. — ') Vgl Eru. Friedlnnder et C«r. MalagoU, AcU 
Nationia Germanicao uuiver&itatia Bonouienaia (HeroK 1887 1 p U^7. — 
♦) Die Si'brift de« Th Wolf: „Hie subuotata coutinentur Vita M. Oato- 
lÜB. Sextutt Aureliua de vitia Caesarum etc. Job. Prüss in aetUbua Tbier- 
garten Argentinae imprimebat. Anno M. 1). V. quinto Idus Martii. 4^. Vgl. 
Ch. Scbmidt, Histoire litt^raire de TAlsace H, 3U7. - Die Worte lauten; 
Job. Botidiemuä, bomo ingenii amoeni et eleganUa« nuper ex Italia 
advexit Aurelium et Benvenutum de Caesarum vitis » castigatos et re< 
oognitoa diligentia Teuren tii Abatemii. Walohner S, ft. 



Die Eonstanzer Humanisten und Erasmus. 7 

Er gehört zu jenen Persönlichkeiten der Renaissancezeit, 
die in Deutschland nicht gerade sehr zahlreich sind, bei denen 
die Kenntnis der humanae litterae das ganze Wesen durch- 
drungen und erfüllt hat, bei denen die Begeisterung für die 
Schönheit des klassischen Altertums dem Charakter eine ge- 
wisse Feinheit, aber auch eine ziemliche Weichheit mitteilte. 
Bezeichnend sagt ein Zeitgenosse von ihm: „(Er) war ain 
doctor der rechten und het lange zeit in Italia studirt, war 
auch ain holtseligs, höflichs mändle, ein vorder gueter 
musiciis." ^) Der freundliche kleine Mann, der gerne jedem 
gefällig war, hatte bald einen grossen Freundeskreis, auch 
ausserhalb von Konstanz. Ein reger Briefwechsel hielt diese 
Verbindungen lebendig; sein gastliches Haus, das er sich 
selbst erbaute^), einfach und geschmackvoll herrichten Hess, 
dessen Wände anmutige Bilder zierten, wurde ein viel be- 
suchter Aufenthalt für humanistische Männer. 

Der freundliche Domherr erfreute sich wegen seines Cha- 
rakters allgemeinster Achtung. Ganz entgegen dem Brauch 
vieler Stiftsherren führte er ein sehr massiges Leben. Er 
war sittenrein, kein Spieler und Trinker und ging nicht auf 
die Jagd, weshalb ihn die Freunde auch Abstemius, d. h. den 
Nüchternen, nannten.^) Seine einzige Erholung waren die 
Bücher und die Musik, seine Mussestunden gehörten der Wissen- 
schaft, ganz besonders dem Studium humanistischer Schriften. 
Die Freude an der Musik wie die Reinheit seines Lebens 
lassen ihn dem berühmten, um diese Zeit allerdings längst 
verstorbenen Rudolf Agricola vergleichen*); unter den Lebenden 



^) E. A. Barack, Zimmerische Chronik. 2. Aufl. (Freibarg u. Tü- 
bingen (1881) III, 128 — 2) Der jjof ^^^r vor etlichen jaren doctor Jo- 
han Botzains gewesen, der hat ihn erbawen^. Seine „gelegenhait^ (es lag 
am Rhein; wird als „ganz bequemlich^ bezeichnet. Barack, Zimmerische 
Chronik lY, 74. Später, nach dem Tode Botzheims, kam das Haus in 
Verruf, weil angeblich ein Gespenst darin spukte. Man lese die für jene 
Zeit sehr bezeichnende Geschichte nach a. a. 0. IV, 83. — ') Entgegen 
den sonstigen Nachrichten wird allerdings in der Zimmerischen Chronik 
(IV, 84 85) behauptet, er habe eine Konkubine gehabt. Da aber diese 
Angabe im Zusammenhang mit der ganz unglaublichen Spuckgeschichte 
steht, so erregt sie Bedenken. — *) Vgl. die schöne Charakteristik dieses 
trefflichen Menschen bei Fr. v. Bezold, Rudolf Agricola, ein deutscher 
Vertreter der italienischen Renaissance (München 1884), bes. S. 9, wo die 
„mnsica natura", die Künstlernatur, des Mannes geschildert ist. 



8 Hartf«ld«r. 

war dor humane Domherr am ähnlichsten dem berühmten Des^U 
derius Erasmus von Rotterdam, an den er schon durch seine 
kleine anmutige Oostalt erinnerte, und mit dem er auch gute 
Freundschaft hielt, wie der durch viele Jahre sich hinziehende 
Briefwechsel der beiden «eigt 

Unter den üästen, die in dem stillen Kanonikerhause am 
Rheine einkehrten, werden gute Namen genannt; so kam von 
dem nicht allzu entfernten Ravensburg im Herbste des Jahres 
1520 der feingebiUlete Michael Hummelberg, Fi^und doa 
Beatus Rhenanus und Erasmus, von dem noch eingt^hender 
isu berichten ist. Besonders nahe befreundet war Botzheim 
mit Ottmar Nachtigall, genannt Luscinius, einem Strassburger 
Humanisten, mit dem er während seiner Strassbui^ger Zeit 
bekannt geworden war. ') Bei seinem Weggang von Augsburg 
kehrte Luscinius, der nach dem Rheine zurückkehrte, in Kon- 
stanz an, wo er freundlich empfangen wurde und in Botj:- 
heims Hause den jungen Brassicanus kennen lernte.^) Eines 
Tages — es war im Frühling des Jahres 1522 — brachte 
das Schiff zwei Wanderer nach Konstanz, die nach Basel 
zogen, um Erasmus, das gelehrte Wunder der Welt, das 
lumen mundi, zu begrüssen und ihm als echte Erasmus- 
Schwärmer mündlich ihre Verehrung auszusprechen. In der 
Herberge fragten sie, ob es keine Erasmianer in der Stadt 
gebe. Da wurde ihnen Botzheim genannt, und als er von 
den Erasnms-Pilgern erfuhr, lud er sie in sein gastliches Haus, 
und ein freundliclier Empfehlungsbrief Botzheims begleitete 
8ie nach Basel. 

Unter allen Freunden dürfte Erasmus ihm der liebste ge- 
wesen sein. Die beiden Männer, von denen Erasmus bedeutend 
jünger war^), haben viel Verwandtes. Besonders stimmten 

>) Kin grosser Teil davon ist bei Walchner S. 121 ff« abgedruckt. 
Erginiuugen daiu bei Horawiti, Erasmiana m (Wien 1883) 8, U. 18 
u. in der Beilage «u dieser Arbeit. — •) Horawita u. Hartfelder, 
Briefwechsel d Beatus Rhenanus (Leipiig 1886) S, 254. — ') Über ihn 
handelt ausitlhrlich Ch. Schmidt, Histoire litt« raire Ih 174 (T Ergilniiin- 
gen daiu ton K Hartfelder in dieser Zeitschrift N. F VI, 1(». - 
Über die weitere Verbindung Botxheims mit Luscinius, worüber in diesem 
Auftata nicht gehandelt werden kann, vgl. Walchner S. 86 u. sonst — 
— *) Ch. Schmidt, Hist. litt^r. H, 176, — •) Bisher war sein OeburU- 
Jahr streitig. Die sehr gründliche Untersuchung A. Richters (Erasmua- 
Studien. Leipaiger Dissert 1891, Anhang) macht wahrscheinlich, d 
Srairnui 1466 geboren war. 



Die Eonstanzer Humanisten und Erasmus. 9 

sie auch in kirchlichen Fragen überein: keineswegs zufrieden 
mit den damaligen kirchlichen Verhältnissen, bleiben sie doch 
als konservative Naturen trotz aller anfänglichen Sympathie 
für Luther schliesslich katholisch und ziehen sich im Laufe 
der zwanziger Jahre, als der religiöse Sturm sich immer ge- 
waltiger erhob, hinter die schützenden Mauern der katholischen 
iürche zurück. 

So lange aber die kirchliche Frage noch nicht die Gemüter 
ausschliesslich beherrschte, lebte Botzheim ganz in den wissen- 
schaftlichen Tagesfragen des Humanismus. Er hatte in der 
Jugend versäumt Griechisch zu lernen und empfand das bei der 
wachsenden Verbreitung dieser Sprache als einen entschiedenen 
Mangel seiner Bildung Wie liebenswürdig gesteht er das dem 
Ravensburger Hummelberg ein, dem er zugleich schreibt, dass 
er im höchsten Grade darnach „dürste"^, von ihm die Sprache 
Homers zu erlernen. Der Generalvikar Faber will mit ihm 
Griechisch lernen: „er hat mir ins Ohr geflüstert, dass 
Du demnächst als unser Lehrer hier erscheinen wirst". Es 
^uält ihn nur der Gedanke, dass er ganz von vornen anfangen 
muss, keine leichte Sache, bei der angeblichen Langsamkeit 
seines Geistes. Doch will er sich nach Kräften Mühe geben. 
Jedenfalls bietet er einstweilen im voraus dem Lehrer des 
Griechischen seine Freundschaft an. ^) 

So schreiben sich die zwei Männer, die sich noch nicht 
persönlich kannten, die nur gemeinsame Freunde hatten. 
Als sie sich dann von Angesicht zu Angesicht gesehen, wird 
das Verhältnis nur um so inniger. Insbesonders ging der 
Briefwechsel der beiden weiter. Botzheim hatte dem Ravens- 
burger Freunde Mitteilungen über den Aufruhr Thomas 
Münzers gemacht. Hummelberg dankt ihm dafür mit den 
Worten: „Fürwahr, mein lieber Botzheim, Du bist ein wackerer 
Mann, der Du für meine wenigen Zeilen und Verschen einen 
vollständigen Brief mir schreibst." Er schickt ihm einen 



^) Quod omnium primum uolo crescere inter nos quotidie amicitiae 
nexum, cupio non ut paribus officiis aequari tibi possim, sed quia opti- 
morum uirorum in dies (so ist zu lesen 1) apud me uelim accessione felici 
fiuniliaritatem augeri, gestit itaque animus mihi de ineundo tecum ami- 
citiae sacramento, cuius uirtutes et amo et suspicio. Horawitz, Anal- 
€kten S. 48 (135). — Vgl. dazu das günstige Urteil Hummelbergs über 
fiottheim a. a. 0. S. 31 (128). 



10 Hartfelder. 

kleinen Brief Melanchthons 0, mit dem er durch Wittenberger 
Studenten aus Ravensburg immer in Verbindung blieb, bittet 
aber um irgend einen Brief von Erasmus als Gegengabe.*) 
Don Bauernkrieg führt er auf die Thorheit gewisser evan- 
gelischer Prediger zurück, die die Perlen des Evangeliums 
vor die Schweine geworfen haben. Kr hat davon gehört« dass 
demnächst die „Lingua'' des Erasmus erscheine. Sowie sie 
in Konstanz zu haben, soll Botzheim sie für ihn kaufen: 
,,Keine Schriften machen mir so grosso Freude wie die des 
Erasmus, weil sie ausser ihi^r (lelehrsamkeit und Schönheit 
auch stets durch seltene Bescheidenheit hervorragend ge- 
schmückt sind/^) Doch ist er nnt dem hochverehrten EraH- 
mus nicht einverstanden, dass er die Pariser Theologen be- 
kämpft. Diese seien das gar nicht wert. Wie Ilerostratus 
durch eine wahnsinnige That, so würden diese Wortmacher 
nur durch des Erasnuis Schrift auf die Nachwelt kommen. 
,,Abor so ist die Art der Fi-anzosen, dass sie berühmt werden 
wollen, sogar wenn es eine Schande ist." Natürlich verfehlt 
er nicht« den Konstanzer Freund zum Schluss zu bitten, doch 
ja jedesmal Erasmus von ihm zu grüssen, so oft er an ihn 
schreibe. 

Auch über theologische Fragen verhandeln die Freunde, 
die ja beide Geistliche waren, miteinander. Bezeichnender 
Weise handelt es sich \\m eine Schwierigkeit im griechischen 
Text des Neuen Testamentes (hatte doch Erasmus 101(5 zum 
ersten Mal den griechischen Text des Neuen Testamentes 
herausgegeben!), wo llunnnelberg eine wissenschaftliche Ent- 
deckung gemacht zu haben glaubte. Der Brief hat wieder 
einen bezeichnenden Schluss: Ilununelberg hat davon gehört, 
dass in Basel die Pest wüte. Also „bitten wir Christus, dass 
er uns Erasmus, unsere dauernde Zier, unversehrt erhalte."*) 

Botzheim ist der unermüdliche Vermittler für den geistigen 
Verkehr des Erasmus und seiner rheinländischen Freundi* 

*) Kh ist der jeUt ("orp. Hoff. 1, 740 8tehf>ndo, der auch vou Münier 
handelt. *) Vra quo uioiasum tu mihi F.raHnucam aliquaxn (sc. opisto- 
lam) transmittuH. llorawitx, Analektt>n S. 7U (Hl). - *'') Unguara 
Kraamicani, ut primum intuo allata tuorit, mihi co<)mito; mdla adeo m^ 
uoluptato afdciunt ut Krasmi scripta, quod aint praeter eruditionem ei 
elegautiam etiam aingulari sempor modestia iuaignitor adornata. Bora- 
will, Anal. S HO 1172). - «) Horawit« a. a. 0. 8.84—86 (17«— 178), 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. \\ 

mit den in Schwaben und am Bodensee wohnenden. Nicht 
bloss dass seine Briefe nach allen Seiten gehen 0, er tiber- 
nimmt auch bereitwilligst die Weiterbeförderung der bei ihm 
einlaufenden Schreiben. 2) 

Darum aber sind auch alle Freunde seines Lobes voll. 
Zwingli, der Züricher Reformator, bezeichnet ihn als „voll- 
kommen lauter'*.'*) Urbanus Rhegius rühmt seine glänzende 
Gelehrsamkeit.^) Hummelberg spricht von seiner grossen 
geistigen Befähigung, von der ihm auch andere erzählt haben. ^) 
Erasmus schreibt ihm in den anerkennendsten Wendungen 
und erklärt es für eine Ehre, wenn Botzheim seine, des Eras- 
mus, Bücher in seine Bibliothek aufnehme. Es sei ihm dai^ 
lieber, als wenn sie in Cedernkapseln in einem Apollotemprl 
aufgestellt würden. Wiederholt versichert er ihn, dass er ihm 
einer seiner liebsten Freunde sei.®) 



2. Johann Jakob Menlishofer. ^) 

Für einen Gelehrtenkreis ist es vorteilhaft, wenn ihm auch 
Mitglieder angehören, die selbst nicht litterarisch thätig sind. 
Solche mehr aufnehmenden als ausgebenden Persönlichkeiten 
sind geeignet, den Zusammenhang zu befestigen und gelegent- 
liche Schroffheiten der anderen abzustumpfen. Eine solche 
Natur war Johann Jakob Menlishofer. 



^) Selbst mit dem fernen Wittenberg pflegt er briefliche Verbindung. 
Hartfelder, Melanchth. Paedagogica S. 115. 116. 129. — 2) So bittet 
Hummelberg den Hhenanus, die Briefe an ihn nur an Botzheim gehen 
zu lassen. Horawitz und Hartfelder, Briefwechsel S. 842. Vgl. dazu 
411. — ') Ex omni parte integer. Ebendaselbst S. 309. — ^) Tua tarnen 
atque multorum praedicatione eleganter doctus. Horawitz, Anall. S. 31 
(123). — '') A. a. 0. S. 43 (135). — '') Walchner S. 121 u. sonst. — 
^) Der Name wird verschieden angegeben. Die Form Johann Jakob von 
Manlishofen hat J. Marmor, Führer durch das alte und neue Eonstanz 
(Konstanz 1857) S. 91, von dem ich annehme, dass er als langjähriger 
Stadtarchivar von Eonstanz den offizieUen Namen der vornehmen Kon- 
stanzer Familie am zuverlässigsten wissen dürfte — Walchner, Botz- 
heim S. 166, giebt die Form Mannlishofer. — Sein Verwandter Humel- 
berg schreibt immer Menlishofer. Der Brief an Erasmus, der im Anhang 
mitgeteilt wird, hat Menlishouerus, was der von Hummelberg gebrauchten 
Form entsprechen dürfte. Damach scheint mir kein Zweifel vorhanden 
zu sein, dass er unter den Freunden Menlishofer hiess, weshalb ich auch 
diese Form wählte. 



rj lUrtfelder. 

Kr war Arxt und oin Mann von foinor Bildung. Die ihn 
porsönlidi kennen lernten, rUlunen seine seltenen (laben umi 
steine Kenntnis der 'roukunst. Krasnuis be/oichuet ihn ah 
einen jungen Mann von (lelehrsamkeit und hervorragender 
Bt^Kabung, als nUchtern und bescheiden.') Dabei war er ein 
stiUtlieher Mann von einer fast riesigen Leibosgestalt. •) 

Kr stammte aus einer Konstan/er ratrizierfamilie. Gleich 
nach Ostern 1518 verheiratete ersieh mit einer Konstauxerin 
aus reicher und vornehnier l'^amilie*''); y.u dem llm'hxeitsfeste 
wurde auch sein Verwandter llununolberg aus Havensburg 
geladen und erschien auch vermutlich.*) Aus dieser Khe ent- 
sprosste ein Sohn, den aber die 1520 xu Konstant herrschende 
Pest in früher Jugend wieder hinwegratfie.^) Doch scheint 
ihm ein weiterer Sohn geboren worden m sein. Wenigstens 
wurde 158(> in Tübingen ein Johann Jakob Mendlt^chofferua von 
Konstanz, immatrikuliert, der sein Sohn gewesen sein durfte. *) 

Obgleich junger Khemann, war er doch eifrig darauf be- 
dacht, von llummelberg Griechisch XU lernen; wenigstens wird 
er neben lUitxheim und Faber als dritter im Hunde genannt, 
der den Havensburger Gelehrten 1Ö*J0 auffordert, nach Kon- 
stanz £u konmion und Vorlesungen Über Griechisch und Latei- 
nisch XU halten.^) 

Menlishofer war ein tleissiger Driefschnnber, wie aein 
Freund und Verwandter llummelberg ausdrücklich anerkennt. *) 

>) Jottimtw iiUHiiciia, liomo iuYi^iiiii quiüeni, im^iI iiuiigniter iii|t«uioaiM 
ao doctuH HO |H>niulo •obriua et wud^iituii. Kramni opp. 111, 1, 765, D. 
~ *) Walchuor, liouhitiui S. Ui7. - ^) Joanne« Menlukhoforu» . . Om« 
•tanÜAt) primia aiuiotum poni |muicba dic^bua . nupUa» c«lebr«l)it la Coa- 
•tantieuiHMn puc^UAm nu «iotif^» »«) yivtt aequiUem dMpondit Hora- 
witK, AnalidtiN) S. IS \\ObX iu eiiit»m Hriet« Humiu«lhorga «tu Nik. G«rb«l« 

- ^) Horikwit«! Amtltikten S. U (lOGi. Mc^rwalii uenut ihn Uummol- 
berf anlneu iH)u»obriuuii, d. h. eigentlich GenchwUterkind von mUiierlioher 
Helle. lH>oh ktum oonnobrinua auch Geachwiaterkind ülierhaupt bedeuten. 

- IU Menliahofer aicher niciit Uoiailiciier war, lüao auch keine l^ande 
haben konnte, ao iai die Vermulung von Horawita, Aualeklen 8. S5, 
ftüai'h ^) Altatulit peatia Menliahofero noairo flliunt natu minimam. 
optimae et iucomimrabilia apei pueUuin. llorawit« 8. 50 \,H:i). — 
^ (Koth), Urkk. aur iUunhiohte der UniveraiUt Tttbingeu (T^^ingen 1^77) 
& ee4. — M Uorawita4:) [\U\ — ') Tauetai rh>quenti acriptione ma 
Mihi aifiiUm aatiafaoiat Menliahoierua meua etc. Uorawiti 77 (1^). 
Aac^ mit Zwingli weciiaelle er Hrtofe. Zuinglii opp. ed. Schuler «l 
Hohultheaaiua VII. 219. 



Die Eonstanzer Hamanisten und Erasmus. \^ 

Als der Sturm des Bauernkriegs, der auch in der Bodensee- 
gegend übel hauste, über Siiddeutschland dahin brauste, wurde 
er freilich auch darin etwas lässiger. ^) So viel mir bekannt, 
ist bis jetzt keiner von seinen Briefen gedruckt. Auch ist mir 
nicht bekannt geworden, dass sich sonstige Zeugnisse seiner 
Feder erhalten hätten. Um so wertvoller dürfte der im An« 
hang mitgeteilte Brief Menlishofers an Erasmus sein, auf den 
der verstorbene Adalbert Horawitz zuerst aufmerksam ge- 
macht hat. ^ 

3. Michael Hammelberg. ^) 

Obgleich kein Eonstanzer von Geburt, auch nie dauernd 
in Eonstanz lebend, muss Michael Hummelberg doch zu dem 
Erasmianischen Ereise von Eonstanz gezählt werden. Nicht 
bloss dass er wiederholt einige Zeit in der Bodenseestadt 
sich aufgehalten hat, er war auch ein treuer Freund der Eon- 
stanzer Erasmianer und stand in dauernder Verbindung 
mit ihnen. 

Hummelberg — so und nicht Hummelberger lautet die 
richtige Namensform — war wohlhabender Leute Eind aus 
Ravensburg in Oberschwaben, das nicht allzuweit von Eon- 
stanz gelegen ist. Am 7. September 1501 wurde er in Heidel- 
berg immatrikuliert und bestand hier „via modema'* den 
9. Januar 1503 sein Baccalaureatsexamen.^) Bald nachher 
dürfte er die pfälzische Hochschule verlassen haben ; denn im 
Herbste 1503 trat er in Paris in das von dem beinahe gleich- 
alterigen Bhenanus bewohnte Eollegium ein. ^) Sie machten 
nun hier ihre Studien gemeinsam, Scholastik, aber auch 



>) Horawitz a. a. 0. S. 80 (172). ~ *) Vgl. dessen Erasmiana 
m (Wien 1883), S. 12 (764). — Ein Brief Hummelbergs an Manlishofer 
Horawitz, Analekten S. 86 (178). — ') über ihn Horawitz, Michael 
Hummelberger (Berlin 1875). Diese kleine Schrift ist nur eine ganz aU- 
gemein gehaltene Skizze, deren weitere Ausführung mit den jetzt zugang- 
lich gewordenen Quellen eine lohnende monographische Au^be wäre. 
Sfoterialien bieten die drei S. 1. 5 u. 14 angefahrten Arbeiten von Horawitz 
uad der Briefwechsel des Rhenanus, in dem zahlreiche Briefe yon und an 
Bammelberg aufgenommen sind. — *) Töpke, Matrikel der Universität 
Heidelberg I, 442^ — Er ist um 1487 geboren: er war bei seinem Tode 
1627 etwas über 40 Jahre alt. Vgl. Horawitz und Hartfelder, Brief- 
wtehsel S. 406« — ^) G. Enod, Ans der Bibliothek des Beatos Blienaniit 
(Leipzig 1889) S. 43. 



14 lUrtfeldt^r. 

Sprachen iiiul selbst Uriochisch untor Uermonynuis von Sparta, 
oincm Lehrer, von dessen (lelehrsanikoit die Schüler freilich 
nicht all2u viel hielten. M 

Aus Frankreich zurUekRekohrt, blieb er zuerst in Ravens- 
burg, besuchte audi K*'h>Rentlich benachbarte Orte. Zur 
VollendunK seiner Studien wantlte er sich nach damaliger 
Hunmnistensitte im «lahre 1514 nach Italien und war längere 
Zeit in Hom, >yo er dem von iinn hochverehrten Ueuchlin bei 
seinem Trozesse nützlich werden konnte.'*) In die deutsche 
lleinuU. zurückgekommen, erhielt er in Ravensburg eine Pfründe, 
die, wie es scheint, ihm nicht viele amtlichen laichten auf- 
erlegte Wenigstens finden wir ihn vielfach von Havensburg 
abwesend. Bald ist er bei seinem Freunde, dem Abte (Herwig 
HIarer in Weingarton » bald bei dem ilun ergebenen Ciater- 
jsiensermönch Ilerknuiun in Salem, bald auch in Oberlingeu 
bei Verwandten, am häutigsten aber wohl in Konstan«, wo 
er Verwandte und Freunde hatte. 

Fiin fruchtbarer Schriftsteller ist er nicht gewesen. Wir 
wissen, dasa er während seiner I^ariser Zeit in der WerkstHtte 
des berühmten Druckers Jodocus l^adius Ascensius an einer 
Ausgabe des Ausonius und einer des llegesipp mitarbeitete, •) 
Sein Hauptwerk war eine griechische (irammatik, die aber 
erst nach seinem Tode durch den Freuiui Uhenanus sum 
Drucke besorgt wurde.'') 

Aber wenn er auch nicht viele lUh^her geschrieben hat» 
so war er ein um so Heissigerer Briefschiviber, Er besass die 
echt humanistische l.eidenschaft für Briefe. Ein glücklicher 
Zufall hat uns den stattlichen Briefband erhalten, den sein 
Bruder Gabriel aus seinem Briet Wechsel nach Michaels Tode 
zusanunenstellen liess. ^) Diese Briefe von und an iiummelberg 
geben uns ein IMld von den ausgedehnten litterarischon Ver- 

M Horawit/ uml Hartfeldor, HriefwochHol S. 405. Kuod, Au« 
d. mblioüiok S. 41. *) Yjjl. llorawit«, Zur Hiogruphie u. Korn>apon- 
deny. JohAunos UouchliuH, und fernor HorAwitK und Uartfolder, Hriof- 
wochsol» boH. dio Hriolo doo Jährten 1515. - ») llorAwitx, llummidbergt^r 
S. 14 l(i. -- ♦) HorawitÄ n, a 0. S. 10. Uio Vorrtnlo von Uhonauua, 
die oiuou kurxou IiobonNahnso kU^s VcrtttäMors enthalt, int wiodor abgodruckt 
M Ilorawity. und UartfoldtM\ Hriofwotbsol S. 405—407 *) Cod. 

lat. MouAc. 4007, bauptHHohlioh vtm Horawit« fitr seine veniobiedeuen Ar« 
beiten auHftebeutet. 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 15 

binduDgen, die der Ravensburger Humanist zum Teil durch 
viele Jahre unterhielt. Im südlichen Deutschland lebten in 
damaliger Zeit nicht viele humanistisch gebildete Männer, mit 
denen er nicht gelegentlich brieflich verkehrt hätte. Von der 
Verbindung mit dem berühmten Johannes Reuchlin war schon 
die Rede. Aber auch mit dem Augsburger Kreis, dem ge- 
lehrten Konrad Peutinger sowie dem hochgebildeten Konrad 
Adelmann von Adelmannsfelden, unterhielt er Beziehungen. 
Besonders befreundet war er mit den schwäbischen Humanisten, 
die in Tübingen ihren Mittelpunkt hatten, vor allen mit dem 
kampflustigen Heinrich Bebel. Der talentvolle Kreis der Elsässer 
Humanisten — beispielsweise seien Sapidus, Sturm, Kierher, 
Phrygio genannt — begegnet in seinem Briefwechsel ebenso 
häufig wie der Basler Kreis, zu dem die Amorbache und der 
Drucker Frohen gehören. 

Aber auch nach dem mittleren Deutschland reichten seine 
Verbindungen. Mit dem bekannten Humanisten Peter Eber- 
bach hat er wiederholt Briefe gewechselt. Ein lebhaftes 
Interesse hat er für die Wittenberger, Melanchthon und Luther. 
Studenten aus Wittenberg brachten ihm zuerst Grüsse, bald 
auch Briefe Melanchthons, und er säumte nicht, diese zu be- 
antworten. Schliesslich konnte er zu den Freunden des grossen 
Philippus gerechnet werden, obgleich sich die beiden Männer 
nie persönlich sahen.*) 

Keinen Menschen aber hat Hummelberg höher geschätzt als 
den grossen Erasmus, mit dem ihn sein treuer Rhenanus be- 
kannt gemacht haben dürfte. Letzteren hat er wohl zärtlicher 
geliebt, aber Erasmus höher verehrt und gepriesen. Dieser 
war für ihn die Sonne, nach der er in allen wichtigen Fragen 
zu blicken pflegte; dessen Bücher studierte er mit Eifer. Er 
wurde nicht müde, bei den Freunden nach neuen Erscheinungen 
aus des Erasmus Feder zu fragen und sie sich nach seinem 
kleinen Heimatstädtchen schicken zu lassen. An dem Eras- 
muskultus beteiligte er sich mit nicht geringerer Begeisterung 
als Rhenanus selbst. 

In diesem Punkte fühlte er sich vollkommen einig mit 



*) Vgl. darüber K. Hartfelder, Phil. Melanchthon als Praeceptor 
Gennaniae (Berlin 1889) S. 119 ff. 



]6 Hartfttld«r. 

dorn Konstanter Iliunanistenkreis. Fttr diesen machen ihn 
nebenbei auch seine griechischen Sprachkenntnisse sch&tseQS- 
wort Es ist ein bezeichnender Beweis für die Verehrung, 
die nmu im damaligen Deutschland für die noch nicht sehr 
verbreitete griechisolie Sprache hatte, dass sich um 1530 in 
Konstins ein Kreis reifer Männer, die schon längst in Amt 
und Würden standen, bildete, der beschloss, noch (iriechisch 
zu erlernen. Johann Kaber, Rotzheim und Urbanus Rhegius 
baten llummelberg im Frühling 15J0, nach Konstanz zu kom- 
meu und ihnen Unterricht zu geben, eine Bitte, die er den 
ihm so befreundeten Männern nicht abschlagen konnte. ^) 
Darüber war grosse Frtnide im Konstunzer Kreis; nur bei 
Botzheim stiegen Bedenkon auf, weil er noch gar kein 
Griechisch getrieben, Faber dagegen schon vor zehn Jahren 
die Anfangsgründe sich angeeignet hatte. Ohnehin sei er 
langsam im Begreifen. ^ Aber Ilummelberg zerstreut in 
einem äusserst liebenswürdigen Schivibon diese Bedenken. 
Mit der Langsamkeit dos Begreifens sei es nicht so schlimm. 
Kr wisse viehnehr durch seinen Verwandten Menlishofer, 
dass Botzheim schnell autTasse. Das würde aber auch gar 
nichts schaden. Denn oft schon sei der lahme und auf 
beiden Füssen hinkende Vulkan dem mächtig schreitenden 
Mars zuvorgekommen, wie man aus Homer, Hesiod und 
Apollonius wisse. Auch habe er eine geschickte Methode, 
durch die die Anfangsgründe schnell zu erlernen seien. Dann 
hielten Faber doch seine vielen Geschäfte oft vom Studium ab. 
„Wenn jener Gerichtssitzungen abhält und Urteile fällt, kannst 
Du in Deinem Hause unter den griechischen Musen sitzen/') 

Der griechische Unterricht dauerte bis in den Juni hinein, 

M Maxim» preribua cUrisaimoniin uiroruin Joannia Fabri Kpiacopi 
nostri a aacris reaponaia, BoUhemi Juria eonaulU et (^onici ConatanUea* 
tia et Urbaiii Hegii pootao Conatantiam euocatua aum, ut aliquid graecae 
linguae iinpertiam Nun potui amidaaimia uiria et de me opUme meritia 
non obaequi. Promiai itaque meum aduentiim poat magnum hoc aolanne 
(d. h. Oatern 1530), Ilorawiti, Zur Biographie und Korreapondeni 
Ueuchlina S. 70 (181)« — *) >^ qaae mihi tradenda aunt prima principia, 
Faber aute duo luaira ad nauaeam imbibit. Horawiti, Ana). «, Geach. 
d. Reformation 8. 43 (135). Daraua ergiebi aich, daaa ea unrichtig iat^ 
wenn Uhlhorn (Urbanua Hhegiua 8. 17) behauptet, Faber habe weder 
Hebrüioh noob Qriechiaoh fentaoden. — ') Uorawila a. a. 0. 8. 48 
(185) ff. 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 17 

und Huramelberg versicherte am Schlüsse, jetzt seien seine Schüler 
soweit, dass sie auch ohne Lehrer auf eigene Faust Griechisch 
treiben könnten, was er hauptsächlich ihrem Fleiss zugute 
schreibt Namentlich rühmt er an Faber die unverdrossene 
Ausdauer und an Rhegius die glänzende Begabung, die so 
seien, dass es „nichts gebe, was diese zwei nicht vermöchten, 
wenn sie wollten, alles wollten, wenn sie es könnten."*) 
Auch erwähnt er die feine und humane Art der beiden*), von 
denen ihn Faber beim Abschied noch reichlich beschenkte. 

In Konstanz selbst dürfte er bei seinem Verwandten Menlis- 
hofer gewohnt haben. Einen Brief an Zwingli datiert er 
wenigstens aus dem Studierzimmer Menlishofers. ^) Auf die 
Konstanzer Freunde machte die Persönlichkeit Hummelbergs 
den besten Eindruck. Sie rühmen in gleicher Weise seinen 
sittenreinen, vortrefiflichen Charakter wie seine ausgezeichneten 
Konntnisse. Der geistige Verkehr dauerte durch zahlreiche 
Briefe weiter, als sich der Ravensburger Gelehrte wieder 
nach Hause begeben hatte. Auch in theologischen Fragen 
stimmte er mit den Konstanzern bis in die Mitte der zwanziger 
Jahie überein, wo dann durch den Bauernkrieg und den 
Streit des Erasmus mit Luther eine Scheidung der Geister 
herbeigeführt wurde. 



4. Johannes Faber. ^) 

Die einflussreichste Lebensstellung von dem ganzen Kreise 
nahm Johann Faber ein, der 1518 Generalvikar des Bischofs 
von Konstanz geworden war.*) Er war 1478 zu Leutkirch im 
AUgäu geboren und hatte als wandernder Schüler nach eigenem 



^) Horawitz und Hartfelder, Briefwechsel S. 231: Constanciae 
amiculis meis toto hoc retro bimestri Graece praelegi atque adeo eos in- 
stitui, ut sancte asserere queam, etiam sub moto me praeceptore suo Marie 
Graecas literas posse tractare non omnino infeliciter etc. — ') Warum 
fehlt hier Botzheim? Sollte er doch nicht mitgekommen sein? — ') Ex 
Museo Menlishoferi (so und nicht Meulishoferi ist zu lesen). Zuinglii 
opp. ed. Schuler et Schulthess Yll, 220. In Eonstanz macht Hummel- 
berg auch die Bekanntschaft des Ulmer Humanisten Dietrich Ungelter. 
Horawitz, Anal. S. 16 (1U7). — *) Ad. Horawitz, Johann Heigerlin 
(genannt Faber), Bischof von Wien (Wien 1884). — ^) Die Bezeichnung 
lür diese Würde wechselt ab zwischen Constantiensis episcopi in spirituali- 
bns vieariuB und vicarius Constantiensis, 

ZeitMhr. f. QMoh. d. 0b«rrii. N. F. YIII. 1. 2 



18 llartfelder. 

Uestiindnis von Almosen R«»Iobt. Die KHorn, die oft gar nicht 
wussten, wo ihr Sohn sieh aufhiolt, w«rrn nicht In der liAge, 
ihn unterstützen /.n können. Seine Universitütsstudien hatta 
er in Tübingen und Freihur^Jt genuicht, sieh sodann nut Erfolg 
um ein Kanonikat in Hasel beworben« in welelier Stadt er 
nahe Filhhinsj: nnt dem hunnmistisehen Kreise gewann, aucb 
mit Erasmus und Heatus lUiemnms befreundet wurde. 

Seine tüchtigen Kenntnisse und seine unermüdliche Arl>eits- 
bist machten ihn zu einer schätzbaren Kraft, die der Bischof 
von Konstanz. tn^tTlich verwendete Trotz seiner vielen Amta- 
geaehiifte fand er noch Zeit für seine humanistischen Studien, 
und obghMch er selbst dauials wenig Zeit zum Schriftstellern 
fand, so gefiel er sieh doch in der Stellung eines Mäcena. 
Hurcbreisende (leleinte fanden bei ihm treundliche Aurnahme 
und gastliche lU'wirtung. 

Zu den jüngeren iielehrten, denen Faber sein gastliches 
Haus und seine Bibliothek öiTnete, gehört auch Jidmnn Alexander 
Urassicanus, der Sohn des in Tübingen lehrenden liramnm- 
tikers*), der 1500 geboren war.*) Wiederholt war der 
rührige Poet in den Jahren von IftUS bis 15J0 bt»i Fftlwr, 
und in der Behaglichkeit von dessen Hause schrieb er Briefe 
an nahe und ferne Freunde, machte Gelegenheitsgedichte, wie 
I. B. ein Kpithalamion zu (labriel llummelbergs lU>chzeit» 
knüpfte neue litterarische Beziehungen an, wobei ihm die 
Stellung seines (lönners Faber gewiss förderlich war. Vergas» 
er doch auch nie, (irüsso von ihm anzufügen.*) So aet«te 
er sich mit Michael Hummelberg in Verbimlung, bat diesen 
um Mitteilung seiner lateinischen ticdichte und Kxercitationes, 
schickte ihm dagegen die Erzengnisse seiner Feder und hat 
sich das Ihteil des neugewonnenen Fivundes aus. Ähnlich 
hielt er es mit dem berühmten Watt, bekannter als Vadianus, 

*) So Imi fr s. K auch Konrnii roUikaw in soinem OäHimi tn»wirt«i, 
TrauHOuiulo per ronatAntiau) hos|H'8 fui apud MinoritH«. hoaonituii nuineri- 
bau et pnu'soutia ineasao n l> Jtüiaano Fabri . . , qvii tuitr orut tu Spiri- 
tualihus V ioariutt Kpii^oopi Coustantiensiti. Toeim aobis in horto onit eto« 
B. UifCffonbach, Das Chronikon de« Konma IVlHki\n (liasol 1877) S. 76. 
- *) Ohor don Vaim* »ahlrtMoho Angaben bei Hart foldtM*» Ph. Molanch- 
Ihon aU rraoooptor i^ornmniae S. 8« li8. 85), 4 5. f>7 M» u. 8 -- ») Ol»fr 
di>n Sobu K. Stoitf, IVr ontto Uuohdruck in TübinKen (Tübingen 1881) 
S. 154. n Uorawit«, Anal lOU. 108. 105. 108 110 113. 1U5— 1:27 u. a. 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. l% 

in St. Gallen, mit dem er über Schriftsteller der Alten % und 
mit Beatus Rhenanus, mit dem er über den von beiden hoch- 
verehrten Erasmus Briefe wechselte. Auch deutet er an, dass 
er in der Rechtsgelehrsamkeit nur die Brotwissenschaft sehe, 
dass aber sein Herz den humanistischen Wissenschaften ge- 
höre. Unterschrieben ist der Brief an Rhenanus: „Konstanz 
im Hause Johannes Fabers, des ständigen Lobredners Deiner 
Bildung, des Gastfreundes aller wissenschaftlich Gebildeten, 
der niemals genug gepriesen worden ist."*) 

Ein weiterer Gast war Philipp Engelbrecht aus dem jetzt 
badischen Städtchen Engen, weshalb auch Engen tinus genannt, 
ein echter „Poet", wie er auch in der bekannten Epistel des 
Magister Schlauraflf in den Epistolae obscurorum erwähnt 
wird. ^) Nachdem er in Wittenberg magister artium geworden, 
wurde er 1514 in Freiburg immatrikuliert. Trotz seiner für 
einen Gelehrten damaliger Zeit unpassenden Kleidung (er trug 
einen kurzen Rock, einen Degen und Hess sich zum grossen 
Verdruss mancher Universitätslehrer den Bart lang wachsen), 
erhielt er in Freiburg durch des Zasius Fürsprache nach 
einigem Warten die Stelle des „Poeten" an der Hochschule. 
Als 1518 eine Pest die Lehrer der Universität auseinander 
trieb, flüchtete sich auch Engen tinus und fand bei Faber 
freundliche Aufnahme.*) Von Konstanz und später von Feld- 
kirch aus knüpfte er mannigfache neue Verbindungen an, so 
z. B. mit Hummelberg, der die freundlichen Zeilen eines 
Freundes von Erasmus und Faber, als der sich Engentinus 
einführte, mit ebenso freundlichen erwiderte.*) Dabei ist er 
voll des Lobes für seinen gastlichen Wirt: „Ich weile jetzt 
bei dem Doktor Johannes Faber, dem Maecenas aller ge- 
bildeten Männer, den ich wegen seiner geistigen Grösse und 



^) £. Arbenz, Die Vadianische Briefsammlung der Stadtbibliothek 
St. Gallen n, 76 (268). — - ') Horawitz und Hartfelder, Briefwechsel 
S. 261 — Später ist Brassicanus Lehrer der Wiener Hochschule gewor- 
den. Vgl J. ▼ Aschbach, Gesch. d Univ. Wien IE (an mehreren 
SteUen). — ^) Vgl. über ihn H Schreiber, Gesch. d. üniv. Freiburg 
I, 85 u. den Artikel von Horawitz in der Allg. Deutschen Biographie. 
— ♦; Horawitz, Joh. Heigerlin 10 (90). — -; Die zwei Briefe stehen bei 
Horawitz, Anal. S. 37 u. 38 (129 u. 130); doch sind sie umzustellen. 
Der Brief des Engentinus ist der frühere; denn nach richtig reduziertem 
Datum ist er den 22. September (und nicht den 21. Oktober) 1510 zu 
setzen. 

2* 



*iO Uarifttldttr. 

seiner ausgoxoichneteu allgoinoineu BiUiuni; Dir nicht genau 
^mwi; darstollcn kann, doch bin ioh dor Moinun^;« dnsa ihn 
dit> Naohwolt bowundorn, ja anataunon wird/ ') Zolin Monate 
war Kngontinus von Kivibur^ abwesend , doch ist nicht lu 
sagen, wie viel von dieser Zeit auf den Konstanxer Aufent* 
halt fallt«) 

Hesondri*s erfreut war Faber über eine litterariache Aust- 
xeiebnuni;, die ihm IftPJ durch Uhennnus xufeil wurde. Als 
dieser im erwähnten Jalux> bei Frohen in Dasei eine Ausgabe 
von des Krasmu> „IJatio seu Kompendium verae theologiao* 
iHv^orgte, widmete er dieses Werk in einem schmeichelhaften 
Schreiben dem Konstan/er Vikar.') Das lUuh wird xunächi^t 
als ein Wegweiser zur gereinigten bildi-duMi ThiMdogie, aU 
eine ZuNannnenfassung dei^selben bezeichnet. Faber erhält 
die Widmung, weil er ein Freund des Krasums sei, ihn liebe 
und ihm die Wohlthat einer Tfiilnde schon langst verschatTen 
widle. Zugleich erinnert er aber auch daran, wie freundlieh 
Falu*r gegen ihn, Uhenanus, gewesen sei. Kbenso verbindlich 
lautet die Antwort des Ausge/eichneteu'^): ^Ich su\h, mit 
welcher Klire l>u mich ansge/eichnet hast. Ki^tens musste 
mir ein Buch des nie genug gerUlnnteu Krasmus, des Fürsten 
der Wissenschaften, /um höchsten Schmucke gereichen. So* 
dann seinen es mir keine kleine Sache, von Heatus mit einem 
80 au>ge/elclineteu (ieschenke bedacht xu wenlen • An Dankea- 
be/engungen Itisst er es nicht fehlen und verspricht lu'i |»asseu* 
der Cielegenheit noch weiteres lür die Zukunft. Heatus hatte 
in seiner bescheidenen Art gebeten, die Widnmng nicht Übel 
y.u nehmen. »Wie sollte ich es Übel nehmen, mein Heatus! 
Oder haltest l>u FaWr für so stumpf und ungebihlet, das» or 
das Übel nehmen könnte, was man sehnlichst wünschen nuian^ 
wie ich entschiiMlen bekenne. Kein Midas oder Krösus hätte 
mit seinen goldenen (lesehenken mich so erfreuen uml aus- 
jiseicimen können, als Du durch das prächtige Hüchlein unseres 

I) Hrief doa K»Kf»nÜniia a» VaiUiui tuüi Horawiti, Joh. llpig^rlin 
8, 88. — *) Hi«> hVeuiuUchatl (Im Kag^nUaut mit Kri^imi« roichl übriiiinM 
schon for iU««eii KousUuxc^r Aiifeuih«U hinauf. Opp. lU, J, IMO. K. • 
1579. U. — *) Horawit« u. Hartfelder, Brit^fwechat«! S, ISJ u 607. 
— ^) K« aind awei Hriefo de« FatM^r an Hhfnauua au« tlioa«»r Zeit vor* 
bandou, doren wochtelioiUfM Verhiduia nicht rocht klar iat Vgl. a. a. 0. 
a 137 tt. 131». 



Die EoDStanzer Humanisten und Erasmua. 21 

Erasmus." Er rühme sich Überall dieser Widmung, wo er 
unter gebildeten und tüchtigen Männern sei. Der Verkehr 
mit Rhenanus hat auch später noch fortgedauert; als er nach 
Rom ging (er war damals schon ein Gegner Luthers), be- 
mühte er sich, Handschriften und Drucke von Klassikern für 
Frobens Presse zu erlangen und damit dem bei Frohen arbei- 
tenden Rhenanus einen Gefallen zu erweisen. Auch unter- 
handelte er sehr ernstlich mit angesehenen Männern am Sitze 
der päpstlichen Kurie, ob man Erasmus nach Rom ziehen 
müsse J) Aber auch mit Vadian in St. Gallen verkehrte er 
Ton Konstanz aufs eifrigste.') 

6. ürbanus Rhegius.') 

Seit 1518 wohnte bei Faber in seinem gastlichen Hause 
ein junger Gelehrter, ein vielversprechender „Poet", der sich 
schon fleissig in lateinischen Gedichten versucht hatte. Er 
hiess Urban Rieger, latinisiert Rhegius, geboren 1489 zu 
Langenargen am Bodensee. Im Jahre 1508 hatte er an der 
Freiburger Hochschule seine Studien begonnen und sich dabei 
eng an Zasius angeschlossen, in dessen Haus er auch wohnte. 
Hier wurde er mit dem etwas älteren Johann Eck, dem 
späteren Gegner Luthers, bekannt; als dieser nach Ingolstadt 
übersiedelte, folgte ihm Rhegius 1512 auch dahin. Wie man 
aus verschiedenen Gedichten, die mit Schriften Ecks gedruckt 
wurden, einsieht, hatte er für diesen Mann eine ungemessene 
Verehrung: er gilt ihm als „verehrungswürdiege Zier der Ge- 
lehrten **, desgleichen die früheren Jahrhunderte nicht hervor- 
gebracht haben. ^) 

In Ingolstadt erfreute sich Rhegius bald eines ziemlichen 
Ansehens. Als Herzog Ernst von Bayern Erasmus für Ingol- 

^) Die Einzelheiten in einem umfangreichen Briefe bei Horawits 
n. Hartfelder, Briefwechsel 8. 304 ff. — *) Vgl. die Briefe bei Bora- 
witz, Joh. Heigerlin S. 88 ff. Dass er später ein heftiger Gegner Luthers 
und Zwingiis wurde, den man mit dem bischöflichen Stuhle von Wien 
für seinen Eifer belohnte, liegt abseits Ton der hier gestellten Aufgabe. 
Weiteres über ihn bei Aschbach, Gesch. d. Wiener Universität m (an 
vielen Orten). — ') Das ältere Werk über ihn Yon H. Ch. HeimbUrger 
(Hamburg n. Gotha 1851) ist durch das Buch von G. Uhlhorn (ürbanvs 
Uiegiaa' Leben und ausgewählte Schriften. Elberfeld 1861) aberholt — 
^) Th. Wiedemann, Joh. Eck (Begensburg 1865) 8. 846. 



22 Hartfttldfr. 

atadt gewinnen wollte, leitete in seinem Auftrag lUiegius «lio 
Verhandlungen. Freilich lehnte es Erasmus schliesslich ab« 
nach der bayerischen Hochschule zu kommen. Die Antrüge 
waren durch Faber vermittelt worden, und 1518 treffen wir 
Ithegius als Hausgenosiien Fabors in Konstant selbst. 

Bald Anden wir ilni auch in brieflicher und dann in persou- , 
lieber Verbindung mit Iluuam^lberg. Kine Reihe von Briefen, 
die der Kavensburgor tielehrte an den ^^urbanissimus Urbanus'' 
schrieb, und die dieser höflichst beantwortete, hat sich er- 
halten.") Bhegius hatte in Augsburg den Lorbeer des Dich- 
ters von Kaiser Maximilian I. erhalten, und als nun iler 
Kaiser 1519 gestorben war, so wandte sich Huuunelberg an 
den poeta lauroatus mit der Bitte, ihm eine Anzahl Daten 
aus dem Leben des Verstorbenen zu verschaffen; er wolle 
eine Inschrift zu einem Bilde des Kaisers anfertigen, das .sein 
Studierzinuner schmücken sollte. Mit Faber tmiss das Freund- 
schaftsverhältnis sehr innig gewesteu sein. Uununelberg be- 
tont, das ihnen als Freunden alles gemeinsani sei. ^) 

Im Anfang des Jahres 1519 erhielt Khegius zu Konstanz 
die V^eihen. ^) Uummelberg wünscht ihm dazu von Herzen 
Glück und bedauert, dass es leider nicht viele gelehrte Cieist- 
liche gebe. »Doch vielleicht ist es so bestimmt, dass es viele 
Priester glebt und doch nur wenige Priester, viele, welche 
die Uebete am Altai*e murmeln, von denen aber, wehiie 
die Lehre vom Heiligen und die heiligen (leheimnisse be- 
wahren, wenige.'^ Rhegius giebt ihm darin vollkommen Ue<'bt : 
im geistlichen Stande sei die Menge der Ungelehrten sehr 
gross. Daran sei hauptsächlich die gi^sse Nachsicht der 
Examinatoren schuld, welche auch Unwissende bestehen Hessen.') 

Der unermüdliche Faber drängte seinen Gast zur Abfassung 
einer Schrift. Rhegius selbst erzählt, wie ihn der eifrige 
General vikar in seine Bibliothek führte, in der eine solche 
Menge von lUlchern war, dass es ihm vorkam, als ob die be- 

*) Die darauf bexüglichen Briefe stehen Krasmi opp. Ill, 1, ^7 u. 
aas. BesagHch des falschen Datums fgK Uhlhorn 8. S4ft. — *) Bora- 
wiis, Ansl S. 22 (lU)ff. — M Horawiti S. 28 u. 29 (120 u. 121). 
*) Quud sacerdotii tui, augusU et diuini muneris, primitias Deo optimo 
aazimo pura sanctaque mente obtulisU, tibi uere congratulor et uoo tibi 
modo, sed toti quoque sacerdotali ordini etc. Horawita 8. 29. -- 
*) UorHwita S 29 u. SO (121 u. 122). 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 28 

• 

rtthmte Ptolomäerbibliothek in Alexandria nicht mehr gehabt 
haben könne. „Er drängte eifrig darauf, dass ich irgend 
etwas, wenn auch noch so kleines, ausarbeitete, wie er denn 
ein rühriger nnd unermüdlicher Mann ist/* So wie er selbst 
immer thätig sei, so veranlasse er auch seine ganze Umgebung 
zu unausgesetzter Thätigkeit. *) 

Rhegius machte sich an die Arbeit und schrieb eine Schrift 
über das Priestertum, De dignitate sacerdotumj, die im März 
1519 bei Miller in Augsburg im Druck erschien. Sie ist ein 
charakteristisches Erzeugnis des theologischen Humanismus 
oder der humanistischen Theologie der Zeit; in der Form ver- 
leugnet sich nirgends der Poet, der die lateinische Sprache 
gewandt und leicht bandhabt. Auch kommen gelegentlich 
Ausfälle auf Mönche und Nonnen vor. Aber der Inhalt ent- 
spricht durchaus der Kirchenlehre: es ist eine schwungvolle 
Verherrlichung des Priestertums ; der Priester steht Gott unter 
allen Wesen am nächsten: seine grosse Bedeutung zeigt sich 
besonders in der Ausübung der Konsekration beim Messopfer, 
wo er die Menschwerdung Gottes wiederholt. Da diese Schrift 
fast zwei Jahre nach Luthers öffentlichem Auftreten heraus- 
kam, so ist klar, dass sie zugleich auch wie eine Absage an 
die Wittenberger gefasst werden muss 

Das Buch, das dem Bischof von Konstanz überreicht wurde, 
fand den Beifall Hummelbergs. Dieser lobt den Sammeleifer 
des Verfassers, die Schärfe der Beweisführung und findet, 
dass der Verfasser einen wahren Triumph damit gefeiert 
habe.^) Anders freilich lautete das Urteil Zwingiis und seiner 
Fieunde in Zürich, die schon längst Faber und deshalb auch 
dem mit ihm innig verbundenen Rhegius misstrauten. „Hui, 
was für ein gelehrtes und christliches Buch, das auch voll 
von grossen Namen steckt", schreibt er an Rhenanus. Ge- 
nannt werden „Eck, Hauer, Paulus Lybrock, Nikolaus Pfriemd, 
Hans Ambos, aber auch Männer wie Scotus, Brulifer, Duran- 
dus" etc. ^), selbst Erasmus fehle nicht. Man frage sich, wie 
sich der Verleger Proben ein solches Buch habe entgehen 
lassen können. Doch genug das Scherzes: „Liber est, a Fabro 
factus, non fabrefactus.'' Man bestritt also die Originalität 

<) Horawitz, Johann Heigerlin S. 11 (91). — ^) Horawitz S. 31 
(123). — 3) Horawitz u. Hartfelder, Briefwechsel S. 148, wo auch die 
erw&hnten Namen erklärt sind. 



24 Hartfelder. 

der Schrift und glaubte, dass der Inhalt mehr dem Freunde 
Faber als Rhegius aniitehöre. Es wäre wohl richtiger gewesen, 
Faber als den t\\ bezeichnen, der das Buch angeregt und den 
Verfasser bei der Arbeit unterstlUzt hatte. 

Auch nach Basel ist Rhegius von Konstanz noch im 
gleichen Jahre gewandert. Von seinem Eifer im Erlernen 
des Griechischen unter Ilummelbergs Leitung ist schon die 
Rede gewesen. Im Jahi^ 1521 zog Rhegius nach Augsburg, 
wo er eine Predigei*steIIe erhielt und bald der evangelischen 
Partei sich anschloss. Trotzdem dauerte das Freundschafls- 
verh&ltnis mit Humn^elberg an, wie man aus der Fortsetzung 
des Briefwechsels sieht. ') 



6. SrasniM In Konatam. 

Auf vielfache Einladungen der Konstanzer Freunde ent 
schloss sich endlich Erasmus 1523 zu einem Besuch bei Botz- 
heim. ') Er hatte anfangs abgelehnt^ weil er nach Sohlettstndt 
gehen wollte, und bereits beneideten die Koustanzer ihre 
Schlettstadter Fitiunde um diese Ehre. In Basel, wo man 
des Erasmus schwankende Gesundheit, die Änderungen de^s 
Aufenthaltes nidit gut ertrug, kannte« hatte man ihm abge- 
raten; trotzdem entschloss er sich plötzlidi zu der Reise an 
den BodensiH). Sein innigstgeliebter Beatus Rhenanus, dessen 
feines und heiteres Wesen ihm am meisten zusagte, und der 
8)lch8iscbe Edelmann Heinrich von Eppendorf begleiteten ihn. ^) 

() Vgl HorawitB, Anal. 59 (151). 88 (175), leUteret ein Brief aus 
dem Jahre iaS6. Horawiti u. Hartfelder, Uriefweohtel S. 839. 865. 
367. — IMeee Dinge gehören jedoch nicht in uniem Auftati. — ') Die 
Zeit leinee Auiluithaltt in Konstanz giebt Krasmui aelhst alt ungeAhr 
drei Wochen (forme tres hebdomadat) an. UI, 1, 756, E Die Angabe 
TOB einem ganzen Monat ist aU spätere weniger genau. Brief an Sadolet 
bei P. de Noihao, ]£:rasme en Italic (Paris 1888) S. V20, Der Aufsnt- 
halt fiillt in den September 1522, jedeuiklls nach dem 8. September; denn 
an diesem Tage schreibt Erasmus noch von Basel aus. UI, 1, 788. B. 
Den 19. September ist er nocJi in Konatani, wie man aus einem BriefSs 
Hammelbergs an Hhenanus eriiebt. Uorawits u. Hartfolderi Brief- 
wechsfd S 811. Erasmus bat also (kst den ganzen September in Kon- 
Hans zugebracht. — ') Es ist derselbe, mit dem Erasmus später die biss- 
liehen H&ndel bekam. Vgl. 0. Lebmann, Hersog Georg fon Sachsen im 
Briefwechsel mit Erasmus von Rotterdam (Leipaiger Diseert. 1889) 8. 25, 



Die Konstanzer Hamanisten und Erasmos. 25 

Es war nicht das erste Mal, dass Erasmus nach Konstanz 
kam. Als er 1509 in grosser Eile nach dreijährigem Auf- 
enthalte in Italien durch Deutschland nach England reiste, 
war er auch nach Konstanz gekommen, wie Beatus Rhenanus 
bezeugt*), jedenfalls ohne längeren Aufenthalt zu nehmen. 
Denn damals gab es noch keine Erasraische Gemeinde am 
Bodensee. 

Die ersten Eindrücke waren alle sehr günstig. In Botz- 
heims gastlichem Hause stieg er ab.*') Dieser hatte ihm 
seine Sommerzimmer herrichten lassen und Erasmus betrachtete 
mit Vergnügen die schönen Bilder, die die Wände schmückten. 
Da sah man auf der einen Seite den Apostel Paulus, wie er 
das Volk lehrte, auf der anderen Christus, die Bergpredigt 
haltend, feiner die Apostel, wie sie hinaus zogen über Berg- 
rücken hin, um der Welt das Evangelium zu verkünden. In 
der Nähe des Kamins hatte der Künstler eine Gruppe von 
Feinden Jesu, Pharisäer, Schriftgelelirte und Priester, gemalt, 
die sich gegen das Evangelium zusammenthaten. 

Wie dieses Zimmer mit biblischen Darstellungen, so war 
ein anderes mit Bildern aus der klassischen Mythologie ge- 
schmückt. Da sah man die neun Musen, die Schwestern 
Apolls, ferner die Grazien, und zwar unbekleidet, als „Sinnbild 
reinen Wohlwollens und lauterer Freundschaft", so dass Eras- 
mus an einem „Wohnsitze der Musen" zu sein glaubte. 

Am anmutigsten war der liebenswürdige Wirt seihst in 
seiner freundlichen Art und unermüdlichen Gefälligkeit. Eras- 
mus meinte, er habe nie einen fröhlicheren und lautereren 
Menschen gesehen. In seinen Sitten und in seinem Herzen 
weilten die Grazien und Musen mehr als auf seinen schönen 
Bildern; dabei sei er so vergnügt, dass er einen Toten auf- 
heitern könnte. 

Der Bischof, der durch Botzheim schon vorher von dem 
iiohen Besuch in Kenntnis gesetzt war, wollte Erasmus als- 
])ald zu einem Gastmahl einladen. Aber der sorgliche Gast- 



*) In der grösseren Vita Erasmi bei P. Scriverius, Des. Erasmi 
Tita (Lugduni Batav. 1615) p. 25. — ^) Die zwei Beschreibungen dieses 
AufenÜialts von Erasmus selbst in seinen opp. in, 1, 733. C u. D. (Brief 
anHeresbach) u. ni, 1, 754 — 756 (Brief an Marcus Laurinus, den Dekan 
>de8 Kollegiums St. Donatiani zu Brügge), von denen die zweite ausführ- 
licher ist. 



26 Harifttlder 

geber wendete diese bedenkliche Ehre vorerst ab, indem er 
dem Bisehof mitteilte, wie gefilhrlich Schmausereien fllr Era^- 
mus seien« Oai^ä der Bischof dadurch nicht beleidigt war, 
rechnet ihm Krasmus hoch an. Er hatto offenbar schon 
andere Erfahrungen gemacht: »Manche werden unwillig und 
glauben, sie wUrden verachtet, wenn man ihnen nicht in allem 
SU Willen ist, selbst wenn es zu eigenem Schaden ausschlagen 
sollte." l^afllr erschien des Bischofs Hausmeister ui\d brachte 
Rebhühner sowie anderes von der bischöflichen Tafel Einige 
Zeit nachher wurde das Versäumte nachgeholt und Erasmus 
mit seinen Freunden xu einem (VlUistUck in die Bischofspfaltt 
eingeladen. 

Audi der Bat der Stadt blieb nicht hinter dem Bichof 
surUck. Er schickte Erasmus den Khreuwein und Hess an 
mohreron Tagen die Stadtzinkenisten in der NiUie von Botz- 
heims Haus spielen,") Überhaupt wurde der berühmte Mann 
von allen Seiten m\ (icschenken übeihiluft: es kamen feine 
Weine, köstliche Fische, leckere Vögel und dergleichen. Nur 
schade, dass Erasmus von allen diesen feint'U Leckerbissen 
suniichst keinen (U>brauch machen konnte. Denn kaum an- 
gekommen, war er wieder von seiiUMu gewöhnlichen Übel be- 
fallen worden, und erst als er den Wein wechselte, j'ing es 
wietler besser. 

Uaboi hatte er stündig die anregendste (Gesellschaft. Ab- 
gesehen von Botzheim, Ultenanus und Kppendorf stellten 
sich, als es Krasmus wieder besser ging, die Verehrer des 
grossen Mannes ein, um ihm iluv Bewundt^rung auszudrücken 
und ihn zu unterhalten. Michael Humnielbeig hatte den 
Weg von Ravensburg nach Konstanz nicht gescheut, um 
Erasmus persönlich kennen zu leinen. Er machte duivh seine 
Bescheiilenheit, seine Bildung und feine Art einen so guten 

') QuitUm eaiiii iiuligaaatur Doqut^ contt^nnu putant, \\m per uiunia 
ohservids, vol tuo malo. opp. UK 1. 754, K. — ') MagiiitmtuH houorario 
viuo ini8«o gratulMtua est uobU. CAiiebaut ^ pi^pinquo diebu« aliquot 
publici tibicinon. opp. lU, 1,755, D, Uorr Profotwor Rupport in 
Konstanx war ao gütig, nur uum den im Konstanter Stadtarebiv befind- 
lichen Colleot von Schnltliei&a {\\\ p. \i) die darauf beattglieJie Stalle 
mitiuteUen Sie lautet: «15U4 im O« tober kam Krasmus Uottordainui 
her, waa ko Uerberg by Dr, JobannKen l)ot«aimer, dem tumbberren, was 
tttlich Tag hier und l\ir wider weg."* Die llnriebtigkeit der ehronologi* 
ichen Angabe ri'giebt niob aun Anm- 2 auf S. 24 oben« 



4 



Die KonBtanzer Humanisten und Erasmus. 27 

Eindruck, dass Erasmus ihn einen zweiten Rhenanus nannte. ') 
Ebenso war Menlishofer und der evangelisch gesinnte Prediger 
Wanner häufig im Hause Botzheims, auch sie durch ihr Wesen 
und ihre Gespräche für Erasmus sympathische Menschen. 

Ebenso trauliche Stunden verplauderte der grosse Gelehrte 
mit dem päpstlichen Legaten Ennius, dem Bischof von Verulam, 
der sich damals gerade in Konstanz aufhielt'), und mit dem 
Erasmus über eine etwaige Reise nach Rom, wohin er von 
vielen eingeladen war, verhandelte. Er hatte nicht übel Lust, 
mit dem Eirchenfürsten über den Brenner und Trient nach 
Italien zu ziehen, niusste aber den Plan aufgeben, da die 
Steinschraerzen wiederkehrten und er „in sein Nest" zu Basel 
„zurückfliegen" musste. 

Worüber sich die Männer, abgesehen von persönlichen 
Angelegenheiten, unterhielten, ersehen wir aus dem Brief- 
wechsel des Rhenanus. Am Bodensee stand man auf ehemals 
römischem Boden, und man verhandelte viel über die römischen 
Namen der am oder in der Nähe des Bodensees gelegenen 
Städte, wie Konstanz, Bregenz, Winterthur, Arbon u. a. Be- 
sonders fand Rhenanus, der damals schon zu seiner deutschen 
Geschichte (Rerum Germanicarum Libri tres) sammelte, an 
Hummelberg einen sachkundigen Berater, der den Boden seiner 
Heimat an der Hand klassischer Schriftsteller genau durch- 
forscht hatte und dem „hochgelehrten Herrn" Rhenanus 
manchen treflflichen Wink geben konnte. In einer zweifel- 
haften Frage holte man nachträglich das Urteil des berühmten 
Konrad Peutinger in Augsburg ein. Sie liessen sich auch 
von Zwick eine merkwürdige römische Inschrift zeigen, die 
heute noch erhalten ist, und stellten ihre Vermutungen darüber 
an. *) 

*) Michael Hymelbergius, quem ut tibi paucis depingam, pudore, 
modestia, doctrina, suavitate morum, alter Rhenanus est. opp. III, 1, 755, 
D. — Er konnte nicht so lange bleiben, als Erasmus selbst, und verab- 
schiedete sich nochmals brieflich von Ravensburg aus. Auch er hatte 
von Erasmus einen sehr günstigen Eindruck erhalten. Horawitz u. 
Hartfelder, Briefwechsel S. 311. — ^) Auch er litt, wie Erasmus, an 
der Steinkrankheit, worüber sich die beiden Männer eingehend unter- 
hielten, opp. III, 1, 755. E. — 3) Die Einzelheiten bei Horawitz und 
Hartfelder, Briefwechsel S. 314 ff. 320. 321. Erasmus selbst macht 
gelegentlich eine falsche Bemerkung über das alte Konstanz, opp. UI, 1 
755, die Hunimelberg als unrichtig erkannte. 



28 Hartfeldttr. 

Allmählich nahte die Stunde des Abschieds. Erasmus 
hatte ursprünKlich bis nach Schaffhausen ein Schiff benutzen 
wollen. Wehren der Uniuverlässigkeit der Schiffsleute entschloss 
er sich, nut Uhcnanus und Eppendorf den RUckwe^ nach 
Basel wieder zu Pferde zu machen. Auch in Schaffhausen 
zeichnde man den durclireisenden (lelohrtcn mit den) Ehren- 
wein aus. ^) So hatte die Koise Krasnuis ein reichliches Mass 
von Ehren, ihm wie seinon Freunden vielfache geistij^e An- 
regung geluacht.') Freund Hummelberg, der sich ab und 
zu auch im lateinischen Epigramm vei*suchte, schickte seinem 
Fi^undo Egellius folgendes kleines Gedicht: 

Ad Egellium de reditu Erasmi Uot ad Basileam. 
Ilelveticam rediit ßasileiam dulcis Erasmus, 
Illheic omnigenQ tradat ut artis opus, 
Divum Aup[ustinum lacerum tineisque per^sum, 
Queu) nunc ipse suis restituit Scholiis.') 

Erasmus versäumte nicht, von Basel aus den Konstanzern 
seinen her/.lichen Dank flkr die Aufnahme zu sagen. ^) Botz- 
heim zeichnete er einige Zeit nachher noch besonders aus durch 
die Widmung seines Catalogus, eines Verzeichnisses und Be- 
sprechung seiner Scliriften. Auch dem Bischof von Konstanz 
dankte er, indem er ihm durch Botzheim eine seiner Schriften 
Überreichen liess.'^) Die Tage waren zu schön gewesen, ak 
dass die Konstanzer nicht eine Wiederholung hätten wünschen 
sollen. Schon im Jahre U23 wurde Rhenanus und 1526 
Erasmus mit Uhenanus von neuem eingeladen, aber die Sache 
kam nicht zur Ausführung. 

Die Septembertage des Jahres 1522 waren für den Kreis 
der Konstanzer Humanisten der Höhepunkt ihi^s wissenschaft- 
lichen Ti^ibens. Zugleich war es aber auch der letzte Sonnen- 
blick einer untergehenden Zeit, die im Uenuss der Schönheit 
unil der Wissensclmft der Antike das höchste Ziel sab. Wenige 
Jahre nachher schon trannte die Frage der Iteformation jenen 

1) llorawltx u. Hartfelder« Briefwechsel 8. 818. -- *) Did noa 
polest, quantum houoris Ertsmo sit impensum. schreibt Rhenanus nach 
4«r Ankunft in Basel Nur Eppendorf hatte gelegentlich einen kleines 
Misston in das Behagen des Krasmus gebracht, opp. lU, 2, 1782. £. — 
■) Aus Cod lat. Monacensis 4007, ttber welche Handschrift Horawita 
a. Hartfelder, Briefwechsel p. VI, nachiusehen ist — ^) opp. DI, I, 
740. G. — ») Walohner 8. 86. 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 29 

schönen Kreis, der sich so einmütig in Botzheims Hause um 
den Humanistenkönig zusammengefunden hatte. Die Zeiten 
wurden ernster, und die religiösen Kämpfe ergriffen die Ge- 
müter mit solcher Gewalt, dass das litterarische und wissen- 
schaftliche Interesse hinter anderen Fragen zurücktrat. Die 
Stadt Konstanz wandte sich der Reformation zu und kam 
dadurch in Streit mit dem Bischof und seinem Kapitel, das, 
den Bischof an der Spitze, die Stadt verliess und sich nach 
Überlingen begab, darunter auch Botzheim. Humnielberg 
stirb bald nachher in der Kraft seiner Jahre, innig beklagt 
von seinen Freunden, besonders von seinem treuen Rhenanus, 
der ihm ein kleines litterarisches Denkmal setzte. Wanner 
wendete sich der evangelischen Richtung zu, ebenso Menlis- 
hofer, der beim Sturm auf Konstanz 1548 ein gewaltsames 
Ende fand. 2) Erasmus aber und sein Rhenanus blieben der 
katholischen Kirche treu und zogen sich mehr und mehr von 
den Humanisten zurück, die in die neue Kirche übergetreten 
waren — alles dies im einzelnen zu schildern, lag nicht in der 
Aufgabe, die sich dieser Aufsatz gestellt hat. 



Beilagen. 

I. 

Konstanz (7.) Mai 1522.*) 

Johannes von Botzheim an Erasmus. 

S. Quod itineris magnitadinem caasaris, Erasme, praeceptor 
omnium amantissime iuxta et doctissime, qaominas Constantiam 
venires^), id boni consalo, ut multis nominibus agnoscam Sletsta- 
dium^) te nobis iuste quidem abripaisse, tametsi nostro malo, qui- 
bas preter cetera incommoda id glori^ decessit, ut Erasmam 
hospitio suscipere contingeret. At cum liberum fuerit, quis non 
meliora quaeque deligat? Quanquam interim caussam expostulandi 

*) Abgedruckt Horawitz u. Hartfelder, Briefwechsel S. 405 — 407. 

— *) Yierordt, Kirchengeschichte Badens I, 182. 253 ff. 802. 877. — 
*) Das Datum steht in Klammer, weil die Bezeichnung der Vorlage „26 
Cal. Junias MDXXH^ unlateinisch und darum unwahrscheinlich ist Im- 
merhin bleibt es möglich, dass Botzheim sich nachlässig ausgedrückt hat. 

— ^) Erasmus war damals in Basel. Da er um diese Zeit immer leidend 
war, so erschien ihm die an und für sich nicht weite Reise Ton Basel 
nach Konstanz doch bedenklich. — *) Schlettstadt war besonders durch 
■eine Schule seit langer Zeit ein Mittelpunkt humanistischer Bildong. 
VgL G. Knod, Aus der Bibliothek des Beatus Rhenanus 8. 6. 



ao Hiiitfeldcr. 

tecum mihi non lieoss« crodam, parum abfuerat, <|uiu ot mo Sletata- 
diam oontulissoin ro oomportu, ita illis illic chnrissimis moivS (sod 
immoderatis) Htteraruin voratoril)us per id tonipus lumc iimidebain 
gloriam. Videhai* oniin audiro atquo his ooulis oonspiooro quandam 
•ubridentium aniicorum gosticuhitioncin ot prvrvptuin nobia Kras- 
micuin tryuinpbum difTluontibus labiivS intor sose sibi applaudore, 
Dobeo, debeo VuympbolinK*^'\ pnvoptori moo vonorando, dobeo 
Paulis utrissquo Voltzio') ot pamobo^), do!)oo IUmUo illi ter tuo 
Rhonano^)« doboo Sapido ) ot ootoris oius farinv bonis soilicot 
viris, dobeo, inquam, tpiod ivpondam, si quando dabitur oooasio, ita 
tarnen ut umnos bii otiaiu iuuitis dontil>ns hot/bonunn porpotuo 
sibi sentiant dcditissiiuuiu ot ex aniuio fauoutoiu. 

Tyranuum ilhuu xv\ Cbristianv iniinioissinnim, in to souiontom 
caloulum*') utinam ad furt*as raudiuas propolloiv lioorot moo in- 
commodo, in buno non adeo multum ablndoi^o nidororis, si fobrim 
illam lluttonicam^)» nomino tantum mntato, oo dotorqnoaa, nt uol 
Fucckaro**) ouidani uol quibnsdam idootis Cardiiialibns mU Ab!>ati- 
bns propinKuibus donuuuios. Moh'sto foro niorbum illmn subinde 
rocrudescontont nsquo ad oxtromam aninn moi impationtiam, ita ut 

^) Jakob WimplVHng, dor grosso pinlÄgogiscbe Sohriftstollor unter dou 
frahert^n llunnuiinton, mit Krasmus botroundot, hatte aioh 1M& in aoine 
Vaterstadt ScbU^ttstadt y.urnck|tt»/.ogon. Vgl. Ch. Schmidt, Histoire lit- 
t^niiro de TAlbaco 1, 88. — '^\ Taul Vok (auoh Voltzius, Volsius) au» 
OfTenburg, ein trtnior Anhftngor des Knisn\us, war bis xum Ausbruch divs 
Bauernkiiegos Abt des Klosters liugaliofen im FJsass, von wo er oft seine 
humanistischen Freund» in Sohlet tstadt besuchte Vgl Höh rieh, Mit- 
teihingen aus d. Gesch. d. Klsasses 111, 208. Weitere Angaben über ihn 
bei Ch. vSchmidt, Hist. littt^r (Register) Driete von und an ihn bei 
Horawitx u. Hart fei der, RrietVechsel , Heg. «. v. VoIk, Krasmua 
hatte ihn so lieb, dass er ihn apiitur auch in seinem Testamente bedacht 
Jint. — ') Paulus Conatantimis Thrygio» eigentlich Seidensticker, ein hu- 
manistisch gebildeter Theologe, war seit lßl9 Pfarrer in seiner Vater- 
stadt Schlettstadt, wurde aber 1525 wegen seiner evangeliscJien Ober- 
seugung aus seiner Stelle entlassen. Vgl. K. Hart fei der, Zur Geschichte 
des Hauernkriegs (Stuttgart 18^4) S. 111 ff. G. Knod in der Allgem. 
Deutsch. Hiographie. — *) Der berühmte Philologe und Historiker llhe- 
nanus, der seit 1522 meist in SchlctUstadt wohnte. Vgl. A. Horawitx, 
B. Hlieniuins. Kin biographischer Versuch (Sit»ungaberlchte d. Wiener 
Akad (phil-hist, Klasse Hd. 70—72) (1872). — ») Johannes Sapidus. 
eigtnitlich Wit«, der berühmte Leiter der Stadtschule «u Schlettstadt, aus 
welcher Stellung ihn erst das Jahr 1525 vertrieb. Kr fand in Strassburg 
eine andere Lehrerstelle. Vgl. K. Kugel, Das Schulwesen in Strassburg 
(Strassburger Hrogr. 1880) S 47. Neues daxu in den» Artikel Knods in 
der Allg. 1). Biographie. — *) Krasmus hatte ein Steinleiden. — •) Ulrich 
von Hütten hat »wei Dialoge „Febris** geschrieben. Vgl 1). Fr. Strauss, 
Ulrich ▼. Hütten (i.eipx. 1871) 2. AuH S. 2tJU. 295. \^ Die t^igger, 
die reiche Kaufherrt^nf^milie in Augsburg. 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 31 

nihil usqaam sit mali, qaod illi non imprecer ex imis aisceribus, qoi 
Ghiistianam iactaram usque a dco sit in Erasmo. Sed Christus, 
quae sua est dementia, rem soam in te corabit. 

Ceterum quod ab hiis, qu§ sub proximas nundinas excudontur, 
abesse non poteris, plurimum approbo, tantum abest, ut ansam 
abeundi tibi praestem, quando cum multis eum laborem communem 
mihi et utilitati futurum sperem. Modo ne ipsi mihi desim, paraue- 
ram tibi locum, quem tuo more securus inhabitares, non dico magni- 
ficum, sed ex quo animum in te meum facile propensissimum iudi- 
caueris, quem eo lubentius occupo et frequentius, quod Erasmo 

institutus sit^ 

Snbodoraberis et recte quidem Lacoiücam illam epistolam tuam nescio 
quid animi in me tui teporis suspitionem parituram, nisi laborum 
tuorum (quos habeo compertissimos) molem tibi subindicasses imminere. 
Nee enim par est quibusuis Botzhemis tempus impendere, quod 
multo rectius publicis commodis reseruatur. 

En tibi, Erasme, potior animi mei pars, duos bonarum litera- 
rum (quod familiäre colloquium indicat) studiosos, nempe Chilianum 
Pratis^), Benedictini instituti a raonte diui Georgii in Oeni valie 
siti monachum, et alterum, Symonem Mineuium tibi antea, quod 
intelligo, non omnino incognitum, mihi quidem antea nunquam uisos, 
sed eos, qui cum Constantiam appulissent, in diuersorio publico 
perquisissent, si quisquam illic esset Erasmi Studiosus, quibus ego 
denuntior; quod cum intellexissem, vocaui illos, quorum humanitas 
extorserat a me, quod ultro ambiebam, nempe literas ut reciperent 
tibi perferendas, quibus commendatiores tibi füturos sperabant. Nam 
tui uidendi gratia Basileam adire se dicebant. ^) 

Postremo id ex te scire percupio, quid proxime a Frobenianis^) 
prelis per te diuulgandum sit. Quicquid parturias, ita enitere, ut 
valetudinis tu§ rationem habeas. Bene vale et nonnuuquam uel 



h Ein Abschnitt des Briefes, der für diese Arbeit nicht in Betracht 
kommt, bleibt hier weg. ~ *) Dieser Eilian Praus oder Clemens, 
wie er sich mit Anklang an das griechische ngavg latinisierte, aus 
dem Benediktinerkloster St. Georgen im Innthal (im jetzigen österreichi- 
schen Hausruckkreise), war bis 1525 in Schlettstadt, von wo er sich 
nach Strassburg flüchtete. Drei sehr inhaltsreiche Briefe von ihm an 
Rhenanus bei Horawitz u. Hartfelder, Briefwechsel S. 330—333. 
560 ~ r>62. — ^) Schon zu der Zeit, da noch Erasmus in den Niederlanden 
war, machten begeisterte Anhänger von weit her Reisen zu ihm, um den 
berühmten Gelehrten zu sehen und zu sprechen. — *) Johannes Frohen 
in Basel, einer der hervorragendsten Buchdrucker in Basel, der auch die 
meisten Schriften des Erasmus gedruckt hat. Vgl. über ihn Stockmeyer 
u. Reber, Beiträge z. Basler Buchdruckergesch, (Basel 1840) S. 86. 
A. Weltmann, Holbein und seine Zeit (Leipz. 1874) P, 110. 113. Sein 
Bild ebendaselbst S. 284. Viele neue Angaben über ihn im Briefwechsel 
d. Rhenanus. 



82 Hartfelder. 

uerbulo Hotzhomum tuuiu compella. qui se tibi cnpit esse quam 
commendatissimum. 

Kx ConstAutia 26 (sie) CaK Junias MDXXII. 

J. Hotzhemus tuus ex animo. 

Alis Cod. Rohdigernmis No 254 der Stadtbibliothek cu Breslau fol. 105 ff. 



11. 

Konstanz 7. Januar 1523. 
J. Menlishofer an Krasmus. 

S. Dedi bis diebus ad te epistolani per affinem Frobenii, quem 
tu nugacissimum appellas, ego verbosissimum leuiculum non abs re. 
De diuinatione tua nibil est, quod periculi metuas; cautior ero« quam 
nt id ex mo expectaro babeas. Contra ego fidem tuam imploro, ne 
mali quicquam ex litoris nieis ad te datis coniingere sinas, qui plus 
satis et imprudenter et libero s^'pius ad te scribo; testantur litterae 
tuae te affuturum suromo pontiiici pro tua virili. Res est non ab- 
surda, modo veritas ipsa non opprimatur. Odisse dissidium, amare 
concordiam summao pietatis argumentum est. At si quando inciderit 
articulus, vbi malis veritatis portionem descrere quam t urbare con- 
cordiam, memincris non cuiuis ofTonsae cedendam esse ueritatem. 
Verum quidem veritas nonnunquam suo loco reseruanda est, non de- 
serenda aut eo modo obticenda, no contrarium videatur assertum. 
Nam id quauis oecasione recopta nunquam admittendum crediderim. 
Nee est vlla veritas tarn seditioni proxima, quam si tuo modo, ut 
soles omnia, modestissimo protuleris, turbulentam aut seditiosam in- 
dicaturus sit quisquam apud pios et Cbristiani pectoris bomines fieri. 
Difticillimum est, ut scribas, quod a nemine rapiatur in calumniam, 
maxime in negotio tam arduo et plus nimio iam exulcerato; lieri non 
potest, ut eiusdem negotii iuditia diuersa, tam seditiosa, tam con* 
tentiosa, qualia sunt, buius in tranquillitate consentientibus partibus 
sopias; immo plus vereor, si rebus pontititiis annuas, concordie stu- 
dens, maiori periculo et tumultui patrocineris. Aequum est vincere 
veritatem et illi adesse, tum maxime, ubi conscientia leditur. Noui 
Ingenium tuum bac in parte, volles quidem veritatem per omnia sal- 
uam, si per illam nemo lederetur, quod uel raro uel nunquam con- 
tingit. Justior erit cxcusatio, si neritas, ipsa mansuota, nonnibil 
maleuolenti^ conciliet apud quosdam, quam si deseratur veritas, quao 
Christus est, propter homines. Quid, si bac via extingueretur veri- 
tas, quod sint, qui indo seditionis occasionem sint sumpturi? Porro 
cedant affectus ntrinque, sufügantur oculi in Christum, qui, iustus iu- 
dex, in vero iuditio iudicabit omnia. Scio te mirum eins artificii 
fiabrum, cai parem non uidit aotas nostra, qui perdoctus sis, quo in- 
genio dt scribendum in rebus periculo expositis. 

Faber strenue agit contra Lut herum, sed suspectus multis no- 
minibus, quod adfectibus ex sacerdotiis et moneribus conceptis idw 



Die Konstanzer Humanisten und Erasmus. 33 

aequo uel saltem non eo modo seuire videator, qaamnis totns ore sit 
blandus et Italico fuco non absimilis. 

Non est hoc saeculo pontificibus et tyrannidi illorom nimium tri- 
buendom, nisi malimus expectarc capitale pericolnm. A capite dif- 
fanditnr illa pestis. Qnod si illic cura adhibeatnr, facile corpus et 
membra restituentur. 

Faber secnndo concionatus est ad populum absente concionatore 
nostro Joanne Y annio (nam nomen illius scire cupiebas). Adhorta- 
ins est plebem et auditores, ne nouis et peregrinis dogmatibns ab- 
duci se permittant, sed potius patmm vestigiis inherentes sensum se- 
qnantur illorum ab apostolis usque ad nostmm seculum receptum. 
Multis argumentis persuasit contra doctrinam Lutheri, suppresso ta- 
rnen uel illius uel alterius nomine. Snaui mansuetndine pellicit eos, 
qui fnerant aduersarii, et refelli possent nonnuUa, que proponit, ta- 
rnen speties illa et blanda persuasio non nihil mouet simplices ani- 
mos. Per omnia conuenit mihi cum Fabro, solo hoc negotio dempto, 
qui plus aequo mihi videtur tribuere tyrannidi ecclesiasticae. Ita ha- 
bcnt affectus mei, ut calorem et vehementiam preter spem et votum 
nonnunquam incutiant. Volo literis tuis me illi commendes, amicus 
amico amicum, quamquam se offerat amicissimum in spetiem. Scio 
enim illum male habere, si quisquam obnitatur instituto suo. NuUi 
ero calcar seditionis, nulli occasio turbandae pacis. Vellem tarnen 
atrimqne audiret alter alterum, nam saepe est olitor etiam oportuna 
loquttts. 

Concionator Yannius aut sua sponte, quod audio, queret abire 
ant qu§retur modus, quo festiuiter sit ablegandus, quantum ex coniec- 
turis intelligoJ) Quod Hnttenum ad colloquium non admiseris*), 
suspitionem toUit captandi consilii. Sed apud hos, qui id norunt, 
palam rumor inualuit multos conuenisse Basile^, qui Lutheran^ 
factionis suspecti habentur, causa captandi nescio cuius consilii. Mo- 
nachi illi, tui aduersarii, digni sunt, qui proprio liuore suffocentur, 
dum falluntur votis suis in te. Securus scribas, quicquid libuerit, 
certns apud me sepulta fore omnia; gratius enim exhibere offitium 
non poteris. 

Bene vale, mi praeceptor, et valetndinem tnam diligenter cura. 

Gonstantiae YQ Id. Januarias 1523. 

Medico tuo nomen est Joannes Menlishonerus. 

Aus Cod. Rehdigeranus No. 254 der Stadtbibliothek zu Breslau fol. 
286 ff. 



^) Wanner ist flbrigens in Konstanz geblieben. — ') Hütten war gegen 
Ende des Jahres 1522 auf seiner Flucht nach der Schweiz nach Basel 
gekommen, ohne dass ihn Erasmus bei sich empfing. Ygl. D. Fr. S trau es» 
Ulrich ▼. Hütten. 2. Aufl. S. 492. 



Zeltschr. f. Oesch. d. Oberrh. N. T. YIII. 1. 



Die Strassbnrger Generalabsolntion vom Jahre 1553. 

Kin Beitrag 

/ur Tolitik Strassburgs im 10. Jahrhundert. 

Von 

Alkqin Hollaender. 



Nachdom der französische Kiinig Heinrich IL im Einver- 
ständnisse mit einer Anzahl deutscher FUrsten im April dos 
Jahres 1552 der Städte Toul und Metz sich bemächtigt hatte, 
rttckte er in den ersten Tagen des Mai mit stattlicher Heeres- 
macht über die Zaln^rner Steige im Elsass ein. Kr hoffte da- 
mtUs jedenfalls, wie wir allen gleichzeitigen Quellen zufolge an- 
nehmen mllssen, auch Strassburg, ,,die starke Vorniauer des 
ganzen Rheinstroms'\ in seinen Besitz« bringen zu können. Rat 
und Bürgerschaft des letzteren aber waix^n gewillt, „Gut und 
Blut zu Bewahrung und Rettung ihrer Stadt darzustrecken 
und dieselbe ihres äusaersten Vermögens bei Kaiser und 
Reich und ihren hergebrachten Libertäten zu erhalten*'.^) 

Schon auf die erste Kunde von den französischen Rüstungen 
hatte man alles getlmn, um die Stadt durch Verstärkung der 
Befestigungen und Anwerbung eines stattliclien Kriegs Volkes 
verteidigungsfähig zu machen, so dass der König sich genötigt 
sah, seine Annexionsgel Uste aufzugel)en und, nadidem ihm 
lediglich die Lieferung einer geringen Anzahl von Lebens- 
mitteln gegen Bezahlung zugestunden worden war, seinen 
Weitermarsch anzutreten. 

In denselben Tagen nun, in welchen der König zu und 
um Zabern bis auf zwei kleine Meilen Wegs von Strassburg 
entfernt lag, während seine Uensdarmes bis auf eine Stunde 

*) Vgl. HollK^nder, Btraaaburg im Araniöaischen Kriege S. 60. 



Die Strassburger Generalabsolution vom Jahre 1553. 35 

^x\ dasselbe heranstreiften, erschien in der Stadt ein kaiser- 
licher Gesandter, der niederländische Edelmann von Carondelet, 
mit einer Credenz seines Herrn vom 30. April, welcher im 
Auftrage und auf Kosten desselben der Stadt vier Fähnlein 
Kriegsvolk zur Verfügung stellte. Der Rat indessen lehnte 
diese ebenso wie einige Tage später die beiden von der Ensis- 
heimer Regierung auf Befehl des Königs Ferdinand ange- 
botenen dankend ab, da man an Truppen zu Fuss und 
Ross keinen Mangel hätte, und mehr Kriegsvolk ohne 
„sonder Gefährlichkeit" zur Zeit in der Stadt nicht aufge- 
nommen werden könnte. Er unterliess es freilich bei dieser 
<}elegenheit nicht, durch den Gesandten dem Kaiser vorstellen 
zu lassen, er möge Strassburg seiner schweren Unkosten 
wegen bedenken und demselben eine ähnliche Generalabsolution 
bewilligen, als Ulm erhalten hätte. *) 

Gleichzeitig antwortete der Rat der Ensisheimer Regierung: 
,,Er hoffe, der römische König würde Strassburg anstatt der 
zwei Fähnlein andere fürträgliche Vergleichung zu thun geneigt 
sein, dazu auch bei dem Kaiser befördern, damit durch andere 
Mittel und Wege, so ihren beiden Majestäten unbeschwerlich, 
der Stadt aber hoch erspriesslich sein möchten, der letzteren 
dermassen wirkliche Ergötzung geschehe, dass sie solche über- 
mässige Kosten desto bass gedulden und erleiden möge."*) 

Am 21. Mai setzten die Herren XIII, das Kollegium für 
Krieg und Auswärtiges, den Wortlaut einer Instruktion fest; 
^was der Gesandte von Meister und Rat der Stadt Strassburg 
bei Rö. K. Mt., unserem allergnedigsten Herrn, auch Ihrer 
Mt. Räten vorbringen, werben und handeln solle. ^) 

Dieselbe fand am 24. Mai auch die Genehmigung des 
<7rossen Rats, der gleichzeitig verfügte, dass daneben ein ins 
Französische zu übersetzender Auszug hergestellt würde. 
Zum Gesandten wurde der Stadtadvokat Dr. Heinrich Kopp 
ausersehen. *) 



Thomasarchiv Tir. 22. L. 2. GranveUa Jac. Starmio 1552 Mai 25. 
— ') Str. St.-A. AA. 579 Mai 11. Der König Ferdinand schrieb ihnen 
darauf am 13. Juni, dass er sich bei seinem Bruder verwenden woüe, da- 
mit ihnen alle gehabten Kosten wiedererstattet würden (AA. 579j. — 
*) Str. St.-A. AA. 576. — *) Heinrich Kopp, ein Strassburger Kind, stu- 
dierte 1529 in Wittenberg, von wo er mit einem warmen Empfehlungs- 
schreiben Melanchthons an Jakob Sturm, in welchem des Jünglings Be- 

3* 



36 HolUender. 

Wenn wir auf den Inhalt, der Urkunde nftber eingehen, 
80 geschieht dies einmal, weil sie eine aktenmässige Darstellung 
der Verteidigungsmassregeln giebt, die Strassburg im Früh- 
jahr 1552 gegenüber der französischen Invasion getroffen, die 
Gesinnung erkennen lässt, welche Rat und Bürgerschaft in 
jenen Zeitläuften beseelte, und die Politik, welche die Reichs- 
stadt sowohl den) Kaiser als auch Frankreich gegenüber be- 
folgte. Andererseits bereichert jenes Aktenstück unsere Kenntnis 
von der Einführung der Retonnation in Strassburg, unter- 
richtet uns über die Beschwerungen, welche der unglückliche 
Ausgang des schmalkaldischeu Krieges für dasselbe im Gefolge 
hatte, und das Verhältnis, in welcliem Meister und Rat seit- 
dem mm Bischof Erasmus und dem Klerus standen. 

Die Petition zerfallt in folgende vier Hauptpunkte: 

1) Dass der Kaiser gestatte, dass Meister und Rat Geistliche, 
Ritterschaft und andere, so in Strassburg wohnen oder begütert 
sind, zur Aufbringung der gehabten Kosten in gleicher Weise 
wie die Bürger heranziehe, und dass der Klerus ausserdem 
etwa SO Jahre lang alle städtischen Abgaben wie die letzteren 
zu entrichten angehalten würde. 

2) Dass der Kaiser alle vom schmalkaldischeu Kriege hei^ 
rührenden Ansprüche des Herzogs von Braunschweig, des 
Deutschmeisters und andirer zurückweise. 

3) Dass die Einkünfte der aufgehobenen Klöster auch 
fernerhin im Interesse der Schulen und des Almosens ver- 
wendet würden. 

giibuug nachdrücklichst hervor((t>hobon winl, in seine Vaterstadt lurttcic- 
kehrte. Ks heisst darin: «Videtur iugenium ad magnaruro rerum admini- 
Btratiouem idoneum habere, modo ut accedat cultura et Studium. Hac 
in re pUirimum tu poteris efßcere, ut in hoc curriculo studiorum, in quod 
magna cum spo iiigressus est, retineatur.^ S^^Ater studierte er das Kocht 
in Bourges und wunle Stadtadvokat in Strassburg (Hindseil, Phil Me- 
lanchtlionis epistolae, judicia etc. p. 87). Als solcher ei-scheint er seit 
1540 mehrfach im Dicusto der Stadt bescbjiftigt. In diesem Jahre hiUt 
er sich hingert> Zeit am kaiserliciien Hofe auf, um Strassburg in einem 
Konftikt mit der Äbtissin des Stephansklosters lu vertreten und ihm als 
Beobachter au dienen. Ebenso begh>itete er im Autlrago Strassburgs im 
Sommer 1548 das kaiserliche Feldlager, ttber welches er lehrreiche Briefe 
nach Hause sendete. Gereon Sailer nennt ihn einen n^^i'^^^^^n Manu, 
dem m glauben ist**. (Len«, Briefwechsel l.«andgr. Philipps mit Bucer 1, 
216. 111, 81 :t.) 1549 ist er iu betreff des Interims am kais. Hofe (Sleidan 
8, 1510* Kude April 1552 unterrichtet er von Saarburg aus seine Vater- 
stadt über die Plüne der Franaosen (HoUaender, a. a. 0. p. 30 f.). 



Die Strassburger Generalabsolution vom Jahre 1553. 37 

4) Dass die Stadt in den Beichsanlagen geringert, und 
^ass man, weil der eingebrachte gemeine Pfennig jetzt an- 
gegriffen, nicht zu doppelter Einsammlung genötigt werde. 

Diese Anliegen werden in ausführlichster Weise folgender- 
massen begründet: 

Sobald Meister und Rat durch dass „gemeine Landgeschrei^ 
und das erste Schreiben des Kaisers erfahren, dass Unruhen 
im Reich entstanden, auch der König von Frankreich seinen 
Zug in das Herzogtum Lothringen vorzunehmen beabsichtigte, 
hätten sie anfangs drei starke Fähnlein aufgebracht und 
daneben mit den benachbarten Fürsten, Städten und Ständen 
auf zwei Tagen dahin gehandelt, gemeinsame Verteidigungs- 
massregeln zu treffen , aber von jenen gar geringen Trost er- 
halten können, so dass ihnen die ganze Last allein aufgebürdet 
worden wäre. 

Nichtdesto weniger hätten sie, sobald sie sicher erfahren, 
dass der französische Zug gegen das Elsass gehen würde, 
ohne Verzug die Zahl ihrer Fähnlein auf sechs gebracht, welche 
so stark wie sonst zwölf gewesen wären, mit einer grossen 
Anzahl von Doppelsöldnem und Schützen. Daneben wäre 
«in starkes Fähnlein Hankwerksgesellen und mehrere Hundert 
Unterthanen vom Lande mit wöchentlichem Wartegelde unter-, 
halten worden. 

Ferner hätten sie sich mit täglichem Frondienst behufs 
Verstärkung der Festungswerke, Niederlegung von der Ver- 
teidigung hinderlichen Gebäuden, Fällen von Bäumen und 
anderem in beschwerlichster Weise beladen und so zur Gegen- 
wehr gefasst gemacht, dass sie in guter Hoffnung gestanden 
und noch stünden, sich bei Kaiser und Reich, auch hergebrach- 
ten Freiheiten zu erhalten. 

Die ihnen zur Zeit der grössten Gefahr seitens des kaiser- 
lichen Gesandten angebotenen Fähnlein hätten sie aus den dem- 
selben mitgeteilten Gründen abgelehnt, in der Hoffnung, dass 
der Kaiser ihnen in anderweitiger Weise zu Hülfe kommen 
würde. Obwohl sie nun auch fernerhin die bisher befolgte 
Politik einzuhalten fest entschlossen wären, würden sie auf 
die Dauer diese Last allein zu tragen nicht imstande sein. 

Der französische König sei vermutlich infolge ihrer Rüstungen 
zu anderem Bedenken verursacht worden und habe ihnen nichts 
weiter als die Mitteilung von Proviant gegen gebührende Be- 



3g Holltteiidor, 

xahlung zugemutet. Indessen trotz dreimaliger schriftlicher und 
einer mündlichen Auflorderung hätten sie aus der Stadt ihm 
nichts folgen lassen, sondern nur weil man ihn doch nich( 
daran hätte hindern können, gegen Bezahlung und die Zu- 
sicherung, dass das üehiet der Stadt verschont bliebe, vom 
liande eine geringfügige Zahl Viktualien bewilligt, auch diese 
übrigens, weil er im Abzüge gewesen und eine Anzahl Dörfer 
geplündert, gar nicht einmal folgen lassen, sich auch in keiner 
Weise in eine „Praktik" weder mit ihm, noch sonst jemand 
eingelassen. 

Wiewohl nun der Franzose wieder heinigezogen sei, so 
könnten sie doch noch nicht daran denken, das Kriegsvolk 
zu beurlauben oder die angefangenen (lebäude unvollendet zu 
lassen, da der König über kurz oder lang, wenn die Frucht 
auf deni Felde gewachsen, gegen diese Stadt wieder heranrücken 
möchte. Inzwischen aber würden sie sich an Geld uml Proviant 
erschöpft haben, und das Kriegsvolk ohne seinen baren, ge- 
wissen Sold nicht niehr „so lustig und durstig** sein, so dass 
ihnen alsdann die Belagerung ohne erspriessliche Steuer und 
Bettung beschwerlicher als jetzt fallen mrtsste. 

Um solchem Unrat und einer weiteren Verwüstung des 
Landes zuvorzukommen, erlaubten sie sich, dem Kaiser einige 
Mittel vorzuschlagen, „dadurch ir. Mt. ohne ihre eigene lU»- 
schwerung ihnen und genuMner Stadt behülflich und nützlich 
sein möchte". 

Zunächst bitten sie, dass sie behufs Abzahlung der ge- 
machten Schulden und des aufgenommenen (leides eine all- 
gemeine Kontribution nicht allein auf sich, Bürger und Zu- 
gehörige, sondern auch auf die (leistlichkeit, die vom Adel 
und andere „Ausländische^*, die bei ihnen wohnten und ihre 
Höfe, Häuser oder Güter in der Stadt hätten, legen dürften. ') 
Die Besitzungen letzterer Art nähmen den vierten Teil des 
Stadtgebiets ein und hätten daher zur Bestellung zahlreicheren 
Kriegsvolkes Anlass gegeben. Dazu hätten die \o\\\ Adel ihre 
Frauen, Kinder und beste Habe in die Stadt goHüchtet. 

Ausserdeni erschiene es angenu^ssen, dass die Kay. Mt. 
der Klerisei befehle, eine Zeit lang — etwa 20 bis 30 Jahre 
das Stall- und Ungelt auch den HelblingszolP) gleich wie die 

') Kin kuUnrlüslorisch iatorossiuitos Vtnv.oiolmis ilorseÜHni tindot .sivli 
Str. St.-A. V.D.O. Iftd. ni, No. VX ») StaUgold: tributum stabuli 



Die Strassburger GeneraJabsolutioii vom Jahre 1553. 39 

Bürger und anderen Einwohner ohne Weigerung zu erlegen 
(doch Hut und Wacht und was dergleichen unpriesterliche 
Dienste, ausgeschieden). ^ In früheren weniger gefährlichen 
Zeiten hätte die Geistlichkeit sich selbst erboten, den „Helblings- 
zoll" zu entrichten. Solche Gleichheit würde nicht geringen 
Frieden zwischen jener und der Bürgerschaft herstellen, und 
die Stadt durch den wiedergesammelten Geldvorrat besser 
auf einen Überfall gefasst sein. Denn obgleich der König 
wieder zurückgezogen, so sei er doch wegen des Herzogturas 
Lothringen und Verschickung des jungen Herzogs, auch wegen 
der Stadt Metz, welche er der Krone Frankreich huldigen 
und stark befestigen lassen soll, Strassburg also genach- 
bart, „dass wir (so lange diese Stück in seinen 
Händen bleiben), ohne Unterlass besorgen müssen, das 
er sich unversehens der Stadt wieder nähern und 
deren unverwahrt, als eines Gränzfleckens und, ohne 
Jluhm zu melden, einer Vormauer ernstlichst an- 
nehmen und unterstehen möchte, seinen Fuss da- 
durch in Deutschland zu setzen, deswegen die unver- 
meidliche Notdurft erfordern wollt, dass wir, so lange Frank- 
reich uns also genachbart, in emsiger Bereitschaft sässen, 
Rittmeister, Hauptleute und Büchsenmeister pensionierten, 



jure Argent. olim alendo equitatui. Stallherren: praefecti stabulo civit. 
Argent., ubi de bonis annuatim pro 100 fl. tres solvuntur asses. Ungelt: 
census certus qui de victualibus solvitur. Helblingszoll : tributi species, 
quod cives Argentor. solvere olim tenebantur. Helbeling: heller, monetae 
minimae species. (Scherz, glossarium). 

^) Durch einen von dem Rate mit dem Bischof Erasmus abgeschlosse- 
nen Vertrag war festgestellt worden: .„Clerus annuum vectigal atque pe- 
cuuiam senatui dependit, in reliquis immunitatem obtinet^ (Sleidan 21, 176). 
Übereinstimmend damit heisst es in einer Kopie des Vertrages vom 23. Nov. 
1549 (Str. Bezirksarchiv G. 155), dass Pröpste, Dechanten, Kapitel, Ca- 
nonici etc. der Stifter St. Tliomas, Jung und Alt St. Peter, Allerheiligen, 
sowie die Vikare des Chors Hohen Stiftes auf die nächsten 10 Jahre in 
des Rats von Strassburg Schutz und Schirm bleiben und deshalb ein jähr- 
liches Schirmgeld zahlen sollen, und zwar St. Thomas: 80 Gulden, Jung 
St. Peter: 80, Alt St. Peter: 40, Allerheiligen: 12, die Vikarien des Chors 
Hohen Stifts 70 Gulden. Dagegen sollen dieselben und die gemein Clerisey 
der Stadt Strassburg der bürgerlichen Pflichten und Beschwerden, dazu 
sie vergangene Jahre angehalten, enthoben sein. — über die auffallende 
Thatsache, dass hier auch das Stift St. Thomas aufgeführt wird, vgl. de 
Bussierre, histoire du d^veloppement du protestantisme I, 294 f. 



40 HolUender. 

mehr OeschüUs uod andere Artillerie ku Woge brächteni die 
Kressen angefangenen Bauten ohne Verzug fortführten, eine 
Menge Wein, Korn, Frucht, Hafer, Fleisch und andere Vik- 
tualien und Proviant in Vorrat hielten, wozu eine merklidie 
Summe Gelds gehörte, was der Kaiser als ein vor andern 
(erfahrener Kriegsherr wohl wissen wUltle^^ Deshalb w&re es 
nicht ungehörig, wenn die Klerisei, wie solches auch an et- 
lieh mehr Orten Üblich gewesen, in der oben angegebenen 
Weise bei der Besteuerung mit herangezogen wUrde. 

Sodann möchte Ir. Mt. sie der Rechtfertigungen, welche 
im Gang wären, gnädigst entheben auch von allen vom Jahre 
1546 herrührenden Ansprüchen absolvieren. Strassburg hätte 
sich gemäss seiner Bundesverwandtschaft zum Kriege gegen 
den Herzog von Braunschweig deshalb lediglich bestimmen 
lassen, um die Stadt Goslar vor endlichem Verderl)en zu retten, 
im Übrigen davon gar keinen Nutzen, sondern nur Nachteil 
gehabt. ') Beider Teile Kosten und Schäden wären durch einen 
„zierlichen Vertrag aller ding componiert, aufgehoben und 
kraftlos gemacht^, welchen der Herzog nicht allein mit seinen 
fürstlichen Worten besproclten, sondern auch untei^chriebeu 
und nnt seinem Eide bestätigt hätte. Nichtsdestoweniger hätte 
derselbe sie mit zwei Forderungen beim Kammergericht ange- 
fochten, „die eine uf die peen des landfridens, acht undaberacht, 
die andei^ uf dreissigmalhunderttausend (sie!) Gulden abti*ag 
gestellt**.*) Solches könnte ihnen zur augenblicklichen Gegen- 
wehr wenig Lust einflössen. Der Kaiser möchte daher den 
Herzog zur Erfüllung seines Eides anhalten. 

Ebenso belästigte sie der Administrator des Deutschordens 
wegen Krigsbeschädiguug, ') Sollten sie hierzu verurteilt 
werden, so wUrden die Übrigen Stände ebenfalls gegen sie 

I) In dor Thut war man in Strasaburg mit der lieHOtxnnK t\m Hraun- 
«chweigt^r I^andeti niohUi woni|(er als einverstanden ireweHen, und nament> 
lieh Jakob Sturm hatte diese Unxueriedenheit dem l^andgrafen gegenüber 
mehrftoJ) offen au erkennen gegeben; vgl. Kannengiesser, Dt>r Ueiohatag 
XU Worms 1546 S. 25 f. und Lei», Briefwechsel II, :J(KK 21S, 218, 252, 
258, 208, 807. >) Hierüber heisst es bei Sleidan 21, U5: „Hd (d. h. 
beim Kammergericht) Smalcaldicis litem movere ooepit Henricus Bruns- 
vicensis ob anteactum bellum, quando pulsua t\iit. Partus quidem erat, 
quum e carcere dimitteretur, etiam Juratus, nihil se tentaturum esse: ve< 
mm ab ea transaotione discesMit, et non ipse modo, sed et Moguntinus, 
et Prussiae magister etc."* — ') h]» war dies Wolfgang ächnUtbar von 



Die Strassburger GreneFalabsokition vom Jahre 1553. 41 

einklagen. Sie hofften daher, der Kaiser würde denselben 
abweisen oder anderweitig zufriedenstellen , auch alle anderen 
Zusprüche und Forderungen, welche vom schmalkaldischen 
Kriege herrührten, aufheben und kraftlos machen und sie 
all dessen gleich wie die Stadt Ulm in höchster und bester 
Form entbinden und absolvieren.^) 

Ferner wäre vor langen Jahren ein Kloster St. Arbogast 
ausserhalb der Stadt, doch nahe bei den Mauern gewesen^, 
dessen Conventualen hätten vor etlichen und zwanzig Jahren 
mehr denn einmal beim Rate vorgetragen, dass sie „wegen 
der dazumal vorstenden Leuf '^ entsddossen wären, die Gefälle 
ihres Klosters dem Allmächtigen zu Lob und Ehren, dem 
Spital und gemeinen Almosen alhie zur Erhaltung der Armen, 
Kranken und Dürftigen zu übergeben, doch mit dem Vor- 
behalt lebenslänglicher Pension für ihre Person.*) Dieweil 
nun der damalige Rat den grossen und schweren Überfall, 
und die hohe Notturft betrachtet, auch augenscheinlich ge- 
sehen, „was für ein unordentlich und unbesserliches leben in 
bemeltem kloster vil jähre geführt worden" hätte er ange- 
nommen, es sei Gott gefälliger, dass diese Einkünfte, von 
denen kein geringer Teil von den Bürgern Strassburgs dem 
Allmächtigen zu Ehren und ihren Seelen zum Heil dahingegeben, 
den Armen zu Gute gebraucht, dann dass sie also, wie viel in 
vergangenen Jahren geschehen, liederlich und unnützlich ver- 
schwendet würden. Deshalb hätte die Übergabe stattgefunden, 
Zinsen und Gefälle seien durch einen Schaffner eingesammelt^ 
und was über die Pensionen, so sich die Conventualen vor- 

Milchling (Ranke, Deutsche Greschichte 5, 27). — i) „Sehr unvollständig 
wurde Ulm im Sommer 1549 von weiteren Entschädigungen freigesprochen, 
da nicht allein allen Klägern gegen die Stadt auf dem Reichstage 
1548, sondern auch allen armen Witwen und Waisen, die aus Unverstand 
und anderen Ursachen nicht geklagt, ihre Ansprüche verbehalten blieben.*^ 
(Keim, Die Reformation der Reichsstadt Ulm S. 394.) — *) St. Arbogast 
lag an der 111, in der Nähe des heutigen „Grünen Berges*^. (Silbermann, 
Localgesch. der Stadt Strassburg S. 78.) „Artis typographiae inventor, 
Joh. a Guttenberg, prope monasterium hoc habitaverat, quum an. 1488 
rudimenta ejus tractasset, ibique adeo vera nobilissimae artis incunabula 
fiierunt." (Schöpflin, Als. illustr. 2, 299.) — ») Während des Bauern- 
krieges hatte der Rat im April 1525 das Kloster in seinen Schirm ge- 
nommen, dasselbe besetzt und die Mönche aufgefordert, sich mit ihrer 
Habe in die Stadt zu flüchten. (Folit. Korrespondenz d. Stadt Strass- 
burg I, 153 ) 



42 Uollaender. 

behalten'), Übriggeblieben sei, zur Erhaltung der Armen im 
Spital und zu gemeinem Almosen getreulich angewendet worden« 
wie solches noch heutigen Tags der Fall sei, also dass weder 
ihre Vorfahren noch sie dieselben zu ihrem oder der Stadt 
Strassburg Gebrnuch genommen hätten. 

Ausserdem sei nach der tUtergabe das Kloster abgebrochen 
worden, da es aus starken Quadern erbaut und der Stadt zu 
nahe gelegen hätte, so dass deren besten Wehren daraus 
grosser Abbruch hätte geschehen mögen,*) 

Augenblicklich wäre man gar nicht imstande gewesen, den 
gewaltigen Bau in der Eile niederzureivssen, was dem Feinde 
eine erwünschte Schanz und (legennmuer gewesen wäre. Wit>* 
wohl nun die (lefälle nicht allein fl\r die Kürger, sondern zum 
grösseren Teile sogar für die Armen aus dem Bistuni ver- 
wendet würden, so suchte der Bischof doch dieselben dem 
Spital und Ahnosen wieder /u entziehen und in seine Hand 
zu bringen.^) Sie hofften aber, der Kaiser würde es bei der 
Obergabe bleiben lassen, und solches den Arnu>n zu ihrer 
Leibesnahrung und Aufenthalt noch lange erspriesslich sein. 

Ferner wäre zwischen ihnen und dem Bischof 1519 aus- 

') Dio l*tMwion betrug 00 tl., S tl. Wohnungsgold, aussiunlom Krurht 
uml Wein. (Hunm. Magistrat uml Uoformation .^. 115.) -) l^ber dio 
ondgiltigo (M)orgabo dos Klostors, woloho Dozonibor 15IM) nach dorn Todo 
dos Tropstos (loorg Kbol stattfand, und dio darauf ortblgondo Niodor- 
logung dor (lobfiudo vgl. Hanm a. a. O S. 11 5 f. l>or IMschof wandto 
hieb, da auf soinon Kinspruob koino KiUksiohl gonommcn wordon war, 
boscbwortloführcnd an don Kaisor, «lor »lanuar 15S1 oin Mamlat orlioss, 
durch woh'bes dor Stadt bottdilon wurtlo, das Klostor nobst soinon (Jütorii 
dorn Itischof y.n rostituioren odor sioh boiu) Kammorgorioht y.u rocht- 
IVrtigon. IVr Nürnborgor Friodo bowirkto einon /oitwoiligon Stillstand 
des Yorfalirons. (Vgl. IVdit. Korivspondony. Strassburgs 11, (»OiM., wo 
Winkolmann don Streit bis /.um Jahro l^iWb im /usAmmonhang bohandolt 
bat.) ^) Am IS. .tan. 1552 hatte dor ilisohof Krasmns von Triont aus 
don Hat von nouom aufgofonlort, ihm dio («eltillo dt\s Klostoi-s zu ivsti- 
tuioron. Dio Konvontualon hütton koin Kocht gohabt, sioh dorn Schirm 
der Stadt und ihre (idtor dersolbon zu übergeben; ebenso wie sie .sei auch 
dor Hat seiner Zeit gewarnt wordon, sich derselben zu beladen. Auch 
er nähme sich knitt seines bischötlichen Amtes der Kninkon und Armen 
an. lliltte der Uut (Jott zu Khren den letzteren etwa« gt»bon wollen , so 
hätte er es von dem Soinon thun und das (jotteshans unbosduUligt lassen 
mdlon. (Str. St. AA. 1581.) Ober den weiteren Vorlauf »los Streites 
«iud n a. zu vergleichen Str. St. AA. ir>81. (1552 Okt. JU). i AA. 1575. 
(Ißftj» Okt. UM, sowie Str. He/irksiircbiv I7()l;170a, 



Die Strassburger Generalabsolution Tom Jahre 1553. 43 

gemacht worden, dass das Stift St. Thomas alhie ihrer 
Schule bleiben sollt „es würde denn durch ihre Mt. oder 
sonst ein anders geordnet^^O Si^ bäten den Kaiser, dies zu 
bekräftigen, da berührte Schule errichtet worden sei, damit 
die Jugend zur Zucht, Ehrbarkeit und Lehre aller guten Künste 
angehalten und unterwiesen würde. 

Vor vielen Jahren hätte es auch etliche „ungereformierte*' 
Klöster der Bettelorden und zwei Frauenklöster zu St. Clara ^) 
gegeben, welche durch ihre unwesenliche, ärgerliche und un- 
ordentliche Haushaltung sieh selbst dermassen entblösst, dass 
sie nit wohl ihre Notturft oder Nahrung mehr haben mochten ; 
auch hätten sie befunden, dass ihnen die täglichen Opfer, 
Almosen, Stolgerechte, „Begengnusse" und andere Gaben von 
der Hand abgingen. Sie hätten daher beim Rat angesucht, 
ihnen lebenslänglich zu ihrer notdürftigen Leibesnahrung eine 
jährliche Pension zu reichen, dagegen ihre Güter an andere 
gottgefällige Orte zu verordnen. 3) Weil der Rat nun ein- 
gesehen, dass das „Übelhausen" auf die Dauer nicht bestehen, 
sondern das Werk zergehen möchte, und dabei besorgt, dass 
wo man das Anerbieten nicht annähme, die Zinsen und Güter, 
so die Vorfahren und frommen Bürger Gott dem AllmächtigcMi 
zu Lob und der Kirche zu Strassburg zu Gutem gegeben, 
durch die augenblicklichen Besitzer verschwendet oder in 
anderer Weise verwendet würden, hätte er für christlich ge- 
halten, jenem Begehren Folge zu leisten. Es wäre darauf 
mit Wissen des Provinzials Jörg Hoflfmann mit den gewesenen 
Ordensleuten festgesetzt worden, was der Schaffner jedem ein 
für allemal oder jährlich lebenslänglich von den Kloster- 
gütern zu geben habe, während das übrige zu milden Zwecken : 
zur Aufrichtung einer Schule und Aufziehung der Jugend zu 
guten Künsten und Sitten, item zur Unterstützung armer 
Waisen und Verbesserung der grossen Beherbergung der armen 
Pilger, Spitals und gemeinen Almosens verwendet werden 

*) Senatus episcopo tria templa permittit, ut in iis juxta decretum 
nuper factum religionem instituat, episcopus invicem in usum scholae 
Thomense collegium et senatui reliqua templa concedit (Sleidan 21, 177); 
vgl. darüber auch Knod, Die Stiftsherren von St. Thomas S 13. — -i St. 
Clara im Wörth und am Rossmarkt. — ^ Über die Aufhebung der Strass- 
burger Klöster vgl. Baum a. a. 0. S. 99/124. Auch hier wird nachgewiesen, 
dass der Rat mit den Säkularisationen nicht aus eigener Initiative begann. 



44 HolUender. 

sollte, worauf der Proviniial und die Gonventualen die Gesskw 
und Übergabe gethan und dagegen ihre Pension lebensläng- 
lich erhalten hätten. Nichtsdestoweniger kämen jetit der 
Provinzial der BarfUsscr, und der Vikarius der Augustiner 
mit der Forderung, man sollte die Klöster samt den GetillleR 
restituieren, obwohl man das eine Kloster St Clara im Wördt 
vor langen Jahren xu notwendiger Befestigung der Stadt hätte 
abbrechen und eine starke Verschanzung daselbst hätte an- 
logen mUssen, da jenes so nahe vor der Stadt gelegen, dasa 
der Feind es leicht einnehmen und daraus die letztere m 
Grund schiessen und lu seinem Willen hätte nötigen können. 
Sie bäten daher den Kaiser, ihnen behilflich m sein, das» 
die Armen die ihnen überwiesenen Gefälle behielten, und Spital, 
Waisen- und Pilgerhäuser sowie Schulen nicht sugrunde 
gingen. Damit wUrde ir. Mt« dem Allmächtigen ein sonder 
wohlgefälliges Werk tlmn. Die Armen wUrden diese Gutthat 
in ihrem täglichen Gebet gegen Gott preisen und denselben 
um leitliche und ewige Belohnung demUtiglich bitten. 

Kndlich seien sie in des Reiclies Anschlägen stets zu hock 
Itelegt, nur zuletzt etwas erleiclitert worden. Sie bäten aber, 
sie noch mehr zu vorschonen, „da wir in die Harr ala 
eine Gräuzstadt gegen Frankreich in Sorgen sitzen 
mUssen^^ Sie hätten den bewilligten und eingesammelten 
Pfennig in jetziger Not angreifen mUssen, und zwar sei solches 
dem Kaiser, seinem Bruder und dem Reiche zu Gute geschehen 
„und hätte dem Könige von I<Yankreich in seinem Vorhaben 
treffliche Verhinderung verursacht''. Daher wäre es nicht billig, 
dass sie den gemeinen Pfennig noch einmal erlegen sollten. 

Dem allem nach und weil sie sich durch ihre stattliche 
<iegenrUstung so schwerlich entblösst und dadurch, wie sie 
im geheimen glaublich erfahren, des Königs (der dieser Stadt 
halben seinen Zug so hoch ins Elsass genomnien) beschwerlich 
Vorhaben und Anschlag merklich gebrochen, verhindert und 
wendig gemacht, bäten sie den Kaiser, ihrer gnädig zu ge- 
denken und zu GemUt zu führen die treuen, gehorsamen und 
nützlichen Dienste, so ohne Ruhm zu melden, sie ihm, seinem 
Bruder, und dem Reiche jetzt bewiesen und ferner zu thun 
begierig wären. „Daran wUrden ir Kay. Mt. Jr selbst auch 
<ler Kön. Mt. und dem h. reich ein heilsamlicJi gut werk thun, 
diese statt vor entlichem abgang verhueten und sye zu dester 



Die Strassburger Generalabsolution Tom Jahre 1553. 4& 

einer starken Vormauer des ganzen Reinstroms machen, darzu 
feembde potentaten von solchen gewaltigen Überzügen treffen- 
lich abschrecken und den ganzen Reinstrom dardurch hoch- 
lieh befriedigen. Dargegen weren wir auch begierlich bereit^ 
unser gut und blut zu bewarung und rettung diser statt dar- 
zustrecken und dieselbe unsers ässersten Vermögens bey irer 
Mt und dem h. reich, auch allen iren hergebrachten liberteten 
vermittels göttlicher gnaden zu retten und zu erhalten und 
es darzu in ander weg gegen ire Kay. Mt. allerunterthenigst 
zu verdienen." 

In denselben Tagen, in welchen dieses Schriftstück auf- 
gesetzt wurde, war Kurfürst Moritz von Sachsen nach Ein- 
nahme der Ehrenberger Klause in Tirol eingebrochen. Der 
Kaiser hatte infolge dessen in der Nacht vom 19. zum 20. 
Mai Innsbruck verlassen und nach Kärnten fliehen müssen. 
Von Bruneck aus richtete er bereits am 23. an Strassburg 
ein Schreiben^), in welchem er eine Darstellung der letzten 
Vorgänge giebt, „da die aufrührer diesen iren kleinfügigen 
unrümlichen sieg durch ausschreiben und ander weg zu irem 
vorteil, (wie ihr geprauch ist,) statlicher herfürmutzen, allent- 
halben ausbreiten und die sache vil höher machen würden, 
dan sy an ir selber ist". Im Anschlüsse daran spricht er die 
feste Erwartung aus, dass die Bürger der Reichsstadt auch 
fernerhin in der bisher bewiesenen Treue verharren würden^ 
and giebt ihnen die Zusage, „so sie ires deshalb erlittenen 
Schadens und nachteils einige ergötzlichkeit haben mochten, 
solches in genaden zu befördern, so dass inen solche treu und 
wolhalten zu eren und nutz gelangen solle". 

Nicht minder erfreulich war der Inhalt eines von Gran- 
vella an Jakob Sturm gerichteten Briefes*), welcher gleich- 
zeitig mit dem kaiserlichen Schreiben am 14. Juni in Strass- 
burg eintraf. In jenem erklärte der Kanzler, er habe von 
dem Herrn von Carondolet die Wünsche vernommen, welche 
der Strassburger Rat hinsichtlich einer Generalabsolution hätte. 
Er selbst sei gern bereit, ihnen hierin alle Förderung beim 
Kaiser angedeihen zu lassen. Obgleich ihnen nun wegen der 
gegenwärtigen Reise desselben im Augenblicke keine „endliche" 
Antwort erteilt werden könnte, so würde dies voraussichtlich 



») Str. St. AA. 579. — ») Mss. Thom. vgl. oben S. 35. 



4H Hollaonder. 

binnen kurzem geschehen, und zwar wiirde Ihre Mt. ihnen 
sonder Zweifel gedachte Absolution dergestalt« wie hievor 
denen von Ulm gegeben, ausstollen. 

Unter diesen Umstünden ermächtigte der Rat die Drei- 
zehner, nunmehr die Botschaft an den Kaiser abzufertigen. *) 
Diese indessen erachteten es aus verschiedeneu .OrUnden für 
l)esser« hiervon vorläufig noch Abstand zu nehmen, einmal 
weil sie, wie Jacob Sturm am 27. August erklärte, nicht ge- 
wusst, wo der Kaiser anzutreffen, sodann der kriegerischen 
Verwicklungen wegen, Ausserdoni hatten sie es für notwendig 
gehalten „da die Gelegenheit sich geändert'\ ebenfalls einige 
Abänderungen im Wortlaut der Petition vorzunehmen und 
diese ebenso wie den daneben hergestellten Auszug „damit 
es der Kaiser desto eher selber lese**, durch Sleidan ins Fran- 
zösische Übersetzen zu lassen. Der Ilat erkhirte sich mit 
allem einvei*standen und bestinunte namentlich, dass der 
Punkt, „dass der König nunmehr der Stadt genachbart und 
man deswegen in täglichen Sorgen stehen müsste, item dass 
ujeine Herren allerlei französischen Praktiken zuvorkämen***), 
so zu stellen sei: „dass man den König nit zu Ungenad ver- 
ursaclie, auch dem Kaiser nit Ursach gab, dass er begehr, 
jemand in die Stadt zu legen**. 

Wir wenlen die hier zutage tretende vorsichtige Politik 
des Rates durchaus begreiflich finden. In der That stand 
man augenblicklich auf gespanntem Fusse gegenüber dem 
französischen Könige, der erbittert Über die schroffe Haltung« 
welche die Reichsstadt im Mai ihm gegenüber gezeigt hatte, 
mehrfach drohend sich hatte vernehmen lassen. ^) Man musat« 
<laher gerade jetzt, wo der Kaiser zum Angriffe gegen Frank- 
reich heranzog, alles vermeiden, was letzterem einen Vorwand 
zu einem feindseligen Vorgehen oder dem Kaiser einen be- 
gründeten Anlass zur Belegung der Stadt mit einer Garnison 
hätte bieten können. Hatte man doch ebenso wie im Mai 



») Str. St R, u. ai. Juni 16 u. Juli la — •) Vgl. oben S. 89. — 
*) Hollaender a. a. 0. S. A7 u. 58; vgl. auch R. u. 21. 1552 Mai 28: „bt 
uf der Kidgenossen Werbung btn dem konig von bVankreich l>escheeQ, 
des konigs antwort gelesen und erkannt: Den Kidgenossen wieder erschien, 
das man l>egert mit der kröne Frankreich nit xu kriegen, was aber die 
reichsstende erkennen, muss man thun ; usserhalben dessen wer man den 
konig gute nacliparachafl xu beweisen geneigt."* 



Die Strassburger G^neralabsolution vom Jahre 1553. 47 

SO auch Ende Juli, als der Markgraf Albrecht Strassburg be^ 
drohte, nur unter allerhand Vorwänden die Aufnahme kaiser- 
licher Truppen ablehnen können. Ausser den Drangsalen, 
die hierdurch der Stadt erwachsen wären*), hätte dieselbe 
dadurch gleichzeitig anerkannt, dass sie nicht mehr in der 
Lage sei, ihre Selbständigkeit weiterhin zu behaupten.*) 

Inzwischen hatte der Kaiser sich dem Rheinstrome genähert. 
Nachdem er anfangs bei Speier denselben zu überschreiten 
gedacht, sah er sich, da Markgraf Albrecht alle dort befind- 
lichen Schifife verbrannt hatte, genötigt, diese Absicht aufzugeben 
und bei Strassburg den Übergang zu bewerkstelligen.^) Er 
selbst hielt am 19. September mittags hier seinen feierlichen 
Einzug; um schon nach wenigen Stunden die Stadt wieder 
zu verlassen.^) Im Auftrage des Rates begab sich damals 
Jacob Sturm zum Kanzler des Kaisers, Granvella, und teilte 
ihm mit: Sie hätten ihre Petition erst nach Innsbruck, dann 
nach Speier senden wollen. Da aber S. Mt. sich hierher ge- 
wandt, hätte man es nicht für passend erachtet, das Schrift- 
stück neben dem Geschenke zu überreichen.^) Man erbäte 



^) Hatte doch die kaiserliche Besatzung beispielsweise in Ulm und 
Frankfurt nach dem schmalkaldischen Ejriege auf das Entsetzlichste ge- 
haust; vgl. Fischer, Geschichte der Stadt Ulm S. 3d4, und Collischonn, 
Frankfurt a. M. im schmalk. Kriege S. 89 f. — ^ So erklärt sich das 
Verhalten des Rates in jener Zeit ganz natürlich, und man ist nichts 
weniger als herechtigt. wie es der Recensent meiner Schrift „Strassburg 
im franz. Kriege 1552'' in der Revue critique XII» 46 zu thun beliebt, 
dasselbe „une politique de bascule'' zu nennen, und so auszulegen: „le 
magistrat de la viUe libre trop faible pour r^sister k aucun des adversaires 
puissants, qui viennent lutter sans cesse dans son voisinage, a pour prin- 
cipe de c^der quelque chose k celui des deux antagonistes qui se trouve 
le plus pr^s de lui, qui peut Ini nuire davantage**. Wenn derselbe Re- 
censent übrigens behauptet, dass nach den Drangsalen des schmalkaldi- 
schen Krieges und des Interims von einer aufrichtigen Anhänglichkeit 
Strassburgs an Kaiser und Reich im Jahre 1552 keine Rede sein könne 
und alle darauf bezüglichen aktenmässigen Äusserungen lediglich als 
„phrases de chancellerie'' au£sufassen seien, so genügt es wohl, auf das 
damalige Verhalten von Ulm und Frankfurt hinzuweisen, welche seiner- 
zeit viel schwerer als Strassburg von der kaiserlichen Ungnade betroffen, 
1552 Karl V. in hervorragendem Masse die Treue bewahrt und die An- 
griffe seiner Gegner auf das Tapferste zurückgewiesen haben. — ^) Str. 
St.-A. R. u. 21. Sept 8. — *) Sleidan, Commentarii 24, 399; Baumgarten, 
Sleidans Briefwechsel S. 254 f., und Reuss, Kleine Strassburger Chronik 
S. 6/7. — ') Es bestand dieses aus einem grossen vergoldeten Geschirr, 



48 HoUaender. 

sich in der Angelegenheit seinen Rat. Der Kaniler erklKrte 
sich darauf bereit, wenn man ihm die Supplikation Übergeben 
wollte« die Sache 2u fördern. Am besten wäre es jedoch^ da 
S. Mt jetzt viele Ueachftfte hätte, jemand dem Hofe nach- 
»iscnden. 

Demgemäss wurde anfangs Oktober Dr. Heinrich Kopp in 
das kaiserliche Hauptquartier nach Landau mit Gredeni und 
Supplikation abgeordnet, in welcher Übrigens nachträglich uocli 
eine Beschwerde wegen der Beschädigungen, die das kaiser- 
liche Kriegsvolk in der Umgegend von Strassburg beim Durch- 
2Uge angerichtet hatte, mit aufgenommen worden war.*) Da 
indessen bei Granvella selbst kein Gehör m erlangen war» 
musste der Strassburgor Gesandte seine Papiere dem Viie- 
kanzler Übergeben, der ihm mitteilte, dass wegen der Kriegs- 
geschäfte Verhandlungen in der Sache augenblicklich nicht 
stattfinden könnten. ') Dem Hauptquartier weiter nachzufolgen, 
wurde ihm von verschiedenen Seiten abgeraten.^) Er sollte 
lieber heimreiten und hier warton, bis man sähe, ob der Kaiser 
an einem Orte dauernden Aufenthalt nehmen wUrdo. Kopp 
zog es daher vor, zunächst nach Strassburg zurückzukehren.^) 

Am 19. November brach er wiederum von hier auf und 
traf vier Tage später in dem ersten Lager ein ^), aufs freund- 
schaftlichste von dein Obersten Claus von Hattstatt begrUsst, 
welcher im Mai, als das französische Heer Strassburg bedrohte, 
in letzterem den Oberbefehl geführt hatte. Tags darauf ritt 
er sodann in das andere Lager, in welchem seit dem 20. der 

darinnen KKK) StrasHburger Goldgulden, sechs schönen Oclison, mch& Fu- 
dern Wein, 1(X) VierUdn Hafer und 100 Stück l^'iadien. (Kleine Strassb. 
Chronik S. 7.) 

M 11. u. 21. Sept. 24. - *) „Paucis iis diobus, quibus ad urhem Caesar 
lubstitit, nemo credat, quantum damni dederiut miliU>s in agris, et admo- 
dum erat triste spotHaculuro, videre miseros agricolas, oorumque liberot 
atque coi\juges in urbem accurrentcs, rebus omnibus dispoUatoa."* Sleidan 
24, 401. — •) In die ersten Oktobertage fallen die von Katterfeld. lioger 
Ashani S. 195/202, so lebendig geschilderton Verhandlungen mit der engli- 
schen Oosandtschait. -- *) „Von Strassburg ab war es den fremden Ge- 
sandten verwehrt, dem Kriegsiuge des Kaisers weiter xu folgen.** Katter- 
feld a. a. ü. 8. 104, *) Str. St.-A. R, u. 21. Oktober 10 - •) Wohl 
das „alte l^ager**, auch I^^r der Königin Marie genannt, welches den 
Osten der Stadt cornieren sollte. Hier lagen drei oberdeutsche Regi- 
menter; vgl. Griessdorf, Der /ug Karls V. gegen Mets S. 27. 



Die Strassborger Generalabsolution vom Jahre 1558. 49 

Kaiser selbst weilte. Hier wurde ihm von dem Hofmarschall 
Wilhelm Böcklin und dem Vizekanzler Dr. Seid mitgeteilt: 
Der Kaiser wäre gegen die Franzosen so erzürnt, dass er 
sich trotz seiner grossen ,,Unstatt" (Hilflosigkeit) ins Feld 
begeben und alle anderen Geschäfte beiseite gelegt hätte. 
Selbst wenn nun auch Kopp bei ihm oder dem Kanzler vor- 
gelassen werden sollte, so sei es doch gänzlich ausgeschlossen, 
dass er jetzt auf eine Antwort rechnen könnte. Da man 
übrigens hoffe, dass Metz in acht Tagen sich ergeben oder 
eingenommen werden würde, so rieten sie ihm, in Diedenhofen 
die kommenden Ereignisse abzuwarten. So werde es nichts- 
destoweniger an den Kaiser gelangen, und ihm gefallen, dass 
er in dieser Unruhe verschont bliebe. Kopp reiste daher am 
26. nach Diedenhofen, wo ihm aber schon am folgenden Tage 
seitens des Dr. Seid die unerwartete Mitteilung wurde: Er 
hätte allerdings geglaubt, dass man in etlichen Tagen stürmen 
wolle, aber die Büchsenmeister hätten dazu längere Zeit be- 
gehrt. ■) 

Unter diesen Umständen, „da die Ratschläge so bald sich 
wieder geändert hätten", hielt der Strassburger Gesandte es 
für unthunlich, länger zu bleiben „und das Geld vergebens 
auszugeben"" und kehrte unverrichteter Sache nach Strassburg 
wieder zurück.^) 

Ende Dezember sah der Kaiser sich genötigt, infolge der 
Ungunst der Witterung und der im Lager ausgebrochenen 
Seuchen die Belagerung von Metz aufzugeben. Er sandte 
damals seinen Hofmarschall Wilhelm Böcklin nach Strassburg, 
um die Reichsstadt zu weiterem treuem Ausharren, zur Ver- 
teidigung der Grenzen und Abwehr der französischen Prak- 
tiken aufzufordern. Der Rat indessen Hess dem Gesandten 
darauf antworten: „Als der Franzose gekommen, habe man 
bei den Nachbarn Hilfe begehrt, aber keine erhalten können 
und somit alle Kosten auf sich nehmen müssen. So habe man 
bei dem Kaiser angesucht, wie der Stadt geholfen werden 
könnte, aber noch keine Antwort empfangen, begehre eine 
solche. In Betreff eine? Landsrettung wäre noch nichts be- 

1) Dasselbe befand sich im Süden der Stadt zwischen SeUle und Mo- 
sel bei dem Dorfe Magny. (Griessdorf a. a. 0. S. 27 u. 37.) — *) Über 
die in jenen Tagen stattfindende Kanonade vgl. Katterfeld a. a. 0. S. 208 
Tind Griessdorf a. a. 0. S. 39. — ^) R. u. 21. Dezember 7. 

Zeitsohr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. YlII. 1. 4 



50 IIoU»onüer. 

willigt; sio selbst hätten genug mit der Sicherung der Stadt 
/u thun. *) 

Nachdem der Kaiser einige Woclion in Uiedenhofen und 
Luxemburg verweilt hatte, reiste er nach BrUsseK um daselbst 
fUr längere Zeit sein Iloflager Aufzuschlagen. 

In den letsten Tagen des Mürz ging Dr. Kopp ebendalün, 
um endlich in Hotreff der Absolution eine Antwort zu erlangen 
und gleichzeitig wegen eines Streitfalles mit Speier zu suppli- 
zieren.*) Über den Erfolg seiner Bemühungen ersUtteta er 
spRter in Strassburg folgenden Bericht:*) 

Sobaltl er in Brüssel angelangt wäre, hätte er alle Hebel in 
Bewegung gesetzt, um beim Kaiser selbst in Audieiiz vorgelassen 
zu werden, aber bald die Oberftuigung gewinnen mUssen, dass 
es „obwohl es ihm nie bis aufs letzt abgeschlagen worden 
wäre'\ nicht da/u kommen würde. ^) t^brigens obgleich ihm 
allerhand Worte vorgeworfen, die Bedenken auf sich gehabt, 
so habe er doch Vertröstung empfangen, dass er sich versehen, 
,,er wenie nit alles« doch das furnemst und anstatt des übrigen 
etwas erlangt halnm". Nicht destoweniger sei ihm am 80. April 
eine Antwort zuteil geworden, die fast abschlägig, deswegen er 
zuerst willens gewesen, selbst auf den Fall hin, dass es der Stadt 
beim Kaiser und iluu bei dem Rate Ungnade brächte, selbst 
der Bote zu sein. Zuletzt habe er sich aber doch zu bleiben 
und für die briefliche Sendung entschlossen und inzwischen 
wegen der hohen Taxe Voi-stellungen gemacht. 

Die beiden am 2G. April angefertigten Aktenstücke^) 
trafen am G. Mai in Strassburg ein, wo sie zwei Tage darauf 
von den XIll dem grossen llate vorgelegt wurden. 

Dieselben halHMi folgenden Inhalt: 

M K. u. :21. Jan. 4 (vgl. luich AA. 1088 von demselben Tikge mit et- 
wa« andorom Wortlaut). •) ^l^nd dicweil die iron Speier im werendon 
Kpa» eiue neue tVeihcit ausbracht, diui mau jeUtt dun*h Dr. Koppen um 
Kassation solcher supHoiereu solt.'' \\, u. 21. Mürx S. Es handelte sich 
hierbei um eiue Stapel|(ertH'htigkeit (jus aliuude advectis uiercibua mannni 
ii\jicieiuli et ab instituto ourau detinendi, ue alio prius trausferautur, quam 
in publico tbro venales fuerint expositae). -^ **) H. u. 21. 1558 Juni 31. 
^) l>er Kaiser war damals schwer krank und lebte daher in solcher 
/urückgexogenheit , dass das Oerücht, er sei gestorben« weiten Glauben 
fand und nur von denen bexweifelt wurde, die behaupteten, er sei irr< 
sinnig und wilrde deshalb so abgeschlossen gehalten. [ Katterfeld a. a. 0. 
s, aae.) *) Xo. l Str. St..A. AA. 57«. No. it aa. isrp. 



Die Strassburger Gtenendabsolution vom Jahre 1568. 51 

L Besponsio nomine Majestatis data legato civitatis 
Argentinensis. Brüssel 1553 April 26. 

(Das Schriftstück ist eine Ausfertigung der kaiserlichen 
Kanzlei mit dem kaiserlichen Namensstempel, Siegel und Be- 
glaubigung des Vizekanzlers Seid.) 

„Die romische Kays. Mt unser allergn. hen* hat der 
stat Strassburg gesandten auf die im namen seiner obern, 
meisters und rats gemelter stat Strassburg überreichte 
supplication und andere Schriften disen gnedigen bescheid und 
antwort geben": 

„Das Ir Mt. einem erbaren rat und gemeiner stat Strass- 
burg umb ires unterthenigen getrewen erzeigten gehorsam« 
willen mit allen genaden gewogen, auch sy bei iren würden 
und wesen zu erhalten gnediglich geneigt." 

In Betreff des ersten Punktes der Supplication „so wisse 
Ir. Mt. diser zeit und ungehort, was der andere teil dagegen 
furwenden mochte, das begert Privilegium nit zu bewilligen. 
Nichtsdestoweniger sey Ir. Mt. bedacht, mit den geistlichen, 
auch denen vom adel und anderen auslendern, so in der stat 
Stassburg begütert, durch den weg einer commission oder 
sonst in der gute zu handeln, und sy dahin vermanen zu 
lassen, das sy um besser erhaltung solcher irer guter willen 
auch der Zuflucht, so sy in zufallenden nöten in gemelter 
stat Strassburg haben mochten, sich in ein freundliche nach- 
barliche vergleichung mit inen begeben sollten, andernfalls wolle 
Ir. Mt. nach vorheriger anhöruug des andern teils die gepuer 
darauf verordnen.** 

Was den Herzog von Braunschweig anbeträfe, so gönne 
der Kaiser ihnen alles Gute, könne aber dem Laufe des Rechts 
beim Kammergericht nicht Einhalt gebieten. Sie sollten bei 
letzterem ihre Verteidigungsmittel vorlegen, „so werde inen 
daselbst sonder zweifei alle gepürliche hilf rechtens erfolgen". 
Was aber den Herrn Administrator und Teutsehmeister an- 
gienge, so habe der Kaiser mit ihm schon vor einem Jahre 
handeln lassen, dass er die Reichsstädte mit seinen schweren 
Geldforderungen verschonen und sich mit ihnen vergleichen 
tsollte. Würde er dem nicht nachkommen, so sei der Kaiser 
weiter mit ihm etwas ernstlich zu handeln erbötig. Der anderen 
balben, so wegen des schmalcaldischen Krieges gegen sie 



52 HolUeDdar 

Forderungen aufstellten, woUte Ir. Mt. ihnen «gnedige abso* 
lution** wie hievor den Städten Augsburg und Ulm bewilligt 
haben. 

Wegen der abgebrochenen Klöster St. Arbogast und St. Clara 
pflege der Kaiser solche Dinge luvor »und ehe er ichts darin be- 
willigt/ an die ordentliche geistliche Obrigkeit zu weisen. Wenn 
Strassburg bei derselben anzuhalten gedächte und seine Be- 
förderung bedurfte, wolle er ihnen diese nicht abschlagen. 

Was den Reichsanschlag berührte, so mUsse diese Sache 
bei und mit geraeinen Reichsständen gehandelt werden, »dasa 
aber sonst deren von Strassburg golegonheit und notturft 
hierin bedacht werde, das halt Ir. Mt. nit allein nit fUr unpillich, 
sondern ist auch iresteils, wo es zu deniselben komme, inen 
alle gnedige furderung darin zu erzeigen geneigt**. Da der 
gemein Pfennig nit der Kay. Mt, sondern der Kön. Mt. xu- 
komme, «wolle Ir. Kay. Mt. inen von ires wolhaltens wegen 
gern gnedige furschrift an die Kön. Mt. mitteilen und hierin 
und sonst gedachte von Strassburg jederzeit in all dem, wm 
Ir. Mt immer verantwortlich und thunlich, dermassen in 
gnedigen befelh haben, das sy zuversichtlich dessen mit 
Irer Mt. untertheniglich wol benügig und zufrieden sein sollen, 
welches alles Ir. Mt. dem gesandten gemelter stM Strassburg 
uf sein so mUndlich so schriftlich furpringen zu gnediger ant* 
wort also anzeigen lassen wollen^ solches furter an seine obern 
haben gelangen zu lassen." 

„Zu urkund mit Irer Mt Katschet und aufgetrucktem 
Beeret Insigel bevestiget** 

IL Absolutio generalis civitatis Argentinensis. 

Brüssel 1553 April 26. 

(Ausf. Perg. mit dem kaiserlichen Namensstempel und Be- 
glaubigung Perrenots (Oranvellas) und des Vizekanzlers Seid. 
Das Siegel ist abgerissen.) 

„Wir Karl V. bekennen öffentlich mit disem brief *: Meister 
und Rat von Strassburg hätten ihm zu erkennen gegeben, 
dass sie besorgten, es möchten ähnlich wie der Administrator 
des Ilochmeistortums in Preussen sie infolge der Kriegshändel 
vom Jahre 1546 um eine namhafte Summe (lelts rechtlicli an- 
gelangt vielleicht auch andere Stände sie mit gleichen Pro- 



Die Strassborger Generalabsolution vom Jahre 155S. 53 

zessen anfechten und beschweren. Da sie nun für und für 
deshalb in Sorgen sitzen müssten, dass alle die, welche in 
angeregter Kriegshandlung beschädigt zu sein sich anmassten, 
sie oder gemeine Stadt mit ihren Ansprüchen beunruhigen 
möchten, hätten sie seine Hilfe angerufen. Bei der Aus- 
söhnung wäre Strassburg ausdrücklich ebenso wie den übrigen 
Städten auferlegt worden, etwaige Klagen anderer beschädigter 
Stände entgegenzunehmen, und nun schon sechs Jahre seitdem 
verstrichen. Sollte jetzt einer mit solcher Forderung kommen, 
so würde dies mehr aus Mutwillen, die Stadt zu beunruhigen, 
denn aus Notdurft der Sachen gesucht werden. Solches würde 
nicht allein Strassburg zu äusserstem Verderben gereichen, 
sondern auch Kaiser und Reich infolge dessen die gebührliche 
Hilfe und Anlage des Orts entzogen werden. 

Deshalb habe er „in erwegung fumemlich bemelter Meisters 
und rats, auch ganzer gemeinde getreuer dienste, so sie in jüngst- 
entstandener Kriegsempörung uns und dem heil, reich gehor- 
samlich gethan und hinfüro wol thun mögen und sollen, auch 
in beherzigung irer jetzt erlittenen vilfältigen kosten und 
schaden: Meister und rat der Stadt Strassburg, ihre bürger, 
ein wohner und zugehörigen von allen klagen, anforder ungen 
und Sprüchen seitens aller, so von ihnen oder ihren mitver- 
wandten im berührten krieg beschädigt zu sein vermeinen 
und solche klag bisher nicht furgebracht haben, doch witwen 
und Waisen aussgenommen, denen ire anforderung innerhalb 
zweien jaren nach dato vorbehalten sein sollen, gnedigst 
absolviert, entledigt und entbunden." 

Leider enthalten die Protokolle weder etwas über den Ein- 
druck, den dieses Aktenstück auf den Rat gemacht, noch ist uns 
der Inhalt des Briefes bekannt, den Jacob Sturm im Auftrage 
desselben an Kopp richtete. Jedenfalls aber war man in 
Strassburg von der kaiserlichen Antwort nichts weniger als be- 
friedigt. Als Kopp am 19. Mai „mit Fleiss und Bescheiden- 
heit" dem Vizekanzler Seid Vorstellungen machte, hob dieser 
hervor: „Es wäre die Antwort viel besser, als man's verstehen 
wollt: Der Taxe halben sollte er bei dem Bischof von Arras 
nicht wieder ansuchen; da er ein sonder Missfallen gehabt, er 
wollt aber für sich selbst mit ihm reden/' 



R. u. 21. Mai 8. 



54 HoUaendfr, 

Der lotztoro endlich orklärto dem Strassburger Gesandteih 
in der Abschiedsaudienz:* „Kr habe soviel verstanden, dass^ 
ein Rat an der K. Mt Antwort kein Genüge habe, obwohl 
sie ganz gnädig. So wollt er sich doch erboten haben, wenn 
ein Rat künftig etwas begehren würde, sich dermassen zu 
bcinUhon, dass die K. Mt etwas thun sollte, was ihr auch nit 
wohl zu thun/^ 

Übrigens sprach Kopp in Strassburg seine feste Ül>er- 
Zeugung dahin aus, dass, falls er beim Kaiser selbst vor- 
gelassen worden wäre und demselben die in französischer 
Sprache abgefasste Supplik hätte überreichen können« er wohh 
besseres erlangt haben wollte. 

In der That musste man in Strassburg nach den vielen 
der Stadt seitens des Kaisers und seines Kanzlers während 
des Jahres 1552 erteilten Lobeserhebungen und Verheissungcn ' ) 
durch den jetzt erhaltenen, ziemlich niditssagenden Bescheid, 
der nur in dem einen Punkte der Absolution, aber auch in. 
diesem nur sehr unvollständig ihre Wünsche erfüllte, in hohem 
(irade enttäuscht werden und in deraelben nur einen geringen 
Ansporn zu neuen Opfern und Anstrengungen im Interesse 
von Kaiser und Reich finden. Andererseits haben wir uns aber 
auch die damalige hilflose Lage des Kaisers zu vergegen* 
wärtigen, der ebenso wie er im November 1552 durch die 
Not gedrängt, dem Markgrafen Albrecht jedenfalls nur mit 
dem grössten Widerwillen die weitgehendsten Zugeständnisse 
hatte machen müssen, jetzt nicht daran denken konnte, durch 
eine zu ausgedehnte Begünstigung der Reichsstadt ihm treu 
ergebene Anhänger, wie den Strassburger Bischof mit seinem 
Klerus, den Herzog von Braunschweig und andere Reichsstände 
sich zu entfremden. 

I) Hoiaat os doch u. a. iu dem mehrfach erwähnten Schreiben Uran- 
TellaH an Sturm aus dem Mai 1552: Der Kaiser wäre ihm und der Stadt 
mit allen Oenaden geneigt, würde auch solirhos lu seiner Zeit dermaisea 
an erkennen geben, dass beide «der K. Mt. gnedigste dankbarkeit sptlren 
nnd im werk befinden würden**. 



Das 

Tagebuch des Herolds Hans Lntz von Angsbnrg. 

Wieder aufgefundener Text. 

Von 

A. Adam. 



In seiner Geschichte des Bauernkrieges, hat Holzwarth 
die Aufzeichnungen eines sonst nicht näher bezeichneten 
Herolds übertragen: „Transtuli hie e germano in latinaui lin- 
guam .... quamdam congeriem rustici belli , quam quidam 
prsßco colendissimo meo domino abbati roggenburgensi ger- 
raanice conscriptam tradiderat." 

Dass der fragliche Herold Hans Lutz ist, wurde schon 
längst festgestellt. Sein „Tagebuch" veröffentlichte zuerst Prof. 
Greif (1846), und hernach Dr. Baumann (1876. Quellen aus 
der Gesch. des Bauernkr. in Oberschwaben, S. 613 — 636), nach 
einem, aus dem Besitze des H. von Halden schenkungsweise 
an die Stadt Augsburg übergangenen, und schon von Praelat 
Schmid abkopierten Manuskript. Gegen Prof. Greif, hatte 
Dr. Baumann die NichtOriginalität der Augsburger Handschrift 
verfochten. Seither wurde von H. Bibliothekar Eränzler in 
Augsburg, festgestellt, dass der Abschreiber des Augsburger 
Exemplars, kein anderer ist, als der bekannte Chronist Cle- 
mens Sender. Wir glauben behaupten zu dürfen, dass der 
bisherige Text, nur eine Überarbeitung und Abkürzung des 
Lutz'schen Berichtes ist. Möglicherweise wurde Holzwarth bei 
der Herstellung zu Rat gezogen (cf. S. 88 Anm. 2). Eine Zu- 
rückübertragung aus Holzwarth ist aber das Augsburger Exem- 
plar nicht. Mehrere Einzelnheiten (cf. S. 62 Anm. 2, S. 63 
Anm. 7; S. 79 Anm. 4; S. 80 Anm. 2, 5 u. 6; S. 81 Anm. 3; 
S. 82 Anm. 1; S. 84 Anm. 5) dürften die Vermutung nahe 
legen, dass der erste Bearbeiter noch mit Augenzeugen ver- 
kehrt hatte. 

Das hier zur Veröffentlichung gelangende Manuskript be- 
findet sich in einem von Augsburg in das Zaberner Stadt- 



56 Adam. 

archiv (L. 12) geratenen Sammelband, wo es Bl. 183 bis 326 
einnimmt, danel)en aber seine ursprungliche besondere Nume* 
rirung hat (BI. 1 bis 22). Die Schrift ist gross, leicht lesbar 
und von allen andern im Bande verschieden. Dieser enthält 
auch (S. 291—302) die Abschrift einer Antwort der „christ- 
lichen gemayn burgei^chaft der stat Munster'^ an Kaiser und 
Fürsten, vom Jahr 1635, samt einem Brief dos Obersten Wein» 
reich von Danuo, aus dem Lager vor MUnster, „uff samstag 
nach Trinitato** desselben Jahres mit dem Vermerk: „Meinem 
Vettern herrn Philipsen von llechperg, thomprobst zu Wormbs, 
thomdechen zu Augspurg**, auf dem Umschlagbogen. In wel- 
chem Zusammenhang der Domdechant zu der ganzen Samm- 
lung steht, ist nicht zu ermitteln. Inwendig, auf der Perga- 
mentdccko des Bandes, betindet sich die Jahi*eszald : Augsburg 
1549, Keine von den gesammelten Urkunden reicht aber 8o 
weit herunter. Die ältesten sind aus den zwei letzten Dezen- 
nien des 15. Jahrhunderts. 

Bl. 11 des „Tagebuches**, ist im Verzeichnis der Ermorde- 
ton zu Weinsberg ein Name samt einer demselben beigefügten 
Bemerkung ausgekratzt. Hieraus lässt sieh die OriginaliÜit 
des Manuskripts noch nicht folgern. (Segen dieselbe sdieinen 
sogar kleinere Auslassungen und Wiederholungen zu zeugen. 

Treu ist jedoch die Abschrift sicher. Von der litterarisdien 
Bearlwitung bei llolzwarth abgesehen, wie sie dort sich durcli 
besseres Zusammenstellen des Stoffes und hauptsächlich durch 
den klassischen Anstrich der Reden und Heschreibungen kund- 
giebt, ist dessen „Uustica seditio'\ soweit ihr das Lutz'sche Tagt*- 
l)uch zugrunde liegt, eigentlich nicht viel mehr als eine Über- 
setzung tles Za berner Exemplars. Die Übereinstimmung ist 
tMue so handgreifliche, dass wir in den Anmerkungen, über- 
Imupt eher die Verschiedenheiten, als die Konvenienzen her- 
vorheben. Wo sich erstere auf Zahlen beziehen, durften sie 
teilweise von Ilolzwarths Abschreibern herrühren. An einigen 
Stellen (S. 58 Anm. 1, S. 66 Anm. 1, S. 92 Anm. 5) hat der 
Übersetzer augenscheinlich fehlgehauen. Auch eine Verwechs- 
lung von zwei einander ähnliehen Ereignissen kommt vor (S. 70 
Anm. 1). Die bei Lutz häufig wiederkehrenden Dubitations- 
formeln sind bei llolzwarth ausgelassen. 

Im Angsburger Exemplar vermutet Dr. Baumanu Bl. 226 
—228 eine laicke. Diese ist nur eine anscheinliche und rührt 



Tagebuch des Hans Lutz. 57 

von der Ungewissheit des Abschreibers her, der einige aus 
der Folge herausgefallene Fragmente nicht an den fortlaufen- 
den Text anfügen wollte. Am Schlüsse fehlen bloss etliche 
Zeilen ; sie sind aber von der grössten Wichtigkeit, indem sich 
im Zab. Ex. gerade aus denselben ergiebt, dass Lutz seine 
Aufzeichnungen noch mitten in den Wirren des Bauernkriegs 
niederschrieb. 

Die von uns angeführten Werke sind, insofern das Gegen- 
teil nicht vermerkt wird, in Baumanns „Quellen zur Gesch. 
des Bauernkr. in Ober-Schwaben" (Biblioth. des Litt. Ver. 
in Stuttgart B. 129) nachzuschlagen. 

Text. 

|1 Recto.] Item, da man zallt^) 1525 Jair: disse geschieht ist 
alls geschehn, wies hernach volgt in dem selben Jarr. 

Item am gayllen montag [27. Febr.], kam der baldringisch hauf- 
fen bauren zusamen auff das Ried gelegen, an der Thonen*), ain meyll 
wegs von Echingen^), biss in hundert taussent baurn. Da ward, vom 
loblichen ptlndt im land zu Schwaben, geschickt der burgermayster 
von Ulm, mit namen der Neythhart^), und mitsampt andern punds- 
rätten, unnd auff die maynung, was der bawren beschwemus sey, 
das sie das ainem pundt söltten, in geschrift, zu verstau geben, 
und die artikel zu erzellen; so wölt ain loblicher pundt darüber sitzen, 
unn das pest auf irr beschwemus darin handeln, und das haben sye 
getban. Darnach bin ich meinem gnedigen hem, herr Jörgen Truck- 
sess zugezogen, auf Stockach, unnd allso hat angefangen Herzog Ul- 
richs von Wurtenbergs zewgg, da er vermaynt hat, sein land wider- 
umb einzunemen. 

Item, ist ausgezogen 3) Herzog Ulrich zu Bassel, an der heren 

a) Donau. — b) EhiDgeii. 

^) Iteni da man zalt. Holzw. S. 652 : Igitur subsecuto anno vicesimo 
^uinto, ipsis bachanalibus, quibus semper rustici furiunt, istam truculen- 
tam seditionera, uno fere impetu omnes nationes incipiunt; primi tarnen 
faerunt Suevi circa pagum Baldringen, tria miUiaria ab Ulma versuB 
meridiem. Ibi plus quam quinquaginta millia rusticorum in unum 
conveniunt, castraque metantur circa Danubium, unum miliare ab Ehinga. 
— ^ Neithart, Holzw. : Itaque consulem ulmensem, cognomine Neythart, 
cum alüs quibusdam, (u. A., Hans v. Königsegg — S. des Truchs. Schrei- 
ber, 533) ad Baldringenses mittunt, qui cum rusticis in hanc sententiam 
colloquantur : illos debere sua gravamina et articulos praetendere . . . , sue- 
yicum foedus in hac re sequum et justum veUe judicare, et bonis con- 
ditionibus rem velle componere. — - Schon dieser Anfang zeigt, wie eng sieb 
Holzwarth an das Zaberner Exemplar anschliesst. Wir werden nur noch 
•inzelne derart zusammentreflfende Stellen anführen. — ^) Item ist am- 
gogen. Das A. E. beginnt erst hier. 



fttssnacht |Ä?. Kobr.J. l>a hör Jörg Trücksosü wider dU> bawreu ist 
HQsgczogen, im llocgo, uinui mit im die w-olRoiH)rn heron graoffen 
von l*^ir8toiHM>rff, da hat gehabt der wolffeiM)rn htur Jörg Omcksesa, 
hoy im UVi hundert pferdt, unn da in die grOvS mengy der Imwm bu- 
hen geseehen« da habent die baweni ains gothau, unn in> wörr*) to« 
inen geworffen, und sich orKelnMi an sein «nad; da hat er sy an* 
Kenomen, in der gstAlt, das sy aioh sollen stellen gen Stookach; das 
habens gothan: da hat man ain nach dem andern*) in den thurn 
gelegt, und inen her Jörg darnaeh zu verstau geben, das syo iron 
herren von newen s(\llen sehwen^n, in aller nmss wie vor, und sMI 
alle sach todt unn ab sein, unn der Hersohaft nymermer gewocbnt*' 
noch godencken ; unn ob aber saoh wer, das die Imwrn ain beschwer- 
nus hotten, so sollen sye xu im kumen, so wöll er die saoh hinlogon: 
darroit sye aber zu friden sein sollen. Auff solliehs hal)on die Imwni 
geschworn. 

llVerso.l Item, daist darnaeh, an der hern fassnaeht [iÄ». Febr,|, 
horr Jftrg Hrueksess, zu Kngen, den» herzog in ein fenlin Sehweyier 
gefallen, unn hat dai^iuss ei^toehen Uli SohweyzerO: da ist hencoit 
nirieh vonn ^Yurttenbergstarek gewesen') bis in Hl) pferdt, unn mit im 
gefdrt IH stuek juxen, 10 sehlangen, unn 8 karthonen, unn hat gt^ 
habt H2 fenlaeh, uiui zoehen hin auf Itallingen zu*), unn hatt dassolbig 
eingenommen, und hat Thutliugen ligen lann, unnd niehtz aufgefor- 
dert noch angfoehtten. 

Item, daist herr.lörg Drueksoss, am gayllon montag (27. Febr.]* 
ausgezogen von Stoekaeh hin, gen Thutliugen zu, mit zway fonlach 
kneehten, tum mit IP« hundert pferdten^), und die selbig nacht da 
Stil gelegen, und an der reehten fassnaeht |28, Febr.), umm 8 urr, unu 
dem herzog nachzogen auff dem fuss, biss gen Uotweyll. Unn undor 
den weyllen,*an der öseherig mitwoeh |1. MÄrz|, band sieh die h(V- 
gisch bawivn aufgebebt, mit ainem fenlin bawrn. Das ist herr Jörg 
Drucksess gewar worden, unn in entgegen zogen, und sy all er- 
stochen, unn das fenlin genomen, und herr AYilhalm Drucksess xn 
ainem iH>ytpfennig^O geschennckt. Und in dem selben scharroisol ist 
herr Jörgen ain edelmann, mit nanien Tegenfeldcr, durch ain schen- 
ke! •) geschossen worden ; nit me Schadens habens da zu mal empfangen. 

Item, da hat herzog lUrich liallingen ingehept«'), da hat er ains 
f ethan, unn von newom ainen knaben hingeschickt, mit ainem feindsx- 
prueff '), gen Ulm, und dem pundt abgesagt; da hat der loblich pund 

%) W«lir. — b) ]l«Qlo)t(^nBijK. --< 0) Inno Ki>hiibl. - U) y*lndibrl*r. 

^) ain nach dtm amfrrpK Hei Holxw.: aiiqnos factionum authores 
in vincula duci jusait, coeteros suis dominia priotiua jurisdictiono jurare 
ro«git. — «) bestochen Uli Si'hHrjfgcr, Fohlt im A. K. — llobw,: ex ii* 
40 transfodit. - ») stark ^cwyäcw w. 6\ ♦r,; auch A. E. und Holxw,, aber 
schon Iwim Ahiug von Basel. - - *) hm auf liaUingcpi j:tt. Fehlt im 
A, K. — ») i/Vi hundert pferdcpi. Holiw,: cum 21K) equitibua A. K.; 
umb N ur hinwegsochen mit 290 pferd, — Hier im Zab. MS. ein Wort 
ausgefallen: i. 11. hinweg. — •) durch den SchenkeL HoIrw, in dcHrt^ 
pode. Im A. R fehlt die Verwundung des Tegenfelder. 



Tagebach des Hans Lutz. 59 

dem knaben 5 guldin geschenkt, unn hat der knab begert, man soll 
im 3 schnitz schneyden in ainen örmel an seinem klayd, zu ainer 
nrkond, dass er den feindszpmeff hab geantwürt*^); dasselbig ist ge- 
schechen, und darauf auch begert, man sol im ain glotzman^) zugebenn^ 
der in beglayt, biss genn Echingen; das ist auch geschechen, und 
die von Ulm haben im zugeben den Freitenwein 1 und da sy send 
komen genn Echingen, da ist dem knaben, der den feindszpmeff ge- 
iüTt hat, sein pferdtlin in der strew nider gefallen, unn hat ain an- 
ders ross muessen bestellen, biss er wider zu seinem hem ist komen. 

Item, nach der absagung, hat sich herzog Ulrich auffgehebtt, und 
ist zogen auf Hörrenberg «) zu. Da ist herr Jörg das inenworden, 
der ist gelegen zu Rottenburg am Necker, unn sich aufgebebt und 
auff Thubingen zogen, und pald auf, mit etlichen fenlach [2 R».] von 
dem pund, und mit ainem grossen rayssigen zewg, und mit der land- 
schafft von Wurttenperg'*), und hinzogen, auf Herenberg zu, und 400 
pferdt eyllentz geschickt, dem von Herennberg zu ainem beystandt, 
biss das er sich entschitet. Da aber die 400 pferdt') komen send für 
Herenberg, da habensz sy nit ein wollen lassen. In denn weyllen, 
da ist hertzog Ulrich daher zogen mit seinem hauffen ; da haben die 
von Herenberg ainsz gethan, und mit 3 grosse werckstücken drey 
schusz gethan auf den herzog; das send gewesen 3 toppelhacken^), 
darpey der gemain man verstan mag^), wasz land von Württenberg 
im sin haben gehabt. Und da das die landtschaft gesechen hat, die 
dann den selben tag den vorzeug gehabt haben mit alf fenlach, da 
habentz sich gewent, unnd band ain flucht wellen machen, unn mit 
den wegen auch umbgewendt. Da thet herzog Ulrich under den 
rossigen zewg 3 schusz, mit 3 schlangen, und ward kainer erschossen, 
wan die schuss gengen all zu hoch*), aissam der herzog hinten inn- 
legen und in sich<^) stech. Da ist der bundtisch hauff von fusknechten, 
hindter ainem dorff gestanden , und den bawm von der landschaft 
zugesprochen, das sy sollen ain standt thun; da was aber kainer nit« 
und den necbsten hin, gen Thubingen^) zu. Also nam herzog Ul- 
rich Hörenberg ain, am weyssen«) sontag [5. März]. 

Item, am montag darnach [6. März], zog hertzog Ulrich hinauf, 
[BeUingen] und Sindelfingen zu*), und nam die selbig zwo stet ein. 

•) überantwortet. — b) Goleitsmann« — c) Herrenberg. — d) sie. — e) hier Invocarit« 
nicht Qnaslmodo. 

*) Den Freitenwein, Bei Holzw. nicht genannt, auch der ün£&ll 
mit dem Pferd übergangen. Im A. £. nichts von der Entsendung des 
Knaben. — ^) mit der landschaft Wurttenperg. Nach A. E , 11 Fähnlein 
') dOOpferd. So auch das A. E.; Holzw. nur 40 Pf. — ♦) 5 toppelhacken. 
A. £. 3 schisz ... ausz dobbelhaugen; Holzw.: tribus vicibus globos. — 
*) der gemain man verstan mag u. s» w. Holzw. : quibus indiciis sese 
illi amicos esse declarabant. — *) all zu hoch. Holzw.: neminem laesit, 
globi enim altius ferebantur, quam ut quemquam attingere possent. — 
den nechsten hin gen Thubingen. Holzw.: velut recta Tubingam 
proficiscebantur. — *) hinauf .... und Sindelfingen zu. Hier eine Lücke 
von 2V2 cm, fär die Einsetzung eines Stadtnamens. Bei des Tnichsest 



60 AdÄm. 

Itom, tun dem selben niontAg« da lagen kneeht zn Ke>'tliiige]i« 
und die zu Dibingen. Da Hess man ummscblaclien, „h^h man Mum 
andern maikn mHncMietj, a» icurd man aiff mn.** Also waren die 
kneeht auf, zu lleytlingen unn zuThibingen« am aflermonUg[7.Mftrs]«), 
mit sampt dem ravssigen zewg, und zugen hin auff Stutgart iW 
was der ebergosti») .vber die fussknech^ der wolgeimren grauff Ludwig 
von Helffenstain, unn yber den ganzen hellen') hauffen« der wolgeponi 
herr Jörg Drueksess, an stat kaysserlieh mayestut ; unnd namon Stut- 
gart ein, die fusskneeht, unn under den fusskneehten, waren das die 
hauptleyt*): Hanns Stecklin, des durchleyehtigen forsten herxog 
\Yilhalm von l^iyrn; darnaeh Jörg Herlinfein, des durehloichtiiceii 
fürst en nuirgrauff Cassyniery, margraff von Trandenpurg; darnach Jörg 
|2 Verso) Seherer von Krum}>ach, alls ain anwaldt Michel JYessen- 
morr von Augspurg; darnach der Prattisch, als ain hauptman von 
Nuernperg; darnach Wolfgang von Nerlingen. Das send die haufit- 
leyt und die 5 fenlach, und yber die was der wolgejwrnn herr grauff 
liUd^ig von llelffenst^un, alls ir obergester. V\m\ da sy Stutgart ein- 
namen, am aftermonttig [7. Mür/], in tier nacht umm 10 urr, da w«* 
ren die von Stutgart, nit fast willig, einzulassen in die heysser; noch 
musten sy unns ein lassen. 

Item, am mitwochen darnach [8. Mür/)'), schickt herzog Ulrich 
Äcin tnnnetter gcnu Stutgarteu, um 8 urrO, und fortlert die stat. 
Da Hess der gnuiflf umb schlagen, ein gcmain zu halten. l>as go» 
schach. Als, die weyll, der trumetter in der statt wtis, da besatit 
man die empttcr, unn wurd profoss, Poter Weber von Nuernnborg« 
unnd waren alle emptter besetzt, nach allen eren. Da das selbig ge* 
Schach, tieng an zu nnien*) der wolgeiwrnn herr grauff Ludwig von 
UelfTcnstain also: 

nAhtK livfn'n fromm hutt^kmrht wwc/ /iV/>cw krkffi^tit, rs* ist iw 
atti/m. (las horjpoif l Irirh tvn WiifitepilH'nj »mm dem hnd ist, nnd 
uit weift voMh www*\*N: Pian bin ieh eivrr iifxrßntter, und mecht m^ 

Schreiber. 538: Am morgen zöge er auf Hebungen und Siudeltlngm), ge- 
wann die auchf dann sie waren nit besetxt. Dt^r ausgefallene Name 
wjiro also Ik^blingen. IIolxw. hat ihn dun*h llern^nberg ersetzt (Sindcl- 
tingiun et HcrriMdiergam non repugnantes ciepit), waii nach dem Zab. M$,, 
mo die Kinnahme von llerrenberg gt^rade vorher verzeichnet ist. nicht 
statthaft scheint. Die Lücke muss ursprünglich bestanden haben. 

M waren die haaptleift, - Die Namen fehlen bei Holzw. «amtlich. 
Im A. K fehlen nur Jörg Scben^r und der Prattisch, deren Kilhnlein «bi»r 
angegeben sind. -< ') Am miHa^tHiten. Am Donnerstag nach Invocavit 
|H. Mftrzl rückte Ulrich selbst nach Stuttgart |Ambr. Ueyer, 724). 
') Hm S urr^ fehlt bei llolzw. So auch die Anstellung des Peter Wobor, 
Im A. K., die Besetzung der Ämter ülwrgangen, ■ ♦) /iw// an m reden 
. , . alsiK Die Hede im A. K. abgekürzt, bei Holzw. oratoriseh erweitert, 
doch unter Anlehnung an dtis Zab. MS. -- ^) uptd nit UTjft t^»i Hmt. 
.\. K,: das herzog U. v. W. hab PcblingtMi aingtmomen und yti zu $indel« 



Tagebuch des Hans Luti. 51 

rayssig sein. So toist ir, das mein herz stat £u denn fromen lantz- 
knechten, und alweg hey euch gethonn hob alls ain frommer grauff: 
das will ich noch thun, wann angesechen, ich unn mein Voreltern^ 
diu herrn im hause zu Wurttenberg Jiörkomen seyen, und uns frinck- 
lich^) und erlich gehalten haben; desegleychen ich auch thwn wül, unnd 
aUs ainem fromen grauffen woll annstann soll, unnd als ainem 
kruegzman eugepurt, unnd wöllicher krugszman das thwn wöll, der 
hob mit mir ain hand auff,^ Da waren die haubtleyt, und fendrich^ 
unn all from lanntzknecht ganz gut willig, und sagten im zu, „''f^it im 
sterben und gnessenn, alls from lanteknecht,** Das ward der grauff 
erfrewtt, und sagt also : „Liebe frome lanntzknecht, so wöll mir den 
Schweytzern denn kubel binden^), das inn die raiff am haUszmues- 
sen hangen**; und weyter sagt er: „Also, so mir die empter besetzt 
haben, darin ich ain gros wollgefallen hob, so ist das von netten, 
das ir mir schwerenn [3 R^.] wellen, alls euerem öbergosten unn des 
fursten durchleychykait, mir korsam, unn behulflich, unn retlich zu 
sein, wider unser abgesagt feind, bey nacht unn bey tag, unnd 
kain zug abzuschlagen; unn also hebents auf! unn: Als ich mit wor^ 
ten beschaiden bin, unn was der artickel brueff vermag^ das ich das 
thun wöl, un ainem krugsman stat zu. Also helf unns got, unn bey 
meiner sed Seligkeit**, Da haben sy also geschworen, darauf was 
der graff fredenreych, unn for freden hub er auf sein hand und sagt 
also: „So gebunns got der almechtig glück unn haiH** unn das ichs 
kurz^), unn wie er geredt hat, in aller form unn gestalt, mit den 
lanntzknechten, also redt er auch mit den mitburgem, unn^') „weU 
bey im sterben unn genessen, der sollt mit im ain handt auf heben**; 
aber under den bürgern, hab ich kom 20 hend auf sechen heben, unn 
darnach gab er inn den ayd, in aller masz form un gestalt, wie er 
den lanntzknechten geben hat. 

Item, am domstag [9. März], kämm er^), da es gleich drew 
schlugt); unn bey dem kurchlinO gelegen oberhalb der stat, bracht 
er sein zewg herab, yber die berg, auf die glincken hand von Sindel- 
fingen wartz, unn thet 2 schiss*) in die stat; dieweyl ich«) hult ob- 

a) freoDdlicfa. — b) safa. — o) w«>r; — d) Herzog Ulrich. — e) der Terfasser Hane 
Lats. S. das Folgende. 

fingen leyt, und sein trometter hye in diser stat gegenwertig ist. — Ul- 
richs Anfforderung an Stuttgart im A. E. sonst übergangen. 

^) den kibel binden, Holzw.: In hanc sententiam illos alloquitur: 
So wellen wir den Schweitzern die kibel binden, et quia mihi vestra bene- 
Yolentia etc. — Das A. E. giebt von der ganzen Rede nur den Satz: Ir 
lieben, frumen Landsknecht, nun wellen wir den Schweizer den Eibe! 
binden. — ^ da es gleich drew schlug, A. E.: nachmittag da es 3 hat 
geschlagen. — Bei Holzw. die Stunde nicht angegeben. — ^) bey dem 
kurchlin. Fehlt im A. E.; Holzw.: juxta sacellum, haud ita longe ab 
urbe, castra metatur. — *) thet 2 schisz, A. E. : 2 schisz hinein than 
mit schlangen, in beywesen ich Hans Lutz. •— Holzw. hebt sogleich mit der 
völligen Beschiessung an: omnia tormentä in urbem direxit, ubi non ali- 
ter quam tonitrua et fulmina, crebri bombardarum ictus in muros sumnu> 



^2 Adam. 

neu au der staK« die tlu Kut vonu F^^isliugeu, be) aiueui pircnpeittlitt« 
uun ritt uut mir des pfennigumyster von NurniH^rg niyssiger knecht; 
der selbig was vor nur zu der stat geritten, mit des graflbn Lud- 
wigs kneobten, die stat /u ötfkuMU dtuts wir meebtenn unser gcsob^ft 
auszriebten« das unns dann befoleben Avas« von den /wayn pfenniK- 
nmystern, mit namen llawg von Augspurg, llassler von Nuemborg, 
der nuiynung, die kneelit /u bezaUen - so sebn^t mir Dauss xu, boy 
Jörgen') Saltzladers toelitennan von Augspurg: ^Wenttich haH9kf, 
trthttich.'^ Tnn nmm'), unn i*andt iob under die stog ein. auffTurdron 
/u. unn von der staig bis gen Piroken« zait ieb 22 sebuss, bis ich 
geun Dircken kam. l>a fueHen zwa} fenbioli knecbt herauax, in 
>ebannu/eK unn als ieb |:) Vei*so| glopbaflig beriebt bin'), so Ut das 
ain fennlin gewessen, der von Nürnberg, unn djis ander, von Augs- 
purg: die balnni mit inn gesebarmuzelt, unn vom dornstag [9. Mttrx] 
Ins an sontag [12. Miir/|*), bat der ber/og erseliosen, unn der honker 
in der stat, bisz in Hl) nnin; unn die kneebt die in der stat Stotgmit 
lagen, vennainten es si\\\ der lieneker inn ein beystandt thon, tU 
tbot der ))ös/wiel)t ) ains, unn selio.<s under die kneebt die iu der 
stat lagen; aueb tbet der wolge^mm grauf tuns, unn kiesx«) ainem 
yetlieben kneebt*) ainen guldin, wellieber mit denn baeken sehuesaen 
kind, zusampt dem sold zu geben. Da baben die kneebt dtus post g<^ 
tbann, unn baben mer dan 2tK) Sebwey/er ersebossen, und der flrom 
graff, all naebt \onn aineni fewrr zu dem andern') geriten, unn deu 

iiupetu feruntur, deiude ex pyrobolis ignein in nrlH'Ui iiyiciobaut. Abu- 
Hoho pomphafte Hescbivibungen sind auch sonst b(*i ihm eingeachobfn. 

M Ciansa iUs /x'i Jönjen u. s. w. Im A. K. llauslin, Jergfn MdU* 
tergers xunft kneebt toehtermnnn. — Uie gaiuce Stelle von »di« weyl 
ich bult obnen an der stag** bis „l>a fuollen xway fenlach . , . , * Md% 
bei Ilolsw. — ^) rpt umm u. s.w. Im A. K. ausführlicher: rnderdruon 
mert»n, hat sich ahter aiisj: (hw ivhivhiHrtjischcH rai/shjt'H retif/ riiMsr 
i/r/A<iw, tiHfainnh HTtissm schmci, tuul mich i/«;/iic//. bis« gi»n Tirkaw 
in das dorf. In solicher xwischener weyl hab ich gexelt 22 achhw, iu die 
.stat gethan. ee ich in das dorf komen bin. — Der Mahnruf: Wentticb 
llaoiis!. fehlt. *) (i/,s* ich ///o/i/id/h«; InTicht bin. Kehlt im A, £. und 
bei Ilolxw. — *) his um stwttith Ambr. Ueyer 721: bis« auf den samb«- 
tag [10. Man) gegen abend [in die Stadt) hineingesiiioiiseu. Geyor Itot 
ririch abziehen am Sonntag nach Mitternacht. l>iü IKmaucr Chronik, 
278: am IM tag marcie um 10 ur in der nacht (die Nacht de« Sonn- 
tags sciion zum Mont4^( gez^dt). ^) jix'«.v^iriV/i^ Uobew.: »ed illu nt- 
bnlo. Nach dem A. K. erschoss der Henker von den S(> Maam 7; »dar* 
nach ist er haimlich entrunen**. — •) mmm kies: aipmn itctIicheH kh^Mt. 
Dtu) A. K ülu^rgeht die ganze Stelle bis: Da das vernam herzog Ulrich. 
') Von aiht'üt fewcr znm andern. Von Holzw. gleich mit der We- 
schiessuug insammeugt^bracht : Qua re (seil, igne iigetio] accidit ut dvi- 
tas pluribus imrtibns anlert> inciperet. (\unes de IL, nt fortem viruui 
decct, hiuc inde ad incensas aetles obequitabat, militeiique ad «xtiugeu- 



Tagebuch des Hans Lutz. 65 

knechtenn frunntlich zugesprochen: „Gehabt euch wol^ lieben framen 
lanntzknecht f Habt ir essen unn trinken? Habt irs nit, so kampt 
in das schlosSy so mU ich euch kain mangd lassen, so redlich tmd 
frindlich habt irs gehalten." Aber under den weyllen, ward der 
Sturm ^), des kayssers höroldt, offgeschickt gen Stutgarten, nit waysz 
ich nemlich was er handlet, unn im andern sontag, in der andern 
fastwuchen [Reminiscere, 12. März], da zoch der schwebisch pund fast 
zu, allenthalben, unn komen genn Kannstat zway fennlach knecht; da 
wolltentz die von Kantstat nit einlan, da mnsten die selbigen knecht 
widerumb auf Dirken zu. Da das vemam herzog Ulrich, das sich 
der pund Sterken ward»), da prach er auf von Stutgart, unn liess 
ein fuderisch weinfass, voll schwebel, pech unn pulffer, anzinden, 
unn waltzen für das ober thor^j, das da nausz gat zum kloster; unn 
da ward das thorr angan, unn ward ine, da das halb verprent; da 
wartten sich die knecht gar redlich, unn endschitten sy das thorr, 
das es nit gar verprann*); und in der selben nacht, da zog er ab von 
Stutgarten, unn het nit gelt*), das er den Schweytzem geben kund. 
Das dem also sey: der graff het ain Schweytzer gefangen, der sagt 
dem graffen, wie das er von ainem von Stutgarten het entlehnet et- 
lich guldin, unn da er het muessen abziechen, da waren im die äugen 
ybergloffen, unn also gsagt*): „Das muesz yot erparmen! Söl ich 
also von main^s vafers erblandt ziechen, unn tvil mich^) nit hdffen, 
das ich mich erpotten hab [4 R<*.], vor ainem pund und vor dem regy- 
ment, hab ich unrecht gethan, so wel ich recht nemen, unn in ir 
straff st an, unn darbey begert, den henker an mein seiften zu steilen? 
Das mag mir nit gedeychen,'' Mit den worten zoch er wider auff Rot- 
weyl zu; da wolten die Schweytzer bezalt sein, da het er kain gelt; 
wan er het in kains geben, im anfang, dan ain dicken pfennig"), unn 
sye aber vertrost, „wan er Stugart einnemen, so wöltz er schon be- 
zallen." Da füren die Schweytzer zu, unnd behultten das geschutz, unn 
hett noch 3 grosse stuck pixen') liegen zu Ballingen. Und da er von 



a) stärkte. — b) mir. 

dum incendiuni cohortabatur, omnibus victui necessaria, ex arce submini- 
strare velle, dictitabat. 

*) der Sturm des kaysers herold u. s. w. Dessen Ankunft nur im 
Zab. MS. — ') walzten für das oberthor u. s. w. A. E.: Am samp- 
tag [11. März] hat sich herzog Ulrich understanden die stat zu stirmen, 
und das zu waren urkund, hat er genomen ain grosz vasz . . . dadurch 
das statthor anzuzinden und zu öffiien. — Des Truchs. Schreiber, 541: 
liefen den porten zue Stuetgarten mit feur zu, zindeten die an und theteu, 
alsz sie stürmen wolten. — ') das es nit gar verprann, — Holzw. : vix 
dimidia parte combusta, ignis extinguitur. — *) unn het nit gelt u. s. w. 
Fehlt im A. E. — *) un/n also gesagt. Die Rede im A. E. unerwähnt. 
Bei Holzw. oratorisch ausgeschmückt. — •) ain dicken pfennig. — 
Holzw. : nam illa tota expeditione, quilibet tantum vigenti cruciferos acce- 
perat. — ') 5 grosse stück pixen. A. E.: und verlassen zu Ballingcn 
die 3 karthonen, und mit im gefürt die 10 schlangen, nach Rolweil, der 



64 Adam. 

StutKart aufprarh, da ward im ain Rrosser raissiger iowg angehenokt, 
dor solt im nacli ziechon. Da was Blgloff von Knoringen, der von 
Augspurg hauptmaiin iber den rayäsigon Eowg ist; dorselbig hangt im 
nach, annd h'gt dem herxog Ulrich von Wurteubcrg die 3 Stoek nt- 
der, die gelegen waren zu Illingen. Darroit kan) der gut furat aber 
um sein geschutx« unn must da beleyben zu KotweyU, Wies im dar- 
nach gangen, ist mir nit wissen, dan dass der rayssig zewg wider 
l^llingen einnamen, unn ander flocken mer. 

Item, alls der lierzog von Stutgart ab was zogen, da nam horr 
Drucksess wider llörenberg ein, unn Beblingen, Sindelflngeu, mm 
was der herzog het eingenommen; und darnach fodert er*) Homborg« 
Rohlingen und noch ain Vogtthey >), die mussten von newem schweren; 
unn musten die von Heniberg all ir harnasch unn wörr') ybermt* 
werten, unn ward den von llArnberg, und den dreyen vogtikeyen 
auffbrlegt, KUXK) guldin zugeben, unn die statt von Uörenberg bey 
iettlichem thorr, ains spiess lang die mawrr abzuprechoo, bisi auf 
ain widerruoffen') dos durohleichtigon fursten von Oestorreych, 

Inn die weyl der Drucksess, handlet mit den vogttheyen, die wcji 
lag der fuszzewg zu Dayerso^*) warten') auf weyttor boschaid; <la 
kam herrfur don«*) bawrn handeP), die dann der baldringsck haulE, 
im Ried golegon bey Kchingen, angefagen hat, iber die verhArung 
der artikol dio sye eingelegt betten, inn ein loblichen bundt m 
Schwaben. Und auff den gutten beschaid , denn ain loblicher bundt 
liesz auszgann, da füren zu, die selbigen bawrn von Iküdringon unn 
des*) im Ried, und waren angreyfTon, unontsagt in^r eren; da [4 Verao] 
wanl man die selbigen handlung, den knechten dio undor dem pond 
lagen forhalten'), zu Dayerse, unn war daselbst ain gomain gebalten; 

») Q. TraokMM. ^ h) DAf«r«)t*ln< - o) 1*« und wartM», ~ d) d*r, — UMd«l 4m. — 
•) dM lUuHtet. 

stat vertraut und t\berentwurt das gescJiüts. Ilolsw., zuerst: omnes bom* 
bardas (Helvetii) admovent, — dann: celeritate oquitum praofontut, non 
poterat bombartlaa, quas liallingae habobat. stH'um auforro. — Jede der 
drei Karthonen Bchoas HO Pfund (A. K ). Die zehn Schlangon vonetiten 
die Sdiweiior zu Rothweil, gegen ein Darlehen, woltei «ainen Ridgenoaien 
ain basz oder zwen wortlen**. (des Trucbs, Sehr. ft4*J), 

') umi mich ain n)r;//r(^y. liOonberg: cf. des Truchs, Sehr. 543. — 
*) harnasrh mwm uürr. A. K.: all haniiscli und wer mitsampt allen 
personen die in die vo,(tey keren, dieselbigen geschetat umb KtOOO guldin. 
- •) hisjs auf tÜH fric/crrMC//rw u. a. w. Fehlt im A. K; Holzw.: ut- 
que ad rtwooationem illustrissimi diioia Auatriae. — *) r/cr fniirrH kandtL 
Holaw.: articuli ad gravamina, quae supra scripsi rustioos conf(«deratia 
d^udicanda dedisae. ->- Folgt eine rhetorisrhe Auslassung über die Ver- 
stocktheit der Rauern. Im A. K. \H die Vorlegung der Artikel Aber- 
gangen. — *) (/cm A*w<rA/cM . . furhaitvph Im A. K anders: Ktlicho Fähn- 
lein wollen nicht ziehen ^bisz das hien ir zalung bcsoherhen sey* und 
behalten das Geschütz zurück. Die Fälinriche rücken jedoch, mit »auf- 
goreckten fenlach**, nach Tagersee, wo man acht Tage still liegt. Dort 
erfahren die Knechte, dass sie gegen dio Hauern ziehen sollen. 



Tagebuch des Hans Lutz. 65 

und da die knecht yerDommen, dasz wider die bawm waren»), da wolt 
irr kainer wider die bawrn ziechn, und das dem also sey, so most 
das fenlin von Angsporg, mit sampt dem hauptman selb 7 pershonen 
ueintziechen, in das leger gen Dayerst. In den weyllen, da lag herr 
Jörg Drucksess, herr Wilhelm Druckses, unn der wolgepom graff 
von Furstenperg, und Friderich^), der edel unn gestreng hörr Frewin*>) 
von Hütten, herr Wolf von Honburg, und herr Jörg von Rechperg, 
und Burckhart Hainrich, marschalck, unn Joss von Lonpurg, und 
Diepoldt von Stonn<^), mitsampst anderer riterschaft, zu Beblingen. 
Das vemamen die herrn; da ward geschickt graff Friderich von 
Fürstenberg den knechten nach, mit in rett zu halten, „das sie selten 
wider in das leger Ziechen^ unn so wolt man mit in sprach halten, 
unn alle sach zu verstan geben, darmit sy wol zu friden weren". Da 
zugeh etlich knecht wider hinder sich, in das leger gen Dagerse. Da 
das vemam der hauptman von Memingen, das man wolt am morgen 
ain gemain halten, unn wolt der krieg anfachen wider die bawm, 
da zog er vom hauffen hinwegk, gen Memingen, unn all sein knecht. 
Am morgen zoch man nausz, in das feld, gen Beblingen wartz zu; da 
kamen die wolgeporen herenn, mit namen: herr Jörg Druckses, frey- 
herr zu Walpurg, unn grauf Friderich von Furstenberg, der edel 
unn streng herr Frewein von Hüten, der ist herr Jörgen leyttinger^), 
und Hessen da ain ring machen, unn ritten da inn ring ; da hiess herr 
Jörg die thromenschlager ein still schlagen ; da fieng herr Jörg Druck- 
ses ann, zu reden, allso : „Irr lieben fromen kriegsleyt unn lieben fro- 
mcn lantzknecht, es langt unns an, wie ir nit weit wider die bawren 
ziechen, unnd das sey die ursach, wann sy begernn nyemantz nichts 
zuthun, dann war zu sye recht habent, unn das wort gotz auf zu 
richten undhandthaben; dassdbig begeren mire) auch, das wort gotz 
zu beschirmen, unn auf zu richten, unn begern wir auch nichtz dann 
recht, und wellen nyemantz nichts [5 R».] under recht thun, älls ') unns 
die bauyrn gethan habent, unentsagt irer erenn, als sy pillich gethan 
sollen haben, unn haben mir das mein eingenomen, mder got, err 
un recht, das ich ererbt hab von meinem herrn vater unn anderen 
hern unn edelleyten; unn red das für mich gut rund, das ich mein 
arme leyt unn ander, nie beschwert hab^ weder mit stewr noch ross^ 
gellt, sonder in geholfen und geraten, alles das ain herr den seinen 
thun soll; und also, ir lieben fromen lantzknecht, darpey ir erken- 
nen mugt, das ich nichtz dan recht beger, so will ich gutwillig alle 
recht hinden gesetzt haben, so will ich mein vertrawen inn euch 
kriegszleyt setzen, unn euch selber richter sein lassen, ob die batorn 
redlich unn recht sprach zu mir haben, das sy mir das mein also 

a) Daas es wider die Bauern giog. — b) Frowin. — c) Stain. — d) leutenambt, lea-^ 
tiuer, leytoer. — e) wir. f) wie. 

^) pershonen, A. £. : die knecht von Augspurg send ainhellig ab- 
zogen von dem fenlin, und das fenlin lacht mit 7 knechten wider zogen 
in das lager, mitsampt dem hauptman Michel Fressenmair. — ^ ^) Muss 
heissen: unn der wolgepom graff Friderich von Furstenperg; der edel 
unn gestreng H. Frewin u. s. w.; also eine Yerschreibung des Kopisten. 

Zeltechr, f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VIII. 1. 5 



ti6 A a a m. 

eihfiemnt, und uns ii/.vo ^>lhitfvru, ioim das unser nemen uhh «vr- 
;»trwwrw, ciMW <few arihiijen sich nit fHTPiitiffn, www schweehm darwm 
upinsnr irrv/xT www hindcr an hm eren, wwwrf «> Sit sanith hand^ 
tuufi wiV wwwÄ trfffbcn, iHder tfot, err www rtrht, unnd mder dns 
haiUhf AV<viw*/('/vMfM, av» hin ich ww/zc^wri^^f/f^* hofnuntf, ir ntrrfniM 
j^u hertni nemtn, tiefn^n frowvn lantshnrhtt unnd unns jfu rtchi 
heifhh das tm^is ftM upid pössc Ariwi//ww// hoffen straffhi^ aUs /h>- 
wi(*w kne(fsft\v(enn j^uifcpurt, upfd in^nivhcr das thun wvW. der htb 
pnit mir ain hand aufr Das mnss ich für nin \varhoit sagen ^ daa 
niit^ampt tiou hauptloyton, nit hahont') aulgohopt iiit me dann 8 
kuoolit, mit dorn wolgoimron liorrn hi\rr «lörgonn Pnicksoa; unnd da 
4lor fnnn licrr saoh irr KutwilliKkait, >van) soin gnad also sagen: 
„ Wefi icher nit tfcrn fH\v im wrr. der sdit sich nun pahi kinuYgk 
packen, unnd wvr ain söUichcr licfHT<^) ron im, dann fH\tt iPH** ; und 
sprach also: „ir tieften fromen tanti^knecht, ich din in t;uter hofkHH$f^ 
M' wert euch ains tjutcn tn^sinen, atts krict/stetit ; www wviww «r ili*w 
adet nit haln^n^h uui icil dan ain ktict^stnan atn her nn finden}^ Air- 
mit ictilcn mir con euch reiften . tfcnn Iiet*tfni/cn, www w*<w •> ains 
wvr/, www»'* puercr wart das land unns w/n.ww.'* rund |5 Vorso] under 
don knoohtonn waron auch die von C'osohnit/; da woH kainor bole}** 
hon und widor dio Imwrn /.ioolionn; unn was aiuor undor in, gar ain 
grosser sclm7or')» der het ain roten waiH^nwek an, tler riss sich 
feint lieh mit dem wolgein^rn heren graIV FridtTrieh von Ftlrstonporg; 
derkneeht maehet, das all kneelit von Kosehnit/ ab/ugen unn haym, 
dann ausgenommen der hauptman*)« unn noeli ain topelseldner^); ist 
mir recht er was fendrich; unntl also waren die hauptleyt ains, unn 
waren umm/iechenn, ain jetlicher mit sein fennlin, auf ain ort. I)a 

9k) l»<Hi«(»r. h) nopit(»liiohliti«r. 

^) „nit hahont u. h. w.** Nur acht hohen die Ihiude nicht auf. ^ Daa« 
hier keine VerschreihunK vorliegt, In^weist die Hemerkung ^Da der ih>m 
her sach ir gut Willigkeit**. Auch von des Truchs. Selrnnher erfiüiron wir 
(S. 44). dass »«der merer teil kriegsleut . . . sich gleich iH^willigot mitiu* 
ÄiiAuh llolxw. dagegt'u: vix euim octo erigeiv manus vidiHstMi . . . Imimra- 
tor cum milites otistrepere cerueret u. s. w. Vielleicht umprüngHch: 
Vix euim octo wow erigen'. Das A. K.: ongefar hey 15 heud von 
houptlcyt und knechten, da der merer tayl hauptleyt sind gt>wtM>sou. Und 
auf Molii'hH hat her Jörg Truchsesx geH4igt: NVcIcher nit gt^rn bt^ im söi 
n. s. w. ^) und wviw ir den adet nit hatn'n, - Uol/w.: ai cquitatu 
et nohilitate d(>stituti fueritis. A. K: der hochgehorn adel werd douhot 
nit verlaussen. sonder hilf und nU fmden. •- Heim SohnMhor des Truchs.i 
in OlH^rcinstimmuug mit Ihdxw. und dem Zah. MS.: dass sie. . . hishoro 
ir usroug hcy fUrston und herrn gesncht und gehaht hetten; selten sie 
dann iet/.o >ou gcmaineu stendeu aus/eui velt xieheu, das weri^ inen in 
teutscli und welschen landen aufhehlich und merklich nachtheilig. — 
') f/<ir in ijnk^ser schreiicr. Hol/w.: quidam spermologus. Das A K, 
verzeichnet hloss den Uücktritt der Konstani^er Kmn'hte ~ ♦) aus^ 
ijcnommcn der hauptman. So auch das A. K. UoIkw.: excepto duce 
et sitfuifero: letzteres in unserem MS. eine hiosse Vermutung. 



Tagebuch des Hana Lutz. 67 

fieng ann der hauptmann von Augspnrg mit namen Michel Fressen- 
morr^) und sprach also zu sein knechten: „AlsOy ir lieben fromen 
lantzknecht und hriegsleyt, ich bit euch als meine lieben brueder, ir 
wölt ann mein gunstigen herrn von Augspurg, unn an mir, als from 
hriegsleyt ^)f und wölt auch ansechen, das ir from heren habenty die 
euch erlich bezalleny unnd kain mangd da ist, und ir auch in unnd 
mir, als ainem ainfeltigenh) hauptmann, geschioorenn habt, ir wölt 
thün alls from redlich knecht, unn meinen gunstigen herrn unn mir, 
kain zeug^) abschlachenn, das sollen mein gnedigen herrn vmm ein 
jetlichen, zu sampt dem sold, und ich mit in, verdienen, unnd wil 
beythün, als ainem fromen hauptman wol anstat, unn für euch setzen 
leyb, err unn gut, unn weyl ich ain pfennig hab, denselbigen für 
euch setzenn, unn tvill euch helfen unn ratten" Und mit sollichen 
trostlichen Worten, ward er die knecht bewegen, und erpoten sich 
die knecht, „mit im zu ziechen, wider all feind die dann dem pund 
widerwertig weren, unn wens all teyffd weren,*^^) Darmit behült er 
das merr^), und warden auch die andere fennlach zu im fallen, mit 
sampt iren knechten; und da dasselbig geschach, da ward vonn 
knechten geschickt, zu denn heren, gen Beblingen, denn hörren®), der 
knecht maynung zu sagen, mit namen: Jörg Perlinfein von Wasser- 
trylingen, des margraffen vonn Brandenpurg hauptmann, unn dar- 
nach Hanns Lutz ^j von Augspurg, der hörr Jörgen Druckses, unn des 
loblichen [6 R.] bundts hörold ist. Und da mir kamen nach Beb- 
lingen, da sassen die herrn all zu disch, mit namen: hörr Jörg Druck- 
ses, und grauff Fridrich von Fürstenperg, herr Frewwein von Hüten, 
Herr Wolff von Honburg, Burkhartt Hainrich, marschalck von Pap- 
penhaym, und herr Jörg von Rechberg, Diepolt von Stain, unn Joss 
vonLonburg; und da mir hinaingengen, facht ann herr Jörg Druck- 
sess, spricht also zu mir: 

„Hörold und lieber hauptmann, was pringt ir unns^) gutz ge- 
schray?** Sagt der Perlinfein : „Gnediger herr, aus gutz; der hauffen 
knecht haben ewrr gnaden redt und ewr gutz vertrawen, das ir in 
die fromen lantzknecht gesetzt habt, unnd der bauten pöss furnemen, 
des sy ewrr gnad unn ander heren gethan haben, unensagt irer er- 
ren f ) ; so wollen sy zu efwren gnaden setzen leyb unnd leben/n, unn 
thün, alls fromen erlich kriegslyten wol anstat, mit ewren gnaden 
sterben imd genessen" Do warff herr Jörg Drucksess sein band auf 
und sagt also: „Das wallt got", und sagt die geschieht darauf von 



a) handeln. — b) «infachen. — o) Zug. — d) mehr. — e) den herren. — f) erkauot. 

*) Fressenmor. Holzw. u. A. E. Fressenmaier. Seine Rede von 
Holzw. rhetorisch bearbeitet. — '^ unn wenn alls teyffel weren, — 
Holzw.: etiam si ipso sathana agitarentur. — A. £.: wider die bawrn 
und wider die teufel zu ziehen. — ^) Lutz. Holzw.: et Joannes Lutz 
Augustanus; doch ohne dass er ihm die Bezeichnung als „praeco^ beilegt. 
Nennt ihn sonst nie. — ^) Was bringt ir uns u. s. w. Im A. £. sehr 
kurz und ohne die Reden. Holzw. ausführlich, mit rhetorischer Aus* 
«cbmückung. 

5* 



63 Adam. 

(fodion, ntrie got reden Uess, durch sein ennget, da er mchm wM 
u*ider die FUiUiter: derselhig het vill daussepit man, da m$9dt im f^ai 
einen enget » unn ^•Väs* im gepietteft: 7>m *•(>// u^issen, das aiie die im 
ainefH jarr urgber genrnnmen habent» die haz haim Jtiechen. Am an- 
dem tag da gepot er im aber» er ;^}ft iasen haim tiechen, die 
um hegsaer heten pateepi, in ainetn j<ir. Am dritten tag gqnd er m 
er in>nt mit im in stregt nennen, die da druncken aikuf dem uwseer 
unn mit den henden lappetten, unn die da druncken mit dem (aie} 
mundern ausjB dem a^asser, die sölt er auch all haim schicken, unn mii 
den glnrigenn, da st)(t er st regten die Fillister*' ; und sprach weitar: 
^Also will ich auch thün; mit dem klain folck, will ich, mii goig k^if, 
auch mein feiptd l>exmngen, mtd mit etcrer aller half; sa sollt ir M 
von mir wL^en, das ich am dickisten will dreni setjfen, alls ainem 
fnHnen hernn wo/ x^ustat**. Mit den Worten sprach sein gnad: „Uaubi^ 
mann steigt euch nide^-^ ^ Unn also warttet ich auf denn dionst, und 
dionttinzudisoh, unn naohniall nss ich mit denn Urucksessonn [6Yer90] 
unnd zeugen wider hin, K^n Dagerse. Darnaoli, am andernn tag, lOgen 
mir hinwegk, unn praohen, in iMiyden leger»), auf unnd lugcn hin« 
gen Kurch an der Kok^)«); unn /wisohenn Kurohenn unn Naw, in 
ainem dorlT, da lagen die fuskneoht; unn der rayssig xowg lag sn 
Kirchen: da selbs wardt verlessen der artuckelhrieflf*)»), unn waren 
da schworenn. Unn der wollgei^rnn herr gmflf >Vilhalm von J^ir- 
stonborg ward da eberoster»») iber die fus/knecht; unnd Hans Miller*), 
mit der aine band, unn sonst auch ain hauptman, mit sampt iren 
knechten wolten nit schweren. Unn an dem selbigen tag, prach man») 
auf unn zoch zu, auf Ulm. Am andern tag, [27. März] kamen mir 
gen Ulm; da plibenO (hv ungefarlich biss an vierten tag. Unn 
prach man auf^), unn schlugen das leger anderhalben meyl wegs von 
Ulm, auf Kchingen zu. Inn dem selben dorff waren zway schlOser« 
unn haist dasselbig dorff mit namen Kpfach*). Unn da mir das la- 

tk) vou BobUugvu uud nAC^rihoim. -- h) Ktrchh«tiu uut*r T»ck. — c) «11« Kii«gMMr» 
tik»l. — 4) ol»»rit««r, «htirat^r. — •) d«r TruchtMt. — ^tr. 

<) hauptfnan seid euch nidcr. Die Stelle bis zum Abzug nach Ulm» 
im A. K. tibergangen - •) A'iorA an der et*k. Holzw.: ad Kirchander- 
egk prottciacitur. ') der artükel hrieff. Holzw.: articuli et forma 
juramenti. *) Jians Miller mit der ainen Jiand, Im A. E. kommt 
er gleich am Anfang, beim Abzug von Stookaoh, als oberster Hauptmann 
vor, uud wird hier nicht genannt. Holzw. richtig: Job. Molitor, cui tan« 
tum altera manus revtabat, et alias quidam centurio cum suis ii\juraU 
disc.edant. - *) und prach man auf u. s. w. Der Herold greift in der 
Krx&hlung wieder auf den Abzug von Kin^hheim zurück. Nach A. Geyer 
(723 f.) zog der Hund Montags nach Laetan* (27. Mürz) „zwischen Ulm 
und Khingen zu Kehh. .\m Dienstag (28 März), schlugen die Bauern 
ihr La^er, ungefähr zwei Meilen Wegs von Khingen, in ein KU^ster, Am 
Mittwoch (21). März) gingen sie auseinander, der eine Haufe (7()(X) M.) 
nach Württemberg, der andere ((UXX)) nach dem Algilu; der dritte (6(XK>) 
steckte ^dcu köpf wieder ins alte gemössig läger^ im Hied. Am Dtmnera- 
tag (30. März) zog der Ihmd gegen Leipheim. — *) mit fMmen I^facK 



Tagebuch des Hans Lutz. 69 

ster geschlagen hetten, dieselbig nacht, heren mir ain lermanO« unn 
ganden ungefarlich in der Ordnung, mer dan ain stund'), unnd zu- 
gen darnach wider ab, wider in das leger. Am andern tag [28. März], 
da fieng man mit in an, zu scharmutzlen, mit den baltringschen 
pawm, die da lagen im Ried, unn warent unnser bixenmayster under 
die bawrn schiessen; unnd waren, im Scharmützel, unnser knecht ain 
gut tayll gefangen, unnd mit weyssen steblacha), zu unns inn das leger 
geschickt, alls gefangen leyt. Und am mitwoch [29. März], nam mich 
der wolgeporn herr Jörg Druckses ann, zu ainem hörold, unn die- 
selbig nacht, must ich berueffen : „wann man das erst pliess, so sollt 
man fuettern, satlenn und essenn, unn wann man zu dem andern 
fnallen pliess, so umrd man auf sein**; unnd auf die selbig nacht, 
was man auf, um 2 in der nacht. Und an dem selben abent^), nach 
mittag [29. März], verprannt man 4 dörffer, die nitt klain warent; 
und als man auf was, in der nacht, und die herren der maynung 
waren, auf denselben tag mit den bawrn zu schlachen, da waren die 
pawm auf unnd zugen hin auf Zwyfalten^), unnd [7R°.] namen das- 
selbig kloster ein, unnd der wolgeporn herr Jörg Druckses zug in 
starck auf denn fuss nach, mit dem gantzen hauffen. Da das ver- 
namen die bawrn, das man in nach zoch, da namen sie die alb an 
sichb). Da wandt sich herr Jörg Druckses wider, unnd schlug das 
leger, die selbig nacht, inn ain stetlin, das kerrtc) den Drucksesen*) 



a) Stablein. — b) zogen auf die Alp — c) gehört. 

Eigentlich Erbacb. Die Entstellung des Namens, vielleicht daher, weil 
die Bauern in Öpfingen lagen (Truchs. Sehr. 548). 

') ain lerman. Der Truchsess hatte eine Jungfrau zu den Bauern 
nach Öpfingen geschickt, zu sehen, ob ein Trommelschläger zu ihnen 
hinüber kommen könnte. Als dieser ankam, hatten sich die Bauern 
in ein Holz zurückgezogen. Da kehrte der Trommelschläger wieder 
um, „und damit ine die auf der wacht nit ubereyleten, schlug er sein 
tromen, wie ime, als ainem der gesant ward, wol gebüret. Das erhörten 
die unverständige auf der wacht, schrien: Lerma, lerma! Also ward für- 
war das gantz her zu rosz und fuesz bald auf." Durch den Vorgang soll eine, 
vom Lager aus, mit den Bauern verabredete Meuterei, hintertrieben worden 
sein, (Truchs. Sehr. 549.) — ^) mer dan ain stund. Holzw.: ad duas 
horas. — ^) und an demselben abent. Der Ver&sser geht auf den ver- 
gangenen Nachmittag zurück. — ♦) auf Ztcpfalten, Holzw.: castra sol- 
vunt, monasteriumque Zwifalten occupant et diripiunt. — Im A. E : bisz 
zum closter Margdorf. Da haben die pawren das closter geplindert und 
als erschlagen was da ist gewesen, und darnach geflochen den bund, yber 
die Alb ein. — An das von den Bauern geplünderte Kloster Markdorf 
bei Überlingen (Jak. Mürer, 500), ist hier nicht zu denken, wohl aber 
an das Kloster Marchtal. — *) ain stettlin das kert den Drucksessen: 
Munderkingen. Die Bauern wurden von dort abgewiesen und „zogen die- 
selbig Nacht, gen Marthal in 'das closter, dahin legerten sie sich, zer- 
-schligen und zerbrachen alles, nach irem gefallen. Solches thet Dietrich 
'^pat dem obristen feldhoubtman kunt, der was auf, wolte sie überfallen, 



70 Adam. 

zu; unnd vor dem selbigen stetlin, waren auch die bawm gewesaonn« 
unn hettens auch aufgefordert, aber sy hannd gethanu als from lcyt> 
unn sy uit eingelassonn. Und da die Imwrn Zwyfalton eingenomen 
haben, da habens sys geplindort und uichtz gaiity. gelassen, unn alls 
erscjilachen ') was in dem kloster ist gowessen, unn daselben habon 
sy das sacnuneut aus/geschut, auf die enlen, unn dem selben apt ge* 
nomen, besser dann 7(XX) guldin wert, des mir sein kanntxlcor selb 
gesagt hat^ ausz seinem mund. 

Unnd ich jetx lass der bawren handel stann« unnd sag wejrtor, 
von meinem gnedigen heren« wa er hin zoch, auss dem stoUiu des 
der Drucksesseu ist, und zog hin, auff das doster zu, das da leyt ob- 
ahn an der Hier, mit munen haist es also, Wibliugen')i; in dasselbig 
closter schlug herr Jörg Druckses sein leger, mit dem rayssigcn 
zewg, unn die fuszknecht oberhalb, in ainem dorff gelegen, auch an 
der liier ; und tui aiucm aftermontag '), da prach der wolgepom herr 
auf, mit dem ganzen häufen, unn zog, oberhalb Ulm, iber die Thou- 
uen, auf l.eypen*') zu, mit den bawm zu scjdachen; nun ruc^t sein 
gnad hinfur, mit seinem leybfenlin, und mit dem reunfannen^), uun 
mit dem verlornen hauffen, darin waren 3 fenlach : das augspurgorisoh 
unn ain gelbs fennlin, unn ain weisz fennlin. Und betten sich dicr 
bawren ir leger geschlagen, für Leyphaim, rausz gen Ulm zu, unn 
beten ain holt/ bintiMi an inn, unn ein dieffen wegg an der seyten« 
und auch [7 Verso| die Thonen auch an der seytton, unnd beten etlich 
wegenn unn 4 falckennetlach, Vm\ alsjmld der wolgeporn herr Jttrg 
die feind ansichtig wurd, da liesz er ain Icrmen schlagen^), und sein 
thrumeter lerman plassen; da macht mau die Ordnung zu ross unn 

loge die ganze nacht, bis an den morgen. Die paureii wurden gtwamat, 
flochou giMi ZmfaltfH über die Tonau** (Truchs. Sehr, 660), Dm 
dortige Kloster wurde ebenfalls geplündert (Thoman, U8). So hAtten 
denn beide Maimskripte recht, 

') alles i^rachUuji^n. Das hier Angefahrte, bcEieht IIoliw. auf Ochsen- 
hausen: Der Sehr, des Truchs. (550) setzt eine Plündening dieses Klo* 
Bters auf den Mittwoch in der Oharwoche (12. April); cf. Heggliscber Chronik 
880. — Kurx vor dem Sonntag Judica (2. ApriH hatte sclion eine 
stattgefunden, bei der die Dauern „wol für S(XH) giihlen wert bttcber ver* 
hercJcelt« hatten, (M0rer5(X>,) ») Wihlitigm. A K.: in das closter 
AViblingen das leger geschlagen, da yber nacht pliben, und sind da die 
bundtnulit xu inen komen und da ain rat lu^Hcldossen und gemacht, das 
nechst auf Leyphaim xuzexiechen. Die Ankunft der Hundesrftte, auch 
bei HoIäw. nicht gemeldet — *) tm fintm afftet^ttwntaih Hobw.: feria 
iertia post domiuicum judica (4. April), ZwiscJien die Plünderung des 
Klosters OchstMihausen und die Ankunft des Truchsesson lu Leiphoin, 
setzt IIoliw, den Kinbruch in das Roggenburger Kloster und die mit dem* 
selben lusammeuhängenden Ereignisse. Die Berücksichtigung war er 
seinem Gönner, dem dortigen Abbt schuldig (colendissimo meo domino, ab- 
bati roggenburgensi). Seine Quelle ist hiebei Thoman. ^ *) ain /er- 
men achlageH, Holsw.: Primum igitur per sylvam turmam equitu» 



Tagebuch des Hans Lutz. 71 

zu fnss, unn sazt herr Jörg inn die bawrn, mit seinem leybfennlin 
unn mit dem renfan; min herr Jörg eylt den pawrn das stainy creutz 
ab, unn schry mit lauter stym: „All mir nach!** unnd gewann den 
bawm den tieffen weg ab, unn gab im got das gluck, das er die 
bawm schlug, got sey globt unn err gesagt, unn nam den bawm 
4 falckennetlach, und ist mir recht, 4 fenlach auch, und erschlug 
mer, dann 2000 bauwm, und ertranken sich die bawm selbs, in der 
Thonen, bis in 1500.^) Unn was gen Langenaw kam, dieselbigen 
pawrn musten auch ain stand thun, wann die Hessenn hielten auch 
auf sy, und erschlugen mer dann 300^) bawm, unn namen Langenaw 
wider ein. Darinen, hat man 2 manen die köpf abgeschlagenn. Da 
das als geschach, in der weyl, da mckt hernach der gwaltig hau£f 
und der rayssig zug, für die stat, und waren vil bawm gefangen. Unn 
weyl man also vor der stat lag, unn die knecht der maynung waren, 
die stat zu stürmen, wan noch vil bawm in der stat lagen, und was 
ertronen waren, da erpoten sich die bawren, ietlichen knecht ein mo- 
nat sold zu geben. In dem ward frid gemacht, unn nament die knecht 
den monatsold ann, unn warent die knecht^) (L bawren) gefangen, bisz 
in 400, unn in die kurchen gesperrt, bis man sy rantzont, was ainer geben 
solt. Das traff in soma 3200 guldin. Unn nach dem selbenn, ward 
gefangen der pfarer von Leypha^)*), unn der pfarer von Gintzburg*), 
unn ain rayssiger knecht mit namen Hans von Jettingen''), denn die 
vom Stain erzogen haben: denselbig fieng Petter Aychellin von Ulm. 

a) Lelpheim. 

praemittit, qui rusticos ex urbe pellicerent . . . Imperator postquam rusti- 
008 pellexisset, statim cum sua cohorte primus in hostes impetum facit. 
Diese Kriegslist, auch bei Thoman nicht verzeichnet. Cf. Auszug des 
Schwab. Bundes (Baumann 757). 

^) mer dan 2000 , , .in der Thonen bis in 1500. So auch das 
A. E., nebst: unnd vil pawrn ge&ngen der zall ich nit weyss. Holzw.: circa 
mille . . . , reliqui vel in Danubium acti, vel in urbem aut in sylvam co- 
acti ... In Danubio ad 400 rusticorum immersi et suffocati sunt . . ., 
magna pars eorum qui in sylvas aufugerant . . . trucidati sunt, non pauci 
in urbem aufugerant. — Cochlaeus (Baumann 783): 8 tausend bawm 
bey Leypheyn an der Donaw, unter welchen 3 dausent seint erschlagen, 
7 hundert in der Donaw ersuffen. — *) mer dann 300. A. E. : erwürgt 
da 300 pawren und etlich gefangen und 2 die köpf abgeschlagen. — 
*) die knecht. Holzw.: 400 rustici, was allein richtig sein kann. — 
♦) gefangen der pfarrer von Leiypha: Jakob Wehe. Im A. E.: Und 
ist der pfarer und prediger zu Leipham auszgefallen yber die maur bey 
der Thonau. — Thoman 83: durch ain kleines thurlin an dw stattmaur im 
pfarrhaus . . . Etlich sagen er were auf der Thonau under aynen wasen 
gesessen, hette in ain paur gesehen, der het es den reytern gesagt. - 
Nach Holzw. wäre er, in seinem Versteck, von einem Hund verraten wor- 
den. — ^) Gintzburg. Bei Holzw., der Handstreich der Bauern auf diese 
Stadt, ausführlich erzählt. Fehlt hier und im A. E. So auch die bei 
Holzw. gemeldete Bestrafung der Leipheimer. — ^ Hans von Jettingen: 
weder bei Holzw. noch im A. E. 



72 Ada m. 

Dio selbigonn gefangen wan^i gofurt gon Bubenhoffen, da daun der 
Jörg Drucksivs sein logor gohopt hat» und da selben Stil |8 R«.J gt** 
legen, bis alle saeh, umm die selbigen art, /u friden gesteh ward« unn 
auch mit den von Ciuntzpurg. Hie selbige nmssten dem pund geben 
HX) guldinM, unn ein burger vonn Ulm*), der dann mit wonung d* 
ist, 1(K) guldin. l'nd da die von (luntzburg vertnigen waren« da nam 
man etlioh lut von (lun/burg gefangen, die dann die aufrar in der 
stnt gemacht haben, mit nanien: ain sehnst er und denn nmngmayster, 
und sonst auch etlieh ans/ der stat; darunder sehlug man 5 die kepf 
ab, und dem pfarer von Keypha, xwisohen der /wo stet« in ainem 
aeker, unn fürt den pfarer von Cluntzburg") und den rayssigen knechi 
von Jettingen, dem profossen /u, unn ward der rayssig kmn^ht kom 
erpeten vom sehwert, 

Uarnaeh |U. April), praoh herr Jörg Druekses aulf. unn »>g nauf« 
in das Oberland, das man nent das Algee, unn kam gen Daltringeu 
(iL*. April). Zwischen l'lm und Haldringen, warten bey ÄX> Imwm in 
ainor kurehen« unn als yn\\d sy sachen den raysigen /ewg, tia fli>chen 
sy gen holt/, da ward uss in, mer dan UV erstochen. Die selbigen (sie^ 
nacht, schlug herr Jörg sein leger gcnu Haltringen, unn als herr Jörg 
gen nacht as/, da ward das haus angan /u brineuM, miten im mal« 
unn het auch vil gest geladen: da ern\ten*) sy das haws« das« uit ver- 
brann. An dem andern morgen 113. April), prach er ulf unn /och in 
seiner gnaden herschaft, dassclbig facht an, oberhalb Hybmeh; da 
ward .sein gnad inen, das ain häuf bawru bey einander lagen« umb 
die gelegenheit bey tirendann*), das im die bawrn auch verbrenl 
haben« bis in lUK) ba\N ren : ee mer, dan mynder. Darunder kam herr 
Jörg Druchses, unn erwürgt mer dan LH) bawrn*), unn nam mer dan 
2tX)') gefangen, un nam in ain fenlin, das \>as rott und weys« und 

M S<H> //m/</cw. A. K.: mx) - -) ciw hiinftr ron /7m. A. K der 
Hosserer von l'hn. Kin solcher im Zab. MS., beim (lefecht »u Oaisbeuren. 
Im Jahre IMS ^ar (»eorg Hessert»r Hürgt»rnu»ister /.u Tim. — ^) </cr ^)/<intT 
von (hnubiint, A. K: IVn pfarer von (iin/burg hat man giMtrafl 
um HO fluiden (Thom. 70 gülden), und sein pfrend niiessen aufgeben und 
»ich verschriben im Augsburger und Aichstetter bistum (Thom. im Auga* 
burgtT. (\»8tey.er und Spein»r. - - So auch lloly.w.) nit t\\ predigen in 
H Jar (Thom.: sein U'ben laug nit mer). - l)a der pfartT von Ouuxburg 
lang gefänglich hin und her geführt wurde vThom. st), dürften im A. K 
die Angaben über dessen Strafe sj>Äten*r Zusatz sein, Uoly.w. iHwhtet 
noch über iHMpheims Bestrafung (nach Thom. DU). *) 1ha haius uh^ 
/'(IM</CN SH hripim. A. K.: und in mittendes mals, ist der Kemicb (Ka- 
min) brt»nnet worden. — Von Uolxw. erfahren wir noch, dasa 200 Itayeriaehe 
Heiter, beim riundem überfallen und beinahe alle getödet wurden. • - 
^i fH\tt (irvhthh, A. K: (irenenthan. Holicw. : («rienda. Geyer, 738: 
Linda (laiulen). • •-) mvr (hnt -;^>. Uohyt : 40. A. Geyer: bei HO, 
'i J^ki c/c/'dw/A'w. A. E. HtX). Sigm. v. Uoyneburg an l<andgr. Philipp 
(diese Ztsc.hr. N.K. IV, S. JUmtT.): bey den MK) gi^fangtm. und*. .. ein 
grosse «omma erstochen. 



Tagebuch des Hans Lutz. 73 

darin ain fisch ^) unn ain pflugeyssen, und schlug darnach sein leger 
in ain wald, unn die fuszknecht lagen im dorff.^) 

Am andern tag, prach er uff, mit dem ganzen leger, und zug uff 
Wurtzach zu. Daseiben lagen, bis in 7000 bawrn. Das geschach am 
griendonnerstag [13. April]. ") Unn stunden die bawrn*) drey schus, 
unn füllen allweg uff [8 Verso] das antlutz, bis das geschutz drey mal 
in sy gieng, das waren 18 schus; da ward erschossen unn erstochen 
bis 40 bawrn ^), unn kam ain solliche flucht in die bawrn, alls wan 
ain sedel stam^) uff stat, iber ain med, unn in dem selbigen rud 
was ain dieffer graben, darin ertrunken send, mer dann 100 bawrn'). 
Man het auch ain rayssigen zewg gelegt, hinder die stat Wurzach, 
unn was lieff iber die blaych, das ward gefangen, unn ain tayl er- 
stochen. In den merren, gab sich die stat uff, unn warent etlich 
hundert^) gefangen; wa sy hinkomen sind, ist mir nit wissent^). 
Unn mein gnediger herr huldt starck ob der playch*)*®), das man den 
armen nichtz nam; unn nam in 4 stuck pichssen, unn gabs den von 
Wurtzach wider. Am andern tag [15. April], prach main gnediger 
herr auff, unn zog uff Walsee i>) zu, mit der Wagenburg, unn was da 

a) Bleiche. — b) Waldsee. 

und darin ain fisch. Holzw. nur: vexillum rusticis est ademp- 
tum. A. E. : ain fenlin gren und weyss. — ^) bis in ain wald . . im dorff. 
A. E. : das leger geschlagen an ain holz. Bei Holzw. nichts. Im Folgen- 
den hatte sich der Kopist wieder verschrieben: „Am andern dorff tag." 
Das Wort Dorf ist mit späterer Tinte ausgestrichen. — ^) Das ge- 
schach am grien donnerstags bezieht sich auf das Gefecht bei Linden. 
Nach Wurzach zog man erst am Charfreitag (Sigm. v. Boyneburg. Ibid.) 
umb mittagzeit (A. Geyer, 729). Das Gefecht bei Gaisbeuren fand, nach 
allen Angaben (Zab. MS., Holzw., A. Geyer, des Truchs. Schreiber) auf 
Ostersamstag (15. April) statt. Rechnen wir Yon da hinauf, so bekommen 
wir, im Zab. MS., für das Gefecht zu Wurzach den 14., für das zu Linden 
(Grendan) den 13. April, für das Scharmützel zu Baltringen den 12. Am 
11. wurde gegen die Bauern (Geyer, 728) „noch nichts gehandelt*'. (Geyer 
verzeichnet hier von Tag zu Tag). Das A. E. irrig: das ist bescheh'n 
am mittwuchen. — *) Und stunden die bawrn. Das A. E. giebt die 
Stellungen der Bündischen an. Was folgte bezieht sich auf das Gefecht 
bei Wurzach (cf. Sigm. v. Boyneburg. Ibid.). — sj f^iß ^q J)awrn. So 
auch A. E. — Holzw.: 400 ceciderunt rustici. — ^) ain sedel starn. 
Das Bild fehlt im A. E. Holzw. : et veluti stumorum cohortes numerosae. 

— "0 mer dan 100. — A. E. : vil pauren . . . der zal ich nit waysz. — 
^) etlich hundert, Holzw.: circiter centum. A.E.: 400. — ^) nitwissent. 
Fehlt bei Holzw. — A. E.: nit waysz ich wie man in gethan hat, oder wa 
sy hin kommen sind. — ^®) huld stark ob der playch. Fehlt im A. ^. 

— Holzw. : ue linei panni, quorum istic dealbandi gratia magna erat co- 
pia, aliquid detrimenti acciperent, fortiter resistebat. Der Truchsess, 
soll aus Schonung für die Bauern die Verfolgung eingestellt haben. 
Wirklich hatte er andere Gründe: er musste sorgen „die fueszknecht 
wurden ain monatsold fordern, zum andern weiten die knecht keinen 
pauren umbringen, sonder allein schetzen" (des Tr. Sehr. 661). — 



74 Adam. 

der edel aun vest juukherr Staolnus Rocliaiits >) wagcuburgmayster« dar 
bey meiner gnodigen fragen unn heron honsog >Yilhalm ist« von 
Bayru. Uun lüt weyt vou Walseo leyt ain dorfi; dtvs ha^st Gaisiberg*); 
da xugeii uns die hawru entgegen, woü 12 (XX) starek'), uiin legten 
sy sich äff ain rQd, neben an ein borg« hindor dem dorff dea \mysi 
Gaysxberg, unn hotten ir gesehnt/ gelegert ins rOd. So lUgen mir 
in entgegen, für den galgeu'), der der statt Wallseo lugehOrt, onn 
herr Jörg Druckses fnrt den hauffon den man nennt den laufenden 
hauffen, noben da^ dorff Gayscberg, unn verstackt ain ra>'S8igeu iowg 
inn das hOlzUn, das neben (layszbergon leyt, unn sein geachutx le- 
gert er xwisoiien das dorff unn das holte, uff ain hoch; unn schuaaen 
lu baydon tayl zusamen, unn warden dasell>en verloren 3 roas: iway 
warent des Besserers von Ulm. Ihm ain kneeht was under unaenn 
hauffen, der selbig kneeht was, vor, bey den bawrn gelegen; der 
weit ain flucht in unns gemacht haben; da füren unser kneeht lOt 
nnnd erstachen in, mit den spiessen, so erpermlich, das ainer wunder 
het gesechenn. Das geschach am osterabont Ll^* April], und lagen 
da zwen gen ainander^), ungefarlich bis in drey stund 19 R«».], und 
darnach schlug man das leger hinder ain berg, gen (layszbergen iber« 
unn lies herr Jörg Druckses das geschtitz ligen, an dem ortt da es 
im anfang gelegt was worden , unn der bawrn verloren hauff nam 
das dorff ein, unnd wolten da beleyben. Da das herr Jörg Druckses 
unn der wolgebornn herr graff W'ilhalm von Fttrstenberg (das) ver* 
namen, das die bawrnn das dorff ain beten genomenn, da ftlrru) gmflT 
Wilhalm /ü, nun schankt 3 knoclrteu etliche guldin, das dorff an in 
zinden. Das geschach in der nacht, um die 10. Da zugen die bawm 
auss dem dorff unn brach der bawni hauff gar auff, unn zugen hin 
gen Weingartn.*) Am ostertag (IG. April], lag herr Jörg Drucksess 
Stil, unn am ostertag da geschach das gros mord^), das ny kain man 
erhört hett, alls der weinspergisch hauff gethan hat, mitsampt der 
weinspergischen mitburgor, an denn wolge}H)rn herm unn graflbn 
Ludwigen von Ilelfenstain, mitsampt dem fromen adel denn sie, mit- 
sampt im, ellendiclich ermönlt haben, mit munen: 

Denn wolgeporenn herrn graff Ludwig von llelfenstain ; denn hsr 
bents durch die spies geiagt, am ostertag am morgen, vor mallzeit*). 
Das gesehacli zu Weinsperg, in dor stat. 

a) Gikisb«ur<»n. — b) Aihr. 

1) StachiHS Bechahts. Weder bei Holiw. noch im A. K. ~ >) iJMiO 
9tarl\ So auch Holiw. — A. E,: löOOO. A. Geyer: bey 10000. — 
') ßr den gatpm m. j;. fr. Von hier bis zum Anstecken des DorftHt, im 
A. R alles tkbergangen. Hohw. folgt dem Zab. MS. ^ *) rwm ptt^ 
ainander, Hohw.: uterque exercitus. — *> gen Wringarten, A. E, 
gen Weingarten in das closter. A. Geyer, 720: sich in ein closter Wein« 
garten genannt, gelegert. — *) das gros mord, Holzw.: inhumanum at* 
que crudele facinus. — ^) wr fnalUeit. Fehlt im A. K. und bei Holiw. 
Dieser: chara coi\juge iuspectante (cf. Thom. S. 89V 



Tagebuch des Hans Lutz. 7^ 

Diettrich Weyller hat man zu dem thurn herab geworfen, unn 
sein sun durch die spies gejagt; derselbig ist vogt zu Weingarten 
gewest. 

Hanns Conradt Schenck von Wintersteten. 

Dietrich Westerstetter. 

Jörg Wolflf von Newenhauss. 

Budolff von Hurnhaym. 

Rudolff von Elterszhoffenn. 

Burckhart von Ruessingen. 

Hanns Spett von EpMngen. 

Burekart von Ehingen, hörr Budolüs sun. 

[9 Verso] — [ausgekratzte Zeile: Philipp von (Laydwangh ?)y zog 
herzog Ulrich hinauff]^). 

Sepastian von Aw. 

Jörg von Kalltental, der jung. 

Fridrich von Newenhaus. 

Eberhard Sturmfeder. 

Wolff Rauch von Helfenberg. 

Pfalzgreflin. 

Pauls Storr. 

Betz von Geppingen.^) 

Das sind alle, die man durch die spies geiagt warden. Dar- 
nach, am Ostermontag [17. April], prach herr Jörg Druckses auff, 
mit dem gantzen leger, unn zoch hin, auf Weingarten, da dann die 
bawm lagen; den selben hauffen hOss man den seehaufen, und der 
was starckbis 14000, unn die selbigen bawm heten gemacht 4 hauf- 
fen*), unn iren verlornen häufen hettens gestelt in ain Weingarten; 
der selbig Weingarten lag an ainer höchin, unn under der selbigen 
hoch, da lag unser geschutz; unn beten die bawm ir geschutz ge- 
lagert hinder das kloster, uff ain berg, und Schüssen mir zu paiden 



^) Phüi]^ von . . . Das A. E. und Holzw. : Philipp von Herrenberg. 
Nach den im Zab. MS. vorhandenen Spuren, war der Name ein anderer, 
anscheinlich Laydwangh. — Ph. v. Herrenberg kommt weder im Schreiben 
der Villinger an Freiburg (Schreiber, Bauemkr. H, 60), noch bei Thom. 
(88), ebensowenig, in den zwei Verzeichnissen, bei Baumann, Quellen . . aus 
Bottenburg S. 205 u. 594, vor. Überall wird jedoch ein Philipp von 
Bemhausen genannt. Hans Lutz muss sich verschrieben und sein Kopist 
den Irrtum zuerst durch eine Anmerkung hervorgehoben, hernach aber 
diese, samt dem Namen, gestrichen haben. — „Zog Herz. U. hinauf" 
wahrscheinlich: zu oder mit Herz. U. hinauf. — ^) Betz von Geppin- 
gen. Holzw. erzählt, wie dieser in einen Ofen entkam, bald hernach aber, 
zu Kirchheim under Teck, wegen Schmähungen gegen die Bauern, getödiet 
wurde. Auch das schmähliche Verfahren gegen die Gräfin von HeUen- 
siein wird bei Holzw., nach Thomann 90, eingeschoben. — *) 4 hauffen^ 
So auch Hohsw. — A. E.: da sind gewesen 32 fenlach, bis 1700(^ 
pawren. 



76 Adam. 

tayl zusamen, und die Imwrn orschussen uns ain raysigen knecht« 
der ^as ain hüfsohmid« unn stund zu dorn horon komcttor*) yon 
llornneok zu. Da sohusson unser biclisonniayster uuder dio bawrn« 
unn traffen ir Ordnung, unn ersohussen ainen fendrich« der trug ain 
weys fonlin. Unn weyl mir also gen ainander lagen, unn all augen- 
pliok nit >\'esten, das mir in ainander suellen zusehlagen, da rit der 
wolgeiH)rn herr Jörg Druekses zu den Imwrn unn huldt ain sprach 
mit inn« und stallt ain frid an« 2 stund. 

In den weyllen kam der edel und gestreng herr WolfF KrcnieP), 
der uff ain zeyt der von Augspurg hauptmann gewcst ist, uun ka, 
men mit im, die hern von Raffenspurg, unn handleten mit den bawrcn- 
unn mit herr Jörgen Druekses, alls from, erhern biderleyten 110 RoJ 
wol anstat, und nmohten da ain frid, also laudtent: ntios die Mtmi 
soltvH ifHranttntrte» alle fmiach, dit </<*w hanffhi »nderworffcH ica" 
rctr: dasselhig geschah, unn \^'urdenn, — et lieh fenlaeh andersiwa 
lagen, — herr Jörgen alle praeht. Ihm darnach wards also gemacht: 
^aUes sfViirftHtj: das stf tfenommeh hetten . dassvfhhj mtitnts, an aiiem 
oW/fw, wider tjeln'h. Dan PHimni die fnuerH <ni<7*. anf stftteH umm 
arhhüsep\ mww tvn sis tfemmeh //«'//cw. **( thupi: www dnrmivh «chw 
6' atii wavfdcfL .V uff ir seilten, www »V uff' der apiderp^ jvv^/rw, tum 
ita^ M"// spnrheH, dtiHtetf aolU Mf\v/x*w, www die rHehttuHt^ ^^'tckerkeH 
•w JapTPi www iw /(i//('w.- ') Also waren tue fenlaeh alle herr JerKon 
praeht unn iherantwurt, wie oh^>) stet. Da nam herr Jörg dio fen- 
laeh allesamt), unn riss in ain jetlieh ain riss, und nams darnaeh la 
seinen handen. Dnd hey dem vertrag wartMi auch, von dem algei- 
sehen hauffen bawrn, wol 40 bawrn'), als amnüsaten'i), zu dem aee- 
haufen geschickt, unn was die seihigen annümen, das soltcn sy ach 
annemen. Das waren die ammisaten*) gantz willig, und namon den 
frid auch ann, in aller mass unn gestalt, als der seehauff, und achwo- 
n'n darauf, unn ward darauf ain co|h\v gesteh , in aller masa, form, 
unn gstalt, als der vertrag lauttent was. Die selbig eopoy ward dem 
allgeischen hauffen zugeschickt. Das sis verlasen, waren sy ganti 
henuegig unnd namen den frid ann, unn ward herr herzog Jörg 
Druekses l\ man lH)halten zu ainem pfand, mit namen Hanns Amenn, 
rtz Hub, unn Contz Myller, drei fnmi, erbere bidermener. Unnd 

*) Wolf KpTPHel u. 8. w. Ilolzw.: Hugo do Montfordia, item W. 
Kremel. qui olim Auguatensium dux fuit. (Kr) zog hinder sich, weil Wilh. 
V. Fiiratcnberg „zum Christen uIht die fussknecht, der er seilet gern 
gewesen weri»»* , gesetzt worden war. Truchs. Sehr. {JAi): cum aenatori- 
bu8 ex HavensWrgo et Uberlinga. - A. K.: mitsampt des W. Kremel 
und der von Havenspurg gegenwertigkeit. ') in janrpi upid tagen. 
Holzw.: ratum in omne a'vum maneret. - ') iO fnuierph Holzw : 40 ni- 
atici alpini exercitus (des allgeyschen haufens) qui a suis miasi tuerant. 
•— ♦) apPkfHiaaten. Das Wort kommt im A. K. an einer andern Stelle 
vor: Jerg lierlinfein . . . und H. Lutz ... als appnssetepi von gemainea 
kneciiten. A. R. 231. 



Tagebuch des Hans Lutz. 77 

darmit ich auf die vorig matheri^ kom, wie herr Jörg Druckses seia 
häufen gestelt het, gen denn bawrnn: am ersten, het er uf unser ge- 
schütz geordnet unnsem verlornen häufen; darnach den gewaltigen 
häufen, auf den verlornen häufen; unn hinder ain hagg, das öster- 
reychisch geschweder, den raysigen zewg; darnach ward verordnet 
der hessisch rayssigen zewg; uff den österreychischen zewg, hindten 
am berg, war verordnet [10 Verso] der berisch unn brandenpurgisch 
raysiger zewg; darnach ward verordnet der pfaltzgreffisch rayssig 
zewg^), auff unser geschutz, das maus wol sach, unn den renfan; auch 
die mentzischen rayssigen, hulten hinder demmarck; ist mir recht'), 
so hultDiepoIt vom Stain bey dem klesterlin, das da leyt ob Wein- 
garten. 

Also het*) der wolgeborenn herr Jörg Druckses alle sach wol 
versechen, unnd die wagenpurg ward auf das fuszvolck gann, alls 
dann darzu gehört; unn da alle sach wol hingelegt was, da schlug 
man das leger in ain anger^), unn an ain berg, zu ainem kultz»), 
unn wens vonnetten *^) wer gewesen, so het kain raysiger zu dem an- 
dern mugen^) komen; darumb was herr Jörg Druckses von hertzen 
unmutig, unn ward am morgen ufjprechen, mit saim raysigen zewg, 
und machet da sein leger gen Weingarten, unn lag da still, lenger 
dan acht tag^), unn prach darnach uf, unn zoch darnach hin, auf 
Stockach zu, das da leyt im Hegee. Daseiben, umb ain halbe meyl 
wegs darvon, lagen auch bey 6000 bawren'), in ainem rüd, nit weit 
von Hochenwiell. <*) Da schlug herr Jörg Druckses sein leger darvon, 
unn sein gnad verordnet etliche raysige pferd, sy zu besichtigenn, 

a) Gehölz. — b) vonoöteo. — > c) können. — d) Hohentwiel. 

^) uff die vorig materi. Holzw. giebt die Stellung gleich anfangs an» 
— Vom mainzischen reyssige Zeug, nichts im A. E. — *) des pfalzgreff" 
lieh rayssig zeug auf unser geschutz, Holzw. : paulatim vero equites 
juxta bombardas Hier sicher ^alatini" zu lesen. — **) ist mir recht. 
Im A. E., die Stellung für D. von Stain nicht angegeben. Holzw.: circa 
vicinum istic monasterium a rusticis spoliatum agebat. — ♦) Also het 
u. s. w. Die ganze Stelle, h\a . , ,un lag da still, bei Holzw. übergangen. 
Das A. E. nur: Damach (nach dem Vertrag mit den Bauern) ist das her 
Ton Weingarten auf brochen. — ^) das leger in ain anger. Der Truch- 
sess liess, während des Handels mit den Bauern, das Lager schlagen zwi- 
schen Kavensberg und Weingarten, in einem Hof, Burach genannt, „pat 
dameben die baubtleüt, ob irem volk zue halten, damit das leger ordent- 
lich geschlagen, und nit unrat erfolge. Sagten all, sie woltens thuen, 
aber da er spat in das läger käme, befand er ain solche Unordnung im 
läger y wa sich ein handlung oder lerman zugetragen, das niemant zum 
andem komen mögen, und inen allen grosser verlust darauf stunt''. Die 
Hauptleute mussten, dass man ihnen nicht „in ir unordentlich leger" falle, 
die ganze Nacht in ihrem Harnische bleiben. Am andern Morgen wurde 
das Lager in besserer Ordnung geschlagen. (Truchs. Sehr. 969 f.) — 
*>) acht tage. Bis am Donnerstag nach Quasimodo (27. Apr.): A. Geyer, 731. 
') 6000 bawrn. So auch Holzw. — A. E. 7000. A. Geyer 3- od. 4000. 



7^ Adam. 

Unn da horr Jörg der besohaid kam » wie sich die bawron hielten, 
da Hess er sy Hgen, unn brach ufO, «m morgen.-) Unn ee mir da- 
hin kamen , da was vorhin nauf vertmlnet Tlioman l«^ichs, mit 300 
pferden')» gen Stockenn, zu ainem zusat/.; wan die solbigen bawren 
kamen, unn vermainten Stockach iberzukomcn, aber Thoman Fax, 
der Hess sich sechen mit dem brand*), das sy wider abxugen im 
llögeo; wan die bawrn beten vil gutte Schlösser eingenomen im Hö- 
gee, unn vorausz, dem wolgeiH>ivn lien^i graff IViderich, unn seinem 
hern grauff >Vilhalm seinem bruder, von Furstenberg. 

Unn als herr .lörg aufbrach, alls oben stat, da ruckt er hinauf, 
|ll Ro.J Thutlingen zu. nun wolt da sein leger schlachen under Tut- 
lingen, am Necker, nit weit von ainem klain stetlin, ist mir rechte 
es haist Milhaussen.^) Unn ee mein herr Jörg das leger schlug« unn 
voree nmn das leger schlagen wolt, da kamen etliche raysige pfcrd, 
das merertayl herr Jörgen Druckscs waren, hinder ainem hänfen 
bawren lugen«), in ainem holtz. Da satzten die raysige pfeni in sich 
unn erstachen da et lieh bawrn, unn ward auch von den Imwm er» 
schössen Hanns Huss, der was herr Jörg Druckses buchsenmoster; 
unn ward dem Dernhart Stahnaisz sein gaul*) hindten nein geschossen, 
das ers sterben must. Unn wn morgen bi*ach herr Jörg Dmcksos 
uflf, und schlug sein leger, nit weit von Kotweyl, ein gute meyl wegs,^ 
Unn da die von Hotweyl das inen warden, unn vernamenn, das herr 
Jörg mit seinem leger so m\chc!tt bey inn lag, da tJiet ain orsamer 
rat unn stat ains, und schickten ir botschaft zu sein gnaden. lUe 
prachten mit inn, ain wagen mit wein, nhn ain wagen mit prott, unn 
schankten dtus sein gnaden mit erbiet ung, von wegen gemaiucr stat^ 
unn erboten sy sich seiner gnaden mit gantzer underthenykait, ^das 
WIM <ffin<i c/*V rcrcrio»//. <iic (hum ain crtk'rvr rat von tfdHtuner stai 
urpfH^), iiit irr.vcÄwccAcw urft, unn (ntvditflirh ««wcmcw iveU; das 
Hrtt ain vrsanter ratt rcrc/ic«cw um ,v<*»» tniathn. «wm A*ajiwWirA 
maiivstat, tnui vhictn hNichnt pinid iiantz inuhrthenujtVivh (ffhor^ 

«) lirg«ii. — h) ihm «InrbrAchtMi. 

*) tniH hrnrh ttf. Holzw.: podem retlcxit versus Dutlingam; quo au- 
tcm consilio. lu^s rusticQs intentatos rcliquorit, mihi uon satis constat. — 
Kr hatte eine l*i>st nach der andern erhalten, Über die Erhebung der 
litmern in >Vürttemberg und im Schwarzwidd. Zudem wurde er, vom 
Hunde, aus dem Hegau abberufen. (Truchs. Sehr. r»71.) -— •) am mor^ 
tfVM fehlt bei Holzw. — A. K.: Am andern morgen darnach. — 'i mit 
X^Hi pfmkH, So auch Holzw. — A. K.: mitsampt seinem beystand 
n\v8iger pfenl. - *) mit dem hraml, Holzw : ununi aut alterum itagum 
accendit — *) Milhaasept, Kehlt bei Holzw. • A. K.: neben ainem klai- 
neu stetlin — *) dem Jiendtap'd JStaimeisjs nein //<ii(/. Kehlt im A. S. 
Holzw.: Kx confm^leratis iusignis caballus i/)Nfi^v imperatons ciM^idil, at- 
que item etjaes. Wäre der hier, im Zah. MS. u. AK vorkommende H. 
UuBS) etwa der Hüchsenmeister Hans liussV - A. K.: Duss lu^graben »tu 
Tudlingen in der stat**. -- *) eine ffide mei/l iretjs, Holzw.: miliaH a 
lUUweil — A K : Oberhalb l^otweil am Schwarzwald. 



Tagebuch des Hans Lutz. 79 

sanUich, behulflich unn retlich sein, mit leyh tmn gtä, hey nacht unn 
hey tag". Das nam harr Jörg Drackses gnedigtlich von in ann, nnn 
sagt sein gnad, „sdtichs erhiettmigy weit er inn besten nit von in ver- 
haMen, unn söllichs von inn anzaygen"; nnn lads darauf mit im, zu 
morgen zu essen. Das theten sye mit gantzer underthenykait. 

Nach dem [11 Verso] morgenessen, brach herr Jörg auff und 
zoch, denn nechsten zu, auff Rottenburg; unn da kamen botschaft 
vonn Ballingen, unn gaben sich ; unn die bawm die Balingenn betten 
wollen einnemen, da sy horten, das der bund mit herskrafft daher 
zochen, da zugen sy ab von Ballingen ^) unn zugen hin auf Harb 
unn namen^) ain frawenkloster ain, unn verbranten dasselbig. Da 
schickten die von Harb botschaft zu herr Jörgenn Druckses, umm 
hilff, unn ich wosz nit änderst, dan er habs gethonn unn in ain Zu- 
satz geschickt. Unn darnach zoch er wider hin, auf Rottenburg, am 
Necker gelegen, unnd schlug das leger underhalb der stat, ain halbe 
meyll darvon, unn lag da, in dem selben leger, bis an fuerten tag. •) 
Unn an ainem abent, zug herr Jörg hin, auf Herenberg, die feind zu 
besichtigen, unn da das beschach, das ers besichtigt het, zog er wi- 
der in das leger, unn aller ding zu nacht, da Hess er umm blassen, 
unn berueffen durch sein heroldt, „wan man das erst plieSy so solt 
man fuetern tmn satlen, unn wan man das ander plies, solt man 
auff sein"; nnn under den weyllen kam potschaft, „wie die hawrn*) 
sich understann die stat zu stürmen", unn hatten herr Jörgen umm 
hulf. Da lies er ain kriegsrat semlen; so waren das die kriegsrett, 
mit namen: der wolgepom herr graf Friderich von Fürstenberg unn 
der wolgepom herr graff Ulrich von Helfenstain , darnach der ge- 
streng herr Frewein von Hüten, darnach herr Wolff vonn Hanburg, 
darnach herr von Rechberg, darnach Joss von Lonburg, darnach 
meiner gnedigisten heren der pfaltzgraffen haubtleyten, darnach der 
hauptman von Mentz*), darnach Ulrich raarschalck von Papenheim, 
meins gnedigen hem hertzog Wilhalm hauptman, von Baymn, dar- 
nach herr Wolff von Stain, meins [12 R».] gnedigen heren margraffen 
von Brandenburg hauptmann, darnach meiner gnedigen heren von 
Augspurg hauptman, mit namen der Waldecker, unn darnach Die- 



a) Mainz. 

^) zugen sie ah von Ballingen. — 1600 an der Zahl, am Dienstag 
nach Misericordiae Domini [2. Mai], A. Geyer, 732. — ^ auf Harb 
u/nd namen u. s. w. Davon nichts im A. E. — ^) bis am fuerten tag. 
Holzw.: tertia die postquam istuc tentoria fixerat, ad speculandum hosti- 
um castra, in montem quendam secedit, idem quarto quoque die fecit, 
deinde et joxta Herrenbergam castra explorat; reversus igitur, per prse- 
conem, ad secundum signum omnes jubet esse instructos. — A, E.: da 
still gelegen 3 tag. — ♦) potschaft wie die bawrn u. s. w. A. E. : 
18 000 Bauern (weinspergischer und württembergischer Haufe) ; die Kund- 
schaft überbracht durch einen Metzger von Herrenberg; zwei Häuser in 
Brand gesteckt; Übergabe nach sechsstündigem Sturme; vom Kriegsrat 
keine Meldung. 



80 Adam. 

poldt vom Stain, unn des Bisohoffs von Aychstot hauptman; unnd 
l)io))oUl von Stain was von der riterschaft. 

Unn da der ratt bosohlossen ward, was man auff, in der nfioht 
smb die zwoy, und die fusskneoht auch, unn zugen hinauff gen He- 
ronberg') zu, die stat /n entschuty.cn '^); da wass mir zu lang auai» 
gewesen: die wey) hotoni») die Imwrn die stat anfaohon xu stumieo« 
unn an etlichen orten fewr darein goworffen, unn an iwain orten 
angezindt, unn gestinnet i\ gantz stund, unn die stat erobert, also 
in der gstallt«"), «f/^A* <Uv A*wrc7i/ die darin liffcn, das itis söflm /fw- 
stHH ritrÄcw phit hanit\^cfi mww «V>rr*"); das band in die bawm xtt- 
gesagt, unn sy band das, an in, nit gehalten, unn geuomeu was in 
gefallen bat, unn in trett'O« mit worten, also: n U'/in ainrr nndtr iitfi 
Kwr. der www) .srAm/irA7 von aipn^fh N/x)rMf)'), er miktt haitgtH^^f 
unn ander rtnl n)er, das ich, von kurtz wegen, underlassen will. Unn 
die Unecht die in der besetzung^) zu Ilerenberg gelegen send, die 
haben zugehört dem dun^ileychtigen bochgeborn ftlrsten honsog \Yil- 
halm von liayrnn, unn derselbig bauptmann hat gebayasen Hanns 
Steciilin; die selbigen Unecht send also gefangen gelogen in der 
ktlrchen, bis herr OmcUses daberr/ogen ist. Da beten die bawm« 
hinder dem schlos, uff dem berg, drei gros häuften^) gemacht, iinn 
waren etlicb hundert bawm neben der stat, unn alsbald sy herr JOr* 
gen Sachen daliörrziecben , da wanten sy sich, mitsampt den wegen« 
wasz ausz den resscn«) treyben Uunden, unn den bawrn zu, die dann 
ntr dem berg lagen ; unn also schlug herr Jörg Druckses sein leger 
gen der stat yber, uff die lingUeu handt, auf ein hech. Und alls er 
sein leger geschlacben hett, da schucUten die bawm Iren feldt- 
schreyber*) zu [1:2 Verso] herr Jörgen, mit ainem brQff, also lantent« 

a) »nIachattMt. — h) hMtitn. — c) unt«r BmlluKunf , -- d) |t«droht. ~ «) n«r. * 
f) d. 1t, Jmlcr Kditlmiinn — §) Roa«»n. 

*) //iMfiM/^ f/CM lierreMhertf, Am Montag nach Jubtlate (B. Mai>« 
in der Frühe (A. Geyer» 733). - ») mit harnim^h und trörr. Fohlt im 
A. Km wo bloss gemeldet wird, die Haucni hfttten die Gefangenen in 
der Kirche erwürgen wollen und würden es auch gethan haben, uwenn 
allein Hans Metzger von Iteniko ( HöuuigheinO, der |)awnMi profoai, nit 
gewessen wer**. - *) sehmaekt eon ainem sporn, llolxw.: si quis modo 
calcar eqnitis n^ferret. — Vom Aufbruch nach Hottenburg, bis hieber» 
folgt llolxw. dem /ab. MS. beinahe wörtlich; doch iH'Üudet sich unier 
den KriegsrAteu, statt des bckanuteu NVolf von Houduirg (Uonburg, Hom» 
bürg), ein W. von Herrt»nberg, der sonst nirgendwo vorUonuiit. Der lir- 
tum erUlUrt sich leicht wegtMi der hier genannten Stadt Uerrenberg. — •) dUt 
A*#i(r/i/ in der In^saUamh Am (> Mai hatten die Hündischen noch ein Fahn* 
lein hineingebracht. Sonntags, den 7 , ging ein Kilbote zum Tmchsemen. 
Montag, den 8., rückte der Hund vor die Stadt {\. Geyer 733). ) //ny 
ffros hau/hl, llolzw.: tres numenvsas classes. A. K : hinder dem scJiloa 
3 häufen. 2 gewaltig ha\ifcn binden und vornen, und den verloren häuften 
in die mit. — ^) iren feldseh reilar. Uei llolzw. der Hrief nach clani- 
scher Art: ^S. p. Quandoquidem nostri causa, ut nobiscimt contligeretee 
venistis, constituimns crastino IMioebo, primum immiuente die, vobitcun 



Tagebuch des Hans Lutz. 81 

von kurz wegen: das er soU tfnssen, das sy im weiten ain stand 
thuny morgen wan es hoch tag wurd.** Unn also ward herr Jörg 
Drndcses zu rat^), unn sagt zu dem schreyber also: „Wawn du mir 
kanst zu wegen pringen, das sy mir ain schlacht fudernt) oder lief- 
fern, so will ich dir ain gantz klaid schenken.*' Und da das erhört 
der wolgebomn herr graff Ulrich von Helffenstain, der kies ein sey- 
dins wames auch darzu, unn ward am morgen firü abgefertiget, unn 
im ain thrumetter') zugeben, der inn belayten»>) solt. Unn da sy 
nyber kamen, da waren die bawm hin'), unn fanden nichtz da, dan 
etlich wegen wein unn brot, unn die heffen noch bey dem fewr stann, 
mit flaisch. Nun hult, uff die selbig nacht, schart <^) herr Jörg von 
Rechberg, unn der von Wolfistonn; unn im abziechen der bawm, 
erstachen sy etlich. 

Unn am morgen [9. Mai]^) brach herr Jörg Druckses auff, unn 
zug, den nechsten zu, uffBeblingen; daselben samleten sich mer 
bawren^) zttsamen, zu dem hauffen der vor Herenberg was gelegen, 
unn mir kamen zu in, an ainem freytag [12. Mai]Oi nm 10 stund; unn 
die selben bawren beten in<i), BebÜngen unn Sindelfingen; da da sy 
horten das der bond kam, unn in uff dem fuss nach zöch, da zugen 
die bawm ausz der stat Beblingen, und betten etliche falkennetlach 
pracht, hinder das schlos, auf ain berg'O; unn zwischen bayder stet 
hettens gemacht ain grossen hauffen, unn bey dem geschutz hetens 



a) fordern. — b) begleiten. — c) Scharw«che (excubiae). — d) hatten ein, hielten besetEt. 

manus conserere atque, quos fortuna velit regnare, ferro et sanguine 
experiri. Yalete. Das A. E. hier ausführlicher. Der Feldschreiber kam 
„on sunder glaid, als griegsrecht und brauch ist^ ; was ihm der Truchsess 
auch verwies, „und aber darbey enpfolchen, im gnug essen und trinken 
zu geben und wol halten^. 

Jsu rat, A. £. Als her Jerg Tr. zu tisch ist gesessen mit andern 
grafen und herm. — ^) ein thrumetter, A. £., hinweggeschickt worden 
mitsampt dem Michel, des bunds trumeter. — ') die hawrn hin, A. £.: 
Kainer yberall me da gewessen, und in der nacht umb zway abzogen. — 
*) Unn am morgen. A. £. : „am morgen aufbrechen . . . und die stat 
Ilerenberg wiederumb von newem aingenomen und den Steklin mitsampt 
seinen knechten alle ledig gemacht.^ Fehlt bei Holzw. und im Zab. MS. 
Der Aufbruch geschah am Dienstag (9. Mai). Die BOndischen lagerten 
sich ungefähr eine halbe Meile von Ballingen und Sindelfingen, und blieben 
dort bis am Freitag (12. Mai). A. Geyer 734. Cf. Sigm. v. Boyneburg 
an Landgr. Philipp. Diese Zeitschr. N. F. 11, 243. — ») mer hawren. 
A. £.: bis in 28000 stark. Sigm. v. Boyneburg (ibid.): 20 tausend. — 
^) Die Bauern zu Herrenberg waren beim Heranrücken des hündischen 
Heeres „hinder sych auf einen hohen berg, an das schloss gewichen*^, und 
um mittemacht stillschweigend abgezogen: „Also sein wir inen bys uff 
den freytagk, von mitwochen nachgezogen, und auf gemelten freitagk ha- 
ben wir sye an vier grossen hauffen zwischen Boeblingen und Syndel- 
fingen antroffen. ^ Sigm. v. Boyneburg (ibid.). — ^) hinder das schloss 
auf ein herg. Die Stellung bei Holzw. nicht angegeben. 

Zeitechr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VIII. 1. 6 



82 Adam. 

auch ain«), uff dem borg; unn bey dor stat Sindelfingen hettens aach 
niii grossen häufen, und am borg, zwischen der zween hauflien, het- 
tens auch ain, unn darauf gieng ir Wagenburg. Unnd also het herr 
Jörg Druckses verordnet: das gcschutz vorannO, unn der rcnian dar- 
auf, unn unser verlorner hauff uff das geschotz, unn daniach daa 
geschwader mit dem schutzenfenlin, unn darnach das österreychisoh 
geschwader, darnach der gewaltig häuf von fuszknechten, unn uff die 
füszknecht [13 R<>.] das pfalzgrefßsch geschwader, und neben in, die 
menzischen, darnach des forsten von Bayern geschwader, unn dar- 
nach die hessischen reytor, unn zugen also von bayden sejrten zu- 
samcn, als wollten von stund an mit in schlacliten. 

In der weyll rit her Jörg Druckses zu der stat, unn ward im 
<Ue stat geöffnet, unn brachtenn im nein vil der buchssensohutzen'), 
mit guten hakenn. Die selbigen let man uff das schlos, unn fiengen 
an, guter ding zu schiessen, darmit das ainer het ain lust gesechen; 
unn also wanten mir uns mit dem geschutz uff ain berg, uff die 
rechte band, in ain purokacli, unn fiengen unser buchssenmaister an, 
zu schiessen mit den schlangenn. I)a ruckt herr Jörg Druckses uff 
die feind, unn die bawm namen den galgenberg*) ein, mit irem 
grossen hauffen, unn mit ircr Wagenburg ; unn da her Jörg Drucksess 
das da sach, da Üeng er mit in zu scharmutzlen, unnd gewan in pald 
das geschutz ab, da^) lag oben auf dem berg. Da das Joss von lion- 
bürg sach, stuzt er uff mein heren ; und herr Jörgen maynung was, 
noch nit mit in zu schlagen ; darnoch, der pfalzgreffisch rayssig zewg 
auch uff sy. Da das gesclmch, das die bawrn warden den waltt be- 
geren, da schuckt herr Jörg bald hinder sich, das man sölt flux uff 
in (sölt) heniachtrucken, mit allem geschwader. Das geschach, unn 
ward das schlachen angann, unn starzten die rayssigen all mit fire- 
den darein, unn warden zwen hessisch edelmener da erschossen. Da 
warden unser reyter wider hinder sich dringen, und darnach gieng 
das scheff«') ann, das uns got der allmechtig den sig gab, got sey 
lob unn er gesagt, unn seinen gnaden. <t) Unn ward da erschlagenn 
bis in 6ÜÜ0 bawren^), unn gewanen die hern 6 fenlach*^) unn 18 stuck 
bichsen^) auff redem, unn die ganzen Wagenburg, unn wein unn brot, 
das da die"") bawrn zugehört boten; unn da dasselbig geschach, da 

«) «tnon lI«nff)Nt. — b) dM du — o) G«fchftft. — d) d«in TnichM«MD« — «) d«Q, 

<) d<ts ffesrhütg t'orapt, A. £.: aine bricke gelegt und die bixen- 
meister das geschitz gelegert, und geschossen in die pawren Ordnung, den 
ersten xu kurz, die andern 2 schiss wol troffen, mit allem feldgesclüti. 
<— *) rt/ der bachsenschutgen : 800 und zwei geladene Wagen mit Hacken 
buchscn (A. C^yer, 784). — *) der Galgenberg. Holzw.: roontem supplicii 
— Seiner pomphaften Erzählung (horrendo sono bombardae torquentur . . 
ibi globos et tota corpora ad sydera fern vidisses) liegt das Zab. MS. zu 
gründe. — *) 6000 ftriirrw. So auch Holzw., und A. Geyer, 786. — A. E 
660() und etlich. Sigm. v. Boyneburg (ibid.): „etwa bey den drythalb 
thanssend erschlagen". — • ») 6* fenlach, Holzw. : 6. — «) iÄ stuck hixm 
A. E. ebenso, A. Geyer (mit den im Wald genommenen): 212, Holiw.: 8 
bombardas rotis infizas. 



Tagebuch des Hans Lutz. 83 

liesz man die knecht iber [13 Yerso] die walstat ziechen, unn haldt 
da off der wallstat der ra}rssig zewg und unser zwen hänfen knecht. 
Unn die Hessen jagten den bawren nach, bis gen Stugart, an die stat, 
und thet herr Jörg Druckses ains, zoch wider in wald, unn befand 
noch bis in 700 bawm.^) Da begert herr Jörg Druckses denn ver- 
lomenn häufen, der lieff mit sein gnaden hinnein, unn schussen die 
bawm; die man gefangen het, die wurden all erstochen'), ob eim 
häufen. 

Unn der häufen bawm, die da stunden an der stat bey Sindel- 
fingen, die zugen ab, unn wolten des segen nit erwarten, unn ward 
ain sölliche landfiucht^), das nie kain man ersechen hat; ainer het 
kain schüch ann, der ander kain hat auf, der dritt kain messer, de- 
gen, spiess, noch hellenparten. Unnd dieselbig nacht schlug herr 
Jörg Druckses sein leger genn Sindelfingen, unnd fieng da ain, der 
den zincken plassen het, da man den frumen graffen, mit sampt dem 
^men adell mit im, durch die spies geiagt het; der hüs mit namen 
Melcher Nunenmacher, dem selbigen vil gutz geschechen ist von dem 
adel. Den selbigen schmit man an ain apfelpom, mit zway eysznyn 
ketten, und trugen die wolgepom herm ain jetlicher ain scheyt zu 
ilem fewr, mit namen: herr Jörg Druckses, und auch graff Fridrich von 
Furstenberg, unn graff Ulrich von Helfenstain, graff Johann von Zol- 
tem*), unn herr Frewein von Hüten, Dietrich Spett, und anderr heren. 

Damach am morgen, brach herr Jörg Druckses auff, unn zoch in 
ain ander leger, ain meyll*) wegs von Esszlingen, unn ainmeyllvon 
Stugart. Da kamen die stett all uss dem wirtischenberger land, unn 



*) 700 hauwrn. So auch Holzw., A. E.: 300, A. Geyer: 400. — 
') aU erstochen, Holzw.: ibimilites, non aliter quam ciconias ex ni- 
dis, ruBticos arbores conscensos globis trigidunt. — A. £.: und die paw- 
ren ab den bawmen herabgeschossen, das sy herab sind ge&llen wie ain 
■sterg ab dem nest. — ') landflucht. Holzw.: in hac fere tota wirten- 
bergensi ditione, miserabilis iügientium fetcies, quidam enim omissis calceis, 
alii nudo capite, plerumque omnes abjectis armis, hinc inde diffiigiebant. 
— Fehlt im A. E. — *) Graf von Zoltem, Fehlt im A. E. — Holzw. 
bloss: ipse (G. Truchsess) et reliqui duces. — ^) ain meyll u. s. w. 
Holzw., bloss: miliare ^Stutgardia; A.Geyer (737). Am samstag jubi- 
late (13. Mai), . . . auf eine halbe meil von Esslingen. — Im A. E. zieht 
hier der Truchsess gleich nach Wimpüen. Eine Meile da von „gen 
Bruchsei wartz^, kommt der Pfalzgraf mit andern Fürsten in das Lager; 
Wimpfen wird eingenommen: am Abend lässt der Truchsess 13, und den 
axtdem Morgen der P&bsgraf drei Köpfe abschlagen. Sogleich folgt die 
Bemerkung: und zu Bruchsal hat er neun lassen enthaupten. 
(Bl. 224.) Die Einnahme von Bruchsal durch den Pfalzgrafen ist aber 
übergangen. Nach Seite 226 des Manuskripts folgt auf eine dritthalbseitige 
Lücke (s. Baumann 634) ein hier herausgenommenes Brudistück über 
die Einnahme von Odenheim (besehrieben wie im Zab. MS. 14 Yerso). 
„Am 2 tag (heisst es dann weiter), sind mir wiederumb aufbrechen und 
geruckt auf aine gute Vi niayl von Bruchsal, wie vorstat (steht jedoch 



84 Adam. 

bnldigetten allsam in aines loblichen bOnds gnad und ungnad. Unn. 
in dem selben leger lagen mir 4 tag ; darnach prach man uff, nnn 
soeben hin gen Stugart, unn nam man das selbig auch ein, unn het 
herr Jörg Druckses die ganntse landtschait dahin gefordert, unn^ 
müsten im unn dem bund wider schweren, und zoch, uff den selbigen 
tag, durch Stugart das gants hörr»), am graben num, und lies herr 
Jörg Druckses [14 R«.], ain grosse meyl weg von Stugart, das leger 
schlagen, genn dem Assperg') zuwartz. Am morgen prach man uff, 
un zoch hin, uff Hailbronn zu. Unn da mir kamen dem Assperg zu, 
da Schüssen sy*), dasalls erpidmet, unn für der hauptmann der vom 
Assperg, unn schicket herr Jörgen Druckses nach, mit sein trawan- 
ten, die zwen gefangen, die er geüeuigen het zwischen Grenyngen unn 
Sayingen*); das waren die, die den graffen durch die spies handt ge* 
iagt, und was der ain, ain hauptman undcr den bawm von Weins- 
perg gewesen, mit namen Jacob von Deckingen*), ain wurt; der an- 
der was ain peytmaister^) gewesen zu Hailbrun, in der teyschen^) 
heren hoff. Unn auf den selben tag schlug horr Jörg Druckses sein 
leger nit weit von Besyka^)^), unn lag da stil ain tag, unn darnach 
brach er auff unn zoch hin gen Hailbrunn, auf ain halbe meyl weg. 
Unnd daselben, inn dem leger, brüt man den Jacob von Deckingen 
lebendig an ainem^) felber; unn aim bejrtmayster') schlug man das 
haupt ab. 

Damach, brach her Jörg uff unn zoch, den nechsten hin, uff Brüs- 
sel <i) zu, unn zwischen Haylbrun und Brüssel, schlug er sein leger ia 

«) Ht«r. — b) d«atooh«n« — c) BMicfadoi. — d) BruohMÜ. 

nicht vor!), da dann der pfaUgraf 9 entauptet hat* Die Meldung 
Ton diesen neun Enthauptungen ist also doppelt Auch die Bestrafung 
des Wirts Jakob von Deckingen ist im A. £. nicht an ihrem Platz, in- 
dem sie dort erst nach der Einnahme von Neckarsulm (unten 16 Yerso) 
eingefügt wird. 

1) 4 tagt darnach, Holzw. Sexto demum die Stutgardia iterum 
in deditionem recipitur. Die ganze Stelle bis zur Hinrichtung des Jakob 
von Deckingen, im A. £. abergangen. — ') Assperg (Asberg). Holzw.: 
Dasperga. — *) da schussm sie* Holzw. erl&utemd: praefectus ibi gra- 
tulabundus bombardas torquere indpit, — ^) Mwischen Grengngen und 
Sagingen, Fehlt bei Holzw. — *) Jakob wn Deckingen, Nach 
dem A. E. hatte er dem Ludwig von Helfenstein den ersten Stich ge- 
geben, auch ,)im genomen sein damastene schauppen und im selbs an- 
gelegt, und gesagt zu der grafin, seinem weyb, also: Frau, wie gefall ich 
euch yeu in der damastene schauppen?* — *) einem begtmaister, A. £.: 
der zu Weinsperg beygmeister (beygt- oder beytm.) ist gewesen. — Holzw., 
nach dem Zab. MS.: alter de Haüprun, Er bemerkt noch, dass die 
württembergisohen Bauern den Herzog Ulrich zurückrufen wollten, doch 
unter Bedingungen, die ihm nicht annehmbar schienen. — ^) Besgka. 
Das Lager zu Besigheim, nur hier angegeben. -- ^) im MS. irrtümlich: 
an einen . . . Holzw. : ulmo afÜxum successive assari jussit — ') S. 
Anm. 6. 



Tagebuch des Hans Lutz. 85 

ain gros dorff, das het ain kloster^), wie ain schens schlos, und kort») 
•denn pfalzgraffen zn; dasselbig Üoster heten die bawrn aaszgessen 
nnn geplindert; da lag herr Jörg Druckses iber nacht, unn prach 
«m morgen anff, um die 10, und zoch dahin gen Odenna'), leyt ain 
meyl weg von Brüssel. Und da mir uff Odenna zugen, do schuckt 
herr Jörg Druckses sein trometter zu den bawrn, unn liesz sy uff- 
fordem. Der selbigen bawrn warent bis in 200; da gaben sy dem 
trometter die antwurt: „er sölt sich haM von dannen machen t unn 
weiten sich nit ergehen, unn im das dorff wol vorhalten" Unn der 
herr Jörg kam mit dem rayssigen zewg; unn da die bawrn sachen, 
das der raysig zewg so gros was, da schickten sy zween bawrn zu herr 
Jörgen, und weiten sy sich ergeben haben; das wolt herr Jörg Druck- 
ses njrmer uff nemen, unn sagt also : „sy sotten sich pald hinwegk- 
machen, ttnd selten sy sich nun dapferlich weren ; es wurd inn allen 
fast [14 Verso] not thun. Unn nach solchen worten, zugen die bawrn 
wider gen Odenna, unn sagten das den bawrn; unn alspald die 
bawrn das vemamen, da gaben sy die flucht, iber die weingerten 
nausz, an das holz; da ward uss in erstochen von den rayssigen, bis 
in 24 bawrn'), unn nam herr Jörg das dorff ein, das was wol vertares*») 
mit pömen unn mit grossen plecken; unn schlug herr Jörg Druckses 
das leger in das dorff, unn an dem selbigenn abent, kam der pfalz- 
graff^) auch in das feld, ongefarlich ain grosse meyl wegs von Odenna; 
da zoch herr Jörg zu sein fürstlich gnaden, unn kam an dem selben 
abent wider in das leger; unn um zway in der nacht, da kamen et- 
lich bawrn ^) uss dem selbigen dorff unn zanten das dorff ann, ann 
4 enden *), dasz abpran bis in 30 heysser'); unn da das dorff angieng, 
^a ward ain lerman<:), unn zoch das gantz hörr^) uss dem leger, 
dem geschutz zu, unn hulten also in der Ordnung, zu ross unn zu fus, 
mitsampt der wagenpurg, uff ainem berg. Unn da der tag anprach, 
da hulten die knecht^) ain gemain, von der schlacht wegen, die ge- 
schechen was zuBeblingen, umm den schlacht sold; der ward in zu- 
gesagt"), unn zugen darnach wider in das selbig leger. 

Unn under den weyllen, nam der pfialzgraff Brüssel ein, und liess 
iren 9 kepf abhawen, darunder was ain pruester. 

Damach, am andern tag, prach herr Jörg Druckses uff, unn zoch 

a) gehört. — b) verdarot (verrammelt). — c) L&rm. 

') ain kloster. Im A. E. von einem solchen keine Meldung. — 
') Odenna (Odenheim). Holzw.: Odemio. A. E.: ain grosz dorf. — ^ bis 
in 24. A. E. und Holzw.: 26. — *) kam der pfalzgraf. Die Ankunft 
des PÜEdzgrafen im A. £. nicht angegeben. Holzw.: Palatinus comes 
Ludovicus . . . milliari ab Odemia. — *) etlich bawrn, A. E. 5 pawren 
ansz demselben dorf. —■ ^ an4 enden, Holzw.: 5 regionibus. A. E.: an 
3 orten. — ') 6is iw 30 heysser, A. E. bis in 45. Hobsw., keine Zahl. — 
") das ganz hörr uss dem leger, A. E. wir brachen auf. — ') hulten 
die knecht. Die Forderung auch bei Holzw,; nicht im A. E. — ^") und 
ward in zugesagt, Holzw.: quia igitur adhuc magna restabaot pericula, 
milites voti compotes fiunt. 



86 Adam. 

hin auf Wimpfifen za, leyt am necker; onn ain halbe meyl darvon, 
da macht herr Jörg Drnckses ain geschwader mit dem renfEum, dar- 
nach ain geschwader mit denn schützen, darnach ain geschwader von 
Oesterroich, darnach ain geschwader von den p&lzgreffischen, dar- 
nach ain geschwader mit den bayrischen anu margreffischen, dar- 
nach ain geschwader mit den hessischen; unn verschaff herr Jörg 
mit dem wolgeporn hern graff Wilhalm von Fürstenberg, das er sölt 
machen die Ordnung mit den [15 R».] fusskneohten ; das geschach, 
unn macht er zwen haoffcnn. Unnder den weyllen, da zog zu nnns 
der durchleychtigist hochgepornn forst pfaltzgraff Ludwig, der kur- 
furst, unn der durchleychtigest hochwurdig fürst herzbischoff von 
Thrürr<^), unn der durchleychtig hochgeporn fürst herrzoge Heinrich, 
herrzog in Baym, unn der durchleychtig hoch «würdigest fürst bischolT 
von Wurtzburg; unn hettenn der p&ltzgraff*) 1200 pferdt unn 2000 
fussknecht ; unn da mir zusamen kamen, da Hess der pfiUtzgraff sein 
geschutz vorhergann, das waren bis inn 14 stuck buchssen; unn da 
ritt herr Jörg Drnckses unn empfing sein fürstlich gnad, mitsampt 
andern fursten unn hcren ; darnach schuckt herr Jörg Drnckses sein 
hörold unn ain thrummctter, gen Wimpffen, unn Hess werben ann 
ain rat, „das man die redlachfutrer^), die he^ den bafvrn waren ge- 
icessept, aU fachen unn inn^i pringen gefangen ^ in das leger**. Da 
das vemam ain ersamer rat, der was nit fast willig'); doch Hess er 
etlich einlegen, unn ward da ain auszschus gemacht, von ainem er- 
samcn rat unn etlich von der gemain; in botschaft weys, warden sy 
geschickt zu herr Jörgen, als zu ainem öberösten veldhauptman, die 
gefangen zu versprechen'); unn weyll<>) der hörold in der stat zu 
Wimpfen was, da zoch herr Jörg Drnckses, unn wolt das leger 
schlachen für Neckersulm. Und der pfaltzgraf solt ligen in der stat, 
zu Neckersulm, und da die raysigen kamen für die stat, da waren 2 
fenlach bawm in der stat*), das herr Jörg Druckses unn die fürst^n 
mihn dammb vcsten ; unn da sy ain weyl darvor hieltenn, da fiengen 
die bawm an zu schuessen, unn erschussen ain raysigen knecht, unn 
etlich fusknecht. Da liess herr Jörg die knecht all iber den Necker 
ziechen, unn den rayssigen zewg, unn liesz die Stadt umm unn umm 
belegen, und das geschutz iber den Necker füren, unn liess das ge- 

tt) Trier, — b) Bidelaführtr. — o) Ihnen, den BAndleehen, — d) während, 

1) unn ketten der pfaUgraff u. s. w. Die Stärke des pfeüzgrä- 
fischen Heeres, auch bei Holzw. angegeben, nicht im A. K. — *) der was 
nit fast wUlig, Holiw.: Haec cum senatui essent nuntiata, quanquam 
non admodum benevolui erat, tarnen metu coactus, quosdam in vincula 
duci jttssit. — *) eu verbrechen. Holiw.: qui captos coram imperatore 
excusarent. — *) ^ fehlach bawm in der stat, A. E.: die sind feind 
gewesen, und hand sich die pawren der massen nit laussen sechen, als ob 
sy feind seyen, und laussen siechen das volck bisz zu den thoren hinzu. 
Auf solichs, da es die pawren hat gut gedancht, haben sy in das bündisch 
her geschossen und da ain rayssigen und ethoh fussknecht erschossen. 
Holzw., nach dem Zab. MS. 



Tagebuch des Hans Lutz. 87 

schütz lagern oberhalb der stat, und hiess da anfachen za schnssen. 
Das weret denselbigen obent; unn am morgen*), gab [15 Verso] sich 
die statt off, nnn nams herr Jörg Drackses auf inn gnad unn ongnad; 
nnn nam gefangen ansz den bawm bisz in 40 pershonen, darunder 
was der haaptman, der was nsz der stat Neckersalm, nnn ain fende- 
rich'); nnn nsz den gefangen, liesz herr Jörg Dmckses 13 kepf ab- 
sehlaehen, ab») abent; unn am andern tag, liess der pfaltzgraff «S 
ke]^ abschlagen, nnn die andern gefangen liess er nach hinfueren.') 

Damach, am sonntag, acht tag vor pfingsten [28. Mai]*), was 
her Jörg Dmckses uff, mit dem gantzen hänfen , nnn mit etlichem 
geschntz, nnd die wagenpurg plib ligen, und zoch hin for Weins- 
perg, nnn ferordnet den Trautzkurcher zn ainem prandmayster, das 
er sollt Weinsperg verprennen; dasgeschach, nnn als mir kamen zu 
Weinsperg, da het der Trautzkurcher schon die stat angestossen an 
3 ecken, unn mit prann, mit gantzer macht. ^^) 

Da verschuff her Jörg Drackses seinen heroldt unn den Cristof 
tnimetter, von Inszpragk*^), da*») sy solten reyten genn Leenston'^), 
unn die stat ufffordem, unn die graffen abfachen, mit namen graff 
Priderich unn seiner gnaden bmder graff Ludwig, bayd von Leen- 
ston; und die stat ergab sich in aines bunds gnad unn ungnad, unn 
die zwen graffen riten, mit dem hörold, inn das leger, und die burger- 
mayster, unn etlich von ainem ratt, unn etlich von der gemayn ; was 
aber herr Jörg Dmckses mit in gehandelt hat, ist mir nit wissen. 
Da das alls beschah, da beschuff herr Jörg Dmckses, man sollt das 
weinsperger tall verprennen; das geschach das merertayl; darnach 
zoch herr Jörg Dmckses hin, gen Eringen ''), unn nam dasselbig auch 
dn, unn straffet sy um 1600 guldin; unn sy musten denn wolgeporan 
herren, den zwen graffen von Hochenlee<*) wider schweren in pand 
in«) in ayd, der bawm braderschaft nymer mer zu gedenken unn 
anhenigf) zu sein; unn damach ermant sy herr Jörg Dmckses, wie 

a) am. — b) das« sie. — c) Löwenstein. — d) Hohtfüoha. -> e) aon. — f) anhingig. 

am morgen. A. Geyer (739): um mittemacht. — ^ darunder waa 
der Hauptmann . . . unn ain fendrich. Fehlt bei Holzw. — ^) nach hin 
fueren, Holzw.: coeteros exercitum sequi vinctos demandavit. — A. Geyer 
(740): binw^ggefOhrt 60. — *) am sonntag j 8 tag vor pfingsten. Bei Holzw. 
irrtümlich: dominica ante ascensionem, A. £. richtig: dominica exaudi 
[28. Mai]; also: post ascensionem. — ^) mit ganzer macht Holzw. hier 
auslQhrlich nach Thoman (109). A. £.: und hat nun allein das Sakrament 
heraoBz laussen tragen, und sind da etliche weyber verpmnen, die auf 
Warnung nit haben wellen gan von irem gut, unn hat da nix wellen lan 
plindem, unn wan sy voller nobel (münze) wer gewessen, so ist sie den- 
ket (dennoch), die stat und gut darinn, alles zu dem feur verurtailt wor- 
4eD. — Vom Sakrament sagt weder Thoman noch A.' Qeyer etwas. — 
*) Christoph . . . von Insprugk Fehlt im A. £. Bei Holsw., von der Bot- 
schaft keine Meldung. — *) Eringen. Öhringen. — A. Geyer redet hier 
von einem StAdlein namens Umbringen, das nur Öhringen sein kann 
Die Bauern standen dort 6000 an der Zahl (Mont. nach Exaudi, 29. Mai). 



88 Adam. 

ers ufTgenomen bei in gnad unn ungnad, unn liesz da drey man be- 
ruffen ; das was der ain, der stat tburmer [16 R«.], unnd sunst zwen 
mitborger, die fürt man gefangen nachbin; unn icb wayss nit ent- 
lieb, wies dem Eysenbut ^U (^em wurt, mit seinem hausz ergangen ist ; 
ist mir recbt man bats müssen abprecben, unn verprcnnen auserbaib 
der statt. Unn da das als gescbacb, da pfienng») Peter Aycbellin*) 
ain^) usz der stat von Eringen; der wass aucb zu Weinsperg ge- 
wessen, da man den frummen graiTen durcb die spiess geiagt bet; 
den fürt er usz der stat, unn bankt in ann ein bamm. 

Darnacb, brach berr Jörg Druckses auf mit dem berr, unn die 
fursten, unnd zugen bin gcnn MeckmilP) ; das gcbert dem biscboff 
von Wurzburg zu. Das nam man wider ain, unnd musten irem hem 
wider schweren, unn in des bunds gnad unn ungnad sein; nit wayss 
icb, vil«") gelt*) sy band müssen geben. Darnach brachen die fursten 
unn das gantz börr uff, unn zugen bin zu ainem stetliu^), das kert 
dem biscboff von Montz zu, unn was der fursten maynung unn berr 
Jörgen Druckses, dasselbig zu verprenuon ®) ; da furr aber berr Fre- 
wein zu, unn ibot sich so fast, das es nit verprent ward, unn brand- 
schatzst^) sunst; unnd das Jörg Meychszners^) hausz, der ain hauptman 
was under dem (n)otenweldiscben häufen, das (man) must man abprecben 
unn für die stat tragen unn verprenen. Unn vor dem selbigen stet- 
lin iiess berr Jörg Druckses G bencken; die selbigen waren uss den 
gefangen, die man nachbin fürtt, von Neckersulm; da het der henker 
nit strick genug, unn hanckt drey an ain bom, unn den andern drey 
schlug er das baubt ab, unn liesz die ander all ledig, die davon wa- 
rent; unn die drey von Eringen^) lies er aucb ledig; unn«*) brach 
darnach uff, und zoch hin uff Kinszhoffenn<>): da lagen bey ainander 
bis inn 1000 10 <®) bawrn; den selbigen bauffen hiess man den bellen 

«) fing. — b) eineo. — c) wl© viel. — d) G. v. Traobete. — •) KönlgHbofen. 

*) der Eysenhut (von Pfalzgrafen Ludwig enthauptet). Von ihm im 
A. E. und bei Hol«w. keine Meldung. — *) Peter Aychellin, A. E.: den- 
selben hat Peter Aychellin von Ulm gehenkt vor dem Stadttbor. — 
llobEW. : P. Aicheliu qui eo beüo strangulandis seditiosis valde fuit noöiU- 
tntus . . . deprehendit illumque arbori suspendit. — Folgt eine heftige 
Auslassung gegen die ^^Franci orientales", mit Aufzählung der von ihnen 
zerstörten Burgen. — *) Mehnill, Holzw.: 29 die Maii. — *) nit wayss 
ich wie ril pelt. Fehlt im A. E. — Holzw.: gravi aere. — *) zu einem 
stettJin . . . Holzw. : ad oppidulum quoddam epiBcopi moguntensis. — A. E. 
Nwstat, zugehert dem bischof von Mentz. — *) eu verprcnnen. Fehlt im 
A. E. — V) und brandschatzt sunst. Holzw.: ne combureretur ... ea ta- 
rnen conditione, ut gravem mulctam persolveret. — ^ Mepchzners. Holzw. : 
Meissners, qui dux et autor erat nisticorum odovaldensium. A. E.: ein 
metzer (Georg Metzlcr v. Ballenberg, mit Götz v. Berlichingen an der 
Spitze des odenwaidischen Haufens. Cf. des Truchs. Sehr. 577). — ^ lietts 
die andern all ledig . . . und die drei von Eringen . . . Fehlt bei Holzw: 
und im A. E. — •«) 100010 (zehntausend). HoUw.: 8000. A. E.: 9000. 
A. Geyer: 8(X)0. Des Truchs. Sehr. 10 000 „mit 42 stuck auf redern**. 



Tagebach des Hans Lutz. 89 

lianffen. Zu dem selbigen hanffen, — waren der weinspergisch hauff 
[16 Verso] auch bey inn; onn da zoch herr Jörg Dmckses zu inn, am 
ireytag vor pfingsten [2. Joni], unn ers») vergreyffen lies; da wardtt 
▼on den bawm ain rossiger erschossen; unn da die bawm sachen 
«msem grossen raysigen zewg, Dnn noch kein fuszknecht, da namen 
sy ain grossen berg ein; damf stund ain wartt, unn hintten am berg 
liettz ain gros geheltz. Unn die bawm namen ir geschutz, unn for- 
tens uff ain berg, unn lettens gescheybs an den berg, und Schüssen 
under uns, wiesz kert. Got sey lob unn er, es ward da zumal kainer 
erschossen under unns. Unn da rantd her Jörg Dmckses den berg 
nauf, unn der renfan auf inn, darnach der österreychisch fan uff inn 
unn derb) rennfan; damach ain geschwader uff das ander; unn huldt 
der p&ltzgraff dameben, am berg, mit seinem raysigen zewg, wan 
sein fürstlich gnad het, den selbigen tag, den nachzug. Und da die 
pawm sachent, das der raysig zewg uff den berg komen was, da 
wanten sich die bawm, unn begerttenn das kultzc) an sich zu nemen; 
4a satzt her Jerg Dmckses in sy, unn fieng mit in an, zu schlagen; 
da gieng esz von stat; da satzt ain geschwader uff das ander, in die 
bawm, wiesz kert, unn da was kainer verzagt, unnd theten, als firom 
leyt thun sollen, unn gewannen die schlacht, unn die ganzen Wagen- 
burg, unn 33 stuck guter bichsen. *) Darunder waren des kimetterd)^) 
von Mergentaw zwo notschlangen, unn auch bichssen die dem graff 
Jörgen von Wertten«) zukerten, unn auch dem bischoff von Mentz, 
unn andere stuck, diessf ) dann genumen hetten, als woU alls den heren; 
unn warent erschlagen bis in 7000 oder mer'), unn ward herr Jörg 
Dmckses wund in ain Schenkel*), unn kamen bis in 200 bawm^) in 
ain dicke des holz unn verhagten sy darin, das herr Jörg Dmckses 
begert, all buchsenschutzen mit im nein zu lassen [17 R«.]; das ge- 
schach, und da sy nein kamen, da wardten«) sich die bawm so red- 
lich, das sy herr Jörg gefangen nam; unn da das alls geschach, da 
zoch der pfaJtzgraff uff die wallstat, unn hultt da, unn Hess da uff- 

«) er eie. — b) den. — c) gehölx. — d) dee Comthure des DenUchordene in Mergent- 
heim. — e) Wertheim. — f) die sie. — g) wehrten. 

*) 33 Stuck guter Uxen. So auch A. E.; Holzw.: 40; A. Geyer: 50 
grosse geschtitz. — '^) der Kimetter u, 8. w. Auch im A. E., aber nicht 
bei Holzw. — ■) 7000 oder mer. So auch A. E. u. Auszug des schw. 
Bundes (766); Holzw. anders: 2500 in der Schlacht durch die Reisigen 
getödet, 500 auf dem Schlachtfeld hinter den Todten erwürgt; noch andere 
im Wald erschlagen: „Summa occissorum fuit supra 4 millia, plerique 
tarnen plures affirmant." — Nach Thoman (HO), von den Reisigen 
„vor und ee das fuszvolk hernach kombt, bis in 2700 erschlagen; und 
als die in ain holtz geflochen, haben die fuszknecht, demnach und sy die 
walstat erraicht, daselbst durchstraift, und iren in 500 darinnen erwürgt, 
deszhalben uff gezaygten tag ob 3000 uff der walstat tot beliben.^ Holzw. 
sieht hier Thoraans Angaben den Lutz'schen vor, wohl mit Unrecht, denn 
der Schreiber desTruchs. (595) giebt 6500, Geyer (743\ 6000 Todte an. 
— *) tn ein Schenkel Sehr, des Truchs. 595: am Knie von ainer Hellen- 
barde. — 5) 200 bawrn. Sehr, des Truchs.: 800. 



90 Adam. 

blassen und die börrpaugken«) schlacben, alls dann kert sn solHcben 
fiacbenn, nun xocb der füszsewg aucb uff die walstat. 

Darnacb, zocb der pMtxgraff unn die andern fürsten gen Rinsi- 
bofen, unn boten ir leger darin ; unn berr Jörg Drackses scblug sein 
leger usserbalb Kinszboffen, an aim wasser, annd lagen da still, bis 
am pfing8tag[4. Juni]; unn am bailligen abent, lies berr Jörg Druck- 
ses iren 4 kepf abscblagen, darunder was ain bauptman der bet weyss 
annMi der bet in der scblacbt dem graffen von Dibingen sein scbilt- 
puben gefangen; den iieng man in ainem stetliu« ain balbe meyl weg 
gelegen von Kinszboffen. Der selbig wolt ber Jörgen geben baben 
3000 guldin, das er in bet leben lassen; aber er müsst sterben, unn 
wen das gantz land an im gestanden wer unn sunst zwen bawm, 
mit im. Nocb manglet berr Jörgen nocb ainssen ; der was ain scbney- 
der*), der macbet berr Jörgen feldartzct ain par bosson; den nam 
<nan unn scblug im das baupt ab. 

Unn under den weyllen, da nam man ein Mergentaw; unn mOsten 
schweren alle die da waren, dem kometter von Mergentaw, in aller 
mass form unn gstalt, wiess im vorbcron gescbworen, unn müsten 
iren barnescb unn gewerr als»») berr Jörgen Druckses ilierantwurten, 
unn waren sunst aucb bart gestrafft, von der ursacb wegen, das sy 
dem kometter also betten bauszka]t«n<)), unn beten im als erfteblagen 
im scbloss ynas darin was, unn im genomen was er bet, unn getban 
in das spital, darin bet er müssen die pfrend essen 6 [17 Verso] gantz 
wucben'), bis das der bund komen ist. Sy baben aucb in der pfiar- 
kirclien, auch alls erschlagen^) was darin ist gewesen, klains unn gros. 

Da das alls gescbacii, da prach berr Jörg Druckses, am pfingst- 
tag [4. Juni], unn die fursten mit im auff, unn der rayssig zewg, unn 
mit der gantzen Wagenburg, unn zocb den nechsten zu, auf Wurtz- 
burg. Da weiten die knecht nit ziechen*) von Kinszbofen, biss sy 
zwen seblacbtsold betten, unn machten ain merers*), r^^tffUicher iy)» 
m rewg, denn ttoUen ^ mU todi $cMagm^ Unn ward das merer 
gebalten, unn schlugen 3 zu todt, unn warffen etlicb knecht mit 
schollen zu poden. Und das ich wider in anzug kum: da kam berr 
Jörg Druckses ain gute meyll weg von dem leger, da kam berr Jör- 
gen die kundschafft, r^^ie diu der schwaris Hauff ^) im tmigegm $tug, 
wm Wurtäburg**; da schuckt berr Jörg Druckses sein börold hinder 
sich, zu den knechten, mit in zu bändlen«^), ^dass ag icotten /Anm 

«) UMrpauken. — b) «Um. — o) ff«h«uah»ltet, — d) lu T«rhaod«ln. 

>) ttn ^MpdNan dar hei weisM an, A. E.: der pawren bauptman, 
ain langer starker man. — Holsw. bloss quidam author seditionis. — 
*) oin $ehnagd$r u, ». w. fehlt bei Hokw. und im A. K. — *) (? ganäß 
%9O€K0n, Holsw. : dimenso. — *) in der Pfarrkirchen auch alles erschlagen. 
Fehlt bei Holiw. Im A. £., Mergentheim übergangen. — *) nit eiechen, 
£i sogen nicht mehr als 1500 (A. Geyer, S. 742). — «) ma^en ain mertrs, 
Holsw. : cum sie mi^r pars conspirasset. — '') der «e^toar« haitff, Hokw. 
nam isti exercitus Odovaldensibus» quos coesos esse ignorabant, open hm 
volebant. 



Tagebuch des Hans Lutz. 91 

aUe frum eriich hrugsleyt, urm seilten cmneieehen, unn tP(i$ er inn 
verhapeaen het, das wdt er in hiüten, aUs frum er am freyherr wer, 
utm wdl iee der ha/uff nii xiechen, so sÖU doch der verloren hauff 
siechen; so wellt er die fdnd nit scMagen, bisz sy zu im kernen*'; 
imn ee ich als aiA hörold zu den knechten kam, da zochen die fen- 
dridi all gen mir daherr, mitsampt den hanptleytten, unn etlich knecht 
mit inn, nnn hetten die knecht stan lassen zu Kinszhoffen. Da zoch 
ich zu den knechten, als mir mein gnediger herr het befolchen«), 
nnnd handlet mit den knechtten, wies mir mein gnediger herr befolchen 
het. Da schalt mich ainer: „du supenfresser** ^)\ der ander sprach : 
„das dich gote parter ^) sehend in das mesegewand*', der drit: „das 
dich pote^) leyden sehend in die [18 R^.] schwarzen herzen*'. Inn 
der weyllen, kam der profoss unn der veldschultthaiss, unn hertten 
die streif lichenn wort, unn wanckte<*) mir „ich söUt von inen refften*'; 
das thet ich, unn ich glaub wer ich nun ain weyl bey inen beliben, 
sy heten mich tries anglett. 

Unn ee ich wider zu mein gnedigen hem kam^), da schlug er 
schon mit dem schwarzen hauffen, unn het 2 fenlach in ain gross 
d<Mrff geiagt, das huss herr Jörg Druckses ob in anzinden, unn ver- 
prennen die bawm darin, unn was heraus wolt laffen, das ward alls 
erstochen, unn gewan inn die Wagenburg ab, unn 26 stuck bichssen, 
alls uf redem, un sunst vill hacken, und alle irr fenlach, der waren 7, 
mm 2 fand man in wegene)'); mm fluchen bis in 600 bawm^) 
in ain verprentz schlos, das war ainer witwee. Da hiess der pfaltz- 
griff das gesc^utz darfur legenn, unn fiengen da an, zu schuesen, 
unB warr das schloss zu dem stürm geschossen, unn das schlos hies 
Engelstat ^); unn da es zu dem stürm geschossen was, da lieffen die 
knecht, das schloss anzustürmen ; da Schüssen die bawm so feintlich, 
imn warfen mit stainen, aissam sy unsynig wem, unn trieben die 
knecht vom stürm, das sy musten wider abziechen. Da ward der 
hauptman von Baym« mit namen Adelszhausser, durch das kynn ge- 
schossen, unn der fenndrich von Nürnberg, binden uff das gnick ge- 



«) befohlM. — b) m«rter. — o) goto. '— d) winkte. -> e) WigeiL — f ) flohen. 

*) Du mpptnfresBer. Quidam gnatonem, parasitum, quidam nigrum 
monachnm appelabant. Fehlt im A. E. — ') ee ith wider kam, A. £.: 
Auf soUchs sind aber zogen die hauptleyt und fenderkh bisz in 500 knecht, 
die sdbigen sind her Jerg Truchsessen zuzogen und die pawren helfen 
strafen, die sind zogen 7 fenlach stark. Die selben hat her Jerg Truch- 
sesB angriffen, ee die knecht zu im sind komen und sy geschlagen in die 
flucht, und 2 fenlach pawm gejaigt in ain Dorf. — Holzw. giebt die Zahl 
der Bauern auf 7000 an. — ') j? tn wegen. Fehlt bei Holzw. und im 
A. E. — *) 600 bawm. So Holzw. u. A. E. — A. Geyer (743): 200. — 
^) BngeUtat, A. E. über die Einnahme kürzer. Ton dem Adelszhausser 
keine Rede. Der F&hnrich von Augsburg aber mit Namen genannt. (Hans 
Satiier, den man nennt lAudgraber.) — Holzw.: Adelhauser per mandi- 
bttlum ictns est, veiillifer a Noriberga cervice grave vulnus accepit, vexilli- 
ftr augustensis in federn lapide ictus est 



t)2 Adam. 

>i?orffen, das ich vermaint het, or het ess gnug gehept; unn der fen- 
drich von Augsparg ward iu das antlinz goworffon; unn etlich, hart 
wand unn erstochen.*) Da das geschacJu da hies der pfiUtigraff den 
höroldt hinzu rcjrtten, „unn d(n$ die knechi solten ab jtkchenn f}om 
sturtn, unn soften die buchsenmaj^terH das (ffsckuts hasM rum le- 
4femn**; das geschach, unn iber ain klaino weyll, da fieng man an lu 
schucsen ; da kam uff die mawer ain fendrich mit ainem fonnlin, das 
wass [18 Vorso] schwarz und gell, unn alsbald darnacli, kament noch 
3 fenniach nauff; da galtz erst, unn da tiengenn die knecht an, ii 
werffon unn zu schuessen, das ainer het ain lust gesechenn; unn die 
knecht rissen die stain mit den henden aujos den mawren, aissam sy 
stainpeichel heten^), unn des werffens hat nie kain man gesechen; 
unn in dem kamen die knecht iber den graben; der was so tlmeff*) 
von mosz, wan ainer darein kam, so half ainer dem andern herausz; 
da galtz erst ain würgen'), unn waren die bawren all erstochen, biss 
an 17, die nam man gefangen. Da das geschach, da Hess der pfiUtx- 
graff aber die thrumeter ufi^lassen mit freden, unn zugen darnach 
hin, unn machten das leger ansz mosz, an ain grossen weyerr, unn 
verordnet herr Jörg DrucJcses, „etlich pferdt bh halten, uff die bawm 
die noch im höh fcaren, die £h erwürgen, die darein geflogen icaren*'; 
unn ich glab gentzlich, das ir nit ful darvon kumen send, von 7000 
bawrn.*) 

Unn am morgen frn, da theten die hauptleyt ains, un musterten 
die fenlach, und under allen fennlach was kains sterker dan das augs- 
purgisch fenlin, das het 32 knecht), unn send der fennlach 18; mag 
ainer woll rechne, was für knecht da binden sind pliben zu Kinsz- 

<) etlich hart wund und erstochen, HoUw.: ex gregariia militibus 
pleri^e sauciati, plerique penitus occisi sunt (1. plure$), — *) der wa$ 
ffo tyeffvon fito.9f. Holzw.: erant autem fbssae limosae. — *) ain ¥fürgen, 
Holzw.: tanquam bruta animantia jugulantur. — *) von 7000 bawm, A. 
Geyer (743): Und sind also in summa in dieser schlacht, auch im schlösa- 
lein, beim stürm, 6000 bawm erschlagen worden (ursprüngliche Starke 
zu 12000 angesetzt). — Das A. £. giebt nur den Verlust im Schloss: 
erwergt 600 pawren und 17 gefiuigen. — HoUw.: Sic ex Ulis 7000 nigri 
exercitus, pauci evaserunt — *) 33 knecht. Nichts im A. E.; Holzw.: 
omnium militum 18 manipuli; iu illis augustensis omnibus numerosior 
fuit, qui continebat 800 milites; atque hinc iacile colligi potest, quot mili- 
tes in illa oppugnatione et prioribus pugnis occubuerint, uam singuli 
manipuli circa 400 vires continebant; igitur totus exercitus adhuc erat 
circa 5600 milites. — Hiemach wären aber die andern Fähnlin durch- 
schnittlich starker gewesen als das Augsburgiscbe (300 x 18 b 6400) 
Die ganze Stelle wird jedoch von Hohswart schlecht aulgefasst. Abgesehen 
davon, dass die Bemerkung über die grössere Stärke des Augsburger 
Fähnleins sich vielleicht auf den anfänglichen Bestand bezieht, können 
unter dem Ausdruck „binden sind pliben zu Kinszhofen*, nicht die Ver- 
luste in der Schlacht verstanden werden. Dort fielen, „der hündischen 



Tagebuch des Hans Latz. 93 

hofen. Unn am morgen zochen die knecht von in selber hernach» 
«nn was sy fanden von bawm im holz, das erstachen sy, unn nmm 
die 9, da brach herr Jörg uff, mitsampt denn forstenn, nnn zngen 
dahin genn Haidelsfeld»), das ist ain stetlin, das kert dem bischofiT 
von Wnrtzburg zn, darin lagen die forsten, mit namen: pfaltzgraf 
Ludwig der Churfurst, darnach der bischoff von Thrier, darnach hert- 
zog Oth Hainrich, darnach der bischofF von Wnrtzburg ; unn am an- 
dern tag, kam der bischof von Straspurg^), stathalter von Mentz. 
Unn herr Jörg Druckses schlug sein leger usserhalb der stat Haidelsz- 
feld, hert an die stat; unn am aftermontag, kam [19 Ro.] der mar- 
gra£f Casjrmyus von Brandenburg, genn Eutzingen, und nam dasselbig 
auch ain, dan die selbig stat kert im forhin zu; und die von Eutzin- 
gen^) begerten ann margrafen, „das er in sölt das leben fristen, so 
UH>Uen sy sich ergehen"; das sagt er in zu, „bis an 5 man, den selben 
wolt er nit das leben fristen" ; unn nam die andern, bisz in 63, den 
stoch er allen die äugen ausz unn liesz iren kain verpinden ; unn am 
morgen lies er iren funffen das haupt abschlagen. Damach da das 
geschach, da handlet herr Jörg Druckses mit den von Wnrtzburg, 
nit wayss') sy^) im zu ainer antwurt heten geben; das ist mir aber 
wissen, dass herr Jörg Druckses verschuf etlich knecht genn Wnrtzburg, 
in die vorstat, unn den zewgmayster, das „er solt lecher prechen, in 
ainem weingartten gen Wurteburg iber". Da das geschach, da ge- 
wannen die knecht vil hackenbixen, unn da das die von Wnrtzburg 
Sachen, das die forstat verloren was, da ftiren die von der stat zu, 
unn die bawm in der stat, der waren bisz in 2000, unn ergaben sich') 
(gaben sich) an denn bundt inn gnad unn ungnad. Da das geschach, 
da zoch man, am domstag in der quottemper [8. Juni]^), gen 
Wnrtzburg, unn nams wider ein. Unn herr Jörg unn der pÄdtzgraf 



a) HAidingsfeld. — b) Wilb. v. Honstein. — c) nit wayss ich, was ele. 

knecht, nit über 20. (A. Geyer 741.) Auch vor Ingolstadt war der Ver- 
lust, nach dem Zab. MS., nur von Etlichen. Weiter, zogen aus Königs- 
hofen, bei der Meuterei nach der Schlacht, an Knechten nicht mehr als 
1200 zu Feld (A. Geyer, S. 742), so dass die Zahl 3600, viel zu hoch 
gegriffen ist. Wir müssen uns also an das Zab. MS. halten. 

die von Kutzingen, A. E. Bl. 225: „bey den 60, als ich bericht 
bin, die äugen ausz lan stechen.^ Nach dem Abzug von Schweinfurt 
und vor der Einnahme von Bamberg (B. 226) im A. E. noch einmal: „Zu 
Kiezingen hat man 63 die äugen auszgestochen.^ Holzw. : 70 coepit, atque 
Ulis oculos effodi demandat . . . aiebat enim iUos jurasse , se ne qnidem 
aspecturos marchionem, igitur se illorum votis consulturum, ne si quando 
se aspiciant perjuri fiont. — Holzw. verzeichnet weiter die Hinrichtungen 
zu Ips (10), zu Bemheim (60), zu Lintersheim (5) und zu Schwabach, wo 
der Markgraf auch einigen die Finger abhauen liess. (Cf. Cochlaeus. 
790 1.) — 2) nit wayss. Holzw. : sed infecta re discedere cogitur. — ■) er- 
gaben sich. Am 7. Juni: übemacht sprangen aber viele über die Mauer, 
etliche wurden auf der Flucht erschlagen (A. Geyer 744). — *) am dor- 
nstag in der quottember, A. E. am dornstag in pfingstfeyren. 



'94 ^^^ n^* 

Hos8 berufen, am mittwoch zu nacht [7. Juni], durch sein hörald, 
nuxmn man das erst plies^ so sott nuin fUetem» sailm imn sssmn; 
Mfonn tnan das ander plies^ so selten aU raffsigen u/fsein*'. Das ge- 
schach. Da verordnet herr Jörg Dmcksess all raysig häufen uff ain- 
ander, wiess dan sein solten, unn zugen auch die furston all mit hin- 
nein, und ward am ersten verordnet der rennfan ; darttber was haupt- 
man, Josz von liOnburg*), unn sein fondrich was Wolf Diettrich von 
Honburg'); darnach zugen die schutzenpferdt; darnach der öster- 
reychisch fann, darüber was hauptman, der wolgeporn herr graff 
Friderioh ; unn was auch under im der wolgeporn graff Jochann von 
Zollern*), unn der [19 Verso] wolgeborenn graff N. von Dibingen*); 
unn was das sein ') fendrich, der edel unn gestreng herr Wolf von 
Honburg. Darnach zoohen die durchleychtigisten unn hochwurdigisten 
fursten, mit namen: herzog Ludwig unn kurfust; darnach bischof von 
Thruerr, auch ain churfurst; darnach bischoff von Straspurg, Statt- 
halter bischof von Menntz; darnach bischof von Wurtzburg; darnach 
hertzog Oth Hainrich; unn mit den fursten zugen vill graffen. Vor- 
usz mit dem pfaltzgraffeu^), zugen <Ue wolgeporen heren: der reych- 
graff von Aszwa«^), darnach graff Johann von Eyssenbnrg, der wol- 
geporn schenck Eberhart von langburg^), unn sunst vil mer graffen, 
die mir nit wisen send. Darnach zog das ba}Tisch unn das margref- 
fisch, darunter waren die zwen hauptleyt mit namen N. von B^rey- 
burg**), der was hauptman von l^yrn, unn darnach ain Wolfstainer, 
unn was ir fendrich Wolf von Weyx*>); darnach die Hessen*), unn 
kain wissen*®) han ich, wie der hauptmann gehaisen hat, unn auch 
ir fendrich. Unn da sy in die stat kamen, da besatzt man all gassen *>), 
unn hulten die furstenn all uff dem platz, unn die Hessen unden uff 
dem platz. Da fieng herr Jörg Druckses ann, zu redenn mit den bnr- 
gernn, unn sagt also: „Ir burger unn inunmer der stat Wurtgburg, 
ff and all tsu hauffen.** Dos geschach. Darnach fieng sein gnad an, 
zu reden: „Ir von Wurtghurg, ir send gefalle9% »u den bäum unn 



») Ton Nmmq. — b) W«iobs. 

<) JosM von Lofiburg, A. E. Jos von Lamberg, der ainen renfanen 
gefiert hat. — ') Wolf Dietrich von Honburg, A. E. : mit dem ainen 
aug. — •) her graf Fridrich, A. E. von Fürstenberg. — ♦) J. von ZoU 
lern. Fehlt im A. E., ebenso N. von Dibingen. — *) sein, A. E.: Fr. von 
Fttrstenbergs. Cf. Truchs. Sehr. (546) — *) dem pfälsgrafen, A. E.: und 
der alt pfkligraf hat gehept ain besunder scheuen leug, bis in 1200 pferd 
wol erbutzt. — ^) Eberhart von lAngburg, A. E. : Albrecht v. Lympurg 

— •) N, V. Freyburg, A. E. : Freyberg. — Die Namen fehlen bei Hohnr 

— *) die Hessen, A. E.: derselb hessisch zeug wol erbuit ist gewesen 

— *^) und kein wissen u, 8, «r. Hier im A. E. zwei Zeilen weiss ge 
lassen» die eine für den Namen des pfalzgräfischen Hauptmanns, die an 
dere wahrscheinlich für den des hessischen. Der Abschreiber hoffte viel 
leicht die zwei Namen ausfindig zu machen. -- **) besttst alle gössen 
Holiw.: quibus (foederatis) ingressis, omnes plateae et vici, ne quis tu 
multus oboriretur, equitibus muniuntur. Fehlt im A. E. 



Tagebuch des Hans Lutz. 95 

haM ewrr ayd vergessen an ewrem hernn; wnd ist doch das die ma^- 
nung, das ir ewrs agd, den ir geschworn habt denn hatorn, ledig 
unn loss seytt unn söUen kinfur nymermer kain puntnus mit in 
machen, noch hrtulerschaft, in ewig zeytJ* Unn fraget sy auch, am 
aller ersten, „o5 sy iren harnesch unn gewerr^) heten iberantwurt" ; 
da sagten sy : „Ja*^; darnach schwuren sy dem bischoff wider, in gegen- 
wurtigkait aller forstenn [20 ü^.], wie sy dann vor benennt send; unn 
da das geschach, da fieng herr Jörg Dmckses an, unn sagt allso: 
„Ir tvissty das ick euch uff genomen hdby in gnad unn v/ngnad!^ Da 
sagten sy dar zu: „Ja^. Da verlass herr Jörg Druckses ein zetteP), 
unn als oft er ain namen lass, so must sein hörold den selbigen 
ruffen. Unn der erst was der statschreyber, darnach der karthauser 
schneyder, darnach der alt ratt unn der new ratt, darnach die 6 
wachmayster^), darnach der bildhawer oder maller unn sein sun, 
aber der vater was entlaffen; darnach der kantengiesser, darnach der 
labbader<^), darnach ain bichsenmayster.*) 

Da das geschach, da rit herr Jörg Druckses uff denn Judenplatz, 
unn rflfft er seinem hörold, alle hauptleyten under den bawm, fendrich 
unn all waybel, unn die empter heten, unn daselben bisz in 30 per- 
shonen>) Damach, ritt herr Jörg Druckses nausz, uff den graben ; da 
waren bey ainander, bis in 1500 bawm, damsz lies er die redels- 
fuerer all fodem, unn die pfeningmayster, unn uff ain ort gann, bis 
inn 70 bawm. Da das geschach, da ritt er wider in die statt, uff den 
platz, da dann die forsten hulden, unn verschuff herr Jörg dem pro- 
fossen, das er solt nennen des bildhawers sun; das geschach. Dem 
schlug man das haupt ab, darnach dem kantengiesser, darnach dem 
labbader<^). Darnach dem bichsenmaister: ist mir recht, der fonft was 
ain schneyder^); darnach rit er uf den Judenplatz unn Hess iren 24 
ire hepter abschlagen, unn darunder was ain fendrich, der solt gleich 
auch dran sein ; da was aber ain fendrich der kört dem fursten zu, 



») laobbader. — b) so berufen. 

^) harnesch und gewerr. A. £. : „der gantze landschaft aufgelegt und 
zu pen geschafft, alle ire hämisch und wer, bixen und hellenparten alles 
zu yberliferen ..." — Weiter wurde die Einwohnerschaft gezwungen, 
„die statmauer abbrechen gegen dem schloss und etlich sum geltz zu ge- 
ben dem prantmayster und ydliche feurstat 10 gülden**. Diese Schätzung, 
ist auch bei Holzw. nicht angegeben, wo bemerkt wird, der Bischof hätte 
dem Probst von Würzburg, einem Markgrafen von Brandenburg, das 
Schloss versprochen gehabt, wenn er es gegen die Bauern behauptete, die 
Sache sei aber anders fertig geworden. — <»»»* zettel, Holzw. : cathalo- 
gum quorumdam authorum seditionum. — ') wachtmeyster , A. E., oder 
viertelmayster, wie man sie dann nennt. — *) ain bichsenmayster. A. E. : 
den bichsenmaister oder rotschmid, wie man in nent. — *) ist mir recht 
der fünft was ain schneyder. A. E.: den fünften namen ich nit weysz, 
wie er gehayssen hat, oder wer er gewesen ist. Holzw.: quemdam no- 
mine (?) Kantengiesser, postea labbadorem, hinc bombardarum prsefectum, 
postremo sartorem. 



96 Adam. 

von Bayern ; der patt herr J(Vrgen Dmcksessenn umm denselben fen* 
dricb, unn gab sein gnaden zu verstann, „k^ er sein sehuügsM pe- 
tveaen werr**, unn bat in, als sein gnedigen bernn, „sein gnad söl im 
m sehenkent «u ainemp^pfening*^ [20 Yerso]. Das tbett berr Jörg^ 
wann es was gar ain feiner gesell, unn was nit 20 jar allt Es er- 
bat Juncker Wilbalm, der bey herr Jörgen ist, auch ain*), der was 
von Kinzingen; er Hess auch ain Jungs plut darvou, der was ain 
schneyder; darnach ritt er wider uff den graben, und uss den 70 
Hess er d7 kepff abschlagen; nun ain hauptman was uff dem schlos, 
und ainem Juden ward auch der kopff abgeschlagen, und etlich rata 
hemn warendt gefurt uff das schlos, un etlich warent gefürt genn 
dem Orenbann*), darin zu beleyben, bis uff weyter boschaid; und 
da das gesohach, verschuff^) seinen höröldt^ das er sölt berfiffen, n^f^ 
die gantM lan<hrMafft ketten gehuhUget, unn st}it kainer nichtä nemen, 
dann was die fUetterung nrr; noch piindem, noch gefangennemen, 
noch prandtschatMcn: nicmant dan der dann i>erordnet wer,** Dar- 
nach han ich gesechen das schlos zu Wurtzburg, das war aissam '') er- 
schossen, neben der seyten woll (> klafter weyt; unn heten die bawm 
zwo schantz oben am berg gemacht, das kainor nit glaben kann; unn 
betten nauff bracht, uff den berg, mee dann 100 laytem, und heien 
ain gruben gemacht, oberhalb der kurciien die man Sant Burckhart 
nent, die hab ich gemessen, vom anfang der gruben hab ich gezelt 
118 schrtttt.*) Es betten auch die bawm, in der selben kurchen, den 
balgen o)^) allen kepf abgeschlagen, und unserm hern auch. 

*) auch ain. IIoliw.: quidam pinctnia a Kitiingen. A. £,: nichts, 
weder von diesem noch von den zwei andern Begnadigten. — >) gren- 
bann. A. E.: Damach gefiert den alten und newen rat, und sy in sway 
Uyl getailt, etlich daraus geflert in das schlos und die andem täyl zu 
dem grenen bam, nit herauss ze gon bis auf weytera beschaid, hintan- 
gesetzt der burgerroeister, und im schloss oben, hat man einem man und 
einem Juden ire haupter abgeschlagen. — HoUw.: ex eis rusticis quos 
antea ceperat, 87 decollari jussit. Summa eomm qui capite plexi Aierant, 
62 erat (Auszug des schw&b. Bunds [771]: gerichtet 81 mann mit dem 
schwirt); cadavera usque ad quartum diem inhumata jaoueraut Qui- 
dam sartotes (1) — höchstens »atores, Ausstreuer, Urheber, aber besser, 
auetorw seil, seditionum, KAdelsfdhrer, welcher Ausdruck, einige Zeilen 
weiter oben, vorkommt — in arcem Grienpan captivi ducti sunt — 
•) 118 schrütien. A. E. nur : „das sy das schloss Wirzburg so ellencJdich 
erschossen und ertrimert band und undergraben. bey sant Burckhart, eil 
loch in berg hinein, under das schloss, bei 118 schrit, die ich selbs han 
gemessen)** Setzt aber hinzu, dass Domprobst Friedr. v. Brandenburg, 
nebst vielen Domherrn und vielem Volk im Schloss gewesen sei. — HoUw.: 

In haue arcem episcopus et orones canonici sua bona deportaverant, 

simul et ipsi istuc conftigerant, — Der Bischof war jedoch abgezogen. 
(Ibid.) Der Versuch der Bauern auf das Schloss, ganz nadi dem Zab. 
MS,, nur ftlr die sechs Klafter Mauer: 36 pedum spatio, und die Läng« 



Tagebuch ie& Haus Ijutz. <J7 

Darnach lies herr Jörg aiu prugk machen ibemMän«), oberhalb 
der stat, das der rayssig zewg darüber zug ; das geschach auch, unn 
im geleger, da starben villross^) unn stanck so ibel, das kainer mee 
mocht beleyben. 

Unn man prach auff: hörr^) Jörg Druckses mit dem bandischen 
hörr<^), unnd belib der pfaltzgraff dahiuden, unn zug den Menn nah. 
Unn herr Jörg zoch, die selbigen nacht, zwo gros meyll, unn schlag 
sein leger jhenhalb*^) des Menss, in ein grossen [21 K<>.] waldt, and 
lagen die faszknecht herrjhenhalb des Menss, onn am morgen prach 
er aafif, zog hin genn Schweinfurt, unn am abent kam der durch- 
leychtigest fürst, margraff Casymerus, mit 800 pferden unn mit 200 *) 
(l,:20Q0) knechten, unn rutten mit im, 2 graffen von Oettingen, mit na- 
men graff Ludwig, graff Mertin, unn zwen graffen von Hennenberg unn 
herr Hanns ^) von Schwartzenburg. Unn an dem selbigen abent, ka- 
men die von Schweinfurt, mit ainem beystant^), onn handlet mit 
herr Jörgen Druckses, unn nitways ich^), was sy betten mitainander 
gehandelt, dann das die von Schweinfurt nit thun wolten. Da das ver- 
nam herr Jörg Druckses, da lies er, um mittemacht, das geschütz le- 
gem fQr die stat; unn da der tag anprach, unn die wachter sachent, 
das das geschütz da stund, da sagten siss denn bürgermaystem ') 
ann, unn um 4 urr, da kamen die von Schweinfurt, am morgen, unn 
gaben sich zu ains bunds gnad unn ungnad. Unn umm 9 urr'), da 

a) Main. — b) Herr. — c) Heer. — d) jenseits. 

des Grabens: fossam 158 pedum; — derselbe habe zur Sprengung des 
Schlosses dienen sollen. — Die Zahl der Leitern nicht angegeben: quos- 
dam aggeres et scalas usque ad montis superficiem erezerant. — ^) Hie- 
ven nichts bei Holzw. und im A. £. 

^) starben viel ross, Holzw. multi etiam equi ad Herpibolim morie- 
bantur, ita ut etiam acenimo faetore inficeretur. Nichts hievon im A. K 
^ 2) mit 200 knechten. A. E.: 800 Pferde und 3000 Fussknechte; Holzw.: 
cum 800 equitibus, 2000 militibus. — Des Truchs. Schreiber (598), 
und der Ausz. des schwäb Bundes (771): 600 Pferde und 2000 Fuss- 
knechte. Das Zab. MS. hat mithin, gegen Holzw. und das A. £., ent- 
schieden einen Fehler: ein neuer Beweis, dass wir es nur mit einer Ab- 
schrift zu thun haben. — ^ Hans, A. E.: Hans der alt; so auch herr 
Graf Ludwig der aelter . . . von Ötingen (Holzw. fehlerhaft: Ewingen). — 
^) ein heystand. A. E. : Da sind kommen die von Schweinfurt, mitsampt 
Graf Wilhelm von Hennenberg beystand. — ») nit ways ich u. «. w, A. E. : 
In was form und gestalt ich nit wol wissen, dann her Jerg Trucbsess 
mnb mitnacht hat lassen schantzen und fieren das geschitz vor die stat. 
Holzw.: Eo die circa vesperum Schweinfordienses cum imperatore de pa- 
cis conditionibus agunt, sed oblatas respuunt et infecta re discedunt Im- 
perator igitur media nocte bombardas u. s. w. — ^ den burgermaistem. 
A. E.: da haben sy solichs bald angezeygt, darob die erberkait fast er- 
schrocken ist, und ist die erberkait um 4 ur aufgewessen . . .^ Das Wort 
„Erbarkeit** kommt, in diesem concreten Sinne, im A. E. sonst nicht vor; 
im Zab. MS. nirgendwo. — ^ mn 9 urr. Holzw. sub horam igitur octavam. 

Z«itiehr. f. Gesch. d. Oberrb. N. F. VUI. 1. 7 



98 Ad«m. 

kam herr Jörg Drockses^ mitsampt dem margratf, ann mit dem graf- 
fen von Hennenberg, nnn mit sampt dem renftui, unn mit dem öster- 
reychischen fann. Da huss herr «Törg Druckses die gemain zusaroen- 
stann, unn fieng an sein gnad, zu reden also: „das sy aolten an Mai 
kaiserlich mai^a^,*) alls kaf^serlich tnaifestat*) öl>eroster vddhmM- 
mannt unn dem wolg^orfi kern graff WUMm, alls irem be- 
schiä£, heren^); unn der ayd denn sy gethan heien denn bawm^ der 
selbig sol todt unn ab sein, unn kain'') bruderschaffl tyy m ermtr 
machen noch gestatten^ unn hinfür kain harnesvh noc^ gewerr nymer 
fragen y bis uff ain underruffen, unn dem uxdgfpom hem graff en 
Wilhelm vcmn Hennenberg sein schlos wider pauten, in aller mass, 
form unn gestaU, wiess for geuunssen ist, umi 300() gnldin aUsoparr^), 
jdM von stund an, ainem [21 Versoj pundt; unn das die andere [an- 
steefidej^) somcn gdt, gü befallen neehst künftig, uff safit Johannis 
des cwangdisten tag**, Unn da das alls goschach, da Hess herr Jörg 
Druckses durch sein höroldt beruffon 6menor; 2 warent onttrunnon, 
4 schlug man die köpf ab. Da das goschach, da zmii herr «Jörg mit 
dem gantzen leger hinwog auff Pabonberg<>) zu, unn schlug herr Jörg 
das logor zwischen zwayor stet'), gonent lIa<;fort unn GoroltzhoffonOi 
unn inn dasselbig leger, da kam dor bischoff von Rabonberg^) zu 
herr Jörgen; unn am morgen, da prach der Drucksos ani! unn zog 
hin uff Babcnberg, unn schlug das leger genn Halsstatt, k)^) Unn 
da er das leger schlachen wolt, da kam im kundschaft, ^wie 400 
bawrn inn ninnn marckt irrren". Da lies herr Jörg ain Icrman 
machen, unn da der hautf xusamcn kam, da nam herr Jörg Druckses 
4 fenlach zu im, unn der gantz rayssig zewg wius uff, unn eylten denn 
bawrn zu; da aber die bawru sachon, das horr Jörg kam. da (lochen 
sy in waldt, unn da Hess herr Jörg den selbigen markt anzinden, 

a) Ihm. — b) huren, Rchorchon. — c) nI« nulltuii. - k\) haar (lahlon). -— «») Dainbrrg. 
— f) Haufürt lind Uorolshofoo. — g) HallitaJt. 

>) an ntntt k, Matf, Holxw.: „nos cesarcRf maycstatis loco, vos in de- 
ditionem recipimus, atque nunc mandamus, ut iterum ccsarca) migcstati, 
deindc comiti W. de Hennenberg, vt^ätro tutori, juretis.^ A. K.: ^dass sie 
äoUon Bchworon im, als aincm hauptman kuniglioher mayestat, und dem 
wolgobomen herrcn, graf Wilhalm von Hennonbertr, als irem bcschitz 
und Schirmherren." — ■) und lins tUr tnidrren. Hier eine Lücke von 
27^ cm. Das A. K. bat: „und darnach geben IHMH) giildcn, angesicht des 
bricis, un die andern ansteendon sum gcltz sollen hIo bezallcn, Johannis 
Baptiste neehst kinftig " So fohlt denn das Wort: anstthnide. A. Geyer 
(744): „5000 gülden zu dreyen fristen . . . dcsgliüclum ist einem joden hausx 
7 gylden brandschatiung auferlegt worden." ~ ^) zwischen ztctvfnstrl u.s.w. 
Fehlt bei ilolzw. Im A. K.: „die ain gehört y.w dem Bischof von Baben- 
berg, die ander dem bischof von Wirtzburg.** — ♦) der hisvhnf vou JUihtn- 
l}trg, A. K: „und mit im gehandelt, das er die stat B. angenomen in 
gnad und ungnad am sumptag nach sant Veits tag (17. Juni) . . . und ist 
darauf am montag (19. Juni) gen Bal)enberg geritten." Statt 17. 1. 18. Juni: 
wohl ein Druckfehler. — ^) Hierher gehört im A. E. eine, Bl. 228, ein- 
geschobene Stelle. 8. folgende Anm. 



Tagebuch des Hans Lutz. 99 

«knd zog darnach wider in das leger, darin lag er bis in 8 tag. Unn 
der bischoff liess all heran zu gast laden gen Bobenberg, onn ge- 
»hach ain ,freytAg [17. Juni], unn an derselbigen nacht liess herr 
Jörg Druckses beruffen, durch ain höroldt: „wann man dm erst plies 
so solten die pundischenn reytern fuettern unn satleny wm^ wan man 
das ander plieSj so soUen stf auf seiny unn ire halfter mit in nemen, 
unn der tross tmn die wagenpurg sollt da hindten beleyben**, Unn 
am montag [19. Juni]'), um 9urr, zoch herr Jörg Druckses hinnein; 
da müst die gemain dem bischoff schweren, unn da das geschach, da 
liess herr Jörg iren 12 kepff abschlagen. 

Nach dem selbigen, lag man noch stil 4 tag, unn da man ufl^rach 
unn hinweg wolt ziechen, [22 R] uff Forchama) zu, da liess herr 
Jörg den marckt annzinden, Halsstat 2), unn zoch hin genn Forcham, 
unnd liess da auch 4 die kepf abschlagen, unn zog darnach genn 
Nürnberg. Unn da kam herr Jörg Druckses gen Nürnberg, mitsampt 
dem hörr*>) da beten die von Nuernberg alle heysser zugespert*), 
unn all ketten fürgeschlagen, unn nun^) ain gassen gelassen, dar- 
durch der gantz zewg müsst ziechen, unn hetten allen iren rays- 
sigen zewg, biss in 400 pferdt, in der stat, in allen gassen; und in 
etlichen gassen, heten sy ir geschutz stann. 

Unn da her Jörg Druckses von Babenberg zochen ist, da ist der 
margraff zogen uff das burg<^), unn darnach ist er zochen gen Roten- 
burg an der Thauber, unne) da züsamengefordert rotenburger 
landschaft, bis in 6000 bawrn, unn in harnesch unn gewer genommen. 

a) Forchhaim. — b) beer. — c) nur. — dj Gebirge (IIolzw. wontana). — c) hat, 

M in/n am montofj. Im A. E. die Meldung zweimal: nämlich: Bl. 
226 (s. vorige S. Aum. 4) und Bl. 228: „Nach dem beriefen das vor ist 
beschehn, im leger zu Helmstat, am sumptag zu nacht ..." Letzteres 
hängt notwendigerweise mit der Stelle Bl. 226 zusammen: „und da be- 
rieffen lassen durch seinen hcrold: wenn man das erste plosz ..." Was 
im Zwischenraum, über Kützingen und Bruchsal gemeldet wird, ist irr- 
türulich eingesetzt worden. Ein anderes Versehen im A. E. ist, dass das 
Berufen durch den Herold, nach dem Zusammenhang Bl. 226, im Ijager 
zwischen Ilassfurt und Gerolzhofcn raiisste stattgefunden haben, während 
es, wie dies auch Bl. 223 angegeben wird, eigentlich erst zu Helmstadt 
erfolgte. — 2) UaUtait. Im A.E.: „Am dritten tag ist darnach das le- 
ger aufbrechen, durch gschefft des bischofs von Babenberg und zogen für 
den markt Helmstat, der da ligt ^3 mayl von Babenberg, angezind und 
vom boden verprent haben." — Diese Stelle ebenfalls noch Bl. 226 einzu- 
schieben. Holzw. hat: „Prima die postquam Schweinfordia discesserant 
episcopus bambergensis . . . Hassfordiam in castra venit. Altera die omnes 
copiae ad castellum Haistatt perveniunt." Diese Angabe verstösst sowohl 
gegen das A. E. als gegen die Zab. Handschrift. — ^) alle heysser zxigr- 
sperrt. Im A. E. ausführlicher: „haben alle gassen mit riegeln, plecken 
und kethine, die da hangen in den gassen verschrmkt und vermacht, auch 
da alle heusser vermacht sind worden, das nenhart kain mensch hat 
kinden ainkomen u. s. w." 

7* 



100 Adam. 

unn damacli liio erfordert« liio dan schuldig send gowosson an der 
aufruhr; unn als|)ald er den ersten beruft bat, der ist berfur gangen; 
unn darnach, ^an er mer ain beruft hat, so hatx kainer sein wollen, 
unn hat stil geschwigen; unn da sein gnad das verstanden hat, hat 
er den selbigen ba>vru mit im hinnein gefurt, unn xu Hottenburg 
gefangen 24 man, otlich ausx dem ratt, unn ain edelmann, unn ain 
plinden mynch*); die hat er all enthauptton entlassen; unn der') 
I Prediger I') daraus ist auch gefangen worden; nit waist man ob er 
gericht ist worden oder nicht; unn auch ain wurt ist gessen auf dem 
marckt, der ward die selbig nacht erpetton vom todt; unn ward da 
seiner frawen das pottenprot**) gepracht, ^er urr vrinicn warden'*; 
da ward ain sölliclis geschrey von der gomain ibor den wurt« das 
man im am morgen dtus haupt must abschlagen; darnach xoch |22 
Versop) margraif gcnu Dinckelspill«') unn bandlet auch mit in, unn 
nam bey 40 gefangen; nit waist man noch wie mansx mit inn hand- 
ien wurt. Das lass ich also bestaun, bis/ icb inen wurfi) globhuftig, 
wjis gescheen ist im Allgee.*) 

m) uuk»««chrUb«u, -- b) lUo liutMcliftfl. ■ c) DlukrUbuhl. • il) liiuvu wvrd«« gUuliiiHfUn. 

I) (UM ttltlmauh, Junker Stephan von Men/ingen, ein piiimhn 
inönch, der HarfUsser Haus Sohmid, genannt Fuchs oder Uotf\ichK. 
>) und der, liier 2V) cm unbeschrieben. Hei llolxw.. item dovttirem: 
Hans IXmschlin, dessen Namen vielleicht hier sUuul, aber vom Abschrei- 
ber nicht gelesen werden konnte (cf. liaumann, Quellen aus Hottenburg, 
000). Der Wirt war Hans Kretser (s. liaumanu ibid. 552). ') JJnnmch 
:og. Das A. K. ist hier abgebrochen. Ober die Vorgänge um Dinkels- 
buhl berichtet liobsw. nacJi Thoman 115 110; dwa Heranrücken den 
Markgrafen ist jedoch nach dem ZabiMuier MS. angegeben, mit der weitereu 
Bemerkung, dass vtm den 40 Gefangenen viele entliauptet wurden. 
*) tiit waifit man uock, lk>r Herold war nicht mit dem Markgrafen go- 
xogen, sonst hatte er wissen müssen, dsss Deuschlin, xu Hottenburg, mit 
den amiern befangenen entliauptet worden war (1. Juli). Kr scheint aber 
von Nürnberg ab, dem Truchsessen nicht mehr gefolgt xu sehi, und war 
jetlenfalls nicht bei den Kreignissen im Allgäu. AucJi glaubhafte Kunde 
war ihm von dort noch nicht xugegangeu. indem die Katastrophe bei 
der Luib}\s am 24. Juli statt^nd, kamt der wahrscheinlich eher erfolgte 
Absclduss dieses Tagebuchs, selbst im schlimmsten Fall, kaum bis auf 
den 1. August hinaus verlegt werden. Die Aufxeichimngen sind also 
gleichseitige, was ihnen, besondes bei des Lntj^ Stellung als Herold des 
'iVuciisessen , einen erhöhten Wert verleiht. Die im Zab. MS. leer 

gelassenen veroiuxelten Wörter sengen von der peinlichen (lewissenhuftig- 
keit des Abuchreibers. 



Zar Geschichte der Erziehung 

des EnrftLrsten Karl Yon der Pfalz nnd seiner 

Schwester Elisabeth Charlotte. 

Von 

Friedrich Ton Weech. 



Im 26. Bande dieser Zeitschrift (S. 407 ff.) habe ich aus 
einem im Generallandesarchiv befindlichen Original die In- 
struktion veröffentlicht, welche Kurfürst Karl Ludwig im 
Jahre 1661 einem der Erzieher seines Sohnes, des Kurprinzen 
Karl, dem Sieur de Sandeville erteilte, an deren Rand die 
{im Druck in Klammer gesetzten) Abänderungen derselben 
stehen, mit denen sie auch für die (nicht genannte) Hof- 
meisterin der Schwester des Kurprinzen, der Pfalzgräfin 
Elisabeth Charlotte, der späteren Herzogin von Orleans, 
in Wirksamkeit traten. 

Seitdem sind noch andere Bestallungen und Instruktionen, 
welche sich auf die Erziehung dieser beiden Kinder Karl 
Ludwigs beziehen, in dem Kopialbuch No. 576 des General- 
Landesarchivs, einem „Civil-Bestallungsbuch de anno 1664 (sie!) 
biß 1670" aufgefunden worden. Es scheint mir, dass sie durch- 
aus verdienen, ebenfalls veröffentlicht zu werden. 

Der Kurprinz Karl war am 31. Oktober 1651 geboren. 
Dem Kurfürsten Karl Ludwig lag daran, seine Erziehung 
schon von der frühesten Kindheit an in die würdigsten Hände 
zu legen. 

Die Wahl der Personen, denen die Leitung der Erziehung 
junger Prinzen anvertraut wird, bewegt sich von alten Zeiten 
bis heute in sehr weiten Kreisen, wenn man so sagen darf, 
zwischen zwei Polen, vornehmen Herrn des Hofstaates und 
berufsmässigen Pädagogen. Dazwischen liegen dann ver- 
schiedene Mischformen, in denen sich höfische, kirchliche, 



102 V. Wooch. 

militärische und schulmeisterliche Elemente mehr oder woniger 
gut amalgamieren. 

Karl Ludwig, in allem eine gross angelegte Natur, fand, 
dass für seinen Kurprinzen der beste Mann, den er kannte, 
gerade gut genug sei, und übertrug die Leitung der Erziehung 
seines Sohnes einem Staatsmann, der allerdings zugleich ein 
Gelehrter war, dem Ezechiel Spanheim. 

Dieser hatte schon von seinem (irossvater, dem Kirchenrat 
Wigand Spanheim zu Amberg, her Beziehungen zu dem 
pfalzischen Hofe. In (lonf am 18. December 1629 geboren, 
kam er 1G42, 13 Jahre alt, mit seinem Vater, dem Theologen 
Friedrich Spanheim, nach Leyden, wohin dieser von der Witwe 
des „Winterkönigs" und den Generalstaaten berufen war. 
Mit 20 Jahren (1640) erhielt er von dem Rat von Genf den 
Ruf, den Lehrstuhl der Theologie, den früher sein Vater inne 
gehabt hatte, zu besteigen, und 1652 wurde er selbst Mitglied 
des grossen Rates von Genf. Er zählte 27 Jahre, als ihn der 
Kurfürst Karl Ludwig zum „Direktor des Kurprinzen Karl*, 
d* h. zum Leiter der Erziehung dieses jungen Prinzen ernannte. 
Dieser zählte erst sechs Jahre, und es war eigentlich eine 
etwas sonderbare Zumuthung, die dem damals schon als be- 
deutender Mann bekannten Ezechiel Spanhein) gestellt wurde, 
sich mit der Erziehung des fürstlichen Knaben in einer doch 
ziemlich in die kleinsten Einzelheiten eingehenden Weise zu 
beschäftigen, wie wir sie aus der vom 22. Februar 1657 
datierten Bestallung (No. 1) kennen lernen. Vermutlich, um 
ihn bei Ausübung dieser Verpflichtungen zu unterstützen, bexw. 
zu er.'^etzen, wurde am 24. April 1657 der kurfürstliche Rat 
und Kammerjunker Johann Bernhard von Ketschau zum 
„Aufseher'* des Kurprinzen ernannt. Dieser stammte wahr- 
scheinlich aus einem früher im Anhalt'achen, später im Fulda'schen 
angesessenen Adelsgeschlecht. Über seine weiteren Schick- 
sale im kurpfälzischen Dienste ist uns nichts bekannt geworden. ^> 
Ihn ersetzte 1661 Herr de Sandeville.') 

Die Stellung, die Ezechiel Span heim beim Kurprinzen 
einnahm, verliess er im Jahre 1661, um eine Reise nach Italien 
anzutreten, von der er erst im Jahre 1666 zurückkehrte.') 

Vgl. Kneschke, Adclslcxikon 5, 81—82. Dieso Familie hat mit 
der bokannteron Familie von Kölsch au nichts gemeb. Kneschke a. a. 0« 
S. 912—18. >- >) S. oben. -- '^ Dio biofrrapbischen Daten entnehme ich 



Endehung Kurf. Karls u. EUeabeth Gharl. von der P&k. 103 

¥rie L. Häusser (Geschichte der Rhein. Pfalz, Bd. II, S. 689) 
ohne Quellenangabe mitteilt, war bis 1664 der berühmte Jurist 
Samuel Pufendorf, der 1661 als Professor nach Heidel- 
berg kam und demnach vermutlich Ezechiel Spanheim, er- 
setzte, Erzieher des Kurprinzen. 1664 sei an seine Stelle 
Paul Hache nberg getreten. In dem „Givilbestallungsbuch^^ 
Karl Ludwigs ist eine Bestallung dieser beiden nicht ent- 
halten, und auch in andern Dienstbüchern und den pfalzi- 
schen Akten des General -Landesarchivs findet sich nichts, 
was diese beiden Männer betrifiFt. Wohl aber erfährt man 
aus diesem Kopialbuche, dass am 22. Februar 1663 der Ritt- 
meister David von Wattweyler (wohl als Nachfolger des 
Herrn de Sandeville) zu des Kurprinzen Hofmeister er- 
nannt wurde (No. 3). Hinsichtlich der körperlichen Ausbildung 
desselben ist noch die Bestallung des Ferdinand de Pir- 
ville zum ersten Stallmeister des Kurprinzen d d. 7. Juni 
1668 (No. 6) zu erwähnen. Dieser war ohne Zweifel ein 
Franzose, während David von Wattweyler einem Adels- 
geschlechte angehörte, das sich nach seinem Stammsitz Watt- 
weiler bei Sennheim im Oberelsass benannte.*) 

Vom 1. December 1G63 ist die Bestallung des Fräuleins 
ürsulaKoIb von WartenbergalsHofmeisterin(Gouvernante) 
der Kurprinzessin Elisabeth Charlotte datiert (No. 4). 
Diese war am 27. Mai 1652 geboren, also gerade ein Jahr 
jünger als der Kurprinz Karl. Ursula Kolb von Warten- 
berg, einem alten reichsritterschaftlichen Geschlecht^) ent- 
stammend, trat ihre Stellung als Hofmeisterin der Prinzessin 
Elisabeth Charlotte zu der Zeit an, in welcher diese, die seit 
1659 bei ihrer Tante, der Herzogin Sophie von Hannover, 
sich aufgehalten hatte, wieder nach Heidelberg zurückkehrte.*) 
Die Prinzessin war ihr sehr zugethan und ihr Name erscheint 
sehr häufig in deren Korrespondenz.*) Die Grundlage ihrer 
Instruktion ist in den Abänderungen der oben erwähnten In- 
struktion für Herrn de Sandeville zu erkennen. In der 
unten abgedruckten Bestallung ist sie bedeutend erweitert. 

dem Artikel Ezechiel Spanheim von H. v. Petersdorff in Bd. 35, 
S. 60 ff. der Allgemeinen Deutschen Biographie. 

^) Eindler v. Knobloch, Der alte Adel im Oberelsass S. 103. — 
*) Kneschke 6, 219—20. — «) Vgl. Bodemann, Aus den Briefen der Her- 
zogin Elisabeth Charlotte von Orleans an die Kurfürstin Sophie von Han- 
nover. Vorwort. — *) Meist in der Form : die Colbin oder Jungfer Colbe- 



104 ▼. Weech. 

Schon vorher, am l. August 1663 (No.5), hatte die Pnn* 
zessin in der Pei'son des Karamerjunkers*) Estienne Polier 
de Boten s einen Hofmeister^) erhalten. In der Korrespondenz 
Elisabeth Charlotte's wird sehr häufig als einer ihrer Ver- 
trautesten Monsieur de Polier erwähnt, der über 90 Jährte 
alt geworden im Jahre 1711 starb. Menzel in seiner Ausgabt^ 
der. Briefe der Herzogin von Orleans nennt ihn „den alten 
treuen Lehrer, Freund und Diener der Prinzessin n^cli von 
Heidelberg her'* und weiss auch, dass er ,,ein fransösischer 
Schweizer'* war. Trotzdem giebt er ihm im Register den 
Titel eines Abbt\ der in durchaus uuzutrefTender Weise diesem 
guten Protestanten fortan in fast allen Publikationen anhaftet. 
Vermutlich ist die falsche Meinung dadurch entstanden, dass 
Elisabeth Charlotte häufig von seiner KWinunigkeit spricht 
und sagt, dass er ihr „viel Trost gab". Gerade dieses aber 
konnte er als der einzige Protestant in der Umgebung der 
Herzogin, die, trotz ihrem (übertritt zur katholischen Kirche, 
die Religion ihrer Jugend nicht vergessen hatte. Erst im 
Register zu den im 132. Band der Bibliothek des Literar. 
Vereins veröffentlichten Briefen (S. 374) wird Holland darauf 
aufmerksam, dass es (Bd. 107, S. 7*.^) von Polier heisst: „er 
geht nur aus, unib in die predig bey den schwedischen en- 
voy^s zu gehen**. Daraus hätte man schon früher ersehen 
mUssen, dass er kein Abb6 sein konnte. Auch daraus, dass 
ihn die Herzogin nie anders als „Monsieur do Polier** nennt, 
hätte man diesen Schhuss ziehen müssen. Nun kommt aber 
(a. a. 0.) Holland auf den Gedanken, Polier sei ein Arzt 
gewesen. Er verordnete aber wohl nur als alter Freund so- 
genannte Hausmittel. Denn, aus zahlreichen Stellen der Kor- 
respondenz ergieht sich, dass es der ehemalige Heidelberger 
„Hofmeister** war, von dem die Herzogin spricht und von 
dem sie auch in ihren Briefen an die Kaugräfin voraussetzt, 
dass diese sich seiner erinnere. 

Die in den Bestallungen der genannten Personen enthaltenen 

Die Knieunung des c^pitaines K. Polier /um Kammerjunker war 
schon am 2a. Febr. l«r>7 erfolgt. Kopialbuch 684 S. ßlW. — ») Im fran- 
lösischen Text der UoHtallung heisst er „premicr cscuyer*^, in der Über- 
Schrift aber wird er ah „Hofmeistt^r** bcKeichnct. - *) Holland« li rieft* 
der Henogiu Elisabeth Charlotte von Orleans a, d. .1. 1707-15. lUbl. 
d. Literar. Vereins Bd. 107, S. 262. 



Erziehung Kurf. Karls u. Elisabeth Charl. von der Pfalz. 105 

Instruktionen für die Erziehung der ihnen anvertrauten Kinder 
sind überaus charakteristisch für die Denkungsart Karl 
Ludwigs. Ich enthalte mich jedes weiteren Eingehens auf 
dieselben, da sie in ihrer kräftigen, eigenartigen Fassung am 
besten für sich selbst sprechen. 

Ausser den Bestallungen der Erzieher des Kurprinzen Karl 
und der Kurprinzessin Elisabeth Charlotte wird nachstehend 
(als No. 2) auch die Bestallung des Ezechiel Spanheim 
zum kurpfälzischen Regierungsrat mitgeteilt. 

Wie während seiner italienischen Reise war er auch nach 
seiner Rückkehr aus Italien in Geschäften des Kurfürsten 
Karl Ludwig thätig, ohne jedoch eine feste Anstellung in dessen 
Diensten zu bekleiden. Störungen des Vertrauensverhältnisses, 
in dem er zu Karl Ludwig stand, wurden durch das Eingreifen 
der Schwester des Kurfürsten, der Herzogin Sophie von Han- 
nover, ausgeglichen (Schreiben vom 17. Juli 16G8). Am 
12. August 1668 wurde Ezechiel Spanheim zum Regierungs- 
rat Karl Ludwigs ernannt. In der Bestallung wurde ihm auf- 
erlegt, in Heidelberg seinen Wohnsitz zu nehmen und wöchent- 
liche politische Korrespondenzen mit hervorragenden Persönlich- 
keiten in allen Hauptstädten Europas zu führen. Das Ver- 
zeichnis der Korrespondenten, welches die Bestallung aufführt, 
weist die vielfachen Beziehungen der pfälzischen Politik nach, 
und ist insofern von besonderem Interesse. Ich habe deshalb 
geglaubt, auch diese Bestallung Spanheims, obgleich sie ohne 
Beziehung zu der Erziehung der fürstlichen Kinder ist, an 
dieser Stelle zum Abdruck bringen zu dürfen. 



1) Bestallung des Ezechiel Spanheim zum Direktor des Chur- 

erben Pfalzgrafen Karl 
d. d. Heidelberg 22. Februar 1657. 

Fol. 170—173. 

„Demnach die notturfft erfordert, daß bey ietzigen jähren . . . 
der Churerb ... in wahrer gottesfurcht und allen andern christfttrst- 
lichen tagenden und sitten, auch in den studiis angewiesen und auff- 
erzogen werde, und zu solchem ende eines verständigen und tugend- 
hafften mannes benötiget" , wird von Kurfürst Carl Ludwig hierzu 
„auß bekannter geschicklichkeit der hochgelehrte unser lieber {ge- 
treuer Ezechiel Spanheim zu unserm rath und bemelten unsers lie- 



106 V- Weech. 

heil sohns (iircctoreu hostelt und angenoininen also uiid folgender- 
maßen : 

1) Hey unsors gcliobton solms aufTstoben und nidcrligou soll er 
sich alloinaJil in pcrsohn helinden (deßwo):con nccbst domsolbon ihme 
oin gemach angowiscn werden wOnl) ihuo zu den morgen- und abend- 
wie ingleiohem vor- und nuchmahlzcit-gebetton anhalten, dieselbe 
mit geziemender andacht verrichten und vornemlicb und vor allen 
dingen angelogen sein lassen, daü bey unserm sobn die wahre gottes- 
forcht und was derselbigen anhangt mit allem eifer gepflanzt und 
cräfftig uiuierbalten werde. 

2) So soll er auch unsern lieben söhn zu zucht, geberdigkbeit, 
gehorsam, boscheidcnheit und allen andern chnstfttrstUchen tugenden, 
so viel in diesen jähren möglich, halten und, was die studia belangt, 
nach gelegenheit seine^s ietzigen alters zu anfang es bey dem lesen« 
schreiben (so durch den praeceptorem untl cammerdiener xu ver- 
rii*hten) und c^itechismo (davon ein kurtzor begriff, der die vor- 
nehmste fundamenta in sich holt, zu verfassen), ingleichem der 
französischen sprach bewenden lassen, dcrgesUvlt daß des morgents 
von acht bis neun uhr unser geliebter söhn in der bibel lesen und 
eine lection auß dem catechisino recitircu, folgends daraus examinirt^ 
von neun bi(i zehen uhr aber in dem schreiben geübt werde. l>oß 
nachmittags von zwey bis vier uhr soll er wider zum lesen und 
<chn>ibon, auch repetirung dessen, so er möchte gelehrnt haben, an- 
gehalten werden, in welcher zeit er auch in der französisciien sprach, 
so wohl was das reden als lesen anlangt^ zu underweisen, dabey es 
also zu halten, daü er des tags etwan eine zwölflf von den geringsten 
frantzösischen Wörtern auswendig Ichrnc, welche alle abend, ehe man 
ihn zu bctt legt, er wider zu n>i)etiren. (Ueichergestalt soll dahin 
gesehen werden, dass man ihm einige principia historica, geographica 
und etliica bey bringe und solches, seinem ietzigon alter und capaci- 
ti(t gemäß, gleichsam nur spielens weiß und im spatzieren gehen. In 
welchen stunden er, der director, iederzeit gegenwertig sein; bey 
küutftig unsers sohns zunemmeudcm alter, gcschicklichkheit und vei^ 
stand aber hat er den allerbequemsten und leichtesten methodum 
und weg zu Unterweisung fur/uschlagen, an band zu nemmen und 
iViv institution in dem fundament der religion, frantzösischer und la- 
teinischer sprach, historicis, geographicis und was denen einem itir- 
sten nötigen stuiliis anhengig (davon bey anwachsenden unsers ge- 
liebten sohns alter weiter soll gei^edt werden) so wohl bey unserm 
söhn als auch dem ihme zugegebenen jungen grafen selbst zu werk 
zu richten. 

3) Zu welcher underweisung sollen alßdann des montags, diens- 
tl^(s, donnerstags und freytags vormittags die stunden von acht bis 
zohen uhr angewendet und darein entweder die grammatica oder 
was sonsten am schwersten tractirt, nachmittags aber von zwey biß 
vier uhr historia oder was sonsten am leichtesten und von fdnf bis 
sechs uhr mathematic^ tractirt wenleii. Mittwochs solle vormittag 
i'in stund in catocheticis angewendet werden und nachmittags spiel- 



Erziehung Kurf. Karls u. Elisabeth Charl. von der Pfalz. 107 

tag ada. Sonnabend vormittag soll ein stund in underweisung der 
geographie zogelniucht werden nnd nachmittags Spieltag sein, in 
denen standen, so znm stadireu angewendet werden, soll der director 
iederzeit gegenwertig sein, die übrigen, so zn den exercitiis verord- 
net, kann er zu seinen eigenen geschafften anwenden. 

4) Zu unsers sohns ergötznng hat er zu der zeit, da es ohne ver- 
sttiimnng der lectionen nnd exercitien geschehen kann, nnd es das 
.ipetter und lufft an die band gibt, spatziren zu fahren, reiten und 
gehen, ausser unsern expressen urlaub aber über nacht nicht außm 
sdiloß bleiben lassen, es begehre es auch wer es wolle, auch ohne 
unser und, in unserer abwesenheit, unsers marschalcks oder dessen, 
80 wir an unser statt verordnen werden, wissen und erlaubnuß, ausser 
oder in der statt zu gastereyen oder collationen, sonderlich in win- 
ters zeit, abends gar nicht gehen lassen, solche so viel möglich mey- 
den, und da es bey guten bekannten, treuen leuthen zugelaßen, daß 
es also geschehe, damit unser lieber söhn durch unordentliche diaet 
an der gesundheit kein schaden leyde, wie er es gut befinden würd. 
Wir sind auch gnedigst zufrieden, daß er zulasse, daß unser sohu 
wohlerzogene junge gräffliche oder adeliche persohnen oder andere 
feine bekhannte knaben besuchen und sich mit denselben in ge- 
ziemender erbarkheit belustigen. 

5) Jetziger zeit soll er director auch daran sein, daß unser lieber 
söhn morgens frühe im sommer zu sieben uhr geweckt und abends 
zu zehen uhr schlaffen gebracht, im winter aber zu acht uhren ge- 
weckt und zu neun uhr zu bett gebracht werde. Wann er aber an 
alter würd zugenommen haben, stellen wir zu seinem gutfinden und 
ermessen, hierinnen anderwertig bequäme disposition zu machen. 

6) Er soll auch die jenige gelder, so zu unsers lieben sohns not- 
turfftigen außgaaben behüffig, iedesmals von unserm cammermeister. 
der sein würd, empfangen, darüber quittiren, selbiger nebenst unsers 
geliebten sohns allbereit habenden und nach und nach noch femer 
überkommenden Silbergeschirr, kleynodien und geschmeid under seine 
gewahrsam nemmen, über die gelder ordentliche rechnung halten 
und ablegen und des silber geschirr, kleinodien und anders wegen 
drey richtige inventaria, deren eins der von Ketschau, das andere 
er und das dritte [der] cammermeister haben soll, geführt werden. 

7) Was die andere unserm geliebten söhn zur auffwarttung ver- 
ordnete diener belangt, sollen dieselbe dem directori in denen dingen, 
so in seine Verrichtung lauffen, gebührende folge zu leisten gehal- 
ten sein. 

8) Im übrigen und insgemein, so hierinnen in specie nicht be- 
griffen, soll er, director Spanheim unsers lieben sohns nutzen und 
frommen in alle weg und weiß, wie das sich aignet und eine löbliche 
junger herrschafft aufferzucht erfordert, suchen und werben, schaden 
und nachtheil abwenden und alles übrige thun, was einem auffrich- 
ügen treuen rath, directom und diener gebührt und zu leisten schul- 
^g ist. Wir behalten unß aber vor, gegenwertige instruction und 
darinn verfaßte punkten iederzeit nach belieben und gutfinden zu 



108 ^- Weoch. 

mohron und xu mindorn, wio os dio boschaifonheit der xeit und fort* 
gang unsors geliebten sohns erfordern möchte, darauf er unß solche« 
alles m thun einen leiblichen aid zu gott dem allmächtigen ge- 
schworen hatt, treulich ohne gofehrde. Und wollen wir ihm umb 
solch seinen dienst, so lang der wehrt, jtthrlic.hs und ein iegliches 
jähr besonder, das auff heut dato an- und ausgehet , durch unsern 
C4immermeister, der iedcrzeit sein wttrd, auff seine Quittung außricii" 
ten und bezahlen lassen dreihundert sechzig gülden an gelt, auff ihn 
und einen dienor die taffel bey hoff oder das costgelt darvon, wie 
andere seines gleichen. Und stehet diese bestallung einem ieden 
thcill ein viertel jähr zuvor auffzukündigen fn\v. 



2) Hostnllung des Ezechiel von S|mnheim^) zum Uegierungs- 

rat des Kurfilrston Karl L\idwig 

d. d. Friodrichsburg 12. Au|ü:ust lOOs. 

(FoL .^) /—/>/>.) 

Seine Jieatadiwtf nfhifft toitvr foUie^uicn JMimjiuitfeu : 
dass er .sein logemcnt in der statt Ileydelberg haben und die 
frant/ösische, italienische und lateinische corrtvsiHmdontzen mit denen 
nechst folgendts genenton persohnon halten solle: ncmlich am kaysor- 
lichcn hoff mit dem Conto (lualdo ; in Italien mit jemandten seiner 
bekandten zu Rom; zu Florentz mit Abbate Stn^zzi und mit Caprara; 
ingleichen soll er sich auch unU) einen com^siwndenten zu Venedig 
umbtlmn, am königlich frantz(\sischen hoff aber mit dem daselbst re- 
sidircnden Venetianiscben gesandten Morosini, M^ (^ourtin oder des- 
sen secretario und mit M»". Puffendorff, in Schweden mit dem Herrn 
Iliornklauw, Holländischen umbtvssadeur (iroot, Residenten lleinsio, 
Herrn Mavio, Schwedischen Residenten zu Hamburg, Herrn RöcJvcl, 
im Hage mit dem Cburpßtltzischen Residenten de Groot und, da er 
kundtschafft mit ihme bat, mit dem Schwedischen Residenten dasellwt, 
so<lann in Kngellandt mit dem an selbigem hoff sich jederzeit auff- 
haltenden schwedischen Residenten und an dem Rraunschweigischen 
hoff mit dem von Plato correspondiren. 

An alle vorgenante |>ersohnen oder diejenige, welche wir hier- 
nechst ernennen werden, soll gedachter von S|mnhcim alle wochen 
cinmabl auff denen gewöhnlichen jxwttägen der sprach, so sie ver- 
stehen, schreiben und darin ihnen, waß alhie zu der leuthen wißcn- 
schaft außgegeben wirdt, manifesten, acten oder schreiben und waß 
ihme deßwegen auli den geheimen regierungs- und regalieni'ath wirdt 
zugeschickt w»^nlen, communiciren. Kr soll auch die teutschen 

*) Im IWstallungsbrief ftihrt l<]zechiel Spanheim das PHldikat »von**. 
Nach Knetichke 8, 541 ist er im Jahre 1702 vom König in Vreujöcn in 
den Kreiherrnstand erhoben worden. 



Erziehung Eurf. Karls u. Elisabeth Charl. von der P&lz. ]09 

sacheu, dafem er der teutschen sprach soweit kundig, selbst in die 
frantzösische oder lateinische sprach übersetzen oder die von andern 
gemachte aoff- und ubersatz verbessern und den stylum corrigiren. 
Ferners soll er sich auch, wan wir mit einigen außländischen in auß- 
ländischer sprach zu handeln, item da wir ihn zu hiesiger Universi- 
tftts geschäften je zu zeiten deputiren wolten, gern und williglich 
gebrauchen lassen, ohne unseren expressen und special befehl aber 
in keinem coUegio unserer cantzley sitzen. 

Vor und umb diesen seinen dienst wollen wir ihme zur jährlichen 
besoldung 360 gülden an geldt bezahlen, auch das gewöhnliche kost- 
geldt, nemblich vor seine persohn 2 gülden 15 creutzer und einem 
diener 7 orthsgülden an statt der taffei bey hoff, sodan 50 gülden 
haoßzinß, reichen und zu sauberer abschreibung seiner an die ob- 
genante correspondenten auffgesetzte concepteu einen scribenten an- 
weißen laßen. 



3) Bestallung des kurfürstlichen Rates und Kammerjunkers 
Johann Bernhard von Ketschau zum Aufseher des Kurerben, 

Pfalzgrafen Karl 
d. d. Heidelberg, 24. April 1657. 

(Fol 166v.-169v.) 

Ihm mrd von Kurfürst Karl Ludwig diese Aufsicht bis .zu 
anderweitiger Verordnung aufgetragen und anvertraut also und 
dergestalt: 

1) und vor allen andern dingen soll er ihme angelegen sein lassen, 
daß bei unserm söhn die wahre gottesforcht und was derselben an- 
hängt mit allem Eifer gepflantzet und cräfftig underhalten werde; 

2) soll er unsem söhn in schuldigem gehorsam und respect gegen 
uns und unsere vielgeliebte gemahlin anhalten, wie er sich bey an- 
wesenden frembden herrschaften und sonsten gegen iedermann höf- 
lich bezeugen, hohe und niedere persohnen anreden, tituliren, reverenzen 
und sonsten der gebühr nach tractiren soll, sowohl als auch zucht, 
bescheydenheit, schamhaftig- und gebärdigkeit in worten und werckhen 
besten vleises anweisen. 

3) soll er gute Ordnung halten, mit uusers sohns auffstehen und 
niderlegen und zwar icderzeit denselben im sommer zu siben uhren 
morgends weckhen und abends zu zehen uhren schlaffen bringen und 
weiters morgends umb acht uhren weckhen und abends umb neun 
uhren zu bctt legen lassen, nach dem er aber an alter zunehmen 
wflrd, hat er wegen Veränderung der stunden bey uns underthänigste 
erinnerung zu thun und unsere Verordnung zu erwartten. 

4) er soll auch in unsers lieben sohns schlaff cammer alle nacht 
in persohn liegen, jedesmahl bey desselben auffstehen und schlaffen- 
gehen zugegen 5;ciu (zu dem ende ihm auch sein gemach auf dem 



110 V. Waech. 

schloss nechst an unsorm söhn verordnet worden wOrd) vleisig aii#- 
aehens haben, das er riMniglich von den cammerdienorn an- und aos- 
gekloydet und die kloydcr der gebühr nach sauber gehalten worden. 

5) zu erhaltung [der] gesundheit soll er auch in essen und sonder- 
lich im trinkhen unsern söhn in guter vernüniftiger maß und Ordnung, 
auch bey tisch in geziemender fürstlicher zucht halten, und da er 
bemerkte, daß unser söhn nicht bey natürlicher rechter leibs be- 
schaffenheit woro, hat er selbiges bey rechter zeit unß und unsenn 
hofTmedico anzuzeigen und desselben Verordnung wohl in acht nemmen 
zu lassen. 

(J) Wegen des studirens und unden^cysung in denen exercitiis 
soll es nachfolgender gestalten gehalten werden: des montags, diens- 
tags, donnerstags und freitags sollen die stunden vormittags von acht 
bis zehen nhn>n zum studiren, die übrige stund aber von zehon bis 
eilff uhr zu den exorcilien und zwar zum duntzen angewendet werden, 
nachmitt4\gs soll unser geliebter söhn von zwey biß vier uhr wider 
in den studiis, von vier biß fünf im fechten und wider von fünf biß 
sechs in muthcmaticis unterwiesen werden; deß mitwochs vormittag 
soll eine stund in studiis zugebracht werden und nachmittags spihl- 
tag sein, sonnabends gleichfals vormittag ein stund in den studiis an- 
gewendet werden und nachmittag spihltag sein. Und sollen die 
stunden also getheylt werden, daß in denen des studirens der director 
Spanheim und bey denen der exercitien .ier aufscher Ketschau gegon- 
wertig sein solle. Die übrigen stunden, wann ein oder der andere 
nicht gegen wert ig sein darff, könniMi sie zu ihren eigenen geschalten 
anwenden, wjinn aber der printz ausfühivt, ki\nnen sie alle beyde 
ntitfahren und solle der von Ketschau gute inspection haben, daß die 
unserm söhn verordnete exorcitienmeistcr in ihrer underweisung ihr 
ambt nnt treuem eifer und vlciß verrichten. 

7) Wörtlich iibnriHsthnmeHd wit No. / in ihr IksfaiiuHg für 
KiTvch iel Spa Piheim . 

8) er soll auch autf die unserm lieben söhn verordnete CAmmer- 
diener, pagen, bupiaien und gemeine auffwartter, welche wir alle ihm 
zu pariren anweisen lassen wollen, ein scharptV und genaue aussieht 
hab<MK daß ein ieder seines ambts und diensts mit treuem vleiß wartte, 
unstM'u lieben söhn weder tags noch nachts in oder ausser gomachs 
nimnicrmehr allein lassen, sondern der gebühr an handt gehen, unter- 
einander sich friedlich und einiglich betragen, gottesfon^ht über der 
ehrbarkheit bevleissen, fluchen und andere hvster, absonderlich aber 
alles übertiüssige trinkhen und schlemmen durchauß meyden und ohne 
sonderliche erlaubnuß sich keiner von gemiichern oder viel weniger 
gar ausser dem schloss abwesend tinde; die Verbrecher hat er nach 
der gebt\hr abzustralfen, da solches nicht vertiengt\ an unß zu bringen 
und ferneiv Verordnung zu erwartten. 

\>) bat er alles übrige, so hierinnen nicht begriffen, nach ermessen 
reitf lieh und mit guter bescheydenheit hinzulegen und zum besten zu 
kehn^n, die jenige saehen aber, daran er zweiftel hat, soll er boy unß 
oder in unsoror abwesenheit bey unserm marschalckh oder wen wir 



Erziehung Kurf. Karls u. EUaabeth Charl. von der Pfolz. 1 1 1 

sonst an unflcr statt ordnen werden, anbringen and sich bescheids 
anch sonsten insgemein ansem nnd ansers lieben sohus nutz 
fimmmen in alle weg und weiss suchen und werben, schaden und 
nachtheil abwenden und in summa alles thun solle, was einem auff- 
riditigen treuen diener, rath und auifseher gebührt und zu leisten 
sdnildig ist. Wir thun uns aber hiemit vorbehalten, gegenwertige 
iostmction und darin verfaßte puncten iederzeit nach belieben und 
gvtfinden zu mehren und zu mindern, wie es die beschaifenheit der 
zeit und fortgang unseres geliebten sohns alter erfordern möchte, 
Darauff er unß solchem allem nachzukommen einen leiblichen aydt 
ztt gott geschworen hat, treulich ohne gefehrde. Und wollen wir ihm 
umb solch seinen langen dienst, so lang der wehret, jährlichs und ein 
jeglichs jähr besonder, das auff heut dato an- und ausgehet, durch 
vnsem cammermeister, der iederzeit sein würd, auff sein quittung 
aoßrichten und bezahlen lassen an gelt zweyhundert gülden, und soll 
«r seinen tisch zu hoif nebens zweyen knechten oder das costgeld 
darfür, so viel einem seines und ihres gleichen gegeben würd, sowie 
anch fiitter vor der röhr auff drey pferdt haben. Und stehet iederm 
tkeil bevor, die auffkündigung ein viertel jähr zuvor zu thun. 



4) Bestallung des David von Wattweyler, Rittmeister, zu des 

Kurfürsten Rat und des Kurerben Hofmeister 

d. d. Heidelberg, 22. Februar 1663. 
(FoL 178 V- 177.) 

1) Soll er Sorg tragen, daß gemeltcr unser Churerb in der waluen 
christlich, in der Churpfalz üblichen religion zur gottesfurcht durch 
vleisige Verrichtung seiner gewöhnlichen morgen- und abend gebeten 
und besuchung der predigten angehalten, doch mit keinem hass oder 
Widerwillen gegen die jenige persohnen, so seiner religion nicht zu- 
gethan, eingenommen werde. 

2) Soll er ihn zu schuldiger lieb und respect gegen seine eitern 
und die ihm der geburth und sonsten mit bluts-, freund- oder ver- 
wandschafft zugewandt, anweisen. 

3) Er soll ihn anhalten, unß vollkommenen gehorsamb zu leisten 
und nicht gestatten, daß iemand, es scy auch wer es wolle, ohn einige 
außnahm sich unterstehe, ihm, unserm Churerben etwas in gespriich 
oder sonsten beizubringen, so ihn von der unß schuldigen und bißher 
getragenen affection, gehorsamb und respect oder gegen die uns lieb 
und treu seind abwendig machen könte, sondern da ihm dergleichen 
etwas zu ohr käme, es bey zeiten vorkommen und ohne scheu unß 
davon in zeiten avisiren, die persohn, so solches unterstehet, nennen. 
aach nicht zulassen, es sey von wem es wolle, ihm, unserm Chnrerben 
za befehlen oder seiner auffcrziehung halber zu verordnen, es goscliohe 
dann mit unserm austilicklichcn befchl und willen. 



112 T. VVeech. 

4) Er soll dahin traobteu« daß unser Churerb in guten gebärd« 
und sitton wohl erzogen wenie und sonderlich bey der oonversation 
lillerhand pcrsohnen, nach ihrem stand und wOnie, mit der seinem 
stand geziomenden höHichkeit und sitt^uunkeit begegnen möge. 

5) So viel die stunde seines auffstehens, nidorligens, frühestüokes 
und malilzeiten, in gleichem seiiu)s studirens, der exercitieu, recreation 
und Visiten belangt, hatt er dahin zu sehen, daß die bishero darinnen 
gehaltene maü, es wen> dann, daü wir eines und anderes darinn tu 
ändern l>efehlen wünlen, continuirt mid von denen, so dabey gebraucht, 
die Schuldigkeit mit gebührendem vleilS geleistet werde. 

6) Zu welchem ende ihm abschrifft der bishero dabey gehaltenen 
Ordnung zugestelt werden soll ; und falls er dabey, sonderlich die diaot 
betreffend, etwas zu erinnern hat, er unß oder dem oder denen, welchen 
in unserm abweson wir unsere regiorung auff tragen werden, solches 
y.u berichten, damit nach guttindon änderung darinn vorgenommen 
werde. 

7) (Heichergestalt hat er vleiß anzukhen^n, daü die jenige, aio 
under seinem befehl stehen, so wohl als auch frembde unserm söhn 
und l'hun^rben schuldigen respect tragen, dieser auch mit seinen 
dienern noch den jungen leuthen, so ihn besuchen, sich nit zu gemain 
macJie. Fürnemlich soll er ihm nicht gestatten, mit denselben zu 
schertzen mit den bänden, steckhen und andern übell anstehenden 
ungebenlcn und |)osturen, wie bei jungen leuthen zu gescheiien pti^. 

8) Kr soll auch daran sein, daß alles sowohl den leib unsers Chor- 
erben als des.^ten kleider, geräthe, mobilien und logementer betreffende 
wie auch aller seiner diener in ^ohöriger reinlichkeit gehalten 
werde. 

0) Soll er nit zugeben, daß aUcrU\v Knaben von der statt ohn 
unterscheid zu ihm kommen, mit ihm in seinem gemach zu spielen 
oder ihm gesellschafft zu leisten; sondern nur allein vornehmer lout 
kinder, iugleichem der räthen. hoffofticiren wie auch der Professoren 
von der Universität kinder, es were dann daß er seine junge mann- 
schafft zusammen forden» oder sie etwa umb einer extraordinari 
kurtzweil willen expivsse erfoniert wüixlen. Insonderheit hat er wohl 
achtung zu geben, daß, wmin ansteckheude seuchen im schw*ang gehen, 
nnser Churerb in kein inticirtes oder wegen solcher krankheiteu ver- 
dächtiges hauß geftlhrt noch jemand danins kommender zu ihm ge- 
lassen wenie. 

10) Kr soll nicht gestatten, daß ausser denen, so zu uuvsers sohns 
diensten verordnet oder die von unß des wegen befehlicht seind, ie- 
mands (er sey auch wer er wolle) zu ihm gelassen werde, er habe 
sich dann zuvonlei*st bei ihm, dem hoff^meister, umb permission an- 
gemeldet, damit er umb so viel besser davor antwortten kOnnc. 

11) Was unsei's ('hurerben recreation belangt, findet sich dabey 
die ausspatzirung zu kutschen, zu pferd oder zu fuß, welche der hof- 
meister seinem gutfinden, auch gelegenheit der jahrszeit, in gleichem 
der Studien und exercitien nach anzustellen und sonderlich gut acht 
haben, daß er sich nicht zu sehr erhitze, nicht stracks auff seine 



Endehong Kurf. Karls u. Elisabeth Charl. von der Pfalz. ]13 

exercitia kalt trinckhe, mit obs übernehme, auch mit dem gewchr 
und pnlver sowohl er^lbs als die umb ihn seind, nicht gefährlich 
noch liederlich mnbgehe. Er soll von unserm Churerben nicht ab 
sein sowohl bei seinem ausstehen und niederligen als bey der mahl- 
zeit, exercitien, recreationen und visiten, auch allzeit in seiner cam- 
mer schlaffen; es werc dann in wehrenden studierstunden (da er 
dann allzeit einen von den cammerdienem bey ihm lassen, der ihm 
von seinem thun und wesen rechenschafft geben könne) oder wann 
er in particolar sich bey unß befindet, da ihme dann bevorstehet, 
solche zeit über sich zu absentiren und seinen geschafften nachzu- 
gehen. 

12) Unsers Churerben diener sollen alle unter deß hoffmeisters 
befehl stehen, deme sie zu gehorsamen angewiesen werden sollen, 
und soll er druff halten, daß ein ieder sein ambt schuldiger masseu 
verrichte, auch unter dem selben keinen excess oder debauche, es 
sey in Worten oder werckhen leyden; und wann sie dergleichen be- 
gehen oder sonsten ihr ambt nicht verrichten und auff zwey- oder 
dreymalige Verweisung des hoffmeisters sich nicht bessern, unß sol- 
ches anzeigen, damit sie abgeschafft oder sonsten gestalten Sachen 
und bey fürstlichen höfen üblichen brauch nach abgestrafft werden 
mögen. 

13) Wann bey unserer abwesenheit etwas vorfiele, so in diesem 
bestallungs brieff nicht enthalten, auch so lang bis zu einholung be- 
scheids bey unß uffschub nicht leyden wolte, bat er sich alsdann bey 
dem oder denen, so zeit unserer absentz wir an unsere stell verord- 
nen werden, in unserer anwesenheit aber sich recta bey unß selbst 
anzumellden. 

14) Was er von unsern "heimlichkheyten erfilhrt, soll er bis in 
seine grübe bey sich behalten, auch keine gemeinschafft noch coiTe- 
spondentz mit denen pflegen, so unß ttbell gewogen und unserm in- 
teresse zuwider seindt. 

15) Wir behalten unß vor, diesen bestallungsbrieff nach unserm 
gutfinden und begebender occasion zu vermehren zu mindern und zu 
verändern. 

Vor diesen seineu dienst wollen wir ihm jährlich an gelt sechs- 
hundert güllden durch unsern cammermeister gegen quittung reichen 
lassen; und soll er logement und tisch bey hoff vor sich und zwey 
diener und auff einen diener costgelt, wie andere seines gleichen, 
auch vor vier pferd futter von der röhr haben, auch freie stallung 
vor dieselbe. Seinen rang belangend, soll er den adelichen regierungs- 
räthen und ihres gleichen, die anietzo seind, nach, denen aber, so 
hernach kommen, vorgehen. 

Dafern es unser oder seine gelegenheit nicht sein solte, daß er 
bei dieser bedienung länger verblibe, steht iedem theil bevor, ein 
viertel jähr zuvor auffkündigung zu thun. . 

Zaitichr. f. 0««oh. d. Oberrh. N» F. Yllf. 1. 8 



114 T. Weeoh. 

5) Bestallung des Fräuleins Ursula Marie Kolb von Wartenberg 
als Hofnieiaterin (Gouvernante) der Churprinzessin Elisabeth 

Charlotte. 

d. d. Frankendal ce 1. de decembre 1663. 

(FiA. 196^300.) 

1) Elle aura soin quo notre fille seit cslev^c dans la vraye ro- 
ligion chrestionno, dont il so fait profossion au Palatinat et entretenue 
dans la dovotion« luy faisant fairo Ig soir et matin ses prieros ordi- 
naires, froqucnter Ics prosohes, liro la biblo es deux langues, allo- 
mande et fran^oiso, et apprendre son catochismo, et qu'elle ne seit 
imbue de haine ou d*aversion coiitre aucuno personne pour n*ostre 
pas de sa roligion. 

2) Elle rontretiondra dans Tamour et le res|>ect cuvors ses parens 
et autres qui luy apiuirticnnont |mr le lien de la naissance, proximitt> 
de sang et allianco. 

3) Elle la portera & nous rondre toute raffection, le respect et 
Tobeissance qu'cllo nous doit, et no ponnettra pas quo qui que ce 
seit sans reserve Ten dostourne ni so mosle de luy Commander on 
d'ordonner de son education, si oo nVst par notre onlro exprös. 

4) Elle aura soin de riustruire on toutes les vertus morales et 
chresticnnes, iuy fora tenir le jwrt, lo rang et le respect dou k sa 
naissanco, ol no souffrira qu*aucun, soit domostiquo ou estranger, y 
manquent envors eile on aucuno fagon; aussi d*autre costö ladite gou- 
vemante taschcra de luy faire rondre ä un chacun solon son rang la 
civilitÄ et le respect qui lour appartiont. 

5) Hors (luo notre lillo soit indispos^o, laditc gouvemante aura 
soin qu^elle so love sur les huit houros du matin et so couche snr 
les dix heures du soir: Et qu'on luy apporte un ))etit de^euner 
aprös estre habill^, comme aussi une petite colation sur les quatre 
heures du soir, quand eile lo dosirora: Particulierement eile prendra 
bien garde que nostre dito fillo no so surcharge de viandes, prind- 
palement de duro digestion, soit au repas ou hors d*iceluy; sur tout 
en temps d*est6 de melons, concombres et autres fruits. Et quand 
eile trouvcra quelque chose ä rcdire on son regimo de vivre, olle nous 
en avertira, ou celuy ou cous quVn nostre absence nous ordonnerons 
pour le maniment de nostre cstat. 

6) Hormis les plus prochos parons de ladite nostre tille comme 
pere, mere, freres, soeurs, oncles, tantos, nioccs, cousines germaines, 
ladite gouvemante ne soufifrira que personne visite notre fille sans le 
sceu et la permission de ladite gouvemante; et ne permettra pas 
qu*elle ait aucune conversation avec qui que ce soit (hors les parents 
susdits) qu'en public ou en presonce de ladite gouvemante et des 
demoiselles de notre fille; qui rocevra los visites des estrangers dans 
sa chambre de presonce aus heures et avec Tordre qui a esti ob- 
serv6 |)ar feue la Reyne nostre moro, lors quo nous estions k sa coor, 
«*e8t de demeurer en la chambre de pi*esence une heure apr^ les 



Emehang Kurf. Karls u. Elisabeth Charl. von der Pfalz. 115 

/disoer, de se retirer ensuite iusques sur las qaatre heures da soir; de 
reveuir ä ceste heure lä dans sa chambre de presence, s'y entretenir 
4iyec les estrangers ou domestiques ius(iu' au souper, aprös lequel 
«lle j peut retonrner iusques a dix heures, qui doit estre Theure de 
6on coucher, et ne recevra aucune visite hors de ce tems \k. 

7) Pendant lequel tems nostre dite fille pourra aussi prendre ses 
antres recreations, selon que ladite gouvernante le trouvera bon, soit 
par des petits jeux usit^s parmi les dames, soit par la dance, soit en 
Jouant de Tespinette ou du volant ou du billard; aus quels deus der- 
niers ladite gouvernante la fera babituer k s'exercer autant d'une 
main que de Tautre. £t pour la pourmenade en carosse, ä cheval 
oa ä pied, ladite gouvernante la reiglera selon qu'elle le trouvera 
4 propos, et que la saison et autres circonstances le permettront; ou 
«Ue sera toujours presente (si ce n'est que quelque Indisposition Ten 
empesche) aussi bien que les demoisselles de nostre dite ülle, säns 
souffrir pourtant que notre dite fille fasse aucun repas ni couche hors 
le lieu de sa residence qu'avec nostre permission. 

8) Pendant les autres heures du jour hors les susdites ordonn^es 
pour les visites, jeux et autres recreations, ladite gouvernante aura 
«oin que nostre dite fille apprenue k bien lire et escrire en allemand 
€t en frangois; et avec le tems en italien et anglois; comme aussi 
4 crayonner, ä chanter, quand eile aura un mattre, ä dancer, ä faire 
des petits onvrage de filles et k lire es bons livres de morale ou 
d'histoire; mais qu'elle prenne bien garde, et ne permette pas que 
dans les occupations susdites aussi bien que dans les autres jeus, 
nostre dite fille fasse des grimasses, et prenne aucune mauvaise 
habitude de corps. 

9) Ladite gouvernante couchera tousjours dans la chambre de lict 
de nostre fille, et ne permettra pas que personne y entre, hors les 
parens susnommes de nostre fille, et ses femmes ou filles domestiques, 
comme cecy est aussi observe en d'autres cours. 

10) Elle aura soin de faire eviter k nostre fille, aussi bien qu'aus 
autres demoiselles qui sont sous sa conduite, toutes les conversations 
et intrigues qui peuvent donner des mauvaises impressions, et s'em- 
parer des mauvaises aifections, sous quel pretexte de liaision ou autre 
<;oniideration qui se puisse estre; et les lectures des livres qui peu- 
vent detoumer de la piete et sage conduite unc personne de sa nais- 
sance et de son sexe. 

11) Ladite gouvernante ne permettra aussi que nostre fille se fa- 
miliarise trop par lettres, et verra toutes celles qui vienuent de la 
part de leurs parens suspecifies, ou qui Tadresseront ä eus. 

12) Elle tiendra aussi la main que toutes choses soient entre- 
tenues dans la propret^ convenable, taut au regard du corps de nostre 
£lle, que de ses habits, meubies, hardes et logements, comme aussi 
de tous ses gens; et ladite gouvernante aura aussi sous sa garde les 
joyaus. bagues et autres choses de prix de nostre fille, dont eile fera 
fftire un inventaire sign^ de sa main, pour estre garde par nostre 
tiiresorier, et dont eile ne doit disposer autre part sans nostre per- 

8* 



116 ▼. Wfeoh 

mission; coiumo aussi son argont pour scs nunniH plaisirs ot mi tiondiu 
conte, ot s'il s^agit do fai)*o achotor moublcs, Hugos, habits ot co qui 
y appartiont, gands, ru!>ans ot autros marohandisos somblables poor 
nostro fillo, il no 8*on fem rion sans lo scou do ladito gouvoruant^, 
laquello on arresteni lo prix avo»: los moroiors, 

18) Si uotro Hllo toniboit malado, ladito gouvornaiito no iH)nnottiu 
pas qu*ou luy gasto lo corps avoc boaucoup do inodocines, ot qtt*(m 
iuy doiuio aucuii niotlieainont ni prosorvatif, lorsquo nous scrons pre- 
Kens, sans uotro srou ot Pavis du modooiu do nostro cour. Et ladite 
gouvornanto proudm partiouHoreuiout gardo quo toms do maladies 
contagiousos on no mono nostro tillo dans des maisons infoct6os fm 
suspoctos do oos nuiladies \h ny (iu*on fasse ap|)rochor d*ollo personn«^ 
«IUI on Sorte. 

14) Toutes les pt»iNonnos vy nonunees (jui servont nostn^ tille, 
seavoir demoiselles, tillos de cbambn\ servantos, |mgos, valets dt* 
chanibro, laquays et autros, niesnies los itorsonnes do naissaneo ou de 
qualit^, «luo nous pourrioiis ordonner pour estro nourrios avoc notro 
dito Alle, aussi biou «luo lours gons, soront sous lo eommandoment 
de ladito gouvornanto. 

15) I^ulito gouvornanto tiendm la main ({uo toutes los snsdites 
porsonnos fansont exactonient leurdevoirsans soufTrir panni ousaucune 
niessoance, nioins exc6s ou dobauelies soit on parolos ou actions; ot 
«Ml ras qu'ils on fjutsent, si ee sont des bommes, ollo ou advortira 
Tesonyor do uotro tillo, pour y reuiedior suivant sos instructions; ot 
pour los foiumes, si apr(^s dous ou trois ropriinandoH do ladito gouver- 
uanto olles no s*amondont, ollo les eassora, ou on civs quo la feuto 
fust criniinollo, eile nous on fora fain^ rapport, ^>our ostro punios de 
la manioro quo lo dolict lo roquorm 

U)) Ladito gouvornanto no iK^nuottra pas «luo los domoisollos re- 
(*oivont dos visitos qu'aus beuros do TaprtSs disnor, qu'ellos no seront 
en gardo aupn\s do notro tillo; et quo eola so fasse quo publiquement, 
avoc respcct, ot en sa piH)sonco, ou (*ello de lours com)>agno8, dans 
lour anticluuubre, ot nullonient dans leur eban)bro do coucber, ni )e 
umtin tlauH lour dosbabill^, moins les soii*s aprös «luo nostro tille se 
sora rotiroo : ladito gouvornanto no soutfrira aussi quo los pagos, va- 
lots, laquays et auti*os bantent los appartomons dos dames ot des 
tillos, si 00 n'ost pour los sorvir on lours cbargos, ot oela aus beures 
doues. 

17) 8i dans uotro absoneo il survonoit quelquo cboso qui no fut 
eomprix dans cos instructions, et qui no soufhnt point do delay« pour 
attondro lü dessus nos ordros, ladito gouvornanto s'adressera k celny 
ou (i C0U8 quo nous ostablirons pour tenir nostiH) place durant que 
uous sorons absons ; mais lorsque nous serons presens, eile s'adreneim 
directonient ü nous niesine, ou \ ceus qui nous on (»euvent faira 
rapiH)rt. 

18) Ladito gouvemante ganioi*a touto sa vio, et qoand metnie 
ello no scroit plus dans le servlcc, lo secret do co qu'elle s^t oo 
approndni dos affaii*os de la famillc, ot no les cominnniqueradirectt- 



Endehmig Karl Karls u. Elisabeth Charl. von der l^falx. ] 1 7 

ment oa indirectement k ancone personne du mondc sans aucune ex- 
ception de parent^ on de qaelqae autre relation qae ce poisse estre; 
et n'anra aucnn commerce toachant les choses qui concement et con- 
<semeront la &mille, avec les personnes qa'elle connoistra, ou qae 
0008 lay ferons scavoir noos estre mal affectionn^es, sans notre scea 
et permisdon. 

19) Ladite goavemante sans nostre ordre ou consentement ne se 
meslera d'aacune intrigne qui ne touche directement ä sa Charge, 
et qoi soit hors des limites de son instruction. 

20) Noos noos reservons le pouvoir d'augmenter, amoindrir et 
changer cette instruction^ comme bon nous semblera et Toccasion le 
requerra. 

21) Pour ce sien service nous luy ordonnons par an deus cent 
florins d'Allemagne en argent qui luy seront pay^s par quartiers par 
notre thresorier, logement et bouche en cour pour eile et une fiUe 
de chambre qui aura aussi vingt florins de gage par an. 

22) Si nostre commodit^ ou la sienne ne permettoit pas qu'elle 
continuat plus longtems cette fonetion, chaque partie demeurera en 
libert6 respectivement, de donner ou demander cong6 apres un advcr- 
tissement pr^able de trois mois. 

Surce ladite Demoiselle Ursule Marie Kolbe de Wartenberg nous 
a promis et jure par son serment d'observer fidelement tout ce que 
dessus, d'empecher nostre dommage, procurer le bien de nostre Ser- 
vice et de nostre fille et sc comporter au reste dans sa Charge comme 
il convient k une loyale et fidele servante et ä la gouvemante d'une 
jeune Princesse. 



6) Bestallung des Estienne Polier de Botens als Hofmeister der 

Karprinzessin Elisabeth Charlotte. 

d. d. Heidelberg, 1. August 1663. 
(Fol 201—203,) 

Der Kurfürst ernennt seinen ^aime et feal Gentilhomme de la 
Chambre le %^ Estienne Polier de Botens** zu seinem „conseiller et 
Premier Escuyer" der Kurprinzessin unter folgenden Bedingungen: 

1) n aura soin que ladite Princesse Electoralc nostre fille soit 
bien log6e et trait^, tant pour sa personne que pour ses gens, par 
tont oü eile sera. 

2) Que les hommes qui seront ä son service comme gentilhommes 
servants, pages, valets de chambre, cochers, laquays etc. fassent leur 
devoir; les reprendra quand ils y manqueront; et s'ils ne se veulent 
corriger aprte quelques reprimandes, nous en advertira, pour Ich casser 
oa panir selon leurs dementes, ou selon que Ton trouvera bon; et 
aura soin que les autres choses que nous aurons aussi ordonn^es poor 
4Mm Service, comme chevaux, carosse etc. soient en bon cstat. 



118 V. Weech, 

8) Quand uitötro fillu ira ii tablo ou h Teglise ou ik la pounnenade,. 
i) luy presentora la main pour la rooncr« Hoit on allant ou en revenant; 
et lors que la gouverniwtis do ladito princosso Tavcrtira qa*olle d<)8lr6' 
de sortir en carosse, (\ choval ou ä picd, il mettra ordre que lea 
carosses et chovaux et les personncs quo nous luy aurons ordonnöes 
pour la suivre ot sorvir, soiont prots i\ Theure que la gouvemantc 
luy aura dito; et il luy aidera (i ontror dans le carosse et on soitir, 
ou ii roonter et descondi*o de cheval. 

4) Pource qui est dos ceremonies et defcronces qu'il aura j^ observer 
k la reception ot aus visitos reoiproquos des princes, princessos, am- 
bassadeurs ou autres, on on fera dresser un reglenient solon lequel 
il aura ä so oonduire; ot si cepcndant il so prosontoit quelquo ca« 
semblablo, il viondra dcniandor nos ordros ot intontions, et on notre 
absenco prendra advis du man^schal do nostre oour. 

5) II introduira aucun ostrangor aupr^s do nostre iillo sans on 
avoir connoissanoe ot |)onnission do sa Gouvernante. 

()) Quand nostre iillo, sora on voyaKO ou qu'ello tiendra mesnage 
ii part, il on aura soin, aussi bion quo touchant la dospense, toutes 
fois avec communication avoe la gouvornanto; sora do niesmo soigueu» 
que nostre Iillo soit bien trait^o, quo rion no soit de|H'ns^ inutilement, 
que lo clero do cuisino ot los autros ofticiors do la niaison ot depense 
fassont lour dovoir, et lour on fora rondro bon conipto, 

7) II aura soin nussi quo los sorvitours ot nommemant los pagos 
8*entrotionnont dans la propn^ti^ convonablo, tant au rogard de lours 
livrtVs, quo du lingo ot autn\s hardos. Kt si quol(|un parmi ou« 
venoit d'ostro attoint do quelquo maladio dangorouse« il lo fem rotirer 
de bonne bouro, ot mettra onlro pour lour tnutomont, 

H) 11 aura oopie do rinstruction donnoo t\ la gouveruante, et 
quand il remaniuera quelquo dosordro, ou quo nostre intention n*08t 
pas suivie en eo qui no dopondra pas do luy, il on advortira ladite 
gouvcruanto; ot si en Tabsouce do la dito gouvornante ou qu'elle u*y 
prit |)as garde, il voyoit quo nostro tillo so mit on quelquo danger 
pour la sant6 ou autromeut, ou voulut faire quelquo oiiose qui luy 
put ostre nuisible, il tasobera avoc rospect de Ten detournor, mala 
aus cbosos faitos il on advortira ladito gouvornante (s*il est necessairo) 
pour y mottn^ ordre. 

9) 11 gardeni fldolemont ius(iu'au tombeau tont oo qu*il approndra 
do nos secrets et n*aura imint de oommeroe avoe ceus qui nous sont 
malaffeetionn<^s ot oontitüres t\ nos interosts. 

10) Pour CO sien servieo nous ortlonnons qu*il ayo d^orosnavant 
par an quatro oenta tiorins d*Allemagne on argent pay6s par quartier 
par nostre tbrosorior, bouobo en oour pour luy ou pension comme 
pour SOS somblables, ot aussi pour deus valets, Tavoino pour trois 
olievaus, ot lo logement frane, tant pour luy que pour sos valets et 
chevaus. 

11) Nous nous rosorvons le |K)uvoir d'augmenter ou dimiuuer, 
ou dianger cotto Instruction comme bon nous somblera, ot Toocaslou 
le roquerra. 



Eniehung Kurf. Karls u. Elisabeth Charl. von der P&lz. n9 

12) Si nostre commodit^ ou celle dudit escnyer ne pennettoit 
pas qu'il coDtinuast plus long tems cette fonction, chaqne parlie de- 
meurera respectivement en libert6 de donner ou demander cong6 
aprte an advertissement pr^able de trois mois. 

Snrce ledit S^ Estienne Polier de Botens nons a promis en vertu 
du serment qu'il nous a desja presto, d'observer fidelement tout ce 
que dessus, empecher nostre dommage, procurer le bien de nostre 
Service et de nostre fille, et se com porter au reste dans sa cbarge 
comme il convient ä un homme d'honneur et k un loyal et fidele 
serviteur. 



7) Bestallung des Ferdinand de Pirville zum ersten Stall- 
meister (escuyer) des Kurprinzen Karl. 

d. d. Friedrichsburg 29. Mai / 7. Juni 1668. 

(Fol, 13v,—14v,) 
Premierement et sur toutes choses il aura la personne de notre 
dit lils en estroite recommendation singulierement allant par pays 
oü il Taccompagnera k cheval, se troavant proche de luy ou de son 
carosse, autant qu^il se pourra faire. II Taidera k monter k cheval 
et ä en descendre, et Taccompagnera en ses exercises. II aura Tin- 
spection sur ses cbevaus, quand il aura sa maison k part et ne sera 
pas k nostre cour, et aura soin quUls soient pens^s et pourveus 
d'equippages convenables, et en fera faire inventaire aussi bien que 
des selles, harnois, armes etc. afin d'estre maintenus et conserv^s en 
bon estat; pour cette fin il les visitera k quelques heures du jour et 
selon les occurrences. Et pour obvier aus scandales et mauvais exem- 
ples il aura Toeil non seulemcnt sur les pages et laquays, mais aussi 
sur les valets, cochers et gar^ons d'escurie, afin qu'ils soient mo- 
destes et retenus, ne leur perracttant des querelles, debats, Icgeret^s, 
mauvaises conversations, ni de boire excessivement , ni mesme en 
quelque endroit quUls se trouvent, d'aller aus lieus suspects et dan- 
gereus, notamment en tems de contagion, chastiant et punissant les 
transgresseurs, selon Texigence du cas, lequel requerant la prison, il 
le demandera k nostre grand escuyer, comme k celuy qui a la surin- 
spection des susdits pages, laquais, valets, cochers et gargons d'es- 
curie ; et de sa part il embrassera la piete et modestie, en sorte que 
nostre dit fils et ceus qui sont pr^s de luy soient convi^s a suivre 
son bon exemple. Pour emolumens de son employ il a sa table en 
nostre cour pour luy et deus valets ou Targent k despenser selon 
Tordre de nostre cour et trois chevaus entretenus aus mesmes con- 
ditions que uos autres gentilshommcs, trois cent florins d'Allemagne 
de gage par an, k payer par quartier, et logement franc. Quand k 
son rang il Taura apres le S^ de Friesenhausen, nostre premier es- 
cuyer et gentilhorame de la chambre et apr^s le S*" de Galen, no- 
stre conseiiler d'otat. 



Miscellen. 



Die Limosuntorsuohungon in Baden. llokannUich hat der 

Reichstag im Frülijahr vorigon Jahres boschlosson, den Umos, die 
(tronEsperre zwisohon dorn lm)H'rium Komanuin und dem freien Ger- 
manien, auf Kosten das Hciches einer eingehenden Untersuchung tu 
unterüiehen. Zur Dun^liführung dieses Planes sind fünf Jahre in 
Aussicht genommen. Eine Kommission, an tleren Spitze Prof. Momm- 
sen steht, besorgt die (lesamtleitnng des Unternehmens. Die ni 
untersuchende Linie ist in eine Anzahl von Abschnitten zerlegt, deren 
Ei'foi'schung besonderen Streckenkommissaren obliegt (ftlr I)aden dem 
Kreisrichter a. d, Oonrady in Miltenberg und dem Referenten). 
Zwei Dirigenten, ein archäologischer und ein militärischer, Museums- 
direktor Ilettner und ExceUenz (lenerallieutenant v. Sarwey, ge- 
wÄhrleisten die Einheitlidikeit der Arbeit und Darstellung der Re- 
sultate. 

l^den wird nur auf einer kurzen Strecke vom Limes durch- 
schnitten, und zwar vom /<mc«s' tranaihendnu.^. Derselbe nimmt «ei- 
nen Anfang am Rhein bei Rheinbindil (unterhalb Andernach), folgt 
dann in zunelnnendem Abstände im grossen und ganzen der Rich- 
tung des Rheins bis in die Nähe von liangenschwalbach, umschliesst 
weiterhin einen grossen Teil des Flussgebietes der Nidda und benfitit 
den Main als nasse (irenze von (iross-Krotzenburg bis Miltenberg. 
Von hier aus wendet er sich st\döstlich und tiberschreitet die badische 
Grenze nordwestlich von Walldtlrn; stldlich von diesem Orte nimmt 
er dann eine schnurgerade Richtung an, die er durch Raden und 
Wtlrttomberg bis Lorch nördlich vom llohenstaufen festhält. Hier 
schliesst sich der limes ravticiis an. der bei Kelheim oberhalb Re- 
gensburg die Donau erreicht. 

Referent begann die Untei^suchung des badischen Anteils an der 
wtirttembergischen drenze, wo ehemals der Tollnaishof stand. In 
seinem Verlauf durch ^Vtlrttembcrg charakterisiert sich der Limes 
als ein mehr oder minder hoher Erdwall mit da vorliegendem Spiti- 
graben; doch hat die Feld- und \Valdkultur nattlrlich gar häufig jeg- 
liche Spur desselben verwischt. So ist auch bei seinem Eintritt auf 
badischen Roden so gut wie nichts mehr von ihm zu sehen. Der 
genannte Punkt liegt auf einer starken Erhöhung und gewährt einen 
weiten Fernblick bis gegen Jagsthausen hin, so dass er sich Kur An- 



Miscelleo. 121 

]age eines Signal- und Wachttnrmes gut eignete. Und thatsächlich 
wurden schon vor Jahren die Fundamente eines solchen hier konsta- 
tiert und jetzt ausgegraben. Es war ein hohler, quadratischer Turm 
von 6m Seitenlänge mit Im dicken Mauern, dessen Oberbau wir 
uns nach Art der auf der Trajanssäule abgebildeten Türme vorstellen 
mflfisen. Inmitten des Turminnem steht der Grenzstein No. 265. Der 
Erdwall selbst lief also einige Schritte östlich auf württembergischem 
Boden vorbei, da die Wachthäuser auf dieser Strecke in der Regel 
einige Meter hinter dem Walle zurückliegen. 

Von hier ab wurde der Limes ununterbrochen verfolgt durch 
den Hergenstadter Wald über die Marienhöhe und das „Förstle", 
über das Kirnauthal bei Osterburken bis hinein in den Osterburken- 
BoMeimer Wald. Sehr schön erhalten ist der Erdwall in dem 
prachtvollen Buchenwald bei Hergenstadt: an manchen Stellen noch 
über 2 m hoch, am Fusse etwa 10 m breit, mit deutlich sichtbarem 
Graben davor, giebt er immer noch eine Vorstellung von der Be- 
deutung dieser Grenzsperre gegenüber den unruhigen Germanen. 
Die Trümmer zweier dicht hinter dem Walle liegender, längst- 
bekannter Wachthäuser wurden einer Nachuntersuchung unterzogen. 
Bald verlässt der Limes den Wald und erreicht die Marienhöhe; 
nur leichte Terrainanschwellungen verraten hie und da seine Spur. 
Oben auf der Marienhöhe, von wo man eine herrliche Aussicht 
bis hinüber gegen Walldürn geniesst, wurde mitten in der Halde ein 
Wachthaus gefunden, welches noch mit einem, kleine Vorhöfe bil- 
denden, Steinwall umgeben ist, wie wir sie ebenfalls auf der Trajans- 
säule sehen. Weiterhin, über das Förstle weg, wo auch ein, jetzt 
leider fast völlig ausgebrochenes Wachthaus stand, sind nur wenige 
Spuren des Erdwalls vorhanden. Doch konnte an verschiedenen 
Stellen, nachdem die Linie mit dem Diopter einvisiert und mit Stäben 
abgesteckt war, deutlich das Profil des Grabens nachgewiesen wer- 
den, da sich selbst nach einer so langen Reihe von Jahren meist 
noch die spätere EinfüUung von dem gewachsenen Boden unterschei- 
den lässt. Der Graben hatte durchschnittlich eine Breite von 2,20 m 
und 1,15 m grösste Tiefe (unter der römischen Oberfläche). Da wo 
der Grenzwall die südlichen Abhänge des Kirnauthales herabsteigt, 
liegt dicht am Orte Osterburken wieder ein Wachthaus, leider eben- 
falls in sehr verwüstetem Zustande. Die Kimau überschreitet er 
wenige Schritte östlich vom Orte. An dieser Stelle vorgenommene 
Baggerungen ergaben an dem rechten Flussufer eine Wand von drei 
aufeinandergelegten, unter sich verfugten mächtigen Eichbalken von 
ca. 6 m Länge , und in ihrer Fortsetzung flussaufwärts eine gleich- 
starke, etwa 15 m lange Mauer von grossen, unter sich verzapften 
und verfalzten Sandsteinquadern. Leider konnte die Untersuchung? 
dieser Stelle wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit nicht vollendet 
werden, da in dem eiskalten Wasser gearbeitet werden musste. So 
ist noch nicht mit Sicherheit zu entscheiden, ob wir es mit einer rein 
römischen Baute oder einer etwa im Mittelalter abgeänderten Anlage 
zu thun haben. Jedenfalls hat aber zur römischen Zeit zum minde- 



\22 Miscolleu. 

ston ein Steg ^^^^* boi$tandon (etwa mit Pallisadonabschlusü), der den 
Patrouillen das Überschreiten des Flüssohens ermöglichte, Auchjdie 
Uutersuchuni;^ des Übergangs über (ias Wiesentlial« welcJies damals 
gewiss weniger gangbar war als heute, ist noch nicht beendigt 

Das Kirnauthal bildete einen militärisch ausserortlentlich wich- 
tigen Kinsohnitt und Zugang vom und ins Feindesland« so dass hier 
ein grösseres S})errfort nötig war. Diese Dedeutung hat augonsoJiein- 
lieh ein grösseres Kastell, welches etwa Vi km hinter dem Limes 
unmittelbar am NVestausgange des Ortes Osterburken, an einem 
ziemlich steilen Berga!>hange des südlichen Thalrandes liegt E» 
wurde schon in den (UK^r Jahren vom Mannheimer Altertumsverein 
in seinen iiusseR>n Tnigren/ungen grösstenteils blossgelegt, so dass 
es sich bei der neuerlichen Untersuchung hauptsitchlich um Prüfung 
und KrgUn/ung der damals erlangten Resultate handelte. I"^ stellte 
sich nun henius, dtu^s die Anlage eine doppelte war und aus iwei 
vei-schiedenen Perioden stammte. Das Ältere Kastell bildet ein liem- 
lich lYgelnutssiges Kechteck von 180: lll m mit abgerundeten £ekcn, 
vier Thoren, Kck- und Zwischentürmen und einem Uinggn\ben. Im 
Innern wurden Teile des iinuionnm aufgedeckt, nachdem schon in 
früheren Jahren vei*scluedenc andere Wohn- und ^laga/insräume an- 
gegraben worden waren, in welchen sich /um Teil noch grosso Mas- 
sen verkohlten Oetrcides vorfanden. In spfiterer römischer Zeit 
wurde ein unregelmÄssig trapezförmiger Anbau zugefügt, wohl mit 
der Absicht, eine bedenklich überragende Anhöhe in die Uefestigung 
hereinzuziehen. Der Oniben an der Anschlusstelle wurde natfirlieii 
eingeebnet. .\uch diese Krweiterungsanlage ist mit selbständigen 
Thoivn um! Türmen versehen; einer der Thortürme zeigt eine in- 
teressante Verstärkung tlurch eine vorgelegte hakenförmige Mauer. 
Kin Turm des alten Lagers ist mit einem kleinen Anbau und einem 
Durchgang in das neue l^ager versehen. An neuen Fundgegenstän- 
ilen sind namentlich zwei Inschriften zu erwähnen: ein an dov parta 
pravtorid eingemauerter NVerkstein, der die (Vnturie des Montann^^ 
von tler XXII. Legion als Erbauer angiebt, und ein VotivaltÄrchen, 
ilas von dem dtrurio AttianHa dem Schutzgeiste seiner tHnna (wH)hl 
Vi>n der dritten bt»riltenen C'ohorte der Aipiitanier) gewidmet ist. 
Für die Krbauungszeit des Kastells \>urde noch kein bestimmter An- 
halt gefunden. 

Westlich vom Lager dehnte sich auf den sonnigen Hügeln, wo 
das nunmehr eingegangene Dorf Hügelsdorf lag, dio bürgerliche 
Niederhussung aus, von der noch Reste verschiedener Villen vorhan- 
ilen sind. Aber auch östlich vom Lager, wo der Ort Osterburken 
steht, wurden schon seit langer Zeit Reste römischer Dtuilichkeiten 
und Altertümer (darunter das berühmte Mithrasbild) gefunden, den»n 
rntersuchnng aber grösstenteils ebenfalls noch aussteht. 

Kehren wir jetzt zum tirenxwalle selbst zurück. Nachdem er 
den nördlichen Thalrand einstiegen, tritt er plötzlich auf einer Stn»cke 
\on uugefiihr 1 km Lunge bis nalie lui das Rarnholz als eine, aller- 
dings nur in den untersten Fundamenten erhaltene, Steinmauer 



Miscellen. 123 

von 1,20 bis 1,25 m Dicke auf, eine Erscheinung, die bis jetzt an 
keinem andern Punkt des limes transrhetianus beobachtet wurde, 
während der rätische Limes bekanntlich grösstenteils aus einer 
Mauer besteht. Der Grund dieses kräftigeren Abschlusses bei Oster- 
burken mag darin zu suchen sein, dass an jener Stelle eine Anzahl 
von Mulden vom Auslande her den Limes quer durchschneiden, wo- 
durch eine Umgehung des Kastells leicht möglich gewesen wäre. 
Kurz vor dem Waldsaume kam ein die Mauer unterbrechender Turm 
zum Vorschein, dessen untere Schichten noch ganz gut erhalten wa- 
ren, und etwas weiterhin eine kleinere Befestigung in der Gestalt 
eines Bechtecks von 22,60 : 12,40 m, welche eine der genannten Mul- 
den sperren und zugleich den Übergang der Mauer in den Erdwall 
vermitteln sollte. Denn als Erdwall mit Graben zieht der Limes 
nun wieder in deutlichen Spuren durch das ]3arnholz gegen Bofsheim 
zu und weiter. Doch musste die eingehendere Untersuchung für die 
nächste Campagne verschoben werden, da in diesem Jahre noch ein 
zweites Arbeitsgebiet in Angriff zu nehmen war. 

Weiter nördlich untersuchte Herr Kreisrichter a. D. Conrady, 
welchem die Erforschung des Limesabschnittes vom Hönehaus (im 
Hettinger Walde, eine Stunde südlich von Walldürn) bis zur bairisch- 
hessischen Grenze bei Stockstadt am Main anvertraut ist, das ge- 
nannte Kastell Hönehaus, welches etwa 80 m hinter dem Grenz- 
wall liegt. Es ist ein fast gleichseitiges Viereck von 39 m Front- zu 
46 m Seitenlänge und hat nur zwei Thoreingänge, welche durch zwei 
zurückspringende Mauerstümpfe begrenzt sind. Hinter der Um- 
lassungsmauer fehlte der Erdumgang, an dessen Stelle wurde ein 
4 — 5 m breiter Gürtel für die Koch- und Lagerplätze der Besatzung 
festgestellt. Die Funde weisen auf ziemlich späte Zeit hin. Nahe 
dabei wurde ein zweites Lager gefunden. Es liegt etwa 250 m wei- 
ter nördlich und zeigt im wesentlichen dieselben Abmessungen (38 : 
48 m), doch war es nur in den untersten Fundamenten erhalten. 
Nach dem Berichte in der Beilage der Karlsruher Zeitung No. 270 
(1. Okt. 1892) wurden ausserdem vier Wachthäuser blossgelegt, der 
Zug des Grenzwalls genau festgestellt und eine Anzahl von Graben- 
profilen gewonnen. Das Kastell bei Walldürn und die angrenzende 
Partie des Limes ist in früheren Jahren bereits von Herrn Conrady 
gründlich erforscht worden. 

Etwa vier bis fünf Stunden rückwärts der besprochenen Linie, 
die wir als eine Art Vorpostenstellung auffassen können, liegt eine 
zweite Beibe von Befestigungsanlagen, welche vom Main her dem 
Laufe des Mümlingfiüsschens und des Neckars folgen und ihren An- 
Bchluss wohl durch die Roms an den äussern Limes gewinnen. Diese 
zweite Linie besteht nur aus einer Kette von Kastellen und Wacht- 
häosem, Erdwall und Graben fehlen. In Baden gehören derselben 
an die Kastelle von Schlossau und Oberscheidenthal, welche 
▼or einigen Jahren von Herrn Geh. Rat Wagner ausgegraben wur- 
den. Ein weiteres Kastell wurde längst von Wilhelmi, Christ 
B. a. bei Neckarburken vermutet und diesen Herbst auch that- 



124 Miicellun. 

8ächlio]i von dem Referenten an der in Iktracht gezogenen Stelle 
gefunden. ¥js liegt etwa 80() m (kstlich vom Dorfe am linken Eliafer 
und bildet ein etwas verschobenes Rechteck von ca. 78 : 7G m. Den 
loicJit geneigten Herg hinauf hat es einen regelmässigen rocbteckigon 
Anbau von 70 : ca. 28 m (mit scharfen Ecken). Von den Thoren war 
nanientlich die aus kleinen Sandsteinquadern sehr sauber aufgeführte 
jwrta (iecumana gut erhalten; die mit Reliefs verzierte /x)Wa sinistra 
war bereits vor einigen Jahren vom Mannheimer Altertumsvereiii 
ausgegraben worden, olnio dass man aber den Zusammenhang mit 
dem Lager erkannt hätte. Im Innern wurden das praetorium^ I>Sinda- 
niente von Baracken, sowie ein (ie))iiudc unbekannten Zweckes in 
der Sttdostecke des Anbaus blossgelegt. Unter den Funden waren 
einige hochwichtige Sttlcke. Vor allem ist die Rauurkunde dos Ka- 
stells zu nennen, eine Steinplatte von ftxst 4 m Länge mit 10 cm 
hohen Buchstaben, welche ursprünglich offenbar über dem Thorwog 
der porta (hTumtnin eingemauert war. Sie ergiebt, dass das Kastell 
von einer Abteilung HrittoNes Eltinf . . . erbaut wurde, als Kaiser 
Antoninus Pias zum vicrtcnmale Konsul war, also im Jahre 145 n« 
Ch. oder einem der nächstfolgenden Jalne. Der Reinamen Elant . . . 
hängt wohl mit dem damoligcn Namen der (iegend zusi\mmen, wel- 
cher sich noch in dem Namen des Ikchcs Klz erhalten haben dürfte. 
Schon frtlher wurden einige datierbare Inschriften an dieser Linie 
gefunden, die eine an einem Wachthaus im Leiningen*schen Park 
nördlich von Schlossau ans dem Jahre 1 l(J. zwei andere von Röckingen 
bei lloilbronn aus dem Jahre 148. Diese (Übereinstimmung mit dem 
durch die Neckarburkener Inschrift gewonnenen Datum beruht schwer- 
lich auf einem Zufall, sondern wahi'scheinlicher ist, dass durch die 
bezeichneten Jahre die Krbauungs- bezw. Ausbauzeit der Neckar- 
Mümlingslinie überhaupt gegeben ist. Von demselben Kaiser Anto- 
ninus Pins (138 bis 101 n. V\\.) kamen noch zwei weitere Inschrift- 
fragmente in und beim Kastell NeckarburUen zum Vorschein. Ein 
zweiter bedeutender Fund war der eines Militärdiploms aus dem Jahn^ 
1.^1 n. Ch.. welches den Namen des damaligen Statthalters von Oher- 
germanien und ein Verzeichnis einer Anzahl dort stationierter Co- 
horten und .\len giebt. Von Skulpturen ist ein Kxemplar der sog. 
(figantensäulen zu nennen, welches im praetorium gefunden wunie. 

Überraschend war die Auffindung eines zweiten grösseren 
Lagers bei Neckarburken (ca. ir)Om : llOm). Ks liegt unmittel- 
bar am Ostausgange des Dorfes und zieht sich zum Teil noch in das- 
selbe hinein. Doch wurden nur wenige vorläufige (irabungeu lur 
Feststellung der allgemeinen Umrisse vorgenommen, die eingehendere 
Untersuchung musste auf das nächste Jahr verschoben werden. Nur 
an der Frontnmuer wurde in der Nähe der porta pravioria ein Ge- 
bäude völlig aufgedeckt, bei welcher Gelegenheit sich eine Inschrift- 
platte der dritten, berittenen Cohorte der Aquitanier vorfand. 

Karlsruhe. K. Schumacher. 



Miscelleu. 125 

Zwei Berichte Ober den Reiclistag zu Frankfurt 1397/98. 

Markgraf Bernhard von Baden war noch am 22. Dezember 1397 unent- 
schlossen, ob er den Frankfurter Eeichstag in Person besuchen solle ^ i, 
hat aber spätestens am 23. Dezember seinen Kanzler Johannes Retich-) 
nach Frankfurt geschickt; denn dieser war bei der Christmette und 
bei dem Festmahl am 25. Dezember zugegen. Der Kanzler meldet 
in seinem ersten undatierten Schreiben noch nicht die am 27. De- 
zember erfolgte Ankunft des Erzbischofs von Mainz"), und lässt sich 
von seiner Absicht, am Stephanstag an seinen Herrn einen Bericht 
abgehen zu lassen, durch den Kanzler König Wenzels, Bischof Lambert 
von Bamberg, nicht abbringen. Das erste Schreiben ist somit frühe- 
stens am Abend des 25. und spätestens am Morgen des 27. Dezember 
vor Ankunft des Mainzers abgegangen. Der Hauptauftrag des Kanz- 
lers scheint darin bestanden zu haben, die Verhandlungen wegen 
Verpfllndung der Schwäbischen Landvogtei an den Markgrafen zum 
Abschluss zu bringen, was in der That gelang.*) Der mehrfach ge- 
nannte Graf Friedrich von Öttingen war Markgraf Bernhards Vor- 
gänger in der Landvogtei.^) 

Worauf sich die Verhandlungen mit Erzbischof Friedrich von 
Köln wegen des Kirchherm von Staufenberg beziehen, vermag ich 
nach dem vorhandenen Materiale nicht festzustellen.^) Der Erz- 
bischof war übrigens am 14. Oktober 1397 von König Wenzel zum 
Schiedsrichter zwischen dem Markgrafen und der Stadt Speier in der 
Pfablbürgerfrage ernannt worden^), und die Stadt machte sich Mark- 
graf Bernhards Abwesenheit auf dem Reichstag zu Nutzen, indem sie 
sich am 12. Januar 1398 von dem König eine Bestätigung ihres Pfahl- 
bürgerprivilegs verschaffte, was den Markgrafen im Laufe des Jahres 
1398 veranlasste, zu den Waffen zu greifen.^) 

Wichtiger sind die Mittheilungen des Kanzlers über den Reichs- 
tag, über die Haltung des Grafen von Nassau, das Verhältnis des 
Erzbischofe von Mainz zum König und besonders über die Gesandt- 
schaft König Richards ü. von England, von der meines Wissens 
bisher nichts bekannt war, Eberhard Windecke wenigstens erwähnt 
nur die Anwesenheit einer französischen Gesandtschaft.^) Der feier- 

1) Vgl. künftig Regesten der Markgrafen von Baden zu diesem Tage. 
— >) Den Nachnamen Retich kenne ich nur aus einem undatierten Kre- 
denzbrief an Strassburg. Stadtarch. Strassburg. — ^) Er kam also nicht 
am 25. Dez. au, wie Weizsäcker in den Reichstagsakten 3, 3 wegen des 
Geleitsreverses von diesem Tage annahm. — *) Reichstagsakten 3, 68. — 
*) Stalin, Wirtemb. Gesch. 3, 367. — «) Vielleicht hatte sich der Mark- 
graf als Herr der halben Grafschaft Eberstein des Kirchherm angenom- 
men. Bischweier an der Murg war aber Lehen des Kölner Erzbischofe. 
Vgl. Höhlbaum, Mitteil. au8j;dem Kölner Stadtarch. 9, 71, und Regesten 
der Markgrafen zu ;1392 April 16. — ') Diese Zeitschrift NF. 8, 428, 
No. 440. — *•) Lehmann, Chronik der Reichsstadt Speier (1711) 770. — 
^ Das lieben König Sigmunds, übersetzt von Dr. v. Hagen, Geschieht- 
Schreiber der deutschen Vorzeit. Liefenmg 79, S, 5. — Weizsäcker, 



\H\ Miscollen. 

liehen Christmotte K<^donkt auch der Kanoniker von Jung St Poter in 
Strassburg Rcmbold Siecht in seiner Fortsetzung der Flores tempo- 
nimM« deren Herausgabe ich beabsichtige. 

I, 

Kaffjchr Johann Jicthh aw Markttraf Bernhard. 
Fratikfitrt 13(^7 Jkjfmber ^^;. 

Lieber horre. min herre von Köln') sent uwern gnaden einen 
brief von dez kircherren wegen von Stöffenberg *), da wöllont be- 
stellen « daz er nit zu den sinen gryff und sich mit reht bentlgen laz 
dann waz er im von roht tAn solt, daz wölt er im lieber umb uwern 
willen tftn, dann umb yomans willen, und also bitt min herre von 
Köln uch, daz ir uch bewyscnt herynn, alz er uch ine mindern und 
merren sachen auch gern tun wölt. auch het ich uwern gnaden 
gern den botton uf >nnct Steplmnstag*) gesant widerumb. do sprachen 
alltag uwer herron und frundc „bit biz morn, so wollen wir dich ct- 
waz wissen lan, daz er sich auch danach wisse zu rihten**, und be- 
sunderlich min herro von Köln und von Babenberg'), und ich ge- 
torst in nit lenger volgcn, wiewol doch noch nieman nihtz weist and 
sy doch gern gesehen lieten, daz ich gebiten bete, aber minem her- 
ren von (*öln gefallent diso löftV noch nit wol; doch hat er und der 
vonTryer') ire phcrit heim gesant. lieber herre ob miner husfrowen 
die XX gülden nit worden wen>n, die wöllent ir schaffen, ich wölt 
ez auch miner lieben gcnedigen frowen der marggrätinO abdienen, 
ob ir minem lieblosen wibel et waz zu disem nuwen jar hiessont ge- 
ben, daz sy joch wiste, daz sy minez dienstez etwaz getrost würd 
und wölt ez auch, auch wyszc uwer gnad, daz min herre der ktUi>'g 
utF die mitwiichn vor dem cristag**) gen Frankenfurt kam, und uflf 
morgens kamen die zwen fürsten mine herren von Köln und von 
Trier und uff den cristabent kamen min herre hertzog Klem*) und 
der hertzog von Saliszheiü '^) und zu der metin kamen die forsten 
all gar und sang der tvatriarch^*) die cristmess, und min herro der 

RTA. 8, 4 ViesA noch die Hichtigkeit der jetxt bestätigten Angalie Win* 
decken dahingestellt sein. 

M iianel. IJniveraitJItsbihl. Cod. 1). II. Ob „semcl autom sub anno do* 
mini 1H97 advenit in NOrenbergano et circa Katherine [in Nürnberg blieb 
Wenxel bis Ende November und ging dann xunachst nach Wünburg. 
Vgl. Pelzeh, liObeusgesch. des Königs Wencealaus 2, 85G] transtulit se 
versus Francftirt cum magna potontia et ibidem nativitatis Christi epistu* 
lam in ecclesia- Baitholomei in missa publice legit omnibus principibut 
electoribus praesentibus, quorum quilibet tunc fecit ofßcium suum.** — 
<i Krxbischof Friedrich III. von Saarwerden. — ') Staufenberg bei Dur* 
bach. ' *| 20. Ilesember. — •) Bischof lAmbert von Bruim. -- *) Kn* 
bischof Werner von Falkenstein. ^) Anna von öttingen. — ^) 19. I)e* 
xember ^) Haltgraf Ruprecht 111.. der spätere König. — lO) KurfQrst 
Rudolf III. - ") Wohl Wenzels Kanxler Wenzel von Antiochien. Vgl 
RTA. S, I. 



Miscellen. }27 

kflnig stund allda in pontificalibus mit siner corcappcn, mit siner 
^oran nnd zoch sin swert oss und hüb daz in siner hant daz ewan- 
gelium nsz. da enpicng ez der hertzog von Sahsen, der hüb ez also 
daz ampt usz. do hüb margraf Wilhelm von Misen ^) daz zepter. 
da hüb der bnrggraf Fridrich*) den appfel. do lud der ktinyg die 
•curfarsten. do sasz der hertzog von Sahsen und min hcrre von Köln 
ob minem herren dem künig und min herre von Trier und hertzog 
Klem nydwendig dez ktinygs, und diente der marggrafe von Missen, 
der burgraf, grave Fridrich von Öttingen, vil andere hertzogen und 
köstelicher herren zu tysch uff disen heiligen cristag. daz sach ich 
iülez un tun ich allz eine, der gern etwaz gütz und trefflich schüff, 
und loff teglich zu den forsten minen herren von Kölen, von Baben- 
berg, von Spanhein**), von Liningen und von öttingen ob uch de- 
heiner etwaz verschriben oder ich erfarn möht, waz löffe oder der 
fürsten gewerbez were, daz ir uch auch darnach wystent zu rihten. 
•der künyge von Engeland*) und von Frankenrich *) hotten sint auch 
da, die hat der künyg auch geladen zu tysch mit den curt'Orsten, 
waz aber irez gewerbes sy, dez könd ich nit erfarn, dann umb ein 
Union dez babstez. 

n. 

Derselbe an denselben. 

Frankfurt 1398 Januar 1, 

Hochgeborner forst, lieber genediger herre. nach minem schuldi- 
gen dienst wisse uwer gnade, daz ich minem herren von Babenberg 
fast bitt und oblige, daz er so wol tun wölt und mir die briefe 
«chüffe über daz land etc., oder aber daz ez von minem herren dem 
künyge grave Fridrich von öttingen befolhen würde, daz er die lo- 
songe vördert nnd auch dez briefe bete, daz er ez zu sanct Georien 
tag*) löste in der masz, alz uwer gnade wol weisz. und ist min 
herre von öttingen etwie dik daby gewesen, nu spricht er allez, er 
wolle uch die losnng schaffen nach uwerm willen; doch besorg ich, 
daz ez nit gee, ir werent dann selber by den sachen, daz ez uss- 
getragen würd, wann ir nit enwarent, wie ez dann dem rieh wider 
zu losen stond. doch weisz ich auch nit, ob ir sicher werent, ir oder 
uwer rate vor dem vonNassow'); dann er wolt den kunyg noch die 
sinen nit durch sine schloss riten lan. und also kam auch der by- 
schoff von Nassow') uff sanct Johans tag hofferteclich mit vil luten 
in riten. und also lygent die fürsten noch, daz nyeman nichtz ge- 
schaffen hat; dann min herre von Cöln und von Trier habent ire 
jpherit wider heim gesant. aber von uwem sachen wisze uwer gnade, 
^az min herre von öttingen meynt und ez auch mit minem herren 
von Babenberg geretd hat: werent ir oder uwer rate hie, sie schüf- 



*) Wilhelm I. von Meissen. — *) von Nürnberg. — ') Graf Simon IIL 
ton Spanheim-Vianden oder Graf Johann III. von der Stark enburger 
Linie. — ♦) Richard U. - ^) Karl VI. — «) 28. Aprü. — ') Graf PhiHpp 
von Nassau. — ^) Erzbischof Johann von Mainz 



128 Miscellen. 

fvn doch nihtz dann ir vcizerto gelt; ez lyge aii ymo wann er ex 
iiit usstragc umb die losungc, so sy es aach nütz; doch meynt miii 
herro von Dabenberg, der künyg sy zornig über den bysdiof von 
MenU. sobald daz vcrgct\ so hoff er, er wöH uch uwcr sach la ende 
bringen, genodigcr herro nit troff lichs weisz ich yetz; dann waz ich 
gAtz erfaru mf^hto, daz verkunt ich uwcrn gnaden aber und wOllent 
nit für übel nemcn, daz ich den hotten alz lang behalten han, dan 
waz ich wiste, daz gut wore, daz tede ich gern und sol mich, ob 
got wil, nit verdriossen. dat. fosto circumcisionis domini. 

uwer Johannes schriber. 

Adresse : Dem hochgebornen fttrston und herren herren ßemhart 
luarggrave zu Baden« minem lieben genedigen herren. 

Beide Schreiben oop. ooaev. Karlsruhe GeneraMjandesarehiv. 

Mtlnchen. Richard Fester. 



Nachtrag zu „Strassburgs Anteil an der Erfindung der 

Buchdruolcerlcunst". in meinem Aufsatz im vorigen Bande dieser 
Zeitschrift ist durch ein unliebsames Versehen bei der Korrektur 
Seite 630 Zeile «H eine Anmerkung weggefallen, in welcher darauf 
verwiesen war, dass ich mich dort an die Darstellung von Wyss 
(Quartalsblfittor des bist. Ver. f. d. Grossh. Hessen 1877 S. 14) ange- 
schlossen habe, worin zuerst die Scheidung der verscliiedenen Strass- 
burger Verträge Gutenbergs in richtiger Weise vorgenommen wurde, 
— Seite 585 liabe ich mit v. d. Linde SchöpÜins „annotatio** durch 
^Randbemerkung'' wiedergegeben. Es bedeutet aber ^Notiz"*, worauf 
bereits Wyss (('entralbl. f. Bibliotliekswesen VIII 558 Anm. 1) hin- 
gewiesen hat. Auffällig bleibt jedoch immei*, dass Schöpflin seine 
Quelle in den Vindiciae typogr. p. 19 als „charta'' bezeichnet, wäh- 
rend er in seinem Schreiben an Meermunn sagte, eiusmodi chartam 
non exstare, verum unice aunotationem quandam. — Seite 6SiD 
ist statt „Ratsprotokolle"* zu lesen „Stadtoninungen"*. - Zur Litteratur 
nber Waldvogel (vgl. S. i>H\ ff.) trage ich nach, dass die zweite 
Sclirift des Abbö Requin „Grigines de rimprimerie en France'* ein 
erweiterter Sondorabdruck aus der „Chronique du Journal göneral 
de rimprimerie et de la librairie'* 18iU p. 51— ti() ist. Ausserdem 
vorweise ich auf den Artikel von Theod. Goebel „Die Buchdruckeroi 
zu Avignon"* im Börsenblatt fttr den deutschen BucMandel 1890 S« 
4598 if. und auf die von mir ttbersehene Recension des ersten Requin- 
scheu Buches dui*ch Wyss in Sybels histor. Zeitschr. ti6, 521— 33. — 
Das anspruchslose Bttchlein von F. A. Ihme, „Gutenberg und die 
Buchdruckerkunst im Elsass"" (Strassburg 1891) habe ich unerwähnt 
gelas.<;en, weil die wenigen dem Strassburger Aufenthalt Gutenbergs 
gewidmeten Blätter (S. 3—9) ohne Wert sind. — Die von mir a 6Ö4 
und 655 Anm. erwähnten Urkunden ttber den Nachlass des Andr. 
Dritsehen werde ich demnächst an anderer Stelle veröffentlichen. 
Strassburg i. E. K. Schorbach. 



Miacellen. 129 

Ein Vertrag Ober die Erstellung eines FlOgelaltares in 

Lenzkirch 1478. Die Herren und die Kii*chengemeinde von Lenz- 
kirch bestellten 1478 für ihre damals wohl im Bau begriffene Pfarr- 
kirche einen Hochaltar bei dem Schaflfhauser Maler Michel Pfender. 
Darüber wurde ein Vertrag doppelt in Spaltzettelform ausgefertigt, 
von dem das Exemplar der Besteller sich noch erhalten hat. Das- 
selbe (auf Papier geschrieben) liegt jetzt im Conv. 25 des Lupfener 
Archivs im Generallandesarchive zu Karlsruhe. Weil derartige Ver- 
träge überhaupt selten sind, und weil die Angaben gerade dieser Lenz- 
kircher Verabredung allgemeineres Interesse haben, habe ich mich 
entschlossen, dieselbe hier zu veröflfentlichen. Merkwürdig ist, dass 
der Maler für sein Werk nicht nur die sehr hohe Summe von 110 fl. 
und ein Trinkgeld von 16 fl. bekommt, sondern dass er dazu noch 
eine Leibrente von jährlich 7 fl. sich ausbedungen hat; er war also 
ohne Frage ein in seiner Zeit und Gegend geschätzter Meister, wenn 
gleich wir über ihn umsonst nach Nachrichten suchen; selbst das 
Schaff hauser Archiv giebt über den Maler Michel Pfender nach 
gütiger Mitteilung des dortigen Pfarrers Bächtold keine Auskunft. 
Sein Werk für Lenzkirch war ein sehr reicher Flügelaltar, der nach 
der Sitte jener Zeit eine Verbindung von Malerei und Bildhauerarbeit 
war. Leider ist dieser Altar, der eine Zierde von Lenzkirch wäre, 
längst nicht mehr vorhanden ; wahrscheinlich ging er in dem grossen 
Brande vom 11. August 1667, der neben 37 Häusern dieses Ortes auch 
die Kirche vollständig vernichtet hat, zugrunde. 

Ich Michel Pfender, maier, burger zu Schauffhusen, bekenn vnd 
tun kunt mengklichem mit disem brieff, das mir junkher Caspar von 
BlAmnegk') vnd herr Cünrad Folmar des ordens genant Vnser 
Frowen brüder^), euch die kilchen pfl&ger gemeinlich der walstatt') 
zä Lentzkilch verdingt haben, vnd eins rechten, redlichen verdingt 
Werks mit namen sol ich machen ein tafel, die dem kor vnd dem 
altar zimlich sye, nit ze hoch, ze wit nach der vysierung, als ich si 
han lassen sechen, vnd darin stellen vnd machen Vnser lieben Frowen, 
als si das kindli vff dem arm treit, vnd euch dar nebend sant Vyden*) 
vnd sant Frenen vnd den wirdigen ntter sant Jörgen vnd den wir- 



^) Die Ritterfarailie von Blumneck besass den grösseren Teil der Herr- 
schaft Lenzkirch seit dem 14. Jhrdt. bis 1491. — *) d. i. Johanniter. — 
Die Johanniterkommende Villingen besass einen Anteil von Lenzkirch 
durch die Schenkung der Elisabeth von Bisingen, Witwe des Ritters 
Konrad von Blumnegg seit 1316 (vgl. Fürstenberg. Urkundenbuch V, 
No. 354). Zu diesem Teile gehörte auch die Pfarrkirche, die 1478 einem 
Ordenspriester verliehen war. — '•*) Bedeutet hier „Waldstatt** d. i. Ort 
im Schwarzwald. — *) Nicht Vitus, sondern Fides; das ergiebt sich dar- 
aus, dass bei der Einweihung der Kirche Lenzkirch 1487 der Hochaltar 
ausdrücklich zu Ehren der Muttergottes und der Heiligen Georg, Verena 
und Fides consecriert wurde. (Perg.-Or. in Karlsruhe.) 

Zeitscbr. f. Geacb. d. Oberrh. N. F. VlII. 1. 9 



150 Miscellen. 

digen byschoffe sant Niolauseu, vnd die fünff erhaben bild sol ich 
alle vergolden, die mentel an den helgen von prouiertem vyiiem 
tuggaten gold, ouch die r6klc« die si au band, die sol ich machen 
von guldin tammast gAt, vnd sant Ji^rgen sol ich machen als einen 
ritter in harnast, st&nd vf einem wann, vnd hinder den bilden in der 
tafel sol ich ouch vergolden von pruniertoni vinem gold vnd die ge- 
spreng in der tafel sol ich vergülden von Hinschem gold vnd [an] 
den fAss, da die tafel vif staut, sol ich malen die wirdigen zwAlff 
botten mit ftlvarwen, vnd hinder den selben zwölffbotten sol ich ver- 
golden mit pruniertem vynem tuggaten gold, vnd an die flOgel inu- 
wendigen sol ich machen Vnser lieben Frowen gehurt vnd die helgen 
Dry Küng, alles von ölvarwen, vnd hinder den selben bilden oucli 
vergolden mit vinem tuggaten gold, vnd ebnen vff der taffeleu sol 
ich machen vnsern hergot am crAtz vnd Vnsere lieby Frowen vnd 
sant Johansen vnd malen von gAten farwen, vnd so man die tafel 
zütAt, so sol ich daran die f&cchten (nie) malen Vnser Frowen grÄ3 
vnd als si Aber das gebirg gieng, ouch von guten Alfarwen machen, 
vnd vff die tafel gehöirent dry windperg , die band loub possen, die 
selben loub possen sol ich ouch vergAlden mit vinem pruniertem tog- 
gaten gold, vnd dz ^ider, das dar zA gehördt, das sol ich vergAlden 
mit Kinschem gold. Von den stuken allen sol man mir richten, weren 
vnd geben als vil als hundert vnd zechen gülden, vnd sol man mir 
die antwrten gon Schauffhusen zA nünen banden ane minen costeii 
vnd schaden. Es ist onch fArer beret vnd bedingt worden, wonn idi 
die obgenannt tafel vff den altar setz, so sei man mir geben sechst- 
zechen gülden Basler werung, dry vnd zwentzig Basler plapphart für 
ainen gülden, vnd darnach alle jar jArlichs sond si mir geben, richten 
vnd weren siben gülden allwegen vff sant Martistag, vnd sol das erste 
zil anfachen vf sant Martis tag nach datum diz brieffs Aber ein jar 
allwegen acht tag vor vnd nach vngeuarlich, vnd die tafel sond si 
zA Schauffhusen holen ane minen costen vnd schaden \in\ ouch vf rich- 
ten, vnd ob sach were, das man vmb wurffe, da got vor sy, di seih 
sol mir keinen schaden bringen, aber wz sust schaden besch&che an der 
tAfel dne vmb werffen, das sol ich wider vf richten ane iren costen 
vnd schaden, vsgenomen essen vnd drinken, vnd sol ic^ die tafU 
bereitt geben vngeuarlich acht oder viertzechen tagen vor ir kilch- 
wiche, mag aber ich e, dz wil ich ouch tAn. Vnd ist dise abredung he- 
schAchen vmb sant Laurentzen tag [Aug. 10] acht tag vor vnd nach 
vngeuarlichen nach Cristus gehurt, als man zalt viert^echenhundert 
sibentzig vnd in dem achtenden jare. 

Donaueschingen. Baumann. 

Urkundliohes Ober Hans Sachs. Als Nachtrag zu den von 

Lochner«) und Bosch*) veröffentlichten Hans Sachs - Urkunden 
mag hier eine weitere mitgeteilt werden, die sich jOngst im Karls- 

<) Archiv für Litteraturgeschichte, 111, 2Cff. — ') MitteilungeA aus 
dem germanischen Museum, I, 174 ff. 



Miscellen. 231 

ruher Archive gefunden hat*); allerdings nur als Fragment, denn 
sie ist als Umschlag eines Rheinsheimer Güterhuchs verwendet und 
dahei erheblich verstümmelt worden, doch haben sich die Lücken im 
Texte dank den freundlichen Bemühungen des städtischen Archivars 
zu Nürnberg, Herrn Mummenhoflf, teils nach dem im Nürnberger 
Archive (Tom. 65 der libri litterarum foL 203—4) befindlichen sog. 
Mutterprotokolle, teils, und dies gilt namentlich von der Vollmachts- 
formel, nach einer Stadtgerichtsurkunde vom J. 1548 ergänzen lassen. 
Die betr. Stellen sind durch Cursive kenntlich gemacht. 

Der in der Urkunde erwähnte, mit der Beklagten Anna, geb. 
Maysin (Maisin) vermählte Bartholomaeus de Taxis, ein Sohn des 
Johann von Taxis aus Cornello, ist der Stammvater der Augsburg- 
Neuburger Linie des Hauses Taxis ; ihm war die Verwaltung der zur 
Beförderung der niederländisch -deutschen Post gegründeten Station 
zu Rheinhausen zugefallen. 2) 

Ich Haug von Parsberg zu Parsberg vnnd Luppurg, Ritter, Schult- 
hais vnnd wir die Schöpfen der Stat Nurmberg, Bekennen offenlich 
mit diese^n hrieite das heut dato vor Vnns inn sitzendem Statgericht 
erschienen ist der Ersam Hanns Sachs, Burger dieser Statt alls ver- 
ordennter curator Junp^kfraw Uua tveilandf Dominicus Maissen ge- 
wesenen Burgers alhie seligen nachgelassener eeleiblicher tochter 
furpracht vnnd öffentlich bekhannt hat: Nachdem hieuor die erbeni 
Sebaldt Ochsen/b/rfet* vnnd Hannß Fnimmon als itzyenanter Ena 
Maisin gewesne vorgcer v-nnd vormunder den Ersamen Cristoff Loch- 
ner, auch Burger alhie zu Nurmberg, derselben Jungkfrawen Stiff- 
vater geuolmccJitif/t haben, an irer stai Anna, wej'lenndt Barthol- 
mess de Taxis, postmaisters zu Reynhawsen seligen nachgelassene 
wittib, von wegen sechzig gülden hindtcrstelliger verbrieff^er sclml- 
den von Jacob Maissn vnd Barbara seiner Eewirtin Irem Vatter 
vnnd Muter zu Prussel seligen hervuerendt, Rechtlich zu beclagen, 
wie dann darauflf Inn kraift solichs erapfanngawf « geivalts er Lochner 
den ersamen Niclass Silbernagel, Schlosser, Burger zu Prussel sub- 
stituieret, berurter schulden halben gegen derselben Anna de Taxis 
postmaisterin am Statgericht daselbst zu Prussel zu hanndeln, Auff 
solchs dann er Silbernagel bisher inn solcher sachen im Rechten fur- 
gefaren vnnd procedirt hett : — Das demnach Er Curator alle solche 
um bishero getibfe hanndlung inn pester vnnd creftigster form der 
Recht hiemit ratificiert, bekrefftigt vnnd Ime demselben Silbernagel 
von newem sein volkomen macht vnnd gewalt auff vnnd vbergeben 
haben wollt inn seinetn als curators namen beruerte angefangene 
Rechtfertigung bis zu völliger cundtschafft derselben auszufuem, sich 
cautionem de judicato soluendo zu erpieten vnnd zu laisten all sein 
notturft inn reden, gegenreden, Exceptionen, defensionen, volnfuerung 
vnd darthuung lebendiger zeugschafft vnnd brieflicher vrkhund, mit 

*) Jetzt in der Urk.- Abteilung Bruchsal, Schulden. — ^) Vgl. Rüb- 
sam, Joh. Baptista von Taxis, S. 20Off. 

9* 



132 Miscelleu. 

anfcchton der widor liiü darbrachten im Rechtem furMHu^endenn tien 
aid für //(*fcrd mit seinen capitteln, auch maliciao docisoriam vnnd 
sonst ain ycdes anndcr inn Recht ertailt Juraincnt, ob sie aach W^r- 
maüaen (jvstalit imcn, das ein sSVHMderer ff(^aUt data ffchintt inn 
sein scel vnnd gewissen /u schweren, inn Recht zu bcschliessen, boy 
vnnd Knndurteil /u pitten, zu hiVen vnnd antzunemen« von beschwer- 
lichen an (fcpturnde ortt zu appeUireHt opostell vnnd Abschied zu 
pitten, die nppelhition anhengig zu machen vnnd auszuüben, Berichts 
vnnd andiM'o rosten vnnd sclieden darzulegen vnnd zu befcMmw, die- 
selben rund ivass er tfidiieh oder Rechtlich erlangt zu empfahen, 
darum!) nach nottnrtt zu «luittiern« vmb siglung vnnd zeugnas dar- 
über zu pitton, auch hiezu ainen oder mer anictdf an sein stat jth 
subsiitHirn dess oder derselben gewalt, wann Imo gefellig, zu reuo- 
ciern vnd gemainlich vnnd sonnderlich alles anders hierin zu band* 
len vnd furzunemen, das die pinttnrf} zu eiftbripiffnuti solcher schul- 
den erfordert vnnd er pei^sijnlich thun solt vnnd könnt, welche sein 
vnnd seiner nachgosatzten anwalt hanndlung er vest vnnd onuer* 
pruchelich rnHd ine saleher annaldsefta/lt one enntgelt vnnd schad- 
los zu halten, hiemit verspmch. Vnd ob er oder seine nai^hgcsazte 
hierüber noch merers gewalts notturftig sein wurtlen, denselben allfw, 
wie rof kamen der sein solt, wolt er Ime solcher gestalt hiemnt auch 
gegeben vnd beuolhen haben, als ob der mit ausdruckten Worten 
hiebey boschrieben vnd in Hechten für kretftig erkannt irere, aUes 
f/c/rc//licb vnd vugeuerlicb. Zu vrkundt ist dieser brief vff oblvemelts 
Sacbsenn bitt von gericht zu geben erkannt vnil mit des gericJits zu 
Nurmborg anhengendem Innsiegr/ hesitjeft. //«»scheen am Mitwuch 
den zwen vnnd zwainzigsten tag Aprilis, Nach Christi vnnsers liebsten 
Herrn gepurth funifzchenhnndert vnd im ain vnnd fnnifzigston ^iiv. 

Orig. PiTg. Sic»gol ab. • Dormd: Niclas Silbcrnngels gewalUbrief 
1*151. prod .... nntwocb narh .... dni. 15r>l. 

Karlsruhe. Karl Obscr. 



Karl Friedrich von Baden in Lavaters Physiognomisohen 

Fragmenten. Ks ist bekannt, dass ,1. (\ Lavater den ersten Ver- 
buch seiner riiysiognomischen Fragmente, Zur Befönlerung der Men- 
schenkenntnis und Menschenliebe, dem edeln Markgrafen Karl 
Friedrich von Baden zugeeignet hat^ und dass das dem lAvat er- 
sehen Werk vorgetlruckte Widmungsschreiben an „Herrn Carl Fric- 
»lerieh Marggrafen zu Haaden** mit einem von (i. F. SchmolP) nach 

') Der M-hnellc und glückliche TortrÄtzeichner G. F. Schmoll aua 
Ludwigsburg, den I^avater auf seine Kmserbadcreise, auf der er sowohl 
bei der Hinfahrt als bei der Rückkehr in der Residenz des Markgrafen 
ankehrte, nntgenommen, damit er ihm dir das grosse Werk der Physiog- 
nomik Bildnisse verfertige, zeichnete den Markgrafen wohl erst während 
des zweiten Karlsruher Aufenthaltes liavaters auf dieser Reise, der in 
die erste Augustwoche 1774 tiek Denn das noch erhaltene Tagebuch, 



Miscellen. 133 

dem Leben gezeichneten Bildnisse Karl Friedrichs gekrönt ist. Aus 
dieser Zueignungsschrift haben die bezeichnendsten Stellen über Ba- 
dens weisen und frommen Fürsten in die Biographieen des Markgrafen 
und Lavaters längst Eingang gefunden Oi und über das Bild des 
Fürsten vor Lavaters Physiognomik schreibt Klopstock in einem 
Brief vom 14. Okt. 1775 an den Kirchenrat Böckmann in Karlsruhe: 
„Warum hat Lavater denn, was so sehr das Gegentheil von einem 
Wunder ist, zugelassen, dass der Markgraf so unrichtig gezeichnet 
vor sein Werk gekommen ist! Es ist was recht Dummes (ich drücke 
mich nicht zu stark aus), dass der Fürst, dem die Physiognomik zu- 
geeignet ist, so vor derselben erscheint." 2) 

Dass aber nicht nur vor dem ersten Versuche der Physiogno- 
mischen Fragmente der fürstliche Gönner und Freund des berühmten 
Zürichers abgebildet erscheint, sondern dass auch in dem Werke 
selbst eine Abbildung und Charakteristik des ausserordentlichen 
Menschen und Fürsten geboten wird, dürfte bis jetzt unbekannt ge- 
wesen sein. Wenigstens habe ich in keiner der das Freundschafts- 
verhältnis zwischen Lavater und Karl Friedrich von Baden kürzer 
oder länger besprechenden Schriften etwas davon bemerkt gefunden 
und bin erst jüngst^) durch eine ßriefstelle darauf gekommen. Es 
schreibt nämlich Herder den 25. August 1775 an Hamann über 
den ersten Band von Lavaters Physiognomischem Werke u. a. fol- 
gendes: „S, 207 ist der Fürst, der Markgraf von Baden, der auch 
sehr wahr geschildert ist, und den ich unter allem, was ich als Fürst 
gekannt, am höchsten schätze."*) Schlagen wir die von Herder dem 
Königsberger Weisen bezeichnete Seite in Lavaters erstem Phy- 
siognomischen Versuche auf, so finden wir daselbst vier von G. F. 
Schmoll gezeichnete Profilumrisse. Zu diesen 4 Bildnissen schreibt 
Lavater a. a. 0. zunächst im allgemeinen: 

„Freund und Forscher der Menschen, würdest du gern in der 
Gesellschaft der vier Männer scyn, von deren Gesichtern hier ziem- 
lich ähnliche Umrisse dir vor Augen liegen? Was du von ihnen ur- 
theilen werdest, weiss ich nicht; so viel aber weiss ich, dass du dich 



welches Lavater bis zum 22. Juli auf der erwähnten Reise führte, meldet 
bei der ausführlichen Beschreibung von Lavaters erstem Aufenthalt in 
Karlsruhe, im Juni 1774, nichts davon, dass Karl Friedrich dem Maler 
Schmoll gesessen. 

^) Siehe: C. M. F. L. Freiherr von Drais, Geschichte der Regierung 
und Bildung von Baden unter Carl Friederich vor der Revolution, zweiter 
Band, Carlsruhe 1818, S. 473. — K F. Nebenius, Karl Friedrich von 
Baden, hrsg. durch Fr. v. Weech, Karlsruhe 1868, S. 258. — A. Kl ein - 
Schmidt, Karl Friedrich von Baden, Heidelberg 1878, S. 87. — ») Vgl. 
J. M. Lappenberg, Briefe von und an Klopstock, Braunschweig 1867, 
S. 267. — 8j Nachdem meine Schrift: „J. K. Lavater und der Markgraf 
Karl Friedrich von Baden, Freiburg i. B. 1891, Akademische Verlags- 
buchhandlung von J. C. B. Mohr" schon erschienen war. — *) Vgl. 0. 
Hoffmann, Herders Briefe an J. G Hamann, Berlin 1889, S. 109. 



134 Miscellen. 

in ihrer (iosollso)mft ganz gewiss nicht übe] befinden würdest. Es sind 
vier Mensdicn von dem verschiedensten Charakter, die sich aber alle 
durch Güte und ausserordentliche Redlichkeit auszeichnen. Von denen 
seltenen Menschen sind*s, denen du in der ersten halben Stunde gern 
viel von deinem Herzen mittheilest, denen du ihre Fragen gern ein- 
fitltig, ohne Furcht und ohne Misstrauen beantwortest. Es ist ein Ge- 
lehrter, einOfficier, ein Mediciner und ein Fürst — Versuch es» 
sie auszutinden. Alle vier haben ziemlich viel Verstand. I^^irchtsam 
und hypochondrisch sind wenigstens zwey wo nicht drey davon.** -r 
Darauf liisst unser Physiognomiker Seite 2iys zu ilem Profil des 
Fürsten im besondern sich also vernehmen: 

„Der Fürst auf diescjn Blatte, (errat h ihn; hast du physiogno« 
misch (Jeftlhl oder nur miissige Weltkenntniss, du wirst ihn errathen;) 
ist die gütigste, die bescheidenste Seele — Sparsam an Worten ; sanft 
in allen seinen Äusj^crungcn, und dennoch nicht schleichend. Ein ge- 
hundes Urtheil — das sich nur nicht genug ftlhlt, nicht herauswagt 
— siehst du innner auf seinem Blick, auf jedem halbausgespn)chonon 
Worte schweben. Seine Stirne zeigt ('bergewicht der Güte, aber 
keine Dürftigkeit des Verstantlcs. Der Umriss von der Nasenwurzel 
bis zur Oberlippe versprechen noch mehr, als seine zu grosse Schüch- 
ternheit in seinen Worten bemerken liisst ... IIa! wie sehnt sich 
mein Herz, ihm (lefühl seiner selbst in seine edle Seele zu athmen! 
Kann ich\s nicht, kann's die unvergleichliche Fürstinn, von der jedes, 
auch das beste, Porträt Carrikatur, jede, auch die schlechteste, Carri- 
katur aber nicht vermögend wilre, alle Güte auszulöschen, die mit 
dieser Fülle auf ein Menschengesicht, auf eine ganze Menschengestalt 
ausgegossen ist.** 

Gernsbach. Heinrich Funck. 



Lilteralurnolizen. 

An Verött'entlichungcn der badischon Instorischon Kommis- 
sion sind erschienen: 

Ilogeston der MarkgrafiMi von BadtMi und Ilach- 
berg lorx)— 1513, bearbeitet von Richard Fester. Zweite 
Lieferung. Innsbruck, Wagner. 

Badische Noujahrsblätter. Drittes Blatt 1893. Das 
Badische Oberland im Jahre 1785. HeiselKnnchte eines 
österreichischen Kamoralisten, mitgeteilt von Bernhard Erd- 
mannsdörffer. Karlsruhe, Braun. 

In dem Herbst 181)2 herausgegebenen Jaliresbericht der Neueu 
Realschule zu Sti*assburg (Strassburg, Du Mont - Schauberg) handelt 
Oberlehrer Dr. v. Borrics über die Alamannonschlacht de» 



Litteraturnotizen. 1 3 5 

Jahres 357 n. Chr. und ihre Oertlichkeit. Er giebt zunächst eine 
kurze Charakteristik der Quellen, dann eine Uebersetzung der in 
Betraeht kommenden Stellen aus Ammian und Libanius und wendet 
sich schliesslich zur Untersuchung über die Lage des Schlachtfeldes. 
Ich habe in einer 1887 erschienenen kriegsgeschichtlichen Studie die 
Schlacht an den Musaubach auf das Terrain zwischen Oberhausbergen 
und Ittenheim verlegt und meine Ergebnisse gegen die Anfechtungen 
Nissens in der Westdeutschen Zeitschrift Vn, 63 ff. verteidigt. Diese 
Resultate haben mit Ausnahme von Ed. Heyck, der jedoch in seiner 
Rezension (Mittheilungen des Instituts für Oesterreichische Geschichts- 
forschung IX, 670) nichts Positives zur Lösung der Frage beibrachte 
und über entscheidende Punkte wie z. 13., ob Tres Tabernae wirklich 
unser Elsässisches Zabern und nicht doch vielleicht Rheinzabern sei, 
bedenkliche Zweifel verriet, allgemeine Anerkennung gefunden. 

V. Borries schlägt eine neue Lösung vor, indem er das Schlacht- 
feld zwischen Weyersheim und Hanhofen unmittelbar an den west- 
lichen Rand des Zornrieds verlegt. Er nimmt wie ich Zabern als 
Ausgangspunkt Julians an, er lässt ihn wie ich auf gebahnter Strasse 
marschieren, aber er sucht diese Strasse nicht in dem bekannten 
Römerweg über den Kochersberg, sondern in einer zweiten im Zom- 
thale über Hochfelden-Brumath führenden Route. Indess die genauere 
Richtung derselben ist uns bisher unbekannt, Ausgrabungen lassen 
vermuten, dass sie südlich der Zorn über Ingenheim- Waltenheim lief, 
nicht nördlich, wie v. ß. annimmt. In jedem Falle misst die Entfer- 
nung zwischen Zabern und Brumath allein 26 Kilometer — in der 
Luftlinie über 24 Kilometer — zwischen Brumath und dem neuen 
Schlachtfeld liegen noch einmal etwa 7 Kilometer und das Lager 
der Alamannen, das im Ried selbst gesucht wird, ist noch einige 
Kilometer weiter entfernt, im Ganzen etwa 35—36 Kilometer von 
Zabern. Wo bleibt da die sichere, bestimmte Angabe Ammians, 
dass vom vallum barbaricum bis zur Auf bruchsstelle der Legionen 
14 Leugen d. h. 31 Kilometer gemessen wurden? An dieser Differenz 
allein scheitert schon die ganze neue Hypothese. Die Erklärung dea 
Irrtums ist einfach und v. Borries giebt sie selbst, er hat mit dem 
Zirkel in der Luftlinie von Zabern aus gemessen, die Strassenent- 
femung gar nicht berücksichtigt. Es würde hier viel zu weit führen, 
wenn ich nachwiese, wie auch die übrigen Angaben der Quellen auf 
dies Terrain nicht passen, hervorheben muss ich jedoch, dass die 
militärischen Erwägungen gänzlich vernachlässigt sind. Ein unge- 
eigneteres Schlachtfeld konnten sich die Alamannen überhaupt nicht 
wählen als das Zornried, das noch heute bei seinem nassen Boden 
für eine Aktion im grossen Stil völlig ausser Betracht kommen würde. 
Damals wäre Mann und Maus im Sumpf stecken geblieben. Will 
man durchaus in der Nähe eine geeignete, haltbare militärische 
Position für die Alamannen suchen, dann nehme man die Stellung 
zwischen Weitbruch und Kriegsheim, in der Front den Lohgraben, 
Die sperrt die alte Römerstrasse von Brumath nach Selz und ent- 
spricht ungeföhr der von Ammian notierten Distanz von einund- 



V 



136 liitteraturnotucen. 

dreissig Kilometern. Nur dass auch hier die sonstigen Quellenan- 
gaben schwer oder keine Verwendung finden können. Dass die Römer 
bei der Borj'iesschen lly])0these an einem heissen Augusttage bis 
zum Rhein fünfundvierzig Kilometer etwa zurtickgelegt und dabei 
noch eine entscheidende, lange schwankende Schlacht gescUagon 
haben, das wird allerdings die vielen Philologen nicht verwnndeni, 
die dem römisdien Krieger bei stärkerer Belastung des Mannes 4ie 
doppelte LeistungsfHhigkeit des modernen Soldaten zumuten. 

Was hat nun v. Horries bewogen, meine Ergebnisse zu verwerien? 
Eine einzige Erwägung. ^Vo^ das l^ger der Alamannen unmittelbar 
bei Stnissburg annohmo. müsse auch voraussetzen, dass sie hierüber 
den Rhein gegangen seien und dass sie auch hierher geflohen $eien. 
Nördlich von Strassburg aber über den Rhein und obendrein über 
die lll zu gehen, wiire Thorheit gewesen. Daraus ergebe sich, dass 
die Schlacht nicht südlich der Linie W'anzenau-Vendenheim gescklagen 
worden sei und somit sei Julians Anmarsch auf der Römerstrasso 
durch den Kochorsberg ausgeschlossen. Dass uns nichts zu jener 
Voraussetzung bezüglich des Rheinübergangs nötigt, weder die allge- 
meine Erwägung noch die besondern Quellenangaben, glaube ich in 
der \Vestdeutschen Zeitschrift ausführlich und Überzeugend genug 
erörtert zu haben, ich verweise hier einfach darauf. Betonen will ich 
nur gegen v. Borries wie einst geg«n Nissen, wie man die Forschung 
ganz unnötig erschwert, ja gradezu verwirrt, wenn man zunächst die 
dunkle Frage nach der Stellung und der Bewegung der Alamannon 
beantwortet wissen will, anstatt von den sicheren Angaben über die 
Lage und den Marsch des römischen Heeres auszugehen. 

Und nun noch eine Einzelnheit. Den bekannten oxitog (jLtxionQog 
des Libanios, den ich auf die römische ^Vasserleitung der Stadt 
Strassburg beziehe, übersetzt v. B. mit „oberirdischer Wasserlauf*, 
vulgo (iraben. Dafür der gelehrte Aufwand! Ich will zur weitem 
Stütze meiner ernstlich noch nirgends bestrittenen Deutung noch auf 
die Stelle in der neu gefumlenen Aristotelischen Politie der Athener 
cap. M) § 2 verweisen, auf die mich Herr Kollege Prof. Dr. Neumann 
aufmerksam gemacht hat. Dort bezeichnen die o^f toi nftitogot Wasser- 
rinnen in der Höhe an den Häusern angebracht. Das ist nichts an- 
deres als ein Acjuädukt im Kleinen. 

Zum Schluss möchte ich nicht verhehlen, dass ich der Letzte bin, 
diesen Foi'schungen über antike Schlachtfelder einen hervorragenden 
wissenschaftlichen Wert beizulegen. Die Überlieferung ist zu dürftig, 
als dass sie nicht allen möglichen Deutungen Thor und Thür öffnen 
sollte, und (irosses steht dabei zumeist nicht auf dem Si)iel. Wenn man 
aber sieht, wie aucli auf andern Gebieten des Altertums, z. B. in der 
Kunst-Archäologie unter günstigeren Verhältnivssen, etwa bei der Rekon- 
struktion des östlichen (liebelfeldes vom Zeustempel zu Olympia, sich 
die Kontroverse nicht schlichten lässt, dann liegt darin doch ein ge- 
wisser Trost. ir. ]yieffafids 



Litteratumotizen. X 3 7 

Im Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichts- 
kunde Band XVUI S. 309 ff. teilt H. Bresslau aus der von Pfister 
in der Pariser Nationalbibliothek gefundenen Handschrift des Chro- 
nicon Ebersheimense die bisher noch nicht gedruckten Abschnitte 
über Tiebeta und die Urgeschichte von Trier mit. Br. weist in einer 
Anmerkung darauf hin, dass eine wesentliche Differenz zwischen der 
hier gegebenen Ueberlieferung und derjenigen der Gesta Trevirorum 
bestehe, verzichtet aber aus Mangel an Müsse auf eine nähere Unter- 
suchung. Den Faszikel, welcher in dem Pariser Sammelbandc das 
Chronicon Ebersheimense enthält, wie die Handschrift, aus der er 
kopiert worden, weist Br. auf Grund einer Dorsualuotiz mit grosser 
Wahrscheinlichkeit dem Kloster Senones zu, von dessen Abte Dom 
Mabillon die Abschrift empfing. W. W. 

' In der soeben erschienenen ersten Abteilung des zweiten Bandes 
der „Zeitrechnung des deutschen Mittelalters" (Hannover 
1892. 250 SS.) behandelt H. Grotefend die Kalender der Diözesen 
Deutschlands, der Schweiz und Skandina\iens. Für die mittelalter- 
liche Geschichte ist damit ein treffliches Hilfsmittel geschaffen, das 
hoffentlich die örtlichen Forschungen auf diesem Gebiete anregen 
und fördern wird. Beim Konstanzer Sprengel hat Grotefend zwei 
Breviere zu Grunde gelegt, sodann aus Anniversarien einzelner 
Klöster und Ortschaften stammende Angaben in Klammern beigefügt. 
Da er auf Karlsruher Handschriften (der Bibliothek) zurückgegangen 
ist, bedauert man, dass die vier wohlerhaltenen Anniversarien des 
Domstiftes im Generallandesarchive (No. 7-10) unberücksichtigt ge- 
blieben sind, um so mehr als Grotefend selbst die Wichtigkeit der 
Kalender der Domstifter in seiner Einleitung betont. Ausserdem 
führt z. B. das älteste jener Anniversarien (No. 8) , deren geschicht- 
lichen Inhalt Baumann in den Monumenta Germaniae, Necrologia I 
282 gedruckt hat, manche Heilige auf, die Grotefend nicht hat. 
Kleinere Abweichungen sind ziemlich zahlreich. 

A, CarfcUieri 

In sehr lebhafter, farbenreicher Darstellung hat Rudolf Wacker- 
nage 1 im einundsiebenzigsten Neujahrsblatt der (Baseler) Gesellschaft 
zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen uns „die Stadt 
Basel im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert", Basel, 
Baur, geschildert. Die frisch geschriebene Arbeit erzählt auf Aier- 
undsechzig Seiten den glänzenden Aufschwung der Stadt in der ersten 
Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts und die ersten anderthalb Jahr- 
hunderte politischer Selbständigkeit bis zur Vereinigung von Klein- 
basel mit der grösseren Stadt. Religiöses und geistiges Leben ist 
dabei ebenso berücksichtigt wie Handel und Verkehr, wie Politik und 
innere Kämpfe. Beigegeben ist eine von Joh. Bernoulli bearbeitete 
Karte der oberrheinischen Gebiete im Jahre 1392, die von St. Die 
und Lahr bis Valangin und Sempach reicht. Sie giebt durch Kolorit 
die Verteilung der Landeshoheit an, für Lehen ist ein Auskunftsmittel 



1 38 IJtteraturnotizen. 

gewählt, (las den Lehnsherrn, der ja faktisch gar keinen Nutzen aus 
dein betr. Lohen mehr zog, doch wohl zu sehr hervortreten lässt. 
Die senkreeliten Streifen in der Farbe dos Lehensherrn dürften 
wohl noch s(*hiniiler sein. Fast überall ist es dem Zeichner gelangen, 
Klarheit zu schatten, nur hie und da sind weisse Flecken übrig ge- 
blieben. Auch für diese Heigabe wird jeder Leser dankbar sein, sie 
fördert die kartographische Behandlung der oberrheinischen Geschichte 
wieder um ein gutes Stück. -4. Ä 



Kino interessante Studie von U. Zeller- Werdmttller: Die 
Freien \on Fschenbach, Schnabolburg und Schwarzen- 
berg (Züricher Tasrhcnbuch irtiKJ) wird vor allem in ihrer Fortsetz- 
ung uns zugute kommen. Der noch ausstehende Teil soll nämlich 
die Scbnabclburger Linie dieses Freiherrnhauses behandeln, das um 
V2U\ die Frbschaft der Vögte von Schwarzenberg, deren Frbiu Adel- 
heid an Walthcr 1. von Fiscbenbach vermrthlt war, erhielt. Ihren 
ne.sitz mit iler Vogtoi des Stiftes WaUlkirch nuu'hten die Schnabel- 
burgcr am Knde des dreizehnten Jahrhunderts zu ihrem Mittelpunkte, 
ja sie nahmen Namen und \Vappcn der alten Freiherrn von Schwarzen- 
berg an sich. Die in der Schweiz verbliebene Linie der FiSchenbaclior 
behandelt der vorliegcntlc Abschnitt. Dieser Zweig starb 1343 mit 
Walther IV. aus. Hin alter württembergischer Schüfer erklärte 35 
Jahre nach dem Morde König Albrechts, auf dem Todesbetto, er 
sei jener Kschenbacher, der jenen Mord mit verüben half. Mit 
ritterlichen Klircn wurde er an einem leider nicht genannten Orte 
beigesetzt. 

In N'erfolg und in der Art früherer, sehr venlienstlicher Studien 
behandelt Arnold Nüscheler im dreiundzwanzigsten lUindo der 
Argovia „die argauischen liotteshiluser in den ehomaligeu 
Dekanaten Frickgau uml Sisgau, lUstum Hasel**. Uns inter- 
essiert vor allem ilio Behauptung, dass von der badischen Mutter- 
pfarrei Sjickingcn eine grosse Zahl linksrheinischer Pfarreien abge- 
zweigt wonlen seien (Laufenburg, Wegenstetten, (lansingen, Uornnssen, 
Mettau, Kheinsulz, Zutzgen, Stein, Nieiler- und Ober-mumpf und 
Schupfart samt ihren Filialen). Diese Annahme halte ich für durch- 
aus unberechtigt. Zunächst liegt Säckingen und auch dessen Mutter- 
kircho Obersäckingon im Histum Konstanz, die angeblichen Tochter- 
kirchen aber im Histum I^usel. Der ursprüngliche Pfarrbezirk hätte 
nicht allein zwei (lauen, sondern auch zwei Histümern angehört, was 
kirchenrecbtlich unmöglich ist. Ntlscheler hat die Thatsacho miss- 
verstanden, dass die Pfarrer der genannten Kirchen meist zu Säk- 
kingen residierten. Das war aber kein alter (Jebrauch, s(mdern ein 
Missbmuch. Die Kollatur jener Pfarreien gehörte dem Kloster Säk- 
kingen, das wider die kirchlichen Ucpiiogenheiten die Pfarrer ver- 
anlasste, ihren regelmässigen Wohnsitz in Säckingen aufzuschlagen 
und von dort aus ihre Piarreien zu versorgen. Auch das ist Nüscheler 



LitteraturnotizeD. \ 39^ 

entgangen, dass nicht die Klosterkirche die orsprüngliche Pfarrkirche 
von Säckingen war, diese vielmehr selbständig neben derselben be- 
stand. Im übrigen giebt auch diese Arbeit wieder Anlass zu dem 
Wunsche, es möge sich auch für den badischen Anteil der Diözese 
Konstanz ein Bearbeiter im Geiste und mit dem Fleisse Nüschelers 
finden/ A, S. 

Die auf Veranlassung König Friedrich Wilhelms IV. von Pertz, 
J. Grimm, Lachmann, Ranke und Ritter unternommene Ausgabe der 
„Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit in deutscher 
Bearbeitung", fortgesetzt von \V. Wattenbach (Leipzig, Dyk), 
hat nunmehr ihren Abschluss gefunden mit einer Übersetzung der in 
dieser Zeitschrift mehrfach behandelten Chronik des Mathias von 
Neuenburg. Bei dem Stande der Kritik über diese wichtige Chronik 
war die Übersetzung immer weiter hinausgeschoben worden. Da die 
neue Übersetzung von G. Gran da ur L. Weilands Handschriftenstu- 
dien noch verwenden konnte, so wird sie mit Nutzen von einem 
jedem herangezogen werden, der die Chronik zu benutzen hat. 
Die Einleitung von Ludwig Weiland orientiert über alle kritischen 
Fragen, besonders auch über die Frage, wer der Verfasser sei. Im 
allgemeinen übernimmt Weiland die von mir (diese Ztschft. N. F. Band 
VI u. VII) ausgesprochenen Anschauungen und Gründe, auch er lässt 
Albrecht von Hohenberg ganz zurücktreten, er weicht von mir aber 
liarin ab, dass Mathias für die ersten Kapitel eine schriftliche Quelle, 
verlorene „Thaten der Baseler Bischöfe", benutzt habe, wenn er auch 
hier den Umfang dessen, was Mathias dieser Quelle entnahm, sehr 
wesentlich gegen seine früheren Ausführungen einschränkt. Auch in 
dieser Einschränkung kann ich ihm das nicht einräumen. Es ist ja 
femer noch immer die Arbeit K. Wencks abzuwarten, ehe man 
den langwierigen kritischen Streit als abgeschlossen wird betrachten 
dürfen. A, S. 

Der zweite Band des von Karl Albrecht herausgegebenen Ra- 
poltsteinischen Urkundenbuches führt das treffliche Werk 
durch die Jahre 13(>4— 1408 und bringt eine Fülle von unbekanntem 
Stoffe, welcher vor allem das unruhige Leben Bruns von Rapoltstein 
(t 1398) beleuchtet. Dieser war in die Kämpfe Frankreichs und 
Englands verwickelt, fiel in englische Gefangenschaft, nahm dafür 
später einen Engländer gefangen (Joh. v. Harleston), den er auf Hoch- 
Rapoltstein gefangen hielt, kam in die Reichsacht und war in zahl- 
lose Fehden vei-wickelt, vor allem mit den Grafen von Habsburg- 
Laufenburg und der Stadt Strassburg. Wer die Zeiten dieses Nieder- 
ganges der alten Herrengeschlechter bei uns studieren will, wird sich 
wohl zuerst an Brun von Lupfen halten, nächstdem kommt aber Bruno 
von Rapoltstein in Frage. Die Fülle der Urkunden, Briefe und No- 
tizenzettel gestattet einen sehr genauen Einblick in das Fehde- und 
Schuldenwesen jener Zeit. Zugleich aber war kein elsässisches 
Geschlecht damals so sehr an französischen bez. lothringischen Dingen 



140 littoraturnotiien. 

beteiligt, wie die Raiwltsteiner. Hrun hatte sich 1380 König Karl VI. 
von Frankreich verptlichtet, ihm gegen den König von England wie 
gegen König Wen/el beizustehen. I>ic OrtsbestimiRungen des Registers 
sind nicht immer sorgfältig, so fielen mir Fehler auf bei Kamstein, 
Koischach, Rosnegk, Schmedheim und \Vartenberg. A, S, 

In der Zeitschr, der Savigu.v-Stiftung f. Rechtsgcseh. 
Hd. 12 (Weimar IWU). U. 2. Germanist. Abt. S. 34— KXS u. lid. 13 
• 181)2). II. 1. S. l(>3-2h» hat Gymnasiallehrer Jos. Hürbin in 
Lnzern einen Neudruck von Peters von Andlau vielgenanntem 
J.iMIhs de vcctarm momnrhia (sonst J)v iwperio liomaHo-Gei^mapiico 
genannt) vom J. IKU) auf (irund der nachweisbar ältesten und besten, 
noch zu Lebzeiten des Autoi's gefertigten Handschrift (zu Paris) mit 
genauer Vermerkung sämtlicher Abweichungen der beiden andern 
Handschriften (zu Hasel und Darmstadt) und der bisherigen drei 
Drucke (von M. Freher, Strassb. UUW u. UU2. NUrnb. KOT) veran- 
staltet. Im Anschluss an diese langst und viel begehrte NeuausgaUe 
mit dem authentischen Text ..des ersten Versuches einer wissenschaft- 
lichen Dai'st eilung des gesamten deutschen Staatsrechts** von der 
Hand des ersten „Publicisten des kimservativen Reichsrechts" und s. 
Zt. ^gefeiertsten Lehrers des kanonischen Rechtes am Oberrhein** wird 
demnächst ebenfalls aus Harbins Feder, der seit mehn^nni «Taliren 
mit Studien tlber Peter von Andlau (Hermann Peter aus Andlau im 
Fiiterelsass, f um 148^1), sein Leben und seine Schriften beschfiftigt 
ist, eine Monographie über denselben erscheinen. Aus dem liMtns 
(/(• cvsarvd moHinrhia selbst sei hier besonders auf jene die Mark- 
grafen von Haden betreffende Stelle (/*7>. //. tit, XIL Fk Sfpiem 
fiiihilitntis tfni(Ubi(s, tinihus (errcpta mfitiii' monarvhin. Ztsclir. d. 
Sav.-Stift. 13, 1%) aufmerksam gemacht . wo wm der Erklärung de» 
Vortes nunrhia die Rede ist. Dasselbe, deduziert der l>ertthmte 
Kanonist, werde nach den einen von marohin abgeleitet, h7m»Vi cara, 
id est collecta et jtuta imnr plentimiitv sit fx^ita, AÜi dinnit, /yifcxl 
diritHr a w»fin7*(i. f/mx/ c,s7 shiffidarv dirititm poHdua. /wt qiiod siffHh 
finifur trrfa et riiiida juatina, (fHa tiiiidvw fitsticin illustres imiirAi- 
(»Hes Jindenses fdurirnuw vomineHdntdnr, 7«/ nan sahtm natHhie, sed 
et re if^in se wnrehmies (tstefidHut.** 1\ Allieti, 

Den unglücklichen Romzug des letzten deutschen Königs, der 
am Oberrhein die \Vurzeln seiner Hausmacht hatte, schildert in sorg- 
fiiltiger rntersuchung die Schrift von Alfred Winkelmann: Der 
Romzug Ruprechts von der Pfalz. Innsbruck 18i>2. König Ru- 
pn^cht ist auf ihm fi^ilich wenig über den Südfuss der tiroler Alpen 
hinausgekommen, als er sich in den auf die Italiener, vor allem auf 
Florenz und Venedig gesetzten, allzu sanguinischen Hoffnungen ge- 
täuscht sah und gezwungen war, ohne jeden Krfolg heimzukehren. 
Die Italiener hatten den Zug so sehr gewünscht, weil sie hofften, 
König Ru^)recht werde (iiovanni (laleazzo, den Herzog von Mailand, 
und .sein Übergewicht, in Italien brechen. Allein lUran scheitert« 



Litteraturnotizen. 1 4 1 

er völlig. Die Bedeutung der florentinischen Politik erläutern bis- 
her nngedruckte Auszüge aus den Beratungen der florentinischen 
Signori. Denselben Gegenstand behandelt auch eine Jenenser Disser- 
tation von Hans F. Helmolt, König Ruprechts Zug nach Italien, 
die ich noch nicht sah. A, S. 

Im „Historischen Jahrbuch der Görres- Gesellschaft" Band 13, 
S. 765 ff. veröffentlicht A. Ebner: Historisches aus liturgischen 
Handschriften Italiens, darunter historische Notizen des 15. u. 
16. Jahrhunderts aus dem Kalendarium eines Missale, das aus der 
hl. Geistkirche in Heidelberg stammt ; anderes aus einem Noktumale 
desselben Stiftes. Auch sind einige nekrologische Notizen des frühe- 
ren Mittelalters aus einer Handschrift mitgeteilt, die im Würzburgi- 
schen entstand, später aber nach Lorsch kam. 

Wir hatten jüngst auf einige von Wasserschieben heraus- 
gegebene pfälzische Weistümer hingewiesen; heute müssen wir auf 
eine vortreffliche Sammlung eingehen, die den Hauptinhalt des 
16. Heftes der „Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz" bil- 
det; es sind „Die Weistümer der Rheinpfalz", verzeichnet und 
beschrieben von J. Mayerhofer und F. Glasschröder. Das Ver- 
zeichnis führt erheblich mehr Stücke auf, als seiner Zeit von Grimm 
und Schröder in der grossen deutschen Weistümersammlung ver- 
öffentlicht wurden. Auch für Baden möchte man eine solche Publi- 
kation wünschen, allein hier fehlt es an den Vorarbeiten, welche in 
der Pfalz durch langjährige Arbeit geschaffen wurden. Dort wurden 
alle Weistümer des Kreisarchivs zu einem Selekt vereinigt. Mayer- 
hofer hebt selbst die archivalischen Bedenken gegen eine solche 
Gruppenbildung hervor, es ist aber klar, dass sie für eine solche 
Veröffentlichung fast die Vorbedingung ist. An Zahl, Alter und Be- 
deutung dürften die rechtsrheinischen Weistümer den rheinpfal zi- 
schen nicht nachstehen. Ä. S, 

Ein kleiner Beitrag zur badischen Geschichte findet sich an einer 
Stelle, wo ihn schwerlich jemand suchen wird, nämlich in der statt- 
lichen Ausgabe von Filelfo-Briefen, die der angesehene französische 
Gelehrte Jfi Legrand herausgegeben hat: Centdix lettres grec- 
ques de Frangois Filelfe (Paris 1892). Unter den sehr umfange 
reichen Beilagen findet sich daselbst auf S. 270 u. 271 ein Brief des 
berühmten Pariser Theologen Wilhelm F ich et (Guillermus Fichetus) 
an den „Magnifictis princeps CaroluSf marchio Badensis" , womit 
vielleicht Markgraf Karl I. (f 1475) , Sohn Jakobs I. , gemeint ist, 
der freilich sonst sich nicht gerade durch wissenschaftlichen Sinn 
ausgezeichnet hat. Möglicherweise könnte man eher an Karl, den 
Sohn Christophs I., den Zögling Keuchlins, den späteren Domherrn 
von Strassburg, denken, der in Paris studiert hat. Vgl. L. Geiger, 
Joh. Reuchlin (Leipzig 1871) S. 8, wo freilich dieser Karl irrtümlich 



142 Litteraturnotizen. 

iw oiiioin Sohne Karls 1. ^iinaoht wird, wiihiviul er dorli soiu Enkel 
ist und noch mit Friedrich, dorn spätoron Bischof von Utrecht, ver- 
wechselt ist. In dem Ihiefe wird Jotuiuvs iMpidanns als Überbringer 
mehrerer Htioher genannt. Damit ist Johannes lleynlin a lapide ge- 
meint, der für die Pariser nuehdruckcrj^esehiehto nicht ohne Wichtig- 
keit ist uml spiltiM- einer der geaehtetsten Lehrer an der Itesler 
Hochschule wunle. Der verstorbene lUisoler Oberbibliotbekar Lud- 
wig Sieber hat die Vermutung ausgesprochen« do^ lUis ^a lapide"^ 
auf das Dorf Stein unweit Pfor/lieim /u beziehen sei. Durch den 
Brief Kichets erhält diese ansj»rechende Vermutung eine Uutorstfktzang. 
Denn wenn Ilevnlin aus Paris in die Heimat /urttckkchrtii und 
letztere unweit von Pfor/heim, der damaligen Hesidouz der Itadischen 
Markgrafen, gebogen ist, so leuchtet der Auftrag Fichets ein. 

KaH Ilartfdder, 

Hugo Holstein lieferte soeben in einem Aufsatze „ Heide 1- 
bergensia" (Zeitschrift f. vergleichende Litterat urgesch. N. F. V 
;i87- IW») einen neuen kleinen Beitrag zur (icschichtc des geistigen 
Lebens von Heidelberg. Dieses Mal ist seine Quelle eine Münchener 
Handschrift (Cod. lat. i)f^)), die aus Heidelberg stammen dtkrfte. 
Unter tlen SttlcKiMi dieses Codex sind z. B /iV///i/c fiftiAimmne, als 
deren Verfasser ein .,<7//*(V//«n' mittfisfcr Jothtctis ,snnr (hvioffie pr(h 
fvssor vj'imiits** genannt ist. Holstein erklärt diesen JoiUicuh gewiss 
mit !{echt als den bekannten Theologen Jodocus Kichmann von Calw, 
tier auch als Predigt'r ausgezoicbnct N\ar. Auf S. :i.*^.> sind seine wich- 
tigsten Lebensdaten aus Töpki's Matrikelpublikation und Winkel- 
manns rrkundenbuch /usammengeMellt. Ferner enthält die llaiid- 
schrift eine „yMcs/if» rm'itilis, i^udlis t/n\^(n(nis in Imrsa Jude ifmus 
rnlio .^7^^7>c//^vl content its purit et un monvtatus tfit et qua mondn**^ 
vtm Pallas Simngel, deren Veröffentlichung Holstein ebenfalls in 
Aussicht stellt. Zugleich giebt die Handschrift einen besseren Text 
für drei (icspracbe, die eine Hunmnistenkomödie von den sprechenden 
Fischen bilden, und die Johannes Bolte nach einer Londoner und 
einer Wiener Handschrift herausgegeben hat. Die früher falsch an- 
gemmnnene Abfassungszeit setzt Holstein mit Hilfe seiner Vorlage 
auf 1178 fest. K(tr} JImifelder. 

Karl Hart fehler hat IHHO in unserer Zeitschrift (Ihuid 33) aas 
einer Handschrift des Karlsruher (ienerallandesarchivs die lateinischen 
(ledichte Adam Werners von Themar (1402 ITkIT) veröffentlicht. 
Was sich inzwischen weiter an Nachrichten über diesen Humanisten 
fand, gab ihm den Anlass, das ganze Leben des Heidelberger Juristen, 
Prinzener/iehers, Dichters und Übersetzers in der Ztschft. f. vergL 
Litteraturgeseb. N. F. o zu behandeln. Daselbst veröffentlicht der- 
selbe drei Briefe Adams an Ctun'ad Celtis aus dem Jahre Uil9. 

Seitdem 1H77 Bernhard Biggenbacb zur Jubelfeier der Uni- 
versität Tübingen das „Chronicon des Konrad Pell ikan** (Basel, 
Bahnmnicri veröffentlicht hat, wunle die kleine und inhaltreiche 



Litteraturnotizen. ]43 

^hrift zu einer vielbenutzten Quelle für Arbeiten, die sich auf die 
Geschichte der Kirche, der Litteratur, der Schule, des Buchdrucks 
u. s. w. bezogen. Die Wichtigkeit des Inhalts und die Anschaulich- 
keit der Schilderung (bis zu einem gewissen Grade ist sie eine wür- 
dige Parallele zu der bekannten Platterschen Selbstbiogra])hie) recht- 
fertigen es, dasa man das Chronicon aus dem Lateinischen ins Deutsche 
Obertragen hat. Die Übersetzung rührt von Theodor Vulpinus, 
hinter welchem latinisierten Namen sich ein elsässischer Schulmann 
verbirgt, her und ist bei Hei tz und Mündel in Strassburg soeben er- 
schienen. Die Übersetzung liest sich gut, obwohl ab und zu ein 
kleiner Anstand sich ergiebt. Aber die Anmerkungen, die der Über- 
setzer in reichlicher Menge beigegeben hat, erregen viele Bedenken 
und zeigen, dass Vulpinus mit der einschlägigen Litteratur nicht sehr 
vertraut ist. Es begegnet zunächst eine ziemliche Anzahl unrichtiger 
Angaben, von denen beispielsweise einige hier angemerkt sein mögen. 
So wird z. B. S. 23 behauptet, die Margarita philosophica des Gre- 
gor Reisch sei ein vielbändiges Werk gewesen. Wenn V. den in 
<iieser Zeitschrift enthaltenen Aufsatz über Reisch (N. F. V, 170) 
angesehen hätte, so hätte er erfahren, dass die zahlreichen Ausgaben 
der Margarita alle einbändig waren. Auch ist es falsch, dass die 
-erste Ausgabe dieses Buches 1489 erschienen sei. Der erste Druck 
gehört vielmehr ins Jahr 1503 (ebenda S. 187). — Was auf S. 24 über 
den berühmten Dalberg gesagt wird, ist fast alles falsch. Dalberg 
ist nicht 1445, sondern erst 1455 geboren; auch ist er kein Schüler 
Dringenbergs in Schlettstadt gewesen, ebenso wenig ist er der Gründer 
der Heidelberger Universitätsbibliothek. Vgl. darüber das V. unbe- 
kannt gebliebene Buch Karl Mornewegs Joh. von Dalberg. Heidel- 
berg 1886. — Zu S. 55 sei bemerkt, dass der eigentliche Name des 
Rhenanu> Bild und nicht Bilde war, und dass er nicht in Schlettstadt, 
sondern in Strassburg gestorben ist. — Der S. 72 erwähnte Bathodi- 
<5us hiess nicht Hackfast, sondern Hackfurt, und so noch vieles andere. 

— Auch die citierten Bücher beweisen, dass V. die in Frage kommende 
Litteratur nur sehr unzulänglich kennt. Zu Beatus Rhenanus z. B. 
musste notwendigerweise Gustav Knod (Aus der Bibliothek des Rhe- 
nanus. Leipzig 1889) citiert werden, welche Schrift die von V. an- 
Ijeftihrte Biographie des Rhenanus vielfach berichtigt und ergänzt. 

— £benso ist der Aufsatz „Zur Gelehrtengeschichte Heidelbergs" in 
dieser Zeitschrift (Bd. VI, 141) V. unbekannt geblieben, worin Mittei- 
lungen über Vigilius, Spangel und besonders den so oft erwähnten 
Jodocus Gallus gegeben sind, die über das Werk von Charles Schmidt 
hinausgehen. — Manchmal hat der Übersetzer auch im Texte einen 
Fehler, der in der Riggenbach'schen Ausgabe fehlt. So lesen wir 
z. B. S. 44, dass Pellikan in Bodenheim vom Bischof von Speier em- 
pfangen worden sei. Ein solches Bodenheim giebt es bei Speyer nicht. 
Im lateinischen Text steht auch Uodenheim. Für den Kundigen ist 
klar, dass damit das bischöfliche Schloss Utenheim oder Udenheim, 
<ias heutige Philippsburg, gemeint ist. — So Hessen sich noch man- 
<jherlei Verstösse anführen. Karl Hartfelder, 



144 IJtteraturuotiieu. 

Duroll (las Ki^soheiiieu der gründlichen Abhandlang von l>r. 
(iustuY Wothly über llicronymus Boner: Loben, Werke und 
Sprache (alsatische Studien IV, Strassburg, Trübnor 18^3) 
wird endlich ein von tlon elsftssisi'hen latteraturforschem wiederholt 
ausgospnH*honor AVunsch erfüllt. 

Ilienmynms Doner wunlo wahi^scheinlich gegen Knde dos lö, Jahr» 
hundcrts zu T(irkheini im Klsass geboren als Sohn des Stadtschroi- 
bers Haus Honcr, der um das Jahr ir>lO nach Reichenweier über- 
siedelte. Über den Hildungsgnng dos jungen Ilieronymus erfahren 
wir leider nichts; wenn er überhaupt eine Uoohsohulo besueht hat, 
so wird OS wohl die zu Froiburg gowoson sein, an der viele seiner 
l4\ndslouto stufliorton. hn Jahre ir>2r> war lliomnymus lk)uer Ge- 
richtsschroibor zu Kohuar, woselbst or tlann von 1527 bis 1551 als 
Magistratsherr dio höchsten stÄdtischon Ämter bekleidete. Die Stadt 
Kolmar botraute ihn wiederholt mit iwlitischon Sendungen, so ver- 
trat or diosolbo auf den Hoichstagon zu SjH^ier im Jahre 1529, in 
Augsburg huk), zu Hogensburg ir>4l und zu Spoier 1542, In den 
religiöson Kragen seiner Zeit nahm or eine vermittelnde Stellung 
ein, or hielt zwar au der alten Kirche fest, doch glaubte er, wo tue 
iiltoron olsiissischen Humanisten, dass eine Reform dei*selben not- 
wendig sei. Kr starb im Jahre ir>r>r» oder UM^ nachdem er eiuigo 
Jahre lang ..nicht bei gesunder guter Vernunft gewesen**. 

Obgleich Honor fortwiihrond durch «lie städtischen Angelegen- 
heit ou in Anspruch genommen war. so fand er in seinem erstaun- 
lichen Kloisso noch Müsse genug, eine bot nicht liehe Anzahl (Jesohiehts- 
schroibor dos Altertums zum orstenmalo in das Ueutsohe zu über- 
setzen. Kr von'itfontlichto zwischen den Jahren 15:K) und IWft Über- 
setzungen der Schriftsteller Herodian, Justin, Thucydides, Plutan^i, 
Horodot, Paulus Orosius, Xenophon, Homost bonos. Ausseinieni ver- 
deutschte or dio „Spanische Chronik" dos Jacobus llracellus und dos 
Johannes Jovianus und dio „l-ngariscbe Chnmik** des Anthonius Bon- 
tinius. Mohroro dieser üboi^sotzungon wurden erst in der zweiten 
Hälfte «los 18. Jahrhunderts durch neue ersetzt. Uoner scheint des 
(iriochischon nicht kundig gewesen zu sinn; denn seiner yeitieutschunK 
griechischer Schritlstollor legte or die lateinischen nearl)eitungt^n 
italienischer Humanitäten zu (irunde. Kr verfolgte bei seiner Arbeit 
vor allem einen praktischen Zweck, or wollte seinen Zeitgem>asen 
die Lehren der alten (leschichto zur Nutzanwendung auf die (lOgen- 
wart mitteilen. 

In seiner lM)orsetzungsweiso schliosst sich llonor möglichst gena» 
au seine Vorlage an, was ihn manchmal zu ungeschickten Ausdrücken 
und fehlerhaften Satzbildungen verleitet. Mit andern t'bersotzeni 
seiner Zeit ist ihm die anachronistischo Übertnigung s))eziHsch r5mi- 
scher Uegriffe gemein, z. H. praefeetus = landvogt, sacerdos aptis- 
sin, milites gravis armaturae ^ kürisser etc. 

Aus der ausführlichen Darstellung des l«autstandes der Roner- 
sehen Sprache ersehen wir, dass das Deut^sch der Druckwerke in vie- 
len Punkten von den\jenigen der handschriftlich erhaltenen Ihricfo 



Litteratumotizen. ] 45 

abweicht. Die damaligen Druckereien nämlich hatten für ihre Er- 
zeugnisse schon allgemein den neuhochdeutschen Lautstand angenom- 
men. Dies gilt namentlich von Heinrich Steiner zu Augsburg, der 
die meisten Werke des Kolmarer Obristenmeisters gedruckt hat. 
Boner selbst \<ar bestrebt, seine dialektischen Eigentümlichkeiten 
abzustreifen und das Hochdeutsche, wie er es durch Reisen und Lek- 
türe kennen gelernt, möglichst richtig zu schreiben. Während wir 
z. B. in Briefen aus früherer Zeit Formen wie wysz, vlyssig, la- 
tinisch etc. finden, so heisst es in späteren Handschriften weisz, 
fleissig, lateinisch etc. Es scheinen demnach die Bonerschen 
Übersetzungen keine besonders ergiebige Quelle für die elsässische 
Dialektforschung zu sein. 

In der sprachlichen Untersuchung führt Dr. Wethly durchgehends 
den Berner Druck (S. 57, 59, 61, 63, 64, 65) der Ungarischen Chronik 
an, welcher dem mittelhochdeutschen Sprachgebrauche von allen 
Bonerschen Druckwerken am nächsten stehen soll. In dem biblio- 
graphischen Teile aber (S. 43) wird nur eine einzige Ausgabe der 
genannten Chronik erwähnt, welche im Jahre 1545 zu Basel bei 
Kuprecht Winter erschien? Die äussere Beschreibung der Bücher 
läset überhaupt Manches zu wünschen übrig, auf S. 31 wird uns z. B. 
mitgeteilt, dass der „Herodotus" im Jahre 1535 erschien, ohne dass 
wir durch die nachfolgende Titelangabe die Richtigkeit dieser Zeit- 
bestimmung kontrollieren könnten. Das eventuelle Fehlen des Druck- 
ortes und des Jahres, das Format der Bände sowie die Anzahl der 
Seiten und Holzschnitte hätten stets angegeben werden müssen. 
Durch einen solchen nach den Regeln der wissenschaftlichen Biblio- 
graphie aufgestellten ausführlichen Katalog der sämtlichen Boner- 
schen Werke, und zwar nicht nur der ersten Auflagen, sondern auch 
aller späteren Ausgaben und Nachdrucke wäre das Interesse der vor- 
liegenden Schrift noch bedeutend gesteigert worden. Eug, Waldner. 



Zu den bedeutenderen Gegnern Luthers gehört Konrad Koch, ge- 
nannt Wimpina, aus Buchen im Grossherzogtum Baden. Dem merk- 
würdigen Manne hat jetzt Professor Nikolaus Müller an der Uni- 
versität Berlin eine eingehende Untersuchung gewidmet, die in den 
„Theol. Studien und Kritiken" Jahrg. 1893 S. 83—124 erschienen ist 
und besonders die Lebensdaten mannigfach berichtigt. Die Annahme, 
dass der zweite Name Wimpina auf Abstammung der Eltern von 
Wimpfen am Neckar hinweist, lässt sich auch dadurch unterstützen, 
dass der Name Koch = Coci im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts 
noch in Wimpfen vorkommt, wie man aus der Heidelberger Matrikel 
sieht (vgl. Töpke Heidelberger Matrikel I 444 zum 23. Mai 1502). 
unter den drei Beilagen sind auch die zwei jetzt noch in Buchen 
befindlichen mit abgedruckt, die schon von dem Archivpfleger für 
Bachen verzeichnet und in Hft. 10 der „Mitteilungen der bad. bist. 
Kommission" angegeben worden waren, nämlich das Doktordiplom 
Wimpina's und. sein Testament. Karl Hart fehler. 



Zcltschr. f. Go!^ch. d. Oberrli. N. F. VIII. 1. IQ 



1 4(') Littcratuniotizen. 

Professor Dr. Wilhelm Vogt in Augsburg, der schon mohrare 
Arbeiten zur (lesohicbte dos I^uemkriegs vorOffentlichto, hat soeben 
eine neue erscheinen lassen: „Die Hodonsoobauern und ihr 
IlauptmannJunkorDietrichllurlowagon im grossen Bauern- 
krieg'*. Augsburg. 18i)2 (Programmbeilago des Realgymnasiums). 
Der Hodenseehaufen bestand aus zwei Abteilungen, von denen die 
erste nach dem llauptorte der Rap]>ertsweiler Ilanfen heisst. Er 
wurde von dem Lindauer Junker Dietrich llurlewagen und Jakob 
Ilumpiss zu Senftenau geführt, von denen aber der zweite sehr lorack- 
tritt. Als bei Weingarten die lauern mit dem Heere des Tnichsess 
von Waldburg zusammenstiessen, so erleichterte Hurlewagen durch 
seine Unsicherheit dem klugen (icgner den Sieg. Vogt bezeichnet 
ihn als den Verräter der Dauern, als einen «treulosen und nichts- 
würdigen Heuchler''. Auch die Dauern hatten ihn seit dem Juni 1A25 
erkannt und nannten ihn einen Schelm und D{Vsewicht. Trotzdem 
hat er später bei dem schwäbischen Dund keine Anerkennung fllr 
seine Thaten gefunden. — Auf S. 1, Anm. 4 bezeichnet Vogt eine 
Zusammenstellung der rasch angewachsenen Litteratur tiber den 
Itouernkrieg als ein verdienstliches Werk. Das ist gewiss richtig; 
aber ein Teil dieser Arbeit ist schon geleistet, und zwar von Gustav 
Scheidel in „Kritik der Villinger ( 'hronik die Anfänge des Bauern- 
kriegs betreffend" (Ansbacher Programm 1885). Für die Dodcnseo- 
gegend darf dabei auch die Arbeit des Dr. Lina Degcr nicht ver- 
gessen werden: „Studien zur (leschichte des Dauernkrieges nach Ur- 
kunden des (ieneral-Iiandesarchivs zu Karlsruhe'* (Forschungen z. 
deutschen beschichte Dd. 21, S. 573-5»«: M. 22, S. »lV-190). 

Karf Ifnrffdder. 

Hermann Sussann, der in den letzten Jahren mehrere Studien 
über die (leschichte des breisgauischen Städtchens Kenzingen in 
Form von Programmbeilagen geschrieben hat, veröffentlicht soeben 
eine kleine Monographie zur Ueformationsgeschichte : „Jakob Otter.^ 
Karlsruhe, Lang (71) S.). Otter oder Other, wie er gelegentlich auoh 
geschrieben ist, stammt aus dem jetzt elsässischon Städtchen I«auter- 
bürg, war dann in der liateinschule zu Speyer, studierte zu Heidel- 
berg und Freiburg i. D., eignete sich eine tüchtige humanistische 
Dildung an, wie er auch ein Freund (leilers und Wimpfelings war, 
wurde sodann Pfarrer in dem badischen Dorfe Wolfenwoilor und hier- 
auf in Kenzingen. Als er aus diesem damals vonieW^sterreichischen 
Städtchen wegen seiner evangelischen Preiiigt weichen musste, fand 
er freundliche Aufnahme bei dem Ritter Hans liandschad von Neckar- 
steinach. Wie er auch hier durch den Einfluss des Kurfürsten von 
der Pfalz vordrängt wurde, begab er sich nach der Schweiz, wo er 
in Solothum, Dern und Aarau wirkte. Si>äter war er in der schwttbi- 
schon Reichsstadt P^lingen als evangelischer Prediger thätig, wo 
er auch 1552 gestorben ist. — Die Schrift Sussans enthält vielerlei 
neue Angaben, die aus Archivalien geschöpft sind, und es ist nur 
zu bedauern, ihiss er die zwölf ungedruckten Briefe aus Zürich und 



Litteraturnotizen. ]^47 

St. Gallen, die er benützen konnte, nicht als arkundliche Beigabe 
seiner dankenswerten Arbeit hinzugefügt hat. — Im einzelnen mögen 
Met einige Ergänzungen und Berichtigungen gestattet sein. Wenn 
auf S. 3, Anm. 2 der Aufenthalt Otters an der Universität Heidel- 
berg bloss erschlossen wird, so kann er jetzt auch durch die Ma- 
trikelpublikation Töpke's urkundlich belegt werden. Am 4. Oktober 
1505 wurde in Heidelberg „Jacobus Otter Spirensis^ immatrikuliert ; 
derselbe machte den 13. Januar 1507 sein Baccalaureatsexamen „via 
moderna'^ (vgl. Töpke I, 456). Obgleich Otter aus Lauterburg 
stammt, so muss er doch mit diesem Spirensis identisch sein. In 
Speier hatte Otter die Lateinschule besucht, und von hier war er 
nach Heidelberg gewandert. — Für die Schilderung der Neckarstein- 
acher Zeit Otters hätte Sussann noch eine kleine Ergänzung finden 
können, wenn er eine Publikation eingesehen hätte, die ich in den 
^Studien der evangelisch-protestantischen Geistlichkeit Badens" VH, 
189 gemacht habe. — Wenn sodann auf S. 2 Jodocus Gallus und 
Johann Vigilius als die besten Lehrer Otters aus der Speierer Zeit 
bezeichnet werden, so unterliegt das doch bedeutenden Bedenken. 
Weder der vornehme Kanonikus Gallus noch der berühmte Heidel- 
berger Universitätslehrer Vigilius haben an der Speierer Lateinschule 
unterrichtet. Die von Sussann benutzte Stelle muss anders gedeutet 
werden. — Auf S. 4 lesen wir von einem Otto von Braunfels, aber 
der Sohn des ehrsamen Böttichermeisters Brunfels oder Braunfels 
von Mainz durfte nicht in den Adelstand erhoben werden. Brun- 
fels ist sein ganzes Leben ein einfacher Bürgerlicher geblieben. — 
Die auf S. 40 erwähnte vordere Burg über Neckarsteinach ist nicht 
das Schwalbennest, wie dort behauptet wird, sondern das heute noch 
„Vorderburg" heissende Schloss. Überhaupt ist Schwalbennest ein 
ganz junger Name, sog. Touristenname. — Im übrigen aber haben 
wir allen Grund, Sussann für seine fleissige Arbeit dankbar zu sein. 

Karl Hartfelder. 

J. Neff, von dem wir vor einiger Zeit eine fleissige Arbeit über 
den Freiburger Juristen Ulrich Zasius anzeigen konnten, hat soeben 
eine weitere Arbeit über den Freiburger Humanismus in der nun- 
mehr von F. Pfaflf herausgegebenen Alemannia (20, 254—270) ver- 
öffentlicht: „Zwei Lobgedichte des Freiburger Magisters Job. P. 
Tethinger". Von den in Distichon abgefassten Gedichten enthält 
das erste ein Lob auf die Stadt Freiburg und ist Tethingers Lehrer 
Johannes Kastmeister gewidmet. Das zweite gilt dem in Herdern 
gelegenen Landsitze des Joachim Mynsinger von Frundeck, der als 
Schüler des Zasius und tüchtiger Jurist bekannt ist. Der Verfasser 
Tethinger war seit 1518 Lehrer und von 1535—1553 mit glänzendem 
Erfolg an der Freiburger Lateinschule thätig. Neff sagt, dass von 
seinem Leben nur soviel bekannt sei, als er in der Vorrede zu seiner 
Ausgabe von Erasmus-Briefen mitteile. Das ist nicht richtig. Wenn 
Neff die Schrift von Fr. Bauer (die Vorstände der Freiburger La- 
teinschule Freiburg 1867) gekannt hätte, so hätte er noch weitere 

10* 



140 Litteraturiiotiien. 

Professor Dr. Wilhelm Vogt in Augsburg, der schon mehrere 
Arbeiten zur Geschichte des Bauernkriegs veröffentlichte, hat soeben 
eine neue ersclieinen lassen: ,,l)ie Bodonsoebauern und ihr 
IlauptmannJunkorDietrichllurlewagen im grossenBauern- 
krieg*". Augsburg. 1892 (Programmbeilage des Realgymnasiums). 
Der lk>donseehaufen bestand aus zwei Abteilungen, von denen die 
erste nacli dem Hauptorte der Rapi>ertsweiler Haufen heisst. Er 
wurde von dem Lindaucr Junker Dietrich Hurlewagen und Jakob 
Humpiss zu Senftenau geführt, von denen aber der zweite sehr zurück- 
tritt. Als bei Weingarton die lauern mit dem Heere des Truchsess 
von Waldburg zusammenstiessen, so erleichterte Hurlewagen durch 
seine Unsicherheit dem klugen Gognor den Sieg. Vogt bezeichnet 
ihn als den Verräter der lUiuern, als einen «treulosen und nichts- 
würdigen Heuchler**. Auch die Bauern hatten ihn seit dem Juni 152r> 
erkannt und nannten ihn einen Schelm und Bösewicht. lYotzdem 
hat er später bei dem schwäbischen Bund keine Anerkennung fftr 
seine Thaten gefunden. — Auf S. l, Anm. 4 bezeichnet Vogt eine 
Zusammenstellung der rasch angewachsenen Litteratur über den 
Bauernkrieg als ein verdienstliches Werk. Das ist gewiss richtig; 
aber ein Teil dieser Arbeit ist schon geleistet, und zwar von Gustav 
Scheidel in „Kritik der Villinger Chronik die Anfönge des Bauern- 
kriegs betreffend** (Ansl>acher Programm IHSf^). Für die Bodensee- 
gegend darf dabei auch die Arbeit des Dr. Lina Beger nicht ver- 
gessen werden : „Studien zur Geschichte des Bauernkrieges nach Ur- 
kunden des General-l^andesarchivs zu Karlsruhe*" (Forechungen z. 
deutschen Geschichte Bd. 21, S. 573-5aH; Bd. 22, S. 31V— 130). 

Karl Harffelder, 

Hermann Sussann, der in den letzten Jahren mehrere Studien 
über die Geschichte des breisgauischen Städtchens Kenzingen in 
Form von Programmbeilagen geschrieben hat, veröffentlicht soeben 
eine kleine Monographie zur Ueformationsgoschichte : „Jakob Otter.** 
Karlsruhe, Lang (71) s.). Otter oder OÜier, wie er gelegentlich audi 
geschrieben ist, stammt aus dem jetzt elsässischen Städtchen l^auter- 
burg, war dann in der liateinschule zu Speyer, studierte zu Heidel- 
berg und Freiburg i. B., eignete sich eine tüchtige humanistische 
Bildung an, wie er auch ein Freund Geilers und Wimpfelings war, 
wurde sodann Pfinrrer in dem badischen Dorfe Wolfenweiler und hier- 
auf in Kenzingen. Als er aus diesem damals vorder^Wsterreichischen 
Städtchen wegen seiner evangelischen Predigt weichen musste, fand 
er freundliche Aufnahme bei dem Ritter Hans liandschad von Neckar- 
steinach. Wie er auch hier durch den Einfluss des Kurfürston von 
der Pfalz vordrängt wurde, begab er sich nach der Schweiz, wo er 
in Solotliurn, Bern und Aarau wirkte. S))äter war er in der sch¥räbi- 
sciien Kelchsstadt Esslingen als evangelischer Prediger thätig, wo 
er auch 1552 gestorben ist. — Die Schrift Sussans enthält vielerlei 
neue Angaben, die aus Archivalien geschöpft sind, und es ist nur 
zu bedauern, dass er die zwölf ungedruckten Briefe aus Zürich und 



/^ 



Litteraturnotizen. 147 

St. Gallen, die er benützen konnte, nicht als arkundliche Beigabe 
seiner dankenswerten Arbeit hinzugefügt hat. — Im einzelnen mögen 
hiw einige Ergänzungen and Berichtigungen gestattet sein. Wenn 
auf S. 3, Anm. 2 der Aufenthalt Otters an der Universität Heidel- 
berg bloss erschlossen wird, so kann er jetzt auch durch die Ma- 
trikelpublikation Töpke's urkundlich belegt werden. Am 4. Oktober 
1505 wurde in Heidelberg „Jacobus Otter Spirensis" immatrikuliert ; 
derselbe machte den 13. Januar 1507 sein Baccalaureatsexamen „via 
moderna** (vgl. Töpke I, 456). Obgleich Otter aus Lauterburg 
stammt, so muss er doch mit diesem Spirensis identisch sein. In 
Speier hatte Otter die Lateinschule besucht, und von hier war er 
nach Heidelberg gewandert. — Für die Schilderung der Neckarstein- 
acher Zeit Otters hätte Sussann noch eine kleine Ergänzung finden 
können, wenn er eine Publikation eingesehen hätte, die ich in den 
„Studien der evangelisch-protestantischen Geistlichkeit Badens" VIL 
189 gemacht habe. — Wenn sodann auf S. 2 Jodocus Gallus und 
Johann Vigilius als die besten Lehrer Otters aus der Speierer Zeit 
bezeichnet werden, so unterliegt das doch bedeutenden Bedenken. 
Weder der vornehme Kanonikus Gallus noch der berühmte Heidel- 
berger Universitätslehrer Vigilius haben an der Speierer Lateinschule 
unterrichtet. Die von Sussann benutzte Stelle muss anders gedeutet 
werden. — Auf S. 4 lesen wir von einem Otto von Braunfels, aber 
der Sohn des ehrsamen Böttichermeisters Brunfels oder Braunfels 
von Mainz durfte nicht in den Adelstand erhoben werden. Brun- 
fels ist sein ganzes Leben ein einfacher Bürgerlicher geblieben. — 
Die auf S. 40 erwähnte vordere Burg über Neckarsteinach ist nicht 
das Schwalbennest, wie dort behauptet wird, sondern das heute noch 
„Vorderburg" heissende Schloss. Überhaupt ist Schwalbennest ein 
ganz junger Name. sog. Touristenname. — Im übrigen aber haben 
wir allen Grund, Sussann für seine fleissige Arbeit dankbar zu sein. 

Karl Hartfelder, 

J. Neff, von dem wir vor einiger Zeit eine fleissige Arbeit über 
den Freiburger Juristen Ulrich Zasius anzeigen konnten, hat soeben 
eine weitere Arbeit über den Freiburger Humanismus in der nun- 
mehr von F. Pfaflf herausgegebenen Alemannia (20, 254—270) ver- 
öffentlicht: „Zwei Lobgedichte des Freiburger Magisters Joh. P. 
Tethinger". Von den in Distichon abgefassten Gedichten enthält 
das erste ein Lob auf die Stadt Freiburg und ist Tethingers Lehrer 
Johannes Kastmeister gewidmet. Das zweite gilt dem in Herdem 
gelegenen Landsitze des Joachim Mynsinger von Frundeck, der als 
Schüler des Zasius und tüchtiger Jurist bekannt ist. Der Verfasser 
Tethinger war seit 1518 Lehrer und von 1535—1553 mit glänzendem 
Erfolg an der Freiburger Lateinschule thätig. Neff sagt, dass von 
seinem Leben nur soviel bekannt sei, als er in der Vorrede zu seiner 
Ausgabe von Erasmus-Briefen mitteile. Das ist nicht richtig. Wenn 
Neff die Schrift von Fr. Bauer (die Vorstände der Freiburger La- 
teinschule Freiburg 1867) gekannt hätte, so hätte er noch weitere 

10* 



\ 4^ Littoraturnotixcu. 

AnKftbon da^sclbst auf S, 38 — 14 tindou können. Darnach ist Tetiiin- 
Kor um U\M) in Tübingen geboren, ist 1587 nacJi Pfullendorf gegangen, 
kehrte aber 1538 in seine l^'i'eiburger Stelle xurüek, der er noch 15 
.hUire vorstand. 1553 konnte er die Sohulstello nicht mehr bekleiden 
und wurde von der St4uU mit einem lebenslänglichen Ruhegehalt 
verabscliiedet. Auch seine Schriften, tiber die Pfaff in einem kurzen 
Zusatz zu Neff berichtet, hat schon Iraner vollständig verzeichnet. 

Karl U(nifrMn\ 



Karl Steiff hat zu seinem Aufsatz t\ber Johannes Setzer, 
den bekannten Drucker in Ilagenau, nut den in dieser Zeitschrift. 
NF. 7, 739 aufmerksam gemacht wurde, einen kurzen Nachtrag im 
neuesten Hefte des „(-entralblattes f. nibliothekwesen" (1892, S, 20 ff.) 
gegeben. Darnach hat sich der Stein mit dem Cap^men Melanch- 
thons ftlr das Ilagenauer Huchdruckerhaus erhalten und ist jetzt in 
«ler Hagenauer Hibliothek untergebnxcht. Kerner ist wahrscheinlich 
gemacht, dass Setzer tler Schwiegersohn des Druckers Thomas Ans- 
iielm von Baden, der seine Pivsse von Ttlbingen nach Hagenau vor- 
legt hat, gewesen ist. Kine weitere Mitteilung von Dr. Kirchhoff in 
Leipzig beweist, dass Setzer die Leipziger Messen besuchte, was fftr 
einen stiddeutschen Drucker damaliger Zeit ungewöhnlich ist und 
die grosse Bedeutung des (icschäftes beweist, Kari littrtfehhr. 



Der Strassburgcr St^ultarchivar 0. Winckelmann hat im Au- 
schluss an die von ihm heniusgegebene Politische Korres|Hmdenz der 
Stadt Strassburg im Ueformutionszeitalter einen kleineren Abschnitt 
aus der deutschen Refonnationsgeschichte in besonderer Darstellung 
behandelt: Der Schmalkaldische Hund 1520—1532 und der 
Nürnberger Religionsfriede (Strassburg, lleity. u, Mündel, 1892). 
Neben den reichhaltigen Stnissburger Akten sind von ihm Dresdener, 
Marburger, Weimamner und Wiener Archivalien dafür herangezogen 
worden. Wie die (leschichte jener zwei Jahre von den Augsburger 
Religionsbeschlüssen an bis zu dem Nürnberger Anstwid im Allge- 
meinen hier in n\anchen Punkten eine wesentlich andere und rich- 
tigere Beleuchtung erfilhrt, als dies noch bei Rauike der Fall war, 
so tritt vor Allem der Kintluss Strassburgs auf die Entwicklung der 
Dinge und den (lang der Reformation in hellstes Licht. Ks wird 
unwiderleglich erwiesen, dass das glückliche Zustundekommen des 
Schmalkaldischen Ihmdes wesentlich der weisen Vermittlungsiwlitik 
Strassburgs und den erfolgreichen Konkordienbestrobungen Bucers 
/.u danken ist. Strassburg hat die schwierige Aufgabe, mit Sachsen 
in nähere Beziehungen zu treten, ohne die Freundschaft der Schwei- 
zer zu verlieren, gelöst. Bucers Bestrebungen in der Schweiz waren 
darauf gerichtet, Zwingli für die Duldung der Verständigung zwi- 
schen den Oberländern und Lutlieranern zu gewinnen, nicht eigent- 
lich für die Annahme der Konkordie seitens der Schweizer. Die 



Litteraturnotizeii. 1 49 

HVeigerang Sachsens, die Eidgenossen in den Bund zu nehmen, ge- 
fthrdete den letztem sowie die Einigkeit der deutschen Protestanten 
flberfaaupt in bedenklichster Weise. Der Landgraf von Hessen wollte 
ein Bündnis mit den Schweizern unter Ausschluss Sachsens herbei- 
ftkhren, da die Oberländer sich weigerten, ohne die Eidgenossen sich 
an dem notwendigen Ausbau des Schmalkaldischen Bundes zu be- 
teiligen. Strassburg und insbesondere Jakob Sturm verhinderte einer- 
seits diese drohende Spaltung zwischen den Häuptern des deutschen 
Protestantismus und anderseits die Lossagung der Oberländer von 
Sachsen. Die Niederlage der evangelischen Schweizer bei Kappel 
hatte dann wenigstens das Gute, dass sie die Oberländer zu entschiede- 
nem Anschluss an Sachsen trieb und den Ausbau des Bundes för- 
derte. Die oberländischen Städte zeigten sich von da ab viel eifriger 
imd entgegenkommender in den Fragen der Bundesorganisation als 
die niederdeutschen Städte, auf deren Unlust und Mangel an Ge- 
meinsinn Winckelmann hier zum erstenmale hingewiesen hat. Auch 
bei den Schweinfurter Verhandlungen, bei denen die Altgläubigen 
nochmals eine Spaltung zwischen Sachsen und den Oberländern her- 
beizuftlhren suchten, war es wieder Strassburg und sein Sturm, die 
durch kluges Verhalten diesen Plan vereitelten. Ich verweise hier 
auch auf die charakteristische Unterredung Sturms mit Albrecht von 
Mainz (S. 205). Bei den Friedensverhandlungen in Nürnberg han- 
delte es sich lange um die Frage, ob die Verbündeten auf der aus- 
drücklichen Einschliessung auch der künftigen Anhänger 
ihrer Lehre bestehen sollten. Am entschiedensten erklärte sich da- 
für der Landgraf, Strassburg stand anfangs auf seiner Seite, begnügte 
sich aber schliesslich auf Bucers Gutachten damit, die künftigen An- 
hänger nicht ausdrücklich ausschliessen zu lassen, und vollzog da- 
mit die Annäherung zu der Auffassung Luthers und Sachsens. Nach 
dem Nürnberger Anstand, dessen religiöse Unzulänglichkeit und 
politische Tragweite hier klar erörtert werden, war es wieder Strass- 
burg, das die Idee der Rekusation des Kammergerichts in Religions- 
sachen zuerst anregte, eine Idee, welche der Schmalkaldische Bund 
ein Jahr später wirklich zur Ausführung brachte. W. W, 



Die Geschichte des Klosters, der Vogtei und Pfarrei Herbitz- 
heim vom Herbitzheimer Vikar JosefLevy (Strassburg, Bauer, 1892) 
behandelt in ausführlicher, zum Teil notizenhafter Darstellung die 
Schicksale der Benedictinerinnen- Abtei daselbst, die im Jahre 1566 
von den Grafen von Nassau-Saarbrücken eingezogen wurde, sowie des 
vogteilichen (Tcbiets, das lange Zeit hindurch ein Streitobjekt zwischen 
den Nassauern und den Lothringern bildete. Für die Zeit vom fünf- 
zehnten Jahrhundert ab ist allerlei archivalisches Material verwertet, 
ohne dass übrigens die territorialgeschichtlichen, wie die lehns- und 
staatsrechtlichen Fragen überall die genügende Klärung erfahren 
hätten. Die religiösen Zustände der Vogtei sind vom Beginn der 
Reformation ab bis zum Concordat für die Pfarreien Herbitzheim, 



1 50 Litteraturnotiien. 

Kcskastel und Oormingcn dargostellt, jedoch so« dass die Personal- 
angaben bis anf unsere Tage reichen. TV. W, 



Aus dem Jahrgang 1892 der Archivalischen Beilage dos Strass- 
burger Diöcesanblattes „Kcdesiasticuin Argentinenso** sind meh- 
rere interessante goschichtliclie BeitrÄge zu verzeichnen. Zunttchst 
Aktensttlcke aus dem Zabernor Stadt-Archive t\bcr Kriegs- und andre 
Kreignisse dos siebenzehnten Jahrhunderts, mitgeteilt von Adam. 
Aufzeichnungen tiber die kirchlichen Zustände im St. Amarinthal 
nach dem dreissigjÄhrigen Kriege, veröffentlicht aus dem St. Ama- 
riner Kirchenbuch von K. Hans, Urkunden über die Kirchen der 
verschwundenen Orte Woffenheim und Birlingen, dabei eine Urkunde 
des Grafen von Ptirt von 127(5 aus tlem (-olmarer Rezirks-Archiv, die 
Statuten der Bruderschaft von Ingmarslieim aus dem vierzehnten 
Jalirhundert, das Bibliotheks-Inventar eines katholischen Pfarrers aus 
dem Ende des sechszehnten Jahrhunderts, beide Stücke mit andern 
Archivalien aus dem Ober-Ehnheimer Stadt-Archiv mitgeteilt von 
(iyss, schliesslich Briefe (irandidicrs an den Narnberger (telehrten 
v. Murr, die wissenschaftliche Interessen behandeln. 11'. }\\ 



Der historisch.-»uiti(|uarische Verein des Kantons Schaff hausen 
hat sich den Dank alier Geschichtsfreunde dadurch erworben, dass 
er jüngst dem 188^1 vollendeten ei'stcn Bi\nde der „(-hronik der 
Stadt und Landschaft Schaffhausen" von J, J. Utteger den 
zweiten folgen Hess. Es handelt sich da um d»vs überaus Heissige 
Sivnnnelwerk des 10(X> verstorbenen Pfarrers am Schaffhauser Münster, 
Hans Jakob Rüeger, das nun von einem ebenso tleissig gearbeiteten 
und wo möglich noch umfangreicheren Kommentar begleitet vorliegt. 
Die Herausgeber, an der Spitze (\ A, Büchtold, haben sich nicht 
begnügt, Hüegers Quellen zu ermitteln, sondern überall sind auch alle 
oft sehr weit hergeholten Angaben, die sich auf die betr. Dinge be- 
ziehen, aber U. unbekannt geblieben waren, herangezogen. Der zweite 
Hand umfasst im sechsten Buch eine Geschichte der hohen Obrigkeiten 
der Stadt, der Herzöge von Schwaben und der Kaiser und Könige, 
im siebenten Buche eine alphabetisch geordnete (teschichte der schaff- 
hauser Geschlechter, wobei die (irenze sehr weit gezogen ist, bringt 
11. doch auch die Clingenberge, die Truchsesse von Diessenhofen, von 
Ehingen, von Endingen, Heudorf, Hornstein, Krenkingen-Weissenburg, 
Küssaberg, liandeck (im Hegau und im Hiess) u. s. w. Die Heraus- 
geber haben dazu zaldlose Anmerkungen und Hegesten, Stammbäume 
und Wappen abbildungen geliefert. Irrtümer und Lücken finden sich 
freilich auch, so sind S. (iKW die in unserer Zeitschrift N. F. Band 1 
mitgeteilten Notizen über den (leschichtschreiber Heinrich Truchsess 
von Diessenhofen übersehen. Auf S. l(ll>J]— 1U>9 folgen noch Berich- 
tigungen und Nachtrüge, die z. B. eine grosse Zalil von Urkunden 
xnv Verfassungsgeschichte von Schaffhausen enthalten. Ein dritter 



Littcraturnotizen. ]^51 

Band mit Registern ist sehr notwendig, um sich in der Masse des 
Stoffes zurecht finden zu können. Hoffentlich wird der Verein die 
Mittel zur Bearbeitung und Drucklegung finden. A, S. 



Im vierzehnten Bande des „Jahrbuchs der Kunsthistorischen Samm- 
lungen des allerhöchsten [österreichischen] Kaiserhauses" ü. Teil setzt 
V. Schönherr die Veröffentlichung: „Urkunden und Regesten 
aus dem k. k. Statthalterei-Archiv in Innsbruck", dieses Mal 
fÄr die Jahre 1565 — 1587, fort. Auch för uns bietet diese Sammlung 
wichtige Nachrichten zur Kunstgeschichte; das was Alexander 
Colins betrifft, hat Schönherr schon wohl selbst in seiner Biographie 
dieses Meisters verwertet. Von dem übrigen Inhalt erwähnen wir 
das Schreiben der tirol. Regierung an die Stadt Freiburg von 1568 
ftber den Ausbau der beiden sogenannten Kaiserkapellen, der Kosten- 
anschlag solle auch Altäre und eiserne Kapellengitter umfassen. 
Regest 10104. — Kaiser Max ü. lässt für Lazarus Schwendi zwei 
Geschütze giessen. — Von besonderem Interesse ist die Entstehungs- 
geschichte der ältesten Karte des Elsasses, die sich nun aufheilt. 
Am 7. Dezember 1571 antwortet die Regierung im Elsass dem Erz- 
herzog Ferdinand auf dessen Schreiben vom 24. Mai, dem zufolge 
sie einen erfahrenen Maler in Strassburg oder Umgebung ausfindig 
machen sollte, welcher eine mappa oder Landtafel der vorderöster- 
reichischen Lande, „mit aller gelegenheit der statt, Schlösser, flecken, 
gehölz, gepürg und wasser" anfertige, sie habe in Strassburg, Speier, 
Augsburg und Nürnberg vergebens nach einem geeigneten Maler ge- 
sucht; die Maler könnten das auch nicht, jetzt seien sie auf Konrad 
Dasypodius in Strassburg aufmerksam geworden, „welcher für ein 
sondern mathemaficum et geographum berüemt wird". Dieser habe 
sich auf nächstes Frühjahr bereit erklärt, würde sich auch um 
einen geeigneten Maler umsehen. 10351. Mit Dasypodius wurde nun 
wirklich auf den umgehend abgesandten Befehl Erzherzog Ferdinands 
vom 28. Dezember 1571 verhandelt. Er machte allerhand Weiterungen, 
fand aber einen verständigen Kunstmaler und war bereit, die Arbeit 
zu übernehmen gegen 1000 Kronen oder 1600 Gulden, dazu vier Fuder 
Wein und sechszehn Fuder Holz. Wenn die Arbeit auch wohl „art- 
lich und kunstlich" werde, so sei — meinte die eis. Regierung — der 
Preis doch zu hoch. (1572 März 7 Bericht der Ensisheimer Regie- 
rung 10372.) Erzherzog Ferdinand schloss nun aber, weit billiger, 
mit Daniel Speckle, Maler zu Strassburg, ab, der seine „mappe 
über ganz Elsass" 1575 ablieferte und von der tirolischen Regierung 
am 15. November 1575 von den vertragsmässig zu zahlenden zwei- 
hundert Thalern einhundert erhielt, ausserdem neun Gulden für 
Unterhalt und sonstige Kosten 10 606 f. Der Anteil des Dasypodius, 
des Erbauers der Strassburger Ulir, war bisher ganz unbekannt, 
ebenso dass die Anregung zu jener Karte von dem kunstliebenden Erz- 
herzog Ferdinand, dem Schöpfer der Amraser Sammlung, ausgieng. — 
Zahlreiche Urkunden betreffen Geschenke, vor allem an Goldschmiede- 



152 UttemturnotÜBeu. 

fti'beiten. Hoohzeit^sgesohenk für (JtM)rf? v. KruiulsberK uiitl Ikrlmra 
(irfitin zu Fürstonborff [Y7l\ — obonso für Fn*iulein v. Holwoilor lOKV^ 
- für den (inifon v. Zimmern 10280 -- für.Iakob von Hohengerolds- 
eck 11 118 - für den Frtnhorrn v. Hüllweiler 11 151. (tesebenk für 
den PriÜaten von (Jengenbaob (ein doppeltes silbernas und verKoldetes 
Ki'odenzgesehirr) 10 4(57. (lesebenk für Lazwus v. Sebwendi (silberue> 
lYinkKescbirr) 10527. — Von Wert ist aueb die Nacbricbt, dassCiraf 
lllrieb von Montfort »^allerlei antitjuitt ten , Kwblin und silberin baid- 
nisebe münzen aueb kunststuek^madeien, büeber u. dgl.** binterlassen 
babe, die tler kunstsinnige Krzberzog Ferdinand erwerben mttcbtt» 

10 52(5. (U>er Wilhelms (Jnifen von Zimmern Uomreise (158(i) vgl. Nr. 

11 KU». Aus dem Inbalt des dreizehnten liandes verweise ich auf den 
wiebtigen Hrief des Freiburger Studtsebreibers Jakob Mennel (Man- 
lius) an (ien kaiserliehen Schatzmeister Jakob Villinger vom 17. IH^- 
zember 1517 über seine genealogischen n. bisttiriscben Studien, nr. 
8(i22. .4. ^'. 

Daa von Albert Mays u. Karl Christ herausgegebene „Kin- 
wohnorverzoichnis der Stadt Heidelberg vom Jahre 1588** 
ist jetzt mit der fünften Lieferung, die auch ein Personen- u, Si\chen- 
register bringt, abgeschlossen. So wertvoll die abgedruckte Urkunde 
selbst ist, so sind doch die beigegebenen sehr umfangreichen An- 
merkungen fast noch wertvoller zu nennen, eine dankenswerte Vor- 
arbeit für die immer noch zu schreibende (teschichte Heidel- 
bergs. Auch für die (teschichte der Hochschule bringt das Werkeben 
manche schtttzenswerte Angabe, die den in dem Urkundenbueb u. 
in der Matrikel entlialtenen Stoff vielfach erweitert. Die Zahlen des 
Registers sind, wie ich mich dun*h eine grössere Anzahl von Stich- 
probon überzeugte, zuverlässig. Doch bat sich ab u. zu ein sonstiges 
Versehen eingeschlichen. So sind z, H, unter (ireiner (-= (irynaeus) 
drei verschiedene Persiinlichkeiten zusammen geworfen, die man mit 
Hilfe von Töpkes Matrikelpublikation auseinander halten kann. Der 
S. IHT» erwÄhnto (irynaeus ist der Professor der Mathematik, wie in 
der Anmerkung ganz richtig gesagt ist. Dagegen ist der auf S. 152 
erwähnte Simon (irynaeus ein alunmus domus Dionysianae u, der auf 
S. 2(X) genannte Sinion (irynaeus ebenfalls ein Student, der auch in der 
Matrikel unterschieden ist und.als Pragensis bezeichnet wird. Über die 
Gelehrtenfamilie (irynaeus kann man sich jetzt aus Rudolf Tb omni ens 
(lescbichto der Universität lUisel (Hasel 1881)) S. 117 und sonst gut 
belehren. — Die historische Konnnission der Stadt Heidelberg hat 
sicli durch Herausgabo des ^Häuserverzeichnisses'* ein bleibeudoä 
Vordienst erworben. Möchte sie endlich auch die Abfassung einer 
Geschichte der Stadt Heidelberg in Angriff nehmen. Wjibrend viel 
kleinere Städte Hadens längst eine solche besitzen, muss man sich 
für das ungleich wichtigere u. bedeutendere Heidelberg immer noch 
mit veralteten Hüchern behelfen. Karl liartfelthr. 



Litteratiirnotizeu. I53 

Die Strassburger Zunft der Posamentierer berücksichtigt £duin 
Siegel in seiner Schrift: Zur Geschichte des Posamentier- 
gewerbes, mit besonderer Rücksichtnahme auf die erzgebirgische 
Posamentenindustrie. Nach zahlreichen gedruckten und handschrift- 
lichen Quellen beaibeitet. Mit 18 Abbildungen. (Annaberg, H. Gra- 
ser 1892. 8®. VIII, 126 S.) Das „Zunftbuch der Posamentierer und 
Knopfmacher in Strassburg von Anno 1618—1789" ist mit einer Licht- 
druckwiedergabe des Zunftwappens nach einer Handschrift der k. 
ünivers.- u. Landesbibliothek zu Strassburg auf S. 32—39 abgedruckt. 

Die Ruggerichtsakten des Städtchens Schiltach, welche sich 
in Bruchstücken aus dem letzten Drittel des 30jährigen Krieges er- 
halten haben, gaben A. Rößger Anlass zu hübschen: „Bildern 
ans einer kleinen altwtirttembergischen Schwarzwaldstadt 
vom Ende des dreissigjährigen Krieges" (Württ. Vierteljahrshefte 
NF. I, 386 flf.). Sie schildern die Not und das Elend dieser Zeit aufs 
Grenaueste. 



W. Dührsen's Abhandlung über die Markgräfin Franziska 
Sibylla Augusta von Baden geb. Prinzessin zu Sachsen-Lauen- 
burg (Arch. d. Ver. f. Gesch. d. Herzogt. Lauenburg lU, 3. 1892) ist 
nichts als ein Auszug aus Sachs u. a. älteren Werken. 



In dem jüngst erschienenen 19. Bande der Polit. Korrespon- 
denz Friedrichs des Grossen, redigiert von A. Naude und K. 
Treusch von Butlar, Berlin 1892, der die Ereignisse des Jahres 
1760 umfasst, finden wir, von den bekannten Briefen des Königs an 
die Herzogin von Gotha abgesehen, eine Anzahl Aktenstücke, die 
sich auf die von mir in dieser Zeitschrift N. F. II, 69 flf. behandelte 
Mission des Freih. Georg Ludwig von Edelsheim nach Paris und 
seine dortigen Schicksale beziehen. Von Interesse ist das Schreiben 
des. Königs vom 8. Mai, in dem er dem diensteifrigen jungen Diplo- 
maten für seine „sage condiäfe" seine volle Anerkennung ausspricht : 
„ V0U8 pouvez etre persnade que je m^en souvlendrai toujours avet- 
satisfaction et que je serai cJiarme quand des occasions s'offriront 
pour vmis en donner des marques reelles"^, ein Versprechen, das er, 
wie wir wissen, später auch erfüllt hat. K. Ohser. 



Über den Verkehr zwischen Friedlich dem Grossen, dem Gross- 
herzoge Karl August von Weimar und dem Markgrafen Karl Frie- 
drich von Baden aus den Tagen des Fürstenbundes fand K. Obser 
unvermutete wertvolle Ergänzungen im Karlsruher General-Landes- 
archiv. Sie ergänzen das Bild, welches der erste von B. Erdmanns- 
dörifer bearbeitete Band der Politischen Korrespondenz Karl Frie- 



154 IJtteraturnotizen. 

(Irichs bietet, nach manchen Seiten. Namentlich die vier Briefe Karl 
Augusts mn\ man mit Interesse lesen. Die Veröffentlichung dieser 
Studie: ^Zur Geschichte des Fttrstenbunds"* erfolgte in den 
Forschungen zur brandenburgischen und preussischen Geschichte 
Ikind 5. 

Eine hübsche Säkularerinnerung bietet Jos. Sarrazin in seiner 
anziehenden Studie: „Mirabeau-Tonneau. Ein Condottiere aus 
der Revolutionszeit. Leipzig, 1893. 85 S.**, in der er auf Grund um- 
fangreicher Akten des Karlsruher Archivs und unter sorgfiiltiger 
Verwertung des gedruckten Materiales, insbesondere oberrheinischer 
Zeitungen aus jener Zeit, die bewegten Schioicsalo des heissblOtigen 
Haudegens und seiner „schwarzen Legion** von ihrer Errichtung in 
Ettenhoim ab bis zu ihrem Übertritt in hohenlohescho , später in 
üsterreichisch-preussische Dienste und dem jälien Endo des Generals, 
der seine letzte Ruhe auf dorn Freiburger Friedhofe gefunden, schil- 
dert und damit unsere Kenntnis von jenem Vorspiel der Revolutions- 
kriege an) Oborrhein wesentlich bereicljert. Einige weitere Nach- 
richten hätte dem Verf. der Driefwechsel der Cond<?»Vs (Cn^tineau Joly, 
Hist. des trois derniers Princos de la maisou de Condo. Paris, 1867) 
geliefert; auch aus ihm erfaliren wir zum t^berfluss, dass M. eines 
nattlrlichen Todes gestorben. Unter „Mitterchem" (S, 24) dürfte 
vielleicht Münzeslieim zu vorstehen sein; Thiengen (S. 8(i) ist na- 
türlich der gleichnamige Ort bei Freiburg. K, Oftser. 



Von der früher (Hd. VI, H24) besprochenen Publikation Trat- 
chevsky's: Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russ- 
land und Frankreich im Zeitalter Napoleons L (Titel russisch) ist als 
77. Band der ScJiriften der kaiserl. nissisch-historischen Gesellschaft 
der zweite Rand, Petersburg 18J)l, erschienen, der die beiden Jahre 
ISlVi und 1H(W umfasst und mit dem Abbruch des diplomatischen 
Verkehrs der beiden Mächte infolge des Falls Enghien schliefst. 
Unter der Fülle des wertvollen Materiales für die allgemeine Zeit- 
geschichte besitzen für Raden ein besonderes Interesse die Schrift- 
stücke, die sich auf die Intervention des Zaren zugunsten der durch 
Würtemberg und Raiern bedrängten Reichsritterschaft und das dem 
Kurftlrsten Karl Friedrich übertragene Conservatorium, sowie auf 
lue völkerrechtswidrige Verhaftung des Herzogs von Enghien auf 
badischem Roden, das Verhalten der kurfürstl. Regierung und die 
französischen Remühungen, durch eine erzwungene Erklärung Karl 
Friedrichs eine Diskussion in Regensburg zu hintertreiben, beziehen. 
Mit welchen Mitteln Talleyrand auch hier wieder einnuU gearbeitet 
hat, zeigt seine Depesche an H6douville vom 3 germinal an 12, der 
zufolge der Kurfürst seine volle Befriedigung über jenen Gewaltakt 
(la satisfaction qu^a caus6e la voie prise (H)ui* la saisie des couivables) 
ausgedrückt habe, während das betr. Schreiben vom 16. März keine 
Silbe davon enthält! •— Das Petersburger Konferenzprotokoll vom 



I itteraturnotizen. 155 

5./17. April 1804 ist bereits in den Memoiren des Fürsten Czartoryski 
(Paris, 1887. Bd. II, 2 ff.) mitgeteilt worden, ein Verweis wfire am 
Hatze gewesen. Zu bedauern ist auch in diesem Bande die mangel- 
hafte Wiedergabe von Personennamen, selbst wo es sich um russische 
Diplomaten handelt: man hat Mühe unter den „mrs. de Klupfeldt et 
d'Anslitt" (S. 501) die Attaches von Klüpfel und Anstedt wieder- 
zuerkennen. K. Ohser. 

Noch mehr Interesse als dem ersten Halbbande werden die Leser 
der zweiten Hälfte des „Briefwechsels der Brüder J. Georg 
Müller und Johann v. Müller. 1789—1809" (herausgegeben von 
Eduard Hang. Frauenfeld, Huber; vgl. diese Zeitschr. NF. 6, 524) 
entgegenbringen, die vom Jahre 1800 bis zum Tode des berühmten 
Geschichtsschreibers und unglücklichen Staatsmanns Johann von 
Müller (1809) führt. Der Briefwechsel bringt im vollen Wortlaute 
nur die Briefe Georgs, da dieser selbst schon die Briefe seines Bru- 
ders in dessen Werken herausgab. Alle Zeitereignisse auf dem Ge- 
biete der Litteratur, des religiösen Lebens und der politischen Ge- 
schichte sind der Gegenstand des Briefwechsels. Die engen Beziehun- 
gen zu Herder (dessen Nachlass Georg herausgab) wie zu Lavater 
seien erwähnt. Ganz besonders eingehend sind natürlich die Ereig- 
nisse der schweizerischen Heimat behandelt; dieser Halbband führt 
eindringlich die Tage der Helvetik, das Dazwischentreten Napoleons 
und die Mediationszeit vor Augen. Von Schaffhausen berichtet Ge- 
org an seinen in Wien, dann Berlin und Kassel weilenden Bruder 
über die Dinge in der Schweiz, aber auch über die im Reiche. Recht 
eingehend sind die Mitteilungen über die Schaffhauser Konferenzen 
1805—04, welche die Auflösung des Bistums Konstanz betrafen, und 
an denen Georg lebhaften Anteil nahm. Im Jahre 1805 wollte Kur- 
fürst Karl Friedrich von Baden Georg für die Universität Heidel- 
berg als Professor der Kirchen- und Litterärgeschichte gewinnen, 
allein er lehnte ab (S. 381 ff.). 



In einer Denkschrift „Historisch-statistische Grundkarten" 
(Tübingen, Laupp) befürwortet Friedrich v. Thudichum vor einem 
weiteren Kreise den von ihm im Herbst 1891 in Sigmaringen auf der 
Versammlung der deutschen Geschichtsvereine vorgebrachten Plan, 
für ganz Deutschland einheitliche Grundkarten herzustellen, welche 
der historischen Kartographie zu Grunde gelegt werden sollen. Die 
Grundgedanken des Systems sind Einheitlichkeit des Masstabes für 
das ganze Reich (1 : 100000- 1 : 5(X)000 u. s. w.) und genaue Eintra- 
gung der Gemarkungsgrenzen, als derjenigen Grenzen, welche allein 
aus dem Mittelalter fast unverändert sich bis auf unsere Tage erhalten 
haben. Sie sind übrigens in den historischen Karten, welche seit 1870 
für das Gebiet des Oberrheins in ziemlich reicher Anzahl erschienen 
sfind, bereits überall zu Grunde gelegt, so bei den badischen Karten 
von Riezler-Baumann, Kienitz, den elsässischen von Kirchner, Fritz, 



I5i) lättoraturnotissoii. 

Schulte u. 11. , während ihre Masstäbe allerdings sehr verschieden 
sind. Kommt dos sehr nOtzliche llnternelunen zu Stande, so wird 
vor allem neben der |K)litisohen auch die Hechte- und WirtschafU- 
Keschichte daraus NuUeen ziehen; denn dann ist jedem Forscher das 
Zeichnen der (irundkarten erspart; und gerade diese lästige Arbeit 
hat wohl am meisten die Autoren davon abgehalten, die h^gobnisso 
ihrer Abhandlungen auch auf einer Karte niederzulegen. Wie oft 
wäre dtis aber zu wttnschen! ^Vio ganz anders nberblickt man z. H. 
die Besitzungen eines Klosters, wenn sie auf einer Karte sich uns 
darstellen, als wenn man mühselig die Orte sich selbst erst aufsuchen 
muss; wie ganz andei*s klärt sich die (leschichte eines Gaues, wenn 
man seine Markgenossenschaften auf (irund der (lemarkungsgrenzen 
rekonstruiert findet. In einzelnen Staaten und Provinzen sind die 
Thudichunrschen Vorschläge bereits zur Uichtschnur von Vereinen 
und Körperschaften angenommen worden. yl. iS. 



£l8&8sische Geschichtslitteratar 

des Jahres 1891. 
Zusammengestellt von 

Ernst Marckwald. 



Vorbemerkung. 

Die Bibliographie verzeichnet die Werke und Zeitschriftenartikcl 
historischen Inhalts aus dem Jahre 1891 in dem Rahmen dieser Zeit- 
schrift, d. h. sie enthält nichts, was nicht den Zielen und Zwecken 
der Zeitschrift entspricht. Es fanden daher z. B. die Werke u. s. w., 
welche die Tagespolitik (von 1870 an gerechnet) betreifen, keine Auf- 
nahme, dementsprechend auch nur die Biographien von Persönlich- 
keiten, die der Geschichte angehören, und von Historikern. — Ar- 
tikel in politischen Zeitungen konnten nicht berücksichtigt werden. 
— Das Format wird nur dann angegeben, wenn es nicht Oktavformat 
ist. Diejenigen Werke, welche vor 1891 erschienen sind, aber kurz 
angeführt sind, weil Receusionen von ihnen 1891 veröffentlicht wur- 
den, sind mit einem * versehen worden. — Es wurden nur solche 
Recensionen aufgenommen, die kritischer Natur sind und Ergänzun- 
gen oder Berichtigungen bieten. 

Der Bearbeiter dieser Bibliographie wird jede Notiz und Benach- 
richtigung mit grösstem Danke annehmen und bittet, nicht im eige- 
nen Interesse, sondern in dem der Benutzer dieser Arbeit um Unter- 
stützung. 

Verzeichnis der Abkürzungen. 

AaunT „Aus alten und neuen Tagen." Beilage zum „Haus- 

freund" [Beil. des Mülhauser Tagblatt]. 1891. 

ADA Anzeiger für Deutsches Alterthum und deutsche 

Litteratur. XVII. 

ADB Allgemeine Deutsche Biographie. 

Annt^st Annales de TEst. V. 

ASJuri^m Actes de la Soci6t6 Jurassienne d'fimulation. 

2p 86rie. III. 

AZgB Allgemeine Zeitung. Beilage. 1891. 

BHLPFr Soci6t6 de Thistoire du Protestantisme fran^s. 

Bulletin historiquc et Htt^raire. XL. 

BLGEst Bulletin de la Soci^t^ de Geographie de FEst. 

BMIIMulhonse Bulletin du Mus6e historique de Mulhouse. XV. 



158 



Marckwalü. 



l^SBoIfortJ^Ini 

BSNAFr 

BSPhilomVosg 

CDUiibl 

DHerohl 

DZG 

KcclArg 

KtclArgAH 

KlHKvSonntlU 

I^IlsLothrSamstBl 

KlMlx)t)irSohulbl 

Kv ProtKirchenbote- 

Klsl^thr 
HPini 
HZ 
Jb(lKU-I/)thr 

.IbQeHliOthrG 

Katb 

KBWZ 

LBülirh 

LCHI 
MHL 
MonatsblChrAKonf 

NA 

Passo-ToiupH 

Prliol 

UAlsaco 

KCathAlaace 

RCr 

RepKanstw 

IlomanF 

RQC^hrA 

RTP 
ThLIU 
ThLZ 
WetieruWelte 

WZ 



Bulletin de la Sociötö Belfortaine d'I^Imulation. 
No. 10. 

Bulletin de la Sociötö Nationale des Antiquaire» 
de France. 181)0, 

Bulletin de la Soci^tö philomatiquc vosgienne. X VI. 

Ceutralblatt für Bibliothekswesen. VlIL 

Der Deuh^rhe Herold. XXH 

Deutsche Utteraturxeitung. XH. 

lVeut8che Zeit8cbrift für Geschichtswissenaohaft 

Eooleaiasticum ArgentinenBe. X. 

Archivaliäche lU'ilage zum FiOclArg. X. 

KlHAssischcH Kvangolischos Sonntags- Blatt. XXVIII. 

Klsass-l/Othringisches Samstags-Blatt. HI. 

Klsass-IiOthringisches Schulblatt. XXI. 

Kvangelisch-Proteetantischcr Kin^hcnbote fUr Kl- 
sass-Ijothringen. XX. 

1 1 istorisch- Politische Blät t or. 

Historische Zeitschrift. 

«lahrbuch für (leschichte, Sprache und IJtteratur 
KIsas8-Ix)thringen8. VH. 

«lahrbuch der Gesellschaft für lothringische Ge- 
schichte und Altertumskunde. HI. 

Der Katliolik. 

Korrespondensblatt der WZ. X. 

liiteraturblatt ftlr germanische und romanische 
Philologie. XII. 

Literarisches ('eutralblatt für Deutschland. 1B91. 

Mittheilungen aus der historischen Litteratur. XIX. 

Monatsblatt fi\T C-hristen Augsburgischer Kon- 
fession. VI. 

Neues Archiv der Gesellschaft für Altere deutsche 
Geschichtskunde XVI. 

Is Passe-Temps d'Alsace-Iiorraine, 

Le Progr^s Religieux. XXIV, 

Revue d»Alsace. XIJI. 

Revue catholique d'Alsace. N. S, X. 

Revue critique d*histoire et de litt^rature. 

Repertorium für Kuiuitwissenschaft. XIV. 

Romanische Forschungen. VI. 

Römische Quartalschrift ftlr christliche Alterthumt- 
künde und für Kirchengeschichte. V. 

Revue des Traditions populaires. VI. 

Theologisches Iateraturblt\tt. 

Theologische hiteratuneitung, XVI. 

Wetxer und Weite's Kirchenlexikon ... 2. Auf- 
lage. VH. 

Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. 
X. 



EteässiBche Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 159 

ZDKoltarG Zeitschrift t&i Deutsche Kulturgeschichte. N. F. I. 

ZGJndeii Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutsch- 

land. V, 2. 3 

ZGORh Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 

N. F. VI 

ZKG Zeitschrift für Kirchengeschichte. XII. 

ZNamism Zeitschrift für Numismatik. XVII. 

ZYglLG Zeitschrift fQr Vergleichende Litteraturgeschichte 

und Renaissance-Litteratur. N. F. FV. 



I. Zeitschriften. 

1. Alemannia. Zeitschrift für Sprache, Litteratur und Volkskunde 

des Elsasses, Oberrheins und Schwabens, herausgegeben von 
Anton Birlinger. 19. Jargang, 1. Heft. Bonn, Hanstein. 96 S. 
[In Folge des Todes von Birlinger 1891 nicht mehr erschienen.] 

2. Annales de TEst. Revue trimestrielle publice sous la direction 

de la Facult6 des liettres de Nancy. 5® annee — 1891. Nancy 
& Paris, Berger-Levrault et Cie. 640 S. 

3. Aus alten und neuen Tagen. Beilage zu No. ... des „Hausft'eund'* 

[Beilage des Mülhauser Tagblatt.] Elsässische und Mülhauser 
Geschichtsdenkmäler. Mülhausen, Brinkmann. 4^. 40 S. 

4. Beiträge zur Landes- und Volkeskunde von Elsass-Lothringen. 

[Heft XIV und XV betreffen Lothringen]. 

5. Bulletin de la Society belfortaine d'emulation. No. 10, 1890—1891. 

Beifort, typ. J. Spitzmuller. 243 S. 

6. Bulletin de la Soci^te philomatique vosgienne. 16™« ann^e. 1890 

—91. Saint-Die, impr. L. Humbert. 384 S. 

7. Bulletin de la Societe pour la conservation des monuments histori- 

ques d'Alsace. [Im Jahre 1891 nichts erschienen]. 

8. Bulletin du Mus6e historique de Mulhouse. XV® ann^e 1890. Mul- 

house, impr. V^« Bader et Cie. 60, 48 S. u. 1 Taf. 

9. Ecclesiasticum Argentinense. Strassburger Diözesanblatt. 10. 

Jahrgang. Nr. 116—127. Strassburg, Druck von F. X. Le Roux. 
278 S. [und:] Archivalische Beilage zum Ecclesiasticum Ar- 
gentinense. 104 S. 

10. Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass-Lothrin- 

gens. Herausgegeben von dem historisch-litterarischen Zweig- 
verein des Vogesen-Clubs. VH. Jahrgang. Strassburg, Heitz & 
Mündel. IV, 212 S. 

11. Kirchenbote, Evangelisch-protestantischer, für Elsass-Lothrin- 

gen. 20. Jahrgang. Strassburg, Heitz & Mündel. 4^. 416 S. 

12. Monatsblatt für Christen Augsburgischer Konfession. Heraus- 

gegeben von Heinrich Magnus. VI. Jahrgang. 1891. Strass- 
burg, Vomhoff. IV, 196 S. 



]60 MHrckwald. 

V], Passo-Tomps, Lo, d'AlsAco-Lon*aine. Publioation trimcstrioUo 
illustr^o sousladireotion iloJ. J. LanK- 1** ftnn^o, 1890; 2» anrnV, 
18i)l. Saiiito-Mario-aux-Miucs, buroau du l*ttsse-Tomi>s. 884; 
f)8() S. 

II. Pro^nNs, Le, HeliKicux. Journal des oji^lisos protostantes. 24» 
ann^o. Strasbourg, Hoitz i't Mündel. 4'. IV, 42() S. |Ilat mit 
diesem Jahrgang aufgehört /u ersohüinen|. 

15. Hevuo Alsaeienne. |Hat mit »and XHI (im)) aufgehört zu er- 
scheinen. Vergl. Ch. Pfister AnnEst. s. 4i)2— 4(U|. 

HJ. Uevue Catholitiue d'Alsaee. Nouvolle Serie. 10" annee K^U. 
Rixheim, impr. de A. Sutter. 7t>4 S 

17. Revue d'Alsaee. Nouvelle Si'^rie, tome i>. Tome XlJh do la 

collection. Paris, libr. Fi.sehbaoher. r»7(i S. 

18. Samstags-Hlatt, Elsass-I lothringisches, a. Jahrgang. SU'assburg, 

KlsOss. Verlags-Anstalt. 832 S. (Hat mit tliesem Jalirgang auf- 
gehört zu erscheinen!. 
VX Schoengauer-licsellschaft. Hericht Nr. 1*». (ieneiul Versamm- 
lung vom 1. Juni 18JK). - Bericht Nr. l(i. (icnenil Versammlung 
vom 24. Mai 181)1. — | Deutscher u, fninzös. Text|. (\)lnuu\ 
Ruchdr. Decker. 181K), 181)1. 10 S.; 2(i S.; mit je 2 Kichtdruck- 
bildorn. 

20. Studien, AlsiUische. 1. Heft. Uiut- und Flexionslehre der Mund- 

art des mittleren /ornthales im Elsass von Hans Lienhart. 
Stmssburg, Trübner. Vill, 74 S. 

21. Vom Jura zum Schwarzwald. Geschichte. Sage, Land und Leute. 

Hemusgegeben unter Mitwirkung einer Anzahl Schriftstoller 
und Volksfreunde von F. A. Stocker. VU, Aarau, Sauerländer. 
18iK). IH, 320 S. — Vlll. 1«)L IV, 820 S. 

22. Zeitschrift für die (leschichtc des Oberrlieins, herausgegeben 

von der Radischen historischen Konnnission. Neue Folge. Rand 
VL (Der ganzen Reihe 45. Rand.) (Mit (» Tafeln, wovon 4 in 
Lichtdruck.) Freiburg i. R., J. C\ R. Mohr. Vlll, 78(), 128 S. 
2:1. Zeitschrift, Westdeutsche, für Geschieht e und Kunst. Heraus- 
gegeben von F. Hettnor \&] K. Lamprecht. Jalirgang X. 
|Und:| Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift 
für (Jeschichte und Kunst. Trier, Lintz. Vll, 414 S. u. (J Ta- 
feln ; 820 S. 

II. Bibliographien. 

24. Rone. Jjvlirbücher des Vereins von Altert humsfreuntlen im Hliein- 
lande. Heft XVI Register zu den JiUirbüchern IJCl-LXXXX 
untl den 188r) und 1888 zu W'inckelmann's (leburtst^ige ausge- 
gebenen Festschriften. Ronn, Marcus, gr. 8®. IV, 274 S. 

2ft. Jastrow, J. Ihuulbuch zu Littemturberichten. Im Anschluss 
an die „JalnTsberichte der (Jeschic.htswissenschaft** bearbeitet. 
lElsass-Lothringen, S. 41] Rerlin, (Jaertner. Vlll, 23r) S. 

2<>. (Jerschel, Paul. Elsfissischer Rüchei*schatz. Photographischo 
Nachbildungen von TitelbUittern seltener und wertvoller alt- 



Elsäsaische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. ißi 

elsässischer Drucke. [A. u. d. T.:] Tresor du Bibliophile 
alsacien. Beproductions photographiques d'apres les originanx 
de titres et de frontispices d'anciens ouvrages rares et pr^cienx 
imprim^s en Alsace. Strassburg, Photogr. M. Gerschel. 4**. 
in S. u. 10 Tafeln. 

27. Hollaender, A. Elsass-Lothringen. (Jahresber. d. Geschichts- 

wissensch. XI. [Litteratur aus dem Jahre] 1888. Berlin 1891, 
S. n, 134—141 ; XIT. [Litteratur aus dem Jahre] 1889. Berlin 
1891, S. n, 235—243). 

28. Keysser, Adolf. Zur geschichtlichen und landeskundlichem 

Bibliographie der Rheinproviuz. ([A. u. d. T.:] Veröffentlichungen 
der Stadtbibliothek in Köln. 4. Heft.) [Landesbibliographie 
von Elsass-Lothringen, S. 28 f.] Köln, M. Du Mont-Schauberg. 
VI, 46 S. 

29. Kraus, Franz Xaver. Historische Forschung in den Rhein- 

landen [Abdruck aus der „Deutschen Rundschau", 1890.] (Korre- 
spondenzblatt d. Gesammtver. d. deutschen Geschichts- u. Alter- 
thumsvereine. XXXIX, S. 80—34). 
*30.Marckwald, Ernst. Elsass-Lothringische Bibliographie, 1887. 
. . . Strassburg 1889. 
Rec: AnnEst. S. 619f. (Ch. Pfister). 

31. — Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 1890. (ZGORh. 

S. 526—552). 

32. Masslow, 0. Bibliographie zur Deutschen Geschichte. Gruppe 

IV— Vn.: Literatur von Anfang October 1890 bis Ende No- 
vember 1891. [V. Territorial- und Localgeschichte. — 7. Der 
Südwesten.] (DZG. VI, S. *274-*286). 

33. Table, 3®, generale de la Revue historique. (1886 ä 1890 inclu- 

8iv6ment). [Alsace - Lorraine S. 12, 27, 157, 165, 173.] Paris, 
F. Alcan. 176 S. 

Vergl. Nr. 67. 530. 

III. Allgemeine Geschichte des Elsass und einzelner Theile. 

34. Berdelle, Ch. Petits episodes de Thistoire d' Alsace. [Gedichte 

mit historischen Anmerkungen.] (RAlsace. S. 121—130). 

35. — Traditions et petits 6pisodes de Thistoire d'Alsace. [Gedichte 

mit historischen Anmerkungen]. (Ebenda, S. 527—538). 

36. Bezirksarchiv [zu Strassburg], (Bezirkstag des Unter- Elsass. 

Sitzung von 1891. Verw.-Ber. u. Vorl. d. Bez.-Präs., S. 141-144; 
Verhandlungen, S. 32 f., 98—103). 

37. — [zu Colmar]. (Bezirkstag des Ober-Elsass. Session von 1891. 

Verwaltungsber. u. Vorl. d. Bezirkspräs., S. 186—192; Verhand- 
lungen, S. 38). 

38. Buren, J. Huf van. Elzas en Vogezen. Reisherinneringen. 
-^^ Schoonhoven, S. & W. N. van Nooteu. 1890. VII, 119 S. 

39. Catalogue g^n^ral des Manuscrits des biblioth^ques publiqnes 

de France. Departements. Tome XIII. [Betr. u. A. Beifort, 

Ztitichr. f. Gesch. d. Obarrh. N. F. VIII. l. 1 1 



162 Marokwald. 

das violo olsÄssische Ms. enthält.] Parus, Plön, Nourrit et ('»•• 
VIII, ()(>5 S. 

40. E., A. Das obere St. Anmrinthal. (AaunT. Nr. 5, S, 1—4), 

41. — lAnd und Leute im Leber- oder Markirchorthal. (AaunT. 

Nr. 4. S. 1-4). 

42. Ehrenberg, Fritz, In die Vogesen! Mit 68 Bildern von J. Weber 

und 2 Karten. ([A. u. d. T. :] Euroi>«ische Wanderbilder. Nr. 180 

bis 192). Zürich, Grell Ettssli. 141 S. [Auch in PrachUus- 

gäbe. 4". 152 S. 
4%S. — A travers les Vosges. Avec ()8 illustrations i>ar J. Weber et 

2 cartes ([A. n. d. T.:] L'Europo illustr^e. No. 146-149.) 

Zürich, Groll Füssli. 188 S. 
44. — The Vosges mountuins. With ()8 illustrations and 2 maps. 

([A. u. d. T.:] lUustratod Europe. No. 131) «142), Zürich, Groll 

t^ssli. 137 S. 
4f). Funck-Brentano, Th. I/Eun)pe et TAlsace- Lorraine. (Ia 

Nouvello Bevue. LXXll, S. 4t)5-4a)). 

46. Kroma.vcr, Karl. Ueichsland Elsass-Lotlningen. (Landes- und 

Provinzialgeschichte. Heft 28. Anhang der in 11. Voigtländer*s 
Verlag in Leipzig erschicnonon geschichtlichen Lehrbücher.) 
Leipzig, U. Voigtländer. 16 S. u. 1 Karte- 

47. Lang, Georg. Neuer Vogesen - Führer. Mit Zugrundelegung 

des Dr. G. von SoydlitzVhen „Tourist enführers für die Vogesen" 
bearbeitet. Mit 5 Spezialkarten, einer Koutonkarte und Plänen 
von Strussburg, ^letz und dem Gdilienbergo. Leipzig, G. Lang. 
Vlll, 146 S. 

48. Liblin, J. Coup d'oeil r^trospectif sur le sort des manuscrit^ 

de Grandidier et fragments in^dits. (HAlsace. S. 145—202, 
3t»9— 110, 46i)-r)()l). 

49. M., 11. Das Münsterthal. (AaunT. Nr. 9. S. 1—4). 

50. Maag, Rudolf. Die Freigrafschafr Hurgund und ihre Bezie- 

hungen zu der schweizerischen Eidgenossenschaft vom Tode 
Karls des Kühnen bis zum Frieden von Nymwegen. (1477—1678.) 
Inaug.-DissertAtion . . . |Betr, an vielen Stellen das Elsassl. 
Zürich, Druck von Zürcher Ä Furrer, VIII, 366 S. 

51. Mündel, Gurt, Die Vogesen. Ein Handbuch für Touristen; 

auf Grundlage von Schricker*s Vogesenlührer neu bearbeitet. 
Unter Mitwirkung von Jul. Euting und Aug. Schrickor. Mit 
13 Karten, 3 Plänen, 2 Panoramen und Holzschnitten. 6. Auf- 
lage. Strassburg, Trübner. XXIV, 518 S. 

52. Stehle, Bruno. Vom Gdilienberg nach Zabern im IJnterolsass. 

Odilieuberg. Die lleidonmauer. Maursmünster. Zabern. (Globus. 
LX, S. 68-72). 

53. [Wiegand, Wilhelm]. Gesellschaft für Erhaltung der histori- 

schen Denkmäler im Elsass. [Sitzungsberichte vom 2. Juli 
1890-24. Juni 1891. | KBWZ. S. 94-%, 315-320). 

54. Wolff, Henry W. The country of tho Vosges. With a map. 

London: Longmans, Green ^ Co. XIII, 368 S. 



Elsässische Geschieh tslitteratur des Jahres 1891. 163 

55. Wolff, Henry W. The Watering Places of the Vosges. With 
a map. London: liOngmans, Green & Co. III, 155 S. 

Vergl. Nr. 166, 232, 392, 441, 448. 

IV. Prähistorische und römische Zeit. 

56. Babelon, [E.]. Entree au Cabinet des medailles d'un missoriom 

de la coUection Piot. [Angeblich bei Strassburg gefunden. 
(BSNAFr. S. 228—231). 

57. Bechstein, [0.] Zu den Juppitersäulen [aufdemDonon.] (KBWZ. 

S. 24-26). 

58. — Eine vom Donon stammende Inschrift. (Ebenda S. 26—28). 

59. — Der Donon und seine Denkmäler. (JbGEls-Lothr. S. 1-82). 

60. Bleicher. Resume et conclusions de la Conference . . . sur la 

g^ographie commerciale et industrielle des populations primi- 
tives de TAlsace et de la Lorraine. (BSGEst. XIII, S. 130-133). 

61. F.[orrer], E. Kupferbeil von Filsenheim. (Antiqua. IX, S. 37). 
€2. — Eine germanisch-römische Eisentreibarbeit [in Strassburg ge- 
fanden]. (Antiqua. IX, S. 52). 

63. — Elsässer Bronzenadeln und Hallstatthenkel. (Antiqua. IX, 

S. 81 f.). 

64. Fundgegenstände im Garten und Hof des Hauses Kastner [in 

Strassburg], Blauwolkengasse 2, 4 (1874—1876) ausgegraben. 
[Beilage zum Bull, de la Soc pour la conserv. des mon. bist. 
d'Als. H« s6r, XV, livr. 1 [18901. Der eriäuternde Text sollte 
von A. Straub geliefert werden, der inzwischen verstarb], 
gr. 4". 20 Tafeln in Lichtdruck. 

65. Hang. Die Viergöttersteine. [D. Unter-Elsass, S. 36—41.] (WZ. 

S. 9-62, 125-161, 295-340). 

66. Meyer, A. B. Neue Beiträge zui* Kenntniss des Nephrit und 

Ideit. Mit 2 Tafeln in Lichtdruck. (Abhandlungen und Berichte 
d. Königl. Zoolog, u. anthropol-ethnogr. Museums zu Dresden 
1890/91. Hrsg. v. A. B. Meyer.) [8. Elsass, S. 19—21.] Berlin, 
R. Friedländer & Sohn. gr. 4P, 42 S. 

67. Moewes, F. Bibliographische Uebersicht über deutsche Alter- 

thumsfunde für das Jahr 1890. (Nachrichten über deutsche 
Alterthumsfunde. I, (1890) S. 65-96; H (1891), S. 2-20). 

68. Schneider, J. Uebersicht der Lokal forschungen in Westdeutsch- 

land bis zur Elbe, vom Jahre 1841 bis zum Jahre 1891. Düssel- 
dorf, ]jagcl. 40 S. 

69. Stoffel. Guerre de Cesar et d'Arioviste et premieres Operations 

de Cesar en l'an 702. [Kämpfe im Elsass.] Paris, Imp. nationale. 
1890. 4^ 168 S. m. Karte u. Plan. [Erschien 1891]. 

70. Thonion. Antiquites trouvees pres d'Annecy, dans un tumulus. 

[Betr. auch Elsass.] (BSNAFr. S. 176—183). 

71. Zange meist er. La colonne de Jupiter au Donon. (Juppiter- 

säule auf dem Donon). [Aus KBWZ. übersetzt von Fernand 
Baldensperger.]. (BSPhilomVosg. S. 339—341). 

Vergl. Nr. 425, 512. 

11* 



164 Marckwald. 



V. Geschichte des Elsass im Mittelalter. 

72. Albrecht, Karl, llappoltstoinisehcs Urknndenbach, 759— löOO. 

Quellen zur Geschichte der ehemaligen Herrschaft Rappolt- 
stein im Elsass, mit Unterstützung der lindes- und Beiirks- 
verwaltung herausgegeben. 1. liand. p]nthaltend 770 Urkunden 
und Nachrichten aus den Jahren 751>— 1368. Colmar i. E., 
Barth, gr. 8«. XV, 707 S. 

Rec: IMlerold. S. m f. (K.|indler| v. K.|nobloch]). — Archiv 
f. kathol. Kirchenrecht. LXVl, S. \mi ((leigel). — AnnEst 
S. 448-452 (X. Mossmann). — ZUOllh. S. 331 f. ([A.] Schulte), 
— Archival. Zeitschr. N. F. II, S. 37(^—378 (F. Geigel). 

73. Hendinor, M. ÄWendt, lleinr. Die Kaiserurkunden des ger- 

manischen Nationalmuseums. [Nr. 18, 1227 (S. 37—40) u. Nr. 
29, 1309 (S. 78) für Königsbrück [vgl. [A. Schulte! ZOORh, 
S. 188]; Nr. 21. 1274 (S. 74 f.) ftlr Vogt zu Ensisheim; Nr. 191, 
1493 (S. 110) für Ilagenau]. (Mitteil. a. d. german. National- 
museum. 1890, 8. 3-~14, 30-40, 73—117). 

74. Bot t, Rudolf. Die Kriegszüge der englisch-französischen Sold- 

komimgnien nach dem Elsass und der Schweiz unter der Re- 
gierung Kaiser Karls IV. Inaug.-Dissertation . . . Halle a. 8.^ 
Druck V. Gundlach & Eggers. Ill, (>5 S. 

75. Hresslau, H. Heber die Handschriften des Chronicon Ebers- 

heimense. (NA. S. 545-~:>(51). 

Rec: ZGORh. S. 517 (W. W.[iegandl) und Bemerkung da/u 
von lA.] Schulte S. 517 f. 
7r>. Chroniken, Rasier. 4. Rand. Bearbeitet von August Ber- 
nouUi. [Betr. vielfach d. Elsass. Besonders: II. Hans BrQg- 
lingors Chronik 1444-1446, S. l(i3-220. — HI. Chronik Er- 
hards V. Appenwiler 1439-^1471, . . . S. 221— 3(51, u. Beil H: 
Annalen v. Paris, 8. 374—380. — IV. Anonyme Zus. u. Porta, 
zu Königshofen 1120-1454, S. 401>-459l. Leipzig, Hirzel 1890. 
VHI, 522 S. 

77. Ganter, Hubert. Bozelin von Villingen und seine Vorfahren. 

Ein Beitrag zur Frage der Abstammung der Zähringer und 
Habsburger und der ihnen verwandten Geschlechter. Mit 10 
Stammtafeln. [Betr. auch die elsässischo Abstammung]. l4Üir, 
Schauenburg. VI, 159 S. 

78. Heyck, Eduard. Geschichte der Herzoge von Zähringen. Her- 

ausgegoben von der Indischen Historischen Commission. [Betr. 
an vielen Stellen das Elsass |. PVeiburg i. B., Mohr. XIV, 007 S. 
u. 1 Tafel. 

79. lleyd, W. von. Die Handschriften der königlichen öffentlichen 

Bibliothek zu Stuttgart. 1. Abteilung: Die historischen Hand- 
schriften. 1. Band : Die Handschriften in Folio. 11. Band: Die 
Handschriften in Quarte und Oktavo. [Enthält viele Alsatica; 
vergl. [A. Schulte) ZGORh. S. 713 f.J. Stuttgart, Kohlhammer 



Elsässische Greschichtslitteratar des Jahres 1B91. 165 

[Band I: 1889—1890; auf dem Umschlage: 1891]. VI, XV, 326; 
IV, 236 8. 
W. Hinneschiedt, Dominik. Die Politik König Wenzels gegen- 
über Fürsten und Städten im Südwesten des Reiches. I. Teil. 
Von seiner Wahl bis zum Vertrag zu Heidelberg (1384). Progr.- 
Beil. d. Realg\Tnuasiums. Darmstadt, Druck v. H. Brill. 4**. 32 S. 

81. Krüger, Emil! Zur Herkunft der Zähringer. (ZGORh. S. 553 

bis 635). 

82. Manegoldi ad Gebehardum liber ed. K. Franc ke. (Monumenta 

Germaniae historica . . . : Libelli de lite imperatorum et ponti- 
ficum saeculis XI et XH. conscripti .... I. Hannoverae, imp. 
bibliopolii Hahniani, S. 300-^30). 

Rec: ZGORh. S. 518 f. ([A. Schulte]). 
♦83. Meister, Aloys. Die Hohenstaufen im Elsass. . . . Mainz 1890. 
[Vergl. Bibliogr. für 1890, Nr. 43]. 

Rec: Götting. gelehrte Anzeigen. 1891, I. S. 55 — 67. (Job. 
Fritz). — Vergl. LH. Bresslau] NA. S. 452. — MHL. S. 125 
bis 129 (F. Graef). — LCBl. S. 6 (v. B.). 

84. — Hohenstaufen im Elsass. Eine Replik gegen Dr. Fritz. (Histor. 

Jahrbuch. XII, S. 795—801). 

85. Nerlinger, Ch. Pierre de Hagenbach et la domination bourguig- 

nonne en Alsace (146i>— 1474) (Suite et lin). (AnnEst. S. 62— 
109). [Vergl. Bibliogr. für 1890, Nr. 44 u. 45]. 

86. Pfister, Ch. Les manuscrits allemands de la Bibliotheque na- 

tionale relatifs h Thistoire d'Alsace. (Suite.) (RAlsace. S. 433 
bis 449). 
^. — Le duche merovingien d'Alsace et la legende de Sainte Odile. 
(Suite). (AnnEst. S. 392-447). [Vergl. Bibliogr. f. 1890, Nr. 47J. 

88. Schulte, Aloys. Zu Matthias von Neuenburg. (ZGORh. S. 496 

bis 515). 

89. Weiland, Ludwig. Beiträge zur Kenntniss der literarischen 

Thätigkeit des Mathias von Neuenburg. (Aus dem 37. Bde. 
der Abhandlungen der k. Gesellsch. d. Wissensch. zu Göttingen.) 
Göttingen, Dieterichsche Verlagsbuchh. 4^ 29 S. 
Rec: DLZ. S. 1310 f. ([G.] Wolfram). 

90. — Die Wiener Handschrift des Mathias von Neuenburg. (Aus dem 

37. Bde. . .) Ebenda. 4". 59 S. [Vgl. ZGORh. VH, S. 377, Nr. 2(M]. 

91. Wiehert, Th. Zur Oberrheinischen Historiographie des 14. Jahr- 

hunderts [Mathias von Neuenburg]. (DZG. VI, S. 90—92). 

92. Wiegand, W. Gottfrid von Viterbo über das Elsass. (ZGORh. 

S. 185 f.). [Vergl. Bibliogr. f. 1890, Nr. 40]. 

93. Witte, Heinrich. Zur Geschichte der Burgunderkriege. Die 

Konstanzer Richtung und das Kriegsjahr 1474. (ZGORh. S. 1 
bis 81, 361-^14). 

*94. — Die Armagnaken im Elsass (1439—1445). Strassburg 1889. 

Rec: HZ. N. F. XXX, S. 100 f. (M[ar]kg[ra]f.). — RCr. N. 
S. XXXn, 8. 23 f. (Ch. Pfister). 



166 Marckwald. 

95, Wo 1 ff, Henry W. Richard de la Poks ^White Rose**. (Black- 
yfOOiVs Kdinburgh Magazine, No. 908, June 1891. 8. 881—847). 

9(1 Wolfram, Georg. Eine Handschrift von Königshofens Strass- 
burgisoher Chronik. (ZGOlUi. S. 98-104). 

Vgl. Nr. 195. 201. 205. 491. 

VI. Geschichte des Elsass in neuerer ZeÜ 

97. Adam, IA.|. Aus dem Ikuemkrieg. Vergicht Hansen Bent- 

vogel, von Waldsee, des (ligers. (F^clArgAB. S. 108). 
iW. — Kin bisohoeHiches Schreiben (\^ Ludwig XIV. [Von Franz 

Egon von Fürstenberg |. (KcclArgAB. S, 58—59). 
99. Benoit, Arth. Lo Cardinal do llohan, grand-anmAnier do 

France, 177a-178() (Suit^j et tin.) (UAlsacc. S. 5—86). 

(Vorgl. Hibliogr. f. 18iK), Nr. 56]. 

100. DoptVhes concernant les arnu'k^s du llhin et de la Moselle, 
I79a 171M. (UAlsace. S. 246-267). 

101. Charavay, l^Uienne. Mission du capitaine Malet en Alsace et 

on Franche-ComtiS, 21 juillet-6 aoüt 1792. (l-a Rövolation 
franvaiso. XX, S. 298-:U)7). 

102. Danzas, Georges. I^s iMections aux Imitats G^n^ranx de 1789 

dans les districts r^unis de Colmar et de Schlostadt (Saite.) 
(llCathAlsace. S. 129-138, 2;i:i-241, :tö8-348, 408-416, 
516-524). IVergl. Hibliogr. für 18iH), Nr. 59J. 

♦103. Dieffcnbach, Ferdinand. Der französische Kinfluss inDeatsch- 
land unter Ludwig XIV. . . . Dresden lÄH). [Vergl. Bibliogr. 
für lÄH), Nr. 59*. | 

Reo.: DLZ. S. m) f. (Fr, Meinecke.) 

10t. Gerba, Raimund. Polnischer Thronfolge - Krieg. Feldiug 
1733 und 1734. Nach den Feld -Acten und anderen aathen- 
tischen Quellen bearbeitet in tler kriegsgeschichtlichcn Ab- 
theilung. IL Serie. - X. Hand. ([A. u. d. T.:| Feldlüge 
des Prinzen Eugen von Savoyen. ((leschichte der Kämpfe 
Österreichs.) XIX. Band) [Retr. auch den Rheinübergang 
bei Strassburg und die Einnahme von Kehl.] Wien, Verl. 
d. K. u. K. (Seneralstabcs. X, 4(51, 287 S. u. G graph. Beil. 

105, Grabesinschrift des I^indgrafen Philipp IV. zu Ruchaweilcr- 
Lichtenberg. (ElsLothrSamstlU. S. ,H00 f.). 

*10(>. [Horstmann, Phil. Bernh.|. Die Franzi>sen in Saarbrücken« 
. . . im Saargau und Westrich (17i>2-lM) . . . 1890« IVorgl. 
Bibliogr. f. 18iX), Nr. (ö]. 

Rec: RCr. N. S. XXXI, S. JKV2-3(U. (A. Chuquct). 

*107(Jan), Hermann Ludwig (von). Die letzte Huldigung des 
Hanauer Ländeis an seinen Landesherni (27.-29. Mai 1790). 
. . . Strassburg 185KX [Vergl. Hibliogr. f. 1890, Nr. 641. 

Rec: HZ. N. F. XXX, S. tm (Wanbald). - AnnEst 
S, 455 (Ch. Ptister). 

108. Joret, Charles. Rapport sur uue mission en Allemagno«. 



Elsässiscbe Gescbicbtslitteratar des Jahres 1891. lg7 

[Elsass-Lothringen im 16. Jh., S. 14 f.] (Nouv. Archives des 
Missions scient. et litter. 1, S. 9—23). 

109. Laisnel de la Salle, A. Soavenirs d'an Grenadier. £tapes 

et gamisons du Berry en Alsace. niastrations de Joles 
Groulier. Paris, Savine V, 266 S. 

110. L [iblin], J. Centenaria Alsatiae superioris chronicalia. 

(Gbroniques centenaires de la Haute - Alsace). (RAlsace 
S. 79-120, 516-526). [Vergl. Bibliogr. f. 1890, Nr. 66]. 

111. Mossmann,X. Materiauxpour servir ä Thistoire de la guerre 

de trente ans tir^ des archives de Colmar. (RAlsace. S. 232 
bis 245). [Vergl. Bibüogr. f. 1890, Nr. 67]. 

112. Petermann. Geschichte des Infanterie-Regiments Kaiser Wil- 

helm König von Preussen (2. Württemberg.) No. 120. Im 
Auftrage des Regiments dargestellt. [Betr. auch die Kämpfe 
im Elsass 1709 und 1814]. Stuttgart, Kohlhammer, 1890. 103 S. 
m. 2 Karten. 
*113. Rathgeber, Julius. Der letzte deutsche Fürst von Hanau- 
Lichtenberg, Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, . . . 
Strassburg 1890. [Vergl. Bibliogr. f. 1890, Nr. 71]. 
Rec. : AnnEst. S. 454 f. (Ch. Pfister). 

114. — Aus einer elsässischen Familienchronik. Bilder aus dem 

dreissigjährigen Kriege. (JbGEls-Lothr. S. 123—127). 

115. Reitzenstein, Karl Freiherr von. Der Feldzug des Jahres 

1622 am Oberrhein und in Westfalen bis zur Schlacht von 
Wimpfen. I. Heft: Vom Ausgang des Jahres 1621 bis zum 
Hervortreten des Markgrafen Georg Friedrich von Baden. 
München, P. Zipperer. IH, 188 S. 

Rec: RCr. N. S. XXXH, S. 311 f. (R. [Reuss]). 

116. Reuss, Rod. L'Alsace pendant la revolution frangaise (Suite.) 

(RAlsace. S. 37-51, 203—231, 539-563). [Vergl. BibUogr. 
f. 1890, Nr. 73]. 

117. Spitzmullcr, Georges. La conspiration de Beifort [1821— 22]. 

fitude historique. [Betr. auch das Elsass]. L'affaire Caron 
[in Colmar u. Strassburg]. (BSBelfortfim. S. 23—208). 
Rec: RAlsace. S. 568—570 (FrM^ric Kurtz). 

118. Stieve. Ernst von Mansfeld. [Betr. an vielen Stellen das El- 

sass]. (Sitzungsber. d. philos. - philol. u. bist. Gl. d. k. b. 
Ak. d. Wissensch. zu München. Jahrgang 1890, H (1891), 
S. 507-548). 

Rec:ZGORh. S. 709 (K. Obser). 

Vergl. Nr. 95. 197. 208 f. 337. 401. 406. 483. 506. 

VII. Schriften Ober einzelne Orte. 

119. Altkirch. Ablassbrief für die . . . Kapelle ... in der Burg 

Altkirch. (EcclArgAB: S. 79—81). 

120. — Stadt Altkirch im Sundgau. (AaunT. Nr. 1, S. 1—4; Nr. 2, 

S. 1-4). 



168 Marck^vald. 

121. BaldeuhntH, Nesslor« Carl. Der Kuvhonraub von Bälden* 

heim. Kino Episode aus dem kirchlichen Loben des Elsasä 
[184^1. (1>. l*n)testant. Kvan«. Volkskal. f. lÄÜ, S. 32-36). 

122. Iknihanhuriicr, llaussor. Vertrag betr. Errichtung dos Vi- 

cariats zu Hernhardsweih^r (Harr) 174r). (KcclArgAB. S. 86— 8D), 

12:). BloUhvhn, (leschichte des Dorfes Uloty.heim. (£ls(isser Ilaus- 

schatz 1, S. 1 -7, ;W— .10, («> -71, i)7— UM, 120— 13l>, 161— ItJö). 

124. Oilmar, Hilling, Sigismund. KUune Chronik dor Stadt 

Cohnar, heniusgegeben von Andreas Walt«. Mit mehreren 
Abbildungen, (^olmar. Jung Ä Vk\ Vil, a74 S, 
Uec: lllY. N. S. XXXII, S. 4:U) (A. (1i.[uquotl). 

125. Chaut*four,Felix-IIenri-Joseph, dit leSyndic, Reglements 
de imlice, iinpositious, Cliarges nnmicipales de la ville de 
Colnmr avant la Kevolution. |i*ublies |mr Andr^ Waltz.) 
(Suite et tin.) (H Ali^ace. S. 52 -(M). [Vergl. Hibliogr. f. l«X\ 
Nr. W). 

12t). - — Territoire, linütes, revenus, dniits, impositions, chorges, 
nuitricule de la villo de Cohuar avant la Ht^volution. Didtes 
auxquelles cettc ville a envove des deputes. | Publii^ |>ar Andrö 
Waltz). (KAlsace. S. 2tW 28;^ -IlH)— i:JO, -IfH)- UUJ). 

127. — Mossmann, X. La tmulation Landeck i\ rUniversitö do Fri- 

bourg. (HMlLMulhousc. S. U 20). 

128. — Uestaurations- Arbeiten, Die, der St. Martinskirche zu 

Colnmr . . . s. : |Sailc, F. X.|, Nr. 12*.K 
12i>. [Saile, F. X.| Die Kcstaurations-Arbeiten der St. Martins* 

kirchü zu (\>hnar 18*H). r> Blatter in Lichtdruck mit Text. 

C^ohnar, lUiclulr. F. X. Saile. Folio, l S. Text u. ft Bl, 
IM), Waldner, Kugene. La d ist i Hat ion et le commerce de TeÄU- 

de-vie j\ Colmar au lii«' et au \7^ siede d'apnVs les archives 

de la ville. (nMUMulhousc. S. 27-:itn. | Auch einzeln: Mul- 

house, impr. Vve. Hader i^ C'»^, 12 S.|. 
Vergl. Nr. 111. 2:Ui. 21M. :fe<l. 41:1 ft'. 

KU. Daifshunf. Chatrian, *1. H. Le chAteau et le comte de Dags- 
bourg. (Passe-Temps. 11, S. 212 215). 

132. — Stieve, Hichard. Der Dagsburger Schlossfelsen. Eine hi- 
storische Skizze mit Illustrationen. Festschrift zur Einweihung 
dos mit Unterstützung des Vogesenklubs erbauten Thurmes. 
Zabern i. F.. Selbstverlag. V, (17 S. 

1H8. I)ammtrkirrh, Hans, K|ug|. Die .laehrliche vnablaesige, auch 
widerküutige Zinss der Leüthpriesterev zu Thtunmerkirch ge- 
hörig. [XVI. u. XVn. Jahrhundert]. (EcclArgAa S. 41-45). 

13-1. /Mwi/Ks^W. Levy, Jos. Le tabernacle de Domfessel. (EccLArg- 
AH. S. 102). 

135. Ihnon. s. Nr. 59. 

136. Drei-Aehrnt. Deuchot, J. Notre-Dame des Troi8-£pis dans la 

Haute-Alsace. Kixheim, impr. A. Sutter. X, 162 S. m. Abb. 
Rec: UCathAlsaee. 8. 52 f. (N. Delsor). 



Elsftssische Gescbichtslitieratar des Jahres 1891. 169 

13^. Brei'Aehren. Robichon,F. A. Les Trois-fipis. (Passe-Temps. 
n, S. 483-485). 

138. Ehersmünster. s.: Nr. 75. 

139. Ensisheim. s. : Nr. 73. 

140. Geberschweief\ Hertzog, Aug. Das Dorf Geberschweier in 

Sage und Geschichte. (ElsLothrSamstBl. S. 357—360). 
141. Das Dorf Geberschweier. (AaunT. Nr. 10, S. 1-4). 

142. Girbctden. Erb, G. Les ecussons de Girbaden. (Passe-Temps. 

n, S. 370—373). 

143. — Lang, J. J. Le chäteau de Girbaden. (Passe-Temps. II, 

S. 248—250). 

144. Grrauflhal LaVallec, Jean de. Le Graufthal. (Passe-Temps. 

I, S. 278-280). 

145. — Stehle, Bruno. Graufthal und Lichtenberg im Unterelsass. 

(Globus. LX, S. 307—310). 

146. Hagenau. WoerPs Reisehandbücher. Führer durch Hagenau 

im Elsass und Umgebung. Mit Stadtplan, Karte von Elsass- 
Lothringen und Eisenbahnkarte. 2. Auflage. Würzburg & 
Wien, Leo Woerl. n, 14 S. 
Vergi. Nr. 73. 

147. Hegenkeim. Stocker, F. A. Dorf und Schloss Hegenheim 

im Elsass. (Mit Abbildung). (Vom Jura zum Schwarzwald. 
Vn, (1890), S. 199—228). 

148. Herhitzheim. Levy, Jos. Die alte Sankt Michaelskirche in Her- 

bitzheim. (ElsLothrSamstBl. S. 108 f.). 
149. Das in der Teilung Lothar's (28. August 870) erwähnte 

Heribodesheim. (ElsLothrSamstBl. S. 170). 
150. Die alte Marienkirche in Herbitzheim. (ElsLothrSamstBl. 

S. 510 f.). 

151. Höh -Königsburg. Chatrian, J. B. Le Höh - Koenigsbourg. 

(Passe-Temps. II, S. 186-188, 197—200). 

152. Hohwäld. Ehrenberg, Fritz. Hohwald und Umgebung. Mit 

23 Illustrationen von J. Weber, nebst Karte und „Hohwald- 
uhr". ([A. u. d. T.:] Europäische Wanderbilder. Nr. 193. 
194.) [Hierzu: Karte von Hohwald und Umgebung. Gezeichnet 
durch J. E. Kuntz.] Zürich, Orell Füssli. 54 S. 

153. Jettersweiler. Spatz. Kirchenordnuug von Jettersweiler 1629. 

(EcclArgAß. S. 59-^61). 

154. Kinzheim. Bosch. Statistische Mittheilungen über die Pfarrei 

Kinzheim (Kreis und Kanton Schlettstadt). (EcclArgAB. 
S. 1 - 7, 9—14). 

155. Kleeburg. Eppel, Christian. Kleeburg (Elsass -Lothringen). 

([A. u. d. T. :] Ortskunde. Herausgegeben von Chr. G. Hot- 
tinger. Nr. 6. Deutsches Reich. Nr. 6. Elsass-Lothringen. 
Nr. 1.) Strassburg i. E., Dr. Chr. G. Hottingers Schriften- 
Verlag. 65 S. 

156. KSnigsbrück. s.: Nr. 73. 
lößo,. Küttolsheim. s.: Nr. 522. 



170 Marckwald. 

157. LithtchlH^rg. Lo ohAtoau de Lichtenborf?. ( Passe -Temps. IL 

S. 107 f.). 

Vgl. Nr, 145. 

158, Uitj^fl, Chroust, Auto«, ruodicrtc KöniK»- und Papst-Ur- 

kunden. (Urkunde König Sigmunds für Kloster Lütiel, 
MM- MU), S. IW-lfX?.) CNA. S. ia'">-ir»8\ 

15i). — Schiokolö. Lucelle, [ßtat 1722^), (KcclArgAR S. 102 f.). 

IGO. Markiirh, Uert/og, August, Dtvs Leberthal und die Stadt 
Markiroh. (AaunT. Nr. :i, S. 1 1). 

KU, — Lang, J. J. Saint e-Marie-aux-Mines et la valkV» de Li^pvre. 
(Pages d'histoire^. (Passe-Temps. M S. 1 (J, 19-21, a^-37, 
51— ;>a, r)8 -70, 8;^-8*>, 1)8-UX)). 

1G2, MoHmoftt, L. du Sundgau. Kxeursion nux ruines du chAteau 
de Morimont. (Passe-Teniivs. 11, S, liV)— 158, 4CU5— 468), 

Kwl. MMauanh llenner, hMouard. Notioe sur une vuo de Mul- 
house du XVI»»* siiVle. (HMlLMulhouse. S. :J7— 46), 

1()4. — Historien. Der Statt Malhausen Historien, [Unter diesem 
Titel, ohne jede Nvoitere Angabe, sind dem PMHMolhoasa 
48 S. angefügt, die, nach freundlicher Mittheilung dos Herrn 
Dr. K. Waldnor, den Anfang einer ungedniekten IIs. der 
(leschichte von Mülhausen von Heinrich-l*etri bilden]. 

11)5. — Meininger, Krnest. fttude sur le cartulaire de Molhouse 
de M. X. Mossmann. (UMllMulhouse. s. 5—13). 

l(>5a.~ Mossmann, X.lavier]. Cartulaiiv de Mulhouse, VL Col- 
mar, Kug. Harth. [Auf dem innei*en Titelblatte 1890, «ui 
dorn «usseren 181)1. — Vergl. Hibliogr. f. lÄHl, Nr. 111], 4*. 
Vlll, 759 S. 

Kec: lUY N. S. XXXli, S. IV^^JV-OTk). (Rleuss]). 

KU». Mihistn\ Mttnsterthal. Kin Ftthivr für Touristen, heraus* 
gegeben von der Section Münster des Vogesen-Clubs, ([A. n. 
d. T.:] StuMf/üge u. Pastorte im Ueichslande und den an- 
grenzenden (lebieten. Heft V.) [J. Spieser, Einiges über 
die Münsterth«ler Mundart, 8, 7—112). Strassburg, Heita A 
^lündel. M S. m, Abb. u. Karten. 

h)7. — Stehle, Hruno. Münster im (iregorienthal. (Globus, LIX, 
S. lHM— 2(UJ). 

UJa J/Mr/wi<7i. Seebass, 0. Über die Statuta Murbaeensia, (ZKG, 

Vergl. Nr. 481. »V)! 
KU). yiedtrbro9if$, Piedert, Ph. IJad Niederbronn im Klsass. 
(Deutsehe Medizinal-Zeitung. XIL 8. 711—713, 728—725). 

170. — Niederbronn et ses envinms. , . , s.: |Sail^, F. X.], Nr. 178. 

171. — Niederbronn und seine Umgebungen. . . . s,: [Saile, F, X.), 

Nr. 172. 

172. — ISaile, F. X.J Niederbronn und seine Umgebungen, Nener 

itihiTr veröflfentlieJit von dem Verein der (lasthofbositior 
und Wohnungsvermiether in lUid Niederbronn. Oolmar« 
Buehdr. F. X. Saile. 40, Vlll 8., Abb, u, 1 Karte, 



Elsässische Gescbichtslitteratur des Jahres 1891. 171 

73. Niederbrann. [Sail6, F. X.] Niederbronn et ses environs. Nou- 
vean gnide publik par „La Society des Hoteliers et Logears 
des Bains de Niederbronn". Colmar, typ. Saile. 37, Vlll S. 
m. 1 Taf. & 1 Karte. 
'XldSL.Oherbronn. s.: Nr. 405. 

174. Oberehnheim. Hertzog, A.[ugust]. Oberehnheim. (AaunT. 

Nr. 7, S. 1—4; Nr. 8, S. 1-^). 

175. Oberseebach, [Stern, Eug.]. Aus der Leidenszeit der evangeli- 

schen Kirche des Elsass. [Oberseebach im 17. Jh.]. (ElsEv- 
SonntBl. S. 726—729). 

176. Odüienberg. Näher. Panorama vom Odilienberg im Elsass. 

2. Auflage. [AutographirtJ. Strassburg, Heitz & Mündel, 
qu. Folio. 

Vergl. Nr. 317. 

177. JPfaffenhofen, s.: Nr. 114. 

178. PfcUzbtirg. s.: Nr. 483. 

179. Pßrt L. du Sundgaw. Ferrette. (Passe-Temps. II, S. 164— 

168, 177—181, 195—197, 210-212). 

180. Bappoltsweüer, Liblin, J. IjC chäteau de Ribauville en 1793. 

(Suite). (RAlsace. S. 65—78). [Vergl. Bibliogr. f. 1890, Nr. 120]. 
Vergl. Nr. 72. 488. 490. 494. 502. 

181. Beichenstein. Ensfelder, E. Reichenstein oder das alte 

Schloss bei Reichenweier. (JbGElsLothr. S. 101—105). 

182. Meichenweier. s.: Nr. 181. 416. 

183. Beinhardsmünster. Kuntz. Urkunde betr. die Gründung des 

Dorfes Reinhardsmünster (1616). — Urkunde vom 13. ApriL 
1793, betr. das Pfarrhaus von Reinhardsmünster. (EcclArgAB. 
S. 81—86). 

184. Schlätstadt. Gebwiler, Hieronymus. 1530. Schlettstadter 

Chronik des Schulmeisters Hieronymus Gebwiler, herausge- 
geben von J. Geny. Schlettstadt, Druckerei H. Marchai & Co. 
1890. 35 S. [Wurde 1892 ausgegeben.] 

185. — Geny, Jos. Aus dem Schlettstadter Bttrgerleben des 16. Jahr- 

hunderts. (ZGORh. S. 283 -295). 

186. Setz, Kuntze, J. E. Die deutschen Stadtgründungen oder 

Römerstädte und deutsche Städte im Mittelalter. Leipzig, 
Breitkopf u. Härtel. VIU, 79 S. [S. 5 ff. Selz, vergl. [A.] Schulte 
ZGORh. S. 329-331]. 
Vergl. Nr. 552 f. 

187. Sesenheim, Hildebrand, Rudolf. Sesenheim nicht Sossen- 

heim. (Zeitschrift f. den deutschen Unterricht. IV, S. 237 
bis 239). 
l^flSk, Steinhach, s.: Nr. 385. 

188. Strassburg. Aus Strassburg's Vergangenheit. [„Der Fuchs den 

Enten predigt".] (ElsLothrSamstBl. S. 287). 

189. — Becker, Wilhelm. Über die Teilnahme der Städte an den 

Reichsversammlungen unter Friedrich III., 1440—1493. Inaug.- 



]72 Marckwald. 

Dissertation . . . |Hotr. an violon Stollen Strassbarg]. Bonn, 
Huohdr. (\ (Jeorgi. 111, 115 S. 

HKK S(nissbnrtf. Uoigol, H. Entwickelunffsgoschichto der öffentlichen 
HoIeuchtunK Strassburgs aktongomass dargostellt. Strtssborfi?, 
!loit7. tt Mündel. V, 8() S. u. 5 Tafeln. 

101. — Uonoit, A.lrtb.l. Lettre de ,1. (J. Ke.vs.Mor sur la ville de 
StrasbourK. ITL^K (UAlsace. S. ,7)2-- 515). 

192. „Draeben**, Der, zu Strassburj?. (Vom Jura xum Schwarx- 
wald. VII, (185K)), S. 2;W) f.). 

15):i. KntinK, .lulius. HesobreibunK der Stadt Strassburg und 
des Münsters. Mit Vlan, Vanorania, Karte und 40 llolz- 
sebnitten, gezeiobnet von llenn. Nestel, Julius Kuting u. a. 
[(iescbiebte der Stailt Stn\ssburg. Von Julius Kuting und 
K. von Horries, S. 1 ai.| 7. verbesserte und vermehrte Auf- 
lage. Stnissburg, Karl J. Trübner VIII, IHJ S. und Annoncen. 

UM. — Forrer, H. Deutsche Pfahlbauten im XV. Jalirhundcrt [in 
Strassburgl. (Antiqua. IX, S. 51 f.). 

livja. Freund, 11. NV. Die Kutwiekelnng der deutschen (loburts- 
bilfe aus der Ucbainmcnkunst. |Hetr. auch besonders Strass- 
burg.! (Klinisches Jahrbuch. 111, S. a2-8l». 

rj5. — Fritz, Johannes. Ist die l-rkunde Lotbars I. von 845 
für St. Stephan in Strassburg eine FülscbungV (ZliORh. 

S. OiyiV ()7.|). 

IW. -- Ucrtzog, Aug. Das mittelalterliche licwerbewesen. Stras8- 
buig und die Zünfte am Kingange des XIV. Jahrhundorts, 
(KlsLothrSamstin. S. 88-92, 5iW— 572). 

197. - Uollaendcr, JA). Kin Schreiben des Konnetabel von Mont- 

morcncy an die Stadt Stnissburg. (/(IDllb. S. 18l>— 182). 

198. — ILtorning], W.lilhelml. Zwei SUUucn am Stnvssburger Mün- 

ster. (MonatsbldirAKonf. S. 21 f.). 

199. - — Verschicilencs [aus dem alten Strassburg), (MonatsblChr- 

AKonf. S. r>8~(U)). 

21)0. — — Das Stift von Jung-Sankt-Peter in Strassburg. Urkund- 
liche Ileitnige zur (icscbicbte desselben aus sechs Jalirhun- 
derten (12(X)-17(K)). Stntssburg, Selbstverlag (Jung St. Peter- 
idatz 5.) Xll, Kl S. 

2()L • Kallsen, Otto. Die deutschen Stiidte im Mittelalter, l.: 
(iründung und Kntwickelung der deutschen StÄdte im Mittel- 
alter. [Strassburg, S. 2(J :V2 u. s. \v.| Halle a. S., Buehh. d. 
\Vaisenbauses. X. 710 S. 

202. ■ Kannengiesser, Paul. Der Ueichstag zu Wonns vom 
Jahre 1M5. Kin Heitnig zur Vorgeschichte des Schmalkal- 
dischen Krieges. IBetr. an vielen Stellen Stnissburg]. Strass- 
burg, Ileitz A Mündel. V, 1212 S. 

20H. — Klemm, Alfred. Zur (leschichte der Steinmetzzeiehon im 
allgemeinen und über die Heilbronner insbesondoro. [Betr. 
auch diu Strassburger Dauhütte.] (Uistor. Ver. zu Ileilbronn. 
IV. Heft, S. 1-44, tu f. u. Taf. I-XV). 



Elsässiscbe Gescbichtslitteratur des Jahres 1891. 17^ 

204. Strassburg. Liblin, J. Ancien n^crologe de T^glise de Stras- 

bourg 1890. [Vergl. Bibliogr. f. 1890, Nr. 145]. 

Rec: ZGORh. S. 326 (A. Schulte). 

205. — Meyer, Christian. Deutsche Handwerkerverbände und 

deutsches Gewerbeleben im frühen Mittelalter. Mit beson- 
derer Berücksichtigung schwäbisch-alemannischer Verhältnisse. 
[S. 182 ff. Strassburg]. (Vierteljahrschrift f. Volkswirtsch., Pol. 
u. Kulturgesch. CXI, S. 166—202). 

206. — P. Freilegung des Münsters in Strassburg. (Kunstchronik 

N. F. n, S. 346 f.). 

207. — Redslob, J. Pfarrer Martin Gross [1651] und die Anfönge 

der gegenwärtigen Organisation der protestantischen Kirche 
Strassburgs. (ElsEvSonntBl. S. 247—251). 

208. — Reuss, Rod. Le Gymnase Protestant de Strasbourg pcndant 

la Revolution. (Suite et fin). (PrRel. S. 2—5 ff.). 

209. Histoire du Gymnase Protestant de Strasbourg pendant 

la Revolution (1789—1804), d'apres des documents in^dits. 
Paris, libr. Fischbacher. VII, 264 S. 

Rec: RCr. N. S. XXXII, S. 316 f. (A. Chuquet). 

210. L'figlise de Strasbourg au dix-huitieme siöcle. (Notes ex- 

traites des proc^s-verbaux du Convent Ecclesiastique.) (Pr- 
Rel. S. 297— 300 ff.). 

211. — R.[ichert], Ph.[ilipp]. Organisten und Kapellmeister am 

Münster zu Strassburg. (Caecilia. VIII, ?. 66 f.). 

212. — S., Ad. Ansichten des alten Strassburg . . . s.: S.[eyboth], 

Ad.[olf], Nr. 217. 
*213.— Schi ekele. Le vieux Strasbourg .... Strasbourg & Paris 
1890. [Vergl. Bibliogr. für 1890, Nr. 154]. 
Rec: AnnEst. S. 286 (C. P.[fister]). 

214. — Schneider, J. Zur Strassburger Revolutionskunde. [Betr. 

das Werk von Reuss, Histoire du Gymnase Protestant de 
Strasbourg pendant la Revolution.] (EvProtKirchenboteEls- 
Lothr. S. 307—309, 317—319, 324 f.). 

215. — Schricker, A. Das napoleonische Wappen von Strassburg. 

(JbGElsLothr. S. 106—108). 

216. Die Perle der Reichslande. [Strassburg, mit Abbildungen.] 

(Vom Fels zum Meer 1890/91. S. 505—514). 

217. — S.[eyboth], Ad.[olf]. Ansichten des alten Strassburg. Fünf- 
zig Tafeln mit erklärendem Text. Strassburg, Heitz & Mün- 
del. Folio. 12 S. Text. 

218. Souvenirs du vieux Strasbourg. 50 planches avec texte 

explicatif. Strasbourg, Heitz & Mündel. Folio. 12 S. Text. 

219. — SouvenirsduvieuxStrasbourg...s.: S.[eyboth], Ad.[olphe],. 

Nr. 218. 

220. — Straub, A. Geschichtskalender des Hochstiftes und des 

Münsters von Strassburg. (RCathAlsace. S. 25—42, 27—114, 
139—160, 208—232, 279—298, 349—373, 385—407, 486-606, 
549—569, 589--612, 654—677). [Erschien auch als Sonder- 



174 Marckwald. 

abdruck: a) in 12 einzolneu Heften; b) als Duch (Verfasser 
nicht aufdeni Titelblatt, sondern unter dem Vorwort genannt): 
llixheim, Huchdr. Sutter. 28(5 8.]. 

Vergl. Nr. 48. (VI. 79. W. m, 310. 337. 39()f. 898, 408. 427. 
4a()f. 443. 447. 471. 477. 491 f. mi 505. T^l. ^48. 552f. 

221. Surhioif, Dantzer. Stift Sttrburg. | ProeiVverbal de visite, 1786]. 

(EcclArtfAH. S. (a--(>8, 71—7(5, 81V-99). 

222. 77«i«w. — tt. Auftindung von Wandmalereien in Thann. (Kunst- 

chronik. N. RH, S.459). 
22:5. }V(9t(ueihf\ Hans, [Kug.]. Wattweiler StattOrdnung, — XV. 

Jahrhundert. (KoelArKAH. S. :W)— ;J7). 
22i)a.HVww<7*^/(r</. s. : Nr. .^)r)2. 

224. Wvsserthttf, Uobiohon, F. A. Wesserling, (Passe-Tomps. ü, 

• S. 2*>l— 297). 

225. Wetfohheifti, Sitzmann, Kdouard. Lo chAteau de Martins- 

bourg i^ Wettolsheim. (lU^ithAlsace. S. 201—207, 299—310). 
22(K ^VU(^eliüUhl. K., A. Wildenstein. (AaunT. Nr. 6, S. 1— i). 

227. -- Kobiehon, V. A. Le chAteau de Wildenstein. (Histoire et 

legende). (Passe-Temps. 1, S. 2(K>— 2(i2). 

228. /abnn, Adam, A. Schulordnung zu Zabern. [XVl. Jahrhan* 

dert). — Schulvisitation zu Zabern . . . 170(). — Kinderlehr- 

ordnung zu Zabern [XYlll. Jahrhundert). (KoolArgAli S.lD-aO). 
22*.). Eine Stiftung von 12v^'>. (lletr. den Unterhalt einer Lam})e 

in der Zaberner Pfarrkirohe). (KeolArgAH. S, 47 — 49). 
2;10. — - Ein Kireheninventarium aus dem XVl. Jahrhundert. 

(Pfarrkirche von Zabern). (EcclArgAH. S. 49— r>2), 

231. - ("hutrian, ,1. U. Siiverne et ses environs. (Passe-Temi>s. II, 

S. 32l>— :^28. 5U5— 518, f>49— 551). 

232. — Fuchs, Albert. Zabern und Fnigebung, mit ]U>raeJcsicb- 

tigung von Wangenburg und Dagsburg. Unter Mitwirkang 
von mchivren Vogesenfreundcn. Mit zahlreichen Illustrationen 
und Original-Zeichnungen von E. Andiguier und A. Loissner, 
nebst Umgebungskarte. (| A. u. d, T. :| Stiidtebilder und Land- 
schaften aus aller Welt. Nr. 121, 122. [Auf dem Umschlage : 
Nr. 120-120a.]). Zabern: 11. Fuchs; Zarich: J. I^iurencic. 
77 S. 

2iW. — Lnthmer, Hans. Z^ibern i^ Umgebung. Ein Führer ftr 
FriMude und Einheimische. (|A. u. d. T.:l Stn>ifzüge u. Itast- 
orte im Reichslande und den angrenzenden (Gebieten. (>. Heft). 
Mit 14 Illustr. u. 1 Uebersicht^karte. Strassburg, lleit* ä 
Mündel. »V7 S. 
Vgl. Nr. 412. 

2^54. /imtmrhavh, Levy, Jos. Die Kreuzkapelle bei Zimmerbacli im 
Münsterthal. (ElsLothrSamstlU. S, 3lK)f.). 

235. - -- Die alte Sankt-Gcorgiuskirche in Zimmerbach. (ElsliOthr- 
SamstlU. S. 493 f.). 



Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 175 

VIII. Biographische Schriften. 

a. Allgemeine. 

:236. Ristelhnber, P. Strasbourg et Bologne. K6cherches biogra- 
phiques et litteraires sur les etudiants alsaciens immatricul^s 
ä rUniversite de Bologne de 1289 ä 1562. Paris, Leroux. 
IV, 153 S. 

-237. [Waldner, Eugen]. Colmarer Biographien. Johann Balthasar 
Schneider, Daniel Birr, Johann Heinrich Mogg. Auszüge aus 
Leichenpredigten des 17. Jahrhunderts. [Herausgegeben von 
Eugen Waldner.] Colmar, J. B. Jung & Cie. 26 S. 

b. üeber einzelne Personen. 

^38. Beatm Bhenamis. Erichson, A. Ein neues Dokument über 
Beatus Rhenanus. (ZKG. S. 211 f.). 

239. — Kan, J. B. Erasmiana. (Erasmiani Gymnasii Programma 

litterarium.) [Betr. u. A. auch Beatus Rhenanus.] Rotero- 
dami, apud W. Wenk. 4°. 32 S. 
23^. Bernegger. s.: Nr. 469. 

240. Blessig, Frölich, A. D. Johann Lorenz Blessig. (EvProt- 

KirchenboteElsLothr. S. 65—67, 74—76, 82 f., 100—102, 108 
bis 110, 114—116, 125—127). 

241. Johann Jjorentz Blessig. Ein Vorkämpfer des religiösen 

Liberalismus im Elsass, am Ende des vorigen und zu Anfang 
des jetzigen Jahrhunderts. Strassburg, Druck v. Heitz & Mün- 
del. 51 S. 

242. — Reuss, Rod. Jean -Laurent Blessig. Conference de M. le 

pasteur Froelich. (PrRel. S. 75—78). 
2/^a^. Boecklin von BoecklinsaUy Wilhelm, s.: Nr. 551. 

243. Bolhceiler. s.: Nr. 295. 

244. Bucer. Altherr, A. Martin Butzer zu Ehren! (Schweizer. 

Protestantenbl. XIV, S. 338-341). 

245. — B., F. Zur 400jährigen Geburtstagsfeier Martin Butzers. 

(Deutsches Protestantenblatt. XXIV, S. 354 f.). 

246. — Martin Butzer, 1491 — 1891. (Süddeutsches evang. -prot. 

Wochenbl. XXXII, S. 199 f.). 

247. — Martin Butzer, der Reformator Strassburgs. Zum vierhundert- 

jährigen Jubiläum seiner Geburt. (Allg. Ev.-Luth. Kirchen- 
zeitung. XXIV, S. 1121—1124). 

248. — Butzer- Jubiläum. (Prot. Kirchenzeitung f. d. evang. 

Deutschland. S. 1045 f.). 

249. — Conrad, Karl. Martin Butzer, ein Reformator Strassburgs. 

Zu dessen vierhundertstem Geburtstage dem protestantischen 
Volke in Elsass-Lothringen erzählt. ([A. u. d. T.:] Schriften 
des protestantischen liberalen Vereins in Elsass-Lothringen. 
XXXV.) Strassburg, Druck v. Heitz & Mündel. 50 S. u. Portr. 

250. — Erichson, Alfred. Martin Butzer, der elsässische Refor- 



]76 Marokwald. 

niator. /u ilossen 4(X)jflliriKer Cicburt^foier den olsässischcn 
Protestanton gewidmet, l.— 8. Auflage. Strassbnrg« Heit« 
A Mündel. VI, 7(5 S. [8. Aufl.: 77 S.] u. Portr. 

251. Jhtcer, Kriehson, Alfred. Ueber den bandschriftlichcn Nach- 
lass und die gedruekten Ilriefo Hutzer's. . , . s.: Zur 4(K)jtthri- 
gen Oeburtsfeier Martin Hutzer*s. Nr. 281. 

2r)2. — Krinnerungsblatt an die 4(X)jflbrige (leburtsfeier Martin 
Hutzers, des elsÄssischen Refonnators. 1491 — 1551, [Ist 
Neudruck von: Abcontrafactur | Porträt) des Elir^'ardigen 
. . . Herren Martin Hutzer . . . («edruekt zu Strassburg, Anno 
\mi\ Strassburg, VaI Hubert. Folio, 1 Hlatt. 

25:J, ~ Festnunimer |des KYProtKircbenboteKlsl.othr.] zum 400jfih- 
rigen (leburtsjubilitum Martin Hutzer\s. (EvProtKin*henbote- 
KlsLotbr. 8. :M5— :V)2). 

254. — [Forrer, U.| Kin I\>rtrait tles Heformatoren Hutzor. (Anti- 

qutäten-Zeitschr. lll, S. 774 f.). 

255. — Tl., Tb. Martin Butzer, . . . s.: iJ.lorold], Th.» Nr. 300. 
25t>. — 0.|amniert], F. J. Martin Hutzer und die alto böhmische 

Hrüderkirebe. (KlsFvSonntHl. S, 724—72«). 

257. - Oeburtsfeier, Dio 4(X) jährige, Martin Hutzer's, (EvProt- 

KirohenboteFlsKotbr. S. 814, 822, 88(). 888, 3Mf., 371 f.). 

258. — (lelzer, K. Martin Hutzer. (Kirebenbl. f. d. ref. Sehweix. 

VI, S. 1K^)-187). 

259. — O.lcrold], Tb. Martin Hutzer. Le reformateur de PAlsaee« 

CPrllel. S. ;i45-:U)(». 
2(i(). Mmtin Hutzer, le reformateur de TAlsaco i>ar Th. G. A 

rfteolo du Dinuinche de Saint Nicolas, sonvenir du l»«" no- 

vembre 18J)l, Strasbourg, lleitz & Mündel. 18 S. u, Portr. 
261. Martin Hutzer. Ansprache gehalten in der Sitzung des 

Evang.-protestantischcn Vereins . . . (EvProtKirehenboteEls- 

Lothr. S, 370 f.). 
262. — lI.[orning|, W.lilhelm). Dio Hutzor-Foicr in Elsas8-I«o- 

thringen. (Aus der „Neuen evang.-luth. Kirchonzeitung**, 

1891, s. 687-690.\ (MonatsbK^hrAKonf. S. 174-178). 
263. Ein Leben im Dienst der Kirche und Gomoindo. Der 

Strassburger Reformator Martin Hutzer. (Mit besonderer 

Hertlcksichtigung seines Sakramentsstroitos.) (Evang.-luther. 

(fcmeindediakonio. 1891. Nr. 3, S. 4-8; Nr. 4, S. 9 f.; 

Nr. 5. S. 15 f.; Nr. 6, 8. 18-20; Nr. 7, 8. 22-24; Nr. 8 u, 

9, S. 26 f.). 
264. Zum 4(X^jährigen Geburt^^ubiläum von Martin Butzer, dem 

lloformator Strassburgs. Der Jugend gewidmet. Strassburg, 

Vomhoflf. 36 S. 
265. Das 400jährigo (loburUgubiläum von Martin Ihitzcr, dem 

Reformator Strassburgs. (MonatsbRlhrAKonf. 8. 160-162). 
266. — Horst, L. Martin Bucor. (lia Vio chrötienne. YIII, 

8. 1-16). 
267. — Kannengiosser, Paul. Zum Gedenktage des elsässische» 



£]8ft8S]8cbe Gescbichtslitteratur des Jahres 1891. 177 

Beformators Martin Butzer. Strassborg, Heitz & Mündel. 
15 S. u. Portr. 

268. Bucer. Kr. Martin Butzer's, des elsässischen Reformators, 400- 

jährige Geburtstagsfeier. (Reform. Wocbenbl. XXXVI, S. 366 
bis 369). 

269. — Lenz, Max. Briefwechsel Landgraf Philipp's des Gross- 

müthigen von Hessen mit Bucer. Herausgegeben und er- 
läutert von Max Lenz. HI. Theü. ([A. u. d. T. :] Publi- 
cationen aus den K. Preussischen Staatsarchiven. 47. Band.) 
Leipzig, S. Hirzel. IV, 638 S. 

270. — Mentz, F. Bibliographische Zusammenstellung der ge- 

druckten Schriften Butzer's. . . . s.: Zur 400jährigen Ge- 
burtsfeier Martin Butzer's. Nr. 281. 

271. — Paulus, N. Martin Butzer und die Gewissensfreiheit. (Kath. 

3. F. IV, S. 44—71). 
272. Die Judenfrage und die hessischen Prediger in der Refor- 
mationszeit. [Betr. ein Gutachten Bucers]. (Kath. 3. F. HI, 
8. 317-324). 

273. — Reuss, Rudolf. Zum Gedächtnisse Martin Butzers, des 

Strassborger Reformators. Rede. Strassburg, Heitz & MündeL 
30 S. u. Porträt. 

274. — Souvenir du quatri^me centenaire de la naissance du r^- 

formateur alsacien Martin Bucer, n6 ä Schlestadt le 11 no- 
vembre 1491. [Abdruck der „Abcontrafactur" mit französischem 
Text.] Strasbourg, imp. Hubert. Folio, 1 Blatt. 

275. — [Stern, Eug.] Martin Butzer. Ein Lebensbild aus der Ge- 

schichte der Strassburger Reformation. Gedächtnissblätter 
zur vierhundertjährigen Jubelfeier seines Geburtstages. (Els- 
EvSonntBl. S. 453 ff.). [Auch als Buch unter gleichem Titel 
erschienen. Strassburg, Strassb. Druck, u. Verl. HI, 87 S. 
mit Porträt.] 
276. Martin Butzer und der evangelische Bund. Predigt ge- 
halten bei der Butzerfeier des Ev. B. in Strassburg. (Evang. 
Bundesbote, Nr. 9, S. 93—100. [Vergl. auch die ümschlag- 
seiten dieses Heftes.]). 

277. — Urt heile über Martin Butzer. (EvProtKirchenboteElsLothr. 

8. 356). 

278. — W.[ei8s], N. Martin Bucer. Le quatrifeme centenaire de 

sa naissance. (BHLPFr. S. 614—616, 672). 

279. — Winckelmann, Otto. Martin Bucer. (AZg». Nr. 332 (Beil.- 

Nr. 280), S. 1-4). 

280. — Zum 400jährigen Geburtsjubliäum von Martin Butzer, . 

s.: [Horning, Wilhelm], Nr. 264. 

281. — Zur 400jährigen Geburtsfeier Martin Butzer*s. -^ Martin 

Butzers an ein christlich Rath vnd Gemeyn der stat Weissen- 
burg Summary seiner Predig daselbst gethon. (Neudruck 
[durch A. Erichson].) — Bibliographische Zusammenstellung 
der gedruckten Schriften Butzer's von F. Mentz. — üeber 

Zvitachr. f. Gesch. d. Oberrb. N. F. VIII. I. 12 



178 Marckwald. 

den handschriftlichen Nachlass und die gedrnckten Briefe 
Butzer's. Verzeichnis der Litterator fiher Batzer. von [!] 
A. Erichson. Strassborg, Heitz & Mflndel. VI, 183 S. n. 
Porträt. 

Vergl. Nr. 390. 

282. Caron. s.: Nr. 117. 

283. Falekenhain, Brnnel, Louis. £tude historiqne snr Matthiea 

de Merle, baron de Lagorge et de Salavas et sa fomille. 
Th^ pr4. k la Fac. de th6ol. prot. de Paris . . . [Betr. o. A. 
Caroline baronne le Fort, n^ baronne de Falckenhain, 
8. 77 fr.] Privas, imp. J.— J. Roox. 95 S. 

284. Fischart, Schenk zu Schweinsberg, Gustav Freiherr. 

Die Herkunft Fischart's (Zeitschr. f. deutsches Alterthum. 
N. F. XXm, 8. 255 f.). 
Vergl. Nr. 436. 

285. GdUus. Hartfelder, Karl. Zur Gelehrtengeschichte Heidel- 

bergs am Ende des Mittelalters. [Betr. u. A. : Jodocus Gallus 
aus RufiEiach; Otmar Nachtgall, genannt Luscinius; Johannes 
Herbst.] (ZGORh. 8. 141-171). 

286. Grandidier. D.[elsor], N. R^cr^tions po^tiques inMites de 

Grandidier. (RCathAlsace. S. 120 f.). 
Vergl. Nr. 48. 

287. Gross, Martin, s.: Nr. 207. 

288. Hagenbach, s.: Nr. 85. 

289. Herbst, Johannes, s.: Nr. 285. 

290. Hermerdinger. Kahn,L6on. L'avocat isra^lite Michel Hermer^ 

dinger, n6 ä Colmar 1809. (Annuaire des Arch. isra^L pour 
rann^ 5651 [1890]). 

2dl. Hirte. [Westenhoeffer, J.] Daniel Hirtz. (ElsLothrSamstBl. 
8. 120-124). 

292. Hoffmeister. Paulus, N. Der Golmarer Augustinerprior Jo- 
hannes Hoffmeister als Prediger. (EcclArg. S. 31—34, 61—63, 
107—114, 134r-137, 165—169). 

293. Der Augustinermönch Johannes Hoffmeister. Ein Lebens- 
bild aus der Reformationszeit. Freiburg i. B., Herder. XX, 
444 8. 

Rec. : RCathAlsace. S. 755-757 (A. W.). — EcclArg. S. 260f. 
(J. G6ny). — Kath. 3. F. IV, S. 562—565 (Heinrich Weber). 

294. — Waldner, Eugen. Vier Briefe von Johannes Hoffimeister. 

(ZGORh. 8. 172—177). 

295. Hotman. Hauser, H. Antoine de Bourbon et TAllemagne. 

1560—1561. [Betr. auch „Fran^ois Hotman de Strasbourg^ 
und „le Baron de Polviller [= Bollweiler], seigneur de Ha- 
guenau"]. (Revue histor. XLV, S. 54—61). 

296. Hugot. Briele, L. Louis Philippe Hugot. biblioth^caire-archi- 

viste de la ville de Colmar, 1837—1864. (RAlsace. 8. 289-312). 

297. — Mossmann, X. Lettre k M. J. Liblin en r^ponse ä un ar- 

ticle de la demidre „Revue d'Alsace". [Betr. den Artikel von 



Elsässische Geschichtslitterator des Jahres 1891. 179 

Brille aber Hugot in der „Revne d'Alsace".] Golmar, impr. 

Jung & Cie. 8 S. Vergl. Nr. 296. 
:298. Katharina. Pfülf. Katharina von Gebweiler. (Wetzern Weite. 

8. 341). 
.299. Kempf, Paulas, N. Der Karthäuser Nicolans [Eempf] von 

Strassborg und seine Schrift „de recto studionim fine ac or- 

dine". (Kath. 3. F. IV, S. 346—364). 
m>. Kleber, Aubigne, d'. Vie de Kleber. 4» Edition. (Bibliothöque 

des ecoles et des familles). Paris, Hachette et Cie. 176 S. 

301. j&TJee. H.[orning], W.[ilhelm]. Aus dem Leben des Ruprechts- 

auer Pfarrers Caspar Klee. (Anfang des 17. Jahrhunderts). 
Von ihm selbst erzählt. (MonatsblChrAKonf. 8.84—87, 115—119). 

302. Lasius. Schrödl. Christoph Lasius [geb. zu Strassburg]. (We- 

tzeruWelte. S. 1441 f.). 
•303. 2^eo iZ. Bröcking, Wilhelm. Die französische Politik Papst 
Leos IX. Ein Beitrag zur Geschichte des Papsttums im IL 
Jahrhundert. Stuttgart, Göschen. V, 206 S. 

304. — Feiten, J. Leo IX. (WetzeruWelte. S. 1787—1795). 

Vergl. Nr. 132. 376. 

305. Liehermann, Guerber, [Joseph]. Bruno Franz Leopold Lie- 

bermann. (WetzeruWelte. S. 2005—2009). 
305a. Xtpman, Jörn Tob, s.: Nr. 411. 

306. Manegold. s.: Nr. 82. 

:307. Moscherosch, Martin, Ernst. Johann Michael Moscherosch. 

Vortrag, gehalten zu Finstingen, den 17. Juni 1891. (JbGes- 

LothrG. S. 1—16). 
508. — Pariser, Ludwig. Beiträge zu einer Biographie von Hans 

Michael Moscherosch. Inaug.-Dissertation . . . München, Bruck- 

mannsche Buchdr. IV, 51 S. 
309. Murner, Kawerau, Waldemar. Thomas Murner und die 

Kirche des Mittelalters. ([A. u. d. T. :] Schriften des Vereins 

für Reformationsgeschichte Nr. 30). Halle, Niemeyer 1890. 

IV, 103 S. 

Rec: ThLZ. S. 45 (G. Bossert). — ThLBl. XH, S. 426-428 

(R. Seeberg). 
•310. Thomas Mumer und die deutsche Reformation. ([A.u.d. T.:] 

Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte Nr. 32). 

Halle, Niemeyer. V, 109 S. 
511. — Stirius, Franz. Die Sprache Thomas Mumers. I. Theil. 

Lautlehre. Inaug.-Dissertation . . . Halle a. S. [Augsburg, 

Buchdr. Gebr. Reichel], 41 S. 
■312. — Winckelmann, Otto. Neue Beiträge zur Lebensgeschichte 

Thomas Mumers. (ZGORh. S. 119-131). 
dld. Mury, Delsor, N. M. le chanoine Pantaleon Mury. (RCath- 

Alsace. S. 513—515). 
314. — Joder, J. Chr. t Herr Pantaleo Mury. (EcclArg. S. 175 f.). 
515. Nacht galt, s.: Nr. 285. 

12* 



180 Marckwald. 

3l(>. Ified, Nied, Emil. Lebenslauf von Pfarrer Emil Nied, 1830 

bis 1890 (von ihm selbst verfasst). Strassburg, Vomhoff 18U0. 

48 S. mit Portr. [1891 ausgegeben], 
an. Odüia, Arnsburg, Friodlieb von der. Bilder aus dem 

Leben der heiligen Odilia. (Elsfissor HausschatK. I, S. llVi 

bis 199). 

Vergl. Nr. 87. 

:iia Pappus. Horning, Wilhelm. Dr. Johann Pappus von Lindau. 
1M9*1610, Münstorprediger, Universitäts-Professor und Prä- 
sident dos Kirchenkonvents zu Strassburg, ans unbenütilen [!] 
Urkunden und Manuskripten. (Mit dem Brustbild)» Strass- 
burg, Druck v. Ileitz A Mündel VII, 324 S. 
liec: LCBl. S. 1482 f. {ßg.l 

'MM Peter, Hürbin, Joseph. Der „LibeUus de Cosarea monarchia*' 
von Hermann Peter aus Andlau. (Zeitschr. d. Savigny-Stif- 
tung f. Rechtsgeioh. (iorman. Abth. XIL S. d4— 108). 

320. Pfeffei Rathgeber, Julius, /^ölf ungedruckte Briefe von 

Pfeffel. iJbUElsLothr. S. 128-140). 
a21. rolvUler. s. : Nr. 'Mu 
;122. lie^*Sif, Erichson, [A.]. Professor 1). Eduard Reuss. (EvProt- 

KirchonboteElsI^othr. S. 122 f.). 
.^23. — «.[croldj, Th. Edouanl Reuss. (PrRel. S. 129f., 385— 3H8, 

394-39(5, 401-404, 40i)-411, 418-424). 
324. Ed. Reuss. 1804—1891, mit Portrait. („Vogesengrün** [filr| 

1892, S. 145-liH). 

325. — [Uansl. Eduard Reuss. Geb. la Juli 1804, gest. 16. April 

1891. (AZgB. Nr. 111 (Beil-Nr. 93) S. 1 f.). 
.H26. — Lobstein, P. Zur Erinnerung an Professor Dr. Ed. Revss. 

Rede. Strassburg, Schmidt. 12 S. 
327. ~ [Stern, Eug.]. Eduani Reuss, (ElsEvSonntBl S. 200-263). 
32a — Weiss, N. M. lo professour Edouard Reuss. (BHLPFr. 

S. 391 f.). 

329 — Zur Erinnerung an Dr. Eduanl Reuss, Professor der Theologie 
an der Universität zu Strassbnrg. Reden, gehalten bei seinem 
Begräbnisse, den 17. April 1891. Strassburg, Druck von HeiU 
u. MQndel. 41 S. 

i\m. Jiohan. s.: Nr. 9i>. 

:{3l. üoiU. Reuss, R.ludolf]. Die wöchentliche Thätigkeit eines el- 
sässischen Pfarrers vor 90 Jahren. Von ihm selbst [R0II6 in 
PreuschdorfJ in Versen geschildert (EvProtKirchenbotoEls- 
I^thr. S. 809 f.). 

i^\2. HumfUtr. (i.[yss|, J. Unefl6trissure nonmcrit^. (RCathAlsace. 
S. 544—548). 

333. Sabiuc, Sohur<!i, I<idouard. Sabine la sculptrice. (L*Amai*anthe« 

Revue Utt^raire I, 8. 1Ö9 ff.). 

334. Schmieref\ Roethe. Joseph Schmierer. [Meistersinger und 

Schreiner tu StrassburgJ. (ADB. XXXII, S. 33). 



Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. igi 

335. Schneegans. Wiegand, W. Ludwig Schneegans. (ADB. XXXII, 

S. 90-92). 

336. Schneider^ Eidogitis, Nodier, Ch. Euloge Schneider. (In: R. 

Mollweide. Auteurs fran^ais. Sammlung d. besten Werke d. 
französ. ünterhaltungslitteratur III, S. 101—122). 

337. — Rathgeber, Julius. Strassburger Revolutionserinnerungen. 

Eulogius Schneider. Grossentheils nach ungedruckten Quellen. 
Strassburg, E. Bornemann. 34 S. 

338. — Schneider, Eulogius. Id^es d'Euloge Schneider sur les 

juifis. (Communication de Julien See). (RAlsace. S. 131 — 136). 

339. — Wegele. Eulogius Schneider. (ADB. XXXn, S. 103—108). 

340. Schneller, Pfaff, F. Franz Julius Borgias Schneller. (ADB. 

XXXn, S. 165—167). 

341. Schneuber. Martin, [Ernst]. Job. Mathias Schneuber [Elsässi- 

scher Dichter, geb. 1614]. (ADB. XXXII, S. 172 f.). 

342. Schnitzlcr. Wiegand, W. Johann Heinrich Schnitzler [Sta- 

tistiker, geb. 1802]. (ADB. XXXn, S. 175 f.). 

343. Schoch. Oechelhäuser, Adolf von. Sebastian Götz, der Bild- 

hauer des Friedrichsbaues. [Betr. auch Johannes Schoch]. 
(Mitth. zur Gesch. d. Heidelberg. Schlosses U [1890], S. 165—274). 

344. Schöpflin, Wiegand, W. Johann Daniel Schöpflin. (ADB. 

XXXn, S. 359—368). 

345. Schott y Anna. Aus alten Büchern und Handschriften. [5. Frauen- 

bildung, S. 383 f.,* betr. Anna Schott aus Strassburg], (Kath. 
3. F. HI, S. 375—384). 

346. — Johannes, St ei ff. Johannes Schott. [Buchdrucker in Strass- 

burg, geb. 1477J. (ADB. XXXII, S. 402-404). 

347. — Martin. Steif f. Martin Schott. [Buchdrucker in Strass- 

burg, t 1499]. (ADB. XXXII, S. 405 f.). 
"348. Schräg. Landsberg, Ernst. Friedrich Schräg. [Jurist, um 

1700]. (ADB. XXXH, S. 440 f.). 
3^9. Schreckenberger. Bolte, J. Johannes Schreckenberger. [„Teut- 

scher Schul- & Rechenmeister" zu Weissenburg, 16. Jh.]. 

(ADB. XXXH, S. 467). 

350. Schiller. Martin, Ernst. Tbeophil Schuler. [Elsässischer Ma- 

ler, geb. 1821]. (ADB. XXXH. S. 680 f.). 

351. Schulmeister. Poten,B. Karl Ludwig Schulmeister. [Spion Na- 

poleons I.]. (ADB. XXXH, S. 688 f.). 

2!b2. Schür er y Lazarus. Knod, Gustav. Lazarus Schürer. [Schlett- 
stödter Buchdrucker, 16. Jh.]. (ADB. XXXIH, S. 83 f.). 

S63. — Matthias. Knod, Gustav. Matthias Schürer. [Strassburger 
Buchdrucker, 16. Jh.]. (ADB. XXXIH, S. 84-86). 

354. Schütz. Holstein, H. Hieremias Schütz. [Schulmeister zu 
Strassburg, Dramatiker, 16. Jh.]. (ADB. XXXIH, S. 126). 

.355. Schützenberger. Wiegand, W. Friedrich Schützenberger. [El- 
sässischer Jurist, geb. 1799, Bürgermeister von Strassburg]. 
(ADB. XXXHI, S. 147—149). 



132 Marckwald. 

366. Sohweighäi4^f% Friedrich, Pagel. Jacob Friedrich Schweig- 
Uäuser. [Arxt, gob. 17661. (ADB. XXXIII, S. 342). 

^7, — Johannes, Kaibel,G. Johannes Schweighäoser. [Philologe, 
geb. 1742], (ADB. XXXUl, S. 34.^-361). 

358. — Johann 6^o^//rie(f. Michaelis, Ad. Johann Gottfried Schweig- 

häuser. IPhilologe u. Archäologe, geb. 1776]. (AD& XXXIll, 
S. 351—357). 

359. SchwefuU, K.lindlcr) v.lon] K.[noblochl. lAzarus von Schwendi. 

(Allgem. MiliUlr-Zeitung. LXVl, S, 154 ff.). 
3()(). — Kluckhohn, A. Lazarus Freiherr von Schwendi. (ADB. 

XXXllI, S. 382-401). 
♦861.— Warnecko, Adolf. Leben und Wirken des Ijazarus von 

Schwendi . . . Ciöttingen 181K). [Vergl. Bibliogr. f. 189(\Nr. 2451, 
Reo.: MllL. S. 160-163 (Schmidt). 

362. Schwihjuv, Diener, J. Johann Baptist Schwilgue. [Mechanikor 

und Erneuerer tler astronomischen Uhr des Strassburger Mon- 
sters, gob. 1776.J (ADB. XXXllI, S. 447 f.). 

363. Settpei, lleiber, Ferd. Jean Adam Seupel, peintre-graveur straa- 

bourgeois (1662—1717). (Iä Curiosit^ universelle N^. 247. 
Paris, 19 ootobre 1891, S. 1 f.). 
;il>4. Sptmer, Lamoy, Ferdinand. Hermann von derllardt in sei- 
nen Briefen und seinen Beziehungen zum Braunschweigischen 
Hofe, zu Spener, Fnincke und dem Pietismus. ([A. u. d. T.:J 
Die Handschriften der Gn>ssherzoglich Badischon Hof- und 
liandesbibliothek in Karlsruhe. Beilage l.) Karlsruhe, Oroos. 
IV, 44 S, 

365. Straub, S. f Alexander Straub. (Zeitschr. f. ohristl, Kunst. 

IV, S. 321). 

366. Tauler, Zitvogel, M. Le faux et le vrai Jean Tauler de Stras- 

bourg. 2» Partie. (lU'athAlsace. 8. 1-11, 87-96, 374—378). 

367. Twintfer. Koth, F. W. E. Mittheilungen aus lateinischen Hand- 

schriften zu Darmstadt, Mainz, Coblenz und Frankfurt a. M. 
[llngedrucktes deutschlateinisches Glossar von Jacob T^inger 
in Darmstadt, 8. 429]. (llomanF. S. 421>— 461). 
MriBLVenmgU, s.: Nr. 39a 

368. Whnpfeling, Holstein, Hugo. Zur Biographie Jakob Wimpfe- 

lings. (ZVglLG. S. 227-252), 

369. Eine unbekannte Schrift AVimpfolings. [Ein anonymes 

Ofßcium de Sancto Joseph, auf Ersuchen des Bischöfe Al- 
brecht von Strassburg zum Gebrauch für die Strassburger 
Kirche ausgearbeitet, wird W. zugeschrieben]. (CBlBibL 
S. 344-847). 

370. — Roth, F. W. E. Ikiträgo zur Geschichte und Literatur des 

Mittelalters, insbesondere der Kheinlande. [XII. Brief J. 
Wimpfelings an Th. Gresemund, S. 492'-494]. (RomanF. 
S. 475—508). 

371. — Schtkddekopf, Carl. Eine unbekannte Erzählung Wimpfe*» 



ElS&Bsische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 183 

lings. [Novelle von der Herzogin Eugenia von Bargimd]. 

(ZVglLG- S. 342-355). 
372. Winierer. C, H. Landolin Winterer. (Passe-Temps. 11, S. 81—83). 
^28LZanehi. s.: Nr. 398 
^^ Zo^ffd. Erichson, [A.]. D. Richard Zoepffel. (EvProtEirchen- 

boteELsLothr. S. 10). 
374 — [Stern, Eng.]. Professor Dr. Richard Otto Zoepffel. (ElsEv- 

SonntBL S. 36 f.). 

IX. Kirchengeschichte. 

375. [Brevets d'imprimeors de r£v^che [de Strasbourg] ä la maison 
Le Roux 1705, 1729]. (EcclArgAB. S. 46 f.). 

*376.Brucker, Pierre-Paul. L'Alsace et Teglise au tempsdupape 
Saint Leon IX. ... I. II. Strasbourg et Paris 1889. 

Rec: HZ. N. F. XXX, S. 502-504. (E. B.[emheim]). — 
Zeitschr. f kathol. Theologie. XV, S. 306—309 (EmU Michael). 
— AnnEst. S. 280-286 (X. Mossmann). 

377. Bucelin, Gabriel, üebersicht der Mönchsabteien des Benedik- 
tinerordens in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz bis zum 
Anfange dieses Jahrhunderts. [Betr. u. A. Hasslach, Hugs- 
hofen, St Leonhard bei Borsch, Neuweiler, Ruffach, Selz, 
Surburg, St. Walburg, Weissenburg, Altdori^ Ebersmünster, 
Gregorienmünster, Maursmünster, Murbach.] (Archivalische 
Zeitschrift. N F. H, S. 188-288). 

378 Cuvier, 0. Consecration au saint ministere, par Paul Ferry, 
ä Metz, de Pierre Philippe, pasteur ä Bischwiller (4 mai 1654). 
(BHLPFr. S. 203—206). 

379. Extrait du testament de Jean Valdt [f 1608], eure de Zillisheim. 

(EcclArgAB. S. 100 f. j. 

380. Finke, Heinrich. Ungedruckte Dominikanerbriefe des 

13. Jahrhunderts. [Betr. besonders Elsass und Schwaben ] 
Paderborn, Schöningh. lY, 176 ^. 

Rec : RQChrA. Si 373-376 iP.Eubel). — ZGORh. S. 522 f. 
([A.] S.[chulte]). 

381. Geny, J. Wann vnd zu welcher zeytain jeder organistain der 

hisigen pfhar zu schlahen habe [Schlettstadt?]. (EcclArgAB. 
S. 37). 

382. Hans, £[ug.] Confirmation beeder caploneyen Breinigkhoffen 

vnnd Oberspebach. [1517] (EccL\rgAB. S. 8). 

383. — Heuman v. Brünighofen presentirt zu den caplanpfirflnden 

Brünighofen und Oberspechbach. [1522]. (EcclArgAB. 8. 14f.). 
384. .— Praestanda et juranda [a canonicis]. — Copia receptionis ca- 
nonici. [1502]. (EcclArgAB. S. 69—71). 

385. — Schiedsspruch des Bischoüs von Basel . . . zwischen Herrn 

Bemhart Metzger, Liepriestem zu Sennheim und . . . ganzer 
Gemeinde von Steinbach . . . 152a (EcclArgAB- S. 77—79). 

386. Hartfelder, Karl. Ungedruckte Briefe an Melanchthon. 




]84 Marckwald. 

[Kaspar Hedio an Melanchthon, 12. Mfirz 1545, & 192-194.] 
(ZKG. S. 187-207). 

387. lloldt, y. Die Lage der Protestanten im Elsass, vom Ende 

des 17. Jahrhunderts his znr französischen Revolution. (£v- 
ProtKirchenhoteElsLothr. a 138-141, 147-149, 1Ö6-1Ö9). 

388. Henne am Rhyn, Otto. Die evangelischen Gemeinden vor 

der Reformation. [Betr. u. A. Rulman Merswin und die 
Gottosfrcunde]. (ZDKulturG. S. ItU— 187). 

381). II.[orning], W[ilhelmJ. Zweite „Wanderung durch unser Ge- 
sangbuch". i^MonatsblChrAKonf. S. 189—194). 

39(). — Kirchenhistorische Nachlese oder Nachträge zu den nBeitrttgen 
zur Kirchengeschichte des Elsasses"" (sieben Jahrgänge) und 
Biograplüecu der Strassburgcr luth. Theologen: Marbach, 
Pnppus, J. Schmidt, Dannhauer, Dorsch, Bebel, S. Schmid, 
Si)ener etc. (Festschrift zum 4(X)jährigen Geburt^ubilänm von 
Martin Butzer). Strassburg, Druck v. lleitz A HtUideL X, 
154 S. 

391. Jean, Armand. Les ^v^ques et les archev^ues de Franc« 
depuis 1682 jusqu* i\ 181)1. [Moguntina Provincia, provincd 
de Mayence. Argentomtum, Mchd^ de Strasbourg, 8. 244— 
249]. Paris: Picard: Mamers: Fleury ik Dangin. XXV, 545 S. 

*392. Kiefer, Ludwig Albert. Pfarrbuch der Grafischaft Hanaa- 
Lichtonberg. . . . Strassburg lÄX). f Vergl Bibliogr. fttr 18W. 
Nr. 265J. 

Rec: ThLZ. S. 359 f. (A. Erichson.) - AunEst S. 453 f. 
(Ch. Ptister). — RCathAlsai^e. s. r>3f. (N. l).[el8or]). 

393. Klein, Ed. Aus einem alten elsässischen Gesangbuch. [nBdrg- 

Andachten", 18 Jh.] (EvProtKirchenbotoPilsUthr. S. 20 1). 

394. — Noch Einiges aus dem alten elsässischeu Gesangbiche. 

[Ebenda a 34 f.]. 

395. Lintzer, E. Xaviöre de Ferrettc, dernidre abbesse de Mase- 

vaux. (Suite.) (RCaUiAlsace. .s. 74-86, 257—267, 577-588). 

♦396. Lo säen, Max. Der Anfang des Strassburgcr Kapitelstreites, 
. . . München 1H89. 

Rec: HZ. N. F. XXX, S. 557 f. (Kluckhohn.) 

397. Müller. Das Strassburgcr Diöcesan- Gesangbuch. (Caecilia, 

VIII, S. 1-3, 12-14, 17-21). [Auch einzeln: Das Strass- 
bnrger Diöcesan-Gesangbuch. Vortrag ... auf der 7. Gene- 
ralversammlung des elsässischen Cäcilienvereins zu Golroar 
am 2. Oktober 1890. Separatbroschüro aus nCaecilia"*. Golmar, 
Druck V. Eglinsdörfer A Waldmayer. 32 S.] 

398. Paulus. N. Die Stellung der protestantischen Professoren 

Zanchi und Vermigli fin Strassburg] zur Gewissensfireibeit. 
(Kath. 3. F. m, S. 201-228). 

399. — Die Einführung der Reformation in Pfalz-Zweibrücken. (Eine 

Zuschrift der Strassburgcr Reformatoren an den Pfalzgrafen 
Ruprecht.) (HPBU. CVU, S. 651-671, 793-820, 887). 



Elsfissische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 185 

400. Paalfis, N. Les r^formateurs de Strasbourg et la libert^ morale. 

(RCathAlsace. S. 331—337, 458-465). 
-401. Beuss, Rod. üne abjuration sous la Terreur. (PrRel. S. 284 

bis 287). 
402. RocboU, Heinrich. Die Jesuiten und das Elsass. (Eirchl. 

Monatsschrift X, S. 483—498). [Auch als Separatabdruck. 

Magdeburg, Druck v. E. Baensch jun. 18 S.] 
*403Schneider, J. Geschichte der evangelischen Kirche des Elsass 

in der Zeit der französischen Revolution. . . . Strassburg 

1890. [Vergl. Bibliogr. für 1890, Nr. 272]. 
Rec: ThLBl. XII, S. 204 f. (—mm). 
*404. Stricker, Eduard. Johannes Calvin als erster Pfarrer der 

ref. Gemeinde zu Strassburg. . . . Strassburg 1890. [Vergl. 

Bibliogr. für 1890, Nr. 275]. 

Rec.:. ThLBl. XI, S. 452 (—mm). 

405. Weber, H. Aus der Pfarrmatrikel von Oberbronn [1791]. (Eccl- 

ArgAB. S. 38-40). 

406. — Die Strassburger Kirche im Beginn der französischen Re- 

volution. (HPBll. CVm, S. 276—295). 

407. Winterer, L. Der heilige Matemus, der erste Apostel des El- 

sasses. Rixheim, Buchdr. Butter- 14 S. 

Vergl. Nr. 12. 73. 82. 98. 119. 121 f 133 f. 136. 153 f. 159. 
16a 175. 183. 200. 204. 207. 210 f. 220 f. 229 f 238. 244—281. 
283. 292. 294. 298. 309 f 317 f. 331. 366. 369. 495. 503. 552. 

X. Geschichte der Juden im Elsass. 

408. Bresslau, H. Aus Strassburger Judenacten. I. Ein Brief der 

Gemeinde München an die Gemeinde Strassburg vom Jahre 
1381. (ZGJuden. S. 115—125). 

409. Estr^es, Paul d'. Les Juifs ä Paris sous le rögne de Louis XV. 

(1721—1760). D'apräs les archives de la lieutenance g^n^rale 
de police de la Bastille. [Betr. auch elsässische Juden.] 
(Revue mens, du Monde latin. XXV, S. 44—63, 137—174). 

410. G.[eiger], L. Elsässer Bestinunungen über Juden 1784. (ZG- 

Juden. S. 273 f.). 

411. Kaulen. Jom Tob Lipman [jüdischer Polemiker, geb. zu Mül- 

hausen um die Mitte des 14. Jh.]. (WetzeruWelte. S. 2084). 

Vergl. Nr. 290. 338. 

XI. Kunstgeschichte und Archäologie. 

412. Christman, Louis. Album d'Alsace et des Vosges. HI.: Sa- 

veme et environs. [A. u. d. T.:] Bilder aus dem Elsass und 
den Vogesen. III.: Zabem und seine Umgebungen. [Text 
in deutsch, u. französ. Sprache.] XV S. und Tafel 61—100 
[in Phototypie]. 

413. [Fleischhauer, E.] Mus6e Schoengauer. Catalogue. Colmar, 

typ. de F.-X. Saile. 33 S. 



136 Marckwald. 

414. [F loi seh haue r, E] Schoengauer Maseum. Grosser Saal im Erd» 

goschoss, Abtheilong mit dem Kamin von 1596. Katalog. 
Colmiir, Bnchdr. v. F. X. Saile. 85 8. 

415. - [Ueber xwei Altavgemälde Caspar Isonmanns in Colmar, mit 

zwei Abbildungen in Lichtdruck]. iScboengauor-Oesellsch. 
Bericht Nr. 16, S. 12 f.). 
41(). — [Wallgoschützo des 16. und 17. Jahrhundorts aus Reichonweier 
im Schoengauer -Museum.] (Sclioengauer-Ciosellsch. Bericht 
Nr. 16, S. 8—12). 

417. Forrer, R. und Gerscbel, Paul. Set^hs Holztafeldnicke und 

eine Kupforstich-lncunabel der Sammlung Forrer. [Die Incu- 
nabel stammt aus den Jahren 1445—1450 und ist das Prodnct 
eines FJsitsser, wahrscheinlich Strassburger Meisters]. 7 pho- 
tograpliische Tafeln, Facsimiles in Original-Ctrösae, nebst er- 
läuterndem Text. Strassburg i. F., Math. Gerschel 4*. 7 S, 
u. 7 Tafeln. 

418. F.[orrürl, R. Merovingisches Frauengrab bei Kirchheim. (An- 

ti(|ua. IX, s. vSl). 
411). Gerschel, Paul. Sechs llol/tafeldrucko und eine Kupferstich- 

Incunabel . . . s.: Forrer, R. und Gerschel, Paul, Nr. 417. 
42(). Gerspach. Documents sur les anciennos falenceries fran^^aises 

et la manufacture de Sevres. [Alsace, S. 8—21); Ilaguenau, 

S. 59—62; Sti^asbourg (liannong), S. 212-240]. Paris, Re- 

nouard. 246 S. 
*421.Heitz, Paul. Originalabdruck von Formschneider -Arbeiten 

des K». u. 17. Jalirhunderts . . . Strassburg 1890. [Verg . 

Ribliogr. f. 181X), Nr. 314]. 

Rec: LCBl. S. 550 (IL J.[anitschok]). 
422. Lantz, K.-t>. Hortus deliciarum, (Janiin dos Deliccs), Herrade 

d'Alsace. (I/Amaranthe, Revue Htteraire. 1, S. 275— 278» 

3()()-379). 
42;i Lehrs, Max. Der deutsche und niederländische Kupferstich 

des 15. Jalirhunderts in den kleineren Sammlungen. XIV. 

München. [Beti\ Martin Schongauer u. s. w]. (Repert f. 

Kunst wissensch. S. 9—20). 

424. Museo Schoengauer. Catalogue ... s.: [I*Moischhauer, K.], 

Nr. 4i:i 

425. Museographio über das Jalir lÄX). 1. Schweiz und West- 

deutschland. Redigiert von F. 11 Ott n er. [Elsass-I/Othringen, 

S. :W2 f.] (WZ. S. 382-409). 
42(). Schoengauor Museum Katalog. . . . s.: [Fleischhauer, 

F.], Nr. 414. 
427. Schricker, A. Strassburger Fayence und Porzellan und die 

Familie liannong. 1710-1780. Mit Abbildungen. (Kunst- 

gewerboblatt. N. F. II, S. 114-124). 

Vorgl. Nr. 19. 56. 129. 163. 208. 211. 222. 333. 343. 3&a 363. 



Elsfissische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 187 

XH. LMeratur- und Gelehrtengeschichte, Archive und Biblio- 

theJcen. Buchdrucic. 

428. Bartsch, A. ßrachstücke einer Handschrift der „Königstochter'^ 

Hans des Bühelers. (Germania. N. R. XXIV, S. 246—257). 

429. Bebaghel, Otto. Zn Hans von Bühel. (Germania. N. R. 

XXrV, S. 241-246). 

490. Berger-Levrault, Oscar. Catalogus pvofessomm academiarum 
et universitatum alsaticamm XVI— XIX seculi. [Probedruck]. 
Nancy, impr. Berger-Levrault et €*•• 95 S. 

431. — Annales des professeurs des academies et universit6s al- 
saciennes, 1525—1872. [Probedruck]. Nancy, impr. Berger- 
Levrault etC*«- 149 S. [u. 46 S. Vorwort ohne Titel, qu. — 8"]. 

*432.Besson, P. Etüde sur Jean Fischart . . . Paris 1890. [Vergl. 
Bibliogr. für 1890, Nr. 298.]. 

Rec: ADA. S. 52—55 [mit Beifügung neuen IVIaterialsJ. 
(Ernst Martin). — AnnEst. S. 133—137 (Ch. Schmidt). 

*433- — De Sebastiani Brant sermone . . . Argentorati 1890. [Vergl. 
Bibliogr. f. 1890, Nr. 297]. 

Rec: LBGRPh. S. 260 f. (Gustav Binz). 

434. Bielschowsky, Albert. Über Echtheit und Chronologie der 

Sesenheimer Lieder. (Goethe-Jahrbuch XU, S. 211—227). 
Rec: Preuss. Jahrbücher LXIH, S. 141 f. 

435. Burger, K. Ludwig Haines Repertorium Bibliographicum. 

Register. Die Drucker des XV. Jahrhunderts mit chronologi- 
scher Aufführung ihrer Werke zusammengestellt. ([A. u. d T. :] . 
Beihefte zum Centralblatt für Bibliothekswesen VIH). Leip- 
zig, Harrassowitz. VI, 428 S. 

436. Denecke, A. Johann Fischart und die deutsche Philosophie. 

(Zeitschr. d. allg. deutsch. Sprachver. III, S. 53—55). 

437. Drescher, Carl Studien zu Hans Sachs. Neue Folge. [Betr. 

auch Wickram]. Marburg, Elwert. VII, 102, LIV S. 

438. Duhamel, L. Les origines de Timprimerie k Avignon. [Betr. 

auch die Strassburger Buchdruckgeschichte]. Avignon, Le- 
guin fr^res 1890. 15 S. 

Rec: Bibl. de Pficole des chartes. LI, S. 315—319 (Henri 
Stein). 

439. Düntzer, Heinrich. Zur Goetheforschung. Neue Beiträge. 

[Herder und der junge Goethe in Strassburg, S. 77—140]. 
Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt VH, 436 S. 

440. — Goethes Sesenheimer Lieder. (AZg». Nr. 299 (Beil.-Nr. 252), 

S. 6 f.). 

441. [£tat]. Ministere de Tlnstruction publique et des Beaux-Arts. — 

Archives nationales. — fitat sommaire par s6ries des docu- 
ments conserves aux archives nationales [Betr. auch Elsass]. 
Paris, Ch. Delagravc 4". XIV, 880 S. 

442. Falk. Ein neuer Beleg für Gutenberg als Eründer der Buch- 

druckerkunst. (CBlBibl. S. 80, 231). 



188 Marckwald. 

443. Faulmanu, Karl. Die Erfindung der Baobdruckertnuist nach 

den neuesten Forschungen. Dem deutschen Volke dargestellt. 
[Betr. an vielen Stellen das Klsass; besonders S. 127—142: 
(Tutenberg in Strassburg]. Mit «% in den Text gedruckten 
Abbildungen und einer Stammtafel der Familie Gänsfleisch- 
(f Utenberg. Wien, Pest, Leipzig: Ilnrtleben. VIII, 166 S. 
Reo.: (^blHibl. S. 5r>l-r)(k) (Arthur \V>-S8). 

444. Frick, Carl. Die Weltchronik vom Jalire 4Ä2. [2 Hemer Hand- 

schriften sind (icschenke Bischof Werners von Strassburg 
(lÜ0:-i-U)28)l. (Rhein. Museum f. Philologie. N. F. XLVl, 
S. ICHJ— 111). 

445. Froitzhoim, Job. Lenz und Goetlie. Mit ungedruckten Briefen 

von Lenz, Lavnter, Röderer, Luise König. Mit dem Porträt 
der Frau von Oberkirch. Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. 
VIII, 182 S. 

Rec: DLZ. S. 141H5-14il8 (Otto Pniower). Preuss, Jalir- 
bttcher LXVll, S. 227. 
44(>. — Erwiderung [auf Kochendftrffcrs Aufsatz „(röthes Glaub- 
würdigkeit in Dichtung und Walirhcit**]. (Preuss. Jahrb. I-iXVII, 
S. 315 f.). 

447. Fumagalli, Oius. La questionc di Pamfilo Tastaldi. [Betr. 

auch (lUtenbcrg in Strassburg]. Milano, iloepli. 127 S, 

448. Oallois, L. liCs gi^ographos allcmands de la renaiSv<iance. ([A. 

u. d. T.:] BibliothiViuo de la Facult^ des Lettres de Lyon. 
Tome Xlll). [Chapitre IV: LWole alsacienne-lorraine. Lud, 
Ringmann et Waldseemüller. S. 38-(?9; ('hapitro XI: Une 
question de g^ographie {H)litique. lia nationalit^ de TAlsace. 
S. I(k5-172.] Paris, Len)ux 1«K). XX, 2(?7 S. A (5 Taf. 

449. Geiger, Ludwig. Lenz und Goethe. (AZg». Nr. 9. (Beil-Nr. 

7.) S. 1-3). 

450. G6ny, J. Zur Datirung eines Druckes von »loh. Mentel (CBl- 

Bibl. S. 78 f.). 
4,51. (inad, Ernst. Literarische Essays. |S. 3~,35: lieber Goethes 
Lyrik (Sesenheim)]. 2., verm. u. verb. Auflage. Wien, Ko- 
negcn. IV, ,375 S. 

452. Goethes Gespräche. Herausgeber Woldemar Freiherr von 

Biedermann. 9. Band. 2. Hälfte. [Erläuterungen zu Goethes 
(üesprächen von Otto Lyon.| [Aufentlialt in Strassburg 
8. 10 ff.) liCipzig, F. W. V. Biedennann. 280 S. 

453. Gottfried's von Strassburg Tristan. Herausgegeben von Ro in- 

hold Bechstein. 2. Theil. (|A. u. d. T.:] Deutsche Olas- 
siker des Mittelalters. Mit Wort- und Sachorklärungen. . . . 
a Band.) 3. Auflage. Leipzig, Brockhaus. V, 378 S. 

454. Grellet-Balguerie. £tude sur Tepop^e de Walter. (Acad. 

des inscr. et b.— 1. C— r. de^ sdances de 18JX). 4«. s6r., XVIU. 
S. 378 f ). 

455. Gutenberg. Dt^couverte de rimprimerie t\ Strasbourg. (Passe- 

Temps. I, S. 214-216). 



Ebässische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 189 

'*456.Hampe, Theodor. Die Quellen der Strassborger Fortsetzung 
von Lamprechts Alexanderlied . . . Bremen 1890. [Vergl. 
Bibliogr. für 1890, Nr. 310.] 

Rec: ADA. S. 197—204 (S. Singer). 

457. Holstein, Hugo. Ungedruckte Gedichte oberrheinischer Hu- 
manisten. [U. A.: Jakob Wimpfeling, Jodocus Gallus, Crato 
Hofinann]. (ZVglLG. S. 359-382, 446-473). 

458- Ihme, F. A. Gutenberg und die Buchdruckerkunst im Elsass. 
Strassburg, C F. Schmidt. 52 S. 

459. Keil, Robert Ein Goethe-Strauss. Jugend-Gedichte Goethes 

nach der Handschrift des Dichters von 1788 biographisch er- 
läutert. . . . [Goethe und Sesenheim, S. 45—64]. Stuttgart, 
Deutsche Verl.-Anstalt. VHI, 196 S. 

460. Lauchert, Friedrich. Studien zu Thomas Mumer. IH. Wör- 

terbuch. Fortsetzung. Schluss. (Alemannia. XIX, S. 1—18). 
[Vergl. Bibliogr. für 1890, Nr. 322]. 

461. Lempertz, H. Beiträge zur Geschichte des Leinen - Papiers. 

I. Die Vor-Gutenberg'sche Zeit, 1301—1440 in Original-Papier- 
proben, Wasserzeichen etc., aus den Sammlungen von Ger. 
von Hasselt . . . und . . . A. Kirchhoff ... mit Ergänzungen 
gleicher und späterer Perioden aus eigenen Sammlungen, vor- 
gezeigt und erläutert . . . Blätter der Erinnerung an die 
Herbst - Generalversammlung des „Historischen Vereins für 
den Niederrhein" ... in nur 100 nummerirten Exemplaren 
gedruckt und nicht im Handel . . . [IJ. A.: „Original - Probe 
von Papier der Fabrik von Mentelin (der in Strassburg um 
1440 zu gleicher Zeit mit Gutenberg lebte und dort 1478 
starb)."] Köln [in S^-Umschlag]. 

462. Lenz, J. M. R. Gedichte. Mit Benutzung des Nachlasses Wen- 

delins von Maltzahn herausgegeben von Karl Weinhold. 
Berlin, Hertz. XXH, 328 S. 

463. Id artin, E. Elsässische Litteratur zur Zeit Gottscheds. (JBG- 

ElsLothr. S. 117—122). 
*464.Neff, Joseph. Udalricus Zasius. . . . L Freiburg 1890. [Vergl. 
Bibliogr. f. 1890, Nr. 329]. 

Rec: ZGORh. S. 191 ([A. Schulte]). 

465. — Udalricus Zasius. Ein Beitrag zur Geschichte des Humanis- 

mus am Oberrhein. H. Teil. Programm -Beilage. Freiburg 
i. B., Buchdr. Chr. Lehmann. 4». 35 S. [Vergl. Bibliogr. 
f. 1890, Nr. 329]. 

466. Obsopeus, Vincentius. Die Kunst, me man recht trincken 

soll nit dass man Tag und Nacht werd voll. Die biecher Vin- 
centii Obsopei: Vonn der Kunst zu trincken, auss dem latein 
in vnser Teutsch sprach transferiert, durch Gregorium Wick- 
gramm, Gerichtschreiber zu Golmar. Getruckt zu Frejburg 
im Brejssgaw, im Jahre 1537. Köln a. Rh., Fr. Teubner. 
134 S. 

Rec: DLZ. S. 1765 (Ernst Jeep). 



190 Marckwald« 

4({7. Pniowcr, Otto. Goethe und Heinrich Leopold Wagner. [Beti 
auch den Aufenthalt Goethes in Strassburg.] (Sonntagsbeil 
Nr. 15 z. Voss. Zeitung, Nr. 1G9. 12. April 1891. S. 2 f.). 

408. Räch 6, Paul Bernhard. Die deutsche Schulkoroödie und di( 
Dramen vom Schul- und Knabonspiegel. [Handelt auch übe 
die Sehulaufftthrungen si:u Strassburg und Schlettstadt in 
1(). Jh. und über Jörg Wickram aus C^olmar als Dichter voi 
Schuldramen.] [Leipziger] Inaug.-Diss. . . . Liebertwolkwitz 
Druck von F. Zougner, 79 S. 

Rec: ADA. S. 338 (Franz Spengler). 

4(^. Reifferscheid, Alexander. Quellen zur Geschichte de^ 
geistigen Lebens in Deutschland während des 17. Jahrhunderts 
Nach Handschriften herausgegeben und erläutert 1. Band 
Briefe G. M. Lingelsheims, M. Berneggers und ihrer Freunde 
. . . Neue Ausgabe. Leipzig, Reisland. XIX, 1()48 S. [Titel 
aufläge der Ausgabe von 1889]. 

'^470.Requin, L. L'imprimerie ü Avignon en 1444. . . . Paris 1890 
IVergl. Bibliogr. f. 18JK), Nr. 3.33]. 

Rec: lUbl. de rfxole dos (Uiartes. LI, S. 316—319 (Henri 
Stein). 

471. — Origines de rimprimerie en ]<Yance (Avignon, 1444K Extrait 

du Journal de rimprimerie et de la Librairie du 28 f^vriei 
1891. [Betr. auch Strassburg]. Paris, Cercle de la Librairie 
15 S. u. 2() ungez. S., wovon 9 S. Facsimile. [Vergl. Pinsard, 
IntermMiaire des imprimeurs; scptembre — novembre 1890, 
fövrier 18J)11. 

472. — Documents in6dits sur les origines de la typographie. [Betr. 

auch Strassburg.]. (Bull bist, et phil. du Comitö des trav. 
bist, et scient. 1890, 8. 328-350). 

473. Reuss, U.[udolf]. Eine Studentin [Sophia Schlözer] auf der 

Strassburger Universität vor hundert Jaliren. (EvProtKirchen- 

boteKlsLothr. S. 13 f.\ 
♦474. Schweitzer, Charles. De poemate latino Walthario. . 

Lutetiae Parisiorum 188i). 

Rec: LBGRPh. S. 4 f. (R. Peiper). 
475. Stimmer, Tobias. Comedia. Mit 18 Federzeichnungen des- 
selben, zum ersten Mal herausgegeben von Jakob Oeri. 

Frauenfeld, J. lluber. XXVIIl, 58 S. 
Rec: LCBl. S. 18(X). 
470. Tosch, Ludwig, 'luv Entstehungsgeschichte des EvangeUen- 

buches von Otfrid. 1. Teil. Inang.-Dissert. . . . GreiCiwald, 

Druck V. F. W. Kunike. 1890. G4 S. 

477. Thiaucourt, C. Les bibliothöques universitaire et municipalc 

de Strasbourg et de Nancy. (AnnEst. S. 36—61, 365-391). 

478. Voretzsch, ('. Der Reinhart Fuchs Ileinnchs des Gltchedüre 

und der Roman de Renart. (Zeitschr. f. roman. Philologie. 
XV, 8. 124-182, 344-374). 

479. — Der Reinhart l^'uchs Heinrichs des Gltchez&re und der Roman 



Elsftssische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 191 

de Renart. Inang.- Dissertation . . . Halle a. S., Druck von 

£. Karras. 41 S. 
•480. Wenzel, Bernhard. Cammerlander and Vielfeld. Ein Beitrag 

znr litteratorgeschichte des 16. Jahrhunderts. [Rostocker] 

Inaug.- Dissertation . . . Berlin, Buchdr. EnoU & Wölbung. 

72 S. 
481. Zarncke, £. Analecta Mnrbacensia. (Philologus. XLIX, S. 613 

bis 628). 

Vergl. Nr. 26. 39. 163. 208f. 237. 284. 307f. 320. 346f. 352f. 
354. 36a 370f. 375. 417. 421. 518. 



XIII. Kultur- und Wirthschaftsgeschichte. 

482. B6conrt. L'enseignement secondaire en Alsace, et ä Beifort 

depuis le XVUI« siöcle. (BSBelfortfim. 8. 209—224). 

483. Benoit, A. Quelques lettres de Georges Jean, comte palatin 

de Veldenz et Lutzelstein [Construction de la ville de Phals- 
bourg. — Travaux hydrauliques etc.J (JBGesLothrG. S. 17 
bis 32). 

484. Birlinger, Anton. Sittengeschichtliches. Aus Jaunerlisteii. 

[Betr. auch Elsass.] (Alemannia. XIK, S. 73—96). 

485. Braun, Edmund. Bergordnung von 1517 [für Breisgau und 

Sundgau]. — Zigeuner [1418 in Strassburg]. (ZDKulturG. 
S. 105—107). 

486. Burgkhardt, Johannes. Die Yolksdichte des Elsass. Progr.- 

Beil. d. Stadt. Realsch. m. Progymn. Leipzig-Reudnitz, Druck 
V. M. Hoflfmann. 4^ 38 S. u. 1 Karte. 

487. Cetty, H. Die altelsässische Familie. Einzig genehmigte Ueber- 

setzung aus dem Französischen. Freiburg i. B., Herder. XI, 
228 S. [Das Original erschien 1889: La famille d'autrefois cn 
Alsace]. 

488. Chatrian, J. B. La Corporation des Pfeifer d* Alsace et le 

Pfeifertag de RibeauvU16. (Passe-Temps. I, S. 340—342). 

489. Che vre, F. Le Chapttre de Saint-Ursanne et ses vins d* Alsace. 

CASJurfim. S. 1—20). [Auch einzeln: Del6mont. impr. Boe- 
chat. 19 S.] 
-^0. Festprogramm zum Pfeifertag 1891. [Mit vielen Abbildungen.] 
Strassburg, typ. Hubert- 8 S. 

491. Fritz, Johannes. Der Ausstand der oberrheinischen Schuh- 

machergesellen im Jahre 1407. Nach ungedruckten Archi- 
valien des Strassburger Stadtarchivs. (ZGORh. S. 132—140). 

492. — Zur Geschichte des deutsch-lombardischen Handels. (ZGORh. 

S. 320-322). 

493. Hertzog, Rieh. Jos. Geldwerth und Waarenwerth im Elsass 

durch frühere Jahrhunderte. (ElsLothrSamstBl. S. 632—637, 
665-669, 694—698, 730—733, 764—766, 801-805). 



192 Marckwald. 

4iU. Jahn, Km st. Dio Pfoiferbrüdcr. Volkstümliches Festspiel zur 
Küicr dos fünfhundertsten Pfeifertages von Kappoltsweiler. 
[Das Königreich fahrender Leute im Elsass und der Pfeifer- 
tAg von Kappoltsweiler, S. III— XV]. Strassburg, Heiti ä 
Mündel. XV, 8() S. 

495. Kiefer, li. A. Steuern, Abgaben und Gef&lle in der ehemaligen 
Cirafschaft Hanau-Lichtenberg. Eine Zusammenstellung der 
herrschaftl. hanauischen und der königh franxOsischen Lasten 
und Abgaben, sowie der Kin'Jiengefälle in den elsässischen 
Aemtorn mit urkundlichen Beilagen. Strassburg i. E,, J. 
Noiriol. as s. 

Uec: ThLZ. S. 351) f. (A. Erichson). — AnnEst. S. 454 
(dl. Ptister). 

4iH). Koch, Alphonse. lia Sociöt^ libre d*agriculture et d'6conomie 
Interieure du dopartement du l)as-Rhin du 15 dorsal an VIII 
au 41"« Jour compl6mentaire an X. (Soc. des sciences, agric 
et arts de la lUisse-Alsace, Bull. mens. N.S. VIII (1890), 8. 8—51). 

497. L6vy, Jos. Testament des Pfarrers Johann >Valdt von Zillis- 

heim und Flachslanden (24. Juni 16(Y7). (ElsIiOthrSamsiBl. 
S. 414 f.). 

498. — Weistum der Abtei von Ilerbit/Jieim zu Breitfort (Nouhom- 

bacli), (ElsLothrSamstBl. S. 555-^559). 
mi - Jahrgoding /u (irmingen. (ElsUthrSamstBl. S. 1)37—089, 

im- im). 
r)(X). Luthmer. Die Ilöhlo der schwarzen Bande im Ilas))eltlialo. 

(Mitteilungen a. d. Vogesendub Nr. 24, S. 50—52 u. Abb.). 
fK)!. Martin, E. Notizen eines Strassburger Bürgers um 1(>25. (Jb- 

(lElsLothr. S. 109— 1 IG). 
r)02. Pfeifertag, Der, in Kappoltsweiler im Elsass. (Vom Jura tum 

Schwarzwald. VII (1890), S, 317-320), 
503. Reiher, Ferd. Küchen-Zettel und Kegeln eines strassburger 

FYauenklosters des XVI. Jahrhunderts. [Strassburg], lleiti u. 

Mündel, kl. 4^. 52 S. u. Ilolzschn. 
fK)4. Trog, Hans. Das Ueisebüchlein des Andreas Kyflf. [Um 1600. 

Fllsass, S. 207]. (Ikisler Jahrbuch 1891, S. 182—222). 
505. Weber, Felix. Gastronomische Bilder. Beiträge zur Geschichte 

der Speisen und Getränke, der Tischsitten und Tafelfreuden 

verschiedener Völker und Zeiten. 2., vermehrte Auflage« Mit 

14 in den Text gedruckten Abbildungen. [Zur Geschichte der 

Gänseleberpastete, S. 335—340]. Leipjsig, J. J. Weber. XVi, 

348 S. 
50G. Winckel man, Otto. Ein Fönierer des Verkehrswesens in El- 

sass-I^thringen im 16. Jahrhundert [Pfalzgraf Georg Hans. 

von Veldenz-Lützelstein]. (JbGElsLothr. S. 83—100). 

Vergl. Nr. 130. 185. 190. IM. 196. 205. 228. 375. 420. 427. 528. 



Elsässische Geschichtslitieratur des Jahres 1891. 193 

XIV. Volkskunde. Sage. 

507. Barth, Auguste. „S'apparaltre ä soi-mßme, se voir soi-m6me 
(sich selbscht erschiene, sich selbscht sehn)". (Folk-Lore. I 
(1890), S. 228—233). 

506. Certeux, A. Les eaux thermales et minerales. [Les eauxgazeuses 
de Soulzmatt (Alsace-Lorraine) S. 305] (RTP. S. 305—307). 

509. Chatrian, J. B. Fetes d'Alsace. (Passc-Temps. 11, S.17if., 67, 138f.). 

510. Delaville, R. Hans Trapp. (Fasse-Temps. H, S. 551—554). 

511. Descubes, A. Almanachs et la chance [imElsass]. (RTP. 8.760). 

512. F.[orrer], R. Steinbeile und Aberglaube [im Ober-Elsass]. (An- 

tiqua. IX, S. 52). 

513. Fournier, A. Vieilles coutumcs, usages & traditions populaires 

des Vosges provenant des cultes antiques et particulierement 
de celui du soleil. (BSPhilomVosg. S. 137-205). 

514. Gr.[oshens], E. Les f^tes d'Alsace. La Saint-Jean. (Passe-Temps. 

II, S. 279 f.j. 

515. Hertzog, Aug. Der Silberzwerg. Eine Sage aus Markirch. 

(ElsLothrSamstBl. S. 135—139). 

516. Hornstein, Celestin. Noel et les traditions populaires du 

Jura qui s'y rattachent. [Betr. auch das Ober-Elsass]. (AS- 
Jur£m. S. 228—248). 

517. Kaufmann, Alex. Findlinge zur Volkskunde .... „Zur Küche 

führen" [Gebrauch in Strassburg]. (Zeitschr. f. Volkskunde 

III, S. 190 f.). 

518. Lambs, August. Ein Dutzend Elsässischer Sprichwörter aus 

Geyler's Schriften. ([A. u. d. T. :] Schriften des protestanti- 
schen liberalen Vereins in Elsass-Lothringen. XXXIII). Strass- 
burg, Heitz & Mündel. 1890. 40 S. 

519. Mathis, Fritz. Elsässische Kinderlieder in Rappoltsweiler 

Mundart. (JbGElsLothr. S. 150—174). 

520. Rathgeber, Julius. Elsässische Sprichwörter und sprichwört- 

liche Redensarten. (JbGElsLothr. S. 141—145). 

521. Ristelhuber, P. Contes alsaciens. (La Tradition. V, S. 15--28). 

522. — Les Aqueducs [Küttolsheira]. (Melusine. V, S. 203). 

523. Stehle, Bruno. Volkstümliche Feste, Sitten und Gebräuche im 

Elsass. (JbGElsLothr. S. 200-206). 

524. ühlhorn, A. Volkstümliches. (JbGElsLothr. S. 146—149). 

Vergl. Nr. 501. 

XV. Sprachliches. 

525. Arnold, J. G. D. Der Pfingstmontag. Lustspiel in Strassburger 

Mundart. Mit Arnolds Leben und Schriften von Ernst 
Martin. ([A. u. d. T.:] Elsässische Volksschriften. XVIII). 
Strassburg, Heitz & Mündel. XXI, 182 S. 

526. Barbier, J. V. Atlas de toponymie comparee de la Lorraine 

et de TAlsace. (BSGEst. XII (1890), S. 510-517). 



194 Marckwuld. 

527. Hohaghol, Otto. [Zur Klsässischon Lautlohro.] (H. Paul, 

(jrundriss d. gernian. riiiloloKie. I, S. 584-58^, 592, 606 ff.). 

528. Fournier, A. Surla mani^ro dont on a öcrit Ics noms de licox 

vosgions depuis lour origino jusqu' ä «os jours. (BSGEst 

xii (im)), s. 72 -81, a4.i~aM). 

rcn). Idiotikon, Kin elsiUsisohos. (ElsLothrSchuIbl S. 264 f.). 

5a(). Kauffmann, Friedrich. |\Verko über elsftssisoho Mundarten.) 
(II. Paul. (iruudris.s d. german. PhiloIoKic. 1, S. 965). 

581. Keiler, Otto. Litcinische Volksetymologie und Verwandtes. 
(Argentoratum. S. 7J. Leipzig, Teubner. XI, 387 S, 

5iW. L. Diu deutsch-französische Spracligrenze. (AZg»- Nr. 285 (Beil- 
Nr. 240) S. {] f.). 

53:1 Lionhart, Hans. Laut- und Flexionslehre der Mundart des 
mittleren /ornthales im Filsass. Inaug. - Dissertation . • . 
Stras.sburg, K. J. Trttbner VI, 74 8, 

fKH4. — Das Wörterbuch der elsÄssischen Mundarten. . . . s.: Mar- 
tin, K. W Lienhart, IL, Nr. «17. 

5;^). — Alliteration, Assonanz und Vergleichungen in der Zomthaler 
Mundart. IJbCiKlsLothr. S. 188-lW). 

53(>. — Laut- und Flexionslehre der Mundart des mittleren Zorn- 
thales . . . s.: Studien, AlsiUische. I. Nr. 20. 

rKH7. Martin, K. |i^| Lienhart, II. Das \Vörterbuch der elsüssischen 
Mundarten. (Jb(»KLsLothr. S. 2071). 

.MW. Martiny, Benno. Wörterbuch der Milch wirthschaft. Eine 
Sammlung auf Molkereiwesen und damit verwandte Viohiucht 
bezüglicher Ausdrücke, für praktische Milchwirto, Molkorei- 
beHissene, Milchwirtschaftslehrer, SchrifUteller und Sprach- 
lehrer zusammengestellt, gesichtet und erklärt. (Betr. beson- 
ders auch das Klsass mit Beiträgen von Fr. von Oppenau.] 
Bremen, M. Ileinsius Nachf. IV, :J8 S. 

^M. M enges, Heinrich. Volksetymologisches aus der elsässischon 
Mundart. (KlsLothrSchulbl. S. ,^70-373). 

♦MO. Pfister, Ch. La linüte de la langue franyaise et de la languo 

allemande en Alsace - Lorraine. . . . Paris tt Nancy I85K). 

[Vergl. Bibliogr. für 18iK), Nr. 37()]. 

Uec: DLZ. 8. :M2f. ((\ This\ - Z(U)Uh. S. IK^ (W. Wio- 

gand.) — Revue de (teographie. XXVIl (IHIH). S. 4(><>-4(». 

(Uistelhuber). 
all. Redensarten, Kl'Ulssische. (KlslA>thrSamstBl. S. 22;$). 
512. Spieser, .1. Einiges über die Münsterthiilcr Mundart, s. in: 

Münsterthal. Nr. m\. 

')VX Stehle. Bedeutung des [elsiLssischenl Dialektes für den Unter- 
richt in der iiochdeutschen Sprache Vortrag, gehalten auf 
dem 15. oberel.'iÄHsischen Lehrertage, in Colnmr am 8. Juli 18J>1, 
(ReichslÄnd. Lehrerzeitung. VI!!, S 28J) 2^)2, :UV)- 308). [Auch 
einzeln: Strasshurg, St.ra.ssb. Druck, u. V. <> s.). 

.544. Sütterlin, Adolf, l^aut- und Flexion.slehn> der Strassburgor 



Elsfissische Geschichtslitteratur des Jahres 1891. 195 

Mundart in Arnolds Pfingstmontag. Inang.-Dissertation . . . 
Strassburg, Trübner. Vn, 106 S. 

545. Williams, Charles Albert. Die französischen Ortsnamen 

keltischer Abkunft. Inaug.-Dissertation . . . [Betr. auch el- 
sässische Namen]. Strassburg, Buchdr. Heitz & Mündel. 
88 S. 

546. Zimmerli, J. Die deutsch - französische Sprachgrenze in der 

Schweiz. I. Teil. Die Sprachgrenze im Jura. Nebst einer 
Karte. [Betr. an vielen Stellen das Elsass]. Basel & Genf, 
H. Georg. IX, 80 S. u. 16 Tafeln. 

Rec: LBGRPh. S. 310—314 (Ludwig Neumann). 

Vergl. Nr. 311, 519. 

XVI. Familien-, Wappen-, Siegel- und MOnzenkunde. 

547. Bardy, Henry. Le tombeau de G^rard de Reinach-Montreux 

[in St Baslemont]. (BSBelfortfim. S. 231—237 & 2 Taf.). 
Ö48. Friedensburg, F. Zwei Denarfunde aus dem X. bis XI. Jahr- 
hundert. [Strassburg, S. 203]. (ZNumism. XVII (1890), S. 202 
bis 212). 

549. Gerland, Otto. Geschichte Hugenottischer Familien. I. Die 

Familie Grandidier. Sonder- Abdr. a. d. Zeitschr. „Die Französ. 
Colonie", Jahrg. 1891. Berlin, gedr. v. E. S. Mittler & Sohn. 
23 S. 

550. Hammerstein-Gesmold, Emil Freiherr von. Urkunden 

und Regesten zur Geschichte der Burggrafen und Freiherren 
von Hammerstein. [1449—1567 in Elsass-Lothringen ; kaufen 
Strassburger Bürgerrecht u. s. w., S. 739— 746J. Hannover, 
Hahn. XXVHI, 841 S. ra. Stammtaf, Siegeltaf. u. Abb. 
Rec: DHerold. S. 166 f. 

551. Kindler vonKnobloch, Julius. Die pfalzgräfliche Registratur 

des Dompropstes Wilhelm Boecklin v. Boecklinsau. (ZGORh. 
S. 263—282, 644-662). 

552. Kissel, Clemens. Wappen -Buch des deutschen Episcopats. 

[Exemtes Bistum Strassburg, S. 80 f., 89, 107; Abtei Mur- 
bach, S. 112 f.; Abtei Weissenburg, S. 114 f; Klosterwappen 
der Trappisten zu Lutterbach, S. 129]. Frankfurt a. M., W. 
Rommel. VII, 136 S. u. Abb. 

553. Mcnadier,J. Deutsche Münzen. Gesammelte Aufisätze zur Ge- 

schichte des deutschen Münzwesens. [IX. Ein Adelheidpfennig 
der Abtei Selz im Elsass, S. 60—67. — Betr. auch noch an 
vielen Stellen die elsässische Numismatik, z. B. S. 37, Elsässer 
Denar mit agnus dei; S. 77 Münzprivilegium für Brumath; 
S. 148, 200, 216 Münzrecht von Selz ; S. 164, 178, 182 ff. Strass- 
burger Münzen; S. 211 Gewichtsstück aus dem Strassburger 
Pfennigthurm (1259)]. Berlin, A. Weyl. XX, 260 S. 

554. Merz, Walther. Die Ritter von Rinach im Argau [und Elsass.] 



196 Murckwuld. 

Aarau, Saucrländor. IG4 S. m. 1 Plan u. 1 Taf. (Erschien 

ursprünglich in der ^Argovia^; vorgK Hibliographio f. 189(), 

Nr. ilKl]. 
*;V>r>.Mirl)aoh-IIarfl\ Ernst Graf von. Ikntrftgo xur Personal- 

gesrhichtc dos Doutschcn Ordens 1. lUüloi Elsass-Burgond. 

. . . \m\ [Vergl. IHbliogr. f. \m\ Nr. 3W]. 
Uee.: Z(;OiUi. S. 1^7 (|A. Sehultel). 
;V>(i. Kot li, F. W. E. Miitheilungen aus genealogischen Handschrifton. 

(Hetr. eine Frankfurter Hs. des l(>. Jh. von Bornhardt 

llertzog : Von dem ^Vnssgnw vnd Speyorgaw auch dossolben 

Ritterschaffteu.l (Dllerold. S. I(i8f.). 
5r>7. Sallet, A. v. Die Fawerbungen des Königlichen Münzkabinets 

vom l. April 18S8 bis 1. April 188J). tl>onar Ludwig IL (H55 

bis H7r)\ Strasshurg S. 245.] (ZNumism. XVII (18SX)) S. 23:^ 

bis 2f)7). 
riTKS. Schön, Th. Erloschene Familien. | Oberkirch.] (Dllorold. 

S. 128). 
fK)l). Thicrry-Mieg, Charles. La .succesHion do Jean Tlüerry do 

Venise et la branche alsacienne des Thierry. {b7 niilliona cn 

1(>7(>.) «HAL^ice. S. jna--JU58). 

Vergl. Nr. 72. 77. 81. 215. 



XVII. Historisohe Karten. 

(Nichts erschienen.^ 






t ^ 

Znr Geschichte der Burgunderkriege. 

Das Kriegsjahr 1475. — Die Reise gen Blamont. 

Von ; ^ - ' 

Heinrich Witte. 1 - ' - " 



.t 



K 



I. 



Pie allgemeine politische Lage war um die Zeit, als der 
Waffenstillstand zwischen Frankreich und Burgund im Ab- 
laufen begriffen war, sehr eigentümlich gestaltet; in mancher 
Hinsicht hatte sie Ähnlichkeit mit derjenigen im vergangenen 
Jahre J) Die Berechnungen des Königs und Philipps de Com- 
mines hatten sich als richtig erwiesen. Unsäglich hatte Her- 
zog Karl sich dadurch geschädigt, dass er sich in die deut- 
schen Verhältnisse eingelassen hatte. Für seinen Kriegsruhm 
war es gerade nicht sehr förderlich gewesen, dass er nicht 
vermocht hatte, mit seiner gewaltigen Kriegsmacht das Städt- 
lein Neuss zu erobern; sein Heer war durch die Anstrengun- 
gen des Winterfeldzuges in schwerster Weise getroffen, und 
inzwischen war sein Stammland Burgund straflos von Schweizern 
und Elsässern verheert worden. Hingegen hatte König Ludwig 
im Innern seine Herrschaft gekräftigt, die aragonesischen Hän- 
del zu einem befriedigenden Abschluss geführt, und wenn es 
ihm auch nicht gelungen war, den Dreibund zu sprengen, so 
hatte seine Schwester, die Regentin von Savoyen. es doch 
schwer genuü: büssen müssen, dass sie auf Karl ihre Hoff- 



1) Vgl. meine Abhandlung „Die Konstanzer Richtung und das Kriegs- 
jahr 1474" in Bd. G dieser Zeitschrift und „Das Kriegsjahr 1475" im 
7. Band. 

Zeltschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VIII. 2. 13 



198 Witte. 

nungen gesetzt hatte. Und jetzt hatte auch das heilige rö- 
mische Reich noch einmal in ungeahnter Kraft sich erhoben, 
um dem hochmütigen Burgunder die Wege zu weisen. In 
seltener Eintracht waren die Stände des Reichs dem Rufe des 
Kaisers gefolgt, und ein mächtiges Heer sammelte sich zum 
Entsatz des hart bedrängten Neuss. Wenn jetzt auch König 
Ludwig seinen Verpflichtungen nachkam und dem Reichsheer 
die Hand reichte, wenn der Herzog von Lothringen mit Bern 
und der Niedern Vereinung zum Angriff auf die verlassenen 
burguudischen Stammlande vorging, dann konnte allerdings 
die burgundische Macht bis ins Herz getroffen werden. Den- 
noch zog der König diese Möglichkeit nur für den äussersten 
Fall in Erwägung. Am liebsten hätte er sich auch jetzt noch 
von jeder kriegerischen Verwicklung fern gehalten; denn auf 
diesem Felde fühlte er sich nicht als Meister; da musste er 
selbst die Entscheidung aus der Hand geben, musste sein 
Heil andern anvertrauen, die ihn verraten konnten. Liess 
Karl sich zu einer Verlängerung des Waffenstillstandes bereit 
finden, dann war dem König nichts lieber, als wenn der tolle 
Herzog sich auch fernerhin von einem Wagnis in das andere 
stürzte und sich langsam verblutete; und vielleicht kam doch 
noch die feindliche Kugel, auf die der König bisher vergebens 
gehofft hatte, und riss den gefährlichen Gegner aus den Le- 
benden fort.^) 

Seit Beginn des Jahres hatte der König den Burgunder 
auf alle Weise zur Verlängerung des Waffenstillstandes zu 
bestimmen gesucht, um die gefährliche Verbindung der bur- 
gundischen und englischen Waffen zu vereiteln. 2) Vergebens; 
Karl wollte nichts davon wissen; er zählte mit Bestimmtheit 
auf den baldigen Fall von Neuss, und alsdann sollte die Ab- 
rechnung mic dem schlauen, vielgewandten Herrscher von 
Frankreich beginnen. Aber Neuss blieb fest. Immer dringen- 
dere Botschaften kamen aus England, aus der Bretagne, von 
den Grossen Frankreichs, um den starrsinnigen Fürsten zu 
bewegen, dem Städtlein den Rücken zu wenden, den Freunden 
in Frankreich die Hand zu reichen, die Landung des Schwa- 
gers von England vorzubereiten. Sein Stolz Hess es nicht zu; 

^) Bericht des mailändischen Gesandten am französischen Hof bei 
Gingins, Depeches 1, 28. — ^) Gingins 1. c Vgl. auch Commines 6d. Mi- 
chaud p. 80. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 199 

Dieu luy avoit trouble le sens et rentendement. *) Und in- 
iKwischen rückte nun auch das Reichsheer in bedenkliche Nähe. 
König Ludwig musste sich nun doch entschliessen, zum Schwert 
^u greifen; wenn es nicht anders sein sollte, wollte er den 
Herzog jetzt zwingen, den Frieden zu verlängern, bevor der 
Engländer über den Kanal kam, indem er in den von Ver- 
teidigern entblössten burgundischen Staaten alle Schrecknisse 
des Krieges entfesselte, damit der Notschrei der gepeinigten 
Kreatur den harten Sinn des Fürsten friedfertig stimmte. 
Weiteres wollte er nicht; verstand der Herzog sich zur Ver- 
längerung des Waffenstillstandes, dann war der König gross- 
mütig genug, ihm seine Verbündeten zu opfern, den Lothringer, 
^en Herzog Sigmund, die Niedere Vereinung, ja, wenn es 
sein musste, auch die Schweizer, immer in der stillen Hoff- 
nung, dass Herzog Karl sich dabei die Zähne ausbeissen 
würde. 

Die Politik des Königs hatte zur Voraussetzung, dass die 
Verbündeten in den Waffen verharrten ; er musste darauf rech- 
nen, dass niemand sein Spiel durchschaute. In einer Hin- 
sicht konnte er ziemlich sicher sein: Herzog Sigmund hatte 
keine Wahl; die Niedere Vereinung folgte der diplomatischen 
Führung Berns, und Herr Nikolaus von Diessbach konnte oder 
wollte das Spiel des Königs nicht sehen und nahm seine Ver- 
heissungen für bare Münze. Nur einer kannte den König 
seit alter Zeit und wusste, was er von ihm zu halten hatte; 
das war Kaiser Friedrich. Bis dahin hatte der König keine 
einzige der übernommenen Verpflichtungen^) erfüllt, und der 
JKaiser hatte ihm bereits in unzweideutiger Weise zu ver- 
stehen gegeben, dass er unter diesen Umständen beim Frie- 
densschluss keine Rücksicht auf ihn nehmen würde. Das Zer- 
würfnis zwischen dem Reich und Burgund war nicht ein sol- 
ches, dass es nicht mit einigem guten Willen beider Teile 
beigelegt werden konnte. Dass an der Herstellung des Frie- 
dens gearbeitet wurde, war dem König bekannt; das grösste 
Hemmnis war einstweilen der Stolz und der Starrsinn des Bur- 
gunders. Für den König konnte sich nichts Schlimmeres er- 
eignen als ein Friedensschluss zwischen beiden Teilen in die- 



*) Commines. — ^) Ich muss darauf verzichten, auf den Gang der 
Verhandlungen zwischen beiden Teüen näher einzugehen. 

13* 



200 Witte. 

som Augenblick, und so liess er dem Knis^or jeUt ein neues 
lUlndnis auf gun/ anderer Grundlage anbieten: kein Teil sollte 
oline den andern Frieden und Watfenstillstand schliessen; der 
Kaiser solle alle Keichslehen Herzog Karls einziehen und 
ebenso wolle es der König mit den fran/ösischen Leiieii des 
Herzogs halten. Kaiser Friedrich') \vih*digte das luftige Aner- 
bieten nach (lebühr und erzählte dem (iesandten die vortreff- 
liche Fabel von den kühnen Jägern, die nuf die Bärenjagd 
gingen und schon vorher das Fell verkauften. Einstweilen 
aber kreuzten das Reich und Hurgund noch die WaiFen, und 
furchtbar tiel nun der Schlag des Königs am l. Mai auf das 
fast wehrlose Artois und die Picardie. tileichzeitig eröffnete 
nun auch der Sire de Craon den Krieg. Von der Gemarkung 
von Har zog er sUdwärts durch das obere LoUiringeu und 
verwüstete die Umgegend der festen, Herrn Heinrich von Neuf* 
chfttel gehörigen Moselburg (Chiitcl).-) Darauf tiel er mit 
einer nicht sehr grossen Truppenmacht am 3. Mai in Ober- 
burgund ein und bemächtigte sich in raschem Anlauf zahl- 
reicher fester Plätze im Gebiet der obern Seine und Saone.') 
Im vorigen Jahre hatten sich die Verbündeten nnt Hecht Über 
den König beschwert, der müssig zugeschaut hatte, als sie in 
den Krieg gezogen waren; jetzt hatte er selbst vorab das 
Schwert gezogen und namhafte Krt'olge errungen, und der 
Sire de C'raou wartete seinerseits auf die Verbündeton. Was 
gedachte nun die Niedere Vereinung, was Beiii zu tliun? 

H. 

Schon seit längerer Zeit hatte die Niedeiv Vereinung troti 
der Unlust der Schweizer'*) einen erneuten Feldzug wider 
lUirgund in Aussicht genommen. Namentlich Strassburg be» 
trieb diesen Plan aufs angelegentlichste, obwohl es, ferngelegen 

M IhMi Knisor ohnraktorisiort ('ominiiu»s Ihm clioscr Oo1o|{t*iihoit tot» 
triMVIioh: Combion qutMvt omporour oiist iHi' toiito sa vic homme de trte* 
pou ilt« vtTtu, si ostoit-il biou mtomhi ot pour W longtoiiips qirU AToit 
vrsru, il uvoit bouuroup clVxporionn», t»t puis rrs purtis, dViitro iious et 
hl}, avoirnt bi»iuu't>up ilunV ) Strbj;. St.-A. lV/7(». ••) (•ollut-DuTfr- 

nov. Moni liist. l'j;)(). V^rl. amli (timrins 1. r. VM) sowio (las Sehr, von 
K^. l.uilwijjf au KaiN. I-'iitMlr. ubor liio WatVoiirrftilgo (li»s Siro de i'raoa 
vom JlV Mai lo\ CUunA l o. lMUK ♦) lliorlu»r j(oliort auch die Sendung 
\o\\ Moistor Philipp Wimij^t um die KastoM/oit (MArz) au Kg. laidwig; 



Zur Geschichte der Burganderkriege. 201 

^e es war, wohl hätte geltend machen können, dass es zu- 
nächst Sache der Oberländer wäre, sich ihrer Haut gegen die 
"burgundischen Reitergeschwader zu erwehren. Keine Stadt 
konnte sich mit ihr an Opferwilligkeit messen, selbst nicht 
das waflFengewaltige Bern. Den ganzen Winter hindurch hatte 
es einen reisigen Zug unter Herrn Friedrich von Fleckenstein 
in Mümpelgart unterhalten und Herr Jakob von Stein, der 
Hofmeister zu Mümpelgart, hatte allen Grund, die Haltung 
'der Stadt zu preisen im Gegensatz zu andern säumigen Ver- 
bündeten, und nicht geringeren Eifer bezeigte es vor Neuss. 
Mit Ernst sah es jetzt den Ereignissen entgegen, die das 
Frühjahr und der Sommer 1475 bringen konnte, aber es war 
doch gutes Mutes und vertraute gegenüber der „lombardischen 
Unkeuschheit und der burgundischen Hoflfahrt" auf Gottes 
Beistand. Öffentliche Bittgänge wurden abgehalten, und am 
12. Mai wurde ein so grosser Kreuzgang abgehalten, wie er 
seit vielen Jahren nicht gewesen. Dazu wurde bestellt, dass 
jede Woche ein gewöhnlicher Kreuzgang in allen Stiften, 
Pfarrkirchen und Klöstern abgehalten werden sollte, um zu 
beten für die Häupter, auch alle Glieder und Unterthanen 
des heiligen Reiches deutscher Nation; „denn wo man den 
allmächtigen Gott mit demütigem Gebet vor Augen hat, geht 
es desto glücklicher".*) So hatte es jetzt auf eigene Kosten 
Bern seinen reisigen Zug zu Hilfe geschickt, und vornämlich 
auf Strassburgs und des Bischofs Ruprecht Betreiben war es 
geschehen, dass nun auch Herzog Ren6 von Lothringen auf 
dem Tag zu Kolmar am 18. April in die Niedere Veremung 
aufgenommen wurde.^) Hier ward auch über die Unterneh- 
mungen der nächsten Zeit beraten, und die Herren Friedrich 
V. Münstrol und Claus Zorn v. Bulach der ältere wurden als- 
dann zum Sire de Craon entsandt, um dessen Absichten zu 
erforschen, ob er vielleicht an einem Zug nach Burgund teil- 
nehmen würde; inzwischen hatte man dann auf dem Tag zu 
Basel in Aussicht genommen, etwa in der Stärke wie gen 



er soUte sich über die Haltung der Eidgenossen beschweren. Herzog 
Sigmund erklärte sich bereit, allein jetzt den Krieg zu führen, wenn der 
König ihm die Mittel geben wollte, um 200 Lanzen in deutschen Landen 
2U bestellen. Chmel 1. c. 285 — 287. 

*) AA. 275. — 2) Die Aufiiahmeurkunde bei Chmel 1. c. 199. — Lei- 
der fehlen die Akten des hochwichtigen Tages. 



202 Witto, 

Hi^ricourt ins FoUl zu rücken. Der Sirc de Craon bezeigte 
sich m\\\^s und auf den schriftlichen Bericht des Herrn \oxt 
MUnstrol beraumte darauf der Landvogt Herr Hermann von» 
Kptingen am 1. Mai einen Tag nach Dreisach auf den 7. Mai 
an, um sich des weitern i.\i beraten.*) Das war die letzte 
AnUshandlung dieses Landvogtes, der sich den VerhAItnissen 
nur wonig gewachsen gezeigt hatte; er wurde abgelöst von 
Oswahl (iraf von Tierstein, der nun auch oberster Hauptmann 
in den Vorhmden des Herzogs Sigmund wurde. 

Mit ihm tritt eine rersönlichkeit in den Vordergrund, die 
mehr als zwei Jahrzehnte hinduroh die Landschaften am Ober^ 
rhein in Unruhe gehalten hat.'-) Knergie und Thatkraft be- 
sass er sicherlich genug, aber sonst fehlten ihm geradezu alle 
Eigenschaften, die er fUr seine Stellung nötig hatte. Mit sei- 
nem kleinen (icbieto war er eingekeilt zwisclu»n das Bistum 
Basel und Solothurner und Baseler Stadtgel)iet, Überschuldet 
wie die meisten adligen Herren am Oberrhein konnte er sich 
kaum noch über Wasser halten und suchte gegenüber den 
mächtigeren Baseler Nachbarn einen Rückhalt an dem kleinen 
Solothurn, durch dessen Vermittlung er imn auch in nähere 
Beziehung zu den Kidgenossen gekommen war. Bei ihnen 
hatte er sich (leltung zu verschalTen gewusst, aber dies Be- 
wusstsein liess ihn nur noch hochfahrender und gowaltthUtiger 
gegen die übrigen Mitglieder der Vereinung auftreten und 
gab ihm Mut, auch neben seinem Herrn, Krzherzog Sigismund, 
etwas btuleuten zu wollen. Seine Stellung war ihm Mittel' 
zum Zweck, vseine eigenen verkrachten Verhält ni.'=?se leidlich 
zu gestalten. Schon bisher hatte er beständig in Streitig- 
keiten sowohl mit dem Bischof von Basel als auch mit der 
SUidt Basel gelegen, vor allem über die (lerichtsbarkeit, die 
er bis vor die Thore von ]h\sel in Anspruch nahnr**), und diese 

n Kohnar St.-A. Strbg. 8t.-A. 1V/70. — ») Kino BioKniphio übor ihn 
wünle eine cmpfiiunicho Lücke ausfüllen; ^ns IHrmann ültor ihn im 
Bjwolor Tasohcnbuch, honuiSKOfirctton von Hurokbardt unil Wackernaftel, 
Jaliij(. 1883, beibringt , kann nicht ponü|»en - ') Sehr bexoichnond ist 
der HesrhluKS des Itaseler Hats vom 15. Mai: Kommt der (iraf als I<and* 
vogt und Hauptmann im Namen des Kr/berzogs in die Stadt, so sott 
man ihm sebouken wie seinen Vorgängern, kommt er aber von Tfefllngoa 
in gemein eigenen (iesobüften, so soll man ihm nichts Nerebren, sondom 
es vermeiden. Üchs 4, 289. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 203 

Streitigkeiten Hess er auch jetzt als Landvogt nicht ruhen. 
Derselbe Mann, der den Frieden aufrecht erhalten sollte inner- 
halb seines Amtsbezirks, trug am meisten dazu bei, ihn zu 
stören. 

Einstweilen aber brachte er durch seine Thatkraft Leben 
in den schleppenden Gang der Geschäfte. Der nach Breisach 
anberaumte Tag war nach Basel verlegt worden und zahlreich 
besucht; es waren nicht bloss Gesandte der Mitglieder des 
Obern und Niedern Bundes, sondern auch Bevollmächtigte 
des Sire de Craon und des Herzogs von Lothringen zugegen. *) 
Die Notwendigkeit, etwas wider den streifenden Feind zu un- 
ternehmen, war auf's neue recht zutage getreten in Anlass 
des dringenden Hilfegesuches seitens des Bischofs von Basel, 
der gerade jetzt von den Burgundern schwer bedrängt wurde. 
Während die Bemer die Franche-Comte heimsuchten, war so- 
wohl auf der Baseler als der Mtimpelgarter Seite der Krieg 
eifrig weiter geführt, und namentlich die reisigen Scharen 
des Herzogs von Österreich und Strassburgs hatten sich recht 
rührig gezeigt. So machten am 28. April Herr Friedrich von 
Fleckenstein und Herr Rudolf von Wattwiler einen Streifzug 
weit ins Land hinein, verbrannten am folgenden Tage den 
Flecken Mont-Justin nebst 14 andern guten Dörfern, erstürm- 
ten auf dem Rückwege Schloss Moffans und kehrten mit an- 
sehnlicher Beute, darunter an 600 Stück Hauptvieh, wieder 
heim.^) Als dann aber die Berner aus der Franche-Comte ab- 
zogen, konnten sich die burgundischen Reitergeschwader nach 
dieser Seite hin zur Deckung wenden. Gegen Mümpelgart, 
H^ricourt und Beifort, die festen Stützpunkte der Niedern 
Vereinung, konnten sie freilich nichts ausrichten, und es ist 
an dieser Stelle noch eines kühnen Reiterstückleins zu ge- 
denken, das die Herren Friedrich Kappler und Friedrich von 
Fleckenstein^) am 17. Mai verübten. Eine burgundische 



1) Knebel 11, 228. Vgl, das Schreiben des Strassburger Abgesandten 
Hans Rudolf v. Endingen im Strbg. St.-A. 1V/70. — Die Akten des Tages 
fehlen. — ^) Sehr. Rudolfs v. Wattwüer ohne Datum. Kohnar St.-A. 
— Mitteilung Strassburgs an die Hauptleute im kaiserl. Heer am 3. Mai. 
AA. 275. Vgl. auch Basel A. St. 91/163. — Knebel 236 scheint dies 
Scharmützel mit dem folgenden zusammenzuwerfen. — ^) Bericht Flecken- 
Bteins an Strassburg vom 17. Mai. AA. 274. Vgl. auch Edlibachs Chronik 
ed. üsteri p. 149. 



204 Witte. 

Reitei*schar aus LMsIe iiml Blamont in der Stärke von 120 
rforden hatte in die (logond von Müinpolgart und Höricourt 
einen Streifzug unternonunen und waif^n mit ihrer Beute wie* 
der abgezogen. Beide Herren setzten dem Feind mit 70 
Pferden nach; Herr Friedrieh Kappler erreichte ihn zuerst 
auf Seitenwegen in der Nähe des Doubs und griff ihn mit 
seinem Häuflein von 30 Pferden mutig an, indem er zugleich 
an die zurückgebliebene Abteilung sandte, ihm schleunigst itt 
Hilfe zu kommen. Als diese ihre Ankunft durch Hörnerklang 
und Trompetenschau verkündeten, glaubte der Feind nicht 
anders« als eine bedeutende Übermacht zöge heran, und ergriCF 
schleunigst die Flucht. Etliche sprengten mit ihren Pferden 
Über ^vast hohe" Felsen und fanden dabei den Tod, andere 
ertranken in den Fluten des Doubs. An 40 reisige Pferde 
wurden erbeutet, 18 Gefangene gemacht. „Seiton verliefen 
acht Tage, dass sie nicht Ähnliches vollbracbten/ Anders 
hingegen stand es auf der Baseler Seite, wo Herr Heinrich 
von NeufcluUel mit Zinsen die Verwüstungen heimzahlte, welche 
namentlich Bieler Freischaren verübt hatten. Duit:h einen 
Handstreich gelang es, das feste Schloss Kallenberg, wo der 
Bischof aus übel angebrachter Sparsamkeit nur seclis Knechte, 
darunter drei Burgunder, als Besatzung liegen hatte, zu über- 
rumpeln. Der Platz wurde dem Erdboden gleich gemacht 
und nun auch Goldcnfels und St. Ursanne bedroht. Der Bi- 
schof wandte sich am 5. Mai an die gerade zu Basel tagende 
Vereinung um Hilfe und diese hatte ja auch den besten 
Willen, dem Bischof Luft zu machen. Es handelte sich nur 
noch darum, die Eidgenossen zur Teilnahme zu bestimmen. 
An der Bereitwilligkeit Berns konnte kein Zweifel sein, und 
was Bern that, dem folgten Freiburg und SoloUiurn nach. 
Luzern aber, das sonst auch an demselben Strange zog, zeigte 
sich ziendich spröde, und die Übrigen Orte hatten solches An- 
sinnen ja wiederholt rundweg abgelehnt. Freilicli hatte sich 
die Sachlage erheblicli verändert, seitdem nun der König so* 
wohl in der Picardie als aucli im (Gebiet der obern Saone 
und Seine mit JMolg den Krieg eröflfnet hatte, und es schien, 
als ob die Eidgenossen sich diesmal der Teilnahme am Feld- 
zug kaum entziehen könnten; aber die allgemeine Stimmung 
war doch die, dass man zunächst den Ausgang der Belagerung 
von Neuss abwarten wollte: wurde der Herzog von Burgund 



Zur Greschichte der Burgunderkriege. 205 

'dort geschlagen *), so konnte man noch früh genug die Waflfen 
ergreifen und sich an dem grossen Fang beteiligen. Man 
1)cdurfte also ausserordentlicher Mittel, um den Eifer der 
Schweizer zu erwecken, und es wurde auf dem Tag der Vor- 
schlag laut, den Schweizern 10 000 Gulden für ihre Teilnahme 
zu bieten. Der Graf von Tierstein hatte es leicht, sich aus 
dem leeren Geldbeutel seines Herrn gefällig zu zeigen ; Strass- 
burg und Basel waren ihrerseits nicht abgeneigt, einige Geld- 
opfer zu bringen, nur die kleinern Städte wie Kolmar, Kaisers- 
berg, Münster und Obernehenheim erklärten sich dagegen*) 
und von ihrem Standpunkt aus gewiss mit Recht: sie ver- 
mochten nicht einzusehen, weshalb die Schweizer anders ge- 
stellt sein sollten als sie, die auch ihr Gut und Blut einsetzen 
mussten. Der Abschied ging dahin, dass man sich auf einem 
folgenden Tag zu Basel am 19. Mai darüber endgiltig schlüssig 
machen sollte, was man allenfalls den Eidgenossen bieten 
wollte. Inzwischen hatte Bern am 12. Mai einen Tag in die 
eigene Stadt anberaumt auf den 23. Mai^), um davon zu 
handeln, „durch was mittel förer die Übung des velds und 
kriegen, besunder in betracht des trostlichen erbietens des 
herm von Croan zu handeln sie". So schrieb es am 15. Mai 
an König Ludwig und bat ihn, sich nun ebenfalls thatkräftig 
des Krieges anzunehmen: „das wirt aller teil nutz wol fur- 
dern und die m&g der kriegen zu begirlicher frucht ziechen".*) 
Inzwischen gedachte Graf Oswald bereits alle nötigen Vor- 
kehrungen zu treffen, um sofort ins Feld zu rücken, sobald 
die Eidgenossen ihren Beistand zugesagt hatten, und erliess 
daher am 17. Mai an die einzelnen Landstände der öster- 
reichischen Vorlande den Befehl, sich gerüstet zu halten, um 
auf Mahnung sofort auszurücken und eine Weile im Felde 
bleiben zu können; auch sollten sie von Stund an Korn malen 
lassen, um einen genügenden Vorrat zu „veilem kouf* für 
die Eidgenossen ins Feld zu führen. Vor allen Dingen aber 
handelte es sich darum, von den Ständen Geldmittel zu er- 
halten, um den Feldzug überhaupt unternehmen zu können. 
Zu diesem Zweck schrieb der Graf auf den 29. Mai einen all- 



^) Vgl. den Bericht von Azzo Visconti aus Bellinzona an den Hz. 
von Mailand vom 14. Mai. Gingins 1. c. 114. — ») Vgl. das Sehr. Tier- 
gteins an Kolmar vom 19. Mai. Kolmar St.-A. — ") Bern A. l. c. 460. 
— *) Bern A. T. M. C. 463. 



20() Witto. 

gemeinen Landtag nach Ensislieini aus. <) Zugleich wandte 
vx sich an Kolmar und bat es, seinen Widerspruch widor die 
Zahhmg einer „f ursture ^ an die Kidgenossen fallen zu lassen 
und in diesem Sinne auf die übrigen kleinen Reichsstädte 
wie Kaisersberg, Münster und Obernehnheini einzuwirken. Die 
Bitte scheint, wenigstens was Kohnar und Schlettstadt betrifft, 
von Erfolg begleitet gewesen zu sein, und somit war die 
Niedere Vereinung in der Lage, den h'adgenossen auf dein 
Tage zu Hern das (lebot von 10 000 (lulden zu machen, denen 
der I^isehof von Hasel noch 500 hinzufügte. Die Stimmung 
war eine günstige, wozu das Jahrgeld von 20 000 Franken, 
das endlich angelangt war, nicht wenig beigetragen haben 
mag.-) Leider ttiessen die Nachrichten über den Tag sehr 
spiirlich; soviel aber steht fest, dass die anwesenden eidgenössi- 
schen r*oten dem (iedanken einer genieinsamen Uecrfalirt 
nicht abgeneigt waren. Einen bindenden Entscheid zu geben 
waren sie nicht in der Lage; das blieb einem weitem Tage 
zu Luzern vorbehalten. Zugleich scheinen jetzt bereits Ver- 
abredungen getroiTen worden zu sein, um nicht auf's neue 
Streitigkeiten wegen der Beute aufkommen zu lassen. Die 
Beute sollte gemeinsam sein, während die Eroberungen den- 
jenigen zufallen würden, welche die 10 000 dulden bezahlten, 
das heisst der Niedern Vereinung, 

Wenn es noch eines IU>weises bedurfte, wie notwendig es 
war, etwas gegen die burgundischen Ueiterscharen zu unter- 
nelunen, so wurde derselbe jetzt erbracht, als der Herr von 
Neufi*liÄtel aufs neue am 26. Mai einen verheerenden Streif- 
zug in Baseler und Sundgauer (iebiet unternahm. Bis gen 
llirsingen drang er vor und legte 40 Dörfer in Asche.') So 
gross das Unglück war, es konnte immerhin dazu dienen, die 
österreichischen Stande gegenüber den Forderungen des I^and- 
Vogtes willfahrig zu machen; die Art und Weise aber, wie 
der Lantlvogt dabei verfuhr, vermochte nur das ({egonteil zu 
bewirken. Man weiss, wie mehr als alle Gewaltthat Ilagen- 
bachs seine Forderung des bösen Pfennigs die (lomüter er- 
hitzte. So erregte es allgemeine Erbitterung, als jet^t der 
Graf von Tierstoin mit derselben Forderung hervortrat.*) 

>) Sclircibor, Urkundcubuch der Stailt Freiburg 646. — «) Knebel 
239. ■ - ») Knobol 288. Vgl. auch lUösch p. 278. — ♦) Knebel 260. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 207 

Noch mehr aber erbitterte es, dass das Geld dazu diene» 
sollte, die verhassten Schweizer zu bezahlen. Namentlich die 
rechtsrheinischen Stände erklärten sich dagegen; und sehr 
richtig wurde bemerkt, dass sie ebensogut ihre Haut zu Markt 
tragen müssten wie die Schweizer und dass kein Grund vor- 
handen wäre, sie noch besonders zu bezahlen. „Sie sind 
unsere Verbündeten und sollen ihre Schuldigkeit thun, wie wir 
sie auch thun wollen mit Leib und Gut; ihnen dafür etwas 
zu zahlen ist nicht unsere Absicht." Andere Stände, nament- 
lich die aus dem Oberelsass und Sundgau, erklärten sich 
wenigstens bereit, die Sache in Erwägung zu ziehen. 

III. 

So standen hier die Dinge, und nun kam der Tag von 
Luzern heran, auf dem die Entscheidung fallen sollte, ob die 
Eidgenossen, wenn auch um Lohn, und die Niedere Vereinung 
Seite an Seite kämpfen sollten. An sich mussten die Aus- 
sichten günstig erscheinen. Bern war in der Lage, Brief- 
schaften vom französischen König vorzulegen, und das statt- 
liche Verzeichnis eingenommener fester Plätze in Artois und 
Picardie konnte unmöglich des Eindruckes verfehlen und 
musste für die Einladung des Königs zu einem gemeinschaft- 
lichen Feldzug ins Gewicht fallen; auch ein Schreiben des 
Sire de Craon lag vor, worin er von seinen Erfolgen Kunde 
gab und zum Losschlagen^) aufforderte; Burgund sei verloren, 
die Zeit der Ernte gekommen. Dennoch wehte ein ganz 
anderer Wind wie auf dem Tag zu Bern. Die Parteistellung 
der Länder und Zürichs trat immer schärfer hervor; das sprach 
sich auch darin aus, dass lauter neue Boten abgeordnet waren, 
die sich in den vorhergehenden Verhandlungen nicht die 
Hände gebunden hatten. Vielleicht hätte ein herzhaftes An- 
gebot der Niedern Vereinung Erfolg erzielt, aber die Ge- 
sandten glaubten in dieser Hinsicht gegenüber den Eidgenossen 
nicht vorsichtig genug sein zu können: sie befürchteten, wenn 
sie einmal das Geld zugesagt hätten, dass sie es auch dann 
bezahlen müssten, wenn der Zug nicht zustande käme; und 
ausserdem wollten sie vorher bindende Verabredungen treffen 
sowohl über die Richtung des Feldzuges als auch über die 



1) Bern A. T. M. C. 472—74. 



208 Witte. 

Beute und die Kroberuu^on im Sinn der Berncr Beschlüsse. 
Dazu kam nun, dass die VorsammlunK unter dem Eindruck 
einer falschen Nachricht stund, die von Burgundern in Um- 
lauf gosozt war, um den Feldzug zu hintertreiben, wonach 
der Kaiser mit dem Herzog Frieden geseldossen hätte und 
dieser bereits von Neuss abgezogen wäre. Angesichts dieser 
veränderten Lage wollten die eidgenössischen Boti»n sich «war 
noch nicht endgiltig aussprechen, aber im Prinzip lehnte die 
Mehrheit jetzt bereits jegliche Beteiligung an item Zuge ab; 
was die Vereinung jedoch vorschreibe, dem wolle man getreu- 
lich nachkommen. *) Wenn nun auch jene Nachricht sich 
nicht bestätigte, so war doch das, was man aus dem l4iger 
vor Neuss erfuhr, gerade nicht geeignet, die Kidgenossen zu 
einer andern Haltung zu bewegen, und so lautete die Antwort, 
welche sie am 15. Juni der Niedern Vereinung erteilten, ab- 
schlägig. 

Die Lage war jetzt für die Niedere Vereinung in höchstem 
Grade gespannt. Ks stand in der That fest, dass Kaiser 
Friedrich mit Herzog Karl einen WatTenstillstand geschlossen 
hatte, aber welches waren die Bedingungen? Die Verhand- 
lungen waren in tiefstem (Jeheimnis gefllhrt worden; nur ein- 
zelne besonders vertraute FUrsten waren vom Kaiser hinzu- 
gezogen. Man hörte, dass die Belagerung von Neuss auf- 
gelioben wäre und beide Heere abziehen sollten, aber damit 
konnte der Inhalt der Abmachungen nicht erschöpft sein. 
Mit Hecht musste diese (üeheimnisthuerei argwöhnisch machen. 
Dem Kaiser war nicht zu trauen, und die Niedere Vereinung 
sowohl als Bern mussteu zu erfahren suchen, wie sie in den 
Verhandlungen betiacht wären; denn das Verhältnis der Pfand- 
lande konnte in den Abmachungen nicht unberührt geblieben 
sein. Einstweilen hoffte Bern das Beste. Ks hatte durch 
seinen Stadtschreiber aus dem Lager von Neuss als ganz 
sicher erfahren und meldete am 18. und 10. Juni dem König, 
dass die Abmachungen zwischen dem Kaiser und Herzog ledig- 
lich die Aufhebung der Belagerung und den Abzug beider 
Heere beträfen ; ohne /ustinunung von König Ludwig und den 

^) Vgl. Horioht von StrAssburgs Abgoonhioton Haiis Ihulolf y. En« 
dingen und Potor Srhott. AA. ^71 n. IV/70. ^) Kiilgi»n. Absch. 11, IM. 
Vgl auch Knebel lMI u. 245 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 209 

Verbündeten werde der Kaiser keinen Frieden mit Herzog 
Karl schliessen. Vielmehr beabsichtige der Kaiser den Krieg 
weiter zu führen und er wünsche, dass auch die Verbündeten 
die Feindseligkeiten fortsetzten. Ja, es verlautete sogar, 
der Kaiser wolle gen Metz ziehen und von da aus den Krieg 
wider Burgund im Verein mit Herzog Ren6 von Lothringen 
und dem Sire de Craon weiter führen. Mit blossen Gerüchten 
konnte Strassburg jedoch nicht gedient sein; es musste Ge- 
wissheit haben, und so begab sich Herr Philipp von Mülnheim 
mit Herrn Hans von Kageneck und Meister Lienhart Am- 
meister zum Kaiser und baten um Mitteilung des Inhalts der 
mit dem Herzog von Burgund getroffenen Richtung. Der 
Kaiser bedang sich Geheimhaltung seiner Mitteilungen aus 
und gab dann in ähnlicher Weise Erklärungen, wie sie von 
Bern an König Ludwig mitgeteilt worden waren: er sei in 
keiner Weise gesonnen, ohne des Königs oder der Bundes- 
genossen Wissen und Willen Frieden zu schliessen; Strass- 
burg möge nur nach bestem Vermögen den Krieg weiter fort- 
führen; er selbst hoffe auch „in fernerer Arbeit und Nach- 
folgung" das Beste zu thun ^) 

Einstweilen mussten diese Eröffnungen beruhigend wirken, 
bis die volle Wahrheit dann allmählich an den Tag kam; nur 
soviel war an diesen Erklärungen wahr, als unter Erwägung 
der vorliegenden Verhältnisse die endgiltige Regelung des 
Friedens fernerer Verhandlung vorbehalten war. Die Niedere 
Vereinung und Bern mochten nur in gutem Glauben weiter 
kämpfen, während er sie stillschweigend ausgeliefert hatte; 
auf den Herzog von Lothringen meinte er um so weniger 
Rücksicht nehmen zu brauchen, als derselbe lange genug als 
Bundesgenosse des Herzogs von Burgund das Reichsheer durch 
Gewährung freien Durchzuges für die burgundischen Kriegs- 
völker schwer geschädigt und erst zuletzt das Schwert gegen 
Herzog Karl gezogen hatte. Dafür hatte der Kaiser das Ver- 
sprechen des Verlöbnisses seines Sohnes Maximilian mit Maria 
von Burgund in der Tasche.^) Was schadete es, wenn Karl 



^) Placeat nobis ceterisque in ducem praefatum hostili more ten- 
diere; quod et Imperator ipse pari passu suo cum exercitu, quem adhuc 
agregatum habet, facere praesumat. Hec sunt que pro certissimis habe- 
mus. Bern A. Lat. Missiven A. 379. — ^) Strbg. St.-A. AA. 274. — 
^ Markgraf, De hello Burgundico 59. Vgl. auch Rausch, Die burgundische 



210 Witte. 

Lothringen eroberte! Das Erbteil seiner Tocliter wurde nur 
noch grösser. Und wenn Karl die Schweizer zu Paaren trieb, 
so befriedigte er damit einen Herzenswunsch des Kaisers, 

Am schlimmsten war aber König Ludwig gefahren; was er 
befürchtet hatte, war nun tioch elngetrotVen. Die Landung des 
Königs von Knghuid stand bevor und gerade jetzt hatte der 
Herzog freie Hände bekommen. Was Frankreich vor 50 Jahren 
so verhängnisvoll geworden war, schien sich nun docli er- 
neuern zu sollen. Zuletzt als es zu spät war, hatte der König 
Miene gemacht, seine Verptlichtungen zu erfüllen. Wie er 
dem Kaiser am 2*J. Mai mitteilte, sollte der Sirc de Craon, 
der mittlerweile vor überlegenen feindlichen Streitkräften aus 
Burgund hatte abziehen müssen, den Marsch nach Luxemburg 
antreten.') Der Marsch geschah jedoch im Schneckenschritt, 
und als der französische (leneral sich endlich Mitte Juni mit 
Herzog Uene im Metzer Thal vereinigte, da erreichte die ver- 
einigte Streitmacht erst den dritten Teil der Ziffer, die in 
dem Bündnis zwischen den beitlen Herrschern ausbedungen 
war. Auch so zählte sie genug, um Herzog Karl auPs em- 
pfindlichste schädigen zu können, da das Herzogtum Luxem- 
burg gänzlich von Truppen entblösst war. Herzog Uene und 
der Sire de Craon zogen es jedoch vor, für den Rest des 
Monats billige Lorbeeren in der fruchtbaren Metzer Landschaft 
zw pttücken*); vielleicht auch wollten sie die Rückkehr eines 
Abgesandten abwarten, den der Sire de (Yaon wegen der 
schwebenden Friedensverhandlungen, von denen auch er ge- 
hört hatte, an den Kaiser geschickt hatte. Auch dem Fran- 
zosen erklärte sich der Kaiser in der nämlichen Weise und 
entsandte gleichzeitig an König Ludwig seinen getreuen Georg 
Hessler, um diesem die nändichen Krklärungen abzugeben. 
Wenn man dem König glauben wollte, wären erst auf diese 
Versicherungen hin die Franko-Lothringer in Luxemburg ein- 
gerückt und hätten Damvillers erobert, und sie wären weiter 
gen Köln gezogen den Burgundern in die Hände, wenn sie 
nicht rechtzeitig von der Auflösung des Ueichsheeres vernom- 
men hätten. 

Heirat Maximilians l. p. 141. — Sehr belolirend ist ein Uericht von Pani- 
garola über das Abkommen bei Gingins 1, 157. 

») Chmel I. c. 1. 208. - >) Vgl. meine Abhandlung Lothringen und 
Burgund im Jahrbuch lilr Lotiirüiger Ciosohiohte 11. 48ir. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 211 

So berichtete König Ludwig wenigstens am 22. Juli an 
Bern*) und drückte sich dabei voller Erbitterung über den 
Kaiser aus, der ihn getäuscht und hintergangen und damit 
das Verfahren fortgesetzt hätte, was er schon vor 30 Jahren 
l)egonnen.2) In ähnlicher Weise Hess er sich auch gegen den 
Kaiser aus, nachdem er doch gegenüber Hessler seine Ein- 
willigung erklärt hatte, wenn der Kaiser zwischen ihm und 
dem Herzog von Burgund vermitteln wollte; er hätte jetzt 
erfahren, was fernerhin dem Kaiser noch zu glauben sei.') 
Der König hatte nicht nötig, sich dem Kaiser gegenüber aufs 
liohe Boss zu setzen: sie waren beide quitt und ledig, der eine 
hatte Recht gehabt sich um den andern nicht zu kümmern, 
nachdem dieser seinerseits keine seiner übernommenen Verpflich- 
tungen erfüllt hatte. Die Vorwürfe des Königs bedeuten für 
den Kaiser ein Lob seiner staatsmännischen Klugheit, dass 
er sich nicht ebenso wie die übrigen Verbündeten missbrauchen 
Hess; und es war nicht ohne Berechtigung, wenn Kaiser Frie- 
drich seinerseits öffentlich erklärte, er habe Frieden mit Bur- 
gund geschlossen, weil der König seinen Verpflichtungen nicht 
nachgekommen sei. Dass aber der Kaiser nun sowohl den 
König als auch die Niedere Vereinung über das getroffene 
Abkommen zu täuschen und sie wider Burgund in Waffen zu 
halten suchte, das hatte seinen guten Grund. Die Not hatte 
den Herzog zur Nachgiebigkeit gezwungen gegenüber dem 
Xaiser*); die Not musste bleiben, bis die schwebenden Fragen 
endgiltig im Sinne des Kaisers gelöst waren, bis aus dem 
WaffenstiUstand ein Frieden, aus dem vorläufigen Abkommen 
ein endgiltiger bindender Vertrag wurde, der die reiche Erbin 
dem jungen MaximiHan sicherte. 



^) Basel A. St. 91/193. — ^) All sin red sind nit dann falsch lugnen. 
Der König spielt dabei an auf einen sonst nicht bekannten Vorgang aus 
dem Armagnakenkrieg, wie der Kaiser damals den Bischof von Basel und 
etliche andere, deren Namen der König nicht mehr weiss, zu etlichen 
„uwem" Boten schickte, die damals zu Basel waren, um sie um Hilfe 
wider „uns" zu mahnen, wiewohl alle Krieg von sein und des Hauses 
Ostreich wegen zwischen uch und uns waren angehept, aber der ewige 
Gott wollte nicht leiden, dass wir in solche Beschädigung kamen, und 
eure Boten wollten seinem Gebot nicht folgen, sondern machten mit uns 
Frieden. — •^) Sehr, vom 20. August; auch hier spielt der König auf 
obigen Vorgang an. Kolmar A. — *) Vgl. den angeführten Bericht Pani- 
garola's 



212 \Vittt\ 



IV. 



Ks luHlurfto nicht der AutTonlorun^ dos Kaisers, um die 
Niodore Voroinung bei der foiiulseligou Haltung wider Bur- 
gund fostzuhalton. Solir bodenklioh aber war es, dass jetzt, 
wo oinigos /usannnonliniton /.wischen liogiorondon und Re- 
giert tMi mehr donn je notwondiü: war, tlor Ilischof von Basel 
und (traf OswaUl von Tierstoin geradezu mit einander welt- 
eiforttMi, um die genieinsohatt liehe Sache dem Volke verhasst 
zu machen. Der Biscliof war noch immer niclit dun*h Scha- 
den khig geworden, und der Landvogt zeigte zum mindesten 
dieselbe zufahrende Habsucht wie jener. So fiel ein Zug, den 
beide um den 8. Juni planten, \m\ dem Herrn von Neufchatel 
seinen letzten Kinfall heimzuzahlen, dadurch ins Wasser, dass 
der Landvogt, noch bevor die Heute gemacht war. Über die 
Verteilung sich mit den Seinen nicht einigen konntet) Fllr 
Herzog Sigmund und den Puscliof verlangte er die eine Hälfte 
vorweg und von der andern Hälfte sollten die Reiter zwei An- 
teile erhalten und die Kusstruppen das übrige. Davon w*oI]ten 
die letzteren nichts wissen uiul tier ganze Haufen lief aus- 
einander. So konnten die Burgunder einstweilen von Blaniont 
aus ihre PlUnderungszüge bis vor die Thore von Pruntrut 
weiter fortsetzen. Die rruntruter erwiderten dieselben nach 
Kräften; einmal trafen sich beide Teile auf der UUckkohr 
vom Itaube und die deutschen Knechte jagten den Burgundern 
ihre r»eute ab. Davon verlangte mm der Bischof als Landes- 
herr die Hälfte, und da er sich mit dem nicht zufrieden geI)on 
wollte, was man ihm anbot, erhielt er gar nichts.*) Erfolg- 
reicher war ein Streitzug, den Heisiue und Kussvolk nun aus 
llericourt, Mümpelgart, Datienried und andern Orten um den 
11. Juni unternahmen Ks gelang ihnen, Schloss Lomont, 
zwischen Luders und Hericourt gelegen, zu erobern. Reiche 
Beute tiel ihnen anheim, da die Ihnwohner ihre Vorräte nach 
flem festen Platze getlüchtet hatten. Dius Schloss hätte der 
Abt von liüders gern gekauft, aber (traf O.^^wald beanspruchte 
es für steinen Herrn und kaufte den Leuten zugleich die er- 
beuteten Vorräte ab, mit denen er das Schloss versah.*) Von 
da ging es weiter bis Courchaton und Villechevroux. Der 
Sire von NeufchAtel, der eben im BegrilV stand, von Vauvil- 

«) Knebel LMS. - - ») Knebel iMi^. - - ») Knebel ^fiG. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 213 

lers aus den Besuch des Sire de Craon zu erwidern, konnte 
sber, behindert durch Überschwemmung und Meuterei italieni- 
scher Söldner, die Deutschen nicht mehr erreichen, welche 
glücklich heimkehrten. 

Es musste sich nun zeigen, ob man sich auch ohne die 
'Eidgenossen an grössere Unternehmungen heranwagen durfte. 
'Wieder einmal trat die Niedere Vereinung zu Ensisheim *) am 
19. Juni zusammen. Darüber wurde einstimmiger Beschluss 
gefasst, dass der Feldzug vorzunehmen wäre, allenfalls auch 
ohne Teilnahme der Schweizer, wenn auch die Städte dem 
nur schweren Herzens zustimmten; denn in der Teilnahme 
der Eidgenossen lag ihnen gerade die sichere Bürgschaft des 
Gelingens. Auch das Ziel wurde ins Auge gefasst, aber hier 
schon trafen die Gegensätze aufeinander. Die Städte waren 
einem Zusammenwirken mit den französischen und lothringi- 
schen Streitkräften nicht abgeneigt, aber in erster Linie ging 
ihre Absicht doch darauf, an den Grenzen Ruhe zu schaffen 
und die Burgen der burgundischen Barone zu brechen. Am 
meisten musste dieser Plan neben dem Bischof von Basel dem 
Herzog Sigmund zu statten kommen, denn gerade sein Ge- 
biet litt am meisten unter der Unsicherheit der Grenze. Um 
so aujQfallender ist es, dass der Landvogt denselben nach 
Kräften bekämpfte. Es wohnten zwei Seeleu in seiner Brust, 
und der Tiersteiner überwog. Mit den burgundischen Baronen 
war er versippt und befreundet, und schliesslich zeigte sich 
auch hier wieder, dass der Adel einerlei welches Landes eine 
allgemeine Familie bildete. Zu einem Vernichtungskrieg wi- 
der die Burgen seiner Standesgenossen mochte er nur sehr 
ungern die Hand bieten; am liebsten hätte er sich frischweg 
mit dem Herzog von Lothringen vereinigt und den Krieg in 
der Franche-Comt6 ganz beiseite gelassen. Dieser Mangel 
an Einheit in den Entschlüssen kam recht deutlich zu Aus- 
druck in dem Schreiben an den Herzog von Lothringen, wo- 
rin ihm die Niedere Vereinung ankündigte, dass sie in 15 
Tagen mit ganzer Macht und Geschütz vor Blamont rücken 
und von da vor andere Burgen und Städte ziehen wollte. Zu 
einem gemeinschaftlichen Feldzug war Blamont als Anfangs- 
punkt zu weit gelegen und dennoch wurde er ins Auge ge- 



1) Gingins, Depöches 1, 168. — ») Knebel 253. Vgl. auch Ochs 4, 280. 

ZeltBchr. f. Gesch. d. Oberrh. N. P. VIII. 2. 14 



214 Witte. 

fasst. Don Kidgenossou wurde ontäprochond aui 20. Juni ge- 
schrieben, dass man auf Andrängen der französischen Haupt- 
Icute und des Iler/ogs von Lothringen und um eigener Not- 
durft willen den Feldzug nicht hiitte anstehen lassen können; 
man wolle donmach im Namen und mit der Hilfe Gottes sich 
um 8. Juli im Lager zu Dammerkirch vereinigen und alsdann 
am andern Tage in burgundisdies Land rücken und den Franzo- 
sen und Lothringern sich nähern und zuziehen. Sie wurden 
daher um „getreues Aufsehen'' und nochmals um eine wenn 
auch geringe Anzahl Knechte gebeten.*) 

Ks musste dann die Stärke des Heeres bestimmt werden, 
und da gritr man auf den Anschlag des Auszuges von Höri- 
court zurUck. Audi hier zeigte sich wieder, wie wenig es 
der Landvogt verstand, innerhalb dieser Vereinung den einigen- 
den Mittelpunkt zu bilden. Gewiss entsprach es nicht diesem 
Anschlage, wenn nun die Strassburger Uevollmächtigten Herr 
Hans Uudolf von Kndingen und der vortreiflidie Altammeister 
Peter Sdiott fllr ihre Stadt nur GOO Fusskncchte und 300 
Ileisige bewilligen wollten; aber Strassburg hatte sein Auge 
auch auf mehr als einen Punkt zu richten und hatte schwer 
an den Kosten des Zuges von Neuss zu tragen. Und am 
allerwenigsten passte es fllr den österreichischen Landvogti 
dessen Herr bisher verhältnismässig am wenigsten geleistet 
hatte, hochfahrend zu erwidern: dann möge man dodi lieber 
daheim bleiben; trotzdem werde er mit 5000 zu Fuss und 
G- oder 700 zu Hess ins Feld ziehen. In der That gedadite 
der Landvogt mit bedeutender Streitmacht ins Feld zu rticken, 
aber wie immer fehlte es fllr die Zurilstungen an Geld, und 
mit dem bösen Pfennig stiess er auf rechtsrheinischem Gebiet 
nach wie vor auf den heftigsten Widei^stand. Zu Breisadi 
hatte er pei^sönlich die Bewilligung der Steuer durchzudrucken 
gesucht, aber es entstand ein grosser Auflauf und er musste 
mildere Saiten aufziehen. Dafür rächte er sich dann, indem 
er am folgenden Tage drei Breisacher BUrger zu Bicsheim 
gegenüber l^reisach aufheben und gen Knsisheim abfuhren 
Hess; die Bürger von Breisach machten sich auf die Ver- 
folgung, konnten jedoch die Ihren nicht mehr erreichen. Auch 
mit dem Adel vermochte er sich nicht zu stellen und schon 

h Strbg. St.-A. AA. 270. - ^) Strbjr. St.-A. 1. r. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 215 

-erhob sich der Buf von einem zweiten Hagenbach. So sah 
68 denn mit den österreichischen Rüstungen einstweilen ziem- 
lich fadenscheinig aus.O 

Anders stellte sich die Sache mit den Städten. Wenn die 
Eidgenossen sich auch nicht von Staatswegen an dem Zuge 
beteiligten, so war doch eine Teilnahme von eidgenössischen 
Knechten gegen Sold nicht ausgeschlossen, und so hatte Strass- 
"burg sofort Herrn Peter Schott beauftragt, 400 Knechte un- 
i;er den Eidgenossen anzuwerben. Einige Sorge machte den 
biedern Stadtvätern die gleichmässige Bekleidung in den Strass- 
burger Farben Rot und Weiss. Da nun aber eine Einkleidung 
cler Söldner in Strassburg Schwierigkeiten machen musste und 
•die Einkleidung der übrigen Mannschaften ohnehin viel Tuch 
und vieler Schneider Hände erforderte, so stellte es die Stadt 
Herrn Peter anheim, entweder selbst Stoff einzukaufen oder 
den Knechten das Geld dafür zu geben. 2) Ebenso hatten 
zwei Kolmarer Ratsfreunde Hans Hüter und Hans Amann 
Auftrag erhalten, 100 Knechte anzuwerben, und auch Basel 
gedachte auf die Mitwirkung eidgenössischer Knechte nicht 
zu verzichten. Dabei wollte man nun aber doch noch einen 
Versuch machen, die Eidgenossen zu einer amtlichen Teil- 
nahme zu bewegen.^) Zunächst ging die Reise nach Solothurn, 
der eigentlichen Söldnerherberge, wo Herr Peter Schott mit 
den Kolmarer Ratsfreunden am 23. Juni ankam, allerdings zu 
ungelegener Zeit ; denn es fand gerade der Wechsel der städti- 
schen Behörden statt. Der Stadtschreiber Hans vom Stall, 
ein eifriger Gegner Burgunds, seitdem er von König Ludwig 
eine Pension bezog, gab den Herren den guten Rat, mit dem 
eigentlichen Zweck ihrer Sendung zurückzuhalten und zu ver- 
suchen, ob sie nicht auch so Zuzug erlangen könnten. Der 
Wink wurde nicht unbeachtet gelassen, und am folgenden 
Tage vor versammeltem Rate setzte Schott in sehr geschickter 
Rede die Lage der Dinge auseinander und betonte namentlich, 
dass die Vereinung deshalb den Zug unternehme, weil sie ihn 
dem Sire de Craon versprochen hätte, der sonst stille sitzen 
und nichts unternehmen würde. Die Kosten seien nur gering, 



1) Knebel 264. Vgl. auch Schreiber 1. c. 546. ~ ») AA. 271. — 
^ Ich benutze den ausfuhrlichen Bericht von Peter Schott AA. 278. Vgl. 
auch Diebold SchUling 188. 

14* 



216 Witte. 

da das welsche Land, sobald man nur dahin k&mo, Unterhalte 
genug biete, man bedürfe auch nur einer geringen Truppen- 
niacht der Kidgenosson; „sunder wan ir bi uns sint, so ist 
nie unib das geschroi dan unib die niaht, dann ir haut durcli 
uwer altfordern bi(> uiT uch harbroht, wo ir zfi fehle ziehenti 
das ein gruson und ein forht der wich^rparten davon entstott". 
Das entsprach in der That der Wirklichkeit und wurde auch 
gern gehört. Der Schultheiss gab darauf im Namen der Stadt 
seinem Uedauern Ausdruck, dass die Kidgenosscnscliaft sich 
gegen einen gemeinsamen Foldzug so ablehnend verhalten 
hätte; „wäre jedermann ihres Willens gewesen, so wären die 
Dinge hinge zu Knde gebracht, und sie wären alle, wie sie 
da sässcn, noch gutwillig zu den Sachen zu thun''. Da nun 
aber die Stadt zunächst durch die Besetzung der Ämter voll- 
auf in Anspruch genommen war, gab der Schultheiss den Be- 
vollmächtigten den Hat, zunächst um Zeitversäumnis «u ver- 
meiden, nach Bern zu reiten und auch dort ihre Sache vorzu- 
tragen; an ihnen werde es nicht ernuiugeln. 

Der Rat wurde befolgt; noch an demselben Tag ritten sie 
gen Bern, wo sie die zuvorkonnnendste Aufnahme fanden. Am 
andern Morgen wurden sie vom Hat empfangen; Schott hielt 
die nämliche Rede, doch „mit einem andern titter und wies 
dann auf die Freundschaft zwischen beiden Städten hin, ent- 
hielt sich aber auch hier zunächst jeder Andeutung, dass er 
Auftrag hätte, Leute zu werben, um „den gemeinen Mann 
nicht unwillig zu machen** , der sich alsdann in seinem Ver- 
dienst gekürzt sähe. Ks wurde ihm entgegnet, dass die Stadt 
softii't nach Kmpfang des Schreibens vom Tage zu Ensisheim 
LuzeniM, Freiburg, Solothurn, Biel, Murten und andere Zu- 
gowauilte sowie Herrn Nicolaus von Diessbach, der lange ge- 
nug gebadet, auf den 29. Juni gen Bern geladen hätte*); so 
lange möchte Schott warten. Der wies nun darauf hin, wie 
die Zeit zu sehr drängte und der Zeitpunkt des Aus/ugos 
nahe bevorstünde. Damit traten die Bevollmächtigten ab. 
Herr Doktor Thüring Fricker uml der von Kriach brachton 
ihnen darauf Antwort in die Herberge: «Ihre Herren wären 
des Willens, was sie gemeinen Bundherrn wUssten, das ihnen 
liüb wäre, zu thun, und sonderlich einer Stadt Strassburg, die 

^) Das botroffmdü Srhroibcu vom 24. Juni au Luzoru im huxcni. A. 



Zur Greschichte der Burgunderkriege. 217 

^r yiel am sie verdient hätte, denn die Geschichte von des 
Ton Geroldseck wegen wäre noch unvergessen.*) Darum 
trollten sie kurzen Austrag machen und am Freitag (30. Juni) 
Antwort geben. Bis dahin möchte Schott bleiben; der willigte 
ein und erzielte nun auch den besten Erfolg. Am 1. Juli 
beschloss der Kleine Rat einhellig, Strassburg 400 Mann um 
Sold zu stellen, sowie bei dem Grossen Rat zu beantragen, 
der Stadt noch weitern Zuschub zu thun, ohne dass Strass- 
hurg für mehr als 400 Mann Sold zu zahlen brauchte; und 
es wurde in der That am folgenden Tage gemeinlich beschlossen, 
m den 400 besoldeten Knechten noch 1000 Mann auszusenden. ') 



V. 

So glatt freilich wie es den Anschein hatte, waren auch 
in Bern die Dinge nicht abgelaufen; noch einmal hatten die 
Häupter der französischen und burgundischen Partei, Herr 
Nikolaus von Diessbach und Herr Adrian von Bubenberg, die 
Waffen ihres Einflusses mit einander gemessen, und Herr 
Adrian mag in der offenkundigen Stimmung der Mehrheit der 
-eidgenössischen Orte keine geringe Stütze gefunden haben. 
Es hatte in der That sein Bedenkliches, gegen den aus- 
gesprochenen Willen der Mehrheit zu handeln; die Eidgenossen- 
schaft selbst konnte darüber in die Brüche gehen. Seit dem 
Zuge von Pontarlier war der Riss zwischen der Mehrheit und 
Minderheit immer grösser geworden, und wenn gewiss klein- 
liche Eifersüchtelei auf Bern, das mit seinen zugewandten 
Städten Freiburg und Solothurn den Hauptvorteil aus dieser 
Politik zog, ein gut Teil mit im Spiel war, so lässt sich auf 
-der andern Seite doch nicht verkennen, dass auch politische 
Erwägungen die Mehrheit zu ihrer Haltung bestimmte. Sie 
Wollte sich nicht in Unternehmungen einlassen, deren Ende 
nicht abzusehen war, vor allem jetzt, da Karl sich von Neuss 
abgewandt und niemand Sicheres wusste, wie sich das Ver- 
hältnis zwischen ihm und dem Kaiser gestaltet hatte. Von 
vornherein hatten die Eidgenossen es abgelehnt, als „Haupt- 



^) Es betrifft den Überfall Schweizer Kaufleute durch Diebold Herrn 
von Geroldseck und ihre Befreiung durch Strassburg. — ^) Bern A. Rats- 
manual 183 u. 185. 



218 Witte. 

sächor*' im Krieg aufzutreten, und es hatte seine Berechtigung, 
wenn sie sicli dagegen verwahrten, dass Bern diesen Stand- 
punkt eigenmächtig aufgab. Es handelte sieh nur darum, ob 
es nicht schon zu spät war. Die Wege Berns und seiner 
Bundesgenossen in der Franche - ComtA und im Jura waren 
mit Bhit gezeichnet; die Opfer zu Orbe und «leugne schrieen 
um Hache gen Himmel. Eine Umkehr gab es da nicht Wenn 
audi die burgundischen und savoyischen Unterhändler nebst 
klingenden tU)erredungskünsten honigsUsse Worte gebrauchten, 
Karl kannte keine Verzeihung und durfte sie nicht kennen 
um der Herzogin von Savoyen, seiner Waffenbruder Ilomont 
und Oh(iteau-(iuyon und seiner burgundischen Barono willen. 
Die Mehrheit war in ihrem Hecht, wenn sie auf ihrem Schein 
bestand, aber dieser Schein hatte durch die Thatsachen bereits 
seine (Jeltung verloren, und das grösste Hecht wurde «um 
grössten Unrecht. Bundesfreundlich war die Haltung auf 
keinen Kall, weder gegen Bern noch die Niedere Vercinung. 
Eine Verpflichtung zur Hilfe konnte zweifelhaft sein; sie lag 
nur vor für den Kall eines AngritVes. Wenn aber die Niedere 
Vereinung nicht angritV, so wurde sie angegriffen. Das hatten 
noch die Ereignisse des letzten Monats gelehrt, und der Fall 
lag gerade so wie im vergangenen Kriegsjahr. Anders stand 
es allerdings mit Krankreich. Die Eidgenossen waren nicht 
verpflichtet zu helfen; der König war bloss berechtigt, Werbun- 
gen anzustellen, und es war Sache Berns, dafür zu sorgen, 
dass diese Werbungen die festgesetzte Höhe erreichten. So 
lautete der Buchstabe des Vertrages; der (leist war aber ein 
andei*er. Wenn die Eidgenossen jetzt von einem Waffengang 
in Ciemeinschaft mit Krankreich nicht.s wissen wollten, jetzt wo 
der König selbst das Schwert gezogen hatte, so trug er aller- 
dings selbst die Schuld daran. Warum hatte er mehr versprochen 
als gehalten? Erst einmal war das «lahrgeld gezahlt worden; 
die von Herzog Signmnd überwiesenen 10 000 Franken stan- 
den noch immer aus; von den für die Häupter der Eidgenossen 
ausgeworfenen Uesinnungsgeldern scheint nur wenig gezahlt 
worden zu sein, und schon wurden Stimmen laut, dass man 
von dem Keldzug von Hericourt her noch 20 000 Gulden zu 
fordern hätte, weil der König damals „stillgesessen** hätte. 
Mancherlei kam da zusammen: Mangel an (lemeinsinn, Eigen- 
nutz, Kirchturms- und Kantönligeist, getauschte Erwartungen,, 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 219 

Furcht vor weitaussehenden Unternehmungen, Neid und Eifer- 
sucht, was die Haltung der Mehrheit bestimmte. Uuterwalden, 
das am längsten der ewigen Richtung und der französischen 
Einung widerstrebt hatte, war jetzt auch die treibende Seele 
der widerstrebenden Orte geworden.') Auf's neue kam es 
wie bei dem Zug gen Pontarlier zu gesonderten Beratungen 
zwischen den sechs Orten, und jeder Ort machte sich fest, 
bei den gefassten Beschlüssen zu beharren und nichts ohne 
den andern zu thun.^) 

Auch in Bern kam die Frage, ob es nicht am Ende doch 
ratsam wäre, Frieden mit Burgund zu machen, zu ernster 
Erwägung. Wenn auch für den Augenblick beruhigende 
Meldungen über die Absichten des Kaisers eingelaufen waren, 
so standen denselben auf der andern Seite doch ebenso beun- 
ruhigende gegenüber, und die Thatsachen schienen den letztern 
mehr Recht zu geben. Schliesslich war man doch jetzt auf 
den guten Willen des Kaisers angewiesen, und seine Gesinnung 
gegen die Eidgenossen war bekannt genug, als dass man sich 
in dieser Hinsicht trotz aller Worte allzu günstigen Erwar- 
tungen hingeben durfte. In burgundischen Kreisen hiess es 
nicht anders, als dass der Kaiser dem Burgunder die Niedere 
Vereinung und die Eidgenossen preisgegeben hätte. ^) Un- 
mittelbar nach dem Feldzug von Pontarlier war burgundischer- 
seits bereits der Versuch gemacht worden, mit Bern zu einem 
Frieden zu kommen; jetzt, wo ein erneuter Waffengang in 
Aussicht stand, wurde er erneuert. Selbstverständlich handelte 
es sich nicht darum, das Kriegsbeil dauernd zu begraben; 
man wollte sich nur Luft machen, bis der Gebieter zur Stelle 
war.*) Zu solchen Friedensversuchen scheint nun Bubenberg 
die Hand geboten zu haben. Das war vielleicht wohlgemeint, 
denn damit schien alle Zwietracht gehoben; aber staats- 
männisch klug war es gewiss nicht. Wer den Frieden will, 
muss auch die Mittel des Friedens wollen: das bedeutete im 
besten Fall, wenn sich das Wunder begab, dass Karl das 
Geschehene verzieh, dass die gemachten Eroberungen zurück- 
gegeben werden mussten, und für die Niedere Vereinung und 



^) Sehr. Berns an Luzem vom 24. Juni. Luzem. A. — *) Eidgen. 
Absch. n, 553 — 3) Gingins 1, 170. — *) Der Graf von Genf hatte die 
Hand im Spiele und Herr Simon von Cl^ron trat als Unterhändler auf. 
Gingins 1, 168. Vgl. auch die Note S. 171. 



220 Wltto. 

MümpolKart war von vornlioroin in dit^som Frieden kein Platz, 
Jenes aber lief sowohl Soliweizer als Kerner Gewohnheiten 
/.uwider: was man hatte, das hielt man fest, und kein denken- 
der Politiker konnte bei dem eingetretenen Wandel der Zei* 
ten einer solehen lUlckgabo ernsthaft das Wort reden. Diese 
Richtung war der Hemer l\)litik nun einmal gegeben; Ge- 
schehenes Hess sieh nicht ändern« einen StillsUmd gab es nicht 
mehr: die Interessen Iterns fielen in dieser Hinsicht mit den- 
jenigen der Niedern Vereinung vollständig zusammen. Etwas 
anderes war es, darauf /u halten, dass lediglich die Interessen 
Iterns massgebend blieben, dass diese l\)litik nicht fremden, 
das heisst französischen Zwecken dienstbar wUnle. Davon 
trat einstweilen noch nichts zutage« und es spricht fUr den 
gesuiulen Siini der Kerner Bürgerschaft, dass aus dem Kampf, 
der sich jetzt entspann, Herr Nikolaus von Diessbach ah 
Sieger hervorging. Weiui nun Valerius Anshelm den Au- 
fall der Kntscheidung dem Umstand beimisst, dass „des fär- 
schlags goldno tiammen so schwach und der gelen gilgen ge* 
schmack so starck wären**, so unterschätzt er die ersteren 
ebensosehr wie er die goldenen liilien UluTschätzt; burgundische 
und französische Münze war auf Hoison; keinerlei Anhalts* 
punkt liegt vor, der auf solche lUvintlussung hin die Ent- 
scheidung erfolgt wäre. Herr Nikolaus von Diessbach wollte 
aiu'r sicher sein, dass nicht in seiner Abwesenheit gegenteilige 
Kintlüsse die Oberhand gewännen, und sicherlich ist es auf 
seinen Kintluss zurückzuführen, dass an dem Tage, wo er 
gen HIamont auszog, dem Herrn von Uul)cnl)erg verboten 
wurde, ,«so lange diese Läute währten'', den llat zu besucJien; 
elumso musste er sich verpflichten, keinerlei Sachen und Heim* 
lichkeiten „so zu verschweigen geschworen war^\ zu offenbaren 
und jeden Verkehr mit den „Welschen** aufzugeben, 

Wiederuu) \u\iU^ Hern sich von den\ Hesililuss der eid* 
genössischen Tagessatzung losgesagt und eigene Itahneu be- 
treten, I.uzern und seine zugewandten Drte nach sich ziehend. 
Ks war natürlich, dass die sechs übrigen Orte über diese 
Kigenmacht in hohen) (irade missvergnügt waren und sidl 
nur noch enger zusamn\enschIossen. In dieser Hinsicht muss 
OS aut dorn Tage zu Luzern an) 4. ,1uli zu lobhaften ErSrter- 

M An»holm 1, S). 



Zur Geschichte der Burganderkriege. 221 

Tingen gekommen sein. Wenn Bern und Luzern den übrigen 

Orten ihre Sonderverhandlungen vorwarfen, so gaben diese solche 

nicht bloss zu, sondern erklärten auch ihre Absicht, Vorsorge 

treffen zu wollen, dass die Eidgenossen nicht zu „sechern" 

des Krieges würden und dass fernerhin eigenmächtige Unter- 

jiehmungen einzelner Orte unterblieben. Es wäre merkwürdig 

gewesen, wenn die Regentin von Savoyen nicht versucht hätte, 

von dieser Stimmung der Eidgenossen Nutzen zu ziehen. Ihre 

Beziehungen zu Bern standen auf dem Gefrierpunkt. Seit dem 

Zug von Pontarlier hatte die geschäftige Fürstin sich ruhig 

verhalten. Was konnte sie auch anders thun, verlassen von 

aller Welt, als abwarten! Jetzt spitzte sich ihr Verhältnis 

zu Bern wieder zu. Es war das alte Lied: der Bastard von 

Burgund hatte in Neapel grosse Werbungen vorgenommen 

und wollte jetzt den Weg nach Burgund gewinnen. Mehr 

denn je musste Bern, das in Burgund selbst Krieg führen 

-wollte, darauf halten, dass diesen Söldnern der Weg durch 

Savoyen verlegt wurde, und umgekehrt war die Regentin jetzt 

weniger denn je gewillt, dies Begehren zu erfüllen. Jetzt hatte 

sie den Eidgenossen aufs neue ihre guten Dienste angetragen: 

Yermittlung eines Friedens mit Burgund und als Lockspeise 

die Pfandsumme von 80 000 Gulden, welche Herzog Sigmund 

dem Burgunder schuldete; Vermittlung in den Streitigkeiten 

'der Eidgenossen mit Mailand; Überweisung ihrer eigenen 

Händel mit Wallis einem Schiedsgericht der Eidgenossen; 

ewiges Bündnis mit ihnen allen insgesamt wie sie es mit Bern 

bereits hatte, lauter Dinge, die alle wider diese Stadt gingen; 

es war immerhin bedeutsam, dass die Orte in ihrer Mehrheit 

diese Anträge jetzt nicht ablehnten, sondern in Erwägung 

ziehen wollten. 

VL 

Die Niedere Vereinung durfte sich eines hohen Erfolges 
rühmen, dass sie trotzdem die Mitwirkung eines Teiles wenig- 
stens der Eidgenossen erreicht hatte; damit schien die sichere 
Bürgschaft für das Gelingen des Unternehmens gegeben. Da- 
für fiel noch ein anderer Umstand ins Gewicht ; soeben hatten 
die Franzosen den Burgundern eine empfindliche Niederlage 
beigebracht. Schwere Tage waren über Burgund gekommen, 
dank dem Starrsinn des Herzogs, der sich in Neuss verbissen 



222 Witte. 

]&atte. Mit unzulilnglichon Streitkräften mussto man Grenz- 
wacht halten se^on Born, die Niedere Vereinung, Frankreich 
und nun auch gegen Lotlningen. Auch ohne Schwertstreich 
war Herzog Reni^ der Iiundschaft vordorblich geworden; die 
Verbindung mit Herzog Karl war völlig unterbrochen und blieb 
dem Zufall überlassen. Ks war ein (ilUck für das Land, dass 
Bern seinen Siegeslauf in der Franche-Comtö nicht fortgesetzt 
hatte; aber der Besuch war wieder zu erwarten, und die Ab- 
sichten der Niederen Voreinung konnten kein Geheimnis bleiben. 
Einem gemeinsamen Unternehmen, wie es geplant wurde von der 
Niederen Vereinung, den Kidgenossen mit dem Sire de Craon , konnte 
das Land nichts entgegensetzen. Auf den ersten Anlauf hatte der 
Sire de Craon eine Reihe von festen IMätzen mit unsulänglichen 
Streitmitteln gewonnen. Es kann zweifelhaft erscheinen, ob 
ihn die burgundisohen ^VaiTen dann aus dem Lande verdrängten 
oder ihn die anderweitige Verwendung hinwegzog. Die Lage 
des Landes blieb wie sie war; es war dem ersten besten An- 
griff preisgegeben. Es war natürlich, dass die Regierenden 
sich in ihrer Hilflosigkeit allenthalben nach Beistand umsahen. 
Wozu hatte denn Karl seinen getreuen Verbündeten, den 
Herzog von Mailand, wenn er in dieser Not keine Hilfe leistete? 
Freilich litt es Karls Stolz nicht, eine Bitte auszusprechen! 
auf die eine abschlägige Antwort möglich war. Wie auf eigene 
Faust klopften die burgundischen Herren auf den Busch; aber 
Herzog Galeazzo hütete sich, aus seiner abwartenden Haltung 
herauszutreten; wie bei der Herzogin gab es schöne Worte, 
Ausflüchte, aber weiter nichts. *) König Ludwig war die hilf- 
lose Lage des Landes nicht entgangen; er beschloss sie aus- 
zunützen und einen Hauptschlag zu thnn. Den Oberbefehl 
hatte er seinem Schwager, dem Herzog von Bourbon, zuge- 
dacht, der trotz der engen Verbindung seines Hauses mit 
König Ludwig im Herzen dem Herzog von Burgund ebenso 
zugethan war, wie er den König hasste; auch er fluchte ttber 
das schlechte Spiel des Burgunders vor Neuss, während er in 
Frankreich die besten Karten aus der Hand gab. Sdiuld- 
bewusst wie er war, hatte der Bourbon die Niederträchtigkeit 
begangen, dem König die Briefe des Connetablc Louis von 
Luxemburg Orafen von St «Pol zu übersenden, worin dieser 

<) Gingins 1, lft2. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 223 

ihn zu bewegen suchte, die Partei Burgunds und Englands zu 
ergreifen; aber gegenüber der AufiForderung des Königs, sich 
jetzt an die Spitze der Streitkräfte seiner Landschaften zu 
stellen, schützte er doch Krankheit vor, um nicht offen mit 
Herzug Karl zu brechen. Jetzt stellte der König den rechten Mann 
an die rechte Stelle, Herrn Berard de TEspinasse, Sire de 
Combronde, der an der Spitze des Aufgebots von Auvergne, 
Beaujolais und Bourbonnais über den Marschall von Burgund, 
Srafen Anton von Roussy, bei Guipy in der Nähe von Chäteau- 
Chinon, am 20. Juni einen vollständigen Sieg gewann. *) Die 
schwersten Verluste erlitten die Lombarden; von 200 Lanzen 
wurde der grössere Teil zusamraengehauen. Besonders wert- 
voll wurde der Sieg durch die grosse Anzahl vornehmer Ge- 
fangener, wertvoller Geiseln in der Hand des rücksichtslosen 
Königs, unter ihnen auch der Grat von Roussy. Gleichzeitig 
brach Gilbert de Bourbon, Graf von Montpensier, in Beau- 
jolais ein, überrumpelte Clugny und zog dann vereint mit dem 
Sire de Combronde und dem Grafen von Comminges vor 
Mäcon, das sich jedoch unter dem Befehl des Herrn Claude 
von Montraartin aufs tapferste verteidigte. Bald darauf trat 
auch der mächtigste Landherr jener Gegenden, der Prinz von 
Orange, im Gegensatz zu den sonstigen Mitgliedern seines 
Hauses, zum König über. Diese Fortschritte mussten nun auch 
dem Heere der Niederen Vereinung zu statten kommen; nur 
Trümmer eines Heeres konnten die Burgunder entgegenstellen, 
wenn es nicht gelang, durch umfassende Werbungen die ein- 
getretenen Lücken zu ergänzen. Von grossem Wert war es da^ 
dass der grosse Bastard die geworbenen Truppen aus Italien 
heranführte; vorher war es unmöglich, gegenüber den Ver- 
bündeten das Feld zu behaupten. 

Erst am 10. Juli^) war Bern mit seinen Rüstungen so weit 
gediehen, dass der Auszug stattfinden konnte. Ausser den 
400 in Strassburgs Sold stehenden Knechten waren es 1000 



1) Jean de Troyes ed. Michaud 314. Vgl. Knebel 274 u. 297 sowie 
Gollut-Duvernoy 1285. — ^) Neben den bekannten QueUen ist unserer 
Darstellung der Briefwechsel Strassburgs mit seinen Feldhauptleuten zu- 
grunde gelegt, den ich nicht weiter anführe. Er befindet sich Strbg» 
St.-A. AA. 274 u. 275. Ausserdem ist noch die Reimchronik von Hans 
Erhart Tusch zu erwähnen, der selbst an dem Feldzuge teilnahm, bei 
Stöber, Alsatia. 



224 Witte. 

wohlgcwappnetc Mannen, die unter der liewUhrten Leitung von 
Nikolaus von Diessbach ins Feld rUekteu. Auch Froiburg 
hatte ein Fiihnlein von 100 Mann hinzustossen lassen, während 
Solothurn sich, wie es scheint, darauf beschränkt hatte, Col- 
nmr und Schlettstadt 150 Knechte zulaufen zu lassen. Basel 
hatte vorgezof?en, Werbungen in der innern Schweiz vorzu- 
nehmen; das juni^e Volk teilte nicht die Abneigung seiner 
Obern; so /ahlreich war der Zulauf, dass Hasel an 200 Mann, 
die es schon angenonniien hatte, wieder entliess. An 500 
Knechte, hauptsächlich aus Luzern und den Ländern hatte 
es in Dienst genommen. Selbstverstiindlich fand mit Bern 
nun auch ein UedankenausUiusch über die Ziele des Feldzuges 
statt. Graf Oswald hatte die Stadt vornweg für seine Pläne 
zu gewinnen gesucht und wenigstens bei Herrn Nikolaus von 
Diessbach geneigtes (ichör gefunden. In der That konnte 
dem Letztern nichts angenehmer sein als ein solcher Feldzog 
in Gemeinschaft mit dem französis(^hen Feldherrn; das gab 
dem Bündnis erst die rechte Weihe und Kraft Bern be- 
trachtete die Sache jedoch mit andern Augen; es nahm den 
richtigen Standpunkt ein, dass in dieser Sache der Niedem 
Vereinung die Führung gebühre, und sprach sich weder für 
noch dawider aus, war aber im allgenu'inen einem Feldzug, 
der zu sehr in weite Ferne führen würde, nicht sehr geneigt, 
und Freiburg teilte diesen Standpunkt.') So Hess Bern denn 
auch gegenüber König Ludwig unentschieden, ob eine Ver- 
einigung der beiderseitigen Streitkräfte erfolgen würde oder 
nicht. *) 

Früher als die Eidgenossen waren die Mitglieder der Niedem 
Vereinung im Felde, wenngleich die ungünstige Witterung den 
Anmarsch erheblich verlangsamte. Bereits am 1. Juli war 
Strassburgs Mannschaft ausgerückt. Obwohl die Stadt sich 
bereits erhebliche Opfer hatte auferlegen müssen für den Zu- 
zug zum kaiserlichen Heer gen Neuss, so hatte sie doch auch 
jetzt nichts gespart und ging allen an 0|)ferwilligkeit voran. 
Ausser den tOO angeworbenen Knechten stellte es einen reisigen 
Zug von *220 Pferden. An Fussvolk rückten 185 Handwerker 
und 434 Landleute ins Feld; ein Teil von ihnen war mit 

*) Vjrt. Fn»iburff8 Schreiben an IU»rn im Anxeigt^r für Schweiier Ge- 
schichte 2, um. - )) Sehr, vom 0. Juli. Lat. Missiven 381. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 22&* 

Handgewehr oder Armbrust, die andern mit Spiessen oder 
Hellebarden bewaffnet. Da der Zug in erster Linie den bur- 
gundischen Schlössern gelten sollte, so hatten die Strassburger 
natürlich ihren Struss nicht vergessen, den 18 Hengste zogen; 
dazu kamen 10 Schlangen und ein Zug von 100 Wagen. 
134 Mann erforderte die Bedeckung und Bedienung der Ar- 
tillerie, und da die Stadt die Verpflegung ihrer Leute selbst 
übernommen hatte, so durften auch 30 Küchenmeister und 
Knechte nicht fehlen. Sämtliche Mannschaft war gleichmässig 
gekleidet in den Strassburger Farben, Rot und Weiss. Immer- 
hin aber blieb der Auszug hinter dem Anschlag zurück, und 
die Hauptleute hatten daher Befehl, wenn der Landvogt eine 
Musterung vornehmen wollte, alles antreten zu lassen, was 
nur Beine hatte, auch die zu den Büchsen oder zu der Küche 
gehörten, selbst die mannhaftesten von den Wagenknechten;, 
die sechsspännigen Wagen sollten alsdann nur von einem Knecht 
geführt und vorsorglich der Sattel von dem einen Leitpferd 
herabgenommen werden. Den Oberbefehl hatten Herr Fridrich 
Bock, der das Stadtfähnlein führte, und Herr Peter Schott; 
ihnen war dann noch besonders der reisige Zug untergeordnet, 
der unter Befehl der Herrn Friedrich von Fleckenstein und 
Hans von Kageneck stand. Anführer des Fussvolkes waren 
Altammeister Hans von Berse und Marx Kerling. In Anlass 
unliebsamer Vorkommnisse beim Zug von Hericourt war eine 
strenge Kriegsordnung getroffen, und Führer und Mannschaften 
hatten sie beschworen. 

Der Marsch ging ausserordentlich langsam von statten; 
die Hauptleute wollten den Eidgenossen Zeit lassen einzutreffen 
und wünschten, dass auch der Landvogt vorher nichts unter- 
nehme. Deshalb meinten sie sich mit dem Landvogt über den 
Feldzug zu beraten. Der hielt sich aber an die Ensisheimer 
Abmachungen; das Ziel des Feldzuges könne erst bestimmt 
werden, wenn das ganze Heer beisammen und dessen Stärke 
zu überblicken sei; ausserdem erwarte er zu Dammerkirch 
Gesandte des Herzogs von Lothringen und des Herrn von 
Craon und werde am 8. Juli dorthin aufbrechen. Die er- 
warteten Gesandten blieben aus; das hinderte den Landvogt nicht, 
am 10. Juli mit den Streitkräften, die sich inzwischen gesammelt 

1) AA. 281. 



226 Witte. 

hatten, von Damnierkirch aufzubrechen. Augenscheinlich trieb 
ihn die Be{j;ierdo, zuvor etwas zu unternehmen, wovon er den 
Erfolg allein auf seine Rechnung schreiben durfte. Sein Augen- 
merk hatte er auf Pont-do-Roide geworfen, einen festen Brücken- 
kopf am linken Ufer dos Doubs, westlich von Blaniont. Eine 
steinerne Brücke fllhrte hier über den Fluss, welche die Bur- 
gunder bei ihren Einfallen in das Baseler Bistum und in den 
Sundgau zu benutzen pflegten. Für die Sicherung der RUck- 
zugslinie war die Eroberung des dem Herrn von Neufchatel 
gehörenden Plat/es eine Notwendigkeit, und es war ein nicht 
zu unterschätzender (lewinn, dass er am 12. Juli orstUrmt 
wurde; was nicht erstochen wurde, ward über die Mauer ge- 
worfen; 24 Männer und G Weiber fanden den Tod. 

Dieser Erfolg trug nicht wenig dazu bei, das Selbstgefühl 
des Landvogts zu stärken. Mit bitterer Beschwerde wandte 
er sich am 14. «luli an die Strassburger Hauptleute*), die 
mittlerweile bis Morschweiler*) gekonnnen waren, und warf 
ihnen ihre Langsamkeit vor; „uns will bedünken, die Sache 
ginge schimpflich zu, eurer und der andern halb, die in der 
Vereinung sind, was schädlich ist und nichts gutes bringen 
mag*". Die llanptleute Hessen sich dadurch nicht anfechten 
und rückten ebenso langsam vorwärts, nicht sehr zum Behagen 
des Mümpelgarter Landvogts, der die Gäste möglichst bald 
losgeworden wäre. (Iraf Oswald war inzwischen schon vor 
L'Isle gerückt; es war eine kleine Stadt, ebenfalls dem Herrn 
von Neufchatel gehörig, auf einer Insel im Doubs gelegen und 
die Strasse nach Besangen beherrschend. Hier fand am 16. Juli 
ein Kriegsrat statt, dem nun auch die Schweizer llauptleute 
beiwohnten. Da begrüssten sich die Herren Nikolaus von 
Diessbach, Heinrich von Balmos, Hans von Halwilr und einer 
von Erlach mit den Strassburger Herren und gaben dem Be- 
dauern Ausdruck, nicht mit zahlreicherer Mannschaft aus- 
gezogen zu sein, nachdem des Königs llauptleute ausgeblieben 
wären. Es wurden dann „vast*' vil fruntlicher und trostlicher 
Worte gewechselt, und schliesslich suchton die Berner Herren 
den Strassburgern noch 80 Knechte aus Zürich und Unter- 
waiden aufzuladen, wogegen diese sich sträubten, da Strass- 
burg sich ohnehin am meisten in Kosten geworfen hätte. 



») AA. 173. 2) Jetzt MomUars. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 227 

Es scheint nicht, dass Graf Oswald jetzt bereits mit seinen Plänen 
hervorrückte; der Kriegsrat entschied sich für Belagerung des 
festen L'Isle, unter dessen Mauern nun das Heer am 18. Juli 
seine Vereinigung vollzog. Für damalige Zeit war es von 
beträchtlicher Stärke; das Fussvolk wurde auf 12 000 Mann 
angeschlagen; dazu kamen 1250 Reisige, die es nun wohl 
mit den burgundischen Reitergeschwadem aufnehmen durften. 
Den Hauptteil hatte diesmal Herzog Siegmund gestellt: 5000 
Mann und 700 Reisige ; ausserdem sollte das Kätterlein von Ensis- 
heim den burgundischen Besatzungen aufspielen im Verein mit 
dem Strassburger Struss und der Baseler Reimerin.*) 

Die Beschiessung des Platzes wurde am 19. Juli eröffnet 
durch den Struss; am folgenden Tage war bereits an drei 
Stellen Bresche geschossen und der Sturm konnte beginnen. 
In der Stadt herrschte der grösste Schrecken; jedermann 
suchte sich zu retten und über den Doubs zu entkommen. 
Das war den Kriegern nicht recht, dass ihnen so die Beute 
entging, und etliche Gesellen von Bern und andern Orten 
schwammen nackt, nur ihre Waffen mit sich führend, über 
den Fluss, erliefen die Leute jenseits der Stadt und erstachen 
die Männer oder trieben sie in die Stadt zurück. Inzwischen 
waren nun die Belagerer teils durch die Breschen, teils über 
die Mauern in die Stadt gelangt. Ein allgemeines Gemetzel 

^) Über die einzelnen Streitkräfte liegt eine Liste von den Haupt- 
leuten Bischof Ruprechts vor: Der Landvogt 5000 zu Fuss und 700 Rei- 
sige und eine grosse Büchse; der Bischof von Strassburg 500 F., 134 R.; 
Stadt Strassburg 1000 F., 200 R. und eine grosse Büchse; Basel 1000 F., 
80 R. und eine grosse Büchse; die Eidgen. 2V2 Tausend und 50 Pferde; 
der Bischof von Basel 300 F. und 12 Pf ; der Komtur von Beuggen und 
die von Stauflfen 400 F. und 9 Pf.; der Markgr. von Baden 200 F. und 
10 Pf., die kleinen Reichsstädte 300 F. und 20 Pf. Es sind auch viele 
von den „Wurtenbergischen" hinzugelaufen, die man nicht überschlagen 
kann. Diese Ziffern stimmen mit den sonst überlieferten nicht ganz über- 
ein. Die früher für Strassburg angegebene Zahl ist unbedingt zuverlässig 
und stammt aus den amtlichen Listen der Hauptleute; Basels Zug wird 
sonst nur zu 500 Mann und 50 Reisigen angegeben. Die grosse Zahl 
der Eidgenossen findet darin ihre Erklärung, dass zahlreiche „freie 
Knechte'* mitgelaufen waren; Edlibach giebt aUein die Zahl der „mut- 
willigen" Knechte der Zürcher auf 400—500 an. Und jene 500 Mann 
Basels waren vermutlich die 500 Knechte, welche die Stadt in Luzem 
und den Ländern angeworben hatte. Die eigentliche Streitmacht dieser 
Stadt scheint als Reserve gedient zu haben, ein Teil davon rückte später 
ins Feld. 



228 Witte. 

begann; an 150 Mann wurden getötet, uml es ward die Angst 
und Not so gross, dass etliche im Doubs den Tod suchten 
und fanden. Nur einige Greise, sowie Priester, Weiber und 
Kinder fanden Schonung, wenngleich etliche Frauen beim 
Sturme übel verwundet worden waren. Die Beute war höchst 
beträchtlich, sie wurde auf 100000 Kronen gesdilitzt; jeder- 
mann hatte seine Habe in die Stadt geflüchtet. Ks ward auch 
viel Wein und Korn gefunden, aber gar ungleich geteilt. Nie- 
mand zwar durfte etwas davon nehmen oder forttragen, denn 
man gedachte eine gemeine Heute zu machen und bestellte 
Beutemeister zu dit^sem Zweck. Es kam al)er nicht viel her- 
aus; ,,et liehe Personen hatten den Vorteil und dem gemeinen 
Mann ward nur wenig**. Wie die Krauen und Kinder, Hess 
man auch das Kirchengut unangetastet. Ein Östreichcr, der 
einen Kelch genonnnen und nicht ange/eigt hatte, wurde so- 
fort im Felde mit dem Schwerte zur Warnung für andere ge- 
richtet; der Nachrichter aber, der den Obclthäter gefehlt und 
nicht redlich gerichtet hatte, wurde von den KntH*hten auf 
dem Fleck erstochen. Als dann das Heer von L'IsleO abiog, 
wurden etliche Heutemeister mit Hedeckung zurih^kgelassen, 
um das erbeutete (lUt gen Hasel zu führen und aus dem ge- 
woimenen Korn Brot zu backen, denn schon stellte sich Mangel 
ein. Da kehrten gar viele Weiher und Kinder wieder heim; 
die Zurückgelassenen fühlten sich unsicher, zumal sich auch 
Feinde vor der Stadt z(»igten, und zogen den Ihrt»n nach, 
nachdem sie die Stadt angezündet hatten. Die Weiber aber 
löschten das Feuer und fanden noch viel Gut in den Häusern. 
Bereits zu L'lsle machten sich unter dem Heere bedenk- 
liche Anzeichen bemerkbar, die einen Übeln Verlauf befürchten 
Hessen. Da waren aufs neue in widrigster (iestalt die Strei- 
tigkeiten zwischen dem iiundvogt und den Seinen entbrannt 
Die Heute von IVIsle sollte in Drittel geteilt werden für Herzog 
Signnind, die Niedere Vereinung und die Eidgenossen. Das 
war schon unbillig genug; denn die Eidgenossen wurden im 
Verhältnis zu ihrer Zahl in unjicrechter Weise bevorzugt. 
Nun aber wollte der Landvogt von dem auf seinen Herren 

•) Von li'lsle nua sohriob amh Hans Krhart Düsrh an Jakob Hören 
Hürj^T von Strnssbnrff, und übersaiultc ein IhicU mit vielen scböncn Of- 
fenturcn, das Herr Hartl»olonie lUirpt'ennig ilun aus der lUmte gegeben. 
AA. l>81. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 229 

fallenden Drittel den Seinen nichts abgeben. Die Folge war, 
dass ein grosser Teil des rechtsrheinischen Fussvolkes aus den 
Städten und Gemeinden am Bhein und vom Schwarzwalde 
wieder heimzog. Das war ein böses Beispiel; viel schlimmer 
aber war es, dass sich das Verhältnis zwischen den Mann- 
schaften der Niedern Vereinung und den Eidgenossen in bedenk- 
lichster Weise trübte. Elsässer und Schweizer konnten sich 
überhaupt nicht gut leiden, und es war eine Täuschung, wenn 
man glaubte, durch jene Bevorzugung die Beutegier der Eid- 
genossen einigermassen befriedigt zu haben. Der Schweizer 
Söldner war überhaupt unersättlich, und die übrige Mannschaft 
fühlte sich verkürzt und zurückgesetzt.*) 

Was schon bei Höricourt zu bedenklichen Störungen An- 
lass gab, was auf dem Feldzug gen Granson und Orbe die 
Baseler Hauptleute zu ernsten Klagen bewog, das trat hier 
noch viel ärger zu Tage. Der Schweizer riss dem Bürger 
und Bauersmann seine Beute geradezu unter den Händen fort 
und pochte dabei auf seine überlegene Kraft und Übung in 
den Waffen. Überhaupt war bei der Aushebung und den 
Werbungen nicht mit grosser Auswahl und Sorgfalt verfahren 
worden. Verhältnismässige Zucht herrschte naturgemäss unter 
den Knechten, die in ihrer Ordnung mit Fähnlein und be- 
stelltem Hauptmann ausgerückt waren, aber auch hier zeigte 
sich Unbotmässigkeit, und es gab Leute, welche Berns „Ehre 
und Lob" nicht völlig wollten bedenken, sodass v. Diessbach 
sich genötigt sah, daheim Beschwerde zu führen. Schlimm 
sah es hingegen mit den freien Knechten aus, die auf eigene 
Kechnung der Niedern Vereinung zugelaufen waren und in 
ihrem rohen und unbändigen Kraftgefühl sich den Anordnungen 
der bürgerlichen Obern nicht unterwerfen wollten. 

In dem Rate der Hauptleute sah es nicht viel besser aus ! 
Da wogte der Streit der Meinungen über das Ziel des Feld- 

*) Herr Cuneman v. MitteUius, Führer des Lichtenberger Haufens im 
Dienste Strassburgs, schrieb nach der Einnahme von L'Isle an seinen 
Vetter Kaspar v. M.: die Schweizer woUen die YorteUe aUe haben, das 
wollen die andern nicht leiden. Er beschwert sich auch über die schlechte 
Verpflegung; „das ist das hertzst^. AuffaUend ist, dass er dem Heer 
nur eine Stärke von 6000 Mann giebt, selbst wenn man das Fussvolk 
des Landvogtes in Abzug bringt. AA. 281. — Über die Spannung zwi- 
schen Eidgenossen und Elsässern geben sonst namentlich die Strassburger 
Akten Au&chluss. 

Zeitschr. f. Gesch d. Oberrb. N. T. VIII. 2, 15 



230 Witte. 

zugcs hin uud her. An sich war üs ja richtigi dass man mit 
diesem Ileero Besseres ausrichten konnte, als Burgen ohne 
Verteidigor zu stUrmen. Wenn aber der Landvogt darauf 
drang, zu dem Herzog von Lothringen und dem Sire do Graon 
zu ziehen, so wurde ihm das lediglich so ausgelegt, als ob er 
den Sturm von den Burgen seiner burgundischen Vettern 
und Freunde ablenken wollte, und darüber herrschte im Heere 
die grösste Krbittorung. Die Geister platzten heftig auf ein* 
ander, und Herr Nicolaus von Diessbach sagte ihm ins Gesicht: 
Du bist ein gehyendor Bösewicht. So lange weder vom Herzog 
von Lothringen noch vom Sire de Craon Nachrichten einge* 
trotT(Mi waren, war es allerdings thöricht, einen solchen Zug 
ins Blaue zu unternehmen; als aber Herr Friedridi von MUn- 
strol im Lager eintraf und im Auftrag des Sire de Graon 
darauf drang, dass die Verbündeten zu ihm und dem 
Herzog von Lothringen hinaufzögen, da wollte der Tiersteiner 
diesem Lockruf sofort folgen. Damit bewies er in der That, 
dass es ihm weniger um die Sache, als um Schonung der bur^ 
gundischen Barone zu thun war. Das Heer der Verbündeten 
konnten ihre ()iKn*ationsbasis, die Franche-ComtiS unmöglich ver- 
lassen und das eigene Land dem Feinde olVen lassen. Wenn es dem 
Herrn von Craon Krnst war mit einem gemeinsamen Feldzug, 
80 musste er seinerseits aus Bar, wo er jetzt hielt, herabziehen 
und den Verbündeten die Hand reichen. Herr Nicolaus von 
Diessbach war an sich nicht abgeneigt, den) Kufe Craons zu 
folgen; wenn Strassburg einverstamlen war, so wollte er heini- 
schrciben, dass man ihnen mehr Volk und den Bären liernus- 
sende. Davon wollten die llauptleute Strassburgs aber nichts 
wissen; ihnen machte es ohnehin schon so viel zu viel Sorge, 
dass ihre Stadt im Verhältnis zu den übrigen Verbündeten 
sich so bedeutende Kosten aufgeladen hatte und den Bernern 
monatlich 1700 (Sulden Sold zahlen musste. In energischer 
Weise machten sie geltend, dass der nächste Zweck des Feld- 
zuges wäre, die burgundischen Schlösser zu brechen, damit 
man endlich der kostspieligen Besatzung in I\lümpelgart und 
der Grenzwachen überhoben würde. Ihrer Meinung nach sollte 
man zunächst vor Oranges und Kougemont ziehen und alsdann 
Clerval und Bhimont brechen. Die Köpfe erhitzten sich; der 
Landvogt erging sich gegenüber dem Herrn von Flcckenstein 
in billern Ileden darüber, dass die Strassburger Hauptleute 



Zur Geschichte der Burganderkriege. 231 

ahm Dicht hielten, was die Stadt ihm versprochen. Darüber 
jcam es zu offenem Zerwürfnis. Die Hauptleute erklärten, da 
der Landvogt sie an ihrer Ehre gekränkt hätte, gebühre 
ihnen nicht, weiter mit ihm zu ziehen und ihn für einen 
^,Hauptmann zu halten" ; jedoch seien sie bereit, mit den übri- 
gen Verbündeten weiter zu kriegen. Jetzt legten sich Bischof 
Euprechts Feldhauptmann Freiherr Jörg von Ochsenstein und 
Herr Nicolaus ins Mittel, missbilligten das Auftreten des Land- 
vogts, baten den Unwillen in Anbetracht des grossen Schadens, 
der daraus entstehen würde, fallen zu lassen und ihnen die 
Schlichtung des Handels in die Hand zu geben. Das ver- 
weigerten die Hauptleute und wollten die Entscheidung Strass- 
burg anheimstellen, beruhigten sich aber soweit, dass sie sich 
bereit erklärten, einstweilen unter dem Landvogt weiter zu 
dienen. Es wurde dann eine vorläufige Einigung in dem 
Sinne erzielt, dass man einstweilen fortfahren wollte, die feind- 
lichen Plätze zu brechen; Strassburgs sowie Berns Haupt- 
leute sollten sich dann um nähere ünterrichtung heimwärts 
wenden, und Herr Nicolaus von Diessbach antwortete darauf 
dem Sire de Craon, dass die Verbündeten unmöglich die feind- 
lichen Schlösser und Städte in ihrem Rücken lassen könnten, 
da ihnen sonst die Zufuhr abgeschnitten werden würde; hin- 
g^en lud er ihn ein, nun seinerseits zu einer Beratung ins 
Lager zu kommen. 

Die Berichterstattung erfolgte in sehr verschiedener Weise. 
Diessbach empfahl den Feldzug in Gemeinschaft mit dem Her- 
zog von Lothringen und dem Sire de Craon und musste sich 
dabei aufs neue über Unbotmässigkeit seiner Leute beschweren. 
In Bern wollte aber weder der kleine noch der grosse Rat 
von einem Zug nach der Champagne oder nach Lothringen 
etwas wissen; Diessbachs Truppenmacht erschien ihnen für 
einen solchen Zug nicht ausreichend, zumal auch die Verpfle- 
gung schwierig und die Gegend unbekannt war. Mit der Be- 
lagerung Blamönts waren sie hingegen einverstanden ; alsdann 
sollte Diessbach in Anbetracht der Irrungen mit Savoyen heim-w 
ziehen, denn Bern war wegen des Durchzuges des Bastards 
von Burgund aufs höchste gereizt. Im übrigen mahnten sie 
zur Eintracht, denn „wo misshell, da ist gewöhnlich unseld". 
Bezüglich der Unbotmässigkeit der Mannschaft wiederholte die 
Stadt, was sie auf Diessbachs Bericht nach der Einnahme von 

15* 



232 Witte. 

li'Inlo erwidert liatto: den Spreu von dorn Weizen zu sondern 
und Holche, diu niclit nach Berns Ehre handeln wollten, heim- 
zusenden. 

Strassburgs llauptleute erhielten von ihrer Stadt eine 
andere Antwort: Da ihr mit einander in einem gemeinsamen 
Zuge seid, was dann Dicssbach und seine Mitratsgesellen und 
die Uauptlcute von den andern Städten und der FUrsten Haupt- 
leute raten, dass ihr euch dem anschliesst und darin nicht 
stille steht, mag es sich nun darum handeln, weiter ins Land 
oder gen Lothringen zu ziehen. Bezüglich ihres Streites mit 
dem Landvogt wurden sie auf den betretTendon, über »Si)änne* 
handelnden Artikel der ^Einung** verwiesen; sonst aber wäre 
die Stadt zufrieden, wenn Ochsenstein und andere die Sache 
ausgleichen wollten. ^) 

VII. 

Bevor diese Schreiben eintrafen, war es in einer Hinsicht 
bereits zur Entscheidung gekonnnen. Das Heer war am 
21. Juli gen (iranges aufgebrochen, einem burgundischon Lehen 
der (irafen von MUmpelgart, das nach der Gefangennahme 
des (trafen Heinrich eingezogen war. Sofort nach der Ankunft 
wurde von einem Teile des Heeres der Sturm begonnen, wäh- 
rend die übrigen es sich im nahen Wäldchen bequem machten 
und im Schatten ruhten. Die Einwohner des Städtchens waren 
nicht begierig nach dem Schicksale von Llsle und baten um 
Barmherzigkeit. Die wurde ihnen gewährt; grossmUtig wollte 
man ihnen ihre Häuser und Habe belassen ; hingegen gedachte 
man das Sohloss zu schleifen, die Befestigungswerke der Stadt 
lüederzureissen und aus der Stadt ein offenes Dorf zu machen. 
Das unterblieb jedoch, weil niemand gern arbeiten wollte. 
Weniger Beschwerde machte es, trotz des gegebenen Ver- 
sprechens die Einwohner auszuplündern und nSackmann** isu 
machen. Gleichzeitig wurde nun ein Vernichtungskrieg gegen 
die benachbarten Burgen geführt. Montbis, Nans sous St 
Anne, Nans-La-Uoche, C'ourchaton ') und Villechevrcux wurden 
orstünnt und „zum Hinmiel gerichtet". Immer giong es froi- 

») Sehr, vom SO. Juli. norn. A. 'l\ M. (-. 514. — *) Sehr, vom 37. Juli, 
— 3) Dio (Iroi lotztoreu IMAtÄC gohflrton Herrn Johann von üefh>inont 
(Bcauirrvmont), Montbia dem gleichnamigen Herrn. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 233 

lieh nicht glücklich ab. Eine Schar, die sich bis Belvoir 
zwischen Baume-Les-Dames und St. Hypolite gewagt hatte, 
wurde mit blutigen Köpfen heim gesandt. Noch schlimmer 
ergieng es einem Haufen von achtzig Sundgauer Knechten, 
die das feste Grammont zu gewinnen suchten; sie wurden in 
einen Hinterhalt gelockt, an achtzehn Mann wurden erstochen, 
etliche in einen Weiher gedrängt, die ertranken. 

Nachdem nun Oranges am 25. Juli eingenommen war, ent- 
brannte der Streit unter den Hauptleuten aufs neue. Herr 
Colin V. Heringen hatte aus Lothringen böse Nachrichten ge- 
bracht: Herzog Karl ziehe heran und wolle sich den Durchzug 
durch Lothringen erzwingen, um seinen bedrängten Stamm- 
landen Hülfe zu bringen. Im Namen des am Hofe König 
Ludwigs weilenden Herzogs wandte sich der Rat von Lo- 
thringen sowol an die Niedere Vereinung als auch an die An- 
führer des Heeres in Burgund um Beistand. Die Dinge hatten 
einen merkwürdigen Verlauf genommen. Alle Hebel hatten 
die Freunde Burgunds in Bewegung gesetzt, um Herzog Karl 
von Neuss fortzuziehen. Endlich war es gelungen. Die Welt 
erwartete nicht anders, als dass er jetzt seinem arg gelichteten 
und zerrütteten Heere eine kurze Rast gönnen und alsdann 
sich mit dem König von England, dessen Landung bevorstand, 
vereinigen werde. Immer hatte Herzog Karl diesen Augenblick 
herbeigesehnt; jetzt verscherzte er ihn. Nichts hatte ihn vor 
Neuss mehr geärgert, als dass Herzog Rene, dessen er sich 
für völlig sicher glaubte, sich seinen Widersachern angeschlos- 
sen, dass dieses Kind, dieser Knabe, wie er ihn verächtlich 
nannte, es gewagt hatte, ihm den Krieg anzukündigen. Das 
Gefühl der Rache erstickte bei ihm jegliche Regung der Ver- 
nunft und zeitigte in ihm einen ungeheuerlichen Plan: anstatt 
mit König Eduard den Stier bei den Hörnern zu packen, sich 
zuvor Lothringens und Bars zu bemächtigen. Das erschien 
ihm als ein militärischer Spaziergang. In Reims wollte er 
sich alsdann mit seinem Schwager Eduard von England ver- 
einigen, der sich darauf hier die Krone von Frankreich aufs 
Haupt setzen sollte. Vergebens waren alle Mahnungen zur 
Vernunft, dass sein Schwager Eduard schwerlich geneigt sein 
würde, die ganze französische Armee sich auf den Hals zu 
ziehen.*) Eigensinn war mit der Zeit die hervorragendste- 

1) Jahrbuch für Lothringische Geschichte n. 1. c. 



234 Witte. 

Ki|;ouschaft Karls geworden; er boharrte bei seiner Absicht 
und begann seine Truppen gen Bar und Lothringen vorsa- 
schioben und befahl /uglcieh dem Hat zu Burgund, alle ver» 
fUgbaren Truppen, anstatt wider die Verbündeten, gen Lo- 
thringen zu entsenden. *) 

Für Ihrzog Reni^ kam diese Wendung ganz unerwartet 
Kr hatte sich mit dem Sirc de Craon vor den heranziehenden 
burgundischen Streitkräften aus Luxemburg zurückgezogen. 
Dass der Angriff aber jetzt Lothringen gelten könnte, daran 
<laolito er so wenig, dass er sich an das Hof lager des Königs 
begeben hatte, um einer thatkräftigen Wiederaufnahme dea 
Kriegs im Verein mit den Verbündeten das Wort zu reden. 
König Ludwig war über die Pläne Herzog Karls vollkommen 
unterrichtet. Wie mochte er aufathmen! Die Niedere Verei- 
nung setzte er am 17. Juli von der Absicht Herzog Karls in 
Kenntnis, Lothringen und die benachbarten liandschaften za 
überziehen, und bat um ihre Mitwirkung, um den gemeinsamen 
Feind zu vertreiben, so wollte er persönlich mit Gottes Hülfe 
da/u beitragen, um seine Pläne zu vereiteln.*) Gleichzeitig 
machte er dem Herzog von Lothringen die besten Versprech- 
ungen und ernannte ihn zu seinen) Statthalter in den Land- 
schaften, die voraussichtlich Schauplatz des Krieges werden 
mussten, in ( 'hampagne, Brie, Sens und Langres, und bekleidete 
ihn für diese Gegenden mit unbeschränkten militärischen Voll- 
machten. Kinst weilen aber war Herzog Reni^ gegenüber den 
Burgundern, die sich jetzt anschickten, von Luxemburg aus 
in Bar und Lothringen vorzudringen, auf die Hülfe der Nie- 
dern Vereinung angewiesen; im eigenen Lande stand er auf 
unsichern Füssen: der grösste Teil des Adels stand entweder 
offen auf burgundischer Seite oder hielt sich doch vom Kampfe 
zurück. Die Aufnahme des lothringischen liülfegesuches war 
nun eine sehr verschiedene. Strassburg ging mit Eifer darauf 
ein. Es veranlasste einerseits den Bischof Ruprecht, die Nie- 
dere Vereinung zu einem Tage zu bi»rufen, um über gemein- 
same Hülfe zu beraten; anderseits wies es die Hauptleute in 
^der oberländischen Reise" an, allenfalls den reisigen Zug 
den Lothringern zu Hülfe zu senden. Überhaupt zeigte 
Strassburg in der Feme eine viel freiere Auffassung der Lage» 



i) Üingins 1, 186. - ») AA. ÄHO. 



Znr Geschichte der Bargunderkriege. 335 

als seine Hauptleute, denen man den Vorwurf der Kleinmütige 
keit nicht ersparen kann. 

Bis dieser Befehl ankam, hatte man sich im Lager zu 
Oranges natürlich schon längst schlüssig gemacht. Man wollte 
eben vor Grammont rücken, um die empfangene Scharte aus- 
zuwetzen, als die böse Mär aus Lothringen ankam. Graf Os- 
wald hätte nichts lieber gethan, als sofort das ganze Heer 
gen Lotbringen zu führen, und auch Herrn Nicolaus war dieser 
Plan aus der Seele gesprochen, aber die übrigen Hauptleute, 
deren Wortführer die Strassburger waren, verweigerten die 
Mitwirkung; sie wollten noch Blamont erobern und dann am 
liebsten heimwärts ziehen. So sehr waren bereits die Führer 
▼on der unlustigen Stimmung, welche den grössten Teil des 
Heeres ergriffen hatte, beeinflusst. Man muss diesen Gang 
der Dinge bedauern. Ob noch eine oder die andere Burg 
erobert wurde, machte für den Gang der Ereignisse nichts 
aus ; hingegen musste es von weitreichender Bedeutung werden, 
wenn jetzt dieses Heer, vielleicht verstärkt durch Berner Zu- 
zug, wie ihn Diessbach verhiess, gen Lothringen zog und sich 
in Gemeinschaft mit den Streitkräften von Herzog ßen6 und 
der Niedern Vereinung dem Burgunder entgegenstellte. Der 
Verlauf der Dinge wäre wohl ein ganz anderer geworden; 
schwerlich wäre Herzog Karl die Eroberung von Lothringen 
gelungen, und dem Lande wäre die Beängstigung der folgen- 
den Monate erspart geblieben. 

Vielleicht hätte Diessbachs siegreiche Beredsamkeit diesem 
kühnen Plane zum Sieg verhelfen, aber er war nicht mehr 
der alte, seitdem ihn ein Hufschlag im Lager vor L'Isle ans 
Krankenlager gekettet hatte. Und nun erfordert die Gerech- 
tigkeit, zu bemerken, dass es doch sein Bedenken hatte, einer 
Persönlichkeit, wie diejenige Tiersteins war, ins Blaue zu 
folgen. Die Verhältnisse waren überhaupt noch zu unbestimmt, 
und wenn diese Männer im Lager vor Granges zögerten, einen 
Griff ins Ungewisse zu thun, so ist überhaupt wohl zu erwägen, 
dass es nur sehr wenige Leute gab, welche diese merkwürdigen 
Sterne am politischen Himmel zu deuten wussten. Hier waren 
nur biedere bürgerliche Kleingeister vertreten, abgesehen von 
dem Tiersteiner, der unbekümmert um seinen Landesherrn 
leine eigenen Interessen verfolgte. Und wenn die Herren in 
Strassburg sachlich urteilten und einem Unternehmen la 



236 Witte. 

grossem Stil nicht abgeneigt waren, so urteilten die Haupt- 
leute in einer Hinsicht doch sachlicher; sie mussten mit der 
Stimmung ihrer Leute rechnen, die je länger je verdrossener 
wurden über ihre eidgenössischen Freunde. Diese biederen 
Handwerker und Landleute mussten in der That darüber 
ergrimmt werden, dass sie solche „Buben und Hurenfuter** 
zahlen und sich noch dazu ihre Flegeleien und Gewalttbaten 
gefallen lassen sollten. Es war ein heikler Punkt, den die 
städtischen Hauptleute einstweilen ebenso wenig berührten, wie 
die Herren von Bern, aber es war nur natürlich, dass Bedenken 
gehegt werden mussten, ob- so merkwürdige Waffenbrüder 
einen gefährlichen Feldzug Seite au Seite durchkämpfen konnten. 
Anders steht es hingegen mit der Frage um den Strassburger 
Säckel, welcher die Hauptleute bedrückte, die immerfort daran 
krankten, dass Strassburg vor allen andern am meisten zu 
leisten hatte. 

In diesem Widerstreit der Meinungen wurde schliesslich 
ein Mittelweg gefunden, der wie immer in diesen Dingen der 
schlechteste war. Der Tiersteiner zog mit dem grösseren Teil 
seines reisigen Zuges, wie man im Lager nicht anders annahm, 
dem Herzog von Lothringen zu Hülfe; nur einen kleinen Teil 
seiner Leute Hess er unter dem Herrn von Eptingen zurück. 
Dem Lothringer konnte das wenig nützen; das zurückbleibende 
Heer, das ohnehin schon durch das Auseinanderlaufen des 
östreichischen Fussvolkes erheblich geschwächt war, erlitt hin- 
gegen durch den Abmarsch des grössten Teils der Reisigen 
eine empfindliche Einbusse. Wenn auch die Streitkräfte der 
Burgunder nicht in der Lage waren, die Verbündeten im offe- 
nen Felde zu bestehen, so reichten sie doch vollauf aus, ihre 
Rückzugslinie zu beunruhigen, und die unangenehmen Folgea 
machten sich bereits im Heere durch zeitweiligen Mangel be- 
merkbar. Es mag dahin gestellt bleiben, ob der Landvogt 
den Hauptleuten dadurch seinen Wegzug annehmbar machte, 
dass er ihnen vorstellte, wie damit nun auch der Bundespflicbt 
der Niedem Vereinung gegenüber Lothringen genüge geschehe 
und der Bund weiterer Leistungen überhoben wäre. Jeden- 
falls verfehlten die Strassburger Hauptleute nicht in ihrem 
Bericht darauf hinzuweisen. Vor aller Welt aber wurde es 
offenbar, wie es dem Landvogt weniger darauf ankam, gen 
Lotbringen zu ziehen, als den Vernichtungskrieg gegen die 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 237 

Schlösser der burgundischen Barone möglichst zu hemmen, 
als er nun nicht nach Lothringen zog, sondern in aller Müsse 
und Gemächlichkeit ins Elsass zurückkehrte. Am 31. Juli*) 
erliess er von Thann aus an die Stände der Vorlande ein 
Aufgebot, sich mit soviel Knechten wie vor L'Isle, mit Wagen 
und Kost wohl versorgt, um eine Zeitlang im Felde zu bleiben, 
zum 8. August im Lager zu ßeiningen einzufinden; denn, so 
lautete die merkwürdige Begründung, wären sie Herzog Sig- 
mund nicht gehorsam, so könnte dem Herzog grosser Schaden 
daraus erwachsen und er von Land und Leuten kommen, und 
vielleicht möchten dann die „Fürsten von der Vereinung sich 
zu der widerpart slahen". Herzog Sigmund war aber nichts 
weniger als erbaut über dieses Treiben seines Landvogts. Der 
Feldzug in der Franche-Comtö lag in seinem nächsten Vorteil, 
ein Zug nach Lothringen hingegen lag ihm viel zu fern; und noch 
mehr musste es ihn befremden, dass sein Landvogt dies alles 
auf eigene Faust betrieb. Schon damals mag er sich mit dem 
Gedanken getragen haben, ihn zu entsetzen, und Graf Oswald 
fand es für gut, gegenüber dem Unwillen seines Herrn sich 
eines Rückhaltes bei den Eidgenossen zu versichern.^) 



VHL 

Es gieng also doch gen Blamont; Stadt und Schloss lagen am 
felsigen Ufer des Doubs, letzteres ein rechtes Schauinsland, das 
sich dem Wanderer schon von ferne ankündigte durch den golde- 
nen Schein seiner Zinnen und Türme. Der natürlichen Festig- 
keit hatte die Kunst, so weites möglich, nachgeholfen; hinter 
den sechszehn Schuh dicken Mauern konnten die Verteidiger 
mit einiger Ruhe der Wirkung des Strassburger Struss und 
des Ensisheimer Kätterle entgegensehen. Der gefährlichste 
Feind, der zu fürchten war, vor allem im Sommer, war der 
Durst; gegen ihn schützten mehrere, sehr tiefe Cisternen ; und 
so konnten die Belagerten mit Ruhe auf den Entsatz harren, 
zumal ihnen nicht unbekannt war, dass der Bastard von Burgund 
in BesanQon ein Entsatzheer sammelte und Herzog Karl selbst 
im Anzug begriffen war. Man weiss nicht, war es allzu 



1) Schreiber 1. c. 547. — ^) Eidgen. Absch. II, 356. Vgl. auch Jahr- 
buch für lothriugische Geschichte U. 1. c. 



236 Witte. 

f 

grossoin Stil nicht abgoneiRt waren, so urteilten die Haupt- 
Icute in einer Hinsicht doch sachlicher; sie mussten mit der 
Stinunung ihrer Leute rechnen, die je länger je verdrossener 
livurden über ihre eidgenössischen Freunde. Diese biederer 
Handwerker und Landleute mussten in der Tlmt darttber 
ergrimmt werden, dass sie solche „Buben und Hurenfutdr* 
zahlen und sich noch da/u ihre Flegeleien und üewalttlnten 
gefallen lassen sollten. Ks war ein heikler Punkt, den die 
stildtischen Ilauptleute einstweilen ebenso wenig berilhrton, wie 
die Herren von Bern, aber es war nur natürlich, dass Bedenken 
gehegt werden mussten, ob« so merkwürdige Waffenbruder 
einen gefährlichen Feldzug Seite an Seite durchkämpfen konnten. 
Anders steht es hingegen mit der Frage um den Stnissburger 
Säckel, welcher die Haupt leute bedrückte, die immerfort daran 
krankten, dass Strassburg vor allen andern am nieisteu zu 
leisten hatte. 

In diesem Widerstreit der Meinungen wurde schliesslich 
ein Mittelweg gefunden, der wie immer in diesen Dingen der 
schlechteste war. Der Tiersteiner zog mit dem grösseren Teil 
seines reisigen Zuges, wie man im Lager nicht anders annahm, 
dem Herzog von Lothringen zu Hülfe; nur einen kleinen Teil 
seiner Leutt^ Hess er unter dem Herrn von Kptingen zurück. 
Dem liOthringer konnte das wenig nützen; das zurückbleibende 
Heer, das ohnehin schon durch das Auseinanderlaufen des 
östreichischen Fussvolkes erheblich geschwächt war, erlitt hin- 
gegen durch den Abniarsch des grössten Teils der Ileisigen 
eine emplindliche Kinbusse. Wenn auch die Streitkräfte der 
Burgunder nicht in der Lage waren, die Verbündeten im offe- 
nen Felde zu bestehen, so reichten sie doch vollauf aus, ihre 
Kückzngslinie zu beunruhigen, und die unangenehmen Folgen 
machten sich bereits im Heere durch zeitweiligen iMangel be- 
merkbar. Ks nuig dahin gestellt bleiben, ob der Landvogt 
den Hauptleuten dadurch seinen Wegzug annehmbar maclite, 
dass er ihnen vorstellte, wie damit nun auch der Bundespfliclit 
der Niedern Vereinung gegenüber Lothringen genüge geschehe 
und der Bund weiterer Leistungen überhoben wäre. Jeden- 
falls verfehlten die Strassburger Hauptleute nicht in ihrem 
Bericht darauf hinzuweisen. Vor aller Welt aber wurde es 
offenbar, wie es dem Landvogt weniger darauf ankam, gen 
Lothringen zu ziehen, als den Vernichtungskrieg gegen die 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 237 

Schlösser der burgundischen Barone möglichst zu hemmen, 
als er nun nicht nach Lothringen zog, sondern in aller Müsse 
und Gemächlichkeit ins Elsass zurückkehrte. Am 31. Juli*) 
erliess er von Thann aus an die Stände der Vorlande ein 
Aufgebot, sich mit soviel Knechten wie vor L'Isle, mit Wagen 
und Kost wohl versorgt, um eine Zeitlang im Felde zu bleiben, 
zum 8. August im Lager zu ßeiningen einzufinden; denn, so 
lautete die merkwürdige Begründung, wären sie Herzog Sig- 
mund nicht gehorsam, so könnte dem Herzog grosser Schaden 
daraus erwachsen und er von Land und Leuten kommen, und 
vielleicht möchten dann die „Fürsten von der Vereinung sich 
zu der widerpart slahen". Herzog Sigmund war aber nichts 
weniger als erbaut über dieses Treiben seines Landvogts. Der 
Feldzug in der Franche-Comtö lag in seinem nächsten Vorteil, 
ein Zug nach Lothringen hingegen lag ihm viel zu fern; und noch 
mehr musste es ihn befremden, dass sein Landvogt dies alles 
auf eigene Faust betrieb. Schon damals mag er sich mit dem 
Gedanken getragen haben, ihn zu entsetzen, und Graf Oswald 
fand es für gut, gegenüber dem Unwillen seines Herrn sich 
eines llückhaltes bei den Eidgenossen zu versichern.^) 



VHL 

Es gieng also doch gen Blamont; Stadt und Schloss lagen am 
felsigen Ufer des Doubs, letzteres ein rechtes Schauinsland, das 
sich dem Wanderer schon von ferne ankündigte durch den golde- 
nen Schein seiner Zinnen und Türme. Der natürlichen Festig- 
keit hatte die Kunst, so weit es möglich, nachgeholfen; hinter 
den sechszehn Schuh dicken Mauern konnten die Verteidiger 
mit einiger Ruhe der Wirkung des Strassburger Struss und 
des Ensisheimer Kätterle entgegensehen. Der gefährlichste 
Feind, der zu fürchten war, vor allem im Sommer, war der 
Durst; gegen ihn schützten mehrere, sehr tiefe Cisternen; und 
so konnten die Belagerten mit Ruhe auf den Entsatz harren, 
zumal ihnen nicht unbekannt war, dass der Bastard von Burgund 
in BesanQon ein Entsatzheer sammelte und Herzog Karl selbst 
im Anzug begriifen war. Man weiss nicht, war es allzu 



1) Schreiber 1. c. 547. — ^) Eidgen. Absch. II, 356. Vgl. auch Jahr- 
buch für lothringische Geschichte 11. 1. c. 



288 Witte. 

grosses Selbstvertrauen auf die eigene Unwiderstehlichkeit 
oder die schon beginnende Unlust; die Vorbereitungen zur Be- 
lagerung wurden äusserst fahrlässig betrieben. Anstatt das 
Geschütz von beherrschenden Punkten der Umgegend auf die 
Burg und das Innere der Stadt spielen zu lassen, grub man 
sich unmittelbar vor den Mauern ein und fand hinter den 
Schanzkörben nur eine sehr unvollkommene Deckung; denn 
die Belagerton hatten nicht nur viele BUchsen, sondern auch 
recht gute BUchsenmeister, die durch ihre wolgezielten Schüsse 
den Verbündeten grossen Schaden zufügten. Hingegen blieb 
die Boschiessung von diesem Standpunkt aus so gut wie ohne 
alle Wirkung auf die dicken Mauern ; es war nicht viel anders, 
als wenn ein Schneeball an die Wand geworfen wurde, und 
selbst die Kunst von Meister Hans von Nürnberg vermochte 
hier mit dem Strassburger (leschUt/ nur wenig auszurichten. 
So beschloss man denn, der Sache in andei*er Weise ein 
Ende zu machen und den Sturm zu unternehmen. Blamont 
mochte nicht viel fester erscheinen als Orbe, und auch da hatte 
die Tapferkeit der Stürmenden die Festigkeit des Platzes ilber- 
wunden. Der Sturm wurde auf Freitag den 4. August ange- 
setzt, und es sollte die Stadt von den beiden entgegengesetzten 
£nden gleichzeitig angegrilTen werden. Als Ilauptleute beim 
Sturm wurden für Bern geordnet Bitter Hans Thttring von 
BUttikon und Hans Rudolf von Erlach, während Herr Hermann 
von Eptingen die Mannschaften des Bischofs von Basel, der 
eben 1200 Mann gesandt hatte, und diejenigen der Stadt Basel 
führte; Anführer der Strassburger war üaspar Barpfennig» 
.gar ein handfester Mann**. Der gieng zuerst mit seinen 
beiden Söhnen an die Mauer, um sie mit der Sturmleiter zu 
ersteigen. Da zeigte sich dann, dass die Vorbereitungen zum 
Sturm doch nur mangelhaft getroffen waren ; die Leitern waren 
zu kurz, und so mussten die Strassburger einen Hagel von 
Geschossen ertragen, ohne etwas dawider ausrichten zu können. 
Nicht besser ergieng es denen von Bern, Gleichzeitig wurde 
von der Stadt ein heftiges Feuer auf die Anstürmenden ge- 
richtet, das grossen Schaden anrichtete, ohne dass Vorsorge 
getrolTen wäre, dasselbe zum Schweigen zu bringen. Daneben 
hatten die Belagerten noch sonst allerlei unangenehme Über- 
raschungen für die Stürmenden vorbereitet. So schleuderten 
sie in Leilachen eingebundene Bienenkörbe herab, und es gab 



Zur Geschichte der Burgimderkriege. 23& 

jetzt einen heftigen Kampf mit den erbitterten kleinen stach- 
lichten Gegnern, die den stürmenden Gesellen hart genug zu- 
gesetzt haben mögen; ausserdem machten die in dem Graben 
gelegten Fussangeln und Hecheln viele Beschwerden. Den- 
noch verloren die Verbündeten nicht den Mut; sie gewannen 
auch einige Türme ; aber die Hindemisse, welche sie zu über- 
winden hatten, waren doch zu gross, zumal die Besatzung, die 
wohl wusste, was ihr bevorstand, wenn sie unterlag, sich aufs 
tapferste wehrte. Vier Stunden dauerte der Sturm; da Hessen 
die Verbündeten endlich ab, ermüdet von den Anstrengungen 
und der Hitze des heissen Augusttages. 

Die Verluste waren beträchtlich; schlimmer aber war die 
Mutlosigkeit, die platzgriff, die sogar so weit gieng, das& 
Strassburg und Basel ihr Geschütz aufluden und die Bela- 
gerung aufheben wollten. Das war die böse Frucht, die aus 
dem schlechten Verhältnisse zwischen den eidgenössischen 
Knechten und den Truppen der Vereinung gewachsen war^ 
Wenn nichts geschah, um der Zuchtlosigkeit der ersteren ent- 
gegenzutreten, so ist wohl zu bedenken, dass Herr Nicolaus 
V. Diessbach ein kranker Mann war; am lautesten erschollen 
übrigens die Klagen über die freien Knechte im Dienste Ba- 
sels, die aus Luzern und den Ländern hergelaufen waren, 
und über sie stand ihm keine Zuchtgewalt zu. Nach dem 
Abzüge Tiersteins lag es eigentlich den Strassburger Haupt- 
leuten ob, auf die in gewisser Hinsicht jetzt die Oberleitung 
übergegangen war, Zucht und Ordnung aufrecht zu halten; 
sie Hessen aber die Dinge gehen einerseits aus übel ange- 
brachter Schonung der Empfindlichkeit der Eidgenossen, ander- 
seits weil sie fürchten mochten, sonst die Auflösung des Heeres 
herbeizuführen. So wucherte der Unfriede weiter; der Über- 
mut der Knechte wuchs immer mehr und ebenso die Erbitte- 
rung unter den Beihen der Elsässer, bis endlich der Hader 
zu offenem Ausbruche kam. Die Strassburger Hauptleute 
teilten die Unlust ihrer Leute, und es lässt sich sehr gut er- 
klären, dass sie nicht im stände waren, Feuer in ihre Mann- 
schaft zu bringen. Noch immer nicht vermochten sie sich 
darüber zu beruhigen, dass Strassburg vor allen andern Mit- 
gliedern der Einung die meisten Kosten für den Feldzug zu 
bestreiten hatte; und es spricht sich eine bedenkliche Ver- 
drossenheit darin aus, wenn sie um bestimmte Befehle bate]> 



240 Witte. 

fUr ihr weiUn-es Verhalten, aber es ablehnten, wenn nun 
Strassbur^ die Sache auf sie setzen wollte. Dazu kam, dass 
der politische Ilimniel rings um sie herum sich ziemlich trübe 
ausnahm. Der Hastard von Burgund war glücklich durch die 
Jurapässe hindurohgeschlüpft und war eifrigst beschäftigt, zu 
Dosan<;on ein Heer zusammenzuziehen. Im Lager vor Blamont 
konnte man nicht wissen, dass derselbe in den Pliincn Herzog 
Karls eine ganz andere Bestimmung hatte, als wider die Ver- 
bündeten verwandt zu werden. Der Sire von NeufchAtel stand 
ausserdem mit 1500 IM'erden zu C'lerval und bedrohte die 
liückzugslinie. Das machte sich bereits in dem Stocken der 
Zufuhr und zeitweiligem Mangel bemerkbar. Dazu kam, dass 
in dem heissen Sommerwetter die „IVstilenz", eine Seuche 
unbestimmtm* Natur, in bedenklicher Weise um sich griff. 
Die Niedere Vereinung, welche eben zu Schlettstadt auf Be- 
rufung von Bischof Iluprecht zusammengetreten war, um über 
die dem Herzog von Lothringen zu leistende Hülfe zu beratmi, 
hatte die (iefahr für drohend genug gehalten, dass sie sich 
einerseits an die Kidgenossen wandte und ihrer Sorge die Be- 
lagerer vor niamont empfahl, andererseits den Bischof von Basel 
und die gleichnamige Stadt von jeder Leistung für den Zug 
gen liOthringen entband; dafür sollten sie aber mit dem Her- 
zog Sigmund bereit stehen, gtMi Blamont Kntsatz zu leisten. *) 

Alles das reichte aber nicht aus, um den gesunkenen Mut 
zu beleben; die Strassburger Haupt leute verlangten eine Ver- 
stärkung der Berner Knechte, wofür sie ein „Kuchi-gelt" ver- 
hiesson, und wenngleich die Berner Herren die Verstärkung 
nicht für notwendig hielten, so schrieben sie doch um der 
von Strassburg willen „derenwegen sie ausgezogen wären*, 
im befürwortenden Sinne an ihre Vaterstadt. Bis diese Ver- 
stärkung eintrefVen konnte, verstrich immerhin noch einige 
Zeit, und so sehr bedroht hielten sich die Hauptleute vor 
Bhunont , dass sie sich am i\. August an Basel wandten und 
baten, ihnen gemäss dem Schlettstadter Abschied ungesäumt 
1000 Mann zuzusenden. 

Ks war wohl die letzte Handlung, an der Nicolaus von 
Diessbach auf seinem Krankenlager teilnahm. Auch er wurde 
von der Pestilenz befallen. Im liager konnte er schwerlich 

«) AA. 270. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 241 

Heilung finden; er liess sich zum Bischof von Basel nach 
Pruntrut bringen, wo er am dritten Tage verschied.*) Für 
seine Vaterstadt war sein Tod ein nationales Unglück, und 
hier empfand man auch, was man an ihm verlor. Niemand 
war imstande, die Politik seiner Vaterstadt in der ebenbür- 
tigen Weise weiter zu lenken; niemand vermochte auch den 
elsässischen Verbündeten solches Vertrauen einzuflössen. Die 
Feinde Berns hingegen empfanden über sein Hinscheiden hohe 
Befriedigung, und zumal die Herzogin von Savoyen atmete er- 
leichtert auf. In Bern aber behielt das Staatsschiflf einstweilen 
noch denselben Lauf bei, wenngleich schon bald die frühere 
Hand vermisst wurde, welche das Steuerruder geführt hatte. 

Die Sicherheit, dass Verstärkungen bevorstanden, liess das 
Heer mit neuem Eifer ans Werk gehen. Der frische Mut 
zeigte sich auch darin, dass die Hauptleute die Erbietungen des 
Sire de Neufchätel, der gern Blamont gerettet hätte, ablehnten. 
Durch die Würtemberger Vögte von Mümpelgart und Reichen- 
weier hatte er an sie gelangen lassen, dass er gegen Rückgabe 
von Höricourt oder auch gegen Aufhebung der Belagerung 
von Blamont bereit sei, sich fernerhin ruhig zu verhalten und 
in diesem Sinne auch seine Amtleute schwören lassen wolle. 
Um einzuschüchtern, liess er dann zugleich mitteilen, dass 
sein Bruder, der Statthalter von Luxemburg Sire du Fay, mit 
bedeutenden Streitkräften durch das Herzogtum Bar heranzöge 
und Herzog Karl mit seiner ganzen Streitmacht in Anzug 
wäre, und da sämtliche „Fürsten" von Frankreich wider 
König Ludwig geeinigt wären, könnte dieser ihn nicht ab- 
halten. Im Namen gemeiner Hauptleute antworteten Hermann 
V. Eptingen und Friedrich v. Fleckensein ihm am 6. August durch 
die beiden Würtemberger und lehnten nicht nur seine Anträge 
ab, sondern machten auch die Anknüpfung weiterer Verhand- 
lungen abhängig von der Einräumung des Schlosses Neufchätel 
zu den bereits eroberten Städten und Schlössern. Über seine 
Mitteilungen äusserten sie sich sehr erfreut, dass sie alsdana 
endlich einmal Aussicht hätten, mit ihren Feinden zusammen- 
zugeraten; auch sie erwarteten Verstärkung von denen von 
Bern, die mit ganzer Macht und offenem Banner ausgerückt 



^) Der Tag lässt sich nicht genau bestimmen; jedenfalls erfolgte der 
Tod Yor der Eroberung von Blamont. 



242 Witte. 

wären. Indessen wunio der Stadt tUehtig zugesetzt. Strass- 
l)ur^ und Basel hatten ihre UesohUtze wüuler abgeladen, und 
da die Kosohiessnng der Mauern von dem bisherigen Standort 
wenig Wirkung erzielt hatte, Hess Meister Hans jetzt den 
Struss und einige Schlangen auf einen höher gelegenen und 
dureh Wald gesehüt/ten Punkt bringen in der Nähe der 
Stadt, die durch ein kleines Thal davon getrennt war. Von 
hier aus wurde nun ein wirksameres Feuer auf das Innere 
der Stadt und Burg erötVnet, und da gleichzeitig die Pestileni 
unter der Besatzung wütete und bereits den Befehlshaber, 
einen Bastard des (leschlechtes NeufchAtel, hingerafll hatte, 
da sank auch hier der Mut. Verhandlungen wurden cr()lTnet, 
und die Besatzung erklärte sich bereit, Stadt und Scldosa zu 
üluMgeben, wenn man ihnen freien Abzug mit ihrer Habe be- 
willigte und die Kin wohner bei ihrem Besitz beliess. Die Be- 
lagerer waren seelenfroh über den Antrag, da doch nur wenig 
Aussicht war, die allerstärkste Festung in Burgund mit dem 
Sturm zu gewinnen: jedoch nahmen die llauptleute den Mund 
recht voll, damit die lU\sjit/.ung nachher nicht reden könnte, 
man hätte ihnen wegen der l-bergabe gute Worte gegel)en: 
ursprünglich wäre die .\bsicht gewesen, ihnen keine (inade 
zu gewähren; jedoch wollte man sie mit ihrer Habe abziehen 
lassen. Stadt und Schloss verlangten jedoch die llauptleute 
zu ihrer freien Verlugung; den Bewohnern wollte mau aber 
gestatten, soviel von ihrer Habe mitzunehmen, als jeileni 
„ziemlich gekleidet der (iürtel beschliessen mag**. 

Also bedachten sich die Beingerten nicht zu lange und 
verstanden sich dazu unter solchen Bedingungen Stadt und 
Burg zu übergeben. Ks waren an vierhundert Söldner, Bur- 
gunder. Lombarden, Savoyer, die, zum Teil gar fröhlich, dass 
sie so davon gekonnnen, mit ihrer Habe unter dem Geleit der 
Verbündeten am 1>. August abzogen, zu nicht geringem Ver- 
druss mancher (lesellen, AW sich ilie gehotTte Beute entgehen 
sahen und nicht übel Miene machten, über die Abziehenden 
her/ufallen. Nur mit Mühe vermochten die llauptleute es zu 
hindern. *) Den SöMncrn folgte ein trauriger Zug von Weibern 

') IhrtMu SrhicUsal ontgin^on nio duruin doch nicht. Man wollte sie 
inredcr y.ii Nonfchatol noch zu (Morvnl oder sonst einlassen, und als sie 
ill>er den Doubs und damit aua dem (iebiet der Verbündeton gekommen 
iK'aron, wurden sie überfaUen und /.usammengehauen. Doricht Scliamachthali. 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 243 

und Kindern, die also von dem Ihren lassen mussten, und 
sie trugen viele Kleider und was sie sonst noch fortzuschleppen 
vermochten und gehuben sich übel mit Schreien und Weinen, 
dass sie also von dem Ihren lassen mussten. Hinter ihnen 
wankten merkwürdige Gestalten aus den Thoren, an vierzig 
Männer, teils von den Eidgenossen, teils aus dem Sundgau 
und andern Teilen der Vereinung, die dort gefangen gelegen; 
sie waren so streng gehalten, dass sie „gar ungestalt" ge- 
worden. Die sangen vor rechter Freude überlaut, dass jeder 
es vernehmen konnte: Christ ist erstanden. 

So war denn Blamont gefallen, noch bevor die Streitkräfte, 
die unterwegs waren, anlangten. Tags darauf, am 10. August, 
erschienen bereits an 1200 Mann aus Basel im Lager; sie 
führten den „Rüden** mit sich, der nun allerdings Blamont 
nicht mehr aufspielen konnte. An demselben Tag reisten Herr 
Hermann v. Eptingen, Altammeister Peter Schott und Bern- 
hard Sürlin von Basel nach Pruntrut, um die heranziehenden 
Eidgenossen zu bewillkommnen. Es war eine stattliche Schar, 
an dritthalbtausend allein aus Bern, die mit ihrem Stadtbanner 
unter Führung des Herrn Nicolaus von Scharnachthal heran- 
gezogen kamen ; auch die von Solothurn waren mit ihrem Ban- 
ner ausgezogen und Freiburg hatte ein Fähnlein von 260 Mann 
hinzustossen lassen. *) Zu Pruntrut vernahmen sie vom Falle 
Blamonts. Dadurch Hessen sie sich nicht aufhalten ^), sondern 
wurden zu Rat: nachdem sie von ihren Herrn und Obern 
sonderlich der frommen Stadt Strassburg und andern zu Ehre 
und Trost ausgefertigt waren, so wollten sie dennoch zu ihnen 
ziehen und sie besehen, damit sie Trost und Freude von einan- 
der hätten. Mit den Herren, die ihnen entgegengereist waren, 
vereinbarten die Hauptleute, dass sie am 12. August gen 
Blamont kommen wollten, um über fernere Unternehmungen 
zu beraten. Inzwischen war es hier zu höchst bedenklichen 
Auftritten gekommen, und die Strassburger Mannschaft befand 
sich in offener Meuterei. 

Es war wiederum in Anlass des „verfluchten" Beutegutes, 
dass eidgenössische Knechte sich durch ihre Habgier zu den 
ärgsten Ausschreitungen hatten hinrcissen lassen.^) Zu Bla- 



^) Basel A. bt. 91/1G3 or. eh. — ^) Vgl. den Bericht Scharnachthals 
an Bern im Luzern. A. cop. eh. coaer. — *) Ausser dem bereits ange- 
führten Briefwechsel benutze ich die Akten der Untersuchung, welche 



1)44 Witto, 

inont war eine höolist bodoutondo Beute gemacht worden; 
nlloin dio Vorrüte hiitton für die Insassen noch Ewoi Jahre 
gereicht. ^Yio üblich, war eine «gemoino** Beuto gemacht; 
HeutiMnoister wurden bestellt, um über die gerechte Verteilung 
zu wachen« und damit nichts fortgeschleppt werden konnte, 
waren an (U»n Thoren Wachen aufgestellt. Kin Schwyxcr je« 
doch von Hasels KntH'hten, der mit zwei Spiessgesellon liOinen 
fortschaflen wollte, wusste sich zu helfen; als er von dem 
Schiet t Stadt er Hauptmann an) Thor angehalten wurde, stach 
er ihn einfach nitnler. Darüber entstand natürlich grosser 
Iiärm» aber weil er ein Schwyzer war, standen ihm die 
Schwyzer bei, und so entkam er ungestraft; denn die Baseler 
wagten nicht ilen (lesellen zur Ite(*henschaft zu ziehen. Später 
jedoch, als sich nochmals ihrethalben ein Auttauf erhob, wurden 
sie von den Herner Haupt leuten festgenommen, welche sie 
nach Bern schatften mit dem Vei*sprechen, sie dort enthaupten 
zu lassen. ^) Auch sonst noch müssen arge (lewaltthiitigkeiten 
seitens der eidgenössischen Knechte wider ihre Hundcsbriidor 
vorgekommen sein, so dass nun endlich die Uährung und Er- 
bitterung zum otTenen Ausbruch kam, als es sich darum han- 
delte, weiter zu marschieren. 



IX, 

Die Niedere Vereinung hatte sich in kräftiger Weise des 
Herzogs von Lothringen angenommen. Kin Heer von 8000 
Mann sollte sich am 11. August im Weilerthal sammeln und 
dem Herzog zu Hülfe ziehen. Zugleich wollte mau nun auch 
versuchen, die Hülfe des Reichs zu erlangen und sieJi mit 
dem König von Frankreich in Verbindung setzen. An den 
Kaiser sollte eine Botschaft abgehen und von ihm einen Be- 
fehl an die der Nimlern Vereinung benachbarten Mlrston und 
Städte erwirken, derselben auf Erfordern zu Hülfe zu kommen. 
Die „Unterrichtung**, welche die (icsandten erhielten, ist so 
recht der Ausdruck der peinlichen Ungewissheit der VerbUn- 

nachhor in StraHsburg iÜH'r dio Moutcrt'i der Maiinschafl Koftkhrt wurde. 
A.\. L>81. 

I) Knebel 2S9. Sehr b««Kcichnend wU dass sich in dem Bericht Schar- 
nacbthala über diese Vorgängo nicbt^ findet. 



Zur Geschichte der Barganderkriege. 245 

deten, welche sich nicht zu reimen verstanden, dass der Kaiser 
mit dem Herzog yon Burgund Frieden geschlossen hatte und 
dieser sich nun erhob, um dem Herzog von Lothringen, einen 
Zugewandten der Vereinung und Fürsten des heiligen deutschen 
Reiches, mit Krieg zu überziehen; beinahe scheine es, als ob 
die Verein ung in den Frieden nicht einbegriffen sei. Ebenso 
sollte an den König von Frankreich eine Gesandtschaft ab- 
gehen und mit ihm in Anlass seines letzten Schreibens für 
den Fall eines Angriffes seitens des Herzogs von Burgund 
auf Lothringen eine möglichst einheitliche Kriegführung ver- 
abreden. Damit begnügte sich aber Strassburg nicht. Es 
wollte einen kräftigen Schlag führen und wenn möglich auch 
noch die vor Blamont liegende Kriegsmacht wider Burgund 
ins Feld schicken. Bereits am 31. Juli hatte der Rat von 
Strassburg auf den Bericht der Hauptleute, dass der Landvogt 
gen Lothringen ziehen, sie aber Blamont erobern und dann 
heimziehen wollten, sich dahin geäussert, dass die Hauptleute 
nach dem Falle von Blamont entweder dem Landvogt nach- 
folgen, oder aber auf dem nächsten sichern Weg dem Herzog 
von Lothringen zuziehen sollten. Die Stadt war sogar bereit, 
die 427 eidgenössischen Knechte für diesen Zug weiter in 
ihrem Sold zu behalten, falls Diessbach und seine Ratsgesellen 
sich von ihrer Stadt Verstärkung und den Bären schicken 
Hessen und mit nach Lothringen zögen. Somit hatte die 
Stadt sich ganz den ursprünglichen Vorschlag Diessbachs an- 
geeignet, aber selbst wenn die Berner sich dazu nicht ver- 
stehen wollten, sollten die Hauptleute wenigstens mit dem 
reisigen Zug, dem Fussvolk des Bundes und den Streitbüchsen 
dorthin aufbrechen. Damit fand Strassburg allerdings nicht 
viel Gegenliebe. Basel hielt an dem ursprünglichen Plan des 
Feldzuges fest; es wollte dem Feind auch die letzten Stütz- 
punkte, Clerval und Neufchätel, entreissen, um ein für alle 
mal Ruhe zu erhalten, und d^mit den Feldzug abschliessen. 
Mindestens ebensoviel Unlust wie bei den Bundesgenossen, 
fand die Stadt aber bei den eigenen Hauptleuten, und noch 
zuletzt hatte sie ihnen am 6. August auf ihr ewiges Jammern 
über die Kosten des Feldzuges in scharfem Tone zu Gemüte 
geführt, dass der Kostenpunkt bereits vor ihrem Auszug reif- 
lich erwogen wäre; man wolle lieber diese Auslagen als „an- 
dere hohe Beschwerung" erleiden. 

Z«itfchr. f. Oeich. d. Oberrh. N. F. VIII« 1. 16 



246 Witte. 

Auf dieses Schroibou hin bliob den llauptleuten nichts 
aiuli*os Übrig, als sich %u fllgon. Jetzt aber harrte ihrer die 
scliworo Aufgabe, nun auch die Mannschaft zu weiteren Kriegs- 
dionsten zu bestimmen. Ilnndwcrkor und Landlcute waren 
aber so wenig dazu geneigt, dass sie vielmehr in stürmischer 
>Vüise bereits begehrt liatten heimzuziehen, und am schlimm- 
sten war es, dnss sie sich unter einander geeinigt hatten, in 
keiner Weise dem Zureden ihrer llauptleute nachzugeben. 
IlauptwortfUhrer war Simon Spnrbrot von Ichenheim, weicher 
im Namen der Landleute erklärte: sie wären vier Wochen 
ausgewesen und hätten schon lange heimgewollt; ihrer aller 
Meinung wäre, dass er solches reden und sagen sollte, und 
darauf wandte er sich an das vor dem Zelt der llauptleute 
versammelte \'olk, zu erklären, ob es also wärt». Da antwor- 
teten Stadt- und Landleute alle: Jo. Herr Hans v. Berse und 
Marx Kerling suchten zu begUtigen und baten die Leute, sich 
zu gedulden, bis Herr Peter Schott aus Truntrut heimgekommen 
wäre; so wollten sie ihn und Herrn FriiHlrich Bock dazu 
uehmon und alsdann ihre Korderungen verhören und gütlich 
Antwort geben. Darauf entfernten sich die beiden Herren, 
und danach kam Herr Friedrich Bock herzu und wollte in 
das Zelt eintreten. Da war einer, der erwischte ihn hinten 
beim Arm und rückte ihn herum, ohne dass Herr Friedrich 
sehen konnte, wer es war, und derselbe sprach: wir halben 
es den zwei Herren gesagt und sagen es euch auch, dass wir 
heim wollen. 

Selbstverständlich konnte diese schwächliche Haltung nur 
dazu beitragen, die Leute in ihrer Widerspenstigkeit zu l>estärken ; 
in der Zwischenzeit wurden sie erst recht unter einander einig, 
nicht nachzugeben. Samstag, den \± August, kehrte Peter 
Schott heim, und jetzt versuchte njan mit Handwerkern und 
Landleuten gesondert zu verhandeln. Zunächst wurden die 
Handwerker besandt. Die Hauptleute legten ihnen zum Be- 
weis, dass es soder Stadt Belehl sei, den gepflogenen Brief- 
wechsel vor und wiesen darauf hin, dass sie, wenn sie jetit 
abzögen, alles erlangten Uuhmes verlustig gingen. Wenn sie 
sich in Zorn geeinigt hätten, so sollten sie jetzt davon ablassen 
oder doch wenigstens noch acht Tage bleil>en; so wollten die 
Uauptleute an Strassburg berichten, auch mit den anderen 
Hauptleuten der Vereinung reden und denselben den ungebttr* 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 247 

liehen Handel vorhalten, der ihnen begegnet wäre, namentlich 
von etlichen eidgenössischen Knechten, und dass die Strass- 
burger Bürger nicht weiterziehen könnten oder möchten ; viel- 
leicht würde man dann mit einander heimziehen. Der Reisigen 
Meinung wäre übrigens, nicht ohne ausdrücklichen Befehl 
von Strassburg abzuziehen. Darauf gingen die Handwerker 
fort, bedachten sich eine Weile und schickten Erhard Riflf als 
Wortführer zu den Hauptleuten. Der erzählte nun, was sie 
alles gethan hätten zu Llsle, Granges und Blamont und was 
ihnen dafür alles in Übermut und Beschwerung von den Eid- 
genossen geschehen wäre, sodass sie ihres Leibes und Lebens 
mehr vor den Eidgenossen, als vor den Feinden in Sorgen 
sein müssten. Dazu gäbe die Stadt denselben auch noch Geld; 
sie bedäuchte, dass dieses wohl besser angelegt werden könnte. 
Darum wollten sie nicht länger bleiben, sondern heimkehren. 
Dabei hielt Riff noch zurück, als ob er noch etwas zu sagen 
hätte, und gefragt von den Hauptleuten und ermuntert von 
seinen Genossen erklärte er: sie wären ausgeschickt von ge- 
meinen Handwerken, denen der „gezüg" gehörte; den wollten 
sie mit heimführen und zugleich die Hauptleute mit dem 
Fähnlein. Darauf wandten sich die Hauptleute an die Leute, 
ob das aller Meinung wäre; da sagten sie gemeinlich: io, er- 
klärten sich aber dabei bereit, noch acht Tage zu bleiben, bis 
das Schloss zu Blamont gebrochen wäre. Dabei wurden noch- 
mals Beschwerden laut über die Eidgenossen, wie dieselben 
drohten sie zu erstechen, ihnen ihren Beuteanteil nicht zu- 
kommen Hessen und redeten, sie wollten Weiss und Rot in 
zwei Teile spalten; daneben verlauteten aber auch Klagen 
über schlechte Verpflegung. 

Die Hauptleute hatten bloss die Handwerker besandt; un- 
berufen drängte sich auch noch Hans Sparbrot vor und er- 
klärte, dass das Landvolk desselben Willens wäre und nicht 
bleiben wollte. 

Angesichts dieser geschlossenen Haltung von Stadt- und 
Landvolk konnte von einem Weiterziehen gen Lothringen nicht 
die Rede sein; dafür, dass die Mannschaft schliesslich ein- 
willigte, noch acht Tage zu bleiben, bis Schloss und Stadt 
Blamont gebrochen wäre, versprachen die Hauptleute, ihre 
Abberufung von Strassburg zu erwirken, und baten am 12. Au- 
gust die Stadt um fernere Verhaltungsmassregeln ; sie ver- 

16* 



246 Witte. 

Auf dieses Schreiben hin blieb den Hauptleuten nichts 
andres übrig, als sich zu fügen. Jetzt aber harrte ihrer die 
schwere Aufgabe, nun auch die Mannschaft zu weiteren Kriegs- 
diensten zu bestimmen. Handwerker und Landleute waren 
aber so wenig dazu geneigt, dass sie vielmehr in stürmischer 
Weise bereits begehrt hatten heimzuziehen, und am schlimm- 
sten war es, dass sie sich unter einander geeinigt hatten, in 
keiner Weise dem Zureden ihrer Hauptleute nachzugeben. 
Hauptwortführer war Simon Sparbrot von Ichenheim, welcher 
im Namen der Landleute erklärte: sie wären vier Wochen 
ausgewesen und hätten schon lange hcimgewollt; ihrer aller 
Meinung wäre, dass er solches reden und sagen sollte, und 
darauf wandte er sich an das vor dem Zelt der Hauptleute 
versammelte Volk, zu erklären, ob es also wäre. Da antwor- 
teten Stadt- und Landleutc alle: Jo. Herr Hans v. Berse und 
Marx Kerling suchten zu begütigen und baten die Leute, sich 
zu gedulden, bis Herr Peter Schott aus Pruntrut heimgekommen 
wäre; so wollten sie ihn und Herrn Friedrich Bock dazu 
nehmen und alsdann ihre Forderungen verhören und gütlich 
Antwort geben. Darauf entfernten sich die beiden Herren, 
und danach kam Herr Friedrich Bock herzu und wollte in 
das Zelt eintreten. Da war einer, der erwischte ihn hinten 
beim Arm und rückte ihn herum, ohne dass Herr Friedrich 
sehen konnte, wer es war, und derselbe sprach: wir haben 
es den zwei Herren gesagt und sagen es euch auch, dass wir 
heim wollen. 

Selbstverständlich konnte diese schwächliche Haltung nur 
dazu beitragen, die Leute in ihrer Widerspenstigkeit zu bestärken; 
in der Zwischenzeit wurden sie erst recht unter einander einig, 
nicht nachzugeben. Samstag, den 12. August, kehrte Peter 
Schott heim, und jetzt versuchte man mit Handwerkern und 
Landleuten gesondert zu verhandeln. Zunächst wurden die 
Handwerker besandt. Die Hauptleute legten ihnen zum Be- 
weis, dass es so der Stadt Befehl sei , den gepflogenen Brief- 
wechsel vor und wiesen darauf hin, dass sie, wenn sie jetzt 
abzögen, alles erlangten Ruhmes verlustig gingen. Wenn sie 
sich in Zorn geeinigt hätten, so sollten sie jetzt davon ablassen 
oder doch wenigstens noch acht Tage bleiben; so wollten die 
Hauptleute an Strassburg berichten, auch mit den anderen 
Hauptleuten der Vereinung reden und denselben den ungebUr- 



Zur Geschichte der Burgunderkriege. 247 

liehen Handel vorhalten, der ihnen begegnet wäre, namentlich 
Ton etlichen eidgenössischen Knechten, und dass die Strass- 
burger Bürger nicht weiterziehen könnten oder möchten ; viel- 
leicht würde man dann mit einander heimziehen. Der Reisigen 
Meinung wäre übrigens, nicht ohne ausdrücklichen Befehl 
von Strassburg abzuziehen. Darauf gingen die Handwerker 
fort, bedachten sich eine Weile und schickten Erhard Riff als 
Wortführer zu den Hauptleuten. Der erzählte nun, was sie 
alles gethan hätten zu Llsle, Granges und Blamont und was 
ihnen dafür alles in Übermut und Beschwerung von den Eid- 
genossen geschehen wäre, sodass sie ihres Leibes und Lebens 
mehr vor den Eidgenossen, als vor den Feinden in Sorgen 
sein müssten. Dazu gäbe die Stadt denselben auch noch Geld; 
sie bedäuchte, dass dieses wohl besser angelegt werden könnte. 
Darum wollten sie nicht länger bleiben, sondern heimkehren. 
Dabei hielt Riff noch zurück, als ob er noch etwas zu sagen 
hätte, und gefragt von den Hauptleuten und ermuntert von 
seinen Genossen erklärte er: sie wären ausgeschickt von ge- 
meinen Handwerken, denen der „gezüg" gehörte; den wollten 
sie mit heimführen und zugleich die Hauptleute mit dem 
Fähnlein. Darauf wandten sich die Hauptleute an die Leute, 
ob das aller Meinung wäre; da sagten sie gemeinlich: io, er- 
klärten sich aber dabei bereit, noch acht Tage zu bleiben, bis 
das Schloss zu Blamont gebrochen wäre. Dabei wurden noch- 
mals Beschwerden laut über die Eidgenossen, wie dieselben 
drohten sie zu erstechen, ihnen ihren Beuteanteil nicht zu- 
kommen Hessen und redeten, sie wollten Weiss und Rot in 
zwei Teile spalten; daneben verlauteten aber auch Klagen 
über schlechte Verpflegung. 

Die Hauptleute hatten bloss die Handwerker besandt; un- 
berufen drängte sich auch noch Hans Sparbrot vor und er- 
klärte, dass das Landvolk desselben Willens wäre und nicht 
bleiben wollte. 

Angesichts dieser geschlossenen Haltung von Stadt- und 
Landvolk konnte von einem Weiterziehen gen Lothringen nicht 
die Rede sein; dafür, dass die Mannschaft schliesslich ein- 
willigte, noch acht Tage zu bleiben, bis Schloss und Stadt 
Blamont gebrochen wäre, versprachen die Hauptleute, ihre 
Abberufung von Strassburg zu erwirken, und baten am 12. Au- 
gust die Stadt um fernere Verhaltungsmassregeln ; sie ver- 

16* 



248 W i 1 1 <». 

möchten die liOute auf keiniMi Fall weiter su bringen, sumal 
OS lauter arme (losellen waren, denen an Stnutsburga Ehro 
und (iliuipf wenig gelegen wäre. Pabei bestätigton sie« dass 
die Klagen über das Verhalten der eidgenössischen Knechte 
begründet wären; sonderlieh die von Basel l)estolIten Knechte 
verhielten sieh übel sowohl gegen sie, als auch gegen alle au* 
tleren von den Städten. 

In Strnssburg erwartete nmn nicht anders, als dass der 
/ug nach Lothringen von statten gehen wUnh\ und man hatte 
iu)ch einen Zug Artillerie zur Verstärkung abgesandt, der nun 
auf Uefehl von Hhunont aus /.u Oohnar anhielt. Die Haupt- 
leute selbst warteten die Kotschaft von Strassburg aus gar 
nicht ab, sondern nu^ldetcn iHMvIts am folgenden Tage, dass 
sie, wiewohl das wider die beschworene Feldordnung wäre, 
von ihren Leuten eine „Richtung'* hätten annehmen müssen, 
wie n^ant Paulus von den iiriechen". (lewissermassen lur 
Kntschuldigung fügten sie noch hin/u. dass die Kidgonossen 
nicht gerüstet wären lange im Felde /u bleiben, dass Junker 
Jörg von Ochsenstein mit des Bischofs von Strassburg Volk 
Siphon am IL August heim/.iehen wenU\ und vor allem, dass 
die Pestilenz im IUhmv weiter um sich grilTe, Die Stadt suchte 
zunächst mit dem Schwergewicht obrigkeitlichen Ansehens auf 
die widerspenstigen Mannschaften einzuwirken und ormahnto 
die liCute am L*^. August bei ihrem Schwur, getnni bei den 
Hauptleuten auszuhniten; gleichzeitig sollte eine Rat^botschaft 
ins Lager abgehen. Die kau) aber nicht über Colmar hinaus, 
wo sie vernahm« dass die Ilanptleute der Mannschaft naehge- 
uebcn hätten. .Vuch jetzt noch wollte die Stadt die HoiTnung 
nicht sinken lassei), dass vielleicht noch die Heimkehr gew*endet 
und der Feldzug fortgesetzt werden könnte. So wurden die 
Hauptleute am 17. August beauftragt, vorausgesetzt, dass die 
Fidgouosst'u unil die übriiren /ugi^wamlten des Bundes weiter 
willer den bViuil arbeiten wollten, ilcm Fussvolk etwas Held 
/u gel>eu. um sie zuui Weiter/iehen zu bewegen; wollten sJo 
aber „überein" nirht bleiben, so sollten die Hauptlente das 
l'ussvulk /.iehon lassen, den reisigen Zug aber, sowie die be- 
stcIlUMi oiilgonössischcn KiuH'hte uuil die Büchsen, die xu 
Streit- uiul Sturmgcsi'lijil'ten notwemlig wären, bei sich be- 
halten. 

Als ilie^es Schreiben im Lager ankam, waren von den ver- 



Zur Oeschichte der Burgunderkriege. 249 

heissenen acht Tagen, welche das Fussvolk noch bleiben wollte« 
bereis sechs verstrichen und die Arbeiten zur Zerstörung von 
Stadt und Burg Blamont zu Ende geführt ; sechszehn köstliche 
vergoldete Knöpfe, womit die Zinnen der Burg geschmückt waren, 
fielen den Strassburgern anheim. Als nun die Hauptleute aufs 
neue, gemäss der Weisung der Stadt, das Fussvolk zum Bleiben 
zu bewegen suchten, hatten sie jetzt so wenig £rfolg wie vor- 
dem. Der Schuster Lorenz Wiltgertheim erklärte als Wort- 
führer der Handwerker: sie wollten kein Geld, sondern heim. 
Das Heer befand sich bereits in voller Auflösung. Der Herr 
von Ochsenstein und der von Wangen waren bereits mit den 
Leuten des Bischofs von Strassburg ohne Erlaubnis hinweg- 
gezogen. Das steckte an; die Leute wurden unwilliger und 
redeten: sind die heim und sind die heim, ich bedürfte auch 
wohl, dass ich daheim wäre; und als nun Herr Bernhard 
Böckel und Herr Cunemann v. Mittelhus mit den Lichtenber- 
gern zu Ross und zu Fuss aufbrachen, da schlössen sich sehr 
viele von den Handwerkern und dem Landvolke an ; von letz- 
teren blieben nur noch die von Lahr, Etteuheim, Kenzingen, 
Benfeld und Osthausen, welche um Geld sich dazu vei*standen, 
noch acht Tage zu bleiben. 

Diese Stimmung im Lager hatte nun auch auf den wei- 
teren Gang der Unternehmungen eine lähmende Wirkung. 
!Die Waffen ruhten fast vollständig. Lediglich ist hier noch 
der Einnahme des ebenfalls dem Hause Neufchätel gehörigen 
Schlosses Clemout zu gedenken, das am 11. August ohne 
Mühe durch Herrn Jakob Rieh von Richenstein, den Hofmeister 
des Bischofs von Basel, gewonnen wurde. Die Ankunft von 
Herrn Niclaus v. Scharnachthal mit den Seinen brachte keine 
wesentliche Änderung. Der Bär lag müssig vor Blamont, und 
alle Hände waren einstweilen beschäftigt, die- Festung zu 
brechen. Indessen kam Herr Dietrich von TuUiere, Herr v. 
Froberg, „der noch nie gläubig werden und sich zähmen lassen 
wollte", ins Lager, um mit den Verbündeten seinen Frieden 
zu machen. Obwohl sein Schloss Froberg ein Mannlehen Her- 
zog Sigmunds war, hatte er bisher doch unter den Gegnern 
gestanden und namentlich den Bischof von Basel vielfach ge- 
schädigt. Die Verluste, welche der Herr von Neufchfttel er- 
litten, Hessen ihn jetzt andern Sinnes werden; er öffnete seine 
Feste den Verbündeten wider Burgund, und seine Söhne 



250 W i i t a. 

umsston sioh fornorlün verptliohton > in ihron Reihen wider 
Herzog Karl y.u dioncn. M 

Ks inussto sich nun xeiffen, was man noch suataude 
bringen konnte, nnohdoni HIamont Koachloift war. Qen Lo- 
thringen oder in die Clniniimgno /u xiohen, war Herrn Nico- 
laus V. Soharnachthal ausdrücklich untersagt*), da Bern sein 
Volk nicht so lange missen >vollte; vielleicht in nächster Zeit 
gab es im Waadtland Beschäftigung dafUr. Nachdom sie aber 
mit dem Hanner und ^einem semlicl^on orlichen volk* ausge- 
Kogen waren, wollte er und seine Mithauptleuto nicht .also 
ungeschatfet** wieder heinikominen. Unter seinen I^euten war 
alH^r von solcher Thatenlust wonig /u spUron. Auch hier 
machte sich die Unlust Über die lange Dauer dos Feldiugea 
bemerkbar; Pestilenz, Mangel an Lebensmitteln trugen weiter 
dn/u bei, und in merklicher Zahl zogen die Ijoute ohno förm- 
lichen Urlaub nach Hause. Anfangs bestand nun die Absicht, 
Schloss NeufchAtel, das man bereits besichtigt hatte, su be- 
riMinen; dieser Plan wurde aber fallen gelassen, und es wurde 
beschlossen, nach MömiH'lgart zurückzunnirschioren und als- 
dann auf Schloss Uougeniont zu ziehen. 

Am 10. August brach das Heer auf; die Straaaburger, 
deren Reihen sich noch mehr gelichtet hatten durch den Ab- 
zug fast sämtlichen Landvolks, meinten, es ginge heimwärts; 
als aber das Heer jetzt abschwenkte gen (iranges, da kam 
es zu oflVner Meuterei : das Fussvolk verweigerte den Welter- 
marsch. I>ie Vorstellungen, Hitten und Mahnungen der Ilaupt- 
leute wirkten so viel, dass etliche mit dem Fähnlein weiter 
zog(>n; der grössere Teil aber blieb zurück und l>esann sich 
erst am Abend eines Hessern und kam nachgexogen. Unter 
diesen UnistUnden verboten sicli die grösseren Unternehmung 
gen von selbst; auch das eingetretene Regenwetter war hin- 
derlich. Da war zunächst Oramont, welches man jetzt su er- 
obern gedachte. Am Sonntag wurde zu (iraugos gerastet, 
am Montag dem 2L August hörte man frUh die Messe; joder 
ass zu Morgen und dann ging es im Namen tiottos wider 
das Schloss. Noch zuletzt hatte der Hastard von Hui^gund 
die Hesatzung verstiirkt und Kntsatz verheissen. Im Vertrauen 

M Ht^richi Si'i)Arnachthiüii. Dio Öfnmntpturkuniio im HmH. A. 0«h<-> 
\Wfi, S. 11 1>. l. or. ink - ^) Uoni. A. T. M. (\ 5112-»», 



Zur Geschichte der Burganderkriege. 251 

darauf wies sie die Aufforderung zur Übergabe zurück. Sofort 
liefen die in der Vorhut befindlichen Eidgenossen, ohne einen 
Befehl abzuwarten, den hohen Berg hinauf, auf dem das 
Schloss lag, und gewannen im ersten Anlauf, bei dem sich 
namentlich die Büchsenschützen auszeichneten, den Yorhof der 
Burg. Die Besatzung zog sich in das Schloss zurück und 
fuhr fort tapfem Widerstand zu leisten; herbeigeführtes (Je- 
schütz zwang sie, die Mauern zu verlassen. Auch so machte 
der Sturm erhebliche Schwierigkeiten, da kein Sturmzeug zur 
Hand war. Die Knechte wussten sich aber zu helfen; mit 
Hellebarden und Spiessen brachen sie sich unten durch die 
Mauern Bahn und kamen zuerst in den Keller, der voll guten 
Weines war, alsdann gelaugten sie ins Schloss und machten 
alles nieder, was ihnen vor die Waffe kam. Der Rest der 
Besatzung musste sich auf Gnade oder Ungnade ergeben, und 
da zufällig drei Priester im Schlosse waren, durften die un- 
glücklichen bei denselben noch beichten. Kaum aber liess 
man ihnen Zeit dazu und erschlug sie unter den Augen ihrer 
Beichtväter. Drei Stunden hatte der Sturm gedauert; sechs- 
undneunzig Mann waren getödtet; nur vier Mann ohne die 
Priester blieben am Leben. Sie hatten sich in Weiberkleider 
geworfen, indem sie auf die Schonung rechneten, welche die 
Eidgenossen den Frauen immer gewährten. Dafür mussten 
sie mit dem Bastard von Gramont, den man ebenfalls am 
Leben liess, angeben, wo im Schlosse Beute zu finden war. 
Die war gar gross, und jeder durfte nehmen, was ihm in die 
Hand kam. Die Leute wurden auch gar fröhlich von dem 
guten Wein, den sie gefunden; was sie nicht trinken konnten, 
Hessen sie auslaufen, so dass sie bis an die Knie darin wate- 
ten. Eine andere Schar war gegen das benachbarte, ebenfalls 
dem Hause Gramont gehörige Schloss Fallen gezogen. Die 
Besatzung machte anfangs Miene Widerstand zu leisten; als 
sie aber von dem Schicksal ihrer Kameraden zu Gramont 
vernahm, bat sie um Gnade und Barmherzigkeit. Die ward 
ihnen gewährt; jedoch mussten sie nackt, im Hemd, mit 
Stecken in der Hand, davonziehen, ohne etwas mitnehmen zu 
dürfen. Dennoch lobten sie Gott, dass man sie am Leben 
gelassen. Beide Schlösser wurden „mit dem Feuer gen Him- 
mel gerichtet". Von den Eidgenossen hatte niemand das Leben 
verloren; etliche waren beim Sturm zwar übel verwundet durch 
Würfe, genasen aber von Gottes Gnaden. 



Das war das lotxte Untornehinen in diesem Feldiug, der 
auf dioso Woiso oitiou glänxondon Absohluss fand. Die Haupt- 
leuto tlor Kidgonosson hätton den Iturgonkrieg gern noch weiter 
geflUirt, trotz der ungiinstiKon VorhiUtnisse, die eingetreten 
waren; denn allgoumoh war die Pestilojis der schlininuite Feind 
geworden; dazu kam das Regenwetter und empfindlicher Mim- 
gel an U'lKMisnütteln. Vor diesen rauhen Güston war allea 
gotlüehtet. Zu MUni|H'lgart jeiloch, wohin das Heer von 
Oranges xurUekkehrte, begegneten die eidgenössischen Haupt- 
loute einmütigem Widerstand im Kriegsrat; als sie sich dann 
vernehmen Hessen« dass sie auf eigene Faust den Krieg weiter 
iUliren wollten und die Uaseler Ilauptleute um ihr UesdiOtx 
baten, erhielten sie als Antwort, die Hauptleute hätten daiu 
keinen Defehl; den Zug, den sie ausgofilhrt, wollen sie mit 
Gottes llUlfe wie<ler heiuifllhren. »Männiglich war darüber un- 
Eufrieden; was man zugesagt, sei ganz vergessen"^), und so 
schied das llivr am 24. August« nachdem es einen Monat im 
Felde gelegen, keineswegs, wie uns Diebold Schilling glauben 
machen will, freundlich und briUlerlich, sondern im Unfrieden 
von einander. 

Auf heiilen Seiten hatte man ein Interesse daran, nachdem 
man nun einmal auf einander angewiesen war, Gras Über 
diese Dinge wachsen zu lassen. Strassburg schickte für den 
letzten Zuzug an Hern ein «Kuchigelt* von achthundert 
Gulden, und in dem DankschreÜHMi , welches die Stadt am 
18. Septend)er an Rem richtete, wurde dieser Dinge mit 
keinem Worte gedacht Kinstweilen hatte die Vereinung je- 
doch genug gehabt von diesen merkwünligen Freunden und 
blieb ihres Ueistandes lieber überholHMi. JtHlenfalls aber war 
das Geschehene ein Ubies Vorzeichen; es musste als sehr 
zweifelhaft erscheinen, wenn es einmal darauf ankam. Mann 
neben Mann gingen den Burgunder zu stehen, oh alsdann die 
Verbündeten sich in der selbstlosen Weise Keistand leisteten, 
wie das notwendig war, um den gefilrchtoten Gegner su be- 
stehen. Aut der andern Seite hatte Strassburg alle Veranlas- 
sung« sirh die Frage vorzulegen, ob seine Kriegs Verfassung 
fllr solche umfassende Unternehmungen gwignet war. Diese 
Handwerker und l^mdleute hatten ja ein KtH:ht, ungehalten 





Zar Kritik der Annalen yoq Schattem. 25T 

zweifellos es nun ist — es geht aus vielen Stellen der 

k selbst hervor — , dass dieselbe auf den Vorarbeiten 

ollektaneen von Paul Volz und Nikolaus von Oerau 

fc, so wenig gewiss ist, wer der letzte Überarbeiter *) und 

erfasser des IL Buches war, ob wiederum Paul Volz, 

ierordt^) annimmt, oder ein anderer. Nikolaus von 

u kann es nicht sein, da er schon 1538 starb und die 

ede erst 1542 im Wilhelmitenkloster zu Strassburg ge- 

ieben ist. Volz war es aber wahrscheinlich auch nicht, 

unten nachgewiesen werden wird. 

Das ganze Werk beruht in Anlage und Hauptrichtung ausser 
1 Kollektaneen von Nikolaus von Gerau ^) auf den Arbeiten 
h, Volz, über dessen Lebensverhältnisse Mone in der Ein- 
'itung S. 41flF. ausführlicher handelt. Zu vervollständigen 
r ist der Bericht durch eine die Abstammung des Volz aus 
enburg*) bestätigende Notiz, die Mone nicht kannte und 
ie sich in dem unten folgenden Volzischen Autograph findet, 
ei der Besprechung der Regierung des Abtes Rudolf L von 
Schuttern (1254—56) schreibt nämlich Volz: Notandum, quod 
"^^^Ruodolforum unus fuit concivis mens ab Oflfonis pyrgo. 

Geboren ist Volz 1480. Nachdem er die Universität Tü- 
bingen, wo er 1496 die Vorträge des Paulus Scriptoris hörte, 
absolviert, wurde er wahrscheinlich Bibliothekar in Schuttem* 
Zwischen 1511 und 18 kam er als Prior mit dem Titel Abt 
nach Hugshofen. In der Dedikation der Wiener Handschrift 
f^^ii (posterius scriptum b) unterschreibt er, worauf noch näher 
^^i eingegangen wird: Paulus Voltius, Abbas in Hugonis Curia. 
9v Hier beschäftigte er sich, wahrscheinlich im Auftrag des Abts 
BWf Johann IV. Weidel (1491— 1518) mit historischen Studien über 
El das Kloster Schuttern. Den ersten Teil seiner Arbeit (prius 




üi 



^) Das erste Buch liegt, wie sich nachher zeigen wird, in dreifacher 
Bearbeitung vor. Die zwei ersten Bearbeitungen stammen von Paul Volz, 
die dritte (Karlsruher Handschrift) und das n. Buch eben von dem Anony- 
mus. — 2) Nachträge S. 668. — •) Auf diese ist in der Vorrede und 
mehrfach im U. Buch hingewiesen. Über die Lebensumstände Geraus 
ist wenig bekannt. Er war nach Buch 2, Kap. 62 custos in Schuttem. 
1535 wurde er plebanus, wahrscheinlich in Heimbach bei Kenzingen. 
t 1538. Mone berichtet S. 42 und 43 näher über seine Arbeiten. Er 
meint , sie lägen in Schannats vindemiae literariae T. I, p. 17 ff. vor, was 
sehr zweifelhaft zu sein scheint. Doch bedarf dies einer besonderen Un- 
tersuchung. — ^) I. c. 14 sagt er: patriam meam Offonispyrgum. 



254 W 1 1 1 f . 

Fasst man nun die erlangten Vorteile ins Ange, so Hast 
sich (loch nicht behaupten, dass dieselben dem AufWaud der 
Kräfte entsprochen hätten. Die errungenen Lorbeeren waren 
recht billig gewesen. Wie ein verheerendes Gewitter war der 
Zug Über die burgundisclien Schliisser gegangen; vereinselt 
und von ihrem (Hli^teii im Stich gelassen hatten die bargun- 
dischen Barone dem übermächtigen (legnor nidit die Spitie 
bieten können. Dauernde Krfolgo waren jetloch nicht errungen, 
und die Sache war nicht viel anders als vor dem Feldiug« 
Die Unsicherheit an der drenze dauerte fort, und noch während 
die Verbündeten in der Kranciie-O'Ontte standen, hatten die 
WUrtenÜH'rger Amtleute schon wiiHler darum gebeten, Mttmpd- 
gart doch mit einer genügenden Besatsung su versehen. ^ 
Seitdem suchten die burgundischcn Barono mit verdoppelten^ 
£ifer von Neufchätel, Glerval und Meiche aus die Orafschaffc 
Mömpelgart und das Baseler Bistum heim, und kaum eine 
Woche nadi dem Abzug ihres Ileen^ sah sich die Vereinung 
auf dem Tag zu Colmar am 1. September genötigt, aufs neue 
eine ausgiebige Verstärkung der Besatzung zu MUmpelgart tu 
besddiesson *\ weil man befürchtete, die Stadt sollte den Bur* 
gundern in die Hände gt^spielt wenlen. Don Verbündeten war 
kein Heer entgegengetreten; kreuz und quer hatten sie das 
Land durchziehen können, ohne einem Gegner lu begegnen. 

Wie ganz anders wäre os gewonlen, wenn sie sichi anstatt 
wehrlose und schlecht verteidigte Schlösser gen Himmel tu 
richten, nun doch gen LoUiringen gewandt hätten! Zum we- 
nigsten hätten sie versuchen müssen, das Heer, welches der 
Bastard gesammelt hatte, unschädlich zu machen. Freilidi 
hatte dersellH^ sich vorsichtig in der Ferne gehalten und keinerlei 
Versuche gemacht, die Burgen des Adels zu schützen, aber 
auch die Verbündeten hatten ihn nicht aufgesucht, und Jetit» 
nadulem das Heer sich aufgelöst hatte, lag das Klsass offen 
da. £nde August stand der Bastard mit einem Hetäre von 
etwa U- oder löOüO Mann zu VesouU') Was konnte ihn 
hindern, den Feldzug von 1474 zu erneuern und furditbare 
Vergeltung zu üben. Ks war ein UlUck, dass Karl seinem 
Halbbruder eine andere Bestimmung zugedacht hatte. Im 
£lsass gab mau sich den sddimmsten Befürchtungen hin, und 



M AA. 273. - *) Coluiar. St-A. - *) GiaffiM 1, 21H. 



Zur Geschichte der Burganderkriege. 255 

auf demselben Tage zu Colmar musste der Bund bereits Vor- 
kehrungen wider den befürchteten Einfall tre£fen; jedermann 
sollte sich gerüstet halten, um auf erhobenes Geschrei von 
Stund an mit aller Macht wider den Feind auszurücken. In- 
folge eines blinden Lärms kam es dazu, dass der Landvogt 
Graf Oswald v. Tierstein, der noch immer nicht nach Lo- 
thringen gezogen war, am 4. September mit dem Aufgebot 
des Sundgau und Oberelsasses wider einen eingebildeten Feind 
auszog. ^) Dann aber wurde es stille an der Grenze, abgesehen 
von den unvermeidlichen kleinen Streif ereien und Neckereien ; 
der Bastard hatte alle verfügbaren Streitkräfte nach Lothringen 
abgeführt. Dahin richtete sich jetzt die allgemeine Aufmerk- 
samkeit. 



Knebel 283. 

[Schluss folgt.] 



Zur Kritik der Annalea Yon Sohnttern. 

Von 



Im III. Rand dor .QuollonsAinmlung der Ivadischen Landes* 
geschichte" (S. 41—132 und Naohträgo S. 666—680) hat 
Dr. Fridogar Mono aus einer Papiorhandschrift des siebiehntan 
Jahrhundorts, welche siel) im (lonerallandesarchiv in Karlsruhe 
befindet, eine Chronik des Klosters Schuttorn heraus* 
gegelK>n, die in zwei HUchern die Ciosclnchte dos Klosters von 
seinen Anfangen bis zum Jahre 1491 behandelt Uas dritte 
Buch, auf dessen Abfassung sowohl in der Vorrede 0« Als *ttch 
namentlich im Schlusskapitel des zweiten Ruches*) hingewiesen 
wird, fohlt und konntt^ auch bisher nicht aufgefunden werden. 
Da dassollw aber die Zeit von 1401—154:) behandeln sollte» 
also Reformation und Bauernunruhen, welche auf die VerhiUt* 
nisso des Klostoin^ im allgemoinon, als der einzelnen Personen 
im besondorn« s|K^zioll des Geschicht^chreibers Paul Voll« der 
die Uoligion niohrmals wechselte, stark einwirkten, so ist der 
Fall sehr wohl denkbar, dass das dritto Buch entweder ver- 
loren gegangen oder nicht geschrieben oder vernichtet wurde. 
Mono, der diese Miiglichkeit ausspricht, fUhrt in einer Anmer- 
kung zu S. 44 noch andere Fälle von UntertirUclcung histo- 
rischer Arbeiten über die Koformation und die Bauornunru- 
hen an. 

*) viaiuquc ceu digito monntrabo, qua tu ipso pergeAt per abhatam 
et numcrum ot ordlnem ad inflnmm cnput, hoc eat, te tuaquo tampora 
pervoniaa. Aiigemlot int der Abt Umlolf Onrb (1535- -&0). - ^) IVoindo 
nunc ro8 ipsa inonot. ut luitiquitato compleu ad auhacqueiitia tempora 
dosoendaiuua, ttrth ivfumint invJnHÜo, quod renorvavimui» tarn Conrado 
Frick, quam prat^outi autiatiti dignÜMimo, Hodolpho Garbae, nottro Ut- 
caenati uuico colondo, praemisaia »altem quibua geitii, post priorem tt¥- 
rum adhuc repertU. 



Zur Kritik der Annalen yoq Schuttem. 25T 

So zweifellos es nun ist — es geht aus vielen Stellen der 
Chronik selbst hervor — , dass dieselbe auf den Vorarbeiten 
und Kollektaneen von Paul Volz und Nikolaus von Oerau 
beruht, so wenig gewiss ist, wer der letzte Überarbeiter *) und 
der Verfasser des IL Buches war, ob wiederum Paul Volz, 
wie Vierordt^) annimmt, oder ein anderer. Nikolaus von 
Gerau kann es nicht sein, da er schon 1538 starb und die 
Vorrede erst 1542 im Wilhelmitenkloster zu Strassburg ge- 
schrieben ist. Volz war es aber wahrscheinlich auch nicht, 
wie unten nachgewiesen werden wird. 

Das ganze Werk beruht in Anlage und Hauptrichtung ausser 
den Kollektaneen von Nikolaus von Gerau ^) auf den Arbeiten 
von Volz, über dessen Lebensverhältnisse Mone in der Ein- 
leitung S. 41flF. ausführlicher handelt. Zu vervollständigen 
aber ist der Bericht durch eine die Abstammung des Volz au»^ 
Oflfenburg*) bestätigende Notiz, die Mone nicht kannte und 
die sich in dem unten folgenden Volzischen Autograph findet 
Bei der Besprechung der Regierung des Abtes Rudolf L von 
Schuttern (1254—56) schreibt nämlich Volz: Notandum, quod 
Ruodolforum unus fuit concivis mens ab Oflfonis pyrgo. 

Geboren ist Volz 1480. Nachdem er die Universität Tü- 
bingen, wo er 1496 die Vorträge des Paulus Scriptoris hörte, 
absolviert, wurde er wahrscheinlich Bibliothekar in Schuttem* 
Zwischen 1511 und 18 kam er als Prior mit dem Titel Abt 
nach Hugshofen. In der Dedikation der Wiener Handschrift 
(posterius scriptum b) unterschreibt er, worauf noch näher 
eingegangen wird: Paulus Voltius, Abbas in Hugonis Curia. 
Hier beschäftigte er sich, wahrscheinlich im Auftrag des Abts 
Johann IV. Weidel (1491— 1518) mit historischen Studien über 
das Kloster Schuttern. Den ersten Teil seiner Arbeit (prius 



^) Das erste Buch liegt, wie sich nachher zeigen wird, in dreifiächer 
Bearbeitung vor. Die zwei ersten Bearbeitungen stammen von Paul Volz, 
die dritte (Karlsruher Handschrift) und das n. Buch eben von dem Anony- 
mus. — 2) Nachträge S. 668. — •) Auf diese ist in der Vorrede und 
mehrfach im U. Buch hingewiesen. Über die Lebensumstände Geraus 
ist wenig bekannt. Er war nach Buch 2, Kap. 62 custos in Schuttem. 
1535 wurde er plebanus, wahrscheinlich in Heimbach bei Kenzingen. 
t 1538. Mone berichtet S. 42 und 43 näher über seine Arbeiten. Er 
meint, sie lägen in Schannats vindemiae literariae T. I, p. 17 ff. vor, was 
sehr zweifelhaft zu sein scheint. Doch bedarf dies einer besonderen Un- 
tersuchung. — '') I. c. 14 sagt er: patriam meam Offonispyrgum. 



258 May. 

BcriptunO beendigte er 1526, also ungofHhr xur Zeit des Bauern- 
kriegs. Darauf siedelte er nach Strassburg über, schloas sich 
der Reformation an, und zwar wandte er sieh nach einander 
der lutherischen, der anahaptistisolten und calvinischen Lehre 
7U. M Uöhrioh er/.ählt weiter von ihm. dsss er« obwohl seit 
15:^5 Prädikant im Nonnenklaster St. Nikolai in undis, sich 
doch der Feier des Al>eiulmah]s enthielt und den Umgang mit 
den Predigern mied. In diese Zeit fällt wahrscheinlich seine 
AViederannäherung an Schütten), die auch eine erneute Be-' 
schäftigung mit der angefangenen Chronik zur Folge hatte. 
Alu^r i, J. 1530 wurde er durch Calvin wieder gewonnen und 
starb in freundschaftlichem Verhältnisse mit den Predigern 
am t). Juni 1544 in Strassburg. Die Crabschrift, welche er 
sich fertigte, lautet: „Vol/ius hie stultus Paulus jacet abbas 
sepultus*. 

Die Chronik nuu, wie sie in Mones Quellensammlung III, 
67 tV. vorliegt, set/t sich deutlich sichtbar 1) aus den Kollek* 
taniHM) von Vol/, 2) aus denen Nikolaus' von tierau und S) 
aus einer auf (irund derselben genuichten und bedeuU^nd ver- 
mehrten l'berarlHMtung zusamn^cn. Nun befindet sich im k. u, 
k. Haus-, llof- und Staatsarchiv /u ^Vlen unter No. 436 eine 
Handschrift, welche für die Kritik der Chronik, insbesondere 
für den Vol/ischen Anteil an tlerselben von aussen>nientlicher 
Wichtigkeit ist. Diesellu», eine Papierhandschrift, enthält in 
ihrem letzten Teil auf \M 108 — 134 drei verschiedene jene 
Chronik betreifenden Destamlteile: 1) auf IM 102—112 das 
erste Huch der Chronik und vom zweiten Huch Kap, 1, 2, 3 und 
die zwei ersten Sätze von Kai), 4 bis Quo sacro feliciter i^eracto 
mit sauberer Schrift und bedeutender*) Abweichung vom 
Text der Karlsruher Handschrift. 2) Dl. 11 »-24 das Auto- 
graph von Paul Vulz, das prius scriptum, wie auf der ersten 

M llöhriiüi, Ooaohiehto dor Uoformatiou im KIhmii, boMmdor» in StrMt- 
Imrg, \SS{\ 2, lia. ~ *) Al.Sohulto, ivolohor in dit>tior /eiudiritt Bd« V, 
lU>n 1, N. K. M)l) Aiini. 1 «uf dio Wionor UaiuWhrin aufmerkMin macht» 
l>t>hauptot« (iasa dit'Hor onito Teil der Chronik mit dorn Abdruck bei MoM 
duri^hwog übemnätimme. IKnn i8t, fcw »ich xeigim wird, nicht so. Kine 
t)bert>iiiKtiiniiuing Ündot vielmehr mit derjeni|ien l^artie statt« welch« Fr. 
(hiillimann de epineopis Argtnitiuensibus p. 74 ft. abdruckt. Mono giabt 
die licsarten Ouillimanns Nachtrüge S. 073 ff an. Ouilliman hatte ofRni- 
bar den Text, wie er im ersten Teil der Wiener Handschrift TorUegt, 



Zur Kritik der Annalen von Schuttem. 559 

Seite unten verzeichnet steht, nicht von der gleichen Hand, 
wie der erste Teil. Dieses prius scriptum, der erste Entwurf 
der Chronik, wahrscheinlich 1526 abgeschlossen, hat keine 
Vorrede. 3) Blatt 125 — 32 den mit „posterius scriptum" be- 
^^eichneten Teil, welcher nur bis Buch I, Kap. 21 (incl.) geht^) 
und mit der unter 1 verzeichneten Partie nahezu den gleichen 
Wortlaut hat. Das posterius scriptum hat die Vorrede. Im 
Folgenden ist dieses mit posterius scriptum a, und 1 mit po- 
sterius scr. b bezeichnet. 

Auf das posterius scriptum a folgt nach einer leeren Seite 
auf der nächsten diese Notiz: Ne te excuses ab opere adoriendo 
propter carentiam forte communium Annalium seu historiarum, 
potes si voles iam iam colligere quae ad manum habes: Ab- 
batum scilicet nomina, dicta, facta, passa. In Summa quic- 
quid sub quolibet contigit, numerorum et Annorum ordinem 
in Omnibus observato. Hodie sub prglo est integra chronica 
ut aiunt a Mundi initio usque quam collegit — . Diese etwas 
zweifelhafte und zuletzt gar nicht mehr verständliche, aber 
der Schrift nach von Volz selbst stammende Stelle deckt sich 
ungefähr mit einer andern in der Vorrede (Non enim tarn 
hebetis es ingenii, ut non queas — ea quae dispersa iacent, 
colligere ac in ordinem redigere), welche an den Abt Rudolf 
Garb selbst gerichtet ist und gleichfalls die Aufforderung ent- 
hält zur Inangriffnahme des Werkes, zur Sammlung der Namen, 
Thaten und Regierungsjahre der Äbte. Am Schluss heisst es, 
es sei eine neue Chronik im Druck vom Anfang der Welt, 
gesammelt von ? Das fehlt. Es ist nicht ersichtlich, wer hier 
die angeredete Person ist; wenn die Stelle 1526 geschrieben 
ist, so kann es nicht der Abt Rudolf Garb sein. 

Im Anhang folgt : Directorium Volzianum, die Volzianische 

Hichtung, eine Anweisung über die Fortsetzung der Chronik. 

Dieselbe ist von Volz selbst geschrieben. Wir lassen sie hier 

gleich folgen: 

Directorium Volzianum. 
Adconcinnandum chronicon Schuteranimonasterii iampraescriptom 
est ponendom de fandatore principium aut aliud forte verius et 
praeclarius. Deinde vel iongenda est mea de Abbatibus pr^fatio si- 

*) Dieser Teil schliesst mit den Anfangsworten des Kap. 22: Et hec 
de fundatore initioque Monasterii tui dicta sint. Ad progressam eins iam 
calamum figentes Abbatum certum ordinem .... bricht also mitten im 
8atze ab. 



2t>0 M « y. 

miliavo aut Abbat os illi XVI dUfM^rtiomii sant in onlincm ante et 
fKist tros illos Kinlis Kolk. Kkbort« Annis fortur dwpMrtire, licet 
uoo tlo oniiuo uoo lio Anuis illorum oonstot. Tutias 09t aatem prt- 
fatioiunn meain ac similitor inoorti onlinis oollootis Abbatibaü |irvmit* 
teri\ tloiiulo iH>non^ oorti onlinis Ablmtos. 'IViv«« onlm praotati recto 
sibi onlino suoooiiunt. A i'onnuio (luotpio oins nomini« priino stmi* 
liter Ost rita suorossio usquo nunc, Noquo ob prioroni incertitudinem 
lH)9toriorum cortituilo nogliKonda ost iV). (Mn^a tinom huius raihalugi 
Abbatuiu )HT|HMulonduni ost i?\ \\\\\>k\ TauIus Kiirstor bis praoAiit vix 
10 annis in totum, Nani i)Kso proootlous oniiuo NVilh. Si*haup |Hv<t 4 aut 
ti annos dopositus fuit ut aiunt NVilh. smvodons tandom sonoi nvu^nia* 
Vit. Habitus in CoUa St. (loor^^i quao Sanota vooatnr oto. Jam ne> 
gotiuui fuit oouvontui factum: Nam i^itur tn\s mairno sumptn alendoa 
habuoruut Abbat os Pauhnn oxauthonitum, NVillioImum (HHioniom et 
novo doÜKCuduin, l^iuhnn n'sumoutos fooon^ Ablmtom, prioris vitae 
siH'nvntos otnoudatiouout, onu ouini inilitaris vitao studiosikt ot Alchi* 
miao dootus oto. Sod quod durum ost assuota n^liuquorf otM . . ,^ 
ita |H)st ipuMpio vttam oi;it« undo douuo oxaotus ost, olotio Jo. tillo. 
(Vtorum ad rhnmioon illustnuuium ot au^oudum unioniquo snuni 
tompus ot quioipl por ipsum vol acta >ol imNs«i sunt adsiTibtnuium 
sou quao spooiahtor ad ipsum iH'rtinont oto. 

Uoindo vol o\ oommunibus historiis adiioioudum ost quioqd dos 
tomporis tido di^uun\ ost oxompli oausa- Sub boo Abliato Jo« tillo 
Thoobaldus a (JonddosooUo Advooatus nostor oxutus o.st jm*o suaUe- 
n^ldosooko oum omni suo dominio )H'r rhilippum To. \M\h Klioni et IIa« 
variao Ihioom. Kt o\im faotus ost nostri monastorii Advooatw idom 
Plülippus (\). pal. lluiusmodi diota faotaquo uu'monibilia ox historiia 
otiaui oolUi^i ot buio oathaloi^o post fundatonMu iht anno l) infereiri 
oxomplum. ('in*a, anto vol (HtM buius monastorii fundationem oon- 
tigit boo vol illud ibi vol alibi oto. Si non Imbos, oum« ut habeas 
obnmioum librum, nam )mno omuntnr. K.st otiaui aliiH)^) morale Stu- 
dium lo^on' \oton's bistorias sivo bot\orum sivo malorum oxempla. 
Si moa o^os opora. noo in hoo noo in aliis tibi tloonv Non oportet 
to an^i ob diotionis nitonMu; si quid in bistoriis vonim osso quüd 
dixoris satis ost. aoourata \orborum olo^antia lootonmi saopius 
a nTum voritato tn\bit. Notaudum quoquo litoms l>a>;oborti, quo 
istio loi;i, voritato minimo uiti, quouiam in bis lo^itnv lUiitobt^rtna 
oto. Ko. Imponitor ot Anno IH'XV. Is onim Ua^obortus MaRniM 
Arbo^asto familiaris mortuus ost sooundnn\ omnis Anno IH'^XliV. 
Kt Arbogastus obiit lU'l.WlU. Jam nmnnisoor nio babuisso oopiam 
litorarum votuliti pr^dii apud llorlisboim soilioot rabio ntsiioa dia- 
oorptam. Nolo noi^li^as adliuo simul instaro \V^ apud MnrbaoJionst^s 
altonun tibi oi»piam prvsiaro diijnotur. Krit onim o|H*nio pnvium. Ab 
aliis quoquo loois vioinis potos oxpisoari, quao sibi sint usni Altora. 

Po Kpisoopis» .Vdvooato aliisquo potoris subiudo intorspa^^>n^\ 

>N In ilor llnndsohrift uiohc lesbar. Mass natitrlioh oin dorn rolin* 
q\uMo sytiouMuoi- Intiuitix soin, oiwa omitton\ — *) alioqut. 



Zur Kritik «ler Annalen von Schultern. 261 

nt §das iustnm libnim: qui tibi et aliis praesentibiis et fatoris et ati- 
litatem afferat et delectationem immodicam. 

Vale. ora. Ab. 

Vorstehendes „Directorium^ ist offenbar eine Anweisung 
über die Fortsetzung der von Volz begonnenen Chronik, und 
zwar liegt die Vermutung nahe, dass Volz, als er nach Vollen- 
dung des „prius scriptum" aus persönlichen Gründen, die in 
seiner Stellung zur Reformation liegen mochten, die Feder 
niederlegte und die Fortsetzung einem andern, vielleicht Ni- 
kolaus von Oerau übergab ^), diese Anweisung und Disposition 
des fortzusetzenden Werkes schrieb, wobei die Möglichkeit 
nicht ausgeschlossen ist, dass der Fortsetzer in dem Verhält- 
nis des Schülers zum Lehrer stand: Si mea eges opera, nee 
in hoc nee in aliis tibi deero. Eigentümlich ist wie im prius 
scriptum, so auch in dem vorstehenden Directorium der wenig 
in Humanistennrt gehaltene Stil, und es scheint speziell Volz^ 
Ansicht gewesen zu sein, mehr auf Wahrheit und Richtigkeit 
der zu berichtenden Thatsachen zu sehen, als auf glänzende 
Diktion: Non oportet te angi ob dictionis nitorem; accurata 
verborum elegantia lectorem saepius a rerum veritate trahit 
Die Diktion des Volzischen Directorium ist aber so wenig ele- 
gant und scheint so sehr erster Entwurf zu sein, dass der 
Sinn nicht immer verständlich ist. Im ersten Satz scheinen 
die g Worte iam praescriptum est ponendum de fundatore princi- 
pium" auf die schon vollendete eben im prius scriptum vor- 
liegende Bearbeitung der Gründungsgeschichte des Klosters 
Schuttern hinzuweisen. Unter der Vorrede über die Abte, 
speziell über die richtige Verteilung der sechszehn Äbte unge- 
wisser Zeit, ist die Auseinandersetzung zu verstehen, welche 
Volz im prius scriptum über die Äbte von Simon bis Humbert 
giebt. Von dem Abt Eonrad an nach Einhard, Folkern und 
Ekebert scheint ihm die Folge der Äbte richtig. Darauf spricht 
Volz über die Äbte seiner Zeit: Paul Förster und Wilhelm 
Schaup, über die Absetzung Försters, die Abdikation Schaups, 
die Wiederwahl und die nochmalige Absetzung jenes und die 
Wahl Johann Fills. Ausserdem empfiehlt Volz zur weiteren 
Ausstattung der Chronik die Angabe der Regierungszeit jedes 



<) ut §das iustum librum, qui tibi et aliis praesentibos et futaris et 
Qtilitatem afferat et delectationem immodicanL 

JMUehr. f. Qmeh, A, Oberrb. K. F. VIIL 3. 17 



aei May. 

cinielnon Abtes« sowie der darauf besUglichen Ertignitse. 
Auch aus der allgomomen Geschichte sei Wissenswertes bei* 
xufttgon z. B. die Kiunalmio des Schlosses HohengeroldaeGk 
samt der ganzen Herrschaft durch den Pfalignfen Philipp 
unter Abt Johann Fill (1466--91)« wodurch die Kastenvogtei 
ülKtr Sc^hutteru auf dio Pfalz Überging (1486)« vgl darüber 
Mono III, 62. Erwähnung geschieht auch der bekannten Da* 
gobertsehon Schenkungsurkunde, die aber Voll selbst fUr ge* 
fälscht hält 1) wegen dos Dat\uns (705), ä) wegen der Beieich* 
nung Dagoberts als Uoumnorum in^torator Augustua. Dagobert 
sei nämlich 645 und sein Freund Arl>ogast« Bischof von 
Strassburg, auf dessen FUrsprache llerlisheim an Schuttem 
gekommen, 668 gestorben. Nun ist freilich auch dies an* 
richtig, denn Arbogast war 673—78 Bischof und der Schen-^ 
kende war Dagobert II. (673—79)« wie Überhaupt Voll in 
chronologischen Dingen öfter ungenau ist Ferner bemerkt 
Voll, dass er eine Abschrift der Urkunde für den Verkauf 
des Guts an Murbach gehabt, die aber im Bauernkrieg lu 
(irundo gegangen sei. In einem beinahe unverständlichen 
Latein fUgt er hinzu, dass sich der Angeredete eine andere 
Abschritt in Murbaoli versohaifen möge Buch II, Kap. 10 
nimmt der Oberarboiter Bezug a\if \'olz und In^streitet dessm 
unmittelbar vorher gegebene Nachricht« dass das Gut um 1289 
.an Murbach verkauft wonlen sei. Der Verkauf habe erst 
unU'r Abt Friedrich von Stauffenberg (1390—1415) stattge* 
fanden. 

^Vir lassen nunmehr das prius scriptum selbst folgeni fUr 
das erste Buch dio Grundlage der zwei anderen Bearbeitangen. 
Ks scheint zwar, dass Volz eine von der jetzigen verschiedene 
Kintoilung der Chronik beabsichtigt hatte, denn dio von ihm 
gegelHMie Abtsreihe von Kinhard bis Fritnlrich L (96*^*— 1263) 
ist unvermittelt in den andern Text eingescholn^n, woraus eben 
hervorgeht, dass seine Arbeit nur mehr erster Entwurf war. 
Kben dies zeigt sich auch in der Diktion. Hier findet im 
Verhtiltnis der AM Bearlnntungen eine Stufenfolge statt 
AVähreud das prius scriptum in einfacher und schmuckloser 
Sprache geschrieben ist, ist das i)osterius schon wortreicher« 
während die dritte Bearbeitung deutlich die Absicht rhetori« 
scher AussdunUckung und ^YortfulIe in llumanistenart leigt. 
Dadurch erhalten die beiden anderen Bearbeitungen eine er« 



Zur Kritik der Annalen von Schuttem. 263 

^eiterte Form. Diese Erweiterung erstreckt sich aber auch 
auf den Inhalt. Im prius scr. steht kein Ereignis aus der 
Zeit nach 1526 verzeichnet. So fehlen z. B. die Vorgänge 
in Hündsf elden aus dem Jahre 1540 (Kap. 11 bei Mone). Die 
Bemerkung über den „non segnis assertor religionis catholicae** 
in Utrecht hat weder das prius noch das posterius scriptum. 
Es ist ein Zusatz des dritten Überarbeiters. Nach Mone 
wäre an den 1528 verstorbenen Bernhard Buch von Ayta zu 
denken. Aber auch aus der Zeit vor 1526 bringt der Über- 
arbeiter Erweiterungen z. B. die gegen die gelehrte Umgebung 
Kaiser Maximilians gerichtete Bemerkung im Kap. 12. Die 
Bemerkung hat einen parteipolitischen Charakter. Andere 
Stellen des prius scriptum sind vom Überarbeiter teils inhalt- 
lich, teils formell geändert und erweitert. Was die Volzische 
Abtsreihe betrifft, so beruht dieselbe auf der Benützung des 
Schütterer Totenbuchs (liber mortuarius) und der Überarbeiter 
benützte sowohl dieses, als Volz, doch stimmen die Angaben 
nicht überein. So schreibt Volz bei Abt Conrad: De hoc 
Conrado abbate ita legitur in mortuario libro sub X Kls Au- 
gusti. Obiit Conradus abbas nostr^ congregationis plus atque 
soUicitus restaurator istius ecclesie, anno Domini MCLXn. 
Nach Volz starb also Abt Conrad am 23. Juli 1162, während 
der Überarbeiter II, Kap. 29 sagt: Obiit autem 27. Juli anno 
1162. Die Volzische Angabe stimmt mit dem Nekrolog von 
St. Michael in Bamberg. Auch bei Abt Swigger verzeichnet 
Volz aus dem liber animarum (Nekrolog) ein anderes Datum, 
nämlich den 21. März 1187, der Überarbeiter II, Kap. 32: 
den 21. Mai. Von dem i. J. 1251 verstorbenen Abt Conrad 
in Altdorff giebt Volz allein den Todestag an, nämlich 2. Ja- 
nuar, ebenso von Abt Rudolf (1254—1256): 10. April. 

Prius scriptum: 

Jesus Christus, dominus noster, deus et homo verus, qui secun- 
dum divinitatem semper est ubique, cum peracta patris voluntate 
iuxta naturam humanam, quam in divae Mariae virginis utero suscepit 
in terra, ad eiusdem patris dexteram vellet ascendere in c§lum dis- 
cipulis suis dixit: „data est mihi omnis potestas in caelo et in terra; 
euntes ergo docete omnes gentes, baptizantes eas in nomine patris et 
filii et Spiritus sancti docentesque eas servare omnia quae praecepi 
vobis". Et alibi: „ite, inqnit, in orbem Universum et praedicate evan- 
gclium omni creaturae; qui crediderit et baptizatus fnerit, salvus erit, 

17» 



264 M d >. 

qui autcm uon ortsliderit, iHnulomnAbitar*'. Haco diadimloniin anuin- 
datio dudum t|U(H|uo vatioiuaU i^t )H>r pMÜmiatam dicontem: «in 
omuom tornuu exivit iiouas tH)rum et in Auea urhia terrae verba 
<H>runr. lliH* Christi pmoooptam, iHv^teaqaam ad c^loa aaceadit et 
spiritum saiiotum, uti pnuniM'rat, paraolotum miait, aanoti apoatoli et poat 
aiHMtolas aiHMtolioi viri sodulo oxoqutMiti>8 tt^tani terramm orben perer« 
raiulo gontOH in noniiuo )iatris et tilii ot spiritus sanoti baptixamnt docen* 
tos eas st^rvanMnunia, quaoCIinstus st^rvanda praetH^iH^rat, docaemnt« 
IUh* vorn») osso luirtini ox a)HvttoIorum actis, |uurtim ox votomm historiis 
disoitur. Noo fuit prisois illis )mtribns antiquius aliud, quam «t 
diristi ÜdtMu quam latissimo ot in mn\Xo» proimgaront« Sdebant 
onim do Christo iH'r pixtphotaui a patn^ praiHlioium: «F^lioa mena ee 
tu, ogo hodio Ronui ti\ v^^stula a nio ot dabo tihi irontea, haenHiitatem 
tuani ot (MKssossionom tuain, tonniuos torrao*". Soioluint itom Ohriatain 
suis dixisso disoipuhs: ^«Aooipiotis virtutom Spiritus sanoti in voa et 
oritis nü)ii tostos in lliorust^loni ot in omni Jndaoa et Samaria et 
usquo ad ultinium torrao". Undo ot plurimi initontoa tbeaauroa et 
inostimabiliu ^v^trinionia oou ston^ora |H)sthabontos in hoc toti inen- 
buort\ ut )H^r diHMriimni suaui quam plurinuvs ad Christi iHtgnitioiieni 
uo tidom oonvortoront. Sio vol A|H)stoU)nnu aotato uon tantum in 
Asia ot Afrioa, sod otiaiu in Kunq^a umitis nationibus disaoniinalam 
ost vorbuui domini« quod tamon mm ubiquo tirmas ogit radices, aed 
|Hn*siH'utionum ao haoi*t)sum Unitationihus vol in toto vol in i^arte diu* 
|H*i'iit. Sio (iallia («onnaniaquo vorbo tidoi imssim imbutao aont et 
ut do uotioribus aliquot momonm). Ad Aram l^itam sive Arelataa 
Uoimuiorum oohmiam, quao in (iallia Narbimonsi ad lUiOilani pi>>|ie 
hostia Sita ot Arlo vulgo diota, missus ost sauotus Trophimos, caina 
in oaloo soouudao ad Timothoum opistolao sanotus THiulua meminit 
luqmlum ah idolorum o.uitu ad vori doi n^liirionom orudivit. I)e cnioa 
fonto totam (iailiam tidoi rivulos aooopisse dixit /osimua Hamaaoa 
opisoopus. Sio ad Motonsom urluMu nnssus ost Flavius lUeniena« tir 
oousularis, imtruus soti Clomontis Komani opisoopi ot avunonlua Fla- 
viao IVmüoillao a lUunitiauo in Tontianam insulam reloiratae« Huir 
primo Motonsi opisoo)H> suooossit (\'h>stis, ouius oorpua oum corpore 
Auctoris undooimi }H>st so ihidom opisoopi ad Mauri-monaaterium 
postoa translatum ost. Sio ad Tullum \\ ad MosoUani aita & Man« 
Miotus ost missus opisiH)pus. 

Sio ad TrohortMisos, Tungronst^s « Colonionsos mis^i ftiore f^icha« 
rius, Yalorius, Matornus. qui dum |H>r («alliain ad traotum Argen- 
toratonsiMn vonissont, otiam ihi dominioi vorhi somina dia|)enienint 
hodioquo in (H> traotu tompla quaiHlani monstrantur inaignia, qaibua 
dli |H^r praodioatiouom suain vol )u*in)a ioiH'rint fiindainenta vol veiem 
oiootis idolis diM) vivo dioarint. Vx Kllum pro|H^ Ih^nfoldum, Novien- 
tum, qumi nunc Aprimonastorium viH'atur, l>omus S. Potri« toIro 
l>tmipfotor, non it4i prooul a MoUishoimio ot s. Potrua coKnomino 
aontor, tuno oxtra, nuno intra urbom Argontoratonaom. 

Uinc primo Trt^borim vonorunt anno domini M, ut Treberenaima 
tostantur auualtv^. Ibi Kucharius primus epiaeopos praeAiit aania sIS. 



Zur Kritik der Ajmaleo von Schuttem. 265 

Hole successit Valerias qai praefoit annis 12. Hnic snccessit Mater- 
nns, qni totam circamiens regionem Christi fidem passim ac fideliter 
praedicavit. Veniensqne ad Coloniam Agrippinam, Traiectom su- 
perius ad Mosam flnviom, ande valgo Mastricht, deinde ad Tangrum 
quoque plebes ad Christum convertere studuit; quibus fertor 40 ferme 
annis solliciti ministrasse et obiisse anno domini 131, 18 Eis octobres. 
Paulo post haec tempora Christi bonus odor ad vitam etiam ultra mare 
ad Britanniam insulam pervenit et ut venerabilis Beda, Britannus, 
de gestis Anglorum lib. 1 cap. 4 refert: anno domini 156 sub Marco 
Antonio et Aurelio Commodo, Romanorum imperatoribus, Lucius 
Britannorum rex, Eleutherio Romano episcopo per epistolam suppli- 
cavit, ut Christianus efficeretur et mox effectum piae postulationis 
consecutus est. 

Susceptamque fidem Britanni usque ad tempora Diocletiani quiete 
servabant illibatam. £t si post eam persecutionem utcunque repara- 
runt desolatas ecclesias, mox tamen obortae sunt h^reses Ariana, 
Pelagiana et Athilae quoque persecutio, per quas ecclesiae denuo 
desolatae sunt ac fides in Curistum prope extincta. Primi igitur fidei 
praedicatores missi feruntnr viri optimi Fugatius et Damianus, sed 
et Lucius ipse rex non tantum regnum, sed omnem mundi gloriam 
contempsisse, Gallis quoque et Germanis Christum praedicasse scribi- 
tur. Hunc adhuc a Baioariis et Curiensibus agnosci ac venerari 
scripsit Dominus Jo. Nauclerus: Octavo deinde anno Theodosii iuni- 
oris, qui post Honorium regnare c§perat, anno Domini 433 a C^lestino 
Romano episcopo (ut idem Beda lib. I cap. Xm scripsit) Palladius 
ad Scotos in Christum credentes est missus. Anno autem 14 Mau- 
ricii Romanorum imperatoris, qui regnare c§pit anno Christi 582, 
Gregorius eius nominis primus Romanus episcopus ad Britanniam seu 
mavis Angliam (sie ab Anglis Saxonum yetusta gente dictam) misit 
Augustinum, Laurentium, Melitum et alios ferme 40 monachos, deum 
timentes, ad verbum domini praedicandum et fidem Christi dilatandam, 
dans eis commendaticias literas ad Aetherium Arelatensem episcopum. 
Erat ibi tum rex Aedilbertus in Cantua potentissimus, qui licet in- 
fidelis adhuc esset, habuit tamen Bertham coniugem christianam, quam 
ea conditione a parentibus acceperat, ut ritum fidei ac religionis suae 
cum episcopo, quem ei adiutorem fidei dederant nomine Lüthardum in- 
violatum servare posset. Utque docet Bedae lib. 1 c. 25 venerunt, 
argenteam cmcem pro vexillo et imaginem domini salvatoris in ta- 
bula pictam ferentes, litaniasque canentes pro sua simul et eorum 
propter quos et ad quos venerant, salute, domino supplicabant hoc 
modo: „deprecamur te, domine, in omni misericordia tua, ut aufera- 
tur furor tuus et ira tua a ciyitate ista et de domo sancta tua, quon- 
iam peccavimus, Alleluia". 

Vitam itaque apostolicam per omnia imitantes, verbum vitae, qui- 
bus poterant, praedicabant, ea tantum, quae victui necessaria vide- 
bantur ab iis, quos docebant, acceperunt vivendo secundum ea, quae 
docebant et paratom ad paciendom adversa per-^eam etiam veritatem 
quam praedicabant animum habentes. Sicque in veteri S. Martini 



266 MAy. 

oratorio ipsi primum congroffati )v»üIore, ortre, miBSU &cer«, prtedi- 
oaro ot baptizaro otperunt« donoo. rege ad fidem conveno nudorem 
praedicaiidi et eoclosias vel fabrioandi vel resUurandi licentiam ac* 
oiporont Oedente tandem rege baptiiatoquo cepenini plaroB qoo- 
tidio ad audioudum vorbuni oonfluero ac rolioto geuUlitatia riU ani- 
tat! 80 saiictao Christi ooclosiao cnMlondo 80ciare. Quibos licet rox 
inirt> oougratularotur, nominom tanieu ad christianismain cogebat 
Didioerat enini a soae salutis doctoribusi, Christi (amulatoiii e»e de- 
bere volontarium, noii cDaotuni. In tantain ven> crevit in dies Anglo- 
rum doYotio studiuniquo piotatis, ut vonionto in villam clorico vel 
prosbytont contluonMit cunoti ad oius iuipcrium verbom audituri, U- 
bontor ea quao diooriMit^ audirent, libcntius quao audire et intelU- 
gon> |H>tonu)t, operandi) sctinonnitur. Noc in |iatria tantom pietati 
studebant, sod iH^rogro profocti quv^ dumi didioorant^ aliis iu popnlia, 
ubi forto Doi vorbnm nondum fuorat auditum« diKobant Nam Beda 
tosto pluros do gonto Anglorunu nobilos ignobilos« oleriei laici, viri 
fvminao, n'gos otiani rogunuiuo tilii )H)ssossionibus ac divitiia relictis 
liomain et ad alia looa porogriiiutuni oortatim iro consuevorunt. Et 
quod addit Joaohinius Vndianus: ox Hritannia et Ilybemia vicina 
nionaohoruni oxiunina oou do alvoario quodain evolavemnt in Oallias 
atciuo (lornmniais undo ad uostrani usquo aotatom monastoria extant 
ad SiH)tos nonnnat^i. In hoc igitur tidoi fcrvore in Mortinoiam obiter 
vonit ot Ofli) rox Anglia«\ tiui ad Sohutorao tiunünis ripani nienacho* 
rum habitationoni oonstrnxit oaniquo a sc Offonis ccUaui vocavit circa 
tinom vitao s (irogorii Anglorum a|H)stoli, qui e vita migravit anno 
Christi soxcontosinu) «ininto« sivundo autoni FocaUa Komani impera- 
toris sopultus Uonmo in oooh'sia s. IVtri. Quarto dio iduom Haroia* 
rnin vonim otiain Offonis NYihiro dictus ost locus ciroum eam mona» 
chorum habitationoni. F«rat onini villa» quao vulgo W'iler nominatar 
ot baoc oinbo loci vocabuhi in usu rotonta sunt usquo ad aetatem 
lloinriohi 11 rogis \H^r annos CCC(\ sie litorao l>agol>orti« Othonit« 
Iloinrichi tostantur. Noc ita pnH*uI ab hac monachorum cella vel 
sibi oxstruxit babitationom supra Chincingiun tluvium, qoi ortos in 
llan\vnia syha iht valloni a si> cognoniinatain dolabitur ot non loQge 
ab Argontorato in Hhonnn) oxonoratur. Kam habitationem Oifo rex 
a so OfTonis pyrgum sivo Ofronisburgum vnlgo OfTonburgom nomina- 
Vit, id quod )H>stori ignorant os ab a|H>rta putarunt arce vocatam ot 
cornoro licot in oius oppidi signo. Iluius ot numi argentoi hodio- 
quo ro)H^riuntur subindo torra ofTossa quomadmmlum annö (liristi 
MDXXYl horum ingons numerus Argontorati in dostmotiono mona- 
storii S. Chiroo in Viridi (vulgo Wen! vocant) invontus et in aorariun 
civitatis pt^rlatus est. SuiH'rsunt de puro ot imi^ermixto argento« 
Signum habontos Angoli utratiuo mann crucom forontis« quo modo 
Cirogorianos ad Angliam missos incossisso supra indicavimosu Hi meo 
adhuc saoculo ab Anglia Anglici vulgo KngoUaendor sou ab Oflbne 
votoros numi Offoburgonsos vulgo AltofTonburgor vocabantur. Exigit 
bio locus, ut I>. Jo. Trithomio Abbati, primum Sponhoimensi, deinde 
voro Wiroiburgensi« viro alioqui prodocto rospondeamna la de otI* 



Zur Kritik der Annalen von SchutterxL 267 

gine, progressa ac gestis regime dacom, gentisqae Francomm per 
annos ld54 a Marcomiro primo nsque ad MaTimilianum linea recta 
nomero 103® tria magna volmnina et primi volnminis Breviariom 
sive Gompendiom ad Laorentiom Wircibnrgensem episcopnm scripsit 
sab anno 1515. In eo breviario contra ea, qnae praefati smnos, scrip- 
sit hisce verbis: Fratres Schaterani nnlla docomenta veritatis osten- 
dentes dicont Offönem Angliae Regem, dorn Romam devotionis causa 
peteret, S. Gregorii primi Papae et Focatis Ro. I imperatoris tem- 
poribns loci amoenitate provocatum in eo constitnisse monasteriom. 
Sab Theodorico Francomm rege oltimo eins nominis.^) bis, inqoit, 
temporibos damit in Gallicana Francia sanctos Pirminios ex monacho 
coenobii divi Mann abbatis episcopos Meldensis in provincia Senonensi 
vir doctrina et sanctitate adünirabiüs, qui pro Cbristi amore fidem 
rectam praedicatoms popalis in partes venit Germaniae, ubi maltos 
verbo et exemplo ad coltam veritatis convertit et plara monasteria 
fandavit. Inter qaae praecipaa etc. £t ibidem in margine^) fratres, 
inqoit, Schaterani negant saam primam fimdatorem eam ipsam fidsse 
s. Pirminiam ibidem asseverat. Qaemadmodam (ait) in originali voln- 
minis nobis cognito nameratar ista Monastici S. Maaricii in Dolegia 
Treberensis dioecesis, qaod magnas R. Fr. Dagobertas (at sapradic- 
tum est) olim constmxit, presens saepins visitavit, aliqaamdia inter 
fratres ibidem conversatas est ad intentionem Regalae S. Benedicti, 
mores fratmm institait, locam decoravit. Monasteriom qooqoe 
Schoterense, qood tribos soper Argentoratom Alsati^ orbem milibos') 
constat, idem s. Pirminios frmdavit, qoemadmadom in originali vola- 
mine vitae ipsios, qood penes nos habemos, clare scriptom invenitor. 
Hie obstat qood eios coenobii frtitres nolla docomenta veritatis etc. 
— mine*) Hec sont Trithemii verba. Qoibos breviter respondentes 
primo dicimos nostrom Offönem longo faisse aliom atqoe priorem, 
qoam fait ille, coios Sigebertos Gemblacensis meminit sab anno 
DCCVn dicens: Choret et Offa reges Anglomm Rhomam veniont ibi- 
qoe in monachos attonsi regi regom militaveront. De bis aotem 
ipsis apertios scripsit Beda lib. 5, cap. 19 et qoi apod Sigebertom 
Choret, apod Bedam Coenred, et qoi apod Sigebertom Opha, is apod 
Bedam Offa scribitor et licet diversa sit nominom scriptora, iidem 
tamen reges sont apod otromqoe scriptorem. Prioris nomen mihi 
sonare videtor qood nos volgo Conrat dicimos. Is Merciorom rex 
foit regnoqoe reUcto Romam perrexit et monachos factos ad aposto- 



^) In der Handschrift herrscht hier Unordnung: Sob Theodorico — 
nominis gehört zu scripsit hisce verbis. Mit his, inqoit, temporibos be- 
ginnen erst die Worte des Trithemios. — ') In Klammer folgen die wie- 
der durchgestrichenen Worte: in eodem compendio seu alio loco. — 
*) Hs.: milia. — ^) Wahrscheinlich: volumine, was aber hier bedeutungs- 
los ist Der Autor will die schon oben angefahrte Stelle: Fratres Schuter- 
ani nulla documenta constitnisse monasterium nicht weiter betonen. Dar- 
auf folgen die wieder ausgestrichenen Worte: vitae ipdus quod penes 
nos habemus, clare scriptum invenitor, Atque iam tertio etc. 



268 May. 

lornm limin« in procibns, ioiuuiis ot clooma««}!!!« nsque id diem per- 
mansit ultimum. At alter filius fuit Sigoberti regia ortenUlinm 
Saxonam (nam o Saxonia ad eam insulani veuorant Angli) adhne ia- 
vouis, \^n devot iono cum illo Oonrado rege Romam Tenieiis mona* 
ohtts obiit. l>e hoc, inquam, Opha vel Ofla non loquuntar fratre« 
Si'httterani, sed de OfTone, re et nomine diverso, qui hos diu ao da- 
dum antei^easerit, id quod vel ex Dagobert! Magni d^^ilomate patere 
)H>te8t, in quo Sohuteranum monasterium ab Offoue iirius nomon aar» 
titum Otronis-iVlla seu Villa, vulgo NViler unnou|iatur. Dagobertos 
autem iuxta Sigobertum et 'IVitteminm mortutut est anno llirUU 6IA« 
annis plus LX Antequnm diio illi Ronmm eoneesserint. l)f noatro 
item OfTone, quod ierit ad Italiam vel quinl faetus fuerit moiiacha«, 
nusquam legit Trittemius, At eius Im^a« nomismatii, signa cum se* 
pulcro et su)H'rscriptione luuiieque monstrautur in Mortinoia aaper 
ri)ias fhincigae ac Schuterae H. lluius OtTonis ne|H>te8« ^utinopotea 
et cognati feruntur fuisse: sanctus Kicbnnius et iixno Angliao n^x, 
Wililmldus, Kystettensis episcopus, NVunilmldus et Walpurgia, ambo 
abbae eiiLs monasterii, quod llerdeubeim nominatur, sancti scilicet 
Ricbanii )mtris sancta soboles e\ coniuge NYunna, sorore WunnUHdi, 
qui }H>stea romano nomine lUmifaoius est nominatus et cum iHneftttiH 
fuit adiutor S. W'ilibn>rdi similiter Angli in convertendis ad l1iri- 
stum multis Oennanine inqmlis.M Ocinde ad hoi\ qumt scribilTrit* 
temius: Si'hutenMiscs fratn\s proprium negare vel ignorare fundato- 
rem, i)ise vero sanctus IMrminius Schutenuu monasterii aasorit pro- 
prium fundatonnn, id quod ex originuli libn> vitae S. Pirminii finnar» 
contendit, }mucis res)Hnidemus luH*imcto: Na< jht fundatorem iuteHi- 
gimus cum qui fundum dans aut tpiovis iure m*cu|vu)a aere soo fli* 
turae habitationis prima iecit fundamenta. Talis autem non ftiit 
sanctus IMrminius in bis monasterüs, tiuorum nomina in vita ipeioa 
IHmuntur. Siquidem ad ea fere omnia prius aediticata fundataque 
veuit S. IMrminius et vitae genus monasticum vel tenenim adliuc vel 
iam coUaivmm in oniinem redegit, diristi cognitionem ac fidcm mo- 
nachis ac plebibns inculcando. Sic fundatort^m babuit Murbaehfnse 
monasterium Kberbardum Alsati^ ducem, Si'buteranum Offonfm, 
Scbwart;Racbense Hbutbardum Comitem, alia alitw etc.*) 

Si vero Pinninius etiam quvdam nove instituit, non tamea aim^ 
Principum fundum et facultates dantium auspicio vel adiutorio tn^it 
Sic ad pnH*e8 Hertoldi ac Nebi Alamanniae principum, iu»tt etiam 

^) Hier folgende lUndbomerkung: Neque vero lumile e«t Offonem ad 
ea Iwa venisse solum; habuit dubio pnn'ul et ipse comite« aliquot pen^ 
grinmionisque socii^i, quibus dilatandao ct^gnitionis Chri«ti praepoaitut in* 
lerer«!, intcr quos cum primia fuisse crtHluntur monacbi quidam da Re* 
gula S. Hf'ncdicti quäle« et primi Annlonun apivitoH ftiisso dietum eat. 
•) l^axu folgende lUndbeinerkung: Nnwilcr Sigibaldum, Maurimona- 
sterium fHuicorum rt*ge«; Murbach Kbcrhanluro, Si^hutcranum Oibnem. 
Swarttach Huthard von Zeriofsen, hertiog in Kisasa sambt alner lirowo 
Irmeeiud ligend lu Uengvnbach im Hoater etc. 



Zur Kritik der Annalen Ton Schuttern. 269 

Caroli Martelli ad insulam Brigantini lacus, qoae vulgo Ang, post 
Richnaüg vocatur, venit, pnrgataque insola monachomm habitationem 
ordinavit Sic ad nutum Wemheri^ nobilis Francomm domini, apnd 
Hombachum monachomm ordinem institoit; foit autem S. Pirminius 
primo monachus eins monasterii, qnod Andegavis a S. Maoro, S. Bene- 
dict! discipulo nominatur et ex monacho lectos est episcopos eins 
civitatis, qoae non longe a Lutetia Parisiorum distat vocaturque Mel- 
des gallice Meaulx. Episcopatnm tandem reliquit. Sab 28 die Jana- 
arii Rathardus illustris dax et fondator multarom ecclesiarom ad 
promovendam Christi iidem ac vitam monasticam peregre profectos 
6st impetrataqae a Gregorio eius nominis secando Ro. Episcopo po- 
testate per Galliam et Grermaniam populis sedulo praedicavit Chri- 
stum, ecclesias iuvit, monasteria vel nova instituit Principum auctori- 
tate vel antiqua restauravit. Demum apud Hombachum, quod uno 
tantum miliari ab arce et oppido Biponte vulgo Zweyprück distat, 
3. Mariae sacrum (ut dictum est) monachorumque ordinem instituit 
et reliquos vitae suae dies transegit. Ad quem locum et virum ae- 
que sanctus vir Bonifacius Moguntinus Archiepiscopus visitationis 
gratia pervenit, ipse autem vicissim Bonifacium ac Burckardum sibi 
cognatos aliquando invisit amiceque salutavit et post multos labores 
plenus diemm in Christo obdormivit ibidem sepultus, cuius memoria 
tertio nonamm Novembrium peragitur celebriter, cum anno Christi 
DCC XXX Alsatiam ingressus fuisset. Is locus usque in präsentem 
diem ad S. Pirminium, vulgo zu S. Pirmin cognominatur. 

Hactenus responsum esse volumus Tritemlo abbati. Sed et alia 
quaedam amolienda est hie falsa multomm opinio, qui putant Ger- 
manis primo Christi fidem praedicatam per S. Bonifacium pr§dictum 
A Gregorio ü Ro. epo. missum. Eam opinionem firmavit Matthaeus 
Palmerius in snpplemento Eusebii sub anno Christo DCCXIX, Gre- 
gorii vero VI scribens ita: Germani ad rectam fidem convertuntur. 
Yemm quidem est, quod Bonifacii opera et doctrina quaedam Ger- 
maniae gentes nee omnes ad fidem Christi pervenerunt, quaedam 
prius institutae ab infidelitatis quibusdam erroribus repurgatae et ad 
normam Romanae ecclesiae restitutae et dioeceses qu^dam ordinatae 
sunt. Sed tamen ab apostolomm tempore plures fuerunt per Ger- 
maniam ecclesiae celebres, id quod vel ex prae&tis colligi potest et 
^. Irenaeus Lugdunensis episcopus clare testatur adversns haereses 
lib. 1. cap. 3 dicens: et neque hae, quae in Germania sunt fnndatae 
ecclesiae, aliter credunt aut aliter tradunt, neque hae, quae in Hi- 
beris sunt, neque hae, quae in Celtis neque hae qu^ in Orienti ne- 
que hae quae in Aegypto etc. Nunc ad propositum revertentes ab- 
batum certum ordinem, successionem nomenclaturamque praestare 
non posse nos ingenue fatemur usque ad Conradum eius nominis se- 
cundum Salicum praeterquam unius aut alterius. Id quod nemo 
mirabitur, qui secum reputarit temporis edacitatem, bellorum iniuriam, 
ignium conflagrationes et in conservandis dictomm factommque me- 
morabilium apud maiores nostros incuriam ne dicam negligentiam. 
Praeter eos aut paucos, quos principum diplomata nominant, ut in- 



270 Mty, 

forius rooiubuntur, nos o votomm commonUiilt deoem aeqMntM 
4H>llo|Kimus huius luonasterii Schuteimni abbatc« inscriploa, Simoiiein, 
Joaimem, Kltorluurdum« Ijmdoldum« Rudolfom, Grimoäldiiin, Enielio- 
nom, UAilinaunuin, Ootfridnm, Folkernum, aox etiAiu seqMntea Un« 
tuiu Abbatos iuaoripta^, l>icboldttiu, Adelbolnmm, Gotfridnm, Bertol- 
dum, \Yornhoruiu, llambortum, qui tameu huias monasterii ftiissa 
Ablmtoä cimieotAutur. Do Simone ttcriptum est, quod ftiorit huius 
loci dcYOtus Kubonmtor. Do Kberhanio fidelis gubernator. Hos se* 
dooim Abbütos cum s. rirnüiüo prvfnto ot cum Eiuhardo, Folkerno» 
I<A'kborto intm moinoraiulis }H'r unniKs quinKOUto« asqno wA Connulom 
SaHouiu huio momistorio Sohutomno pr^fniase partim »oinias« pMtim 
orodimus. Nustiuam oiiim subito ao umi dio in bano meiern Mfctom 
ot pcrfootuni ost mouastorium Ii(h\ quoii primum ab (MTone Aindatorft 
OiTonis ooUa sou villa, iH^st dovastationos autom et oonflagratione« ab 
intorhibente Hnvio Sohutora nomiuatum est. Cunota senaim in no- 
inou ao numoruin aooresount ot itorum stMisim deorescout. In hoin* 
itaquo nionasterii priniordio dotunoto iam OiTono rego ac Aindatore, 
ouius aimivorsarius mortis dies ad XIX kls Febr. cum süpo ac via* 
oeratiom^ in pauiH'nv<< oelobratur« l>agobertus ille magnua, Francomm 
rox, Clotarii monarolme tilius et SigelH'rti )uuvus, aii iutoroeaaionem 
et pnH'os Arbogasti Argentonuensis episoopi liben^ donavit domini- 
ealem Curiiuu in llerlesheim superioris Alsativ cum actlibus« arc^ia« 
agris, pratis, vineis« ouius tarn oelebria iura fueruut, ut AdvocAtua 
nionasterii quotaiinis duiHleoimus et armatus ibi iudieio praeaideret^ 
11 vo }H)st phiros annos ob distantiam et monasterii peuuriam vmidit4 
est mouasterio MarburgensiM vioino. 

KlNllAKDVS AlUiAS, de quo suiH^rius meminimna, inliteris 
hconis VUl Ko. Kpisoopi nonünatur. Is enim Iah) synodom Wor- 
matie celebrans in praesentia l>ni Otbonis Uo. Imp. et tilli aoi eoff« 
nominis inter eundem Abbaten) Kinbardum et i^ageusoa pTf«b)teroa 
de quibnsdam servitiis litem diremit sub anno Dni IKHXTLXIIU,*) 

FOI.KKHNIS AHB AS in diplomate IKimini l^thonia II Ra 
Imp. nominatur. Hie enim ()tbo cum esset in oppido ao monaatorio 
Erst ein« quod Inneganlis ooniux Kotbarii I Kom. ImiK IVindavit aab 
Adelbobo Argent, KpisooiH> dedit eideni Folkerno Abbati privllegiam 
defensionis ao eleotionis liber\\ ut ex eis literis j^atet, quv datae aant 
Anno Uni IHHHH^LXXV. In libro moHuario sub die 17 Martil ila 
legitur: (Unit Folkernus Abbas buius loci prudens ac providos dia- 
pensator istius Koclesiae. 

KKKHKUTUS AHUAS in literis domini Iloinriei priroi poat 
tres Otbones Ro. lm|H^ratoris, quibus eidem Kekborto Abbati dedit 
Privilegium defensionis et eleotionis liber^ apud Wormatiam Anno 
Domini MIX, Hegni autem VIU. Ad baeo idom Heinriena inter alia 

« ■ 

') Soll beiaaen: Murbai^bouai. - *) l>axu folgende Randbemerkoac: 
Anno huiui Otlionia 1 primo S. (^ exuatum eat boc monaateriu», ut 
scripait Je. Tritt. Abbaa etc. l'oat boc incendium Kpiacopua Kriembikilia 
mouaateriuw dodicat. 



Zur Kritik der Annalen von Schuttem. 271 

innumera beneficia hnic monasterio impensa, Anno Dni MXYI dedit 
ad preces Eberhard! I Babenbergensis Episcopi sni onam villam 
Ruckerswiler dietam, nunc Heiligencelle vocatam et mansom unom 
in Villa Friesenheim et VI mansos in villa Blabodesheim cum Omni- 
bus etc., ut extantes adhuc liter§ apud Babenbergam dat§ clare in- 
dicant. Hie Heinricus hoc Schuteranum monasterium iure fedi quod 
feudi dicunt novo suo Episcopatui Babenbergensis connexuit et inde 
singuli Abbates nuper electi Monasterii regimen et administrationis 
ius agro ab Episcopo Babenbergensis et suscipiant et agnoscant 
oportet. Hanc Heinrici Imp. voluntatem ac institutionem Conradus 
eius successor ad petitionem eiusdem Eberhardi primi Episcopi Ba- 
benbergensis confinnavit Corbei§ Anno Dni MXXIQI. 

Et hi tres iam nominati Abbates recto sibi ordine successisse 
probantur. Dispertiendi ergo sunt illi supra nominati XYI. Abbates 
cogniti ante et post hosce tres Einhardum, Folkemum Ekbertum 
cognitae aetatis usque ad Conradum, qui modo sequitur: 

CONBADUSI nominatur in literis, quas Bullas vocant, Inno- 
centii II Rom. Episcopi, qui fuit tempore Lotharii n Bo. Imp. His 
literis testatur Innocentius se suscipere hoc monasterium Schutera- 
num in curam S. Petri et suam protectionem, qu§ dat§ fuere Pisis 
in Italia per manum Aemerici Bo. Eccl. diaconi Cardinalis et Can- 
cellarii. Anno Domini MCXXXVI cum subscriptione ipsius Inno- 
centii et IIII Cardinalium. De hoc Conrado Abbate ita legitur in 
mortuario libro sub X kls Augusti : Obiit Conradus Abbas nostr§ con- 
gregationis pius atque sollicitus restaurator istius ecclesie, Anno Dni 
MCLXII. Sub hoc Con» Burckardus Eps. Argentinensis malus Altare 
etc. dedicat Anno Dni MCLVlll kls Septembres. 

SWIGGERUS ABBAS. Sub hoc Abbate Swickero Anno Dni 
MCLXIX Bertholdus Comes a Niwenburg armata manu nostra pre- 
dia et curtis (ita scribitur) igne vastavit, claustrum volens simul suc- 
cendere. Is Bertholdus (ni fallor) fuit a Z^ringen eius nominis quar- 
tus, qui Friburgi apud Helvetios author et apud S. Petri monasterium 
in Härtzinia sylva sepultus est Anno Dni MCLXXXY. De hoc abbate 
scriptum est in libro quem Animarum vocitant sub XXI die mensis 
Martii Anno Dni MCLXXXVII obiit Swiggerus Abbas huius loci de- 
votus sublimator istius ecclesi§. 

DIETRICUSO ABBAS. De hoc scribitur in praefato libro 
sub XXIin die Januarii. Anno Dni MCCXV obiit Dietricus Abbas 
felix gubemator istius ecclesiae. 

HEINRICUS l. De hoc abbate extant liter§ Bertholdi Argen- 
tinensis Episcopi, quibus ostendit diremptam litem, qu§ vertebatur 
inter hunc abbatem Heinricum et Heinricum nobilem de Tiersberg^ 
tum monasterii Advocatum, qu§ dat§ fuerant Anno Dni MCCXXXV.. 
Sub hoc Abbate iam tertio exustum est hoc monasterium, id quod 
Guntherus quidam presbyter XX Leoninis versibus testatum post se 
reliquit hoc modo:') 



Darüber geschrieben: Theodoricus. — ') Die Verse gleichen im Wort- 



272 M»y. 

I^'uit hiv ineendium Aimo Dni MIX'XL. Curandiim igitw, vt 
virKula dueatur po8t Deno et ante vivente, qola is papa mui ftiil 
Qrogi>rius dinnmus« smmI nonus, 

IWrtholdus ex IV^posito monasterii ut supra in undecimo Ters« 
tectus est Albas )HXst mortem Ileinrici autOilicti. Sab eo mortisa 
est Dominus Conradus Abbas in Altdorff Anno Dni Ml'^CLI aeouida 
Januarii die, qui fuerat monaohus Si^huteranus, maRnus et neocisarins 
restaurator eiusdem ei'clesiv, ut in libro mortuario scriptum est* Ve 
hoe autem liertholdo in etuiem libro die Xllll Januarii ita scriptum 
ost: liertholdus Abbas et humilis rector istius eoelesi^ obiit Anna 
l>ni MlTLll. 

HUDOLKUS l Ablms: l>e bin« HAdolfo legitur sub deeima di« 
Aprilis. Anno l>ni MCfLVI obiit KAdolfus Abbas huius loci et ri- 
gidus reiior. 

Notandum (|uod UAdolforum unus fuit otmcivis mens ab Oflbnis 
P)Tgo soilioot, cuius mater Mcohtbildis, pro cuius memoria cum vo» 
iuntato Convontus oonstituit, ut Imbon'tur IUI KidsM Maii vide« 

FUlDKRirrs l. Sub boi^ Abbate mortuus est Dns Heinricis 
a Stnbelook Kpisoopus Argontinonsis sepultus in niaiori templo M 
in saoello S. Andrw Anno Dni MCfl.X lY Nonas Martii. In coina 
IiK'um elootus ost SVaitlierus a («eroldostvk in Mortinaugia« qui ma* 
lis usus oonsilüs oontm urbom Argontoratonsem bellum moviU qnod 
Ol vitam ot episoo}nitum adonüt, mortem sibi et aliis attulit midtis« 
Undo dum forvido« sed incauto prvUaretur cum oivibus I«X im>cores, 
intor qui>s ot llormannus frator ot Uoinrious a Tbiersberg occisi« 
1.XXVI oapti sunt. l|vse pr^Uo vix fuga doIa^Ksus animi m^rore de- 
funotus ost ot in l>orolt/boim ad fratrem sopultus pridio idus febr, 
junio MtTLXIU Anno foro |Huit ovdom faotam. 

De lloinrioo a Thiorsberg, a ouius morte Monasterii Advocati 
esse ovi^erunt^ lK>nnnus a (leroldosooko bodioque leguutur versua qua- 
tuor in oxtoriori |varto templi Schutoraui in solo intor sepalonuu 
L>ominioum ot fundatoris sio: 

Sunt anni Cbristi dooios sex mille duconti 
ot duo, dum l>onünus Uoinrious nobilis, idus') 
ootavo monsis Maroii oadit iotibus onsU, 
Do Thiorsborg diotus, bic sit tumulus Inmediotus. 
Do oodem et llormanno fratre Kpisoopi sio legitur in libro mor- 
tuorum: Anno Dni MaU.XIl Vlll. idus Martii Ueinricus de Thiora- 
borg ot llormannus de Ciontldeseolie et alii Dni I4X ooram dvitato 
Argontina pn) ipsa Argont. Koolesia oooisi sunt. I>e boe abbate, qui 
ooilem anno obiit, ita scriptum est ad diom Julii ootavum: Obiit 
Kridorious Abltas, buius loi'i tidelis rolovator, istius Ei'oiesi^ diaorfh 
tua rootor atque dovotus. St^pultus ost in olaustro ad introitum tompU 
cum bao scriptum lapidi incisa: 

laut doueu bei Mono Hb. 11, c. H(^ wiiüialb wir darauf Tfrwalaea. Kur 
steht Ihu VoU t. llaimo statt llamio. 
<) idua. - <) IIa. nobil l>:idnB. 



Zur Kritik der Anoalen von Schultern. 273 

Sexaginta daos annos et mille dncentos 
Si numeres Domini, celebri festo Chiliani 
Abbas reverendiis decessit Fridericus. 
De hoc Bertholdo Co. a Ninwenborg in Apri monasterio ita le* 
gitor sub anno 1114 indict. 7 et 8 kls Jolii datnm literis Argenti§:^) 
In nomine Sct^ et individa§ Trinitatis. Heinricus divina fanente 
dementia Bo. Imp. Aug. etc. . . Inquisitione igitur facta, qoi vel onde 
essent, qni pr§bendas ecclesiasticas pro beneficiis sibi vindicassent, 
factos est clamor super qnosdam Principum et homines ipsonim et 
maxime saper Bertholdum comitem de Niuwenburg, eo quod idem 
maximos invasor remm ecclesiasticarom esset. Snperveniens etiam 
Conradus Abbas S. Maoricii martjris Ebersheymensis cenobii pedi- 
bus nostris cum fratribos suis prostemitur, qnerimoniam faciens su* 
per enndem Bertholdum Co., quod pr^dium ecclesi^ su§ seu villam 
Wisswyler cum Ecclesia ac Mancipiis et omnibus appendiciis suis 
violenta ac tyrannica manu rapuerit. Unde solita pietate nostra co- 
mite simulque iudicium Dei omnipotentis pr§ oculis habentes et regni 
nostri honoribus providentes omnem consessum Principum, quid no- 
bis super bis agendum esset, requisivimus. Tunc episcopus Mona- 
steriensis c§terique Principes consilium dantes simulque adiudicantes 
decreverunt, quatinus pr^dictum Comitem in Audientia nostra res- 
ponsurum de bis quibus accusatus fnerat, evocaremus. Ille vero se- 
veritatem imperii et iudicii nostri metuens nee quicquam iuste de- 
fensionis habens, nobis nitro ea, pro quibus acclamatus fnerat, Ec- 
clesiis dei restituenda reddidit etc. Hie fiiit Heinricus Y. Yidetnr 
antem hie Bertholdus fuisse a Zeringen eins nominis Tertius, qui 
anno 1118 Friburgum in Brisaehaugia condidit et anno 1122 prope 
Molisheim oecisus est. Operae precium forte esset, si dignatione 
Aprimonasteriensis Abbatis relegeres eas literas, unde fragmentom 
hoc olim notaram. Nam qui in tuo monasterio notavit, nimia usus 
est brevilate. Vale in Christo. 

Nach einer freigelassenen Seite folgt die Darstellung der 
ältesten Abtreihe in zum Teil wörtlicher Übereinstimmung 
mit der oben gegebenen, und dann der Schluss des ersten 
Buches. Da aber die Übereinstimmung sich auf wenige Sätze 

beschränkt, so geben wir den Volzischen Text unverkürzt wieder: 

Abbatum certum ordinem, nomenclatnram, snecessionem, conver- 

sationem praestare neque possumns neque pollioemur usque ad Con- 

radum eins nominis primum') tribus dnmtaxat exceptis Einhardo, 



^) Dieses Bruchstück einer Kaiserurkunde (Heinrichs Y.), welches 
sich auf den unter Abt Swigger erwähnten Grafen Berihold von Neuen- 
burg bezieht, ist hier unTermittelt eingeschoben. Yeröffentlicht ist das- 
selbe schon Ton AI. Schulte in dieser Zeitschrift Bd. Y, Heft 1 (Neue 
Folge) S. 119—121. An einigen SteUen weicht unsere Lesung von der 
Schalte*8 ab. — *) Oben heisst es: usque ad Conradum eins nominii b^ 
cundnm Salicum. 



376 May. 

Volz geschrieben sein kann. In derselben sind die KdIMc- 
tancen von Nikolaus von Gerau erwähnt, nicht aber die vod 
Volz. Stammte die Vorrede nicht von VoIi| so mttssten diese 
genannt sein. Zweitens umfasst sowohl das prius als posterius 
scr. (a und b) nur das erste Buch, die eigentliche Grflndungs- 
geschichte des Klosters, und ebtm in der Vorrede ist gesagt, 
dass der Verfasser nur das erste Buch darstellen wolle: At 
ne me tibi defuisse querare, de fundatore (de fündatione IIL 
IWarb.) primum tibi caput describam; fttr das Weitere» 
bis auf die Zeit Rudolf Oarbs ,mi immn caput^ will er blos 
den Weg zeigen: doinde viam tibi quasi digito monstrabo, 
qua tute iH>rgons i)er abbatum et numenun et onlinem ad 
imum caput, hoc est ad te tuaque tempora i^ervenias. Ferner 
war Volz zur Zeit, als er die Vorrinle schrieb, 6d Jahre alt 
(gob. 1480). Er kann deshalb von seinem Oreisenalter apre* 
chen: abest fakultas ob multa incommoila, quae secum tat 
ipsa mea senectus. Diese drei Punkte sprechen fllr Veli 
als Verfasser der Vorreile, folglich ist er auch der Bearbeiter 
der zweiten Rezension dos pi>sterius scr. (a und b). Dass 
aber von Volz auch KoIIektaneen fAr das II. Buch vorhanden 
waren, geht aus vei^chitulenen Stellen desselben hervor« deren 
OS nahezu ein Dutzend sind. Kr selbst verspricht in der 
Vorrede noch seine BeihUlfe für die Fortsetzung der Chrenik: 
Si quid opis ad lioc tuum opus tibi ferro possum, dum vive 
et valeo, potes uti o|>era mea, uti voles; adero volenti quo ad 
üeri i)otest. Mone, auf Mitteilungen Vierordts fussond, meint 
in den Nachträgen S. GG6 tT., Volz sei aucli der dritte Über* 
arbeiter, also der Verfasser des 11. Buches. Dies könnte man 
schon auf Grund der Vorreile ablehnen, wo Volz sagt, dass, 
wenn er auch den Willen dazu hätte, ihm die Möglichkeit 
da/u fehle, wegen der Last des Alters und wegen anderer 
Aufgalum, die er noch zu beendigen wünsche, bevor ihn der 
Tod ^ultima rerum liuoa" überrasche. Es ist gar nicht an- 
zunehmen, dass Volz, der im J. 1544 starb, in den swei 
letzten Lel)ensjahren noch das erste Buch textlich überarl>eitet 
und das zweite neu Terfasst haben könnte. Nicht unwichtig 
ist ferner, dass der Verfasser des zweiu*n Buches in olyektiver 
Weise sich auf die Kullektaueen des Volz beruft, w&hrsnd 

^) Hör. epiat. I, 16, 79: mors ttltima linaa renim Sit 



Zur Kritik der Annalen von Schuttem. 275 

id qaod infra Ince clarius vix abaqae lacrimis lector düigens offendet. 
quam molta forent hie dicenda, immo exclamanda in abbates, mona- 
chos, advocatos, qoi soa, non qoae Jesu Christi, qoaerentes ad totios 
verae religionis excidium ansam dederont. mors in olla! 



Posterius scriptum b: 

So nennen wir die zweite Rezension, welche in der Wiener 
Handschrift vor dem prius scriptum auf Blatt 102 — 112 steht, 
ivährend das eigentliche posterius scr. (a) erst auf Blatt 125 
bis 132 folgt. Die Berechtigung dazu ergiebt sich aus der wört- 
lichen Übereinstimmung beider, die nur in ganz wenigen, 
kaum in Betracht kommenden Verschiedenheiten der Lesart 
nicht vorhält. Allerdings gehen beide Parteien nicht gleich 
weit, die erste bis Buch I, Kap. 3 (Quo fdicüer peracto\ das 
eigentliche posterius scriptum bis Buch I, Kap. 22, wo es 
mitten im Satz abbricht Aus dem posterius scr. ist die 
zweite Abtreihe von Einhardus bis Fridericus I. ausgeschieden, 
woraus man sieht, dass Volz die Absicht hatte, nicht nur 
das zweite Buch zu schreiben, sondern auch seine Abtreihe 
diesem Buche einzuverleiben. Es hat also das posterius scr. 
schon im Allgemeinen die Gestalt der dritten Bearbeitung und 
weicht nur in der formellen Fassung der einzelnen Sätze ab. 
Die Ereignisse nach 1526, die dem prius scr. fehlen, sind hier 
verzeichnet; das posterius scr. hat also alle die Ereignisse, 
die die III. Bearbeitung auch bietet. 

Nun enthält das posterius scr. auch die Vorrede, und zwar, 
was bisher nicht bekannt war und was auch der III. Bearbei- 
tung fehlt, mit folgender Unterschrift: Paulus Voltius *) Abbas 
in Hugonis Curia. In der gleichen Linie links davon steht 
noch: Abbas in Hugshofen. Zu bemerken ist aber, dass das 
posterius scr. a, das die Vorrede auch enthält, ohne Unter- 
schrift ist. Das posterius scr. b ist nun sicher nicht von 
Volz' Hand geschrieben, denn die Schrift ist anders als im 
prius scr. Doch braucht die Unterschrift deswegen nicht auf 
Irrtum oder Fälschung zu beruhen. Wir glauben nachweisen 
zu können, dass die Vorrede von Niemand anders als von 



• ^) Auch diese Orthographie des Namens kannte man bisher nicht. 
Geschrieben wird derselbe sonst in folgender Verschiedenheit: Volsius, 
Volscius, Volscyus, Volzius und Voltzlus. 



376 May, 

Volz geschrieben sein kann. In derselben sind die Kollek« 
tancen von Nikolaus von Gerau erwähnt, nicht aber die tob 
Voll. Stammte die Vorrede nicht von VoIi| so mttssten diese 
genannt sein. Zweitens umfasst sowohl das prius als posterius 
scr. (a und b) nur das erste Buch, die eigentliche GrOndongs« 
geschichte des Klosters, und eben in der Vorrede ist gesagt, 
dass der Verfasser nur das erste Buch darstellen wolle; AX 
ne mo tibi defuisse querare, de fundatore (de fündatione IIL 
IWarK) prinium tibi caput describam; fttr das Weitere, 
bis auf die Zeit Rudolf Garbs ,at1 mmn enput will er Mos 
den Wog zeigen: doindo viam tibi quasi digito monstrabo, 
qua tute iH>rgens per abbatum et numonun et ordinem ad 
im um caput, hoc est ad te tuaque tempora pervenias. Feraor 
war Volz zur Zoit^ als er die VorriHle schrieb, 6ä Jahre alt 
(geb. 1480). Er kann doshalb von seinem Greisenalter spre* 
clien: abost fakultais ob multa iucommoda, quae seeum tat 
ipsa mea senectus. Diese drei Punkte sprechen fOr VoU 
als Verfasser der Vorrede, folglich ist er auch der Bearbeiter 
der zweiton Rezension dos posterius scr. (a und b). Daas 
aber von Volz auch Kollektaneon für das 11. Buch vorhaadeii 
waren, geht aus vei^schitHlenon Stellen desselben hervor, dereo 
OS nahezu ein Dutzend sind. Kr selbst verspricht in der 
VorrtHie noch seine BoihUIfe fUr die Fortsetzung der Chronik: 
Si quid opis ad hoc tuum opus tibi ferro possum, dum vira 
et valeo, potes uti oi)era mea, uti voles; adero volenti quo ad 
fieri i)otest. Mono, auf Mitteilungen Vierordts fassend, meint 
in den Nachtrügen S. GG6 tT., Volz sei auch der dritte Über* 
arbeiter, also der Verfasser des II. Buches. Dies könnte man 
schon auf Grund der Vorreile ablehnen, wo Volz sagt, dass^ 
wenn er auch den Willen dazu hätte, ihm die Möglichkeit 
dazu fehle, wegen der Last des Alters und wegen anderer 
Aufgaben, die er noch zu beendigen wünsche, bevor ihn der 
TihI ^ultima rerum liuea" überrasche. Es ist gar nicht an- 
zunehmen, dass Volz, der im J. 1544 starb, in den zwei 
letzten Lebensjahren noch das erste Buch textlich Oberarbeitet 
und das zweite neu Terfasst haben könnte. Nicht unwichtig 
ist ferner, dass der Verfasser des zweiten Buches in olyektiver 
Weise sich auf die Kollektaneon des Volz beruft, w&hrsnd 

^) Hör. epitt I» 16, 79: mors ttltima liaaa rerum sit 



Zur Kritik der Annalen von Schuttern. 277 

dies im ersten nie geschieht. Ja er tritt der Volzischen An- 
sicht öfter geradezu entgegen, z. B. II, Kap. 129: Nam nu- 
merus a Volsio adiectus in collectaneis plane absurdus 
esse videtur oder 11, Kap. 10: Volscius hie in annorum sup- 
putatione erratum contendit. 

Unrichtig ist auch, dass der Verfasser, wie Vierordt sagt, 
an mehreren Stellen von Oflfenburg als seiner Vaterstadt 
spreche. Dies geschieht einmal im prius scriptum an einer 
Stelle, die Mone und Vierordt noch nicht kannten, und einmal 
in der ersten und zweiten Überarbeitung des ersten Buches 
Kap. 14, dagegen nie im zweiten Buch. Und darum allein 
handelt es sich. Das erste Buch stammt also, abgesehen von 
einigen Textänderungen — dritte Bearbeitung — von Volz, 
das zweite dagegen von einem unbekannten Verfasser, von 
dem nirgends gesagt ist, dass er von Offenburg stammte. 
Was aber Vierordt über die Wiederannäherung Volzens an 
Schuttern sagt, wird wohl richtig sein. Im Wilhelmitenkloster 
in Strassburg wohnten 1542 nur zwei Geistliche: Johann 
Rixinger und Paul Volz. Dieser lebte von 1533 bis 1544 da- 
selbst. Im Sommer 1526 hatte er seine Würde als Abt in 
Hugshofen aus Furcht vor der vorderösterreichischen Regie- 
rung in Ensisheim niedergelegt. *) In Strassburg sich nieder- 
lassend, trat er zur evangelischen Kirche über und erhielt 
1533 eine Wohnung in dem leer gewordenen Wilhelmiten- 
kloster, weil dieses nahe bei den Nonnen St. Nicolai in undis 
lag, zu deren Prediger er vom Magistrate ernannt worden 
war. Von diesem wurde er jedoch 1537 seines Amtes entsetzt, 
obwohl die evangelischen Geistlichen rühmten, wie treu er 
seines Predigeramtes walte. Der Grund der Absetzung war, 
weil Volz die Unterschrift der Wittenberger Konkordie ver- 
weigerte, indem er namentlich in der Lehre von der Taufe 
und dem Abendmahl anderer Ansicht war und weil er die 
Strassburger Kirchenzucht zu gelind fand. In dieser Zeit, in 
welcher Volz nach dem Ausdruck von Böhrich (Geschichte 
der Reformation im Elsass, besonders in Strassburg, Band 2, 
S. 112) „die Sakramente und Einrichtungen der Strassburger 



^) Gerade bis 1626 gehen die im prius scriptum dargestellten Ereig- 
nisse. Damit schliesst die erste Periode seiner schriitsteUerischen Thätig- 
keit. Die zweite begann erst wieder unter dem Abt Budolf Garb (1535—50). 

Zeft8cbr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VIII. 2. 18 



278 May. 

Kin^ho** vorndiirn lonito, h\g clor (itnlanko naho, er werde 
xur kAtholisdioii Kircho /.urllokkohron. Ks ist möglich « wie 
Vioronlt luoint, dtiss dainals (1537 oilor i:)38) der Abt Rudolf 
(inrb, der von llu^shofon her Vol/ kannte, den früheren 
Auftrag an dieson« dio tnniairs fttliuffTani xn sclirtnben, er- 
nouorto. I>onn (lorau war i:):i8 ^ostorlHMi und Volz war ohne 
Beschäfti.mni^. So erklärt sich, dass an der Spitxo der xweilen 
Ito/ension (posterius scr. a und h) die ans dem Wilhohnilon* 
klostor daiiorto Vorrede stellt. Uiese lUierarlHMtung des prius 
scriptum, eine neue Anlage der Chronik, die Fort^eUuu); der 
KoIlektaniHMK auf Nvelehe im 11. lUioh lüns^eNviesen ist, uui);en 
den llauplteil seiner lel/ten sehriftsielleriseheu Thätigke-it ge- 
bildet haben. 

Posterius srriptuiu h. 

l>o Sohuttonnii mouastorii fundatiotio. Ke\erendo in diristo I^itri 
n. KudolplioM (iarhae Ahhati oius Moiiasterii quod Sohulem \*oeii- 
tur suo. 

S. P. 0. Posttilasti uu|>ei* a mc Kudolplie-) VeuenUnlis Abba« ui 
Ahbatuin Monasterii tui Soluiteraui. oui tli\ina di^natioiio nune pniees, 
eatalo^mn ae do ipsonnn toinporihus ivu Chroniomu lihrum tibi de^ 
oribaiu« idquo ut t'aeilius prrsuadoros. tpiaodain mihi pnUuIisti tn>IUH^ 
tanea Nieolai a Tirrauo iiumaohi, qiiae (neu ainbi>ro) nmlto sudoro 
ooUo^it. A ino i'ortuni piuia opus (t'atoor) poMuhisti, iuxta Nasoni» 
Yorsiouluiu : 

Kl pius ost patriae t'aeta n^ferre lahor. 

i^)uatiiloipiiiloui tibi hauti obsoiiui (h^ssoiu, nisi ot imtriac meae 
natalisque soli paritor nioiuiuissoiii. Voruin tarnen opus et difti* 
oilo v\ arduum ost . quando \el inaionuu nei;U\i;eutia vol iinüum 
ot hostiuin inetura proi^us nil o\tot« tuulo ad aiuuüsim sou gesU 
sou toinpora \otoruin \onan quoas. Ilahui cquideni in mmiibuA 
quaodain votustatis tra.mnouta, quihus oius oporis« quod iHVitnlas 
ronriniiator utruuipio iuxari valui>siM, Sod haoc eum alüs rusti- 
i'oruin furoro sublata ot tlaiinnis o\u>ta sunt. At no nie tibi de- 
tiiisso ipiorare, de iundatoiv prinuiiu tibi oaput desoribam, doinde 
viam tilti ipiasi tlii^ito inonstnibo, qua tute ihtkous |mt ablmtum 
et nuiuorum ot onlineiu ad imuni eaput, hoe est ad te tua tom- 
poraquo') pervenias. Non enini lain hobotis os ini;onii, ut non 
queas o mauu llorrulis oorripere elavain ot ea »piae disporsa isioout, 
oolli^oro ao in ordinoin rodijjore. llabos pbino ini^onium, suppotunt 
vires. praeMo sunt moiuunenta tani libnMuni (|i:ani IiH'orum. In suininA 
facultas atlost, nuub) non desit voluntas! Tua oorte res aj^itur, tUA 
orit voluntas« tuns cninulabitur ut labor ita et honor. Ktpiidom licet 
voluntatcni haboain tuis tU'sidcriis satistaricudi pronaui, taniou aboat 

n ]«ost. ücr. u; Unodolfo. >) lUnulollo. - ^) post icr. a: tuAqut 
Uonpor«. 



Zur Kritik der Annalen von Schuttern. 279 

facultas ob mnlta incommoda, quae secnm fert mea senectus, prop- 
ter alias occupationes, quae hnmeris meis alioqai teneris incumbunt, 
quas et finire gestio, antequam mors ultima remm linea me volentem 
nolentem occupet. Si quid opis ad hoc tuum opus tibi ferre possum 
dum vivo et valeo, potes uti opera mea uti voles, adero volenti quoad 
lieri potest. Vale, ora et hanc meam opellam ordinariis exercitiis 
surreptam boni consule frater in Christo colende. Datae Argento in 
monasterio Wilhel. anno millesimo quingentesimo quadragesimo 
seeundo kls decemb. 

Abbas in Hugshofen. Paulus Voltius Abbas in Hugonis Curia. 

Jesus Christus, dominus noster, deus et homo verus, qui secun- 
dum divinitatem semper est ubique, cum peracta patris voluntate 
iuxta naturam humanam, quam in divae Mariae virginis utero susce- 
pit in terra, ad eiusdem patris dexteram conscendere vellet in c^lum 
dixit discipulis suis: „data est mihi omnis potestas in c^lo et in terra; 
euntes ergo docete omnes gentes, baptizantes eas in nomine patris 
et filii et spiritus sancti docentesque eas servare omnia quae prae- 
cepi vobis." Etalibi: „ite, inquit, in orbem Universum et praedicate 
evangelium omni creatur§; qui crediderit et baptizatus fuerit, salvus 
erit, qui autem non crediderit, condemnabitur". Haec discipulorum 
amandatio dudum quoque vaticinata est per psalmistam dicentem: 
„in omnem terram exivit sonus eorum et in iines orbis terrae verba 
eorum". Porro praeceptum hoc Christi, posteaquam ad c§los ascen- 
dit et uti promiserat, spiritum sanctum paracletum misit, sancti eins 
apostoli et post apostolos apostolici viri sedulo exequentes totum or- 
bem terrarum pererrando gentes in nomine patris et filii et spiritus 
sancti baptizarunt easque servare omnia, quae Christus servanda prae- 
ceperat, docuerunt. Hoc verum esse partim ex apostolorum actis, 
partim ex veterum historiis ediscitur. Nee fuit priscis illis patribus 
antiquius aliud, quam ut Christi fidem quam latissime et ad multos 
propagarent. Sciebant enim de Christo per prophetam a patre 
praedictum: „filius mens es tu, ego hodie genui te, postula a me et 
dabo tibi gentes, haereditatem tuam et possessionem tuam, terminos 
terrae". Sciebant item Christum suis dixisse discipulis: „accipietis 
virtutem spiritus sancti in vos et eritis mihi testes in Hierusalem et 
in omni Judaea et Samaria et usque ad ultimum terrae". Hinc plu- 
rimi moti ingentes thesauros et inaestimabilia patrimonia ceu ster- 
cora posthabentes in hoc toti incub aere, ut per evangelicam doctrinam 
quam plurimos ad Christi cognitionem ac fidem converterent. Sic 
vel Apostolorum aetate non tantum in Asia et Aphrica, sed etiam in 
Europa nostra mundi parte multis nationibus disseminatum est ver- 
bum domiui, quod tamen non ubique firmas egit radices, sed perse- 
cutionum ac haeresum tentationibns vel in toto vel in parte disperiit. 
Sic tripiex Gallia, sie duplex Germania partes Europae non ita diu 
post Christi trophaeum fidei verbo imbutae fuerunt, et ut specialia 
quaedam loca, sed nota memorem, Ad Aram latam sive Arelatas 
Komanorum coloniam, quae in Gallia Narbonensi ad Rhodani prope 
Ostia Sita et Arie vulgo dicta, missus est sanctus Trophimus, cuius 

18* 



'J80 May. 

m oalro soouiulao ad 'rimothoum opistolao .sauotus PauliM momiiiii 
ot poiuiluni ab idoloruin oultu ad vcri doi ivUKumom orudivit l>e 
(Miius t'onto tota (lallia tidoi rivulos aooopit, ut /osimu« Hinnaniu 
(lixit opisoo|ms. Sio ad Motonsom (ialliao urboni« quao ad Mi^^Uam 
tluvimn sita ost, missus ost Klavius Clomons, vir oonsulari«« sanoü 
(Moiuontis Koimuii opiscopi patnnis ao Klaviao IKnnioollao a IKmii« 
tiano in Poutianain insiiltuii n^Iogatuo avunoulus. Huic primu Motojud 
opisoopo suorossit oius sorius ar siHMindus opisoopus nomine (\H>U>!ttiät» 
cnins rorpns rnni oori^oro Anctoris tivdooimi ibidoin Ki^äUH^pi ait 
Manri-nionastorinm tninslatnni ost por d. l>n));onom« VAn}\\ mairni 
tilinni et o\ aldmto s. (ialli Motonsoni opisoopmn (inno (MiHsti 8i% 
nonis niai, Sio ad Tnlhnn l.onoonun oppidnm d. Mansuotiu voniU 

Sil* donitpio Troborim, l'ungrunt« Coloniani Agrippiinuu niissi 
t'uoro Knoharins, Valorins, Matornns, qui dum obitor ad traotum Ar- 
^ontoratonsom voni>sont, otiam ibidem dominioi vorbi üiMnon dis|)er- 
sonint bodioquo in ih> traotu tomphi quaodam monstraiit in«i|Uiu^ 
quibus illi por suam praodioationom vol prima iooonmt funtbuiicnta 
Yol oiootis idolis votora doo dioarint. l-t ost KHmn d. Matorni titnla 
pii)po Uonfoldum« Noviontnm« quod nunc Aprimonastorium vcH^^tur« 
Oomus rotri« vul^o DomptVtor diota, non ita priH'uI a MoUishoimio 
ot s. IVtrus oojjnomino senior tuno oxtra, nunc intra urbom Ar|^>tt<- 
loratonsom. Mino primo lYoborim vonorunt anno domhii M, uti 
rroborornm tostantur annalos. Ibi d. KuohtU'ius primus opisicopiu 
piaotuit annis 2i^ Cui snooodons VaU'rins fuit antistos 'lVolH>rcini]n 
annis W lluio in Troboivnsi opisoo)mtn suooossit s. Matoniiu, qui 
totam oironmions iv^ionom dtristi tidom )tassim ao tidolitor praedi* 
oavit. Vonionsquo ad i'oloniam A^rippinam ot ad Traitvtum ad Mo* 
sam tluvinm, quod suporius dioitur, vul^o Mast Hobt tpiaHi diiNiä^ Mo« 
sao Traiootuni; doindo ad Tungrum proximas quast^uo plolnv» ad Chri- 
stum oonvortoro studuit; quibus omuibus -10 formo annis loffitur in 
solioitudino vorbum vitao minist rasso ao domum obiis^to in donüncK 
anno oiusdom l>ni KU, monso ootobri. Taub) }H)st (^bristi bonus 
odor ad \itam ultra maiv quoquo ad Hritanniam insulain iH>n*euit et 
ut vonorabilis lloda« llritannus, do K^'stis Anglorum (sio Ibritanuicoff* 
nominantur) lib. l, oap. 4 n'fort : anno domini nastri IM sub Maroo 
Antonio ot Aurolio (\mnnoilo Honuniorum im)H^ratoribus, Luoiu« IM« 
tonum rox, Kloutborio Komano opisoo)H) iht opistolmn supplioavit^ 
ut ("brist ianus oftioorotur ot niox ofToot um piao (Mstnlationis iHnutoou« 
tus ost. Susooptamquo tidom Hritanni usquo ad tomiHtra UiM^lotiaiii 
quioto sorxabant illibatam. Kt lioot )Hvst oam poi'sooutionom utoum« 
quo ropararint dosolatas ooolosias« nu>x tamon oln^rtao sunt baoivm^a 
Ariana, rola^iana ot Attilao quoquo poi^ooutio, iH^r quas ooolo^iao 
doiuio dosolatao sunt ao tidos in Cbristum pnqH' oxtinota. IVimi au* 
tom tidoi praodioatoros ad Angliam missi tornntur Fu^atius et l>ami<- 
anus .Nod ot l.uoius ipso rox oontompti^ iv^no oum omni mundi k^^* 
(iallis ot iiormanis (*bristum soribitur praodioasso, undo biHÜo quo- 
quo a l«aioariis ot t'uriotisibus ipsutn a^nosoi vonorariquo sori)t8it. 

IKuuinus Jo. Nauolonis: post baoo tosto Sl^oborto (tomblaoomiiittm 



Zur Kritik der Annalen von Schuttern. 281 

monacho, anno post 432 Coelestinus Romanus episcopus ad Scotos in 
Christum credentes Palladium misit primum episcopum, post quem ad 
eosdem ab eodem Coelestino missus est Patricius, genere Brito, filius 
Conches, sororis sancti Martini Turonensis episcopi, qui in baptismo 
quidem dictus est Suchat, a sancto Germano Magonius, a Coelestino 
vero Patricius, a quo archiepiscopus Scotorum ordinatus, per 60 an- 
nos signis^) sanctitate doctrina excellens totam insulam Hiberniam 
convertit ad Christum. 

Anno autem 14 Mauricii Romanorum imperatoris, qui regnare 
coeperat anno Christi 582, Gregorius eins nominis primus Romanus 
episcopus ad Britanniam seu mavis Angliam (sie ab Anglis Saxonum 
vetusta gente dictam) misit Augustinum, Melytum, Laurentium, Ju- 
stum et alios ferme 40 monachos, deum timentes, ad verbum domini 
praedicandum et tidem Christi dilatandam. Erat tum ibi rex Adel- 
bertus in Cantua potentissimus, qui licet infidelis adhuc esset, habuit 
tarnen conjugem christianam, nomine Bertham, quam ea conditione 
a parentibus acceperat, ut ritum fidei ac religionis suae cum epis- 
copo, quem ei adiutorem fidei dederant nomine Ltithardum inviola- 
tum servare posset. Et ut docet Beda lib. 1. c. 25 venerunt, argen- 
team crucem pro vexillo et imaginem domini salvatoris in tabula de- 
pictam ferentes litaniasque canentes pro sua simul et eorum propter 
quos et ad quos venerant salute, domino supplicabant hoc modo: 
„deprecamur te, domine, in omni misericordia tua, ut auferatur furor 
tuus et ira tua a civitate ista et de domo sancta tua, quoniam pec- 
cavimus Halleluial" Vitam, inquit, apostolicam per omnia imitantes, 
verbum vitae, quibus poterant, praedicabant ac ea tantum, quae vic- 
tui necessaria videbantur ab iis, quos docebant, accipiebant, vivendo 
secundum ea quae docebant, paratum ad patiendum adversa per eam 
veritatem ^) quam praedicabant, animum habentes. Itaque in vetusto 
s. Martini oratorio ipsi primum congregati psallere, orare, missas fa- 
sere, praedicare et baptizare coeperunt, donec rege ad fidem converso 
maiorem praedicandi et ecclesias vel fabricandi vel restaurandi li- 
centiam acciperent. Credente vero tandem rege baptizatoque c§- 
perunt plures quotidie ad audiendum verbum confluere atque relicto 
gentilitatis ritu unitati se sanctae Christi ecclesiae credendo sociare. 
Quibus rex licet mire congratuletur^) neminem tamen ad christianis- 
mum cogebat. Didicerat enim a suae salutis doctoribus Christi famu- 
latum debere esse voluntarium non coactum. In tantum vero crevit 
in dies Anglorum devotio studiumque pietatis, ut veniente in villam 
quampiam clerico vel presbytero confluerent cuncti ad eins Imperium 
verbum audituri, libenter ea quae dicerent, audirent, libentius quae 
audire et intelligere poterant, operando sequerentur. 

Neque in patria tantum pietati studebant, sed et peregre pro- 
fecti quae domi suae didicerant, apud exteros populos quibus forte 
Dei verbum*) fuerat nunciatum, fervide docebant. Nam vel Beda 



^) Soll heissen: insigni. — ^) &: pro ea etiam veritate. — 3) a: con* 
gratularetur. — ^) Hier schiebt das prius scr. & a richtig nondum ein. 



•J82 M Ä y. 

tosto soloinno fuit Ani;lis« ut nobilos i^nobilos« olerici laiei, viri Ibe- 
nniino oortatim )H'rt'Knitt^tum innit nd tidom nputi oxtoix» vel diM*«»- 
ilaiu >ol dooondaiii. Tiulo .loaohiiuus Vailianus: ox Ih^itanniii« inqoit, 
ot Uxhornia \iriiia iiuuiaoboruin oxamina ivu lio alveario quodiiiii 
t'YohiYonint in (iallias atquo (lorniauias, iiuioquo ad nostnu» mqmö 
aotatoni inonastoria oxtant ad Sootos iiominata. 

In hoc ii;itur tidoi tVrvoiv in Mortininam vonit ot OfTo, rox Amt* 
liao« t)nao nt plnra roirna, ita vli^i'^'^^ Iiabnit ro^os. F.st autein Mor- 
tonauk^ia tnu-tns torrao iuxta lon^itndinotn intra Urisachauffiaiii a 
lUoYoha tl. ot Marrliani lladonsom ab Osa tluvio, iuxta latituiiin«m 
a Hhono tlu\ioad Uaiviniae svlvao iuura. Um' nomon ^ut soripti>rvi« 
tao sti l.tindolini niartyris nationo Sooti tostatur) «u^rtita« quin! ihi 
latnuios doi sorvos OiH'idobant. niortibus ot suK^tantiis mortiticatiimm 
praoMMitoin vitani sustontalumt. do quornnt« imiuit, ^onort' adbac nmlti 
sunt sn]»orstitos. i^raodis« rapinis, latrooiniis praotoivuntium viotitantM. 

Ad Itaoo latnu'inia boniinos alioqni nialos invitavit situs «o na- 
tura looi intra Kbonuni ot niontos ot id qunlomM tuno mairis quam 
nuno (iroptor inoolaruni dotootuin, iinaniviN ot nostra aotato latriH^iniis 
non oarot ao proptoioa intor alia int'anns ost UuMis aliquot tuKurionun 
ad ri|mn) Kboni non ita proonl ab Ar^^ontorato nouuno Huudo&feldeil 
fortasso a praosai;io. Nani ob lattivinia ibidoni )mtrata uumont uo- 
vom oa^ti ao n»ta tVaoti sunt anno Hni IMO Ar^ontorati st>ptoin, Or- 
tonbor>;[i unus, l.arao unus ao lU'ii^^'M^^li^* ^^t aftinnanint omiu^, do- 
lus ipso ad niortom usquo pornoi;a>it. Caotorum do (lonuaiüs iu oom« 
ntuno Caosir in oonunontariis: lativoinia« inquit« nuUain ImluMit in- 
famianu quao oxtra ttnos ouiusquo civitatis tiunt. oaquo iuvoututis ex- 
oroondao ao dosidiao min«iondao causa tiori praodioant. (\)rnolias 
Tacitus: pi^^runi. ait« quin imo inors (iornianis vidotur sudoroAOqui- 
roro. quod )Mssis sanguino luiraro, Poniponius Mohi: ius, iuquit« in 
viribus liabont« adoo ut no latrocinii quidom pudoat. Atquo do Mor- 
tonau^ia iccin'o i^ura dixinuis, quod scioli quidani pnk Mortonauicia 
soribonduni putant OrtonauKiani ab arco \\^) i>rtoulH>r|fo ot ia error 
ortuni babnit a scribis Maximiliani i'aosaris anno lUM, quando Pili- 
lip)H) coniito pabttino lUioui dovicto arconi ih'tonbor^ outn aliis eins 
ditionibus >ibi usur^nnit. 

Ilunc iiritur tractum obitor in^rossus OtVo ot anioonitato Uhu i^ap- 
tus ail ri]»ain ScJuitonw» tluvii monachorum babitationom oonstruera 
ooopit oanupio do suo i\onuno^) i>ffonis Collam vocavit idquo faotam 
ost circa tinoni vi tao s, lin»^orii Honumi opiscopi ot AuKloruin a|»« 
ütoli. qui vita nnirra\it anno Christi soxcontosimo quinto, Focaüs 
Konuuii in\iHM*ati»ris socundo, sopultus Komao in tvcU^sia a. IVtri. 
Vorunitan\cn oi vkAUu^ htcus proximus otiani ab (>frouo nominato« Mi 
Offonis Wihiro. Nanj \ilh) orat, quam vuli^us ^wiUT" nunoufuit et 
haoc ambo \oc'\ vocabuhi in usu rotonta sunt usquo ad tom}H>ni d. 
Iloinrichi Koniaiuninn in\poratoris, illins scilicot l^unboffrousis )MMr 
annos rriH\ quem ad moduni ox dipbmuttis Hagoborti illius umKui» 

\h : quod. -i sciliori — ^) a: a suo nomine. 



Zur Kritik der Annalen von Schultern. 283 

Othonum, Henrichi praefati constat. Praeterea rex ille Offo et al- 
teram exstroxit habitationem in ripa Chincingae flavii eiusdem trac- 
tns, quam similiter a suo nomine Offonis pyrgum, sive qnod idem 
est, Offonis bnrgum nominavit, valgns Offenbnrgnm vocat et Anthoris 
ignamm ab aperta porta nominatnm putat oppidum, id qnod vel signo 
monstratnr. Uno tantum lapide distat ab Offonis cella. Hnios pyrgi 
sitnm fuisse in platea, qnae est intra vetos palatinm et portam in- 
feriorem, qua ad Ghincingam itnr, dum ea platea lapidibus stemere- 
tur, maioribus nostris innotnit. Porro Ghincinga fluvius Mortenangiae 
maximus, piscosns et ratibos ex Hercinia silva Rhenom devehendis 
cum primis necessarius, prope Lossbnrg villam com arce obortus, per 
vallem a te cognominatam aliquot rivulis auctus descendit ad Hasela- 
cam, Cellam, Gengenbachum, Ortenbergum, et patriam meam Offonis 
pyrgum ac deinde per vicum Wilstät dictum ad Cheylam villam, sub 
qua Reno illabitur Argentoratum versus. Offonis huius moneta in 
hodiemum usque diem perdurat de puro et impermixto argento, an- 
geli imaginem utraque manu crucem ferentis habens, quomodo Gre- 
gorianos ad Angliam missos incessisse superius indicavimus. Hi vero 
nummi me puero ab Anglia Aoglici vulgo ißngelländer, sicut et ho- 
die et ab Offone veteres Offenburgenses vulgo Altoffenburger dice- 
bantur. Horum ingens numerus repertus est Argentorati in destruc- 
tione monasterii S. Clarae in Viridi, quod vulgo Werd vel Grien vo- 
cant et in aerarium perlatus anno 1526. Equidem reor, hanc pecun- 
iam ibi defossam fuisse ante eiusdem monasterii extructionem, qnae 
coepta fuit anno 1299 ab Hagenaugia vestalibus evocatis. 

Exigit hie locus, ut d. Joanni Trittemio, primum Sponheimensi, 
deinde vero Wirciburgensi abbati, viro alioqui praemodum docto re- 
spondeamus. Is de origine, progressu ac gestis regum, ducum gen- 
tisque Francorum per annos 1954 a Marcomiro primo usque ad Maxi- 
milianum linea recta numero 103® tria magna volumina ac demnm 
primi voluminis Breviarium ad d. Laurentium Wirciburgensem epis- 
copum scripsit sub anno Christi 1515. In eodem breviario contra ea, 
qnae iam scripsimus, sub Theodorico, eius nominis postremo Franco- 
rum rege, scripsit hisce verbis: bis temporibus claruit in Gallicana 
Francia sanctus Pirminius, ex monacho coenobii divi Mauri abbatis 
episcopus Meldensis in provincia Senonensi, vir doctrina et sanctitate 
admirabilis, qui pro Christi amore fidem rectam praedicaturus popa- 
lis in partes venit Germaniae, ubi multos verbo et exemplo ad cul- 
tum veritatis convertit et plnra monasteria fnndavit, MonasteriumqueO 
Schuterense, quod tribus supra Argentinam Alsatiae urbem constat 
miliaribus, idem sanctus Pirminius fundavit, quemadmodum in ori- 
ginali volumine vitae ipsius, quod penes nos habemus, clare scriptum 
invenitur. Nee obstat, quod eiusdem coenobii fratres, nuUa documenta 
veritatis ostendentes, dicunt Offenem Angliae regem, dum Romam 
devoüonis causa peteret, s. Gregorii papae primi temporibus, loci 
amoenitate provocatum, in eo constituisse monasterium, cum rex Offo 



^j a: Monasterium quoque Schuterense. 



et oius fn\toi\ sirul MH»ni lUxiiuus in ivijo HiKioborto« Koiimm petie- 
rint ot nionarlii t'aoti i'uorint nuno dtuniiü TOT« iiuUotiono Komnnorani 
quillt tu s. autoii) pa)^i (iroirorius, sub quo isti iliount n'^toui An^liae 
OfToutMu vonis^so Uoiuani« priiis obiorit. anno tUuiu UX\ iiuliotiono Ko- 
uuuionnn ortava. Pro assortiouo ui»Mni Si^obortus tostatur in ohnmiois. 
Ilaotouus ail \orlunu TrittiMnius ablms, oui honoiv praofato brtwitor 
n^spoutlontos ilioiinus, uoNtruni i>tlouon) Iouj^o aliuui ac prioriMU fuisse, 
quam tWrit ilb\ ouius Sigobortus («oiublaoouMs momiuit sub aimo TIC 
liirous. iMiorrt ot Opba iv^os AuKloruin luunaiu vouiuut ibiquo in 
uuumohos attonsi iviiri n\i;uin inilitaxorunt. ha Sit;obortus. 

Sotl tlo bis ipsis aportins srripsit \onorabiUs Uoda in ^ostis An^sliv 
nun Hb. ."». oap. 1^», qui \oro apuvl si«:obortuui ('hortet, «puil Ikniain 
(VoniViU ot qui apmi Si,!;:obortmu Opba« is apml IMam Offu sorihi- 
Cur ot lirot (li\0I^a >it niuninutu soriptura« iiWom tauiou rt^>tos sunt 
apuil utrun\quo soripttuvut. Priori^ uouiou uübi souaiv viib'tur quiHl 
uiKs \uli;o Conratl iliriiuus ot ita buuo uomiuavit Lambert us Heros- 
tobbM\Nis nu>naobu>, ilmu t'oro >ub ootlom aiuu) soripsit sio: i'unrat 
ro\ (lo Writaimia Komam ponoxit ibitjao attou>us ar monaohus tiit^ 
tus in ioiunÜN ot prooibus a\l ilitMu porxouit ultimum ot is fuit IUmIh 
tONto .Morriorum ro\, altor \oro Sij;:oborli, orioutalium Sa\onmn iv- 
gis, aillmr iu\onis« non autom tVatro.s. oum sori)^sit Tritt ouüus. l>e 
boo, iuquam. Opha \ol (UVa nou Uupiuuiur Sohutoraui, soti lUMMTono 
ut ro ita uomiuiN inolinatiouo «ItxorM^ «pii illorum porot^rinationom ilu- 
ilum au(ooo>Nont, iil quml o\ tomporum sup}mtatiouo imtoiv |H)(ost. 
Siquiiioiu nai;i»boiius illo ma.unus i\\\ prooos s. Arbojjrasti, Argontom- 
tou>is oplM'itpi, praoilium ^uum in \illa llorU'>boim, Uasiliousis diiH^- 
oosis, ilonaxit mona>torio iMVoni>-roIla sou Villa itioto« nt|HUo ab 
(UVono tniulatiuv, >od bio Pa.uobortus iu\ia Siijobortum ot Trittonuum 
uu^rtuus ost anno (1lri^ti iW,'), annis plus l.\ antoquam liuo illi Tun* 
nit ot 0\\\\ luunam oonoosNorint. IV uostn» autom Oflouo, quinl Ita* 
liam adiorit \ol numaobum oi^orit« ipso nuMiuam \ol loftit Trittoniiu!» 
vol a.Nsoruoro Sobutorani unt|uain. At oius OtVonis Ittoa» nomismata, 
si|;[na, soulpta ot piota, nu>numontum ot oum supoi^soriptiouo in huno 
usquo (liom ot oxtant ot monstrantur in Mt>rtonau^ia supor ri|iAs 
Cbinoin^ao ao Sobutorao tluviorum. Kt buius OtVouis oo^uati« no)HUi>s 
ar pnmnopotos t'uisso tVrunt 'V sauotus Ixiobarilus, similitor Aui^Iiae 
rox, NVilibablus, K\stottonsis opiM*opus, NVunibabUis ot NValpur^is, 
ttbbao llovtlonluMmonsos, praodirti Kiobanli sanoia siibolos o\ oonini;o 
NVunna, sororo NViuvnit'ritli, qui (Htstoa }»or (iro^orium soouuiiuut mi 
(lornninos inis>us lionmiu) nomine Uonit'aoius est luinouiiatus. 

Caotorum de boo, quo»! soripsit Trittomius: „Sobuterensi^s fratix^s 
suum ae proprium lu'^aiv fumlatorom, qiuMu ipso sauotum faeit IMr- 
mii\ium, quomadimutum« inquit« in <u*ii;inali voluniino vitao ii^us, 
quod ponos nos babomus« olaro scriptum iu\onitur" mK< )nuiois rt\s|Hm* 
sum esse vtdumus« btu* paoto. Ter tundatorom intollii^inuis oum, <|ui 
fumium tlat ot uoiv suo o\truendae babitationis priuu\ iaoit fuuda* 

'^ Mussto toruntur bois^ieu. Hei Mone: U'guntar. 



Zur Kritik der Annalen von Schuttern. 285 

menta, sed talis non fuit sanctus Pirminius -in his monasteriis, quo- 
rum in vita ipsius fit mentio. Quandoquidem ad ea paene universa 
prius fundata aedificataque s. venit Pirminius et genus vitae monasti- 
cum vel tenerum adhuc vel iam collapsum in ordinem redegit, Christi 
Cognitionen! ac fidem monachis ac plebibus inculcando. Hoc ipsemet 
de Dolegio, sti Mauricii monasterio, Treberensis dioecesis ita dicit: 
s. Pirminius id personaliter saepius visitavit, aliquamdiu inter fratres 
ibidem conversatus, et ad intentionem regula S. Benedicti mores fra- 
trum instituit, locum decoravit. Cum tamen illud monasterium 
numeret primo quoque loco, quae fundarit s. Pirminius et nihilominus 
ibidem ait: Dagobertum illud ipsum construxisse ac in Clodov§o Da- 
gobcrti filio: rex, inquit, Francorum Dagobertus anno dominicae 
Nativitatis DCXXVII, indictione Ro. decima quinta, fundare coepit 
monasterium Dolegiense, ordinis s. Benedicti, dioecesis Treberorum, 
consilio et auxilio b. Modoaldi, archiepiscopi , quod Sigebertus, rex 
Austrasiae, filius eins, consummavit et s. Pirminius praesul et mona- 
chus postea pulchrius decoravit. Haec Trittemius abbas, qui post 
Dolegiense ac Schuterense monasteria, monasterium, inquit, Schwar- 
tzach in dioecesi Argentinensi constitutum similiter idem sanctus funda- 
vit, quod scriptor vitae ipsius in originali testatur. Ad quod dicimus, 
quod si scriptor ille suus scribit, s. Pirminium fundasse vel extruxisse 
monasteria illa scilicet Schuterense, Schwartzbachense , Gengen- 
bachense, Maurimonasteriense, Nuwilerense, Murbachense, Augiense, 
Fabariense, seu alia quaevis plane improprie scribit et inconsulte. 
Nos certe legimus in veterum commentariis : Schwartzachensis mona- 
sterii fundatorera fuisse Ruthardum, Alsatiae ducem, cum Irmensinde 
conjuge, quando primum aedificaretur prope Kutzenhusen anno 
DCCXXini, s. Pirminius autem Alsatiam ingressus sit A® DCC XXX 
secundum Urspergensem Abbatem. Idem vero monasterium postea 
in eo loco ubi nunc aedificatum est adminiculo comitis Meygenhardi, 
desolato priori, sub anno Christi 817. Sic monasterium Gengeii- 
bachense a praefato Ruthardo^) a Zeringen fundatum est anno 74(), 
qui et cum Irmensinde conjuge ibidem fertur sepultus, de quo in 
Schuterano mortuario sub V. kls februarii sie legitur: „Ruthardus 
illustris dux et fundator multarura ecclesiarum". Sic Maurimonasteriura, 
cuius fundatorem Trittemius eundem facit Pirminium, dudum Maorus 
abbas, unde nomen traxit, a novo fundamento aedificasse noscitur, 
ut testatur Theodoricus, eins nominis postremus Francorum rex, sub 
anno Chr. 724, antequam Pirminius vel pedem in Alsatiam posuisset, 
Hildeberto Theodorici parente terram ad excolendum et commanen- 
dum concedente, ut in eiusdem Theodorici regis literis aperte scribi- 
tur. Sic quod Nova Villa, vulgo Nuwyler vocatum construi coeptum 
esse scribitur a Sigebaldo Metensi episcopo sub anno 600, sed post 
annos centum et quinquaginta exustum ac denuo restauratum, ubi 
fuere monachi de ordine s. Benedicti usque ad annum millesimura 
quadringentesimum nonagesimum septimum, quando sub Alexandro 



^) Alsatiae duce ac Co. ist durchgestrichen. 



286 Mftv. 

scxto Romano ot. Alberto« Arncntinensi, episcopis ab ordine ad cleri* 
C4ituin et a ououllis ad supiuura transmutati sunt quemadmodom ante 
et poMt s. Albaui MoKUutinensis, s. Ihirchanli HeTbipolensis, Elwan* 
KeusiH, Salt/ensis *), ("llni^ounumasteriensis, Sinsensis, Odcnbeimoii8i8| 
Wiäseuburffensis. Has transmutatiouos feoit et monaeboram lascivia 
et epis(H)|H)rum avaritia, (quibus ut omuia praesortim Romano epia- 
co|K), ita et baeo prt) auro venalia exstitereV) Sic Marbachensi 
moiuusterio fundator tribuitur KlH'rbardus« Alsatiao dux« Aethici ne- 
)MXM, t|uod tarnen Trittemius asserit beatum oonstruxisso Pinniniam, 
Si etiani ideni s. IMnuinius quaedam nove instituit monastoria, hoe 
tarnen nun fecit abs(|ue prineipum fundum ac faoultatom dantium vel 
auspicio vel auxilio. Kt sie ad iH)stulationeni Hertboldi ac Nebi« 
Alenianniae prineipum« iussn etiain faroli Martelli ad insnlam Bre- 
gantini laeus, «luae wüfio Auge voeatur, veniu qua repuriiata moiift- 
eboruin babitationeni ibidem ordinavit, monasteriumquo Augiense con- 
Mtituit, fbristi religionem populis vieinis pratHÜeavit. Triennio vix 
ibi eoinph^to a (Sodfrido Tbeobaldociue dueibus indo )>ellitur; ooi in 
monasterii reginiino vir aetiue sanetus Ktbt^ (|uem Ih Jaoobua Man- 
liuH fainilia dueit llabesburgti, suceedens a TbeobaUlo duco in oxi* 
lium mittitur, sed a ( -. Martello liberatur et eeeh'siao Argentoratcnai 
praetieitur anno diristi 7«U> iuxta Vrspergensem. Ab buius Ethonis 
nomine tum oppidum, tum monasterium voeabula traxerunt ut Kthen- 
beym et Ktbenbeymmünster vulgo dieta. Sic ad nutum 1). Wornheri« 
nobilis Franeorum domini, ut seriptor vitae i)Ksius indicAt, apud Honi- 
baebinm monaeborum ordinem instituit verbumquo tidei per viciniam 
praedieavit. i)e bis autem mont\steriis, quorum fundationem s. Pir- 
minio tribuit abbas Trittemius« nos ideo hitius seripsimus, ne vd 
plantatores vel rigatores suo privarcmus bonore. Fucrunt illi pii 
viri, ciui Dei servis loea ad eommanendum dedorunt: fuerunt et illi 
pii, qui eorum eonatum }>Gr industriam et operas sutks adiuvemnt, 
Talis« fatemur, fuit S. IMrminius, qui e monasterio s. Mauri Ande- 
gavensi leetus est episeopus civitatis, non longa '') a Lutetia Pariaio- 
rum distantis« quae gallice Meaulx, latine Moldcs voeatur. Ilic ad 
promovendam (^bristi tidcm m* vitam mouastieam tunc a fido ac vita 
Cbristiana parum diflferentem postbabito episcopio Gregorii II epia- 
copi |>ermissione ad (lallias ac (lommnias venit. Et hoc monasterio 
tum Offonis colla dicto per i})sum, ut Leo VUl Ro. episeopus tostatnr^ 
restaurato ac praodictis mona^fteriis in ordinem redactis^) voeanteqne 
loci domino, AYernbero, concessit ad IIornl>aebum, quod uno tantnm 
miUiario ab arco et oppido Riponte, vulgo Zweybruck*) distat, ami- 

^) Bei Mono AUschlich: Saltsburgensis. (i^cmeint ist Selx. — *) Die 
eingeklammerten Worte sind in der Hb. durchstrichen. — ') Muss longa 
heissen, wie das prius scr. hat. Bei a lautet die Stolle in unrichtiger 
Wortfolge: £t hoc predictis Monasteriis in ordinem Monasterio tum of- 
fonis cella dicto per ipsum, ut Leo VIII Ro. Episeopus testatur, restaurato 
ac — *) redactis. Die Worte predictis Monasteriis in ordinem sind an 
eine falst'lu» Stell«? geraten. — *^ a: Zweyprt\ck. 



Zur Kritik der Annalen von Schuttem. 28T 

cos habnit S. Bonifacinm, Moguntinom archiepiscopnm et Barcfaar- 
dam, Wirciburgensem episcopnm, cognatos. Ibi plenns dierom in 
Christo mortuns et sepultos est, cuins memoria tertio nonarum no- 
vemb. habetur. Hoc oppidnm in hanc horam vocatur ad sanctnm 
Pirminium, vulgo zum St. Pirmin, 

Hactenus responsum volumus ad obiecta Trittemii abbatis, at 
hie alia quaedam falsa multorum opinio a^olienda, qui putant Ger- 
manis nostris Christi fidem primo praedicatam per S. Wunifridum, 
cognomine Bonifacium, quo de praefati sumns et quem misere ad 
Germauos Gregorii n et ÜI, Zacharias quoque, Ro. episcopi. Eam 
opinionem confirmavit Matthaeus Palmerius in Eusebii supplemento 
sub anno Christi DCCXK dicens: Germani ad rectam fidem conver- 
tuntur. Verum quidem est, quod Bonifacii opera et doctrina quae- 
dam Germaniae gentes, sed non omnes ad Christi fidem et cultum 
pervenerunt, quaedam vero fide prius imbutae, a quibusdam tamen 
infidelitatis erroribus castigatae et ad normam Ro. tum ecclesiae re- 
stitutae atque in ordinem digestae sunt. Ab apostolorum tamen tem- 
pore plures extitere per Germaniam celebres ecclesiae, id quod vel 
ex supradictis colligi potest et praeter alios etiam s. Irenaeus, Lug- 
dunensis episcopus, qui anno Christi CLXXV damit, patenter osten- 
dit, adversus haereses lib. 1. cap. 3 dicens: et neque hae, quae in 
Grermania fundatae sunt ecclesiae, aliter credunt aut aliter tradunt 
neque hae, quae in Hiberis sunt, neque hae, quae in Celtis, neque 
hae, quae in Oriente, neque hae, quae in Aegypto etc. 

Et haec de fundatore initioque monasterii tui dicta sint. Ad 
progressum eins iam calamum figentes abbatum certum ordinem'), 
nomenclaturam, successionem, conversationem praestare neque pos- 
sumus neque pollicemur usque ad Conradum eins nominis secundum 
Salicum tribus duntaxat exceptis, Einhardo, Folkemo I et Ekeberto, 
quorum nomina et tempora principalibus conservata sunt literis. Et 
praeter hos tres decem adhuc reperimus huius monasterii inscriptos 
abbates Simonem, Joannem, Eberhardum, Landoldum, Rudolfiim I, 
Grimoaldum, Emichonem, Rudmannum, GotMdum, Folkemum ü, 
alios item, sex tantum, abbates inscriptos, qui tamen huius monasterii 
fuisse coniectantur, Theoboldum, Adelhelmum, Gotfiridum, Berthol- 
dum, Wemherum, Humbertum. De Simone scriptum est, quod fnerit 
huius loci devotus gubemator, de Eberhardo fidelis gubemator. Hos 
igitur decem et novem abbates usque ad Conradum Salicum per 
annos D huic monasterio praefuisse partim scimus, partim conicimus. 
Et hanc rerum incertitudinem mirabitur nemo, qui secum reputarit 
temporibus, bellis, ignibus consumi cuncta et in conservandis dictis 
factisque memorabilibus maiorum nostrorum incuriam, ne dicam 
negligentiam. 

Hoc autem monasterium ignibus et bellis maxime fuisse obnoxium 
et damna perpessum in sequentibus clarum erit. Id enim ab Offone 
primum Offonis Cella vocatum supradiximus, cuius anniversarius mor- 



^) a: opinio est amolienda. — ^) Hier hört das posterius scr. a auf» 



288 M a y. 

tis die« ad XVllll Kaleud. Fobruarii cum stipo viscorationoquo in 
l^aupores quotanins ibidem celebratur. His ignibus, bcllis, damnis, 
loui^a die nominari ab Offono dosiit ot ab intorlabcnto Üuvio Scbutora 
vocari coopit. Habet is Üuvius ortum suum in pede llarciniao sylvae 
proiw Swoykbusen vulgo dictam, villam dominorum a (ien>deseck, 
Ibi fontium oopia, ([ui in unum tandem contluentes alvoum Sohuterae 
üuvium effioiunt et sie per vallem, a se nominaUim vul^o Scbuter- 
Uial, delabens supra ad Laram oppidum tinditur (dividitur), luirto 
oppidum interhibente, parte pn\oterf!uente, infra oppidum iunctis 
rursum jwirtibus ad haue Offonis Cellju« seu Villam rapido cursu 
descendens jH^nneat, deiude sjiepe supertluens et exundans pn)xim6 
Ilundtsfelden, latrooiniis ut diximus infamem loeum Rbenum iuüuit. 
Habet baec Sobuterana vallis ad oeeidentem in iugo montis, vulgo 
Sobintberj? dioto, pervetustam ac munitissimam areem nomine Go- 
roldeseek si<* nominatam a (lenddo, ({ui fuit «lux exereitus Suevorum, 
(luibus et Privilegium primorum ordinum in proelio meruisse dioitur. 
Hie ^Vitikindum, Saxoniae dueem, oeeiilit, sed eontra Hunos in l*an- 
nonia pu^nans cum duobus tnntum exeroitum obeciuitans et eobortans 
interfeetus est sub ('an>lo ma^no anno 1>(XH\ de i\\io in visione ^Vetini. 

Huius an'is domini buius monasterii faeti sunt advocati )H)st 
dominos a TieresberK dietos anno Cbristi MlH'LXIl, quando Hein- 
ricus a TbiersberK oeeisus fuit in prvlio, (luod NValtberus a (leroldes- 
ecke episeopus eontra urbem Ar>;entinensem exoitarat. 

Ativoeatonnn offieimn erat in rebus seeularibus ad utilitatom 
monasterii gubernare ac omnia tueri, ne bis distracti abbates ot 
monaebi suum neKÜgerent aut minus faeerent officium «luod est: 
quaeriTO dei n*K»um sibi et aliis. Setl quoniam in suo statu porroa- 
net nemo et sua sorte nuUus est content us, <iui erant ad utilitatom 
quietenuiue advocati nionasteriorum sua tynuniide facti sunt bestes et 
cversores monasteriorum , id infm luce darius vix absque lacrimis 
lector diligens offendet. O (imun multa forent bic dicenda, imrao 
exclamanda in Abbates, nionacbos, advocatos, (|ni sua non, quae Jesu 
Cbristi, (luaerentes ad totius verae religionis excidium ansam dederunt. 

mors in Olla! 

Die Ilandscbrift entbält vom zweiten Buch noch cap, 1—4 
bis Quo sacro feliciter peracto in wörtlicher tU)eroinstinnnung 
mit dem Text bei Mone, weshalb es nicht notwendig ist, näher 
darauf einzugehen. Nur an einer Stelle hat die Handschrift 
eine kürzei^o Fassung cap. 4: nisi a sancto spiritu solemme 
officium decantari solet. 



Die 

Eeichsritterscliaft beim Ende des alten Eeichs. 

Von 

J. 6. Weiss. 



Als der Zusammenbruch des alten Reichs auch die Reichs- 
ritterschaft zu Boden riss, gab es ausserhalb ihrer eigenen 
Kreise wohl Wenige, die ihren Fall sehr bedauerten. In der 
That war auch das Fortbestehen der einstigen staatsrecht- 
lichen Stellung der Reichsritter nur auf dem Boden der alten 
Reichsverfassung möglich, und nachdem die letztere einmal 
nicht mehr gehalten werden konnte, blieb nur mehr die Frage^ 
ob die persönliche Unterordnung unter die Landeshoheit der 
Fürsten mit mehr oder weniger Schonung, die Aufhebung 
dieser und jener Rechte sofort oder allmählig, mit oder ohne 
Entschädigung zu erfolgen habe, und endlich vielleicht noch, 
ob es angehe, einen äusseren Schein der seitherigen Stellung 
auch ferner zu bewahren. 

Wenn man aber auch einig darüber ist, dass das Ende 
der Reichsritterschaft mit dem Ende des Reichs zur Not- 
wendigkeit geworden war, so ist es doch historisch nicht ganz 
gleichgiltig, ob damit der Todesstoss einem ohnehin schon im 
Absterben begrififenen oder einem an sich noch verhältnis- 
mässig lebensfähigen Gebilde gegeben wurde. Ersteres war 
die landläufige Annahme, bis durch des Freiherrn Roth von 
Schreckenstein „Geschichte der Reichsritterschaft" eine ge- 
rechtere Beurteilung angebahnt, und gezeigt wurde, dass un- 
ter allen überwuchernden Misständen noch ein gesunder Kern 
verborgen lag. 



290 J- ^' Weiss. 

Manchem mag es wohl überflüssig scheinen, dem erwähnten 
Werke noch etwas nachtragen zu wollen. Denn wenn der 
Verfasser es ablehnte, die Geschichte der Reichsritterschaft 
als ein Werk einzuführen, das seinen Gegenstand auch nur 
annähernd erschöpfe, so ist er eben allzu bescheiden gewesen, 
und man wird wohl sagen dürfen, dass er keinen Punkt von 
hervorragender Bedeutung übergangen hat. Aber das sehliesst 
nicht aus, dass dem in grossen Zügen gegebenen Bilde kleinere 
Züge nocli eingemalt werden können, die dem näheren Be- 
trachter interessant und vielleicht auch für den Gesamtein- 
druck nicht ohne Bedeutung sind. Ein Versuch nach dieser 
Richtung sollen die nachstehenden kurzen Ausführungen sein, 
die vielleicht besonders deshalb von einigem Wert sein wer- 
den, weil sie wesentlich aus fränkischen Quellen, namentlich 
solchen tles Kantons Odenwald, geschöpft sind, während Roth 
von Schreckeustein mehr aus schwäbischen geschöpft hat 

Mit Rücksicht auf manche Leser wird es nicht zu um- 
gehen stiin, dass ich neben Neuem auch bereits längst Be- 
kanntes wiederhole, doch soll das in möglichster Kürze ge- 
schehen. 

Bekanntlich bestand die Reichsritterschaft aus ca. 350 
reichsunmittelbaren, der Reichsstandschaft aber entbehrenden 
Familien in Schwaben, Franken und am Rhein. Ihre Organi- 
sation, wie sie sich seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts 
allmählig herausgebildet hatte, ist in Kürze darzustellen wie 
folgt: 

Entsprechend den drei genannten Gebieten, in welchen 
Reichsritter angesessen waren, bestanden drei „Ritterkreise*, 
der schwäbische, der fränkische und der am Rheinstrom. Je- 
der derselben zerfiel in Abteilungen, die „Kantone" oder „Orte" 
hiessen. Es umfasste: 

I. Der schwäbische Ritterkreis die Kantone 1) Donau, 
2) Hegau, Allgäu und Bodensee, 3) Neckar, Schwarzwald und 
Ortenau, 4) Kocher, 5) Kraichgau. 

II. Der fränkische die Kantone: 1) Odenwald, 2) Steiger- 
wald, 3) Altmühl, 4) Gebirg, ö) Rhön-Werra, 6) Baunach. 

III. Der Rheinische die Kantone: 1) Oberrhein, 2) Mittel- 
rhein, 3) Nioderrhein. 

Die einzelnen Familien, die mit ihren Besitzungen zur 
Reichsritterschaft immatrikuliert waren, standen in unmittel- 



Die Reichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 291 

barer Beziehung nur je zu ihrem Kanton. Sie wählten aus 
ihrer Mitte den Kantonsvorstand oder Ausschuss, bestehend 
aus einem Ritterhauptmann und einer Anzahl von Ritterräten. 
Je einer der Kantone eines Ritterkreises hatte als Vorort des 
Kreises zu fungieren, mit welcher Funktion in einem meist 
zweijährigen aber nicht ganz regelmässig eingehaltenen Tur- 
nus abgewechselt wurde. Hauptmann und Räte des Vorortes 
bildeten ohne Zuzug von Vertretern der anderen Kantone das 
sog. Direktorium des Kreises. In gleicher Weise wechselte 
das „General-Direktorium" der gesamten Ritterschaft unter 
den drei Kreisen, so dass Hauptmann und Räte des Vorortes 
des präsidierenden Kreises sich als „einer freien Reichsritter- 
schaft General-, auch N. N.'sches Special -Direktorium" be- 
zeichneten. ^) 

Das Generaldirektorium war freilich kaum mehr als ein 
Schatten und hatte als solches wenig mehr zu thun, als in 
Angelegenheiten, die die gesamte Reichsritterschaft betrafen, 
entweder schriftlich die Meinung der einzelnen Kreise zu er- 
heben, oder dieselben zur Beschickung einer gemeinsamen 
Versammlung, eines sog. Korrespondenztages aufzufordern. 
Wie wenig Machtvollkommenheit auch dem Spezialdirektorium 
eines Ritterkreises innewohnte, erhellt daraus, dass dasselbe 
durchaus nicht berechtigt war, den Kreis auf dem Korrespon- 
denztage ohne weiteres zu vertreten, sondern dass die Ab- 
geordneten zu den Korrespondenztagen von den Kantonen in 
der Regel besonders gewählt wurden. Ja selbst dann, wenn 
auf diese Weise die Vertreter der Kreise gewählt waren, stand 
es jedem einzelnen Kanton frei, noch ausserdem selbst den 
Korrespondenztag zu beschicken. Von diesem Rechte scheint 
namentlich der fränkische Kanton Odenwald, der bedeutendste 
unter den fränkischen Kantonen, gerne Gebrauch gemacht zu 
haben. Wir haben hier auch jedenfalls einen Schlüssel zu 
einer Thatsache, von der v. Schrecken stein erwähnt, dass sie 
ihm unerklärlich geblieben sei. Als nämlich 1814 die Reichs- 
ritterschaft Deputierte nach Wien sandte, um ihre Angelegen- 
heiten beim Kongress zu betreiben, waren dies nicht nur die 
Vertreter der drei Kreise, sondern ausser diesen noch ein be- 



^) Der Sprachgebrauch stand nicht ganz fest. Stellenweise nannte 
man auch den Kantons- oder Ortsvorstand als solchen „Direktorium ''. 



292 •^- G- Weiss. 

sondorer Vertrotor des Kantons Odenwald. OiFenbar handelte 
hier der genannte Kanton lediglich nach Analogie seiner Ge- 
pflogenheit bei den Korrespondenztagen. 

Wie die Korrespondenztage der puizcn Keichsritterschaft, 
so waren auch die Konvente der einzelnen Kreise, die von 
den betr. Spezialdirektorien einberufen wurden, lediglich eine 
Art von (Jesandtenkongressen, deren Besucher über gewisse 
ihnen erteilte VoUnuichten nicht hinausgehen konnten. Regel- 
rechte Abstimnmngcn konnten deshalb selten zustande kom- 
men. Wenn es in wichtigeren Dingen nicht gelang, Einhellig- 
keit zu erzielen, so verliefen diesellH?n eben im Sande, oder 
es that jeder Kanton was ihm gut dUnkto. 

Wie man sieht, fehlte es also der Gesamtkörperschaft so- 
wohl, als jedem der drei Kreise an einem kräftigen Central- 
organ. Anders war es mit den Kantonen, deren Vorständen 
es an der nötigen Machtvollkommenheit zu einer gedeihlichen 
Führung ihrer (ieschäfte keineswegs gebrach. Und es fehlt 
nicht an Beispielen, dass die Vorstände sich ihrer Rechte ge- 
genüber widerstrebenden Mitgliedern wohl zu bedienen wussten. 

Der Schwerpunkt der Organisation der Uittei*schaft lag 
also in derjenigen der einzelnen Kantone, und bei dieser müs- 
sen wir doshalb noch einen Auginblick verweilen. 

Hauptmann und lläte wurden auf Lebensdauer gewählt. 
Selbst wenn Amtsunfähigkeit infolge von Krankheit eintratr 
erfolgte kein förmlicher Rücktritt vom Amte (wenigstens was 
die Räte anbelangt), sondern es wurde das Kollegium nur um 
ein weiteres dienstfähiges Mitglied ergänzt. Wo, wie in man- 
chen Kantonen, neben dem Vorstand noch sog. Ausschuss- 
mitglieder oder Deputierte gewählt wurden, geschah dies zu 
dem ausgesprochenen Zwecke, den Kantonsmitgliedern der 
Reihe nach Einblick in die Geschäftsleitung zu gewähren, für 
den Fall, dass sie dereinst zur Versehung von Ratsstellen be- 
rufen sein würden. Demgemäss war die Amtsdauer dieser 
Deputierten kurz (gewöhnlich zwei Jahre) und unmittelbare 
Wiederwahl nicht üblich. 

Die gewöhnlichen laufenden Geschäfte unterstanden dem- 
Ritterhauptmann allein, dem hiefür in seiner Wahlkapitulation 
wohl in der Regel eine Art Geschäftsordnung gegeben wurde. 
Einem mir vorliegenden Exemplare einer solchen Kapitulation 
ist aber ausser formellen Vorschriften wenig zu entnehmen. 



Die Keichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 293 

Für Repräsentationsunkosten wurde dem Hauptmann ein Aver- 
sum gewährt, aus dem er aber nach dem eben angeführten 
Schriftstücke noch einen Privatsekretär zu besolden hatte. 
Die eigentliche Kantonskanzlei stand unter einem natürlich 
wiederum dem Ritterhauptmann untergeordneten Syndikus. 
Das Personal war natürlich nach dem Umfang der Kantone 
verschieden, doch erscheint als eigentlicher Beamter neben 
dem Syndikus auch bei einem grossen Kanton nur der Kas- 
sier, und vorübergehend ein zweiter Syndikus, sonst aber nur 
Unterpersonal. 

Wichtigere Gegenstände hatte der Ritterhauptmann schrift- 
lich oder aber mündlich im „Ritterratskonvent" mit seinen 
Räten auszumachen. Die Ratskonvente fanden nach Bedürfnis, 
mindestens aber zweimal jährlich statt und in ihnen wurden 
auch die Vorlagen für die Plenarkonvente der Kantonsmit- 
glieder vorbereitet, die mindestens alle zwei Jahre stattfinden 
sollten. 

Die Hauptthätigkeit der Kantone bestand einerseits in der 
Vertretung der reichsritterlichen Privilegien nach aussen, na- 
mentlich den Fürsten gegenüber, anderseits in der Ausübung 
des nur ihnen zustehenden Steuerrechtes in den inkorporierten 
Herrschaftsgebieten, sowie in der Durchführung solcher Mass- 
nahmen, die nur mittelst Steuererhebung ins Werk gesetzt 
werden, und deshalb von den einzelnen Herrschaften auf eigene 
Faust nicht durchgeführt werden konnten. In die Jurisdik- 
tionsrechte ihrer Mitglieder (die meist die vogteiliche Gerichts- 
barkeit sowie die allgemeine Zuständigkeit in Civilsachen, aber 
nur in wenigen Fällen den Blutbann innehatten) waren die 
Kantone nicht eigentlich berechtigt einzugreifen, doch hatten 
sie vielfach Gelegenheit in dieser Beziehung auf freiwilliges 
Ansuchen gute Dienste zu leisten. Endlich galt es noch, eine 
Reihe von einzelnen Rechten auszuüben und Obliegenheiten 
zu erfüllen, die hier nicht aufgezählt, sondern nur durch Bei- 
spiele angedeutet werden können. So besassen die Kantone 
z. B. verschiedene Patronatsrechte, die ihnen von inkorporiert 
gewesenen aber ausgestorbenen Familien überlassen worden 
waren, sie hatten die Kontrole über das Vormundschaftswesen 
in den immatrikulierten Familien, sowie über die Admini- 
stration von inkorporierten Gütern, die unter Sequester waren, 

Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. K. F. VHI. 2. 19 



294 J* 0- Weiss. 

uud ebenso la^ ihnen die Sorge dafür ob, dass reichsritter- 
liche Güter nicht in landsässige Hände veräussert wurden. 

Nicht eigentlich Sache der Kantone war die Vertretung 
der Keichsritterschaft ihrem kaiserlichen Überherrn gegenüber, 
doch fand auch hier oft ein unmittelbarer Verkehr statt, da« 
wie bereits gezeigt, die Centralvertretung der Ritterschaft 
eine zu schwerfällig arbeitende Maschine war. Bekanntlich 
war die Ileichsritterachaft zu regelmässigen Leistungen an 
das Iteich nicht verptlichtet, sondern gewährte nur von Fall 
zu Fall sog. Charit^itivsubsidien « die auf den Korrespondeni- 
tagen meist in persönlicher Verhandlung zwischen den Bevoll- 
mächtigten des Kaisers und den Abgesandtem der einzelnen 
Kreise bezw. Kantone bewilligt wurden. 

Wie die Verhältnisse in Vorstehendem dargestellt sind, 
so lagen sie etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Man 
kann sicherlich nicht sagen, dass die Verfassung der Reichs- 
ritterschaft geeignet schien, ein kraftvolles Auftreten der Kor- 
poration nach aussen zu ermöglichen, und man mag fUglich 
zweifeln, ob das Fehlen einer starken i'entralgewalt nicht 
auch dem Ansehen der einzelnen Herrschaften bei ihren Hin- 
tersassen eher nachteilig als förderlich war. 

Dass aber der geschilderte Zust^md ein Zustand des Ver- 
falles gewesen wäre, lässt sidi deshalb nicht sagen, weil er 
nicht aus einem besseren, sondern aus einem noch schlechteren 
entstanden war. Die Organisation der Reichsritterschaft hatte 
seit den letztverflossenen 200 Jahren freilich keine grossen 
Fortschritte gemacht, aber sicherlich keine Rückschritte. 

Und um gerecht zu sein, muss man bedenken, welche 
Schwierigkeiten einem Fortschreiten im Wege standen. Es 
genügt hier, darauf hinzuweisen, wie weit verstreut und wie 
gering an llmfang die einzelnen inkorporierten Herrschaften 
waren. Die Mitglieder konnten dadurch wenig Verkehr mit 
einander haben und blieben einander zu fremd. Nicht einmal 
bei Konventen und Kont^spondenztagen konnten sie sich all- 
gemein gegen einander aussprechen, denn wer nicht dringend 
genötigt war, diese Tage zu besuchen, that — von seinem 
Privat Standpunkt betrachtet — besser, zu Hause zu bleiben 
und den für den Durchschnittsgeldbeutel eines Reichsritters 
bedeutenden Aufwand der Roise zu sparen. Eine Zusammen- 
legung der reichsrittcrlicJien Herrschaftsgebiete, die diese Miss- 



Die Keichsritterschaft beim Ende des alten Reichs 295 

Stände beseitigt hätte, wäre nicht denkbar gewesen, selbst 
wenn die Territorialherren, durch und zwischen deren Gebiete 
die ritterschaftlichen Besitzungen verstreut waren, einen der- 
artigen Vorgang hätten begünstigen wollen, um ihre eigenen 
Gebiete zu arrondieren. Denn nicht Hoheitsrechte bildeten 
den Kern einer reichsritterlichen Herrschaft, sondern Grund- 
besitz. Und dieser Hess sich nicht so ohne weiteres an der 
einen Stelle aufgeben und an der anderen wieder beschaflfen. 
Waren nun die einzelnen Reichsritter für alle Zeiten genötigt, 
ihre Sitze inmitten der Gebiete übermächtiger Territorial- 
herren zu behalten, so war auch jeder darauf angewiesen, sich 
entweder mit demjenigen Fürsten auf guten Fuss zu stellen, 
von dem er zumeist bedroht werden konnte, oder aber mit 
dessen mächtigsten Widersachern. Denn der Schutz, den die 
Reichsgewalt dem Reichsritter gewähren konnte, war doch 
eigentlich nur von Papier. Es musste eben jeder selbst zu- 
sehen, wie er sich vor Schaden schützen konnte. Dass nun 
durch die Anlehnung der einzelnen Reichsritter an verschiedene, 
oft in ihrer Politik sich sehr schroflf gegenüberstehende Für- 
sten eine feste Zusammenfassung der gesamten Ritterschaft 
unter eine kräftige Centralstelle fast unmöglich gemacht 
wurde, bedarf keiner weiteren Ausführung. Besonders da 
wurde der Einzelne oft von den gemeinsamen ritterschaftlichen 
Interessen abgezogen, wo er genötigt war, bei einem Fürsten 
Hof- oder Kriegsdienste zu nehmen, was bei der oft geringen 
Ergiebigkeit der eigenen Einnahmequellen begreiflicherweise 
häufig der Fall war. 

Man darf wohl sagen, dass unter so schwierigen Verhält- 
nissen der Ritterschaft kein grosser Vorwurf daraus zu machen 
ist, dass sie es zu einer besseren Gesamtorganisation nicht 
brachte. Man kann sich sogar wundern, dass die verhältnis- 
mässig feste Fügung der Kantone zustande kam und sich er- 
hielt; ja dass die Reichsritterschaft überhaupt ihr Dasein bis 
zum Ende des Reiches zu wahren wusste. Es gab ja wohl 
kaum eine einzige reichsritterliche Familie, für die es nicht 
wenigstens zu irgend einer Zeit vorteilhafter geschienen hätte, 
landsässig zu werden. Wenn gleichwohl der Verzicht auf die 
oft dornenvolle Reichsunmittelbarkeit selten vorkam, so liegt 
darin doch ein Beweis für eine gewisse Kraft des reichsritter- 
lichen Wesens. Und wenn, wofür es an Anzeichen nicht fehlt, 

19* 



296 J* ^•' Weiss, 

die NeifTung einer Faniilio, landsässig ku werden, oft nur 
durch reoht^eitigos Eingreifen des Kantonsvorstandes vereitelt 
wurde, so ist dies ein gutes Zeichen fUr den Einfluss, den die 
Kantonsleitung nusUbte. 

Aber bei alleden) bleibt die Thatsacho bestehen, dass die 
Rcichsritterschaft um die Mitte des vorigen Jahrhunderts m£ 
eine Zeit zurückzublicken hatte, die keine nennenswerten Fort- 
schritte auhvios. Und man erkannt« wohl, dass Stillstand 
Rückschritt sei. Dazu kam nun, dass die von Frankreich ein- 
gedrungene Sitten Verwilderung, die sich in allen höheren 
Schichten der Gesellschaft breit machte, natürlich auch den 
reichsritterlichen Familien sich vielfach mitgeteilt hatte, wie- 
wohl solche, die auf dem liando, auf ihren Besitzungen blie- 
ben und mit den Höfen nicht in Berührung kamen, eine ge- 
wisse Natürlichkeit des Wesens und gesunde UrwUchsigkeit 
meist zu bewahren wussten. 

Eben die Besten unter der Ritterschaft schlugen in dieser 
Zeit oft einen Ton an, dem man entnehmen könnte, dass die 
ganze Korporation sich auf dem Wege raschesten Verfalles 
l)efunden habe. Dieser Ton zieht sich z. B. von Anfang bis 
zu Ende durch ein langes Schriftstück, die Gründung einer 
Ritterschulü für den Kanton Odenwald betr. *), er tritt in den 
Protokollen der Kittertage, in den Wahlkapitulationen der 
Kantonsvorstiinde zu Tage, und nicht minder in IVivatkor- 
respondenzen. 

Die Erkenntnis des €l)els pflegt aber der erste Schritt rar 
Besserung zu sein, und so war es auch hier. Von der Mitte 
des 18. Jahrhunderts ab begegnen wir einer Reihe von Er- 
scheinungen, die darauf hindeuten, dass die Reichsritterschaft 
ernstlich gesonnen war, ihre Verhältnisse zu bessern, ihren 
Bestand zu festigen. 

In erster Linie trat die Überzeugung zu Tage, dass es 
Not thue der Körperschaft neue Kräfte zuzuführen; sie wo- 
möglich auf eine breitere Grundlage zu stellen. Das im Jahre 
1750 errichtete neue Statut für alle drei Rittorkreise setzte 
deshalb die als Vorbedingung für die Aufnahme in die Reichs- 
ritterschaft vorgeschriebene Ahnenzahl von 1« auf 8 herab 



1) Kürzlich von mir in den Miticihmgon der GosoHsohatl f. deutsche 
Krziehungs- und Si^lmlgcschichto (1891, Hellt 2) voröifentlicht. 



Die Reichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 297 

und erleichterte auch sonst die Aufnahmebedingungen. Viel- 
leicht ging es hierin sogar zu weit, indem es von dem Aufzu- 
nehmenden nicht unbedingt verlangte, dass er ein zu inkor- 
porierendes Gut bereits besitzen müsse, sondern sich damit 
begnügte, dass er unter Umständen auch nur bis zur Erwerbung 
eines Gutes eine Geldkaution stelle. Das ganze Wesen der 
Reichsritterschaft war aber mit der Grundherrlichkeit so enge 
verwachsen, dass derjenige, der nicht thatsächlich Inhaber 
einer Grundherrschaft war, sondern nur die Absicht aussprach 
es zu werden, zur Aufnahme eben doch nicht genügend quali- 
fiziert zu sein schien. Abgesehen von diesem Punkte können 
die Aufnahmeerleichterungen des Statuts von 1750 nur ge- 
billigt werden als Massregeln die von richtigem Verständnis 
der Erfordernisse der Zeit zeugten. Und später ging man 
auf dem betretenen Wege noch weiter, indem man die Ahnen- 
zahl, die der Aufzunehmende nachweisen musste, auf vier 
herabsetzte. 

Schon oben wurde der Plan zu einer vom Kanton Oden- 
wald zu begründenden Ritterschule erwähnt. Das Schriftstück 
ist ein interessantes Zeugnis dafür, wie wohl man erkannte, 
dass die ganze Zukunft der Korporation von der persönlichen 
Tüchtigkeit ihrer Mitglieder abhänge. Mit Recht findet es, 
dass diese Tüchtigkeit in erster Linie von einer zweckmässigen 
Erziehung abhänge und dass eine solche bei der mehr und 
mehr überhandnehmenden Unterweisung der Söhne des Adels 
durch unlähige und oft gewissenlose Hofmeister sowie bei der 
oft mangelhaften elterlichen Aufsicht nicht erzielt werde. „Un- 
ter dem Vorwande derer Lehrstunden," heisst es, „wird der 
junge Herr von solchen Leuten den Augen seiner Eltern ent- 
zogen und die edle Zeit wird unter dem Lehrmeister und dem 
Lernenden geteilt und zu Üppigkeiten angewendet. Der erste 
unterhält sich mit den Domestiken weiblichen Geschlechts und 
der letztere mit den Lakaien und Bauernknechten. Ist etwa 
hernach unglückseligerweise das elterliche Haus- und Finanz- 
wesen derangiert, so wächst der junge Herr unter einer Art 
von Finanzoperationen auf, die ihm in erwachsenen Jahren 
anhangen und ihn zur Erholung und besseren Einrichtung 
untüchtig machen, denn er wird in selbigen von Jugend auf 
so habituell, dass alle besseren Exempel, Unterweisungen, Er- 
mahnungen und Drohungen, auch selbst die heilsamsten Real- 



298 J- G. Weiss, 

korrektionos entweder gar keinen, oder doch alsdann ent 
einen Eindruck machen, wenn der Schaden unheilbar ist, und 
die Passiva das Aktivum übersteigen. Dem Hof, der Kirche 
und dem Militärstand werden an ihnen Subjekta geliefert, die 
wegen des beständigen Derangements ihrer Finanzen zu allem 
Gebrauch untüchtig, ja sogar gotährlich sind, und ihrem Stand 
Unelire machen .... Dieses ist aber der Schade nicht alleiUi 
der bei gar vielen Ilausinformationen sich zuzutragen pd^^ 
sondern sie haben auch noch diesen Fehler, dass das Gate, 
so Gott und die Natur in manchen jungen Gavalier gelegt 
hat, nidit herausgeholt und cultivirt, sondern unterdri\ckt 
oder gar zum Bösen gewendet wird. Die Versäumung der 
guten Eigenschaften, wodurch sich öfters der ärmste Gavalier 
emporschwingen und sich für seine Familie glücklich und dem 
Publice brauchbar machen könnte, ist ein weit grösserer Ver- 
lust, als die .Vusübung der Laster und Untugenden Schaden 
bringen kann." 

Es muss darauf verzichtet werden, diese Probe aus der 
Begründung des Schulplanes noch weiter auszudehnen. Sie 
wird aber genügen, zu zeigen, dass man nicht im Unklaren 
darüber war, wo es fehle, und wo mit den Besserungsmass- 
regehl einzusetzen sei. 

Auch in die Einzelheiten des im (lanzen zweckmässigen 
Lelirplanes der projektierten Schule braucht hier nicht näher 
eingegangen werden. Doch ist es wohl von Interesse wenige 
stens darauf hinzuweisen, dass in der Begründung dieses Ix^hr- 
planes sehr entschieden das Bedürfnis in dow Vordergrund 
gestellt ist, einen „systematischen, sowohl theoretischen als 
praktischen Unterricht in der Cameralwissenscliaft*' zu ge- 
währen, ^sonderlich aber in der Kunst, Haus zu halten und 
eine Landwirthschaft wohl einzurichten und mit gutem Success 
fortzuführen". 

Man konnte sich übrigens der Tberzcugung nicht ver- 
schliessen, dass das wirtschaftliche (Jedeihen eines reichsritter* 
liehen Hauses auch in grossem Masse von der Tüchtigkeit 
seiner Hintersassen und seines Gesindes abhänge. Dies war 
der Hauptgrund für die Absicht, mit der Uittersohule auch 
ein \Yaisenhaus zu verbinden, aus dem ein Stamm von wirt- 
schaftlich tüchtig geschulten Leuten hervorgehen sollte, durch 
welchen der derzeitigen Klage abgeholfen werden könne, „dass 



Die Reichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 299 

der Mangel an verständigen und getreuen Arbeitsleuten vom 
Beamten und Verwalter an bis zum Stallbuben und der 
Schweinsmagd herunter allgemein sei, und die wenigsten Haus- 
väter und Landwirte mit ihren vorhabenden Verbesserungen 
fortkommen könnten, blos weil die benöthigten Dienstboten 
meistentheils in der Unwissenheit aufgewachsen und mehr in 
den Fehlern der Landwirthschaft erstarrt als einer guten Un- 
terweisung mehr fähig seien**. 

Leider gelang es nicht, das gutgemeinte Projekt durchzu- 
führen. Der Kanton Odenwald geriet in jener Zeit in schwere 
pekuniäre Bedrängnisse, die, wie es scheint, zum Teil auch 
auf Ursachen zurückzuführen waren, die mit den Reform- 
bestrebungen der Ritterschaft zusammenhingen. 

Allen Reformen zeigte sich der Geldmangel hinderlich. 
Wie ihm abzuhelfen sei, das war die grosse Frage. Bei dem 
geringen Umfange der einzelnen Herrschaften schien ein ge- 
nügendes Ergebnis selbst dann nicht in Aussicht zu stehen, 
wenn es etwa gelang, durch Hebung der landwirtschaftlichen 
Produktion die Hintersassen etwas leistungsfähiger zu machen, 
so dass man allenfalls wagen konnte, die Schätzung etwas 
hinaufzuschrauben. Hand in Hand mit den erhöhten Bedürf- 
nissen der Kantonskasse gingen die erhöhten Bedürfnisse der 
Mitglieder, teils zur Bestreitung des mit ihrer Ortsherrschaft 
verbundenen Aufwandes, teils zu Privatzwecken. Da schien 
es nur einen Ausweg zu geben: Heranziehung der Industrie 
neben der Landwirtschaft. Es eröffnete sich ein verlockender 
Blick in die Zukunft: Reichlicher Unternehmergewinn für die 
einzelnen Mitglieder; dichtere Bevölkerung, mehr und leistungs- 
fähigere Hintersassen, und somit mehr Schätzung für die 
Kantonskasse. So begannen einzelne Reichsritter nach dem 
Vorgang vieler Fürsten, Fabriken anzulegen — in grösserem 
oder kleinerem Umfang — und der Kantonsvorstand that 
was er konnte, um solche Unternehmungen zu fördern. Das 
ging sogar bis zur ausgedehnten Übernahme pekuniärer Ver- 
pflichtungen, namentlich in der Form der Bürgschaft für auf- 
genommene Kapitalien. Der Kanton Odenwald machte aber 
hiermit in den 1760r Jahren schlimme Erfahrungen. Nament- 
lich waren es in Holland aufgenommene Kapitalien für ein 
grosses Eisenwerk des damaligen Ritterhauptmanns, durch 
welche die Verlegenheiten herbeigeführt wurden. Ob dieses 



300 J* ^- Weilt. 

KisiMiwork von 1 lause aus ilio Bedingungen einer gedeihlichai 
Kntwicklung in sich trug ist jedenfalls 2u bezweifeln ; aber es 
wurde ihm die redliche Probe nicht gegönnt, indem die dar- 
zuh^iiu'uden Kapitalien nie rechtzeitig tlüssig wurden, so dass 
tlieuere Vorschüsse aufgenonunen werden mussten und eine 
ganze Reihe von unredlichen (Jeschäftsleuten in die Sache ver^ 
wickelt wurde, die natürlich gerne die (lelegenheit benutzten, 
sich auf Kosten des Fabrikbesitzers zu bereichern. Nicht un- 
wahrscheiidich ist es nach den Akten, dass die hoHändischen 
DarleiluM' selbst von unredlichen Absichten getrieben wurden, 
doch liesse sich ihr Verhalten zur Not wenigstens teilweise 
auch daraus erklären, dass ihnen Zweifel ük'r die Aussichten 
des Unternehmens aufgestiegen waren. Her Kantonssyndikus 
Dr. Jäger, der das (lesihäft mit den Holländern zustande ge- 
bracht hatte« wurde in Anklage/ustand gesetzt, da man ihn 
eines unverantwortlichen Leichtsinns beschuldigte; doch scheint 
es, dass dies Verfahren nur eingeleitet wurde, um eine Anzahl 
von unwillig gewordenen Mitgliedern zufriedenzustellen. Der 
Kantonsvorstand scheint von vornherein überzeugt gewesen 
zu sein, dass man Jäger nicht viel anhaben könne, und in 
der That kam auch bei dem Verfahren nicht viel heraus. Da- 
gegen wurde auf eine von etlichen Mitglicilern nach Wien 
gerichtete lU'schwerde durch kaiserliches Keskript vom IK Juli 
ITdS für die Zukunft die Darleihung von (Jehlern der Kan- 
tonskassen an Mitglieder tler Kantimsvorstände für die ganze 
lieichsritterschaft verboten. 

Ob tler Odenwaldischen Kantt)nskasse ihuiernde Verluste 
aus der Unterstützung industrieller l'uternehmungen ihrer 
Mitglieder erwuchsen, ist mir nicht bekannt. Sicher ist alter, 
dass die pekuniären Verlegenheiten wesentlichen Anteil daran 
hatten, dass die l{itterschule nebst den andern Anstalten, die 
mit ihr verbunden werden sollten, nicht ins Leben trat. Andere 
ähnliche Institute bestanden übrigens, wie v. Schreckenstein *) 
erwähnt, und scheinen gute Erfolge erzielt zu haben. 

Waren die Kantonsvorstände der (ibeizeugung, dass die 
erstreb(»nswerten Ueformen vor Allem bei den Verhältnissen 
der einzehu»n Mitglieder und ihrer Besitzungen zu beginnen 
hätten, so verschlossen sich auch viele - ja wie es scheint 

») A, II 0. 11, S. 487. 



Die Beichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 30 1 

^ie meisten — Mitglieder dieser Überzeugung nicht; und was 
mehr ist, sie handelten auch nach derselben, und oft mit gu- 
tem Glück. Dass sie ihre Verbesserungsmassregeln nicht in 
einem anderen als dem ihnen eigentümlichen Sinne unternah- 
men, also nicht etwa in liberalisierendem Sinne, sondern in 
dem einer strafferen Anhaltung ihrer Hintersassen zur Beob- 
achtung der ihnen von der Herrschaft gegebenen Ordnung, 
das ist ja selbstverständlich. Aber was geschah, das geschah 
in zielbewusster und zweckentsprechender Weise. Vor Allem 
wurden Rechtsprechung und Polizei dadurch verbessert, dass 
man sie durch fähigere Beamte handhaben Hess. Die herr- 
schaftlichen Amtmänner, die uns besonders seit dem Ende 
des 17. Jahrhunderts begegnen, waren anfangs, wie die Schult- 
heissen, als deren Nachfolger sie sich darstellen, durchweg 
Leute von sehr geringer Bildung und meist mit Nebenfunk- 
tionen beschwert, die sie vielfach von ihrem Amte abzogen, 
ja die gerechte Ausübung desselben unmittelbar gefährdeten. 
In den letzten Jahrzehnten des alten Reiches waren Beamte 
dieses Schlages freilich auch noch zu finden, aber nur aus- 
nahmsweise und in den kleineren Herrschaften. Die meisten 
reichsritterlichen Amtleute dieser Zeit waren Männer, die eine 
genügende juristische und geschäftliche Bildung besassen, um 
ihrem Amte mit gutem Erfolg vorzustehen. Freilich war die 
grössere Strenge, die sich in Rechtsprechung und Polizei 
kundgab, nicht recht nach dem Geschmacke der Hintersassen, 
die eine mildere Praxis gewohnt waren, und so konnte es 
nicht ausbleiben, dass überall da, wo der Beamte einmal über 
das Ziel hinausschoss, grosser Lärm geschlagen wurde, und 
dass überall da wo das Recht zweifelhaft schien, die Bauern 
sehr leicht geneigt waren sich an das Reichsgericht zu wen- 
den. Verschiedene derartige Prozesse sind mit diesem hohen 
Gerichte, das es ja nicht im Brauche hatte, etwas in abseh- 
barer Zeit zu erledigen, selig entschlafen, nachdem die Par- 
teien sich längst wieder in bestem Einvernehmen befanden. 
Gänzlich falsch wäre es aber, aus den Beschwerden, die die 
reichsritterlichen Hintersassen gelegentlich gegen ihre Herr- 
schaften und namentlich gegen die herrschaftlichen Ämter 
führten, zu schliessen, dass sie unter willkürlicher Handhabung 
des Rechts und der Polizei und unter schwerer materieller 
Bedrückunc: trelitten hätten. "Wenn man die Verhältnisse der 



302 J* ^* Woiss. 

Unterthancn eines Reichsritters mit denen der Gutsunterthanen 
eines norddeutschen Gutslierrn derselben Zeit vergleicht, wird 
man sie nach jeder Richtung als ausserordentlich günstig be- 
zeichnen müssen. Die persönlichen Freiheitsrechto der Indi- 
viduen unterlagen abgesehen von dem Erfordernis des Ehe- 
konsenses keinen nennenswerten Beschränkungen. Ab- und 
Zuzug waren durch nichts gehemmt, als durch verhältnis- 
mässig kleine Abgaben. Überhaupt waren die Abgaben nicht 
übermässig hoch, und von schweren Frohnden konnte auch 
nur in sehr seltenen Fallen die Rede sein. Sehr viele Herr- 
schaften hatten gar kein Anrocht auf Frohndienste zu Privat- 
zwecken und nur ein sehr beschränktes auf solche zu öffent- 
lichen Zwecken. 

Wenn die Unterthancn unter diesen Verhältnissen dennoch 
vielfach nicht zufrieden waren, und wenn für ihre Unzufrieden- 
heit noch ein anderer Grund gesucht werden soll, als die 
strenger werdende Handhabung von Recht und Polizei, so 
bietet sich uns ausser Geringfügigem und Zufälligem nur noch 
die Annahme, dass die ehemals den Unterthanen eingeräumte, 
nach dem 30jährigen Kriege aber allmählich abgekommene 
Teilnahme am Ortsgerioht noch nicht ganz verschmerzt war.*) 
Übrigens kann man durchaus nicht sagen, dass die Rcichs- 
ritter in der Art unpopulär bei ihren Unterthanen gewesen 
wären, dass diese später die Mediatisierung ihrer Ortsherren 
als eine Befreiung von ungebührlichem Druck bogrüsst hätten. 
Alan lässt sich zu leicht dazu verleiten, das Verhältnis der 
Reichsritter zu ihren Unterthanen vor der Mediatisierung nach 
dem schlechten Verhältnis zwischen Bauern und Grundherren 
(vormals reiclisritterlichen, wie vormals schon landsässigen) 
zu beurteilen, das in den Stürmen der Jahre 1848 und 1849 
zu Tage trat. Das war aber doch ganz etwas anderes. We- 
der für die gerechten noch für die ungerechten Forderungen, 
die die Bauern in der Revolutionszeit erhoben, waren in der 
Zeit des alten Reiches schon die Vorbedingungen gegeben. 
Die nach der Mediatisierung bestehen gebliebenen ölTentlich 
rechtlichen Abgaben, deren Beseitigung in der Revolutions- 

') Vgl. hierüber meine Ausftlhrungeu in dem Aufsatxc „Aus der Ge- 
schichte eines frilnki$chen Städtchens"^ in dieser Zeitschrift N. F. III, 2 



Die Beichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 303^ 

zeit mit Recht verlangt wurde, bildeten im vorigen Jahrhun- 
dert noch keinen Stein des Anstosses, weil ihnen damals noch 
entsprechende Leistungen der Grundherrschaften gegenüber- 
standen; die kommunistischen Gelüste aber, die sich 1848 so 
breit machten, waren zu Ende des 18. Jahrhunderts dem 
deutschen Bauern noch fremd. 

Sehr erschwert war die Aufrechterhaltung der Ordnung in 
den reichsritterlichen Gebieten dadurch, dass die höhere Ge- 
richtsbarkeit sich fast durchweg in fremden Händen befand; 
in den Händen von Fürsten, die ausser diesem Gerichtsrecht 
gar keine Beziehungen zum Orte hatten, und deren Beamte 
ihre Aufgabe entweder so auffassten, als ob es sich um mög- 
lichst gewinnbringende Ausbeutung eines nutzbaren Rechtes 
handle, oder aber versuchten an der Hand des Centrechtes 
für die Landeshoheit ihres Herrn in den ritterschaftlichen Or- 
ten Fuss zu gewinnen. In beiden Fällen war der Erfolg der, 
dass das Centgericht nicht das Ansehen genoss, das ihm ge- 
bührt hätte, und dass auch die niedere Gerichtsbarkeit des 
Grundherrn vielfach gestört wurde, indem ihre Zuständigkeit 
oft unter den leichtfertigsten Vorwänden bestritten wurde. 
Ich muss es mir versagen, diese Verhältnisse hier näher aus- 
zuführen, da ich sie schon früher*) an einem typischen Falle 
eingehend geschildert, aber auch angedeutet habe, wie es ge- 
gen Ende des vorigen Jahrhunderts den Anschein hatte, als 
sollten die fortwährenden Konflikte endlich eine gründliche 
Lösung erfahren. Die kurmainzische Regierung, deren Beamte 
nachgerade nicht mehr imstande waren, ihre Gerichtsrechte 
in den reichsritterlichen Orten regelrecht auszuüben, bot näm- 
lich schliesslich aus freien Stücken die Cent in diesen Orten 
den betr. Ritterkantonen zum Kaufe an, und wenn die Kriegs- 
wirren nicht dazwischen gekommen wären, so wäre das Ge- 
schäft zweifellos zum Abschlüsse gekommen, denn die Sache 
war schon so weit, dass die einzelnen Kantonsmitglieder be- 
reits sich mit Beschaffung der Kapitalien befassten, die sie 
als Beiträge zu der Kaufsumme an die Kantonskasse leisten 
sollten. Natürlich hätte die Abmachung noch der kaiserlichen 
Bestätigung bedurft. Es war natürlich nicht beabsichtigt, je- 
dem einzelnen Mitgliede in seinen Besitzungen den Blutbann 



Diese Zeitschrift N, F. HI, 2, S. 225. 



304 *'• ^* Weiai. 

zur eigenen Ausübung zuzuteilen, sondern die Kantonsvor- 
stände hätten das Recht in der Hand behalten. Aber zwi- 
schen ihren Centbea inten und den Ämtern der Mitglieder 
wären sicherlich nennens>Yerto Kon)|)etenzkontiikte nicht mehr 
vorgekonunen. Nach und nach wollte man versuchen, auch 
andere Inhaber der tk'nt in ritterschaftlichen Orten auszu- 
kaufen. Das Gelingen ilieses IManes >väre ein bedeutsamer 
Schritt zur Herstellung der vollen Landeshoheit der Reichs- 
ritterscliaft in ihren (lebieten gewesen. 

Wie hierin, so zeigte sich die Iteichsritterschaft auch son8t 
iK'strebt, Alles /u thnn >Yoniit sie ihre Landeshoheitsrechte 
weiter ausbauen konnte. Ich sage hier nur ^ausbauen**, weil 
die ixitterschaft ihre Stellung als eine landeshoheitliche that- 
sächlich bereits ansah. Ks wurde auch dieser AuiTtissung von 
allen Seiten Konzessionen gemacht. Selbst die Fürsten, die 
derselben ehedem in schrotVster Weise entgegengetreten waren, 
Hessen sie jetzt vielfach gelten, wo sie nicht gerade Zwecke 
verfolgten, mit Ki'icksichi auf welche es nützlich schien, sie 
zu bestreiten. Ja selbst in kaiserlichen lleskripten war vom 
„ritterschaftliclien Staate" die Rede. 

IVis Alles hindert natürlich nicht, dass thatsächlich zur 
vollen Landeshoheit noch mancherlei fehlte, was man suchen 
musste zu erreiclien. in erster iiinie erkannte man, dass es, 
wenn man die Prätension tler Landeshoheit erheben wollte, 
ein Unding sei. dass tue meisten Kantonsvorstände, und somit 
auch, je nachdem der Turnus tliese trat, die Kreisdirektorien 
und das (.leneraldirektorium keinen fe^vten Sitz auf eigenem 
ritterschaftlichem Uoden batten. Die Sitze der Kantonsvor- 
stände hatten bisher vielfach gewechselt. Teils waren sie dem 
jeweiligen Inhaber der Uitterhauptmannswürde gefolgt, teils 
beliebig nach Orten gelegt worden, die für den Verkehr der 
Kantonskanzlei mit den Mitgliedern günstig lagen, ohne Rück- 
sicht darauf, ob dies ritterschaftliche Orte waren, oder etwa 
Keichsstädte, oder gar Orte, in denen einem Fürsten die 
Landeshoheit zustand. Das wollte man ändern, und es war 
hier wiederum iWr Kanton Odenwald, der mit der That voran- 
ging und sich auf eigenem Hoden i^zu Kochendorf) einen feston 
Vorstandssit/ schuf, sich dadurch den vielfachen Rücksichten 
entziehend, die er als geduldeter (last auf fremdem Hoden 
l)ishcr zu nehmen j^ohabt h.:^t*e. Nebcni der projektierton 



Die Beichsritterschaft beim Ende des alten Eeichs. 305- 

Ritterschule und dem Waisenhaus, von denen schon die Bede 
war, sollten an dem neuen Kantonssitze noch andere Anstalten, 
die von einzelnen Mitgliedern nicht errichtet werden konnten, 
ins Leben gerufen werden. Freilich zeigten sich die Mittel 
des Kantons, wie schon dargelegt, diesen Plänen vorerst nicht 
gewachsen, und selbst die Einrichtungen, die man von vorn- 
herein traf, mussten nach einiger Zeit auf geringeren Fuss 
gesetzt werden. Immerhin blieb der Vorteil der gewonnenen 
grösseren Selbständigkeit des Kantons. Zwei andere Kantone, 
die noch kurz zuvor für ihre Kanzleien u. s. w. mit grossem 
Aufwand Gebäude auf fremdem Territorium errichtet hatten, 
bereuten dies nun, denn das Odenwaldische Beispiel leuchtete 
allgemein ein. Wie weit es vor dem Eintritt der Katastrophe 
noch thatsächliche Nachahmung fand, ist mir nicht bekannt. 
Wichtiger noch als die eben erwähnten Bestrebungen 
scheint die unverkennbare Thatsache, dass die Kantonsvor- 
stände mehr und mehr bemüht waren, ihren Geschäftskreis 
dem einer landesherrlichen Regierung zu nähern — natürlich 
soweit nicht die eigenen ortsherrlichen Rechte der Mitglieder 
im Wege standen. Die Art und Weise, in der dies geschah^ 
kann ja heute unsern Beifall so wenig finden, wie die gleich- 
zeitige Vielregiererei der Fürsten, nach deren Muster verfahren 
wurde. Allein die gute Absicht ist unverkennbar. Und da- 
bei wurden nicht etwa ältere und ernstere Aufgaben vernach- 
lässigt, sondern auch diesen wurde erhöhte Aufmerksamkeit 
gewidmet. Die Ausübung des Steuer- oder sog. Schatzungs- 
rechtes hatte früher Vieles zu wünschen übrig gelassen, da 
der Mangel zuverlässiger Kataster eine ausserordentlich un- 
gleichmässige Verteilung der Belastung bewirkt hatte. Die 
ersten Erörterungen über diesen Gegenstand und etwaige Ab- 
hilfe wurden schon auf einem Kreiskonvent der fränkischen 
Ritterschaft im Jahre 1722 gepflogen, und man kam von dort 
an bei allen Kreis- und Kantonskonventen auf die Sache zu- 
rück. Es waren auch alle Kantone von der Notwendigkeit 
einer Schatzungsreform überzeugt, aber tausend kleine Be- 
denken über die Art und Weise der Durchführung Hessen die 
Verhandlungen nicht vom Fleck kommen. Als jedoch in der 
zweiten Hälfte des Jahrhunderts überhaupt ein frischerer Zug 
in dem ritterschaftlichen Wesen sich bemerkbar zu machen 
begann, da brachte man es auch auf diesem Gebiete zu that- 



306 J- Q- Woias, 

süchlichen Ergebnissen. Und zwar griflf man die Sache gani 
gründlich an, indem man, wie sdion von vornherein vorge- 
schlagen war, eine stückweise Vormessung des gesamten Bo- 
dens der inkorporierten Herrschaften ins Werk setzte, also 
eine Massregel, die in vielen fürstlichen Herrschaftsgebieten 
erst ein tiahrhundert später zustande kam oder selbst jetzt 
noch nicht völlig durchgeführt ist. Ob die Yermessungsarbeit 
vollständig zum Abschluss gedieh, ehe die lleichsritter mediati- 
siert wurden, vermag ich nicht anzugeben, doch ist nachzu- 
weisen, dass sie jedenfalls weit vorgeschritten und wenigstens 
für manche Herrschaften beendet war, so dass sie hier bereits 
als Grundlage für die Verteilung der Schätzung verwendet 
wurde. Die Arlnnt war dadurch noch erschwert, dass in 
Franken fast buchstäblich jeder Ort ein anderes Mass in 
Übung hatte. Mit dem ortsüblichen blasse zu brechen, durfte 
man nicht wagen; anderseits musste aber doch auch wieder 
ein Normalmass die Vergloichung und Zusammenstellung Aet 
einzelnen Ergebnisse ermöglichen. So musste jedes Grund- 
stück nach dem Ort^ismasse und nach der als Normalmass an- 
genonnnenen Decimalruto eingetragen werden. Ähnliche Unn- 
ständlichkeiten gab es natürlich auch bei der auf die Ver- 
messung folgenden Taxation des Natural- und Geldertrages 
der Grundstücke in Folge der Verschiedenheit der Masse und 
der Währung. 

Die mit der Gütervermessung verbundene sorgfaltige Ver- 
steinung der Grundstücke besteht zum Teil heute noch. 

Mit der Aufstellung der Schatzungskataster und der da- 
durch bewirkten gerechteren Verteilung der Steuer auf die 
ritterschaftlichen Hintersassen war aber dem UeformlHMiUrfhis 
noch nicht ganz Genüge geleistet. Es blieb noch ein sehr 
wunder Punkt, den zu berühren die KantonsvorstÄnde sich 
aber nicht scheuen durften. Herkömmlicher Weise trug der 
Privatgrundbesitz der lleichsritter zu der Schätzung nur so- 
weit zwangsmässig bei, als er aus angekauften und vor dem 
Ankauf schatzungspilichtig gewesenen Bauerngütern l)estand. 
Von ihrem ursprünglichen Privatbesitz gaben die Herren die 
Schätzung nur wenn es ihnen beliebte. Dies zu thun scheint 

^) Nach einem Passus in einer Vertheidigungssohrift des schon er- 
wähnten in Anklagezustand versetzten Odcnwaldischen Kautonssyndikus 
Dr. Jftgcr. 



Die Heichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 307 

ursprünglich ein selten umgangener Brauch gewesen zu sein, 
der aber fast gänzlich abgekommen war. Nun waren aber 
die zu tragenden Lasten, sowohl an Gharitativsubsidien für 
das Reich als auch an eigenem Aufwand der Kantone derart 
gewachsen, dass die Kantonsvorstände nachgerade Bedenken 
trugen, den ünterthanen immer mehr aufzubürden und ihre 
Mitglieder nachdrücklich darauf hinweisen mussten, doch in 
billiger Weise an der Aufbringung der Schätzung auch selbst 
Anteil zu nehmen. Anfangs schien es wohl, als solle damit 
nicht viel erreicht werden; aber allmählich fügten sich doch 
die Mitglieder in die billige Zumutung, und in den letzten 
Jahren des Reiches war es so allgemein als eine Ehrenpflicht 
der Reichsritter anerkannt, auch selbst zur Schätzung beizu- 
tragen, dass die Kantonsvorstände es wagen durften, den noch 
widerstrebenden Mitgliedern mit Zwang zu drohen. 

Überhaupt war die (von Roth von Schreckenstein mit 
Recht getadelte) frühere Neigung der Reichsritterschaft, sich 
unter Berufung auf ihre Privilegien allen Leistungen für 
öffentliche Zwecke nach Möglichkeit zu entziehen, bedeutend 
zurückgetreten. Es zeigt sich das schon in einem äusser- 
lichen Umstände. Wenn es sich ehedem um die Aufbringung 
bewilligter Gharitativsubsidien gehandelt hatte, war der Ton 
der bezüglichen ritterschaftlichen Rundschreiben und sonstigen 
Schriftstücke stets völlig nüchtern und geschäftsmässig, mochte 
die Veranlassung zu der Leistung auch noch so sehr dazu 
angethan sein, eine Bekundung patriotischer Freudigkeit im 
Geben nahezulegen. Ganz anders in der Franzosennot des 
letzten Jahrzehntes im 18. Jahrhundert. Die ritterschaftlichen 
Rundschreiben jener Zeit atmen bei aller Klage über die 
Schwere der Leistungen eine warme Vaterlandsliebe. Und 
dass man nicht bei schönen Worten stehen blieb, sondern 
wirklich alle Kräfte anspannte, das wurde der Ritterschaft 
von massgebendster Seite ausdrücklich bezeugt; so von Har- 
denberg (1793) und vom Erzherzoge Karl (1800). 

Einige Schwierigkeit bereitete es der Ritterschaft, die 
schon die Bildung des von dem kurmainzischen Minister Al- 
bini organisierten Landsturms eifrig gefördert hatte, als sie 
dem Erzherzog Karl im folgenden Jahre ihre Mitwirkung zur 
Bildung einer Landmiliz zugesagt hatte und nun — zum er- 
sten Male — eine förmliche Konskription in ihren Gebieten 



308 •^' ^' Weiss. 

vorzunehmen hatte. Französische Agenten, die sich herum- 
trieben, suchten den Bauern einzureden, dass es darauf ab- 
gesehen sei, ihre Söhne zum Kriegsdienst ausser Landes .la 
verkaufen", und sie fanden nur allzu offene Ohren. So hatte 
die Ritterschaft alle Mühe, ihre Hintersassen zu beschwiditi- 
gen und sie darüber aufzuklaren, welche Absichten in Wahr- 
heit der Massregel zugrunde lagen. Aber darüber ging frei- 
lich die kostbarste Zeit verloren. 

Rasch folgten sich nun die Ereignisse, die das Ende vor- 
bereiteten. In Bezug auf diese habe ich der Darstellung Roth 
V. Schreckenstoins nicht viel nachzutragen. Ich möchte nur 
die Frage aufwerfen, ob nicht der Geschichtsschreiber der 
Reichsritterschaft die Bedeutung des Schlages, der diese schon 
vor der Auttösung des Reiches durch die Beseitigung der 
geistlichen Stifter und Krzstifter traf, doch etwas überschätzt 
hat. Die protestantischen Reichsritter hatten ja doch auch 
bis dahin nichts von diesen Stiftern gehabt, und dennoch 
würde es schwer fallen, nachzuweisen, dass ihre Familien sich 
in Folge dessen durchschnittlich in schlechteren Verhältnissen 
befunden hätten, als die der katholischen. Zweifellos waren 
ja die reichen Versorgungen, welche die Stifter überflüssigen 
Söhnen katholischer reichsritterlioher Familien gewährten, für 
diese Familien sehr bequem und angenehm. Aber die so ver- 
sorgten Söhne waren der Familie von keinem Nutzen mehr, 
während sie es immerhin hätten sein mögen, wenn sie ge- 
nötigt gewesen wären, sich zur Gewinnung ihres Unterhaltes 
in der Welt umzuthun und aus eigener Kraft etwas zu werden. 

Kntschieden wurde das Loos der Reichsritterschaft be- 
kanntlich durch den Armeebefehl Napoleons vom 19. Dezem- 
ber 1805. Schon im November al>er hatten die Besite- 
ergreifungen reichsritterlichen Gebietes durch die Fürsten be- 
gonnen. AVürttemberg hatte es am eiligsten; doch auch die 
anderen blieben nicht zurück; unter ihnen namentlich auch 
das bald wieiler von der Karte verschwundene Fürstentum 
Leintngen. Die meisten Reichsritter gaben sich keiner Illusion 
darüber hin, dass es mit jeglichem Rückhalt an der Reichs- 
gewalt vorerst vorbei sei, und begnügten sich mit formellen 
Protesten. Wenn aber manche ihre Unterthanen davon ab- 
hielten, der neuen Herrschaft den lluldigungseid zu schwören, 
wenn sie die mit Proklamierung der Besitzergreifuugspatente 



Die Heich^ritterschaft beim Ende des alten Reichs. 309 

betrauten fürstlichen Beamten vertrieben oder wenigstens die 
an den Rathäusern angeschlagenen Patente wieder abreissen 
Hessen, so mögen wir wohl, aus unserer Zeit zurückblickend, 
mit V. Schreckenstein urteilen, dass diese Handlungsweise 
unklug war, indem sie nur diente, das Los der vormaligen 
Reichsritter während der JRheinbundszeit um so härter zu ge- 
stalten. Allein wenn wir sehen, wie es bei den Besitzer- 
greifungen zuging, kann es so ganz unerklärlich nicht scheinen, 
dass der eine oder andere Reichsritter sich noch trügerischen 
Hoflfnungen hingab. Die Fürsten griflfen zu, wie es gerade 
der Zufall gab, und wären leicht einander selbst dabei in die 
Haare geraten. Wie wenig ein bestimmter Plan dem Ver- 
fahren zugrunde lag, zeigt der Umstand, dass manche Orte 
zwei- oder dreimal hintereinander von verschiedenen Fürsten 
in Besitz genommen wurden. Eine fränkische reichsritterliche 
Herrschaft z. B. wurde im November 1805 von Württemberg 
in Besitz genommen. Der betr. Kantonsvorstand erwirkte 
schleunigst ein Kammergerichtsmandat, mit welchem Württem- 
berg aufgegeben wurde, die Einverleibung rückgängig zu machen, 
und da dies natürlich nichts fruchtete, riss die Ortsherrschaft 
die angeschlagenen Patente ab und verbot im Einverständnis 
mit dem Ritterdirektorium ihren ünterthanen, irgend welchen 
württembergischen Anordnungen Folge zu leisten. Ähnliches 
wiederholte sich, als Württemberg im Dezember wiederum Be- 
sitz ergreifen wollte, und ebenso bei zwei Okkupationsver- 
suchen des Fürsten von Leiningen im Dezember 1805 und 
Januar 1806. Schliesslich wurde die erwähnte Herrschaft 
ganz in Ruhe gelassen bis sie nach Errichtung der Kon- 
föderationsakte des Rheinbundes sich definitiv in badischem 
Besitz fand. Wenn in solchem Wirrwarr Einige sich der Hoff- 
nung hingaben, dass Alles noch ganz anders kommen könne, 
so ist das gerade kein Wunder. 

Die Härte, mit welcher die Rheinbundsfürsten die mediati- 
sierten Reichsritter behandelten, hat Roth v. Schreckenstein 
gebührend beleuchtet. Das Schlimmste waren die Beein- 
trächtigungen der persönlichen Freiheit, Verbote aller inne- 
gehabten „ausländischen" (auch kaiserlichen) Titel und Orden, 
die Unterwerfung ihres Besitzes unter das gemeine Erbrecht 
des betr. Landes, die Aufhebung selbst privatrechtlicher Ab- 
gaben u. s. w., wie diese Massregeln von den verschiedenen 

Zeltschr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VIII. 2. 20 



Fürsten in ü:rössoroni oder geringerem Umfange durchgeführt 
>vur(len. NVenn man dagegen den Fahrnissbesitz der Kantons- 
vorstände versteigerte, so gab man damit doch deiyenigen, 
die ein Interesse an demselben hatten, die gewiss willkommene 
Gelegenheit, ihn /u erwerl>en. Dass die badische Regierung 
die Kiiekgabe des kaiserliehen Ordenszeichens verlangte, das 
für die Uänpter der reichsritterliohen Familien gestiftet war, 
und es sieh von denen, die es behalten wollten, nach seinem 
Materialwert bezahlen Hess, war wohl auch mehr ein Ausfluss 
bureaukratisoher Kümmelspalterei, als eine Chicane. Denn 
nach dem Ordensstatut von 1788 musste das Ordenszeichen 
nach dem Tode des Inhabers dem Kanton zurückgegeben wer* 
den, gehörte also nicht ihm, sondern dem Kanton, und wenn 
eine Liquidation des Kantonsvermögens statttindeu sollte, so 
gehörten die Ordenszeichen zur Masse. Das war wohl die 
zugrunde liegende Auflassung. Dass gleichwohl die Rückfor- 
derung besser unterblieben wäre, indem sie mehr verletzte, als 
manche wirkliche Misshandlung, soll natürlich nicht bestritten 
werden. 

(lehörten schon die eben berührten Verhältnisse nidU 
nu^hr eigentlich in den Iiahmen meiner Darstellung, so ist 
dies noch weniger der Kall in Bezug auf die Regelung, welche 
die Stellung der vormaligen Heichsritter später im Deutschen 
Bunde (Art. 11 der Hundesakte) fand. Hierher gehören würde 
nur das noch, dass die Ritterschaft, so lange die Verhältnisse 
noch im Schwanken und Werden begriffen waren, und so 
lange man iu>ch auf die Wiederherstellung des alten Reidies 
hoffte, also namentlich in der Kongresszeit, eifrig sich l>emUhte, 
ihre frühere Stellung wieder zu erlangen. Allein meine 
Quellen bestätigen hier im AVesentlichen nur, was schon be- 
kannt ist. Man suchte nicht nur die alten Vorivchte wieiler 
zu gewinnen, sondern auch noch einige Kuriatstimmen in dem 
wiederherzustellemlen Reichstage. Wer in den voi'stehenden 
Darlegungen gesehen hat, wie die Kntwickelung des reiclis- 
ritterlichen Wesens in der letzten Zeit vor seiner gewaltsamen 
Unterdrückung mich der Gewinnung voller Landeshoheit hin- 
drängte, wird diese Forderung begreiflich linden. Denn von 
dem DegritVe der Landeshoheit untrennbar schien der der 
Roichsstandschafl , und es war auch schon ein altes und in 
früherer Zeit dem Ziele wiederholt nahegekommenes Streben 



Die Keichsritterschaft beim Ende des alten Reichs. 311 

der Reichsritterschaft, diese zu erlangen. Hardenberg scheint 
es gewesen zu sein, auf den die reichsritterlichen Deputierten 
beim Kongress ihre besten Hoffnungen gesetzt hatten. Sie 
kannten ihn aus der Zeit seiner Verwaltung der fränkischen 
Markgrafschaften und glaubten ihm Vertrauen entgegenbringen 
zu dürfen. In der That zeigte sich ja auch Preussen inner- 
halb des Rahmens, den die Neugestaltung Deutschlands ge- 
währen konnte, den Interessen der Reichsritter nicht un- 
freundlich. 

Ehe ich den Schluss aus meinen Darstellungen ziehe, 
möchte ich nicht versäumen, nochmals zu betonen, dass es 
wesentlich fränkische Quellen sind, aus denen ich geschöpft 
habe, und dass ich also die Verhältnisse geschildert habe, wie 
sie sich in diesen spiegeln. Es ist nicht ausgeschlossen, dass 
ein tieferes Eindringen in rheinische und schwäbische Quellen 
den Eindruck, den ich gewonnen habe, noch mehren aber auch 
mindern könnte. Im übrigen bedarf es wohl kaum der noch- 
maligen Erwähnung, dass auch innerhalb Frankens die gün- 
stigen Erscheinungen, die ich feststellen konnte, nicht in je- 
der reichsritterlichen Herrschaft zu Tage traten, sondern dass 
bis ans Ende manche Mitglieder dem Bedürfnisse einer Auf- 
raffung herzlich wenig Verständnis entgegenbrachten. 

Mit diesen Einschränkungen glaube ich als Resultat mei- 
ner Untersuchung aussprechen zu sollen, dass der Zusammen- 
bruch des alten Reiches einen Regenerationsprozess der Reichs- 
ritterschaft im Keime erstickt hat, und dass diese als solche 
somit von der Bühne der deutschen Geschichte einen nicht 
unrühmlichen Abgang genommen hat. Dass ich nicht so viel 
von thatsächlich Erreichtem, als von ernstlichen guten Ab- 
sichten berichten konnte, ist ja richtig. Allein der Boden, 
auf dem der Regenerationsprozess vor sich gehen sollte, war 
das alte Reich und die alte Gesellschaft. Dass da selbst der 
schaffensfreudigste gute Wille auf unüberwindliche Hindernisse 
stiess, ist erklärlich. 



20 



Die Übergabe der Stadt Freibnrg i. Br, 

am 1. November 1713. 
Von 

Fr. von der Wongen J) 



Durrh (Ion Utroohter Friotlen von ihron bisherigen Verbün- 
deten verlassen, set/.ten Ostorroich und das Deutsche Reich 1713 
den um die spanische Köui^skrone entbrannten Kampf gegen 
Frankreich fort. Die kaiserliche Uheinarmee (49 000 Mann), 
welche der Prinz Kugen von Savoyen l)cfehligto, musste wegen 
ihrer Mindor/ahl und nuingelhafton Verfassung sich auf die 
Defensive beschränken, indem ihre Hauptmacht bei Philipps- 
burg und (vrabon Aufstellung nahm. Das französische Heer, 
an dessen Spitze der Marschall Duc de Villars stand, schritt 
dagegen im «hini zur Relagerung von Landau. Naclidem 
diese Festung am 20. August ihre Thore geöffnet hatte« er- 
hielt Villars von Ludwig XIV. den Hofehl, noch Freiburg zu 

1) Dio mit dioBor ttbergabe ? crlmmicno Thai des Stadtschreil>cr8 MayOTi 
welcher die weisse Fahne auf der Dresche aufpflanzte, ist mit einem legen- 
denhaften Nimbus umgeben worden, so dass sie einer aktcnrnftsaigen 
Prüfung unterzogen zu werden verdient, wie es in den nachfolgonden 
Blättern geschehen soU. 

Verfasser hatte sich Ülr diese Arbeit der ausserordentlich wohl- 
wonenden Unterstützung des K. und K. ()sterreichischen Kriegsarchiva in 
Wien zu erfreuen und ist dafür insbesondere dessen Direktor, dem Herrn 
General-Major v. Wetzer, zu ganz besonderem Danke verpflichtet. Von 
hervorragender Wichtigkeit ist das dort vorhandene, von dem kaiserlichen 
Kommandanten, dem Keldmarst^haU-Lieutenant Freiherrn v. Harsch, ge- 
führte Festungs- Diarium. 

Ferner wurde dem Verfasser dun*h die fürsorgliche Hand des hoch- 
verehrten Archivrats Herrn Dr. A. Schulte die Unterstützung des Gross- 
herzoglichen GeneraM^ndesarchivs zu Karlsruhe in dankenswertester 
Weise zuteil. Unter den von dort erhaltenen Quellen verdienen be- 
sonders hervorgehoben zu werden die von der Vorderiisterreichischen 
Regienmg unterm 1. Februar 1714 erstattete Relation über diese Re- 
lagerung, sowie die Regierungsprotokollü aus den Monaten September 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 313 

"erobern. War die kaiserliche Rheinarmee Ende August auch 
bis auf etwa 66 000 Mann verstärkt worden, so sah sie sich je- 
doch nach wie vor gegen die über 150 000 Mann zählende fran- 
zösische Streitmacht zur Defensive genötigt. Prinz Eugen 
beschränkte sich daher auf eine beobachtende Haltung, indem 
er die Mehrzahl seiner Streitkräfte für die Vertheidigung der 
Ettlinger Linien in Bereitschaft hielt. Mitte September zog 
Villars mit seiner Hauptmacht rheinaufwärts gegen Freiburg, 
während eine aus seinen übrigen Streitkräften gebildete Armee 
zur Beobachtung des Prinzen Eugen zwischen der Lauter und 
Moder stehen blieb. 



und Oktober 1713. Von den überdies aus dem Karlsruher Archive 
dem Verfasser zur Verfügung gestellten Unterlagen ergaben einige Bei- 
träge das Diarium eines Konventualen der Freiburger Propstei Aller- 
heiligen aus der Zeit der Belagerung, sowie die handschriftliche, aber erst 
späterhin bearbeitete Chronik des St. Clara-Klosters in Freiburg. 

Was die anderweitigen Freiburger Quellen anbelangt, so folgte Ver- 
fasser dieses Schreiber's noch unten zu citierender „Geschichte der Stadt 
Freiburg". Die von diesem Autor benutzten handschriftlichen Tagebücher 
von Freiburger Beamten und Bürgern hat Verfasser, mit deren Verbleibe 
unbekannt, nicht einsehen können. Die Freiburger Ratsprotokolle ent- 
halten aus den Tagen der Uebergabe der Stadt keine Einträge. 

Die Universitätsbibliotek in Freiburg besitzt aus der schon oben er- 
wähnten Propstei Allerheiligen einen handschriftlichen Sammelband, wel- 
cher u. a. auch eine „Descriptio obsidionis Friburgensis 1713* enthält, 
eine erst in späteren Jahren verfasste Skizze dieser Belagerung (nicht zu 
verwechseln mit dem oben angeführten Diarium), welche für vorliegende 
Arbeit gleichfalls Verwendung gefunden hat. 

An Druck quellen wurden benutzt, beziehungsweise sind in den fol- 
genden Blättern citiert: 

Bader, Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Freiburg, 1882/3, 11. Band. 
Becke-Klüchtzner, v. d., Stammtafeln des Adels des Grossherzogthums 

Baden. Baden-Baden, 1886. 
Cast, Histor. u. genealog. Adelsbuch des Grossherzogthums Baden. Stutt- 
gart, 1845. 
Courcy, Marquis de, La coalition de 1701 contre la Franke. Paris, 1886. 

I. Band. 
Fahnenberg, v., Clara von BemkasteU oder die Befreyung der Stadt Frey- 
burg von der Plünderung. Ein historisches Schauspiel in 5 Aufisügen. 
0. 0., 1807. 
— Genealogische Nachrichten v. d. Breisg. adelich. Geschlecht Mayer 

von Fahnenberg. Regensburg, 1809. 
Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen, herausgegeben von der 
Kriegsgeschichtlichen Abtheilung des k. u. k. Kriegs-Archivs. XV. 
Band. Wien, 1892. 



ai4 Fr. V. a. Wougcu, 

Am 20. September wurden die kaiserliclien Truppen, welche. 
unter dem (leneral Marquis Vaubonne die verschanzten Linien 
des oberen Schwarzwaldes bei Freiburjj: besetzt hielten, von 
• den Franzosen anj^e^riffen und zum IlUckzuge peniitigt. Die 
Fiviburp zuniichststehenden zwölf Bataillone warfen sich in 
diesen IMatz, während Vaubonne mit den übripen Trupinm 
seinen Rückzug bis llottweil fortsetzte. Nachdem Freiburg 
somit isoliert worden war, schritten die Franzosen am 21. und 
22. September zur Kinschliessung des Platzes. 

Mthnoirt^s nüHtairos rclatifs ü la sucoossion trhlspa^o soua l^oiiia XIV. 
H^ditt^s im IH^jnM do la (hiorro. (Frany,i»swches (JononUstAbswerk.) XI. 
Band. Taris. lvS57. 

Quincy, Marquis de, Histoire nulitairc du nVne de Iiouis lo Uraiul. YIL 
Hand. Paris. 172G. 

(lUcholicu.) M^moin'ä du martVhal Duo do lUclioliou. /woito Ausffabe. 
Taris, 17l>a. OIeraus)3ro}*ebon von (Jiraud do Soulavio. Die Memoiren 
(Und nur toilweiso Acht; hinsichtHoh dos Koldy.uKes 171S dürften sie 
wohl auoh aus früher vonlffontlioliten QuoHen {^«soitöpft haben. Dia 
erste Aus^rahe erschien 1790.) 

Der Sohlossberg bei Krtnburg. Fn^burger Adn^ss-Kalender 1844. (Bringt 
nur Auszüire aus dem folffiMuion, im Adn»ss-Kalender 1830 ersciiieno* 
neu Artikel.) 

SchrtMber, die Helajrerung der Stadt FriMburg i. %1. 1713. Adress-Ktüender 
IHtlO. (Dieser .\rtikel ist xiemlich wörtlich in SchrtMber*s folgende» 
Werk übernommen wonien.) 
— Geschichte der Stadt FriMburg im Hreisgau. KnMburg» 1857.8. IV. 
Teil. 

Theatrum Eun>j>aeum, Frankfurt a, M. XX. Ihvnd. 

(Villars). Anquetil. Vie du man^chal Duc de Villars. Kcrite par lui- 
m^nu>. Paris, 1784. U. Band. (Mit Benutisung von Vilhvni* hand- 
schriftlichem Nachhwse bwirbeitet.) 

(M^moires du Duc de Villars, in «wei .\usgaben erschienen: lallayo 1736 
und 1738, wenlen dem Abbi^ do Margon xugeschriebeu, enthalten 
aluT über die Belagt^rung von FrtMburg nichts nühen^s.) 

M^moires du Mar^chal de Villars, Berits par lui-mi^me, in der Nouvello 
collect ion iles nu^moirt^s p. s. i\ Thistoire de Franke. Herausgt^geben 
von Michaud u. Tonjoulat; 3. Serie. IX. Ikmd, Paris, 183». (Sind 
aus Anqut^til und den M<^moires du Duc de Villars xusammengestellt) 

Mt^moires du Mar^chal de Villars publii^s d^aprt'^s le manuscrit original 
par M. Le M*- de Vogü<^. lll. Band. Paris 1881). (Die AusgaW der 
MiMnoireu VillaiV, welche in der von Petitot veranstalteten ColUH'tion 
compl^te des Mt^moires etc. (Paris, I8li)— 20), 2. Serie, Band 
(>8- 71, enthalten ist, vermochte Verfasser nicht einzusehen ; sie kön- 
nen aber kaum mehr enthalten, als die voi-stehend citierten Ausgaben.) 

Zeitsrhrift. (WterriMchische, militiirische, JalirgAnge 1811-13. Neue Auf- 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 315 

Freiburg, der Sitz der vorderösterreichischen Regierung, war 
unter der französischen Herrschaft nach dem Frieden von 
Nimwegen durch den berühmten Kriegsbaumeister Vauban 
neu befestigt worden. Der Platz bestand aus der Stadt- und 
der Bergfestung. Die Stadt, am Fuss des Schlossberges ge- 
legen , umschloss ein Mauergürtel mit 8 .Bastionen und vor 
jeder der diese letzteren verbindenden Courtinen stand im 
Graben, der aus dem Dreisamflusse unter Wasser gesetzt werden 
konnte, ein Ravelin (halber Mond). Überragt wurde diese 
Stadtfestung von den Werken des Schlossberges. Auf dessen 
gegen die Stadt und die Dreisam ausspringenden Teile lag 
das in vier Abstufungen sich erhebende untere Schloss und 
weiter oben auf der Hochfläche des Berges das obere Schloss, 
zwischen ihnen ziemlich in der Mitte ein kleines Fort (das 
Salzbüchsle), mit beiden Schlössern durch eine doppelte Ca- 
ponniere verbunden. Die Besatzung des Platzes bestand nach 
dem Einmärsche der oben erwähnten Bataillone aus 9299 Mann 
(darunter 100 Dragoner) mit einem dienstbaren Gefechts- 
stande von 7829 Mann. Das Kommando führte der Feld- 
marschall-Lieutenant Freiherr von Harsch, ein gleich begabter 
wie energischer Mann, welcher von dem Prinzen Eugen die 
Weisung erhalten hatte, die Festung bis auf das Äusserste zu 
verteidigen. 

Es war allerdings von ausserordentlicher Wichtigkeit, den 
Feind vor Freiburg so lange wie nur möglich festzuhalten, 
um ihn zu verhindern, vor Eintritt des Winters seine Waffen 
noch weiter zu tragen und neue Erfolge zu erringen. Es 
war nicht ausgeschlossen, dass der Gegner, wenn Freiburg 
noch frühzeitig genug fiel, seine Armee über den Schwarz- 
wald an die obere Donau führte, was den Rückzug des Prinzen 
Eugen aus dem Rheinthale zur Folge haben konnte. Zieht 
man in Erwägung, dass auch für Österreich der Zeitpunkt 
zum Friedensschluss mit Frankreich nahte, so war es also 
von grosser Bedeutung, weiteren Fortschritten der feindlichen 



läge. Wien, 1835. II. Band. Enthält einen Auszug aus dem im 
Wiener Kriegs - Archive befindlichen Freiburger Festungs - Diarium. 
Auch lag dem Verfasser aus dem Nachlasse des 1891 verstorbenen Oberst- 
lieutenants Geres das Manuskript einer Schilderung der „Belagerung 
Freiburgs 1713" vor, welche an einer nicht zu ermitteln gewesenen Stelle 
schon vor 1882 veröflfentlicht worden sein soll. 



316 Fr. V. d. Wengen, 

Waflfen nach Möji:lichkeit ontjxoj»e«zuwirkon, um uicht die 
Basis, auf welcher die \'orhandlunü:en zwischen den Höfen 
von Wien und Versailles wieder aufjjenommeu wunlen, für 
den Kaiser sieh noch unvorteilhafter gestalten zu sehen, 
als sie es bereits war. Die strategische Lage sowohl wie die 
politische erforderten es demnach, dass Freihurg bis auf das 
Äusserste zu verteidigen war. Und unter diesem (tesichts- 
punkte hatte der österreicliische Kommandant zu handeln, 
wenn er sich nicht der Pflichtvergessenheit schuldig machen 
wollte. 

Harsch hatte sich, insoweit es die verfügbaren, leider be- 
schränkten Mittel gestatteten, nach Möglichkeit für den bevor- 
stehenden Kampf gorüstiit. Da ein AngrilV auf der gegen die 
olTene Kbene gerichteten Westfront der Stadfestung vom Ih'e- 
diger- bis zum Hreisacherthore als eine nahe liegende Even- 
tualität erscheinen musste, hatte Harsch vor dem Leopold- 
Bastion jenseits des Festungsgrabens am Fnsse des (ilacis 
mit dem Haue einer Lünette beginnen lassen, welche bei der 
Einschliessung dos Platzes zwar nicht ganz fertig, aber an- 
gesichts des Feindes noch vollendet wurde.*) 

Zur Wahrnehmung der Interessen der Civilbehörden und 
Einwohnerschaft während der Delagerung wurde aus Abge- 
ordneten der Regierung, der (ieistlichkeit, dos Adels und der 
Stadt eine Kommission gebildet, welche vorkommenden Falls 
mit dem Kommandanten sich ins Einvernehmen setzen und 
auf zweckdienliche Massregeln bedacht sein sollte. Seitens 
der Landesregierung •) wurden zu dieser Konnnission bestimmt 
der Kammerrat Freiherr von Wittenbach, sowie ilio Uegimeuts- 
(Uegiorungs-Mxäte Schmidt v. Ih'andenstein und v. Schutz. 
Der Hittorstand war vertreten durch seinen Präsidenten, den 
Freiherrn von Sickingen, die Universität durch ihren Rektor 
Dr. Stapf. Die städtischen Abgeordneten waren der Syndikus 

^) Die Ihnrisso dos lA'opold-nastions sind noch orhalton in dem Grund- 
stücke der Vülii riatonius. Herthold-Str. No. K»; die Lünotte la^j uugofiüir 
bei dorn jot/ijjon Ibuise No. 50 in dios«T Stnisso. — *) IVr Statthalter 
Raron von Kost luUto schon am 20. Soptonibor, wie der betretTeude Be- 
richt besagt, „ans trit*tigi»n (Jrilnden** Kreihnrg verbissen. An seiner Stelle 
führte der Kammerral Freiherr von Wittenbach den Vorsitz im Kollegium. 
Die Stene als KanzU'r der Uegiemng bekleidete v. Uottenberg. Daa soge- 
nannte Ueginientsliaus (Hegiernngsgebäude) war der Basier lief, heute 
ilas lUv.irksamt, Kaiserstrasse No 51. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 317 

B. Mayer, der Stadtschreiber Dr. Franz Ferdinand Mayer und 
der Rat Barth J) Aber so sehr auch der Kommandant von 
dem energischen Entschlüsse durchdrungen war, seinen Posten 
bis auf das Äusserste zu verteidigen, so wenig stimmten die 
Civilbehörden, die Landstände und die Einwohnerschaft mit ihm 
überein, indem sie weit davon entfernt waren, eine begeister- 
ungsvolle Hingabe für ihres Kaisers Sache zu bethätigen und 
nur unter dem Zwange der Diktatur des tapferen Feldmar- 
schall-Lieutenants V. Harsch den Anforderungen der gegebenen 
Notlage zu entsprechen wussten. ^) Das Verhältnis zwischen 
dem Kommandanten und den Behörden, beziehungsweise der 
Einwohnerschaft Hess daher die so wünschenswerte Einmütig- 
keit vermissen und gestaltete sich somit zu einem mehr oder 
minder gespannten. 

Bei dem Heranzuge des Kriegswetters hatten Viele aus 
dem umliegenden Land sich und ihre bewegliche Habe nach 
Freiburg in Sicherheit gebracht. Die Landleute flüchteten be- 
trächtliche Getreide- und Weinvorräte, sowie auch viel Hornvieh 
in die Stadt. Leider konnte das Getreide nur zum kleineren 
Teile vermählen werden, da Harsch noch vor Eröffnung der 
feindlichen Laufgräben den oberhalb Freiburg aus der Dreisam 
sich abzweigenden KanaF), welcher die Wassermühlen in der 
Stadt trieb, abschlagen Hess, so dass man nur auf die vor- 
handenen zwei Rossmühlen angewiesen war. Bei Beginn der 
Einschliessung der Stadt betrug der Mehlvorrat 10 100 Zent- 
ner ; der Fleischbedarf war auf vier Wochen gedeckt und Wein 
zur Genüge vorhanden.^) 

Den Damen der Honoratioren und Offiziere verweigerte 
Villars den Abzug aus der Stadt. In seiner Antwort auf das 
diesbezügliche Gesuch des Adels machte er für diese Ab- 



^) Den Vertreter der Geistlichkeit vermochte Verfasser nicht festzu- 
stellen. — 2j Schon der oben erwähnte General Marquis Vaubonne berichtete 
unterm 15. September von einer Deputation aus Freiburg, welche ihm 
bei dem damals drohenden französischen Angriffe „mit blass und er- 
bleichtem Angesicht eine Oration gemacht", worauf er ihr aber scherz- 
weise geantwortet, dass sie nichts zu besorgen habe. — ') Der heutige 
Gewerbskanal. — *) Mit dem Admodiator Mohr (in den Regierungsakten 
wird er Morenfeld genannt) war das Abkommen getroffen worden, dass er 
ausser dem täglichen Bedarf von 30 Zentner Mehl an solchem auch noch 
einen unangreifbaren Vorrat von 5000—6000 Zentner in Bereitschaft 
halten sollte. 



318 ^*r. V. d. Wongeu, 

lohmmg militärische (»ründo geltend und wies dabei zugleich 
auf das Beispiel des Markgrafen Ludwig von Baden hin, 
welcher 1702 bei der Uelagerung von Landau den Damen 
gleichfalls das Verlassen der Festung verweigert hatte. Nur 
hinsichtlich solcher Damen, welche der Entbindung nahe 
waivn, wollte der französische Marschall eine Ausnahme gelten 
lassen und ihnen Pfose erteilen, l^brigens gab er aber die Zu- 
sicherung, dass er der Artillerie ernstlich anbefohlen halw, ihr 
Feuer nur gegen die F(\stungs werke zu richten,*) Harsch Hess 
den so!nit zum Verbleiben in der Stadt genötigten Damen 
einen bombensicheren Raum am Schillerthore anweisen, welchen 
sie mit den Stabsoftizieren zu teilen hatten. 

Das Archiv der Regierung wurde in einem bombensicheren 
(icwölbe auf dem unteivn Schlosse geborgen. Harsch hatte 
ein solches schon vor der Kinschliessung des Platzens der 
llegierung zur Verfügung gestellt und sich auch zur Aufnahme 
der Uegierungsräte , deien Verpflegung aus ihren eigenen 
Mitteln vorausgesetzt, im unteren Schlosse bereit gefunden, 
dabei aber zugleich erklärt, dass er, wenn er die Stadt 
räumen müsse, entschlossen sei, in den Schlössern den Wider- 
stand bis auf das Äusserste fortzusetzen, wobei allerdings das 
Archiv vielleicht in die Luft gesprengt werden könnte. In 
Folge dessen war im Uegierungs-KoUegium die Flüchtung des 
Archivs nach der Schweiz in Erwägung gezogen und endlich 
auch beschlossen worden; da aber nicht rechtzeitig die ge- 
nügende Anzahl von Fuhrwerken beschaft't werden konnte, 
verzögerte sich die Abfuhr der Mitte September fertig verlockten 
Akten und musste schliesslich wegen der mittlerweile erfolgten 
Ankunft der französischen Armee vor Freiburg unterbleiben. 

Wie Harsch erwartet hatte, richtete der Feind seinen 
Angriff gegen die Westfront der Stadtfestung, und zwar gegen 
das Leopold -Dastion und das benachbarte (nördlich davon 

n \n einer Naclischrift xn diesem vom a. Oktober datierenden Aut* 
wortschreiben an die Herren vom Adel bat Villars dieselben, die l>amon 
seines Respekts %u versichern nnd ihnen sein lUnbrnern ansxnspriH^hen, 
dass er genötigt sei, ihnen die Abreise verweigern ku müssen. Militilrisehe 
Gründe sprachen aUerdings insofern t'ür diese Ahlohnnng, dass dor Jom* 
mer der Uamen aus den bevorxugten Ständen nicht ohne Kinthiss auf 
die Stimmung in der Stadt bU'ibcu und unter Umstunden xur Förderung 
der i' hergäbe beitragen konnte. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 31^ 

gelegene) Josef-Bastion.*) In der Nacht zum 1. Oktober be- 
gann der Feind mit der ersten Parallele in der Höhe vom 
Breisaeher Thore bis zum Predigerthore. Gleichzeitig wurden 
auch die Laufgräben gegen das obere Schloss eröffnet.*) 
Villars, welcher sein Hauptquartier anfänghch in Langen- 
denzlingen hatte, verlegte dasselbe demnächst nach Zähringen. 
Sowohl aus der Stadt, wie aus dem oberen Schlosse machten 
die Besatzungen wiederholt Ausfälle, um die feindlichen Be- 
lagerungsarbeiten zu zerstören. Nachdem die französische 
Artillerie am 5. Oktober das Feuer gegen das obere Schloss 
eröffnet hatte, begann sie am folgenden Tage auch mit der 
Beschiessung der angegriffenen Strecke der Stadtfestung. Am 
10. Oktober traten drei neue Batterien gegen die letztere ia 
Thätigkeit. Den 14. Oktober waren die französischen Angriffs- 
arbeiten so weit vorgeschritten, dass Villars am Abende dieses 
Tages zum Sturme auf die Lünette vor dem Leopold-Bastion 
und den dortigen bedeckten Weg schreiten konnte. Da der 
Verteidiger gleichzeitig einen Ausfall in dieser Richtung 
machte, kam es zu einem mörderischen Kampfe, welcher je- 
doch mit dem Verluste der heldenmütig verteidigten Lünette 
und dem Festsetzen des Feindes im bedeckten Wege endete. 

Harsch zeigte der für die Belagerungsdauer eingesetzten 
Kommission den Verlust jenes Werkes mit dem Bedeuten an, 
dass er trotzdem den Feind noch lange aufzuhalten gedenke. 
Am 15. Oktober lies er den bisher trocken gelegenen Haupt- 
graben der Stadtfestung unter Wasser setzen, zu welchem 
Zwecke die Dreisam durch die grosse Einlassschleuse beim 
Schwabenthore hereingeleitet, die kleine Ablassschleuse beim 
Predigerthore aber geschlossen wurde. In den beiden an- 
gegriffen Bastionen schritt man zur Herstellung vonAbchnitten*) 



') Heute steht auf demselben das Colombi- Schlösschen, Rottecks- 
platz No. 2. — ^) Als charakteristisch für die damalige bureaukratische 
Verwaltung mag hier nicht unerwähnt bleiben, dass die für die Besatzung 
des oberen Schlosses von der Kegierung beizustellenden Gelder nicht der 
Militärverwaltung anvertraut wurden, vielmehr musste mit denselben ein 
Sekretär (Steyerer) hinaufgehen, welcher während der Belagerung dort 
verblieb und nur von FaU zu FaU gegen Anweisung Auszahlungen machte. 
— ■) Nach der Relation der Regierung vom 1. Februar 1714 soU dem 
Vernehmen nach der als Platz -Ingenieur fungierende Oberst Graf de la 
Venerie diese Abschnitte nicht für gut oder nötig befunden haben. Die 
Anlage von Abschnitten kann Venerie unmöglich missfällig beurteilt 



3*20 ^''- ^'- ^' ^Venpon, 

und an der rückwärtigen alten Stadtmauer zur Anlage von 
Batterien. NVährend der Naolit wurden auf den Breschen mit 
Holz, IVehkränzen und anderen brennbaren Stoffen Feuer 
unterhalten. 

Da beim Beginn der Kinsohliessung der Platz überhaupt 
nur über einen Vorrat von kaum 1400 Zentner Blei vor- 
fügteM, hatte llarschsehon vor dem feindlichen Angriffe auf 
die LUnette (wie es scheint an» 13. Oktober^)) die Ablieferung 
des sämtlichen Fensterbleies von den Häusern der Stadt, 
welches in einer belagerten Festung für nülitiirische Zwecke 
verfallen war, verlangt, in der llotVnung, dass sich hienlurch 
1000 Zentner beschatTen lassen ilürften. IMe Hegierung machte 
hieri:egen eintlringliche Vorstellungen, indem sie auf den üh- 
len Kindruck hinwies, welche diese Massregel sowohl bei 
der Kinwohnerschal't wie bei der Besatzung hervorrufen mUs.^e, 
da aus einer solchen Anordnung auf die Krschöpfung der 
Muuitionsvorräte geschlossen werden könnte. Auch mit Uttck* 
sieht auf die nahende Winterszeit gab die Begiorung dem 
Kommandanten /.u bedenken, dass man auf einen Krsatz fUr 
die herausgenommenen Fenster bevlacht sein müsse, und machte 
sie daher den Vorschlag, dass aller acht Tage ein bestimmtes 
Quantum Blei zur Ablieferung gelangen sollte. Harsch wollte 
anfangs diesen Vorsti»llungen kein (ichör schenken, indem er 
sich auf den Befehl berief, dass er den Tlai/. bis auf das 
Äusserste zu verteidigen hatte. IKm st»iner in Frage stehen- 
den Forderung leitete ihn jedenfalls auch noch der (Jesichts- 
punkt, rechtzeitig seinen Bleivorrat zu vermehren, ehe er zur 
Räumung der Stadt und zum Rückzüge in die Schlösser ge- 
zwungen war. Schliesslich einigte nn\n sich aber dahin, dass 
innerhalb sechs Tagen 400 Zentner Blei geliefert werden sollten» 
widrigenfalls drohte Harsch, alle Fenster einschlagen und das 



haben; vioUoirht bostaiulon aber über einigt^ Kin/.olhoitou Meiminj»8vcr- 
schiiHlonhiMton. 

») Sioho ,,lVKI/üpo dos PrinziMi KujriMi". XV., 272. F^s ist also 
duri'biuis luolit zmroftoiul, woim dio Rojriorun.j; in ihror Uolation bo- 
hanptot, CS seien noch bodontondo lUoivorräto vorhanden gewesen, ala 
Harsch ilie oben zu erwähnende Forderuni» stellie, ltiH> Zentner Blei 
können überhaupt als kein genügendes Quaut\uu für die langten» Vertheidigung 
eines Tlat/es von dem Tnifange Freiburgs lu^tnu'htet werden. ■ - •) Wenig- 
stens wird in dem Kegiernngsproii^UoUe von diesem Tage jene Forderung 
das ei*ste Mal beliandel:. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 321 

Blei herausnehmen zu lassen, indem bei seinen eigenen Fenstern 
der Anfang gemacht und dies alsdann der Beihe nach fortgesetzt 
werden sollte. Die Regierung beschloss, dass zunächst das 
noch bei den Eaufleuten und im Eaufhause vorhandene Blei 
angekauft, das hierdurch nicht gedeckte Quantum aber nach 
Proportion der Fenster auf die Häuser der Stadt repartiert 
werden sollte. 

Da der Fleischvorrat zur Neige ging, erhöhte Harsch jetzt 
die tägliche Weinration für die Soldaten auf eine Mass und 
nahm auch auf die rechtzeitige Einlagerung grösserer Wein- 
vorräte im unteren Schlosse Bedacht, indem er am 13. Ok- 
tober zu diesem Zwecke die Lieferung von 1000 Saum for- 
derte, welche aus den Vorräten in der Stadt beschafft werden 
mussten. ^) 

Das Wetter war kalt und regnerisch; der herrschende Nebel 
begünstigte die Arbeiten des Feindes, welcher auf dem eroberten 
bedeckten Wege sechs Bresch- und sechs Mörserbatterien er- 
baute, die am 20. Oktober ihr zerstörendes Werk begannen. 
Dagegen ging der französische Angriff gegen das tapfer vertei- 
digte obere Schloss wegen der schwierigen Bodenverhältnisse 
nur langsam von statten. Der dienstbare Stand der Besatz- 
ung in der Stadtfestung betrug am 17. Oktober nur noch 
3501 Mann. Mehrfach entsendete Harsch geheime Boten aus 
der Festung, um dem Prinzen Eugen Bericht über die Lage 
von Freiburg zu erstatten. Am 15. Oktober Abends Hess er 
vom Münsterturme vier Raketen steigen, was vermöge der 



^) In der Relation der Regierung wird hierbei des Übelstandes Er- 
wähnung gethan, dass die von der Wache zurückkehrenden Soldaten, 
welche jedesmal mit 40 Schuss ausgerüstet worden, das übrig gebliebene 
Pulver und Blei in der Stadt zu verkaufen pflegten. — ') Es scheint 
beim Beginn der Einschliessung gewesen zu sein, dass von Seiten der 
Regierung die Anordnung erging, die Weinvorräte in der Stadt ohne 
Unterschied der Besitzer festzusteUen, um eine sichere Grundlage für die 
l^partition der an das Militär zu leistenden Lieferungen zu gewinnen. 
Der Stadtsyndikus Mayer wusste dies jedoch, wie die Relation der Re- 
iperung bemerkt, „wegen Particularinteresse" für die einheimischen Wein- 
vorräte zu hintertreiben. In Folge dessen mussten zunächst von dem aus 
der Umgegend in die Stadt geflüchteten Wein zwei Dritteile abgeliefert 
iRrerden, bevor noch von den städtischen Einwohnern ein Tropfen beige- 
tragen worden war. Aber auch Harsch gab aus seinen eigenen Vorräten 
Hunderte von Saum, mitunter Wein von der edelsten Sorte. Ein Saum 
hatte 80 Maass. 



;i*22 ^'r. v. d. Weiigcn» 

soiiu'r /oit mit iloiu OoiuTal Vaubonno getroffenen Ventbitdum 
als Si^u:U polten sollte, dai^s der Feind den bedeckten We; 
^ouoiinuoii liatto. Abor allo Hoflnung war x'ei^blich, e$bi 
kein Sukkurs. iVr \vatkiMv Harsoli wankte jedoch nicK s» 
dorn war simiumi Soldaten das orhobende Vorbild unersdlont^ 
lit'her Piliehttroue. Als er, von liieht gepeinigt, nicht geks 
konnte, liess er sieh tä^lieh auf die Wälle tragen, um dard 
eigenen An^ensehein von der Lage sieh zu Ul>erzeugefi w 
persönlieh siMne Anordnuni^en zu treflen.') 

llarseh liess die Behörden darüber nicht in Zweifel, te 
er /um äussersten entsehlossen war, wie er dies einer it 
den Tagen naeh dem Verluste der bekannten LUnette ka 
ihm erseheinenden l>ei)utation der llegierung*) erklärte* D^ 
selbe kam, um siel» bei ihm Hai /u erholen, was eventid 
mit den als iibertUissiir verbleibenden (ietreide- und MeM* 
Vorräten gesehehen >ollte, damit dieselben nicht in des Fi- 
des Hände tielen. Die Deputierten verbanden hiermit denVtf* 
sehlag, dass jene Norräte zur Bezahlung der noch ausstehd' 
den JSehulden der Kegierunii: veräussert werden dürften. HanA 
siu'aeh seine Verwunderung über diesen Vorschlag aus wi 
erklärte, dass alles, was in vier Stadt nieht aufgebraucht würfe, 
in das untere Sehloss zu sehatl'en sei; er werde sich zufolge 
der erhaltenen (hdre bis auf das äusserste verteidigen, vsägt 
Sukkurs kommen oJer nieht. l>ie Deputirten erklärten, nidl 
in militärisehe Angelegenheiten sieh mischen zu wollen, %hs 

M llarsili luuto siil». ^\i^' in „IVUl/iijro des Trin/on Kugon\ XV, 
•JST, luTiilitot \>inl. mit simiumu Stalv in dem Wacht hause am Christophi' 
thoro oi»»nUii'lu»s Kmlo dor Kaisor>tr;\>so^ etabliert : naeh Si'hreiher, »0^ 
schiihte der staili KreilMiri;'', IV., JM . wäre dagegen sein Quartier a 
einem engen (le\M»lbe nntev jenen» 'rhore gewesen. Auch das KarlsnlMr 
Tagebuch der rrop>tei Allerheiligen erwidmt unienn 12. Oktober, dM 
Harsch in einer ..spelnnca** bei jenem Thore wohnte. lUVhst wahxwMh 
lieh hat sich llar>ch. als das leindliche Artillerieteuor stärker wurde, ii 
einen kasemattierten Kaum zurücKgeiOiicn. Pas rhristophstbor, durch «tl- 
ches die lYanKturter I leerst rasse nach /.abringen tührte, lag nngfBhr h 
gleicher llidu» mit dem heutinen Nin///Vr'schen Hause, Koisorstraase No.i5* 
Als das erstere im Frühjahr ISJti abgebrochen wurde, erlmute aus dMMA 
Material der bekannte Woltimter Merian jenes Haus und U(^ xur ErmMT' 
ung an das einst dv>ri gestanilene Tlu^r den die lOcke ilborragenden tunih 
artigen Aufbau anbringen. — '^ Has Folgcuile ist dem Rotricrunga-lYol^ 
Kollo \oui Iv^. (Oktober entuounnen, wo der Kammerral Freiherr 
Wittenbach über diese Heputation berichtete. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 323 

i sie wünschten zu wissen, wie sie sich zu verhalten hätten, 
I iirenn die Stadt vor den Schlössern überginge. Harsch ent- 
I gegnete, dass sie sich in diesem Falle entweder kriegsgefangen 
j «rgeben oder rechtzeitig in das untere Schloss salvieren müssten. 
I Hierbei wies er zugleich auf die Notwendigkeit hin, dass je- 
, maud mit den für die Besatzung dieses Schlosses erfor- 
derlichen Kameralgeldern sich dahin begeben müsse. Die 
Deputierten entgegneten, dass diese Stelle im unteren Schlosse 
einem Rate nicht übertragen werden könne, da im oberen 
nur ein Sekretär amtierte*); wenn aber der Kommandant in 
das untere Schloss sich zurückzöge, fügten sie hinzu, wollten ihm 
auch die Räte dahin folgen. Harsch bedeutete ihnen, dass er 
wohl einen oder den anderen dort aufnehmen könne, aber 
doch nicht alle Räte mit ihren Familien. Da die Deputierten 
ihn aber auf die dieserhalb früher gemachte Zusage hinwiesen, 
so antwortete ihnen der Kommandant: wenn sie hit)auf woll- 
ten, könnten sie das Gewölbe, wo das Archiv lag, beziehen, 
aber im Falle eines Sturmes müssten sie selbst dafür sorgen, 
rechtzeitig hinaufzukommen, da er alsdann keine Zeit hätte, 
um sie benachrichtigen zu lassen. Dem Wunsch der Deputierten, 
den Kommandanten des unteren Schlosses wegen Aufnahme 
der Räte mit entsprechender Weisung zu versehen, gab Harsch 
nicht Folge. 

Am 21. Oktober forderte Villars den Kommandanten zur 
Übergabe der Stadt und der Schlösser auf, erhielt aber eine 
ablehnende Antwort. Harsch war entschlossen, zunächst die 
Stadt bis auf das Äusserste zu verteidigen, um sich dann in 
das untere Schloss zurückzuziehen und dort den Widerstand 
fortzusetzen. Harsch war demzufolge auch auf eine aus- 
giebigere Verproviantierung des unteren Schlosses bedacht 
und verlangte daher ausser dem geforderten Weine noch 



') Harsch hatte schon früher darauf angetragen, aber es hatte sich 
bisher kein Beamter zur Übernahme dieser Stelle gefunden. Daher klagt 
Harsch schon unterm 13. Oktober im Festungs-Diarium: „. • . . unter so 
vielen Räten hat sich nicht Einer, ja nicht einmal ein Sekretarius ge- 
ftinden, der seines Allergnädigsten Herrn Interesse hätte auf dem unteren 
Schloss beobachten wollen". Am 18. Oktober erklärte sich zwar der 
Rat Baron Girardi bereit, auf das Schloss zu gehen, aber nur unter der Vor- 
aussetzung, falls seine Effekten in der Stadt verloren gingen, dafür schad- 
los gehalten zu werden. Diesem Anerbieten wurde aber keine Folge 
gegeben. 



324 ^^* ^' <^* Weugen, 

Vorräte an (^geräuchertom) Fleisch , Krbson , Branntwein. 
Speck etc. hinaufgeliefort. Im Vertrauen auf Oott und ilie 
Tapferkeit seiner Soldaten erliess Harsch am nämlichen Tage 
(21.) für den Kall eines feindlichen (lenoralsturmes zu dessen 
Abwehr eine l)is)>osition und verstärkte die Besatzungen der 
bei einem französischen AnjiritTe besonders binlrohten Werke. 

Bevor aber noch diese Disposition zur Nieilerschrift ge- 
langte'), erschien bei Harsch eine Deputation der Uegierung, 
— aus den Iväten Kreiherrn v. Wittenbach, v. Schmidt und 
V. Schütz bestehend, — welche ihm namens der Freiburger 
Korporationen ein schriftliches (Jesuch überreichte, dessen 
IVtenten dem Wunsche Ausdruck galuMi, die Verteidi^rung ißt 
Stadt nicht bis auf das Äussersto fortgesetzt zu sehen. Es 
hatte damit folgende Uewandtnis. 

Angesichts der Kortschritte des Helagon^s hatten sich die 
Abgeordneten der (leistlichkeit, des Adels, der Univoi-sität und 
Stadt, welche die bekannte Komniission bildeten (spätestens am 
21. Oktober Morgens")) zu der llegierung bogeben und ersuchten 
dieselbe, dem Konunandanten vorzustellen, wio ungewiss der 
Ausgang des (loneralsturmes sei und wie die Stadt im Falle 
der Krstürmung mit Haub, Mord und Schändung heimgesucht 
werden könnte. Die IVtenten wünschten daher, von dem Korn* 
nmndanten zu vernehmen, ob er die Verteidigung bis zum 
äussersten auf die Stadt ausdeluien wolle oder ob sio nur 
für die Schlösser beabsichtigt sei. Zugleich sollte der Koni» 
mandant um seinen guten Hat für die Korimrationen und die 
Einwohnerschaft ersucht werden. 

Da die llegierung sich wohl bewusst war, dass sie weder in 
die militärischen Anordnungen sich zu mischen hatte und noch 
viel weniger auf eine Kapitulation hinwirken durfte, so erteilte 
sio der Deputation den Bescheid, ihre Wünsche in einem 
Schreiben niederzulegen, welches durch die Vermittlung der 
llegierung dem Konunandanten überreicht werden sollte. 

') „Ho vor dioso l>iapi>sition Aufzoichnimp fand", heisst os im Fostuugi* 
Piarium liintor der in Krago sU»hondon Disposition. ■ - •) Wonigstons ist 
das in Folge dieser Vorstellung eingertMehte schriftliche (iesuch am 31. 
der llegierung id»ergel»en wonlen, was spi\testou8 in den ersten Nach- 
mittugsstunden geschehen xu sein scheint, da nach dessen Kntgt^ginmahme 
das Uegienings- Kollegium den Heschluss t'assto, um & Vhr uachmittagt 
w ieder /.usamnien/.nt ret en . 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 325 

In Folge dieses Bescheides verfassten die Deputierten ein 
umfangreiches schriftliches Gesuch an die Regierung, in wel- 
chem sie dem Wunsche Ausdruck gaben, dass die Verteidigung 
der Stadt nicht bis zum äussersten fortgesetzt werden möchte, 
um sie vor den Schrecknissen einer Erstürmung zu bewahren. 
Vielmehr glaubten die Petenten, dass die Garnison sich auf 
die Verteidigung der Schlösser beschränken sollte, was die 
nämliche Wirkung haben würde, wie die Behauptung der 
Stadt. Wenn auch die letztere aufgegeben würde, so sei doch 
ihre spätere Rückgabe an Österreich nicht zu bezweifeln. Die 
Petenten ersuchten daher die Regierung, bei dem Feldmar- 
schall-Lieutenant V. Harsch dahin zu wirken, dass solche 
Massregeln getroffen würden, um die Stadt und ihre Einwohner 
vor zu grossem Verfall zu bewahren. 

Dieses Gesuch war es, welches die oben erwähnte Depu- 
tation dem Kommandanten überreichte, der es zwar las und 
auch behielt, darauf aber nur erwiderte, es sei noch nicht 
so weit, doch werde er vermöge des erhaltenen Befehls den 
Generalsturm abwarten.^) Er verband damit die Mahnung, 
dass man inzwischen zu den schon vor einigen Tagen auf 
das untere Schloss beförderten 1000 Zentner Mehl noch weitere 
1000 Zentner hinauf schaffen und ebenso den geforderten 
Wein, wie auch die verlangten Vorräte von (geräuchertem) 
Fleisch, Erbsen, Branntwein, Schmalz und ünschlitt dahin 
abliefern sollte. Als dringend notwendig erklärte es aber der 
Kommandant, dass ein Regierungsrat mit den für die Besatzung 
erforderlichen Geldern auf das untere Schloss entsendet würde. 2) 



^) In dem Festungs-Diarinm geschieht des Empfanges dieser Depu- 
tation nur in aller Kürze Erwähnung, indem Harsch die Entgegennahme 
jenes weitläufigen Gesuchs bestätigt mit dem Beifugen , dass er die Er- 
klärung ahgab, nicht gegen den ihm gewordenen Befehl handeln zu kön- 
nen, aber „anbey" die Abgeordneten consoliert habe , damit jedoch die 
Bemerkung verknüpfte, es sei nicht daran zu denken, dass man mit vieler 
Mannschaft aus dem Sturme in das untere Schloss kommen dürfte. Das 
übrige in Betreff dieser Unterredung ist der Regierungs-Relation entlehnt. 
Die Namen der Deputierten giebt nur das Festungs-Diarium an. — *) Hier 
folgt nun in der Regierungs-Relation die nämliche Entgegnung der Depu- 
tierten, wie sie schon bei der Abordnung auf Seite 323 gegeben. Auch 
die Erörterungen wegen Aufnahme der Räte im unteren Schloss und der 
Wunsch, dieserhalb den dortigen Kommandanten zu instruieren, wieder- 
holen sich an dieser Stelle. Es könnte allerdings zweifelhaft erscheinen,. 

Zelt§chr. f. Ge§ch. d. Oberrh. N. F. VIII. 2. 21 



32(i '•'r ^' ^^' W engen 

Soit dem *J2. Oktober waren die Franzosen damit be- 
schäftigt, iU>erKängo (Ibor den (Sraben gegen die Breschen 
der beiden angegriHenen Bastionen und des zwischen ihnen 
gelegenen Uavelin herzustellen, zu welchem Zwecke Tag und 
Nacht Faschinen versenkt wurden. Aber sowohl das in den 
(iräben steigende Wasser wie audi das vom Verteidiger gegen 
jene Arbeiten gerichtete Ueschützfeuer Hessen die letzteren 
nur hmgsam von statten gehen. Auf dem linken Flügel der 
feinilliclien Uehigerungsarbeiten lief das Wasser aus dem 
Festungsgrabeu durcli zwei AbtlussötVnungen über das Glacis in 
das Vorhuid, wesshalb die Franzosen /u dessen Ableitung einen 
tiraben anh^gten, was jedoch niclit den gewünscJ&tcn Erfolg 
hatte, da man dem Kanäle nicht die erforderliche Tiefe geben 
konnte, so dass der Verkehr mit den Laufgräben hier ge- 
hemmt wurde und der Feind oft bis an die HUften im 
Wasser waten musste. Da zu befilrchten war, dass der 
Verteidiger durch das Spiel seiner Schleusen den Wasserstand 
in dem Festungsgraben je nach belieben zu erhöhen oder in 
vermindern veruu>chte und hierdurch die Herstellung der 
(Jrabenübergänge iuu*h mehr erschwert werden konnte, so 
begannen die Franzosen oberhalb Freiburg bei der Kartlmuse 
mit dem li:iue eines Kanals, um die Dreisam in den GUnters- 
thaler Dach oder in das Landwasser bei Merzhausen abzu- 
leiten. Zwar liel das Wasser in dem Festungsgraben bis 
zum 'J8. Oktober um etwa einen halben Meter, aber durch 
den anhaltenden IJegen stieg es alsbald wieder, und zwar noch 
höher als zuvor. Dei diesem langsiimen Hange der Belager- 
ung wurde man am französischen Hofe schon ungeduldig, 
nicht nur weil die Jahreszeit bereits weit vorgerückt war, 
sondern weil der König auch wünschte, dass Villars' Armee 
sobald als möglich rheinabwärts mai*schieren sollte, um vor dem 
Kinrücken in die Winterquartiere die Pfalz noch vollends 
auszufouragieren. 

üb iUior diese FrA|re» am 21. Oktober Abermals in der niimlichen Weine 
verhamlelt wurde, wio bei der früheren Abordnung. Ha ein Hegierungii- 
protokoU ül»er diese Imputation vom 21. Oktober nicht vorhanden ist, mutt 
es dahingestellt bh'iben. ob die in dieser Ueziehnng unkhire Hegieningi- 
Helation hier auf frühere diesbexiigliche Verliandlungen /.urüokgreift oder 
ob sie vieÜeicht irrtümlicher Weise diese Krorterungi^n auf den 21. Ok* 
tober verlegt. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 327 

Inzwischen nahm die weitere Yerproviantierung des un- 
teren Schlosses ihren Fortgang. Die verlangten 1000 Zent- 
ner Mehl und „viele" Hundert Saum wurden hinaufgeschafft, 
ebenso die in der Stadt von Haus zu Haus gesammelten 
Vorräte an Branntwein, Schmalz, Erbsen, Speck und ge- 
räuchertem Fleisch. Es häuften sich daher im unteren 
Schlosse so viele Lebensmittel an, dass ein Teil derselben 
unter freiem Himmel liegen bleiben musste. Von den seither 
in den beiden Schlössern lagernden Vorräten hatte die Besatz- 
ung bis dahin noch nichts konsumiert, da die gesammte Gar- 
nison inzwischen durch die Lieferungen aus der Stadt verpflegt 
worden war. Die Bäckerei im unteren Schlosse übernahmen 
jetzt die Bäcker des Admodiators Mohr.*) 

Auch die für das untere Schloss bereit liegenden 5000 
Gulden (siehe Seite 323) gelangten nunmehr an diesen Ort 
ihrer Bestimmung, nachdem man in dem Sekretariats-Acces- 
sisten Maldoner endlich einen Zahlmeister zur Verwaltung jener 
Gelder gefunden hatte. ^) 

Indessen gestaltete sich die Lage der Stadtfestung bei der 
Erschöpfung ihrer Verteidigungsmittel täglich kritischer. ') Ein 
grosser Teil des Festungsgeschützes war bereits demontiert. 
Die Breschen an den Bastionen Leopold und Josef, sowie an 
dem zwischen beiden gelegenen Ravelin erwiesen sich schon 
am 27. Oktober gangbar; die feindlichen Graben -Über- 
brückungen waren jedoch erst bis zur Hälfte fertig. Harsch 
liess die Breschen durch Schleppverhaue sperren*), hinter wel- 
chen eine Brustwehr aus Brennholz aufgeschichtet wurde, 
welche bei einem feindlichen Angriffe in Brand gesteckt wer- 
den sollte. Ebenso wurden die in den Kehlen der Bastionen 
angelegten Abschnitte mit Baumästen bespickt. Zur Deckung 
des allenfallsigen Rückzuges wurden auf der rückwärtigen 
alten Stadtmauer acht Geschütze in Position gebracht. Zu- 
gleich liess Harsch mit der Überführung des in der Stadt 



^) Relation der Regierung. — ^) RegierungsprotokoU vom 20. Ok- 
tober. Die vor Maldoner dazu bestimmten zwei Beamten hatten die 
Übernahme dieses Postens abgelehnt. — *) Da in der Stadtfestung der 
Vorrat von Bomben zur Neige ging, wurden an deren SteUe kleine mit 
Pulver geladene Fässchen verwendet, welche mit einer kurzen Brandröhre 
versehen waren. — ^) Es wurden hierzu die Lindenbäume auf dem Rem- 
part verwendet. 

21* 



3:28 ^ *■• ^*« ^^ W engen, 

entbehrlichen Kriegsmaterials nach dem unteren Schlosse be» 
ginnen. 

Unterdessen wuchs bei (Ut Einwohnorsehaft täglich mehr 
die Besorgnis wegen des Schicksals der Stadt. Da Harsch 
auf das schriftliclie liesnch der l>eimtierten vom 21. Oktober 
bisher keine weitere Antwort erteilt hatte, so beschloss das 
Regierungs-KoIIegiuni in seiner Sitzung vom 26. Oktober, von 
dem Kommandanten eine Äusserung Ul)er seinen definitiven 
Kntschhiss einzuholen, und wenn er den (leneralsturm abzu- 
warten gesonnen sein sollte, die Anfrage an ihn zu richten, 
ob die Civilkorporationen vorkommenden Falls für sich mit 
dem Feind in Unterhandlung treten und eine Kapitulation 
abschliessen könnten. Auch der Uitterstands- Präsident Frd- 
herr von Sickingen richtete mit den anderen Deputierten*) 
die lUtte an die Uegierung, auf (irund des Gesuchs vom 
21. Oktober bei dem Kommandanten wegen einer „ehrlichen" 
Kapitulation wieder vorstellig zu werden, da ein Abwarten 
des (nMieralsturmes, dessen Ausgang doch sehr ungewiss sei, 
grosse (Gefahren in sich berge.*) Das Itegierungs- Kollegium 
beschloss daher, ungesäumt bei dem Kommandanten in dem 
obigen Sinne sich zu verwenden, und es wurde zu diesem 
Zwecke ein schriftliches Gesuch aufgesetzt, um dasselbe durch 
die Hate Freiherr v. Wittenbach, v. Schmidt und v. Schlitz 
überreichen zu lassen. Freiherr von Wittenbach war ohnehin 
zu dem Ivommandanten entboten worden, um in Anbetracht 
der zur Neige gehenden Hrotvorriite mit demselben wegen der 
HeschatVung von Mehl auf noch kurze Zeit zu beratschlagen. 

Harsch empting die Deputation") in Gegenwart des Generals 
Wachtcndonk und fertigte sie, olVenbar entrüstot über dieses 
Drängen der lU'hörden, ziemlich kurz ab. Indem er sie auf 
den vom Trinzen Eugen erhaltenen Hefehl hinwies, versicherte 
er sie, dass er, so viel von ihm „menschlicher weiss" abhänge, 

') „ . . . nobrn ilenon llorron Syiulirnton**, lioisst es in dem bctroffen- 
don Kogiorungsprotokono. — ') Das Hlatt mit diosem KintiHfro liegt in 
den Akten hinter demjenigen, welches das negierungsprotokoll vom ätu 
enthält; nnf th*r /.weiten Seite des ei'steren beginnt das Protokoll vom 
27. Oktober. Ks ist also wohl kanm y.weifenmft, dass der hier in Frage 
stehende Kintrag zum 2t>. gehört. ■ •) I>ie Uegiernngsakten geben über 
den Kmptang dieser I>epntatiou keinen Autsehhiss: das Obige ist dem 
KestnngS'Diariuni entnommen. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 329 

nicht die Absicht habe, die Stadt unglücklich zu machen. 
Zugleich betonte er die Bedeutsamkeit der Brotfrage und 
forderte darüber von der Regierung eine schriftliche Deduk- 
tion. Das von der Deputation überreichte Schriftstück las er 
zwar, gab es jedoch sofort zurück, da er die Petenten zu 
Anfragen und Verhandlungen, wie die hier in Betracht kom- 
menden, nicht als befugt betrachtete. 

Harsch wankte nicht in seiner Pflichttreue, obwohl am 
nämlichen Tage (26. Oktober) die Hoffnung auf die Rettung 
der Festung stark erschüttert wurde, da ein aus dem französi- 
schen Lager zurückkehrender Tambour die Nachricht über- 
brachte, dass Prinz Eugen wegen der Überlegenheit des Feindes 
keinen Entsatz wagen könne und dass bei Rottweil nur das 
Vaubonne'sche Korps verschanzt stehe. 

Die wachsende Sorge um das Schicksal der Stadt hatte 
zur Folge, dass die Deputierten der Freiburger Kommission 
am 29. Oktober sich zu dem Kommandanten verfügten, um 
seinen guten Rat zu erbitten, wie man sich allenfalls zu ver- 
halten hätte. Harsch erklärte, auf Grund des erhaltenen 
Befehls einen Generalsturm, welchen er mit Gottes Hülfe 
abzuschlagen hoffe, unbedingt abwarten zu müssen. Siege aber 
der Feind, so müsse sich derselbe „vor weiterer Stürmung" zu- 
nächst auf der Bresche einschneiden, und sei es seine Absicht, 
sich in das untere Schloss zurückziehen, wenn die Verluste 
der Garnison von solcher Höhe, dass sie nur noch für die 
Besetzung der Schlösser genüge. In letzterem Falle könnte 
die Bürgerschaft Chamade schlagen, Fahnen aufstecken und 
kapitulieren, „die Löblichen Wesen" (d. h. die Korporationen, 
welche die Deputierten vertraten) aber hätten sich alsdann 
kriegsgefangen zu ergeben. Die Deputierten waren hierüber 
betroffen und betrachteten diese Eröffnung als „eine sehr ge- 
fährliche Erklärung". Auf weitere Abmachungen ging jedoch 
Harsch nicht ein. Der Stadtmagistrat Hess aber infolge 
dieser Unterredung für den Fall, dass die Stadt geräumt wer- 
den sollte, zwei weisse Fahnen anfertigen.*) 



1) So nach der Regierungsrelation. In dem Festungs-Diarium geschieht 
des Empfanges einer Deputation am 29. Oktober nicht Erwähnung, son- 
dern erst unterm nächsten Tage, wie uns die Folge zeigen wird. Dass 
die Regierungsrelation sich im Datum irren sollte, kann wohl aus den 
folgenden zwei Gründen als ausgeschlossen erscheinen. Erstens berichtet 



330 ». ▼. J. Wcngcn. 

Schon hier tritt bei Harsch der Entschluss zu Tage« bei 
dem oventuollon UUck/ugo in die Schlösser wegen der Über- 
gabe der Stadtfostung nicht mit dem Feinde in Unterhand- 
lung zu treten, indem er befürchtete, man werde französischer» 
seits nur unter der Bedingung, dass gleichzeitig auch die 
Bergfestung kapitulierte, darauf eingehen. Er durfte daher 
weder Chamade schlagen, noch die weisse Fahne aufpflanztti 
lassen, was zur Quelle höchst uneniuicklicher Differenzen 
hätte Anlass geben können, da der Gegner in diesem Falle 
wohl zu der Voraussetzung berechtigt gewesen wäre, dass der 
österreichische Kommandant den Platz in seiner Gcsamtheiti 
mit Kinschluss der Schlösser, zu übergeben gesonnen sei. Vor 
dieses Dilemma gestellt, zog es also Harsch vor, eintretenden 
Falls die Stadt festung zu räumen, ohne dieserhalb mit dem 
Feinde in Verkehr zu treten und es dagegen den städtischen 
Behörden zu überlassen, unter Beobachtung der völkerrecht- 
lichen tiobräuche die Stadt an dio Franzosen zu Übergeben. 

Nach den Beobachtungen, welche man vom MUnsterturm 
und den Wällen machen konnte, schienen die Franzosen be- 
reits mit den Vorkehrungen zu einem Geueralstunne be- 
schäftigt zu sein.*) Harsch erwartete einen solchen bereits 

das Sitzungsprotokoll dor RcKioruug vom 2^.)., dass dio Deputiorton re- 
ferierten, (ieneral Harsch habe verüioliert, auf dio lAbliehen Wesen und 
andere corporn /eitlieh ym retlektieren, dermalen sei es aber noch xa 
frühe, da der Feind mit seinen Arbeiten nur langsam vorwärts komme. 
Ilierxu fasste das KoUogiuni die Resolution, dass naeh Vollendung der 
iSallerie (des (irabenübcrganges) unter Zuzug der l>eputierteu der andern 
Corpora bei dem lioneral eine weitere Heprftsentation gt^schehen solle. Der 
obigen Abmachung wegen der Kapitulation wird hier xwar nicht er^ 
wiihnt. aber dass die Deputierten tlber diesen Kmpfang bei Harsch re« 
ferierten, spriclit doch dafür, dass eino Abordnung an den (loneral statt- 
gefunden hatte. Zweitens findet sich aber in dem KegierungsprotokoU 
vom WO. Oktober die Mitteilung, auf welche wir später noch des Näheren 
zurückkommen wenlen, dass Harsch ytHlonfalls an diesem Tage) dem Kam» 
merrat Wittenbach sagte, er werde lunm Hück/.uge in die Schlösser 
der Stadt die Ordn^ hinterlassen, die weisse Kahne auixusteckcn. Hier 
nimmt er also oflTcnbar auf eine in dieser Re/.iehung gt^troffono Überein- 
kunft De/.ug. welche nach l^ige der Hinge doch mit der am 20. bei ihm 
gt^wesenen Deputation vemnbart wonlen sein dürfte. - ^Vie bei Schrei- 
ber IV, 257 bemerkt wini, wÄro dio Anfertigung jener zwei Fahnen ^ge- 
gen vieles Missrathen** erfolgt. 

M Solche Vorbereitungen pflegen in der Ansammlung von Faschinen» 
Sturmgerütschafteu und Schan/.r.eug an gewissen l^unkten y.u bestehen. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 331 

für den 30. Oktober) \ was jedoch nicht der Fall sein sollte, 
da der Feind bei Herstellung der Grabentiberbrückungen 
fortgesetzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so dass 
dieselben an jenem Tage noch (wahrscheinlich am Morgen) 
drei Toisen (beiläufig sechs Meter) von den Breschen entfernt 

waren. *0 

Im Verlaufe des 30. Oktober müssen aber, wie auch aus 

den unten noch zu erwähnenden Vorgängen am Abend zu 
schliessen, jene Arbeiten wesentliche Fortschritte gemacht 
haben, da Harsch an diesem Tage^) zu dem Kammerrat Frei- 
herrn von Wittenbach sagte, die feindlichen Gallerien (Graben- 
übergänge) wären fertig und daher sei ein feindlicher Sturm 
zu erwarten, den er aufnehmen wolle. Es sei nicht nötig, 
fügte er hinzu, dass noch jemand von der Regierung und 
den anderen Korporationen zu ihm käme, sondern sollten sie 
zu Hause bleiben, da sie bei ihm doch nichts ausrichten 
würden. Wenn er sich in das Schloss zurückziehe, wolle er 
der Stadt den Befehl hinterlassen, die weisse Fahne aufzu- 
stecken. 

Dessen ungeachtet ging in Übereinstimmung mit der am 
29. Oktober gefassten Resolution (siehe Seite 330) aus der 
nach jener Eröffnung bei der Regierung stattgefundenen Be- 
ratung der Beschluss hervor, durch die Vertreter sämtlicher 
Korporationen „mit aller manier" nochmals den Komman- 
danten zu ersuchen, auf die „Versorgung des publici und Aller- 
höchster Herrschaft Diensten" bedacht zu sein. Möge es 



^) Festungs-Diarium. Wie dasselbe hierbei bemerkt, hätte der General- 
sturm mit 140 Grenadierkompagnien und 30 Bataillonen an diesem Tage 
stattfinden sollen, wenn nicht der Übergang nach dem Josef-Bastion zer- 
stört worden wäre. Da der letztere erst in der Nacht zum 31. ruiniert 
wurde, wie oben noch zu erwähnen, so dürfte für den hier erwarteten 
Sturm wohl der 30. Abends oder die Nacht zum 31. in Betracht gezogen 
worden sein. Eine damalige Zusammenziehung von Truppen zum Sturm wird 
jedoch von den französischen Quellen nicht berichtet. Quincy schreibt in 
Bd. VII, Seite 284, dass Villars 140 Grenadierkompagnien mit einer glei- 
chen Anzahl von Pikets, welchen 60 Bataillone folgen sollten, zum Sturme 
bestimmt hatte. Es waren also Anordnungen zu diesem Unternehmen 
getroffen worden, von denen Harseh möglicherweise durch Gefangene oder 
Deserteure Kenntnis erhalten haben könnte. — ^) M^moires milit. rel. ä 
la succession d'Espagne, XI, 388. — ^) Wenigstens wird über dieses Ge- 
spräch im Regierungsprotokolle vom 30. berichtet 



332 ^'f« ^» ^* Weugeu, 

fruchten, was es wolle, so habe man doch seine Pfliclit vor 
Gott und der Welt zur Gonügo gothan. 

Es begaben sich daher noch am 30. Oktober Abends „in 
fioUMiner Deputation" (wie das Festungs-Diarium Iwsagt) die 
Deputierten zu dem Komnumdunten: für die Regierung der 
KanzkT v. Kottenberg mit den Räten Freiherrn v, Witten- 
bach und v. Schütz; naujeus sämtlicher Landständo Frei- 
herr V. Sickingen; als Vertreter der Universität der Rektor 
Dr. Stapt und für die Stadt der Syndikus Mayer. Der Kanzler 
ergritf das Wort und legte dem Kommandanten dar, wie ge- 
wagt es sei, den Sturm abzuwarten. Harsch berief sich aber 
wiederholt auf den erhaltenen Refehl, verniöge dessen er es 
auf das Äusserste ankommen lassen müsse, in der Hoffnung, 
dass er den Sturm aushalten werde. Zugleich bedeutete er 
aber die Deputation, falls er zum Rückziige gezwungen würde, 
„sie sodann in voller liiberte für sich kapitulieren** könnton.*) 

Am nämlichen Abend (30. Oktober) Hess Harsch als Not- 
signal vom Münsterturme sechs Raketen steigen, was nach 
der früher mit General Vaubonne getrottencn Abrede das 
Zeichen sein sollte, dass die Stadt, beziehungsweise die Schlös- 
ser nicht mehr zu halten. Auch am 31. Oktober wurde dieses 
Signal wiederholt; doch kam kein Kntsatz. 

Den 80. Oktober Abends drangen die Franzosen zwar bis 
zum Fasse der Rrescho an dem Leopold-Rastion vor, nmssten 
aber wieder zurück, da sie sich nicht nur lebhaft beschossen 
sahen, sondern auch das dort aufgeschichtete Rrennholz vom 
Verteidiger angezündet wurde. Ferner gelang es den Be- 
lagerten in dieser Nacht (zum 31. Oktober), von der gegen 
das Joseph- Rastion geführten Gallerie etwa den dritten Teil 
zu verbrennen. Nur der zum Ravelin führende Grabenüber- 
gang blieb noch brauchbar, so dass die Franzosen im Ver- 

*) So schildert das Festungs- Diarium den Empfang dieser I>cputation. 
Die Regierungsnkten etc. enthalten keine darauf bezüglichen Mitteilungen. 
Courcy berichtet in: ^I<a coalition lio 1701**, Bd. 1, S. 399, aber ohne An- 
gabe eines näheren Datums, dass die Richter, der Vertreter des Adels und 
die Geistlichkeit mit der Monstranx in feierlichem Zuge (prooessionelle- 
ment) sich xu Harsch begal>en und ihn in Christi Namen darum baten« 
die Stallt vor den Schrecken einer Plünderung xu bewahren. Woher 
Cour(7 die unglaubliche Mitteilung entnommen hat, dass die Geistlichkeit 
mit der Monstranx (V) erschien, giebt er nicht an. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 333 

laufe des 31. Oktober an der Wiederherstellung der übrigen 
arbeiten mussten. 

Dagegen schritt der Feind am 31. Oktober Abends zum 
Angriff auf das Ravelin. Nachdem dasselbe von 7 Uhr ab 
eine Stunde hindurch aus 26 Mörsern beworfen worden war, 
brach der Gegner um 8 Uhr überraschend zum Angriffe vor 
und bemeisterte sich des Ravelins, dessen Besatzung in dem 
dortigen Reduit Zuflucht suchte und sich daselbst behauptete, 
während die Franzosen in dem eroberten Werke sich ver- 
bauten. 

Bei der bedenklichen Lage der Stadtfestung hatte Harsch 
bereits im Verlaufe des 31. Oktober die unter ihm kom- 
mandierenden Offiziere zur Abgabe ihres Gutachtens auf- 
gefordert, ob der Generalsturm abzuwarten sei oder nicht. 
Während am Abende der Kampf bei dem Ravelin stattfand, 
erhielt Harsch das von elf Regiments- und Bataillonskom- 
mandanten unterfertigte schriftliche Gutachten, in welchem 
dieselben sich gegen das Abwarten des Sturmes aussprachen, 
indem sie geltend machten, dass die Stadt ohnehin nur noch 
einige Tage zu behaupten sein würde, da nicht allein die Ver- 
pflegungsvorräte zu Ende gingen, sondern auch nur noch sie- 
ben Geschütze brauchbar waren und überdies Mangel an Ge- 
wehren und Flintensteinen herrsche. Sie waren überzeugt, 
dass das Aufnehmen des Sturmes bei der Schwäche der über- 
dies auch erschöpften Besatzung verhängnisvoll werden müsste 
und dass es sehr fraglich wäre, ob alsdann noch der Rückzug 
in das untere Schloss möglich sein dürfte. Auch die zwei 
übrigen Bataillonskommandanten traten dieser Erklärung rück- 
haltlos bei. Der General - Feldwachtmeister Freiherr von 
Wachtendonk riet in einem besonderen Gutachten gleichfalls 
zur Räumung der Stadt, indem er den Vorschlag daran knüpfte, 
mit 1500 auserlesenen Leuten sich in das untere Schloss zu- 
rückzuziehen, die übrigen, meistenteils undienstbaren aber 
der iirossniut des Feindes zu überlassen, eine durchaus rich- 
tige Massregel, um sowohl aus Verpflegungsrücksichten, wie 
auch in Anbetracht der beschränkten Unterkunftsräume die 
Schlösser nicht mit unbrauchbaren Elementen zu überfüllen. 

Nachdem der Feind durch die Eroberung des Ravelins 
einen wesentlichen Vorteil errungen hatte und der Ausgang 
eines Generalsturmes für die kaiserlichen Waffen keine er- 



334 Fr. V. d. Wengen, 

munternden Aussichten bot, verschloss sich Harsch der Triftig« 
keit jener QrUnde nicht und entschied sich fUr die Preisgebung 
der Stadt. Er ordnete daher für den 1. November deren 
Räumung an. Wie Wachtendonk vorgeschlagen, sollten von 
der Stadtbesatzung 1500 Mann in das untere Schloss zurück* 
gezogen, hierzu jedoch nur die tttclitigste und ledige Mann- 
schaft ausgewählt worden. Auf je 100 Mann durften der- 
selben nur ein Tombour und zwei FourierschUtzen zugeteilt 
werden. Die Offiziere und Unteroffiziere, welche sich in der 
Stadt befanden, hatten, insoweit sie gesund und diensttauglich 
waren, den Truppen in das untere Schloss zu folgen. Alle 
übrige Mannschaft sollte dagegen mit den Kranken und Ver- 
wundeten in der Stadt zurückbleiben, ebenso sämtliche Frauen 
und Kinder, jene der Offiziere nicht ausgenommen. Die in 
das Schloss bestimmten Truppen waren am 1. November um 
9 Uhr Morgens bei den Bastionen Karl und Kaiserin zu ver- 
sammeln. ^ Sie hatten auf jeder Attake (also bei den 
Bastionen Leopold und Josef) je 150 Mann von den ältesten 
Bataillonen zurückzulassen, welche ihnen später längs dem 
Walle folgen sollten. Die Besatzung in dem Reduit des vom 
Feinde eroberten Iliwelins hatte sich kriegsgefangen zu er- 
geben, ebenso die anderen zurückbleibenden Posten. Die 
übrige Mannschaft sollte in den Klöstern Zuflucht suchen. 
Während des Rückzugs der Truppen waren die auf den 
angegriffenen Bastionen brennenden Feuer grösser als bisher 
üblich zu unterhalten. Hatten die Truppen ihren Rückzug in 
das Schloss so ziemlich bewerkstelligt, so wollte Harsch durch 
einen Tambour ein Schreiben an den Marschall Villars 
absenden, in welchem er diesem die Räumung der Stadt 
anzeigte. 

Von der früheren Absicht, bei dem Rückzuge in das untere 
Schloss durch die städtischen Behörden die weisse Fahne aufpflan- 
zen und Chamade schlagen zu lassen, war Harsch mittlerweile, 
wie aus dem späteren erhellt, zurückgekommen. Vielmehr 
hatte er sich, wie wir sehen, dafür entschieden, die Räumung 
der Stadt dem französischen Marschall auf schriftlichem Wege 
anzuzeigen. 

>) Das Bastion Kaiserin lag sunächst südöstlich von dem Leopolds- 
Bastion und ist teilweise noch erhalten in dem heutigen Alleegarten. Das 
Bastion Karl befand sich vorwärts vom Ausgange der Predigergasse. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 335. 

Das zu diesem Zwecke verfasste Schreiben lautete wie folgt:*) 

„Apres avoir attendu les extremites selon mon ordre, je suis sur 
le point de me retirer dans le chateau de Fribourg, et prends la 11- 
bert6, d'envoyer ä Vostre Grandeur ce Tambour, afin de vous re- 
commander Tres-humblement cette Ville, tous les Prisonniers de 
guerre, que je suis contraint d'y laisser tant officiers que soldats 
communs la plupart malades et blesses, avec le reste pour les servir, 
et parmy eux, le sieur de Venerie, Colonel de nos Ingenieurs. 

Que si Vostre Grandeur voudra bien m'accorder une Capitulation 
honorable apr^s avoir combattu dans le chateau comme dans la 
ville on ne tirera pas un seul coup contre cellecy apr^s les Conven- 
tions regl^es de part et d'autre, c'est une Grace que la valeur de 
Pennemy ose esperer de la magnanimit6 de Sa Majeste Trös Chre- 
tienne 6tant en meme temps avec un tr^s profond respect etc."') 

Im Verlaufe der Nacht berief Harsch den Zeuglieutenant 
zu sich und wies ihn an, das Pulver und Blei, sowie die 
wenigen noch vorhandenen Reservegewehre in das untere 
Schloss zu schaffen^), sämratliche Geschütze und Mörser der 
Stadtfestung aber vernageln zu lassen.*) Auch den Ober- 



^) Das Original dieses Schreibens befindet sich nicht im französischen 
Kriegsarchive (D^pot de la guerre), sondern nur eine Kopie, welche bei 
Vogü6 in, 354 abgedruckt ist. Der obige Wortlaut ist nach der Nieder- 
schrift im Freiburger Festungs-Diarium wiedergegeben und stimmt mit 
Vogü^ überein, ausgenommen was den Schlussatz anbelangt, welcher bei 
Letzterem lautet: „Je suis, avec un träs profond respect^ etc. — 
^) In deutscher Übersetzung lautet das Schreiben: „Nachdem ich zufolge 
des empfangenen Befehls das Äusserste abgewartet habe, bin ich im Be- 
griffe, mich in das Schloss von Freiburg zurückzuziehen, und nehme mir 
daher die Freiheit, Ew. Herrlichkeit diesen Tambour zu senden, um Urnen 
diese Stadt gehorsamst zu empfehlen und alle Kriegsgeüeuigenen, welche 
ich zurückzulassen genötigt bin, Offiziere sowohl wie Mannschaft, meisten- 
teils krank und verwundet, mit dem Reste zu ihrer Pflege, darunter 
auch Herrn de Venerie, Oberst unserer Ingenieure. Wenn aber Ew. 
Herrlichkeit, nachdem im Schlosse wie in der Stadt gekämpft worden, 
mir eine ehrenvolle Kapitulation bewiUigen wollen, so soll nach beider- 
seitiger Vereinbarung auch nicht ein Schuss gegen die letztere gethan 
werden; es ist dies eine Begünstigung, welche die Tapferkeit des Gegners 
von Sr. allerchristlichsten Majestät zu erhoffen wagt. Zugleich verbleibe 
ich mit sehr tiefem Respekte etc.* — ^) Festungs-Diarium. 1000 Zentner 
Pulver wurden zurückgelassen, jedenfalls wegen seiner schlechten Be- 
schaffenheit, da es grösstenteils nur noch zum Sprengen zu gebrauchen 
war. Auch viel Eisenmunition blieb in der Stadtfestung, da man an sol- 
cher auf den Schlössern Überfluss hatte. — *) Festungs-Diarium. Die Ver- 
nagelung erfolgte aber erst bei beginnender Räumung der Stadt. 



336 Fr. V. d. Wongon, 

Kriegskommissär v. Albertsdorf Hess Harsch noch in der 
Nacht zu sich kommen und eröffnete ihm die bevorstehende 
Räumung der Stadt mit dem Bedeuten, dass entweder Jener 
oder der Kriegskommissär Tusch auf das untere Schloss 
gehen sollte. 

So dännnerte der 1. November, der verhängnisvolle Aller- 
Jieiligentag, herauf.*) In alhM* Frühe-') entbot Harsch die De- 
putierten der Freiburger Kommission zu sich und machte den- 
selben folgende Eröffnung. Nachdem der Feind den halben 
Mond (Ilavelin) erobert und seine Gallerien an die beiden 
Bastionen (Leopold und Josef) angehängt, die Stadt-Garnison 
aber bis auf ungefähr 1500 Mann zusammengeschmolzen') 
und bei einem (leneralsturm alles zu riskiren wäre*), auch nur 
noch für drei Tage Brod vorhanden sei'Oi so sehe er sich zur 
Rämnung der Siadt genötigt und werde in ein oder zwei 
Stunden auf das unti're Schloss hinaufmarschieren. Indem 
er die Dei>utierten mit seinen getrolTenen Massregeln bekannt 
gemacht hatte'\ ertjAnete er ihnen, dass er in dem auf 
dem Tische liegenden Schreiben die Stadt sammt den zurück- 

*) Für dio folj3:omlo UntoriTdung ist in orstor liinie die schon citierte 
Relation der Kegiorunj? bonntzt und fornor die kürzor (^'halteno Schil- 
derung in dem Kestungs-Diarinm. Im allgemeinen stimmen beide Quollen 
mit einander übertMii; wo sie differieren, soll es in der Folge erwähnt 
werden. Auch die kurze Darstellung bei Schreiber IV. 255 if. steht bis 
auf einige Differenzen im Kinklange mit den Angaben der erwtümtea 
Quellen. • *) So narh der Relation der Uegierung. Das Fest ungs- Diarium 
sagt: nbei anbrechendem Tage**. Nach Schreiber lY» 255, war es r. wischen 
und 7 Uhr morgens. — ^) Dieser Auslassung über die Stärke der Trup- 
pen thut nur die Relation der Regierung Krwahnung. (iedachter Quelle lu- 
folgt« hiitte Harsch damit den Hinweis verbunden, dass die Schlösser da- 
her kaum noch genügend besetKt werden könnten. --- *) Diese Äusserung 
in Ri^treft' des (leneralsturms entliÄlt nur die Schilderung im Festungs- 
Diarium. - ^) Hier kann Harsch nur die von dem Admodiator Moren- 
fehl (siehe S. 317) zu liefernden Yorriite gemeint haben. Nach der Re- 
lation der Regierung hiltto Harsch die Mohr*sclie Admodiation angeklagt, 
an der Räumung der Stadt schuld zu sein, was aber nicht präcise sein 
kann. *) Nach der Regierungsrelation hätte Harsch gesagt. da.ss er in 
ein oder zwei Stunden mit 5(H) Mann beim Christofsthor und der General- 
wachtmeister NYachtendonk mit 50() Mann beim Schwabenthore nach dem 
unteren Schloss hinaufmarscJiieren würden, l'ngefiihr 5()i) Mann sollten 
auf der Dresche bleiben und ein bestflndiges F(»uer unterhalten. Die auf 
8. 334 angeführten Anordnungen dürtYen jedenfalls aber ntehr Anspruch 
auf Richtigkeit haben, da sie dem Festungs-Diarium entlehnt sind. 



Die Übergabe der SUdt Freiburg 17r3. S3Z 

bleibenden Verwundeten und der nicht in das Schloss rücken- 
den Mannschaft der Gnade des Marschalls Villars empfohlen 
habe. Dann bedankte er sich für alle empfangenen „Höf- 
lichkeiten und Gutthaten", welchen er allerhöchsten Orts rühm- 
liche Erwähnung zu teil werden lassen wolle, in der Erwar- 
tung, dass man auch seinem Eifer für die Verteidigung des 
Platzes die Anerkennung nicht versagen werde. Harsch sprach 
sein Bedauern darüber aus, dass er während der Belagerung 
manche harte Forderung mit fast nicht gewöhnlicher Schärfe 
gestellt habe, aber noch mehr bedaure er, von so lieben Leuten 
auf solche Weise sich beurlauben zu müssen; indessen er- 
fordere dies der kaiserliche Dienst. Harsch sprach die Hoff- 
nung aus, dass Gott die Sache bald wieder zum Besseren 
wenden werde, und gab den „Löblichen Weesen" zu bedenken, 
dass sie sechs Wochen oder zwei Monate früher, als er, der 
Kriegsgefangenschaft verfallend) 

Die Deputation war über diese Eröffnung nicht wenig 
bestürzt, machte aber trotzdem „ein höfliches Kompliment" 
mit der Bitte, Harsch wolle genehmigen, dass einige Abgeord- 
nete mit seinem Schreiben sich zeitig genug zum Marschall 
Villars begeben dürften, um ihre Unterwerfung anzuzeigen 
und um Gnade zu bitten, während er mittlerweile genug Zeit 
zum Rückzuge finden würde. 

Harsch lehnte dieses Ansinnen entschieden ab, mit dem 
Bedeuten, dass der Tambour, welcher das Schreiben an den 
französischen Marschall überbringen sollte, nicht eher abgehen 
dürfe, als bis er mit den Truppen in der Contreescarpe (be- 
deckten Weg) des unteren Schlosses sein werde. 

Die Deputierten ersuchten hierauf den Kommandanten, e.i 
gestatten zu wollen, dass dem Tambour ein Schreiben im 
Namen der Einwohnerschaft und der gesamten Korporationen 
mitgegeben werden dürfte. Harsch gestand dies zu und es- 
wurde nunmehr in seiner Gegenwart von dem Präsidenten 
Freiherrn v. Sickingen das folgende Schreiben aufgesetzt:^) 



^) Nach Schreiber IV, 255, hätte Harsch auch gesagt, wenn es wirk- 
lich auf das Äusserste kommen sollte, möge jedes Haus, so gut es könne, 
für sich akkordieren. — *) Nach dem Originale dieses Schreibens ab- 
gedruckt bei Vogü6 IH, 354. 



338 F'» ^' ^' Wengen, 

„l*r novembre 1713. 
MonsoiKncur! 
Commc la Kuarnison sc retiro actuelloment au chlltcau, tous les 
difFt^rens oon^s qui sc trouvaiit (trouventV) dans la ville de Fribourg 
vous vicnncnt de vous d(!»clarer et de vous supplier tr^s humblemcnt 
do susjKMidre toutcs sortes dliostilites et de iious porniottro la grftce, 
que nous ayons Thounear do vous oscr, Monseignour, envojrer des 
d^puti^'s pour vous |H)rtor nos tr^s hunibles priores. Kn attendant, 
nous esp6rons de votro jjendrositö (lue vous nous fcr6s la grft^e do 
nous envoyer quelques seauvegardes pour des couveus, ^glises ot quel- 
ques maisons pupliques et autres, o(i nous avons retir^s nos paavrcs 
fcmnies et innocentes enfants, et ne douttons plus, Monseignour, que 
vous aures toigours encore quelque considt'^ration et bont6 pour ane 
ville dont av6s est 6 eydevant le gouverneur*) et quo vous ven^a de 
r^duire par la for^e, en eonfonnitt» de oe que vous nous av6s fait 
espi^rer imr une lettre que vous nous aves fait Thonueur de nous es- 
orire: c*est la grAoe que nous vous en demandons par la mis6ricorde 
du Seigneur en vous assurant quo nous sommes avec toute sorte 
de resiwct, etc.*) 

Nachdem das Schreiben vorgelesen und gutjxeheissen wor- 
den war, wurde es durch den Stadtschreiber Dr. Mayer in- 
grossiert und verschlossen. 

Als hierauf dem Kommandanten von der Deputation die 
Bemerkung gemacht wurde, dass es doch besser sei, durch 

^) Villars war zur VerlM»sscrung seiner Einkünfte ICJOÄ tum Gouver- 
neur von Freiburg ernannt worden, aber nur sehr selten dahin gekom- 
men, da er anderwArts Kommandos führte. - ') In deutscher Über- 
setzung lautet das Schnoben, welches zwar, in der Eile abgefasst, stellen- 
weist» etwas verwornni ist: „1, November 1711J. Monseignour! Da die 
Garnison gegenwärtig in das untere Si^hloss abzieht, nahen sieh Ihnen die 
sämtlichen verschiedenen Korporationen, welche sich in der Stadt Frei- 
burg befinden, um Ihnen anzuzeigen und Sie unterthtinigst zu bitten, die 
Feindseligkeiten jeder Art einzustellen und uns die Gunst zu erweisen, 
dass wir die Ehre hatten, Monseigneur, Abgeordnete schicken zu dürfen, 
um Ihnen unsen» gehorsamsten Hitten zu überbringen, rnteniesscu er- 
hoffen wir von Ihrem Edelmute, dass sie dio Gnade haben werden, uns 
einige Schutz wachen zu senden für die Klöster, Kirchen, öffentliche und 
anden» Gebäude, in welche wir unsere armen Frauen und unschuldigen 
Kinder geflüchtet haben, und wir bezweifeln auch nicht, dass Sie, Mon- 
seigneur. noch einige Rücksicht und Güte der Stadt bewahrt haben wer- 
den, deren Gouverneur Sie einst waren und die Sie jetzt mit Gewalt be- 
zwungen. >Vir geben uns daher der Hoffnung hin, dass Sie uns die l^^re 
eines Sehreibens an uns geben werden. Diese Gnade erbitten wir um 
Gottes Barmherzigkeit willen mit der Versicherung, dass wir verbleiben 
in aller Ehrerbietung n. s. w,** 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 339 

^ie auf der Bresche zurückbleibenden Truppen Chamade 
schlagen zu lassen, so wies er auch dies aus den uns bekannten 
Gründen wiederum zurück, indem er erklärte, von einer 
Kapitulation absolut nichts hören zu wollen, vielmehr solle 
die zurückbleibende Mannschaft in die Klöster gehen und 
dort sich kriegsgefangen ergeben. 

Freiherr v. Sickingen erklärte hierauf, es sei bedauerlich 
und man werde sich dieserhalb bei dem Kaiserlichen Hofe zu 
beschweren haben, dass die getreue Stadt Freiburg, welche 
schon so viel durch den Krieg und jetzt wieder durch diese 
harte Belagerung gelitten, nunmehr noch das unerhörte Un- 
glück haben sollte, ohne Kapitulation preisgegeben zu werden. 

Harsch Hess sich jedoch hierdurch in seinem Beschlüsse nicht 
beirren, sondern entgegnete auf die alsdann von der Depu- 
tation gestellte Anfrage, ob es bei der früher besprochenen 
Aufpflanzung der weissen Fahne bleiben sollte: „Auch diessess 
bey leib nit: Sondern ihr sollet von dem Mar^chal de Villars 
auf die abgebenden Schreiben die antworth ab wahrten ".^ 

Harsch befahl nunmehr dem Stückhauptmann Feldegg, 
die noch auf den Wällen stehenden Geschütze und Mörser 
zu vernageln.*) 

Hiermit endete die Unterredung und Harsch entliess die 
Deputierten, welche sich in das Haus Sickingen's begaben, 
um daselbst weiter zu beratschlagen.?) 

Während jener Unterredung bei dem Kommandanten soll 
(wie Schreiber, IV, 256 berichtet) eine Ordonnanz um die 
andere die Meldung gemacht haben, dass eine grosse Anzahl 
französischer Bataillone und Eskadronen auf dem offenen Felde 
gegen die Stadt im Anmarsch sei. Mögen auch dem Kom- 
mandanten damals Meldungen gemacht worden sein, so können 
sie doch unmöglich dahin gelautet haben, dass der Feind, 
wie man die Sache späterhin darzustellen bemüht gewesen ist, 

^) Regierungsrelation. — *) Nach der Regierungsrelation hätte Feldegg 
gegen diese Massregel vergeblich vorgesteUt, dass der Feind hierdurch 
gereizt werden und dies den zurückbleibenden Verwundeten entgelten 
könnte ; auch der General Wachtendonk sei dagegen gewesen. Inwiefern 
diese Mitteilung begründet, lässt sich nicht bestimmen; indessen ist es 
jederzeit Gebrauch gewesen, dass man, wenn immerhin möglich, das zu- 
rückgelassene Geschütz vernagelte. Nach Schreiber IV, 256, wäre Harsch, 
bevor er diesen Befehl erteilte, aufgestanden und hätte seinen Degen 
umgegürtet. — 3) Schreiber, IV, 256. 



340 *'r- V. d. Wengen, 

zum Sturme auf die Stadt anrückte. Diojenijjfon französischen 
Quollen, welche Anspruch auf Glaubwürdigkeit haben, bieten 
auch nicht die mindeste Andeutung dafür, dass zu dieser 
Zeit ein Sturm auf Freiburg beabsichtigt war, und noch viel 
weniger erwähnen sie des Aufmarsches der hierzu bestimmten 
Truppen.*) Quincy berichtet im Bd. VII, Seite 285, dass alle 
Anstalten für den Sturm getroffen waren („tout ötait disposö 
pour cette grande action").*) Damit ist aber noch nicht ge- 
sagt, dass die französischen Truppen bereits zum Stumie 
aufmarschiert standen. Es war die Disposition für denselben 
entworfen, eine nicht mühelose und dazu zeitraubende Arbeit, 
da hierbei nicht nur die verschiedensten Einzelheiten genau 
geregelt werden mussten, sondern auch Etikettefragen, wie 
z. B. der Rang der Regimenter, zu berücksichtigen waren. 
Als Beispiel dafür mag hierbei auf die in „Mem. milit. relat ä 
success. d'Espagne", Bd. XI, Seite 644, enthaltene Dispo- 
sition zu dem Sturme auf den bedeckten Weg am 14. Oktober 
hingewiesen sein. Aber ninunermehr würde dieser Sturm, 
selbst wenn er für den 1. November beabsichtigt gewesen 
wäre, im Verlaufe des Vormittags oder zur Mittagszeit statt- 
gefunden haben. Derartige, meistens mehr oder minder ver- 
lustvolle Unternehmungen pflegten erst mit eintretender Dunkel- 
heit in das Werk gesetzt zu werden, wie es auch seitens der 
Franzosen während dieser Belagerung von Freiburg immer 
der Fall gewesen war. Zudem verhehlte man sich im fran- 
zösischen Lager die Schwierigkeiten nicht, welche für den 
Angreifer bei dem über den nassen Graben zu führenden 
Hauptsturm erwachsen mussten, und man befürchtete sehr, 
dass der Kampf ein blutiger werden und grosse Anforderungen 
an die Tapferkeit der Truppen stellen würde'), also Ursachen 
genug, um nur unter dem Schutze der Dunkelheit zum An- 
griffe zu schreiten. Wenn Harsch wirklich mehrfach die 

«) Nur Courcy sogt in seinem Werke: „Ia coalition do 1701", Bd. I, 
S. 399, daas in dem Augenblick, wo der Sturm beginnen soUte, die weisse 
Fahne auf der Bresche erschien. Courcy ist jedoch keine zuverlässige 
Quelle und diese Angabe hat offenbar den nämlichen Wert, wie ^eine 
schon früher betreffenden Orts besprochene Mitteilung, dass sogar die 
Geistlichkeit mit der Monstranx zu Harsch gezogen wäre. — ») Siehe 
auch Anmerkung l auf S. 331. — >) Wm, milit. relat. k la success. d'Es- 
pagne XI, 888, Z. 2 u. 1 von unten. 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 341 

Meldung erhalten haben sollte, dass eine grosse Anzahl fran- 
zösischer Bataillone und Eskadronen gegen die Stadt anrückte, 
so stehen diese Truppenbewegungen wohl nicht mit den Vor- 
bereitungen zum Sturme in Verbindung, sondern es könnte 
eine Paradeausrückung zu einem Feldgottesdienste aus Anlass 
des Allerheiligentages gewesen sein. Mochten auch die Sol- 
daten des „allerchristlichsten*' Königs im allgemeinen der Gott- 
losigkeit verfallen sein, so erforderten es doch Vorschriften 
und alter Gebrauch, diesen hohen Festtag der katholischen 
Kirche auch kirchlich zu feiern, was mit Rücksicht auf die 
grosse Anzahl der französischen Truppen offenbar durch die 
Veranstaltung von Feldgottesdiensten geschehen sein dürfte, 
da kirchliche Räume nicht in genügendem Masse zur Ver- 
fügung standen. Unter diesem Gesichtspunkte findet es seine 
hinlängliche Erklärung, wenn auf französischer Seite grosse 
Truppenbewegungen stattgefunden haben sollten. Aber nim- 
mermehr kann es sich damals darum gehandelt haben, diese 
Truppen bei hellem Tage zur Erstürmung von Freiburg schreiten 
zu lassen. 

Es war gegen 10 Uhr vormittags, wie das Festungs- 
Diarium berichtet, als die in das untere Schloss bestimmten 
Truppen ihren Rückzug aus der Stadt antraten.*) Den zu- 
rückgelassenen Truppen scheint, aus dem späteren zu schliessen, 
nicht durchgängig der Abzug der übrigen Garnison in das 
untere Schloss bekannt gewesen zu sein. Zehn Uhr war be- 
reits vorüber, als Harsch den Tambour mit seinem Schreiben 
und also wohl auch mit dem im Namen der Einwohner- 
schaft abgefassten an Villars absendete. Der Tambour, wel- 
cher seinen Weg durch das Christophsthor nehmen wollte, 
wurde jedoch von der dort zurückgebliebenen Schildwache 
nicht hinausgelassen, obschon es dahin kommandierten Bürgern 
gestattet worden war, diesen durch Erde und Dünger ge- 
sperrten Ausgang aufzuräumen. 

Es scheint aber noch vor der Entsendung dieses Tambours 
gewesen zu sein, dass plötzlich auf einer der Breschen zwei 
weisse Fahnen erschienen. Wenigstens sagt Harsch in sei- 



Das Karlsruher Tagebuch der Propstei AUerheiligen lässt den Ab- 
zug um 7 Uhr geschehen, die Chronik des Klara-Klosters z¥dschen 8 und 
9 Uhr. 

Zaitachr. f. 0«acb. d. Oberrb. N. F. VUI. 2. .22 



342 ^'r. V. d. Wongen, 

nein Tagcbuchc, naclulcui er der Entsendung seines Tambours 
Erwähnung gethan: ». . . . und da unterdessen die Populace 
zwey weisse Lunii)en aussgesteckt/ Damit halte es folgende 
Bewandtnis. *) 

Als Harsch mit seinen Truppen in das untere Schloss ab- 
zog und die auf den Festungswerken der Stadt zurück- 
gobliebeno Mannschaft sich verlassen sah*), warf sie die Ge- 
wehre weg und flüchtete sich teils in die Kirchen, teils machte 
sie sich an das riUndern der Bäcker und brach auch andere 
Häuser und Keller auf. Das vom Militär zurückgelassene 
Brot und Mehl wurde grösstenteils nicht nur eine Beute der 
Soldaten, sondern auch von Seiten der Einwohner (iedenfalls 
der ärmeren Klassen) benutzte man die herrschende Verwirrung 
zur Plünderung jener Vorräte. Einzelne zurückgelassene 
Dragoner spitmgten in den Strassen hin und her, so dass 
man schon glaubte, sie würden von) Feinde verfolgt. Dazu 
brachen die im Stockhause internierten französischen Ge- 
fangenen nach Abzug der Wache aus, versahen sich mit den 
von den letzteren weggeworfenen (lewehren und zogen unter 
wüstem (loschrei durch die Strassen. Ein dumpfer, Unheil 
verkündender Druck lag ül>er der Stadt und schaarenweise 
eilten die geängstigten Einwohner in die Kirchen, um an 
gottgeweihter Stätte Schutz und Zuflucht zu suchen; selbst 
das geräumige Münster konnte die Menge kaum fassen. Die 
im Sickingen'schen Hause versammelten Behörden gingen 
auseinander, ohne einen weiteren Beschluss gefasst zu haben%^ 

In dieser kritischen Lage eilte der Stadtschreiter Dr. 
Franz Ferdinand Mayer mit dem Bildhauer Norbert Wüst in 
den Ilatshof, wo sich die zwei weissen Fahnen befanden, 
welche bekanntlich für den Fall der Kapitulation angefertigt 
wonlen waren. Von Wüst begleitet^), begab sich Mayer mit 

^) Das Folgende ist nach der Uegiorungsrelation, ergänzt durch Schrei- 
bers Mitteilungen in l)d. IV, S. 257. — ') 80 nach der llegierungsrelation, 
woraus darauf geschlossen worden könnte , dasa diese Mannschaft erst 
jetsct von dem Rückzüge der andern Truppen Kunde erhielt. -• ') Siebe 
SchreilH'r IV, 257. Die MitteUungen ül)er die Plüudenmg der Bftckereien, 
sowie der Brot- und Mchlvorräte sind der Kegierungsrelation entlohnt. — 
*) Die Kegieningsrt^lation erwähnt des Bihihauers Wüst gar nicht; in- 
dessen ist es doch sehr wahrscheinlich, dass Mayer einen liegleiter hatte, 
welcher die Fahnen oder wenigstens eine getragen hat. Nach Gast, 
nAdelshuch"^, wäre Mayer von zwei Bürgern begleitet worden, wofür 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 343 

den beiden Fahnen nach einer der angegriffenen Bastionen, 
wahrscheinlich nach dem Josef-Bastion. ^) Vom Feinde, welcher 
'ihn für einen Ingenieur hielt, mit Gewehrschüssen empfangen^), 
pflanzte Mayer dennoch die Fahnen auf der Bresche auf und 
liess Chamade schlagen.-') Als die Franzosen die weisse 
Fahne wahrnahmen, stiegen sie aus den Laufgräben heraus, 
warfen jubelnd ihre Mützen in die Höhe*) und riefen, es 
sollten Deputierte herauskommen.^) Mayer schickte nun- 
mehr den Bildhauer Wüst in die Stadt zurück, um dort das 
Geschehene bekannt zu machen und, wie aus dem Folgenden 
zu schliessen, um offenbar auch einige Deputierte herbeizu- 
holen.^) 

jedoch anderwärts ein Beweis nicht zu finden ist. Das Karlsruher Tage- 
buch der Propstei Allerheiligen giebt, ohne Namen zu nennen, nur an, 
dass der Magistrat noch rechtzeitig seine Deputierten auf die Bresche 
schickte, welche dort die weisse Fahne aufpflanzten. Die Chronik des 
Klara-Klosters erwähnt nur des Stadfcschreibers Mayer. 

^) Wenigstens würde es vom Ratshofe aus die nächste gewesen sein. 
— 2) Dies berichtet nur Schreiber IV, 257. — ^) Das Chamade-Schlagen 
wird durch die Regierungsrelation bestätigt. Ob dies durch einen hierzu 
von Mayer aufgeforderten Tambour der zurückgebliebenen Truppen ge- 
schah oder vielleicht durch einen solchen von der Bürgerbewaffnung, 
lässt sich nicht bestimmen. Die Chronik des Klara-Klosters giebt an, 
dass Mayer beim Anpflanzen der Fahne Pardon rief. Des Erscheinens 
der weissen Fahne wird in den „M^moires milit. relat. ä la succession 
d'Espagne^ XI, 391, nicht erwähnt, was seinen Grund vieUeicht darin 
haben dürfte, dass Yillars eine solche Übergabe der Stadt als verbindlich 
nicht anerkennen wollte. — *) Schreiber IV, 257. Die Regierungsrelation 
besagt nur, dass der Feind sichtlich freudig gesonnen war. — *) So nach 
der Regierungsrelation. Schreibers Darstellung zufolge hätten die Fran- 
zosen Mayer aufgefordert, herauszukommen, was ihm endlich mit vieler 
Mühe gelungen sei. In dem Reduit des eroberten Ravelins f&nd er noch 
einen Hauptmann mit 100 Mann, welche von dem Rückzuge der Garnison 
auf das untere Schloss nichts wussten. Nachdem auf Mayers YorsteUun- 
gen für diese Abteilung vom Feinde Schonung zugesagt worden war, 
sprengte sie gemeinschaftlich mit den Franzosen den Eingang des Reduits, 
worauf sogleich der in den Laufgräben kommandierende General Graf 
Artagniand (Artaignan) mit mehreren Offizieren sich in dieses Werk be- 
gab. Die dortige Truppenabteilung wäre kriegsgefangen erklärt und Mayer 
als Geisel zurückbehalten worden. Dass Mayer zunächst allein zum Feinde 
sich begab und als Geisel erklärt wurde, findet durch die Regierungs- 
relation keine Bestätigung; ebensowenig erwähnt dieselbe des Postens im 
Reduit, obschon es allerdings kaum in Zweifel zu ziehen, dass dieses 
dem Femde zunächst gelegene Werk besetzt geblieben ist. — *) Diese 
Rücksendung des Bildhauers Wüst erwähnt nur Schreiber IV, 258. 

22* 



344 ^'f* ^* ^* Woufen, 

Bald darauf eilten der Kainmerrat Freiherr von Wittenbach, 
sowie der rräsidciit Freilierr v. Sickin^en mit noch einigea 
Räten, Kavalieren und anderen Personen herbei. Wittenbach 
und Sickingon, bcghntet vom Stadtschreiber MayerOi begaben 
sich nunmehr durch das eroberte Ravelin ^) zum Feinde hinaus. 
Sie wurden von dem in den Laufgräben kommandierenden fran- 
zösischen General -Lieutenant (irafen d'Artaiguan') auf das 
höflichste empfangen, indem derselbe alle Unordnungen lu 

<) So bericiitet die Regicrungsrolation. Nach Schreiber IV, 258, hitU 
sicii hei diesor Abordnuug auch ciii Frtnherr von Kagoneck beftindtti; 
(icrcs und nach ihm Hader in seiner „Ge^chiditc der Stadt Freiburg*^ U, 
200, he-xeichnen ihn als Ke((ierung8rat. Einen soU'hen hat ca jedoch da- 
mals nicht gegeben , wie aus der von dem Orafcn üeinrich von Kaneneok 
bearbeiteten „Geschichte der griUlicheu Familie von Kageneck" (1870) nnd 
aucJi aus den RegierungsprotokoUen erhellt. Zur Zeit dea spanisclm 
£rbfolgekrieges bekleidete Joh. Reinhard Sebastian Freiherr von Kageneok 
das Amt des Waldvogtes in Waldshut, welcher sich damals aber kaum in 
Freiburg befunden haben dürfte. Eher möchte dies der Fall gewesen sein 
hinsichtlich des l«Yeiherm Joh. Ileinr. Herrmann, welcher seit 1710 Land* 
kommenthur des Deutscheu Ordens war und sicli damals, da seine Familie 
im Ureisgau befrtttcrt, in Freiburg aufgehalten haben k(Umie. GertB oad 
Bader lassen dieser Aliordnuug auch noch den Abt von 8t BUiien und 
den Katshorm Montfort folgen; hier liegt al)er offenbar eine Verwed» 
lung mit der Deputation vor, welche sich nachmittags in das fransOsitQlie 
Hauptquartier begab. Nach Vogüö Hl, 225, wären es iwei der oberam 
Beamten (principaux magistrats) der Stadt Froiburg gewesen, welche liok 
lu Villars verfügten. Anquetil II, 289» führt nur iwei Beamte an, ebenee 
Michaud & Poi^oubut IX, 225. Nach Quincy VII, 285. überbrachte ein 
Beamter der Stadt kun nach dem AufpflaiuEen der weissen Fahne «in 
Schreiben von Harsch. Hichelicu*s „Memoires"* 1, 170, lassen su derselben 
Zeit xwei Beamte mehrere Schreiben von Harsch an Villars überbringen. 
Die in Frage stehenden Schreil>en sind aber lu dieser Zeit dem MarBchall 
noch nicht behändigt worden. Wenn die hier citierten betreffenden Quellen 
nur Bwci Beamte anrühren, so haben sie dabei höchst wahrscheinlich nur 
Sickingen und Wittenbach im Augt^ welche das Wort geitthrt haben wer- 
den, während Mayer mit Rücksicht auf seine Stellung sich mehr im Hinter- 
gründe gehalten und eine passive Rolle gi»spielt liaWn dürfte. Quinoy ver- 
wechselt offenbar den später erschoineuden Tambour mit einem Beamten. 
Die „Mtooire^ milit. rel. ä la succcs. d-Ksjuiguo** tliun dieser Abordnung 
überhaupt nicht Krwähniuig. - ') l<Is ist wohl möglicii, dass der Zugang 
in das Reduit von den Fransosen in Gemeinschaft mit den xuri^ckgebliel>enen 
Kaiserlichen, wie bei Schreil>er berichtet wird, gesprengt und damit ein 
Weg für die Deputation geluüint worden war. — ') Dass Artaignan in 
den Laufgräben kommandierte, wird auch durch Vilhirs' Bericht vom 
S. November (siehe Vogü^ HI, 856) bestätigt 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 345 

verhüten versprach. Der General trug dafür Sorge, dass die 
drei Abgeordneten sich sogleich zum Marschall Villars be- 
geben konnten, welcher bereits auf dem Wege gegen die 
Stadt war.*) 

Als sie dem Marschall begegneten, machten sie ein „ganz 
subraissest compliraent" *) und baten, über die Räumung der 
Stadt berichtend, um Gnade und Schonung. Villars erwiderte, 
es sei ihm unbegreiflich, dass der General Harsch einer 
solchen Grausamkeit sich schuldig machen konnte. Er war 
daher auch nicht geneigt, die Übergabe der Stadt anzuerken- 
nen, sondern erklärte, dass der gesamten Einwohner Hab' 
und Gut, Weib und Kind, Leib und Leben seinem Kö- 
nige verfallen sei. Nichts desto weniger wolle er Raub und 
Unordnung verhüten und an den König berichten. Die Stadt 
habe sich aber auf Gnade und Ungnade zu ergeben und 
müsse sich daher glücklich schätzen, dass Raub, Mord und 
Schändung verhindert würde, was nicht zu verhüten wäre, 
wenn der beutegierige Soldat die mindeste Kentnis von der 
Räumung der Stadt hätte. ^) 

Der Marschall ritt nach dieser Unterredung gegen Freiburg 
weiter, um die nötigen Anordnungen zur Sicherstellung der 
Stadt zu treffen.^) Erst jetzt dürfte ihn der kaiserliche Tam- 
bour, welcher bekanntlich beim Christophsthore von der Wache 



1) Wie bei Vogü6, Anquetil und Michaud & Poujoulat übereinstim- 
mend angegeben wird, war der Marquis de Villeroy der Führer dieser 
Deputation. Nach Schreiber IV, 258, erhielten die Deputierten von den Fran- 
zosen Pferde, um schneller in das Hauptquartier nach Zähringen zu 
gelangen. Die Regierungsrelation äussert sich darüber nur, wie oben an- 
gegeben. — 2) Regierungsrelation. Nach Schreiber IV, 258, fielen sie auf 
die Kniee und flehten um Gnade. — ') Regierungsrelation. Wie das öster- 
reichische Festungs-Diarium meldet, wäre Villars, als er den wahren Sach- 
verhalt wegen Übergabe der Stadt erfuhr, sehr entrüstet gewesen und 
hätte gesagt: „Je suis bien flch6 d*avoir 6t6 attrap6 comme cella". (Ich 
bedaure sehr, so hintergangen worden zu sein.) Daraus zu schliessen, 
war der Marschall von Zähringen in der Meinung gegen die Stadt ge- 
ritten, dass Harsch kapitulieren wollte. Diese Äusserung des Marschalls 
könnte dem kaiserlichen Kommandanten durch den major-g6n6ral de Con- 
lades mitgeteilt worden sein, welcher sich nachmittags zu Harsch begab. 
— *) Wie Schreiber IV, 258, berichtet, hiess ViUars, welchen ein grosses 
Gefolge begleitete, die Deputierten wieder au&itzen und der Stadt zureiten. 
Nach einigen Schritten habe er Mayer zu sich gerufen und ihm erklärt: 
„Er nehme grosse Rücksicht auf die Stadt, deren Kommandant er einst 



346 i'r. V. il. Wcngcu, 

nicht hinausgelassen wonion war, erreicht haben, der das 
SclireilH}n des Fehlniarsclmll- Lieutenants v. Harsch und das 
im Namen der Kin>Yohnerschaft an ihn gerichtete Überbrachte. 
Dass dem Marschall diese Schreiben in Gegenwart der Frei* 
burger Deputation überreicht wurden, seheint nicht der Fall 
gewesen zu sein, da in keiner der diesseitigen Quellen der 
Ankunft des Tambours auf französischer Seite Krwähnung 
geschieht. Daraus zu schliosseu, war die Deputation bereits 
vom Marschall entlassen, als derselbe jene Schreiben erhielt. 

Die Akten des Pariser Kriegsarchivs (im DtSpöt de la 
guerre) enthalten darüber folgenden Kintrag:*) 

„Lo gouverneur de Fribourg, en se retirant dans les 
chftteaux, envoya le 1. Novembre k neuf heures du matin ua 
tambour, porteur d'une lettre au Mavechal de Villars/*) 

Die aktenmiissigen „Memoires milit. relat. ü la successioa 
d'Espagne", Dd. XI, Seite 19K berichten darüber: 

„A neuf heures du nuitin, le l. novembre, on vit parattre 
un tambour, porteur d'une lettre tle Mrs. le baron dllarsch".*). 

Quincy, VII, 285, lilsst dieses Schreiben bekanntlich durch 
einen städtischen Deamten unmittelbar nach dem Erscheinen 
der weissen Kahne überbringen (siebe Seite 344), was jedoch 
der Degründung entbehrt. 

Thatsache ist es aber, dass Villars das Schreilwn des 
österreichischen Kommantlanten erhielt und damit wohl auch 
zugleich das von der Freiburger Deputation bei diesem zurück- 
gelassene Dittgesuch der Kinwohnerschaft. Denn ausser dem. 
ersteren Schreiben ist bei Vogue, Dd. 111, Seite 354, auch 
die im Namen der Freiburger Fiinwohnerschaft abgefasste 
Bittschrift nach dem jedenfalls aus Villars' Nachlasse im 
Besitze des Ilerausgebei^s befindlichen Originale wörtlich ab- 

gowoson« und m'oUo gute Ordnung hniton; aUoin man wcrdo doch diesen 
Mangt'l an KnpitulAtion teuor boxalilen müssen*'. Hierauf wurde der 
Ritt fort{^»setxt Die Uegierun)][srelation enthält darüber keine Mitteüun|tcn. 

*) Verfasser hatte Geh'i;enheit, die diesbe/.ügliolien Akten naehaohlagen 
zu lassen. — *) „Der Gouverneur von Freiburg schickte bei seinem Rück* 
Kuge in die Schhisser am 1. November um 9 l'hr morgens einen Tambour, 
weU'her ein Schreiben an den Marschall de Villars überbrachte.** — Die hier 
angegebene Zeit stimmt allenlings nicht mit jener des Kestungs-Diariunni 
überein. -M „Am 1. November um I» V\\r n\orgens sah man einen Tam- 
bour ei*sicheinen , welcher ein SchnMben des Herrn Uaron Harsch Über- 
brachte." 



Die Übergabe der Stadt Freiburg 1713. 347 

gedruckt. Auf welchem Wege der diese Schreiben über- 
bringende Tambour zu Villars gelangte und wo ihn der Mar- 
schall empfing, beziehungsweise welchen Bescheid er ihm 
erteilte, muss dahin gesteUt bleiben. 

^ Inzwischen hatte der in den Laufgräben kommandierende 
Oberst Duc de Tallard zwei Grenadierkompagnien an den Graben- 
übergängen postiert, um das Eindringen der Soldaten in die 
verlassene Stadt zu verhindern. Da aber aus den Kreisen 
der Bürgerschaft wegen der schon erwähnten Ausschreitungen 
der zurückgebliebenen kaiserlichen Mannschaften an den Feind 
das Ersuchen um den baldigen Einmarsch von Truppen 
gerichtet wurde, rückten gegen 11 Uhr vormittags 400 
französische Grenadiere in die Stadt, welche sich in der 
Hauptgasse (Eaiserstrasse) aufstellten und manchen der 
plündernden Soldaten dingfest machten.^) 

Nachdem mittlerweile die verrammelten Thore geöffnet 
worden waren, rückten um die Mittagszeit drei Bataillone 
des Regiments der französischen Garden durch das Martins- 
thor in die Stadt und stellten sich bei der Hauptwache auf. *) 



^) Regieningsrelation. Nach Schreiber IV, 259, wären es 800 Grena- 
diere gewesen, welche, von vielen hohen Offizieren begleitet, zwischen 9 
und 10 Uhr vormittags in die Stadt rückten, indem sie ihren Weg über 
das eroberte Bavelin und durch die Kommunikation zum Lehener (Pre- 
diger-)Thore nahmen. Jedenfalls war es 11 Uhr, da die Kaiserlichen erst 
um 10 Uhr die Stadt verlassen hatten. Die französischen Quellen er- 
wähnen des Einmarsches dieser Grenadiere nicht. Ob Yillars mit diesen 
Truppen einzog oder ob dies erst später der FaU war, lässt sich aus den 
vorhandenen QueUen nicht bestimmen. Quincy berichtet in Bd. VII, 285, 
dass der Marschall bei seinem Einzüge in die Stadt von den Behörden 
(magistrats) inmitten einer grossen Menge Volkes empfangen wurde, 
welche an seine Gnade appellierten; er habe ihnen Schutz für Leben und 
Eigentum zugesichert, aber für den Loskauf von der Plünderung eine 
Million gefordert. Auch in Richelieu's „M6moires" Bd. I, 170, wird er- 
zählt, dass beim Einzüge der Franzosen der Magistrat (1& magistrature) 
in seinen Amtsgewändem , hübsche Frauen . Kinder und Greise auf den 
Knien um Schonung baten und Villars ihnen die nämliche Erklärung er- 
teilte, wie sie sich bei Quincy erwähnt findet. — ^) Schreiber IV, 259. 
Die Regierungsrelation giebt an, dass der Einmarsch der Garde „Nach- 
mittag nach 12 Uhr*^ stattfand. Die obige Zahl der Bataillone ist den 
„M^m. milit. relat. ä la succession d'Espagne" XI, 891 entlehnt, welche 
den Einmarsch der Garden bestätigen, ebenso wie dies bei Quincy Vn, 
285, geschieht. Nur ist es ein Irrtum, wenn der Letztere noch an diesem 
Tage acht weitere Bataillone einrücken lässt; siehe darüber später. 



348 ^^' ^' ^* Wengen, 

Was noch von kaiserlichen Soldaten in den Strassen an- 
getroiTen wurde, trieben die Franzosen in die Klöster zusammen. 
Einlass in das untere Sohloss erhielt kein Soldat mehr. Etwa 
40 Mann, welche die Franzosen noch unten an den Pallisaden 
antrafen, wurden von ihnen mit dem Bajonette in die Stadt 
getrieben.*) Die Bergfestung enthielt sich hierbei jeder Feind- 
seligkeit, so dass kein Schnss auf die Stadt fiel 

Von den kaiserlichen Truppen waren ausser den Frauen 
und Kindern 2482 Mann, meistenteils Kranke und Verwun- 
dete, in der Stadt zurückgeblieben.*) 30 vernagelte Geschütze'), 
1000 Zentner Pulver und ein bedeutender Vorrat an Eisen- 
nmnition^) wurden eine Beute der einziehenden Franzosen^ 
welche ausserdem die nicht mehr erheblichen Vorräte an 
Kameralgetreide, sowie den von den kaiserliclien Truppen 
zurückgelassenen Hafer nut Beschlag belegten. Die Forsch- 
ungen nach sonstigen ärarischeu Vorräten führten auch dazu, 
dass dem Feinde die Kinwohner verraten wurden, welche bei der 
oben erwähnten Plünderung der Magazine sich beteiligt hatten 
und nunmehr das sich angeeignete Mehl zurückgeben mussten. 

Wegen Uegelung der zu zahlenden Kontribution sendete 
Villars, wie es scheint um die Mittagszeit, den Intendanten de 
la Iloussaye in die St-iult. Nachmittags zwei Uhr wurde zu 
diesem /wecke, wie Schreiber Seite 251) weiter erzählt, der 
Magistrat im Uatshofe versammelt und ihm hier von dem Inten- 
danten Felletier in Anwesenheit mehrerer Generale eröffnet: 
.obwohl die Stadt Freiburg in einem so schlechten Zustand 
sich befinde, (Uiss die Einwohner einer wirklichen Kapitulation 

') Kegieningsn^lation. -- •) „Foldüüiri* dos rrinzou Eugen** XV, 304". 
In soinom Horichto an den König vom 1. November (siehe VogtU^ III, 853) 
beKiftert Villars die Zurückgelassenen ausser den Oftiziersfniuen und ihren 
„^quipagi»s** auf 20(K> Kranke und Verwundete. Die ^Mömoirt>s milit. 
relat. ä la sueeession d'FiSpagne'* XI. 892, geben nur 2'MK) Kranke und 
Verwundete an; Quincy VH, 285, dei*en 2000 und aussertU^m noch 7(X) bis 
800 zurüokgt^laasene Soldaten. Nach Villars' Memoiren (Vogüe III, 225; 
Anquetil II, 2<^1) und Miehaud i^ Poujoulat IX, 225) hatten die Franxoson 
5000 (lefangtMie in das Kapuzincrkloster uiul dessen Garten zusammen- 
getrieluMi, eine übertriebene Zahl, wie aus der obigen, amtlichen Quel- 
len entlehnten ZifTor zu entnehmen. - ^) „Feldzüge» des Prinzen Kugen** 
XV, 30<». und „Mömoires milit. relat. ä la success. d*Ksjmgne** XI, »392 
geben überein.«itimmend 80 Geschütze an, Quincy VII, 285, dagegen 81.